10.12.17 - 2. Heusenstamm Cross

Crosslauf-Veranstaltung vom Feinsten

von Thomas Guthmann

Die Blätter an den Bäumen haben sich schon lange verfärbt und auch der letzte Herbstmarathon ist Geschichte. Bis zum Frühjahr treten andere Veranstaltungen im Laufkalender in Erscheinung: so prägen in der dunklen-nasskalten Jahreszeit vor allem Winterläufe das Bild. Aber auch Crosslaufveranstaltungen finden sich in der gesamten Bundesrepublik und ermöglichen so Interessierten ein sportliches Kräftemessen auf unwegsamen Gelände.

Vorbereitung für ein Schlittenhunderennen ? - Nein, der Heusenstamm Cross bot bei seiner 2. Austragung auf abwechlungsreichen Parcours noch zusätzlich weiße Flockenpracht für CrossläuferInnen, die auch ohne Schlitten voran kommen wollten
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Im vergangenen Jahr war die Premiere des Heusenstamm Cross ein voller Erfolg und wurde von den Teilnehmern hoch gelobt. Der Wunsch den Crosslauf sonntags auszurichten, damit auch die am Samstag arbeitende Bevölkerung eine Chance zur Teilnahme hat, wurde umgesetzt. "Dadurch haben auch wir mehr Zeit zum Aufbau und können dies bereits am Samstag erledigen", so Markus Heidl, der neben Martin Luprich, zum Chef-Duo der Veranstaltung gehört.

Im Vorfeld der Veranstaltung gingen die beiden professioneller an die Bewerbung des Crosslaufs heran und dadurch, dass der Frankfurter Laufshop mit ins Boot geholt werden konnte, eröffneten sich neue Möglichkeiten. So war bereits Wochen vor dem Veranstaltungstag die letztjährige Zahl der Voranmelder übertroffen und letztendlich meldeten sich 15% mehr als im vergangenen Jahr vor. Erfreulicherweise leisten auch deutlich mehr Helfer bereitwillig ihre Unterstützung, was die Durchführung zusätzlich entspannte.

Zwei Neuerungen hielt der Heusenstamm Cross in diesem Jahr bereit. Neu hinzugekommen war der Sprintcross über 700 m, der in der dem Ziel gegenüberliegenden Ecke des Stadions startete und vom dortigen Hügel, über Rasen, eine Weitsprunggrube, durch eine lange Sandpassage, über einen 3 m hohen Erdwall hinweg führte. Den Abschluss zum Ziel bildeten vier 90-Grad-Kurven. Des Weiteren wurde der Stadioncross für Kinder/Jugendliche bis U14 auf eine komplette Runde verlängert. Diese komplette Runde wurde auf dem Sportgelände von der Streckenführung her etwas vereinfacht, so dass es zu keinen Missverständnissen kommen konnte.

Asphaltabschnitte wurden diesmal mittels Turnermatten gequert Die Sandpassage präsentierte sich dieses Jahr in weiß

Der Rasen des Fußballplatzes war in diesem Jahr benutzbar, so dass auf diesem gestartet werden und die Teilnehmer von dort Richtung Stadioneinzäunung sprinten konnten, wo sie durch eine erste Engstelle in Form eines Tores das Gelände verließen und Richtung Wald steuerten. Die Helfer hatten hier wieder keine Mühen gescheut und auf einer gut halben Meter Breite das Laub zur Seite gerechelt, so dass sich ein gut sichtbarer Pfad durch das Gehölz schlängelte. Ein umgestürzter Baum, der bei einem Volkslauf sicherlich Forstarbeiten auf den Plan gerufen hätte, sorgte hier für ein willkommenes Hindernis. Nach der Waldpassage ging es über Wiesen zurück zum Stadion, wo unmittelbar nach einer 180-Grad-Kurve ein kleiner Hügel die Teilnehmer ordentlich ins Schwitzen brachte. Nach einer kurzen "Verschnaufpause" warteten zwei weitere anspruchsvolle Abschnitte auf die bereits beanspruchten Läuferbeine: eine gut 30 m lange Sandpassage musste gemeistert und zu guter Letzt der drei Meter hohe Erdwall der Tribüneneinfassung des Fußballplatzes überwunden werden. Nun endlich hatten die Teilnehmer das Ziel vor Augen und ließen sich durch die Anfeuerungen der Zuschauer durch die letzten vier 90-Grad-Kurven tragen.

Eröffnet wurde mit einem Sprintcross über ca. 700m, den Aaron Bienenfeld gewinnt Siegerin beim Sprintcross wird Friederike Willoughby Es folgt ein Kinderlauf über ca. 2100 m, den Emil Held bei den Jungs und Tabea Kiefer bei den Mädchen gewinnt

Trotz kurzer Asphaltpassagen war die Strecke komplett mit Spikes belaufbar. Damit die Dornen der Spikes sich nicht auf diesem harten Untergrund abnutzen hatte der Veranstalter an diesen Stellen ausrangierte Weichbodenmatten aus dem Turnsport ausgelegt, die ein verschleißfreundliches Queren des Asphalts ermöglichten.

 
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Es war ein kalter und trockener Vormittag als der vielfältige Wettkampftag pünktlich um 11 Uhr mit dem Sprintcross über 700 m gestartet wurde. Diese neue Distanz lag vor allem Martin Luprich am Herzen, da er den Sprintern und Kurzstrecklern des TSV Heusenstamm die Möglichkeit anbieten wollte, sich auf dieser unebenen Sprintstrecke fernab der Tartanbahn zu beweisen. Als erstes sah man Aaron Bienenfeld (Frankfurter Laufshop) in 1:20 min dem Ziel entgegen sprinten. Als einzige Starterin der Frauen erreichte Triathletin Friederike Willoughby (MTV Kronberg) in 1:54 min das Ziel. Mit lediglich vier Teilnehmern wurde der Sprintcross noch nicht so recht angenommen und auch die Starter aus den vereinseigenen Reihen fehlten. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Start der Mittelstrecke über 4.200 m im dichten Schneefall - noch ist nicht alles weiß Auch beim Mittelstrecken Rennen hat Aaron Bienenfeld die Nase - und Schneeflocken im Gesicht - vorn

Die zwei Kinderläufe der ersten Auflage des Heusenstammer Crosslaufs wurden in diesem Jahr kurzerhand zum Stadioncross zusammengefasst. Kinder und Jugendliche von U8 bis U14 liefen nun eine komplette Runde über 2100 m. Die Eltern konnten zwar jetzt nicht mehr den kompletten Rennverlauf ihrer Schützlinge mitverfolgen, aber die Streckenführung im Stadion wurde dadurch deutlich vereinfacht und übersichtlicher.

Seinen Vorjahressieg konnte Emil Held (JSK 1888 Rodgau) wiederholen und erreichte als erster in 8:48 min das Ziel. Ihm folgte Mika Siebenborn (MTV Urberach) in 8:56 min vor dem Dritten Luis Fox (TSV Heusenstamm) in 9:40 min. Bei den Mädchen siegte Tabea Kiefer (SC Steinberg) in 9:10 min und ließ damit als Gesamt-Dritte 19 Jungs hinter sich. Als zweitplatzierte beendete Elena Steinweg vom ARG-SmC-Laufteam in 10:57 min den Wettkampf vor der Dritten Miriam Pohl (LG Fulda) in 11:45 min.

Fabian Sponsato läuft im Mittelstrecken auf Platz 2 Simon Hailemicheal Fisha wird 3. Friederike Willoughby ist nach dem Sprint auch auf der Mittelstrecke schnellste Frau Sara Kiefer läuft auf Rang 2
Anna Katharina wird 3.

Die Wettervorhersage hatte es für Sonntag angekündigt: Schneefall sollte bis in die Niederrungen des Rhein-Main-Gebiets kommen. Während des Kinderlaufs schien Frau Holle zu beginnen ihre Bettdecken auszuschütteln, denn vereinzelt verirrten sich Schneeflocken nach Heusenstamm zum Crosslauf. Was beim Kinderlauf noch verhalten und zaghaft war, entwickelte sich binnen weniger Minuten bis zum darauffolgenden Start des Mittelstreckenwettkampfes über 4,2 km zu einem ausgewachsenen Schneegestöber mit Windböen, die sich richtig unangenehm anfühlten und einem die Schneeflocken in die Augen trieben. Jacken wurden bis unters Kinn geschlossen, Kapuzen wurden aufgesetzt oder Mützen tief in die Stirn gezogen.

Nichtsdestotrotz waren über 50 Teilnehmer am Start und alle Gesichter des Kurzcross sah man im dichten Schneetreiben auch wieder an der Startlinie zur Mittelstrecke stehen. Der Dominanz von Aaron Bienenfeld (Frankfurter Laufshop) hatte keiner etwas entgegen zu setzen. Unbeirrt durch das Schneetreiben rannte er über die Strecke und pflügte regelrecht durch die lange Sandpassage. Bereits nach einer Runde hatte er über eine halbe Minute Vorsprung und siegte uneinholbar in 14:44 min.

Nicht verwunderlich war er doch für die Cross EM in Samorin (LaufReport berichtete) als Ersatzmann nominiert und lief in den vergangenen Wochen bei den Crosslauf-Veranstaltungen des Rhein-Main-Gebiets von Sieg zu Sieg. Seine zwei Siege beim heutigen Heusenstamm Cross mögen sicherlich nur ein kleiner Wermutstropfen dafür sein, dass er als Ersatzmann bei der Cross-EM nicht gebraucht wurde, doch dem national und international aufstrebenden Läufer stehen noch alle Tore offen. Den zweiten Platz erlief sich Doppelstarter Fabian Sposato (SSC Hanau-Rodenbach) in 16:00 min mit einem komfortablen Vorsprung vor dem Dritten Simon Hailemicheal Fisha vom ausrichtenden TSV Heusenstamm in 16:54 min.

Aus der Partnerstadt Ladispoli in Italien kam Franco Iannilli auf die Heusenstammer Crossstrecke Start der Frauen Langstrecke über ca. 6300 m

Bei den Frauen behauptete sich Friederike Willoughby (MTV Kronberg) trotz ihres vorhergehenden Startes beim Kurzcross. Sie war zusammen mit ihrem Trainer Martin Dröll angereist, der ebenfalls über die Mittelstrecke an den Start ging. Friederike Willoughby siegte in 20:22 min und äußerste sich im Interview mit Streckenkommentator Kurt Stenzel positiv über den Parcours: "Die Strecke ist sehr abwechslungsreich und dadurch recht kurzweilig. Es hat viel Spaß gemacht hier zu laufen." Die folgenden Plätze machten Sara Kiefer und Anna Katharina Deser (beide SC Steinberg) unter sich aus, da sie bis zur zweiten Hälfte von Runde 2 Seite an Seite liefen. Mit Beginn des Wiesenabschnitts konnte sich Sara Kiefer absetzen und die lange Sandpassage sorgte für klare Fakten: in 20:31 min erlief sich Sara Kiefer Rang 2. Neun Sekunden später folgte Vereinskollegin Anna Katharina Deser mit Platz 3 in 20:40 min.

Der Heusenstamm Cross ist eine Veranstaltung der kurzen Wege, sieht man von den Wettkampfdistanzen ab. Denn Start/Ziel, Umkleiden, Duschen und die Kuchentheke liegen nur wenige Meter auseinander. Gerade aufgrund des Schneegestöbers wussten dies viele Teilnehmer sehr zu schätzen, die so schnell unter eine heiße Dusche hüpfen und sich trockene Sachen anziehen konnten. Als den Zuschauern das Schneetreiben zu viel wurde nutzten sie die kleine Überdachung der Sporthalle und feuerten von diesem geschützten Platz die Crossläufer an. Obwohl das Frauenrennen über die Langstrecke versprach, das heißeste Rennen des Tages zu werden und viele dem Start entgegenfieberten, kam es nicht gegen das Schneegestöber an: mittlerweile lagen gut zwei Zentimeter Schnee.

Die Frauenlangstrecke wurde durch Athletinnen von Spiridon Frankfurt dominiert, allen voran Tania Moser ... ... gefolgt von Hanna Rühl ... ... und Clara Costadura Ohne Spikes wurde dieser Streckenabschnitt schnell zur Rutschpartie

Das Frauenrennen genoss deshalb eine große Erwartungshaltung, da es hier keine klare Favoritenrolle gab: erst vor ein paar Tagen waren die Athletinnen Clara Costadura, Tania Moser und Hanna Rühl von ihrem Verein Spiridon Frankfurt zu den Sportlerinnen des Jahres gekürt worden. Alle blicken auf eine gelungene Saison mit unterschiedlichen Erfolgen zurück. Wer würde heute den besseren Tag haben, wer besser mit der Strecke zurechtkommen? Denn nur Clara Costadura, die jüngste, kannte die Strecke bereits vom vergangenen Jahr.

Als der Startschuss fiel setze sich jedoch eine ganz andere an die Spitze: Paulina Wolf war allen anderen zwei Schritte voraus. Bis zum Wald war sie jedoch wieder eingeholt. In Runde zwei beim Baumstammhindernis waren alle drei Spiridon-Frauen noch nahezu gleich auf. Clara Costadura leistete zu dem Zeitpunkt Führungsarbeit. Zu Beginn von Runde drei hatten sich Hanna Rühl (an der Spitze liegend) und Tania Moser einen 5 m Vorsprung vor Clara Costadura herausgelaufen.

 

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Den weiteren Verlauf der finalen Crossrunde konnte jedoch Tania Moser zu ihren Gunsten entscheiden, so dass sie das Langstrecken-Rennen der Frauen in 27:55 min gewann. Ihr folgte auf Platz 2 Hanna Rühl in 28:09 min vor Clara Costadura in 28:35 min. Zurecht hatten die Zuschauer mit Spannung das Rennen erwartet.

Start der Männer Langstrecke über ca. 8400m im nun noch dichteren Schneefall - jetzt ist alles weiß

Das letzte Rennen des Tages bildete die Langstrecke der Männer über vier schweißtreibende Runden, um auf die erforderlichen Gesamtdistanz von 8,4 km zu kommen. Etwas verfroren wirkte das starke Geschlecht schon, als es bis auf wenige Ausnahmen mit langen Hosen und langen Shirts bzw. gar Jacken an der Startlinie stand. So ganz anders die Frauen im Rennen zuvor, die farbenfroh und in kurzen Laufhosen den Wettkampf meisterten. Unübersehbar versank die Landschaft immer mehr unter einer zentimeterhohen Schneedecke als knapp 40 Teilnehmer losrannten.

Thomas Seibert (SSC Hanau-Rodenbach) drückte als Favorit dem Rennen seinen Stempel auf. Mit Aaron Bienenfeld und Florian Neuschwander, der zwar vorgemeldet hatte, aber nicht erschien, als weitere Konkurrenten hätte es sicherlich ein spannendes Rennen werden können, aber so drehte Thomas Seibert einsam an der Spitze seine Runden und siegte mit über drei Minuten Vorsprung in 33:01 min. Auf Rang 2 folgte Andreas Heimel (TV Waldstraße Wiesbaden) in 36:06 min vor dem Triathleten Ken Kölzer (guilty76racing) in 36:57 min mit Platz 3, der zwar schon an einigen Cross-Duathlons teilgenommen hatte, aber noch nie an einem reinen Crosslauf.

Thomas Seibert gewinnt das Langstreckenrennen
Andreas Heimel wird 2. und zugleich schnellster Master (1.M45) Ken Kölzer läuft auf den 3. Rang

Mit diesem Finale, der Langstrecke der Männer, ging eine wahrlich crosslauf-würdige Veranstaltung zu Ende. Die Strecke ist ohnehin abwechslungsreich und anspruchsvoll, aber wenn dann binnen zwei Stunden fünf Zentimeter Schnee fallen, wird es zur einer Crosslauf-Veranstaltung vom Feinsten. Auch in diesem Jahr war der Tenor der Teilnehmer voll des Lobes und ausgepowerte Athleten stärkten sich an der reichhaltigen Kuchentheke oder mit einer warmen Suppe. Als Wettkampfmoderator ließ sich Kurt Stenzel, seines Zeichen kein unbedarfter Läufer mit Bestzeiten über 10 km von 28:13 min. und im Marathon von 2:13:25 Std., locken und kommentierte das Geschehen an der Strecke mit viel Fachwissen und -verstand. Ein überaus bereicherndes Alleinstellungsmerkmal, das der Veranstaltung weiteres Lob einbrachte.

Am Ende war die gesamte Crossstrecke mit Schnee überzogen Tschüß - bis zum nächsten Mal
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Obwohl die Veranstaltung keine Wünsche offen lässt, ließ das Orga-Team verlauten, dass es bereits Ideen für weitere Neuerungen gibt. Interessierte dürfen somit gespannt sein was Markus Heidl und Martin Luprich der Crosslaufgemeinde im Dezember 2018 präsentieren werden.

Bericht und Fotos von Thomas Guthmann
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