10.12.17 - Zeller Raiffeisenbank Adventslauf

Wetter-Wende im letzten Moment

von Holger Teusch

Der 21-jährige Samuel Fitwi lief beim Zeller Raiffeisenbank-Adventslauf 5 km in 14:55 Minuten. Noch eine Stunde vor dem Start stand die Veranstaltung wegen Schnee vor der Absage.

Schnee an der Mosel gibt es nicht alle Tage, eine Seltenheit ist die weiße Pracht aber auch nicht. Der Zeller Raiffeisenbank-Adventslauf blieb vom gefrorenen Niederschlag bisher allerdings weitgehend verschont. Zumindest an den bisherigen 13 Wettkämpfen, zwischen 2004 und 2016, hatten die Organisatoren von Ruderverein Zell und der Läufergruppe des TSV Bullay-Alf noch keine wirklichen Probleme mit der winterlichen Witterung. Dafür kam es bei der 14. Auflage am zweiten Adventssonntag knüppeldick. Der knapp ein Kilometer lange Rundkurs durch die Zeller Altstadt war bereits am Vormittag abgesteckt worden, alles war bereit.

Dann verstärkte sich der Schneefall immer mehr und um die Mittagszeit, zwei Stunden vor dem geplanten ersten Startschuss um 14 Uhr, blieben die Flocken sogar in den Gassen liegen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt entstand ein glitschiges Gemisch aus Schnee und Schneematsch. Selbst ein erster Räumversuch der Stadtarbeiter mit dem großen Schneeschieber brachte nur wenig Verbesserung: Kaum war das Pflaster zu sehen, schneite es schon wieder zu.

 
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Wird der Süßigkeitensack dem Weihnachtsmann zu schwer, müssen seine Rentiere ran und den Vorrat, der an Zuschauer und Läufer verteilt wurde, zu tragen Mit Wildschweinkappe und fliegende Wutz auf dem Laufshirt rannten die Birkenhel(l)dinnen mit viel Spaß als Gruppe. Hintergrund: In dem Zeller Wohngebiet wüten die Wildschweine
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Eine halbe Stunde vor dem Start stand der Stadtlauf auf der Kippe. Peter Schmidt, Ehrenvorsitzender des mit ausrichtenden Rudervereins Zell, Zells Stadtbürgermeister Hans Schwarz, Bernd Müller von der Läufergruppe des TSV Bullay-Alf und weitere Mitglieder des Organisationsteams standen zusammen und diskutierten, ob gelaufen werden kann. Mit einer halben Stunde Aufschub erkaufte sich das Organisationsteam etwas Zeit. Zeit, für die vielen mit Besen bewaffneten Ehrenamtlichen und die Zeller Stadtarbeiter mit ihrem Räumgerät, um den mit einigen engen Kurven, Steigungs- und Gefällstücken sowieso schon kniffligen Parcours belaufbar zu machen. Vor allem auch Zeit, während der es aufhörte zu schneien!

So konnten mit exakt 30 Minuten Verspätung die Staffeln im ersten Wettbewerb auf die etwa viermal ein Kilometer lange Strecke gehen. Trotz (oder vielleicht sogar gerade wegen) der immer noch schwierigen Verhältnisse (zum Start begann es noch einmal zu schneien) sahen die diesmal nur verhältnismäßig wenigen Zuschauer spannende Rennen. Luca Podrasa, Leon Schlüß, Marcel Gnoß und Jonas Hochstrate vom nordrhein-westfälischen Club SV Sonsbeck entschieden den spannenden Zweikampf mit dem PST Trier in exakt elf Minuten mit sieben Sekunden Vorsprung für sich.

 

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Die Sonsbecker kommen seit dem ersten Adventslauf an die Mosel. Alles begann mit einem Trainingslager unter ihrem ehemaligen Cheftrainer Johannes Krasemann im Frühjahr 2003. Dabei wurde der Kontakt zum Zeller Leichtathleten, Bäcker und Pensionsbesitzer Christian Bauer geknüpft. Bei der Adventslauf-Premiere eineinhalb Jahre später kam die Truppe von Niederrhein wieder für ein Wochenende - und seitdem jedes Jahr. Die Organisation hat mittlerweile der junge Robin Schäfer übernommen. Während die ältere Generation weiterhin in Bauers Gästehaus nächtigen, kann der Nachwuchs auf der zu Zell gehörenden Marienburg auf dem schmalen Grad der Moselschleife den Saisonabschluss feiern.

Noch einmal bange Minuten, als es während des Staffellaufs mit Plüschschafen des Titelsponsors Raiffeisenbank Zeller Land noch einmal zu schneien begann. Daraus wurde aber bald Regen, bevor die Niederschläge ganz aufhörten Da freut sich das Staffelquartett der Kleinen Glocke Zell zusammen mit Coach und Cochem-Zells Landrat Manfred Schnur (2. v.l.): Der Wanderpokal für die schnellste Staffel des Landkreises ist zurück in Zell

Hinter den beiden Topteams kamen die Jugendstaffeln vom Trierer Silvesterlauf-Verein (11:30) und vom PSV Wengerohr (12:14) ins Ziel. Gleich darauf folgte die schnellste Staffel aus dem Kreis Cochem-Zell. Die Mannschaften aus dem Landkreis kämpfen alljährlich um den Wanderpokal des Landrats und Schirmherrn Manfred Schnur. Als Pokalverteidiger ging die Feuerwehr Blankenrath/Strimmig ins Rennen.

Die Floriansjünger aus dem Hunsrück und das Zeller Team Kleine Glocke schenkten sich dabei nichts. Mehrmals wechselte die Führung, aber am Ende holten in 12:17 Minuten mit fünf Sekunden Vorsprung die Einheimischen den "Pott" zurück an die Mosel.

 

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Das Führungsfahrrad war zu schnell um die Ecke und ein Streckenposten mehr hätte nicht geschadet! Mitfavorit Yannik Duppich von der LG Vulkaneifel, der 100 Meter nach dem Start in Führung liegend falsch abbog, wollte aber niemanden die Schuld geben Nach der Einführungsrunde lag noch ein Sextett mit dem Cochem-Zeller Lokalmatadoren Yannick Pütz aus Greimersburg, der für die LG Rhein-Wied startet (Nr. 9) zusammen, bevor Samuel Fitwi (rechts) aufs Gaspedal drückte

So erstaunlich schnell schon die Staffelläufer über das nasse, mit Eiswasser durchsetze Pflaster rannten, ein junger, aus Afrika stammender Mann setzte im sogenannten Raserlauf die Krone auf.

Der aus Eritrea geflüchtete und seit einigen Jahren in der Eifel lebende Samuel Fitwi blieb über fünf Kilometer in 14:55 Minuten unter der begehrten Viertelstundenmarke. Durchschnittsgeschwindigkeit: 20 km/h. Der 21-Jährige lag schon nach der 500 Meter langen Einführungsrunde unter anderem mit Yannick Pütz in Front. Der Greimersburger im Trikot der LG Rhein-Wied verpasste als bester Cochem-Zeller als Sechstplatzierter in 16:05 Minuten am Ende eine Top-Fünf-Platzierung äußerst knapp.

 

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Der 21-Jährige Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel lief in einem Solo in 14:55 Minuten für 5 km zum Sieg Hatte gut lachen: Nora Schmitz vom PST Trier (5) wiederholte in 18:04 Minuten ihren Adventslaufsieg von 2015 Kämpferisch zum zweiten Platz in 15:46 Minuten: Marco Müller vom LC Euskirchen vor Andreas Keil-Forneck (LG Vulkaneifel/4. In 15:54)

Fitwi siegte mit einer Dreiviertelminute Vorsprung vor Marco Müller vom LC Euskirchen (15:41) und seinem Vereinskameraden Yannik Duppich von der LG Vulkaneifel (15:46). Der 27-Jährigen hätte gut und gerne auch Zweiter werden können. Doch statt hinter Führungsfahrradfahrer Hermann "Heizer" Richard zu laufen, bog Duppich schon nach etwa 100 Metern falsch ab. Nachdem er seinen Fehler bemerkt hatte, gab der schnellste 10.000-Meter-Läufer des Leichtathletik-Verbands Rheinland aber nicht auf, sondern startete eine couragierte Aufholjagd, die nur fünf Sekunden hinter dem Zweitplatzierten endete. Duppich gab an seiner "Extratour" niemanden die Schuld. "Hat auch mal Spaß gemacht und war eine neue Herausforderung", erklärte er und zeigte sich begeistert von der Stimmung: "Es war unglaublich geil, wie die Zuschauer einen gepusht haben!"

In 18:23 Minuten belegte Lotta Schlund vom PST Trier den zweiten Platz Die erst 16-jährige Sonja Vernikov von Alemannia Aachen führte im Raserlauf das Frauenfeld auf der ersten Hälfte der 5-km-Distanz mutig an und wurde am Ende in 18:46 Minuten Dritte Anna-Lena Theisen von der LG Rhein-Wied (links, 18:59) und Jana Dahlem (19:18) kämpften um die beiden Preisgeldränge vier und fünf Karin Schenk vom TV Waldstraße Wiesbaden gewann als siebtschnellste Frau in 19:35 Minuten die Altersklasse W40

Hinter Duppichs LGV-Vereinskamerad Andreas Keil-Forneck (15:51) belegte der ebenfalls für die Eifel-LG startende belgische U20-Jugendliche Tom Reuter in 16:01 Minuten den fünften und damit letzten Preisgeldplatz.

Bei den Frauen siegte Nora Schmitz zum zweiten Mal nach 2015. Fast wäre die 25-Jährige gar nicht nach Zell gekommen. Fast doppelt so lange wie sonst, zweieinhalb Stunden, brauchte sie mit ihren Eltern aus Hellenthal in der Nordeifel im Schneechaos bis ins Moseltal. Etwa die Hälfte der vorangemeldeten Teilnehmer ließ das Auto lieber stehen. Eine Entscheidung, für die man natürlich volles Verständnis habe, so Organisationsleiter Peter Schmidt.

 

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Angesichts der Witterung sei man froh, dass der Lauf nicht ausfallen musste und 349 Namen in der Ergebnisliste (nur 2004, 2005 und 2007 waren es weniger) seien.

Zells Stadtbürgermeister Hans Schwarz gab den Jüngsten im Bambinilauf letzte Instruktionen, bevor er die unter Achtjährigen ohne Pistolenschuss, aber mit "Auf die Plätze, Los!" auf die rund 200 Meter lange Strecke schickte Frauenpower im Genießerlauf über 5 km: Annika Gäb (360, 20:48) vom PST zusammen mit ihrer Vereinskameradinnen Mona Reuter (rechts, 21:16) und Stephanie Dold (359, 21:44) sowie Miriam Trossen vom SFG Bernkastel-Kues (385, 21:27) und Rebecca Bierbrauer (Silvesterlauf Trier, links, 20:57)

Doch für Nora Schmitz lohnte sich die beschwerliche Anreise. In 18:04 Minuten siegte sie vor ihrer Vereinskameraden Lotta Schlund vom PST Trier (18:23). "Es ließ sich erstaunlich gut laufen. Der Räumdienst hat ganze Arbeit geleistet", lobte Rheinland-Crosslauf-Meisterin Schlund. Das aufspritzende Schmelzwasser an den Waden merke man im Wettkampfmodus kaum. Ebenfalls noch unter 19 Minuten blieb in 18:46 Minuten bei ihrem dritten Adventslaufstart Sonja Vernikov von Alemannia Aachen. Etwa die Hälfte des Rennens hatte die für ihr forsches Anfangstempo bekannte 16-Jährige sogar geführt. Das Duell um Platz vier und fünf entschied Anna-Lena Theisen von der LG Rhein-Wied in 18:59 Minuten vor Jana Dahlem (PST Trier/19:18) am Ende klar für sich.

Spaß mit Rauschebart und Rentiergeweih: Peter Schiffels und Hildegard Bruns von der LG Langsur liefen weihnachtlich verkleidet Eine von drei Läufern, die 14 Mal den 5-km-Lauf beim Zeller Raiffeisenbank-Adventslauf absolviert hat: W50-Siegerin Marion Haas. Außerdem war das Ehepaar Melanie und Stefan Heimes bei allen Zeller Fünfern auf der Strecke Mit dem Blick auf die gegenüberliegende, verschneite Moselseite lief auch Schlussläufer Thomas König über die vom Schnee befreite Adventslauf-Strecke
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Außer dem Mittelstrecken-Straßen-Staffellauf ist der zweigeteilte Hauptlauf über kurze 5 km eine Besonderheit des Zeller Raiffeisenbank-Adventslaufs. Es gibt den sogenannten Raserlauf für alle, die unter 21 Minuten bleiben wollen, und den Genießerlauf (ab 21 Minuten). In letztgenannten läuft traditionell ein Weihnachtsmann mit und verteilt zum Abschluss Süßigkeiten an die Zuschauer (in der Regel im vierstelligen Bereich, diesmal aber witterungsbedingt nur einige Hundert). Die Streckenlänge ist der kurzen Laufrunde von nur knapp 900 Metern geschuldet. Ursprünglich war diese so geschnitten, dass man komplett ohne Sperrungen von Durchgangsstraßen auskam. Doch mit steigenden Teilnehmerzahlen (der Rekord liegt seit 2012 bei 578 Finishern) wurde die Runde modifiziert, um auch für Überrundungen mehr Platz zu schaffen. Seit 2007 wird auch ein kurzes Stück über die Moseluferstraße gelaufen. Trotzdem gilt ein Teilnehmerlimit von 200 Startern, das bei den "Genießern" nach der Voranmeldezahl (196) fast ausgereizt worden war.

Bericht von Holger Teusch
Fotos: Michael Teusch und Franz-Josef Ott

Ergebnisse www.adventslauf.net

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