16.12.17 - Ellscheid Cross

Crosslauf vom Feinsten

von Holger Teusch

Crossläufe tendieren zuweilen dazu, eher zu Waldläufen zu werden. Diese Gefahr besteht in Ellscheid in der Vulkaneifel nahe Daun nicht. Die Auftaktveranstaltung zur Vulkaneifel-Crosslauf-Serie findet auf einem Parcours statt, der wirklich das Prädikat "Cross" verdient hat. Bei den winterlichen Bedingungen wie in diesem Jahr erst recht!

Nach zehn Metern über Asphalt ging es für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen auf die verschneiten Waldwege rund um den Ellscheider Sportplatz Manchem war die Luft beim Crosslauf in Ellscheid so kalt, dass man sich wie Marie Sophie Gierenz vom SC Bleialf mit einem Schal vor dem Mund half
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Denn nach ordentlichem Schneefall in den Tagen vor dem Rennen, aber leichten Plusgraden war die Strecke anspruchsvoll, wie selten zuvor. Zwar sucht man richtig schwere Anstiege und Gefällstücke in Ellscheid vergeblich, aber der ständig wechselnde Untergrund ist schon bei trockenem Wetter Herausforderung genug. Zwar kommen die Läufer nicht um Feld- und Waldwege herum, der größte Teil der zwei Kilometer langen Runde führt aber entweder auf schmalen Pfaden oder querfeldein durch den Wald beziehungsweise einfach über eine sonst als Viehweide genutzte Wiese.

Diesmal kam an vielen Stellen noch Schnee hinzu. Dabei hat der SV Ellscheid seine Erfahrungen bei der Organisation eines Winterlaufs. Schnee gab es öfters und einmal wurde sogar bei unter minus zehn Grad über die weiße Pracht gerannt. Die Kälte war am Vorabend des dritten Advent dagegen noch erträglich, aber leichtes Tauwetter sorgte für knöcheltiefen Schlamm, Pützen und kleine Wasserläufe. Trockenen Fußes kam niemand ins Ziel!

 

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Tim Gierenz vom Athletic-Team Wittlich setzte sich über 2 km der 12- bis 15-Jährigen knapp gegen Marvin Klinkhammer von der LG Vulkaneifel durch Selbst der 81 Jahre alte Peter Schröder aus dem Moselort Maring-Noviand wagte sich auf die morastige und verschneite Crosslaufstrecke Marc Prins vom Team Sport Brang gewann in 14:39 Minuten mit fast einer Minute Vorsprung das 4-km-Mittelstreckenrennen

Das galt auch für Samuel Fitwi. Der aus Eritrea stammende 21-Jährige, der vor einem Jahr knapp hinter dem Halbmarathon-DM-Sechsten Thorben Dietz Zweiter wurde, dominierte diesmal das Langstreckenrennen über vier Runden, gleichbedeutend mit etwa 8 km. Dass er in 26:52 Minuten mehr als zwei Minuten länger benötigte, lag nicht nur an den schwierigeren Bedingungen. Die Ellscheider Lauforganisatoren hatten die Strecke etwas verändert. Statt die Läufer auf direktem Weg über eine Wiese in ein Waldstück zu schicken, leitete man sie auf einem Umweg durch eine hohe Fichtenschonung. Über den schmalen Wurzelpfad des Antonius-Wanderweges, eines knapp zwölf Kilometer langen Rundwegs rund um Ellscheid, geht es in ein Waldstück auf einem der höchsten Punkte weit und breit, wo die Kelten einst ihre Toten bestattet hatten.

Noch lag Wiktor Vernikov (Alemannia Aachen) vor Jule Prins, doch am Ende schob sich die 28-Jährige im Mittelstreckenrennen sogar noch auf den dritten Gesamtplatz vor Richard Luxen von der LG Vulkaneifel (rechts) setzte sich über 4 km im Kampf um den Sieg bei den 50- bis 59-Jährigen gegen Günter Willems (SV Neunkirchen-Steinborn) durch

Der Wald, durch den nur durch Flatterband gekennzeichnet auf kaum erkennbaren Pfaden eine Schleife gedreht wird, sorgt auch bei Trockenheit für jede Menge Abwechslung in der Schrittgestaltung. Aber auch, als es diesmal auf die Wiese ging, waren Kraft und Flexibilität bei Schrittlänge und -frequenz gefragt. Denn über die leicht abschüssige Wiese suchte sich das Schmelzwasser unter der noch immer einige Zentimeter dicken Schneedecke hindurch seinen Weg talwärts. Wo es sich besonders sammelte, wurde der Morast von Runde zu Runde tiefer.

Die 16-jährige Sonja Vernikov (Alemannia Aachen) belegte den zweiten Platz über 4 km und wurde über die doppelte Distanz kurz danach Dritte Die 16-jährige Katharina Fröhlig (LG Vulkaneifel) wurde Drittschnellste über 4 km Julia Moll vom PSV Wengerohr gewann nicht nur die Altersklassenwertung bei den 40- bis 49-Jährigen über 4 km, sondern ließ als Gesamt-Viertplatzierte auch viele jüngere Läuferinnen hinter sich

Für Fitwi, den zweitplatzierten Nicolas Krämer (28:55), der ebenfalls für die LG Vulkaneifel startet, kein Problem. Ebenso wenig für Ahferom Teame vom SSV Almersbach (30:40), wie Fitwi ein junger Flüchtling aus Ostafrika. Erstaunlich war aber, dass sich auch etliche Seniorenläufer höherer Altersklasse auf das rutschige Terrain wagten.

Josef Schmülgen vom TuS Schmidt (Jahrgang 1938) gewann dabei gleich zweimal die Altersklasse M80. Zunächst über die 4 km lange Mittelstrecke, dann auf der doppelten Distanz. Weil sich die Vulkaneifel-Crosslauf-Serie mit ihren vier Veranstaltungen über den Jahreswechsel erstreckt, werden die Läufer bereits in die Klasse eingeteilt, in der sie im neuen Jahr starten. Noch zwei Jahre älter als Schmidt ist allerdings Peter Schröder.

 

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Der 82-Jährige vom Wittlicher Stadtteilverein PSV Wengerohr lief die vier Kilometer in gut einer halben Stunde (31:44).

Afrikaner ohne Angst vor Kälte und Schnee: Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel war so schnell wie kein anderer Läufer in Ellscheid - auch auf den kürzeren Strecken! Von wegen kalt: Nicolas Krämer von der LG Vulkaneifel lief in kurzer Hose und im Trikot zum zweiten Platz über 8 km

Außer Sieger Samuel Fitwi hat auch der 8-km-Dritte Ahferom Teame seine Wurzeln in Eritrea

Knapp die Hälfte dieser Zeit benötigte Mittelstrecken-Sieger Marc Prins. Der 44-Jährige zog natürlich trotzdem den Hut - wenn er denn eine Kopfbedeckung aufgehabt hätte. Nach 14:39 Minuten hatte der Läufer aus dem nordrhein-westfälischen Dahlem, der für das Team Sport Brang startete, das 4-km-Rennen mit großen Vorsprung vor dem U18-Jugendlichen Constantin Fuchs (Wittlicher TV/15:30) gewonnen. Bereits auf dem dritten Platz folgte seine Frau Jule. Die 28-Jährige bewies damit einmal mehr, dass sie nicht nur auf dem Mountainbike und von einem Hund gezogen schnell ist.

 
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In 15:34 Minuten verpasste das Ehepaar Prins nur knapp den Doppelsieg. Jule Prins war vor gut einem Monat Europameisterin im sogenannten Carnicross geworden. Dabei wird der Sportler ähnlich wie beim Schlittenhunderennen von einem Hund gezogen.

Yvonne Engel vom Lauftreff Schweich wiederholte auf den rund 8 km der Langstrecke ihren Sieg von 2016 Scheinbar locker lief Michelle Bauer vom LT Schweich über 8 km auf den zweiten Platz
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Bei den Frauen auf der Langstrecke gab es diesmal die knappste Entscheidung. Allerdings trennten Yvonne Engel (34:18) vom Lauftreff Schweich und ihre Vereinskameradin Michelle Bauer (34:34) immerhin noch 16 Sekunden. Die 40-jährige Yvonne Engel wiederholte damit ihren Vorjahressieg. Dritte wurde Sonja Vernikov. Die 16-Jährige hatte bereits über 4 km (in 15:58 Minuten) den zweiten Platz bei den Frauen belegt. Für vier Ellscheider Crosslauf-Runden benötigte sie 36:30 Minuten.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse www.ellscheid-vulkaneifel.de

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