31.12.17 - 37. Bietigheimer Silvesterlauf

Simon Boch zum Dritten!

von Wilfried Raatz

Eine bessere Visitenkarte hätten Simon Boch und Laura Hottenrott vor dem neuen DLV-Präsidenten Jürgen Kessing am letzten Tag des Jahres 2017 nicht abgeben können! Beim Bietigheimer Silvesterlauf wussten beide mit herausragendem Auftritt zu überzeugen und bekundeten unisono ihr Interesse für einen Start bei den Europameisterschaften im August 2018 in Berlin.

Theresia und Heinz sind gerüstet für die Silvesterlauf-Schlacht ... und einen sportiven Jahresausklang
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Vor allem Simon Boch durfte sich vielen Gratulanten sicher sein, denn der deutsche 10.000 m-Meister im Trikot der LG Telis Finanz Regensburg schaffte in der nunmehr 37jährigen Geschichte des Silvesterlaufs vor den Toren Stuttgarts Historisches: Noch nie gewann ein Athlet dreimal in Folge beim von zahlreichen deutschen Spitzenläufern hoch im Kurs stehenden läuferischen Jahreskehraus über die 11,1 km lange Strecke!

 

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Es ist eine Tradition, dass man sich am Vorabend im Kleinkunstkeller in der Altstadt im Athletenkreis trifft, um im Talk zwischen den Top's und den bestens informierten Moderatoren Achim und Michael Kloiber die letzten News zu erfahren und wer am besten "tiefstapeln" kann, wenn es um die Auslobung der Poleposition geht. Einmal mehr ließ es sich das Stadtoberhaupt Jürgen Kessing als Schirmherr des traditionsreichen Silvesterlaufes nicht nehmen, um im Kleinkunstkeller zu begrüßen. Er nutzte freilich die Gelegenheit, um als gerade gewählter DLV-Präsident in dieser einmaligen Konstellation einige Worte an die Topathleten zu richten, vor allem im Hinblick auf die anstehenden Europameisterschaften der Leichtathletik im August in Berlin.

Bietigheims OB Jürgen Kessing begrüßt auch als neuer DLV-Präsident bei der "Runner's night" Stehen Rede und Antwort (von rechts) Franzi Reng, Veronica Brand, Simone Raatz, Isabel Leibfried und Moderator Achim Seiter Diese Beiden wird man sich merken müssen: Dominik Notz (mitte) und Tim Ramdane Cherif im Gespräch mit Achim Seiter

Und Jürgen Kessing nahm den von Organisationschef Gerhard Müller zugeworfenen Ball gerne auf. "Ja, es ist ein Novum in der Geschichte des Bietigheimer Silvesterlaufes, dass der DLV-Präsident zum ersten Mal dabei ist!" Und zeigte trotz allem Bedauern vor allem Verständnis dafür, dass mit Alina Reh und Arne Gabius die beiden Topstars der 37. Auflage kurzfristig absagen mussten. "Beide wollen in Berlin nicht nur teilnehmen, sondern auch möglichst erfolgreich sein!" Und warb zugleich für Berlin aus Austragungsort dieser Europameisterschaften.

Und bedauerte zugleich, dass es in Baden-Württemberg kein einziges Leichtathletikstadion für große Anlasse mehr gäbe. "Wir müssen in Berlin etwas hinzaubern, dass auch in Berlin die Erkenntnis reift, das Olympiastadion nicht auch in ein reines Fußballstadion zu verwandeln!" Bei seinem Appell, die Leichtathletik sympathisch zu präsentieren, dachte er natürlich an die anwesenden Spitzenläufer, von denen er gerne einige im DLV-Team sehen würde. Wenn das am vorletzten Tag des Jahres 2017 kein zusätzlicher Motivationsschub gewesen sein dürfte…!

Novum in Bietigheim: Der DLV-Präsident gibt den Startschuss für die 37. Auflage In 5 Blöcken gehen insgesamt 3.500 Teilnehmer auf die 11,1 km-Strecke

"Ich muss zugestehen, dass ich schon etwas nervös am Start war", gestand der 23jährige Schützling von Erfolgscoach Kurt Ring. Doch der Sieger der Jahre 2015 und 2016 machte dann trotz der "Kampfansage" von Fabian Clarkson, Sebastian Reinwand und Dominik Notz am Vorabend im Kleinkunstkeller wenig Federlesen und drückte mächtig auf das Tempo, dem schon nach drei Kilometern keiner der Konkurrenten mehr folgen konnte. Nach 33:12 Minuten war dem Regensburger ein Glanzstück gelungen, das eine halbe Minute über dem Streckenrekord von Arne Gabius lag, der nach 2013 gerne wieder nach Bietigheim gekommen wäre, doch eine Erkältung machte dieses Vorhaben kurzfristig zunichte.

Zwei Schleifen führen durch die Altstadt Und dicht an dicht entlang der Enz

"Schade, ich wäre gerne einmal gegen Arne gelaufen!" Vielleicht wird dieses in acht Monaten der Fall sein, wenn beide möglicherweise im Nationaldress bei der "Heim"-EM in Berlin über 10.000 m an der Startlinie stehen. "Die EM ist für mich auf jeden Fall ein Thema. Dazu muss ich natürlich meine Bestzeit noch ein Stück steigern - und dafür werde ich alles dransetzen!"

 

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Ein starker Vorsatz des jungen Mannes aus dem Schwarzwald, seine Visitenkarte jedenfalls konnte er in Anwesenheit von DLV-Präsident Jürgen Kessing schon einmal abgeben.

Nach knapp 3km schon die Entscheidung: Simon Boch (links) startet den Turbo, Dominik Notz (mitte) und Fabian Clarkson bleiben staunend zurück Couragiert: Florian Röser vor Sebastian Reinwand Marcus Schöfisch führt eine starke Gruppe mit Andreas Straßner, Julian Flügel und Felix Wammetsberger an

Mit deutlichem Rückstand (33:35) sicherte sich Dominik Notz Rang zwei hinter seinem Trainingspartner, Mitbewohner im Athletenhaus und künftigen Teamkollegen bei der LG Telis Finanz. "Ich wusste zwar, dass Simon auf derartigen Strecken stark ist, aber dass er so früh eine Entscheidung herbeiführen würde, das kam für uns alle etwas überraschend!" Auch für Fabian Clarkson verlief das Rennen keineswegs so, wie er es sich vorgestellt hatte. Im Vorjahr trennten ihn von Simon Boch nur zwei Sekunden, diesmal waren es gleich 43 Sekunden. "Das war heute nicht mein Tag!" Wie im Vorjahr wurde Sebastian Reinwand Vierter, diesmal gefolgt von Marc Steinsberger, Florian Roser, Tim Ramdane Cherif und Timo Göhler. Sein Vorsatz, "zwei Blaue umzumachen" ging schief. Zwar war von den im blauen Dress startenden Athleten der LG Telis Finanz Regensburg zumindest auf dem Papier nur Simon vor ihm, doch auch Dominik lief in blau (im Trikot der LAV Stadtwerke Tübingen), wird aber schon ab Neujahr das Trikot der LG Telis Finanz tragen.

Eine Überraschung gelang dabei sicherlich Florian Röser auf Rang sechs, schließlich konnte er so manchen Promi wie Tim Ramdane Cherif (Siebter), Timo Göhler (Achter), Marcus Schöfisch (Zehnter), Andreas Strassner (Elfter) oder Julian Flügel (Zwölfter) hinter sich lassen. Gerade Julian Flügel freute sich über seinen gelungenen Einstieg zum Jahreswechsel nach sieben Monaten Verletzungspause - und setzt bei einer EM-Nominierung auf den Start in seiner aktuellen sportlichen Heimat Düsseldorf.

Simon Boch genießt nach 4,8 km schon das Bad in der großen Zuschauerkulisse Gute Vorstellung des Noch-Tübingers und künftigen Regensburger Dominik Notz Sebastian Reinwand erhöht die Schlagzahl, dahinter Tim Ramdane Cherif und Florian Röser

Bei den Frauen musste die vierfache Silvesterlaufsiegerin Alina Reh wegen einer Knöchelverletzung kurzfristig passen. Durch diese Absage schien das Rennen mit leichten Vorteilen von Franzi Reng, Victoria Brand und vielleicht auch Lena Berg offen - bis sich in letzter Minute noch Laura Hottenrott zum Start anmeldete. "Meine Trainingswerte waren in dieser Woche sehr gut, sodass ich mich spontan für einen Start entschieden habe", so die 25jährige, die letztmals für ihren Stammverein GSV Eintracht Baunatal und künftig für den TV Wattenscheid startet. Schon nach zwei Kilometern hatte sich die künftig zur Marathonstrecke tendierende Laura Hottenrott an die Spitze setzen können - und keine der Konkurrentinnen konnte diesem Sturmlauf etwas entgegensetzen.

Oliver (links) und Timo begleiten den flotten Auftritt von Laura Hottenrott Franzi Reng in der Verfolgung mit Männerpulk Eine Berlinerin genießt das Flair im Schwabenland: Victoria Brand Nicht recht zufrieden ist Lena Berg mit Rang fünf (hier mit Ezat Hussaini)

"Das hat mich schon überrascht. Natürlich war es hart, aber In der zweiten Runde konnte ich die Strecke und die Atmosphäre wirklich genießen. Nach Rang zwei und vier in den Jahren 2013 und 2014 habe ich mir schon einmal einen Sieg in Bietigheim erträumt! Jetzt habe ich es geschafft! Einfach cool!" Mit 38:26 Minuten lag sie über eine Minute vor Franziska Reng (39:32) und Victoria Brand (39:37), lag aber trotz dieses souveränen Auftritts eineinhalb Minuten über der Streckenbestzeit von Alina Reh (36:49). Mit diesem erfüllten Traum wird es schon am Neujahrstag in Richtung Kenia gehen, um im DLV-Trainingslager den eingeschlagenen Weg in Richtung Berlin (und hier über die Marathondistanz) unter Leitung von Katrin Dörre-Heinig fortzusetzen.

Franziska Reng zeigte sich etwas enttäuscht, auch wenn sie in der Schlussphase an der couragiert laufenden Berlinerin Victoria Brand noch vorbei auf Rang zwei laufen konnte. "Offenbar hat mich die Erkältung doch mehr aus dem Gleichgewicht gebracht als ich gedacht habe", so die Regensburgerin, die nach einer durch Verletzungen geprägten Saison 2017 mit Hoffnungen auf das EM-Jahr setzt.

Für Laura Hottenrott geht mit dem Sieg ein Traum in Erfüllung Ein starker Saisonabschluss für die beste deutsche W40-Mastersläuferin Simone Raatz auf Rang vier Duell um Rang sechs zwischen Anna Starostzik (links) und Blanca Fernandez

Mit viel Mut lief Victoria Brand bei ihrer Silvesterlaufpremiere lange Zeit auf Rang zwei. "Fab hat mit großer Begeisterung bei uns in Berlin von dieser Veranstaltung gesprochen. Deshalb wollte ich mich selbst überzeugen und muss sagen: Es hat mir sehr gut hier gefallen. Vom Rennverlauf war ich überrascht, dass ich fast das gesamte Rennen vor Franzi gelaufen bin!"

Auf Rang vier überraschte einmal mehr Simone Raatz sich und die Konkurrenz. Die W40-Meisterin im Cross, 10 km und Halbmarathon lief nach starken 40:29 über die Ziellinie und ließ dabei die für Podiumsplätze avisierten Lena Berg als Siegerin des 10 km-Straßenlaufs in Rheinzabern als auch Anna Starotzik deutlich hinter sich. "Die Silvesterlaufstrecke ist eine meiner Lieblingsstrecken, nicht zuletzt weil die Stimmung klasse ist und die Strecke ihre Tücken hat!"

 

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Top Vier der Männer mit v.l. Sebastian Reinwand, Fabian Clarkson, Dominik Notz und Simon Boch (zudem Moderator Michael Kloiber) DLV-Präsident Jürgen Kessing gratuliert Simon Boch zum dritten Sieg in Folge Schnelles Frauenquartett mit v.l. Simone Raatz, Victoria Brand, Franzi Reng und Laura Hottenrott und Moderator Michael Joos
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Wie auch bei den Männern gab es auch hier einige Überraschungen. So fanden sich nach längerer Verletzungspause Julia Galuschka und Bettina Englisch erst einmal auf Plätzen jenseits der Top ten wieder, Isabel Leibfried ging sogar vorzeitig aus dem Rennen.

Mit 3.500 Meldungen (und 3087 Finisher) hat sich der Bietigheimer Silvesterlauf einmal mehr als Läufermagnet im süddeutschen Raum erwiesen. Einmal mehr auch als "Heimspiel" für viele der deutschen Spitzenläufer, denn allesamt waren sie einmal mehr von der tollen Kulisse im Schatten des mächtigen Viadukts begeistert.

Bericht und Fotos von Wilfried Raatz

Ergebnisse lgne-running.de/Silvesterlauf

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