3.12.17 - 42. LBS-Nikolauslauf Tübingen

Laufen im und für den Naturpark

Favoritensiege durch Anais Sabrié und Timo Göhler

von Günter Krehl

Beim Probelauf zum 42. Tübinger LBS-Nikolaushalbmarathon waren drei Wochen zuvor trotz kalten Temperaturen und starkem Regen immerhin etwa 600 Unentwegte gekommen. Von den 3.326 Voranmeldern schafften es am 1. Advent immerhin 2.726 Teilnehmer bis ins Ziel, das waren genau 64 Sportler mehr als im Vorjahr und nur 47 weniger als beim Jubiläumsrekordlauf 2015. Wie am 4. Dezember vor einem Jahr lagen die Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, diesmal war die Landschaft aber zusätzlich in einen weißen Hauch gekleidet. So hatte das Orga-Team wieder viel zu tun, um die wenigen eisigen Stellen mit Splitt zu bestreuen, so dass sich die gesamte Strecke in bestem Zustand präsentierte.

Stimmt das Laufoutfit ? Beim Nikolauslauf in Tübingen bestimmt der Mann mit der Zipfelmütze anfangs das Renntempo
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Dieses Jahr ließ ich mir vor dem Start viel Zeit, um die Atmosphäre in beiden Hallen auf mich einwirken zu lassen. Trotz langer Schlangen bei der Startnummernabholung gab es keine Hektik. Dank der freundlichen und ruhigen Art aller Helferinnen und Helfer verbreitete sich eine angenehme gespannte Vorfreude bei den meisten Teilnehmern. Etwa 250 dieser "Tübinger Engel" sorgten für eine wie immer perfekte Veranstaltung und trotzdem konnten sogar noch 100 Lokalmatadoren im blauen Trikot den hohen Leistungsstand der "LAV Stadtwerke" beim eigenen Rennen präsentieren. Wenig Andrang gab es beim Stand der XL Größe weiblich für das Tübinger Laufshirt, bei S und M war da schon wesentlich mehr Betrieb.

 

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Noch mehr Trubel herrschte aber zeitweise am Eingang der Halle, in der es neben den Nummern auch eine kleine Laufmesse gab. Nicht jeder hielt sich an das "Rechtsdrängelgebot", so dass es zeitweise zu kleinen Staus kam und ein Teilnehmer meinte, gestern auf dem Weihnachtsmarkt wäre es nicht so eng zugegangen.

Start der ersten Gruppe bei minus einem Grad Die Gelben sind losgelassen - 6 Minuten nach Gruppe eins ist das dritte Startfeld unterwegs

Ohne Gedränge konnte man die Örtlichkeit erreichen, in der Siegerehrung und Bewirtung stattfanden. Zu meiner Verwunderung registrierte ich, dass viele Aktive sich noch bis zu 45 Minuten vor dem Start Kaffee, Brezeln und anderes munden ließen. Auch führten bis wenige Minuten vor dem Wettkampf noch unzählige Sportler die "Erwärmung" gemütlich sitzend passiv durch. Da denke ich wehmütig an meine jahrzehntelange Praxis, spätestens drei bis vier Stunden vor einem Lauf nur noch eine ganz geringe Menge feste und flüssige Nahrung aufzunehmen und zwei Stunden vor dem Rennen mit der aktiven Vorbereitung zu beginnen. Meine Hochachtung vor der heutigen Generation Läufer steigt, wenn ich ihre Vorstartaktivitäten sehe: Also auch so kann man einen Halbmarathon - teilweise in hervorragenden Zeiten - bewältigen.

Ganz kurz bekleidet wie Armin Härle (1. M60) sah man nur sehr wenige ... dafür umso mehr in namensgebender Laufkostümierung

Ja, als Reporter lässt man sich wirklich gerne anstecken und verlässt erst eine Viertelstunde vor dem Start die warme Halle. Ohne vorherige Bewegung kriecht die Kälte schnell durch die Kleidung, deshalb sind auch viele Sportler zu warm angezogen. Ganz kurz bekleidet wie Armin Härle sah man nur wenige, der sich als 1. M60 in guten 1:30:31 wohl fühlte und ohne störende Kleidung einfach flotter laufen kann.

Am Start konnte man sich auf Oberbürgermeister Boris Palmer freuen. Der grüne Politiker ist nicht nur als Realo bei vielen beliebt, bei anderen weniger gern gesehen, er ist auch als Sportbegeisterter viel mit dem Rad unterwegs und erwähnte, dass er vor vielen Jahren selbst den Halbmarathon gelaufen sei. Der linke Flügel seiner Partei wird es sicher auf ihn schieben, dass der Start nach Funkuhr etwa 20 Sekunden zu früh erfolgte, aber in der Politik kann man mit guten Ideen nicht früh genug beginnen.

 

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Der frühere Spitzenläufer und jetzige Finanzchef des Nikolauslaufes, Klaus Greif, begleitet mit seinem Segwayrollstuhl seinen Teamgefährten Björn Browatzki ein kleines Stück Kurz vor Kilometer 9: Bald beginnt der schöne Downhilltrail

Und dass es eine gute Idee war, den 42. "Kultnikolauslauf" auf die Reise zu schicken, bleibt unbestritten eine der besten politischen Handlungen der Gegenwart. Weiß, blau, gelb - in Wellen mit drei Minuten Abstand ergießt sich das Läuferband in den Schönbuch hinein. Schon nach dem ersten Kilometer hatten sich der Sieger der beiden letzten Jahre, Jens Ziganke (SV Reichenau), mit dem früheren Tübinger Timo Göhler von ihren Verfolgern deutlich abgesetzt. Im ersten Drittel starteten die beiden abwechselnd kleine Attacken, so konnte sich Jens beim ersten Anstieg am gefürchteten Bettelweg sogar etwa 20 Meter absetzen. Timo lief danach jedoch die Lücke wieder zu und konnte auf dem hervorragend präparierten "Downhilltrail" bei Kilometer 9 seinen Kontrahenten etwas distanzieren. Der Abstand zu seinem Verfolger wuchs kontinuierlich an - und so gewann Timo Göhler mit guten 1:09:54. Jens Ziganke war mit 1:10:44 nur 11 Sekunden langsamer als bei seinem Vorjahreserfolg.

Im ersten Drittel starteten Timo Göhler und Jens Ziganke abwechselnd kleine Attacken. Bei Kilometer 7 führt Jens Auf dem Rückweg zum Heuberger Tor

Daniel Noll (TSV Glems) hatte sich bei Kilometer 7 auf der 3. Position festgesetzt, dahinter folgten mit geringen Abständen David Jansen (SV Reichenau/13./1:15:48), Peter Obenauer (LAV Stadtwerke Tübingen), Simon Friedrich (TSV Straßberg/7./1:14:44), Denis Bäuerle (LG farbtex Nordschwarzwald), Fabrizio Giradelli (Vivat Lingua/8./1:15:20/1. M35), sowie die beiden Tübinger Michael Schramm (24./1:18:20) und Marius Stang (2. M30).

 

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Nach dem 2. Drittel lag Noll 30 Meter vor Obenauer. Mit größerem Abstand folgten gemeinsam Bäuerle und Friedrich, begleitet von einem Athleten ohne Startnummer. Als Einzelkämpfer folgten Giradelli, der immer stärker werdende Tübinger Marius Stang (2. M30) und der an Boden verlierende Jansen.

Jens Ziganke nach zwei Drittel der Strecke allein in 2. Position Timo Göhler auf dem letzten Kilometer mit Rückenwind zum Sieg Peter Obenauer erkämpft sich im Schlussdrittel noch Gesamtplatz 3

Am Ende konnte sich Peter Obenauer noch sicher auf Position drei schieben. Er liebt die Berge nicht so sehr, hatte Daniel Noll aber immer im Blick und konnte auf den letzten relativ flachen Kilometern vorbeiziehen, zumal der eisige Wind auf der freien Fläche zwischen Kilometer 19 und 20,5 kräftig von hinten blies. Obenauer war mit 1:12:52 zwar 59 Sekunden langsamer als 2016 aber einen Platz besser und glücklich beim Siegerinterview dabei sein zu können. Noll (1:13:28/1. M30) rettete Platz 4 vor dem aufkommenden Mittelstreckenass Denis Bäuerle (1:13:34), der heuer über 800 m in sagenhaften 1:48,10 in den Bestenlisten zu finden ist. Noch mehr Power auf dem letzten Teil zeigte Marius Stang, der sich zuletzt mit 1:14:36 noch auf den 6. Platz nach vorne schieben konnte.

Der Gesamtvierte Daniel Noll kurz vor dem Ziel Wer den Gesamtfünften Denis Bäuerle das gesamte (?) Rennen so leichtfüßig als 'Bandit' begleitet hat, konnte nach Redaktionsschluss geklärt werden: Lukas Eisele (LG Filder) Marius Stang kämpft sich auf dem letzten Kilometer noch auf Platz 6 und an Simon Friedrich vorbei Sprachlos aber schnell unterwegs: Fabrizio Giradelli als 8. Gewinnt er die M35

Weniger spektakulär verlief das Rennen der Frauen. Anais Sabrié sorgte mit einem Start-Ziel-Sieg für ein weiteres Tübinger Erfolgserlebnis. Zum dritten Mal gewann die französische Läuferin mit deutschem Pass und blieb mit 1:21:06 sogar eine Sekunde über ihrer Bestzeit aus dem Vorjahr, als sie sich nur der neuen Streckenrekordhalterin Sabrina Mockenhaupt (1:20:01) geschlagen geben musste. Katrin Köngeter lief zwischen Kilometer 5 und 6 auf die 2. Position, sah zwar zeitweise die Führungsfahrräder am Horizont, wusste aber, dass sie den Rückstand zur Führenden nicht zulaufen konnte. Am Ende war sie mit ihrer Verbesserung um einen Rang und 26 Sekunden auf 1:22:58 aber sehr zufrieden.

 

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Ebenso glücklich war Nora Kusterer (SV Oberkollbach), die nach dem Frankfurt Marathon (5. bei der DM in 2:44) eine Trainingspause eingelegt hatte und im Vorfeld recht unsicher war, was ihre Leistungsfähigkeit betraf. Die Nordschwarzwälderin, die nach längerem Aufenthalt in Sachsen nun in Pfungstadt lebt, hat schon oft Podestplätze in Tübingen erreicht, sicher wird sie hier eines Tages auch ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen.

Anaïs Sabrié bei Kilometer 7 schon deutlich in Front Ein neues hoffnungsvolles Lauftalent: Verena Andelfinger bei Kilometer 7 noch auf Rang 4, wird am Ende 5. Wieder 4. Frau: Karoline Degenhardt

Stefanie Kuhnert (Allianz Team) lag bei Kilometer 14 noch vor der Vorjahresvierte Karoline Degenhardt (Intersport Räpple) und Verena Andelfinger (Team "Go run it"). Am Ende wurde Degenhardt wieder Vierte, konnte aber mit 1:24:51 ihr Ergebnis von 2016 nicht ganz erreichen. Verena Andelfinger hat noch keinen bekannten Namen in der Laufszene, ihre 1:25:57 sind aber eine erstaunliche Steigerung zu Rang drei auf der wesentlich einfacheren Strecke in Ulm (1:28:59) und lässt auf eine spannende Entwicklung hoffen. Stefanie Kuhnert wurde 6. in 1:25:53. Auf den weiteren Plätzen folgten Susanne Hafner (1:27:36) als Erste der W30, und die Jugendsiegerin Christin Wintersig (SV Reichenau/1:27:46).

Erneut hat das Rennen an Niveau zugelegt. Auf der anspruchsvollen offiziell vermessenen Strecke mit 319 Meter Höhendifferenz blieben dieses Jahr 37 Männer unter 1:20 (2016 waren es 26) und 28 Frauen unter 1:35 (2016 waren es 21).

Nora Kusterer sieht man die Freude am Laufen so richtig an Anaïs Sabrié kurz vor dem Ziel Katrin Köngeter als 2. Frau auf dem letzten Kilometer

Lagen in der Vergangenheit bei der relativen Altersklassenliste durchweg die Senioren vorn, konnte 2016 mit Sabrina Mockenhaupt (immerhin auch schon W35) erstmals eine Siegerin auch diese Wertung gewinnen. In diesem Jahr gab es dann die "Revolution". Timo Göhler und Jens Ziganke lagen als Hauptklassenläufer vor Luigi de Franceschi (1. M50). Ungewohnt weit hinten platzierten sich die Sieger der M60 (9. Armin Härle) und M70 (25. Walter Johnen).

 

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Auch bei den Frauen gab es ähnliche Tendenzen. Anais Sabré feierte einen "Doppelsieg" vor Silke Holzmann (1. W45) und Karin Elsholtz (2. W45). Katrin Köngeter platzierte sich vor den beiden schnellen Damen der W50, Christine Sigg-Sohn und Karin Kern. Cheforganisator Gerold Knisel wies darauf hin, dass die Wertung in diesem Jahr mit neuen Faktoren vorgenommen wurde, sie unterscheidet sich auch deutlich vom "WMA Age-grading calculator", der beim WLV "Team-Lauf-Cup" zum Einsatz gekommen war.

Armin Härle gewinnt die M60 Salvatore Gangi siegt in der M65 WLV-Breitensportwart Dieter Schneider (3. M60) führt eine kleine Gruppe an

Bei der Pressekonferenz im ungeheizten "Klassenzimmer" froren 6 glückliche Athleten mit der schreibenden Zunft, Organisatoren und Funktionären verschiedener Fachrichtungen. In einem kurzen Rückblick auf das Rennen erlebte man 6 bescheidene und faire Sportler. So brachte Timo Göhler seinen Gegner große Hochachtung entgegen und sprach von einem harten Kampf, einem anstrengenden Lauf und großen Schmerzen unterwegs. In Tübingen jubelt man über die Rückkehr ihres einstigen Teamkameraden, der seinen längeren USA-Aufenthalt beendet hat und nächstes Jahr wieder in Blau an den Start gehen wird. Für das Team ART Düsseldorf steht er mit seinen 28:57,27 und 14:03 in diesem Jahr weit vorne in der DLV-Bestenliste. Timo hat mit seinen Unterdistanzzeiten auf jeden Fall das Potential, den Streckenrekord von Dieter Baumann (1:07:15) aus dem Jahre 2005 zu unterbieten, zumal der Olympiasieger diesen als Vierzigjähriger im Herbst seiner beispiellosen Karriere aufgestellt hatte.

Wenige Meter vor dem Ziel wird noch um jede Sekunde gespurtet Nach 1 Stunde und 53 Minuten sind knapp die Hälfte der Teilnehmer im Ziel

Zum dritten Mal hintereinander konnte der Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch, Mathias Allgäuer (der mit schnellen 1:32:53 als 19. M50 dieses Jahr wieder aktiv mit dabei war), einen Scheck entgegennehmen. Mehr als jeder Sechste der Voranmelder, genau 578, wollten nicht nur im, sondern auch für den Naturpark laufen. Sie spendeten die neue Rekordsumme von 2.060 Euro. Der Förderverein steckt dieses Geld in den Ausbau von Wander- und Mountainbikewegen. Die gute Zusammenarbeit von Sportler und Naturschützer soll auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Der Post-SV Tübingen ist übrigens Patenverein des Naturparks.

Die Siegerinnen und Sieger bei der Pressekonferenz
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Gerold Knisel und sein Dreamteam haben ihren Standard gehalten. Wiederholungen aller Superlative sollen vermieden werden, drei kleine Leuchtpunkte müssen reichen: In der Homepage wird das Archiv jedes Jahr auf den neuesten Stand gebracht. Die vielfältigen Ergebnislisten - wie immer an Ort und Stelle im Netz sofort abrufbereit - weisen noch (?) bis auf die Gesamtliste die Jahrgänge auf und unterscheiden sich damit zum Beispiel positiv von denen der nationalen Titelkämpfe in Bad Liebenzell. Ein Ummelden in letzter Minute innerhalb des Vereins war trotz fehlender Unterschrift möglich. Als Fazit kann ich nur die Worte von Nora Kusterer sinngemäß wiedergeben. Sie dankte allen "Tübingern" für eine Veranstaltung auf höchstem Niveau, das Jahr für Jahr gehalten und sogar verbessert wird.

Geht das überhaupt, fragt sich der Beobachter? Es ist sicher schwierig aber durchaus möglich. Mein Vorschlag für 2018: Einen geheizten Raum für die Pressekonferenz.

Bericht und Fotos von Günter Krehl

 unter Sportonline-Foto.de
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