27.12.17 - Derde Kerstdagloop, Arnheim (NL)

7, 14 oder 21 km und fast 200 Höhenmeter beim HM

Sehr schöner Landschaftslauf am Nederrijn

Vierstellige Finisherzahl - auch einige Deutsche am Start

von Michael Schardt

In den letzten acht Tagen vor Silvester gleicht der deutsche Laufkalender (fast) einer Tabula rasa. Ganz anders sieht es da bei unseren Nachbarn in den Niederlanden aus, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass dort nicht das Weihnachtsfest die größte Bedeutung unter den christlichen Dezemberfeiertagen hat, sondern Sinterklaas, das Fest zu Ehren des Heiligen Nikolaus, das in den Niederlanden schon am 5. Dezember begangen wird, also ein Tag früher als hierzulande.

Für die letzte Woche des Jahres weist das Hardloop-Verzeichnis rund zwei Dutzend Straßen- und Crossläufe aus, darunter allein für den zweiten Weihnachtstag (tweede Kerstdag) zehn. Aber auch die Zeit bis Silvester hält noch einige interessante Events bereit, die für deutsche Läufer aus grenznahen Regionen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens sehr gut zu erreichen sind. Eine solche Laufveranstaltung ist der Derde Kerstdagloop (dritte Weihnachtstagslauf) in Arnhem gelegen, kaum dreißig Kilometer von der deutsch-holländischen Grenze entfernt.

Über 1200 Finisher gab es beim 27. Derde Kerstdagloop im niederländischen Arnheim über drei Strecken von 7, 14 und 21 km. Der Lauf führt durch den National Park Veluwezoom, dem ältesten der Niederlande und ist geprägt durch ausgedehnte Wald- und Heideflächen
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Arnheim, eine Studentenstadt mit rund 160.000 Einwohner, ist Hauptstadt der Provinz Gelderland und liegt am Nederrijn, dem nördlichen Arm des Rheins, nachdem er sich bei Tolkamer vom Hauptarm, der Waal, abgespalten hat, nicht zu verwechseln mit dem nordrhein-westfälischen Abschnitt des Flusses, dem Niederrhein. Die Stadt liegt an beiden Seiten des Nederrijn, in nördlicher Richtung an einem Hang, der an der Stadtgrenze in Parks und Naturreservate übergeht und bis auf 110 Meter ansteigen kann. Dort, am Sportzentrum Valkenhuizen, am Rand des ältesten Nationalparks der Niederlande und dem größten privat geführten, am Nationaal Park Veluwezoom, ist der 'derde Kerstdagloop' angesiedelt. Man erreicht das Areal, sofern man nicht mit Auto anreist, vom hypermodernen Hauptbahnhof mit den Buslinien 7 oder 8 nach 15minütiger Fahrt.

Der erste Start gehört den Läufern über 14 km. Schon bei der Eingangsrunde auf der Tartanbahn liegen die drei Männer vorn, die am Schluss auch das Treppchen besteigen werden: v.l.:Harald Huijssoon (3.), Sieger Frank Heestermans und Vizemeister Jurgen Mesman 2 Ebenfalls mit schnellem Beginn: Frauensiegerin Mirjam Niederberger

Drei Strecken im Programm

Rahmenwettbewerbe für Schüler und Jugendliche sieht der Lauf nicht vor. Er bietet drei Distanzen für Erwachsene an über sieben, vierzehn und einundzwanzig Kilometer. Es ist aber nicht so, wie man vielleicht vermuten könnte, dass es sich um nur eine Runde von sieben Kilometern handelt, die ein- oder mehrfach zu durchlaufen wäre. Jedes der drei Rennen hat eine eigene große Runde, die nur ganz zu Beginn und am Ende auf den gleichen Wegen verlaufen. Start und Ziel liegt auf der Kunststoffbahn des Valkenhuizener Sportzentrums, wo am Anfang und Schluss je noch eine halbe Stadionrunde zu drehen ist. Die Startzeiten sind eng getaktet und erfolgen im Abstand von zehn Minuten. Frühaufsteher muss man auch dann nicht sein, wenn man von etwas weiter her anreist, denn zwischen 12 Uhr und 12:20 Uhr werden die Akteure auf die Reise geschickt. Die Online-Anmeldung ist nur für Läufer aus Holland offen, alle ausländischen Starter haben die Möglichkeit, sich in der großen Sporthalle, eine von zweien, die für die Logistik genutzt werden, problemlos nachzumelden. Für sie fällt dann die höchste Startgebühr von 18 Euro für den Halbmarathon an.

Die Strecken verlaufen zu überwiegenden Teilen auf asphaltierten Radwegen und nur zu einem geringen Teil auf unbefestigtem Terrain, dies vor allem zum Schluss, wo man auf einem schmalen "Singletrail" unterwegs ist. Es handelt sich um eine sehr schöne Naturstrecke überwiegend durch Wald- und Heidelandschaften, und zu kleineren Passagen - zu Beginn und am Ende - durch Wohnsiedlungen. Alle drei Strecken sind profiliert und durchgängig leicht wellig. Bei der mittellangen Strecke sind schon über hundert Höhenmeter zu bewältigen, beim Halbmarathon sogar 185, was ihn nicht nur zu einem der schönsten, sondern auch schwierigsten in den Niederlanden machen soll, wie es auf der Homepage des Veranstalters heißt. Den höchsten Punkt erreichen die Halbmarathonis nach knapp zwölf Kilometern an den Brandtoren, wo ein Mast diese Stelle anzeigt.

Während die ersten schon aus dem Stadion hinauslaufen, drängt sich die große Masse noch auf der Bahn. Der Regen, der schon den ganzen Morgen herniederfiel, sollte zehn Minuten nach dem ersten Start aufhören

Wetterkapriolen

Der Kerstdaglauf wurde 1991 ins Leben gerufen und ist inzwischen bei der 27. Austragung angelangt. Dreimal allerdings, 2009, 2010 und 2014 fand er aufgrund heftigen Wetters nicht statt, die ausgefallenen Läufe wurden aber mitgezählt. 2014 war der Chronist erstmals in Arnheim, um über den Lauf zu berichten, jedoch setzte auf der Fahrt dorthin ein so starker Schneefall mit Verwehungen ein, dass er am Zielbahnhof umgehend wieder in den Zug stieg, um nach Hause zu kommen, ohne sich darum zu kümmern, ob der Lauf vielleicht nicht doch stattfinden würde . Wie sich herausstellte, war dies nicht möglich gewesen. Man hatte das Event ganz kurzfristig absagen müssen, ohne den Läufern noch Bescheid geben zu können, zumindest den Nachmeldern nicht.

Mit 175 Teilnehmern beginnend, konnte 1997 erstmals die 1000er-Marke überschritten werden. Seinen Höhepunkt erreichte die Veranstaltung in den Jahren 2006 bis 2008, als regelmäßig über 2500 Starter gezählt wurden mit dem Rekord 2008 mit über 3000. Nach zwei Ausfällen ging die Zahl auf unter 2000 zurück, wo sie verharrt. In diesem Jahr wurden 1210 Finisher gezählt (hundert weniger als im Vorjahr), die meisten, nämlich 448, auf der Hauptstrecke.

Aus dem Stadion geht es auf zwei Ebenen und in entgegengesetzter Richtung Zehn Minuten nach dem Vierzehner wird der Siebener angeschossen. Das Feld zieht sich gleich sehr auseinander, da der Startkanal - bedingt durch die schmalen Zeitmessmatten - sehr eng ist

Bei der jetzigen Auflage war der Lauf nie in Gefahr, abgesagt werden zu müssen. Zwar hatte es im Vorfeld öfters geregnet, und auch am Morgen des Starts kam Nasses von oben, aber die Bedingungen blieben - davon abgesehen - doch günstig. Die Temperaturen lagen um acht Grad herum, der Wind blies nur mäßig, und der Regen, der beim ersten und zweiten Start noch für ein ungemütliches Szenarium gesorgt hatte, hörte bald und für den Rest der Veranstaltungszeit auf. Schon die Halbmarathonis konnten trockenen Fußes starten und auch ins Ziel kommen. Allerdings war die Strecke auf den unbefestigten Abschnitten recht matschig und rutschig, und auf den Fahrradwegen hatten sich große Pfützen gebildet, die es zu überspringen oder umkurven galt. Insgesamt aber waren die Bedingungen für die Jahreszeit nicht so schlecht.

Mittelstrecke

Als erste wurden die Läufer über 14,3 Kilometer auf die Strecke geschickt, ein Feld von über 400 Läuferinnen und Läufer. In diesem Rennen bestimmten bei den Frauen wie Männern nicht allein einheimische Läufer das Geschehen, sondern auch zwei Schweizer aus Bern, die nicht zum ersten Mal in Arnheim am Start waren: Mirjam Niederberger und Clubkamerad Jurgen Mesman. Niederberger, eine ehemalige Bahnläuferin, gelang es sogar, die gesamte niederländische Konkurrenz zu dominieren und in 58:03min zu siegen. Die stärkste regionale Läuferin, Sandra de Jonge, war fast zwei Minuten langsamer und musste sich mit der Vizemeisterschaft in 60:24min zufriedengeben. Sie sei im Augenblick sehr beschäftigt, sagte die Zweitplatzierte, und ihr Ruhepuls sei ein wenig höher als letztes Jahr. Sie habe ein Wintertief. Dritte wurde - bereits mit erheblichem Abstand - Nathalie Vierdag in 65:06min.

Der spätere 7km-Sieger (orange) Sem van den Eijnde neben dem späteren 2., Arie Owen Der 3., David den Besten (schwarz) vor dem 4., Mark van de Hel Zwei der schnellsten Frauen: 7km-Zweite Lucie van Genugten (blau) und Viviën Bouma, die 4. wird Fotoselfies waren gestern, heute wird gleich ein umfassender Film gedreht. Die Freunde werden sich über die nette Bilderpost freuen

Nicht ganz so erfolgreich war Niederbergers Freund Jurgen Mesman. Er wurde zweiter in 55:57min hinter dem holländischen Sieger Frank Heestermans. Der Triathlet war eine knappe Minute flotter als der Mann aus der Schweiz. Dieser, der früher einer der besten Athleten des Clubs Ciko'66 gewesen war, als dort noch der jetzige Nationalcoach Grete Koens als Trainer das Sagen hatte, äußerte: ,, Zu Weihnachten kommen Mirjam und ich immer gerne nach Arnheim zurück. Ich habe auch letztes Jahr teilgenommen." Dritter wurde Harald Huijsson in 57:13min. Insgesamt war das Niveau auf der Mittelstrecke langsamer als sonst. Die Männer blieben über sieben Minuten hinter dem aktuellen Streckenrekorden zurück, die Frauen immerhin noch zwei.

Kurzstrecke

Den kurzen Lauf über sieben Kilometer nutzten die beiden Sieger Sem van den Eijnde (25:27min) und Kristel van den Berg (30:01min) als Vorbereitung für den größten deutschen Silvesterlauf von Werl nach Soest. Beide kommen ursprünglich aus der Talentschmiede von Trainer Honoré Hoedt, gehen aber jetzt andere Wege. Eijnde gab an, er studiere jetzt in Delft und komme kaum noch zum Training, in den letzten drei Wochen höchstens noch zwei bis drei Mal. Jedoch sei der Lauf in Arnheim "ein schöner Anreiz für Soest, dort mit den starken Männern mitlaufen zu können". Auf den Rängen folgten Lokalmatador Arie Owen (25:38min) und David den Besten (28:06) aus Nijmegen.

Ein Zick-Zack-Kurs führt aus dem Stadion hinaus und später wieder hinein Weitere zehn Minuten nach den Kurzstrecklern wird der Halbmarathon angeschossen, das Rennen mit den meisten Teilnehmern

Die junge Kristel van den Berg hatte schon im Vorjahr gewonnen und schaffte nun die Titelverteidigung. "Mein Schlachtplan war, erst im zweiten Teil zu beschleunigen und mich ein bisschen für den Silvesterlauf am Sonntag zu schonen." Das ging auf, denn die Streckenrekordinhaberin (27:27min aus 2008) Manon Mensink war etwas zu schnell angegangen, war am Schluss eingegangen und kam nicht aufs Treppchen, bedingt wohl auch durch eine langwierige Verletzung, die sie seit November zu Pausen gezwungen hatte. Zweite wurde Lucie van Genugten in 30:35min vor Hilde Pape in genau 31 Minuten. Auch hier lagen die Siegzeiten deutlich unter den Werten der Vorjahres.

Bei km 7 wartet der erste von zwei Verpflegungspunkten auf die HM-Läufer. Die Becher wurden im Naturreservat schnell wieder eingesammelt. Immer wieder gab es Pfützen, manche so groß, dass man den Weg verlassen musste An diesem Mast sind 11,8 km gelaufen und mit dem "Brandtoren" der höchste Punkt des Kurses erreicht. Insgesamt sind 185 Höhenmeter zu bewältigen

Halbmarathon

Die Streckenrekorde beim derde Kerstdagloop im Halbmarathon sind schon etwas in die Jahre gekommen. Sie stammen aus den Jahren 2006 (Männer) und 2007 (Frauen) und wurden von Zac Freudenburg (67:46min) und Daphne Panhuijsen (78:58min) aufgestellt. Die Siegzeiten der jetzigen Edition blieben je gut sechs Minuten dahinter zurück. Nur einheimische Läufer konnten in die Gewinnränge laufen.

Gemeinsames Laufen in einsamer Heide Absperrungen waren (fast) keine nötig. Die Strecke verlief über autofreie und meist asphaltiere Fahrradwege, die in Holland "Fietspaden" heißen, wie vielleicht rechts oben auf dem kleinen Hinweisschild noch zu lesen ist

Bei den Männern gab es einen Doppelsieg von Läufern aus Rotterdam. Gewinner Patrick Kwist legte dabei einen Start-Ziel-Erfolg hin und gewann souverän mit fast vier Minuten Vorsprung in 73:13min, die vielleicht stärkste Leistung des Tages. Thijs Schrama blieb noch eine Sekunde unter 77 Minuten und sicherte sich den zweiten Platz mit einer knappen halben Minute Vorsprung in 76:59min. Auf Rang drei lief Peter van der Zon aus Emmen in 77:24min. Eine gute Visitenkarte gaben auch zwei der insgesamt nur spärlich vertretenen deutschen Läufer ab. Martin Stolk aus dem westfälischen Soest wurde achtbarer achter in 84:20min; Nur fünfzehn Sekunden später lief Stefan Blankvoort aus dem grenznahen Epe bei Gronau in 84:35min ebenfalls in die Top ten (9.).

Kilometerhinweise standen alle 5 km - und dieser hier Ein Teich im Park Rozendaal

Ob es sich tatsächlich um deutsche Läufer handelt, kann nur vermutet, nicht aber mit Sicherheit festgestellt werden, denn eine Länderkennung ist in der Ergebnisliste nicht vorgesehen, lediglich der Herkunftsort ist ersichtlich. Überhaupt sind die einsehbaren Daten eher spärlich, denn auch eine Altersklassenzugehörigkeit ist nicht angegeben (eine AK-Wertung ist auch nicht vorgesehen), ebenso nicht die Startnummer. Letzteres ist insofern ein Problem, als dass die Läufer auf Fotos nicht identifiziert werden können. Ungewöhnlich ist das in niederländischen Ergebnislisten nicht, wie man auch an anderen Siegerlisten sehen kann.

Kleine Steigung bei km 19 auf schmalem und matschigem Terrain Rhythmische Motivation 1500m vor dem Ziel

Im Lauf der Frauen trennen die erste von der zweiten und die zweite von der dritten je gut zwei Minuten, insofern herrschten hier klare Verhältnisse. Es siegte die für run2day, dem Hauptsponsor der Veranstaltung, laufende Esmé Möricke in 85:40min vor Annemiek Koolen aus Wageningen in 87:49min und der Amsterdamerin Iris Dijkstra in knapp anderthalb Stunden (89:58min). Der Frauenanteil beim Halbmarathon lag ziemlich genau bei einem Viertel, stieg erwartungsgemäß an, je kürzer die Distanz war.

Daumen hoch und ab nach Hause Glückliche Finisherin
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Fazit

Der derte Kerstdagloop ist ein sehr gut und liebevoll organisierter Lauf, der mit einer wirklich schönen Strecke punkten kann. Für die in deutschen Landen läuferisch maue Zeit zwischen den Jahren ist es eine sehr zu empfehlende Alternative, nicht zuletzt auch wegen der Stadt selbst. Denn Arnheim kann nicht nur durch eine Vielzahl von Parks und Naturreservaten und der schönen Lage an Rhein und Ijssel punkten, sondern auch durch ein reizendes Stadtbild, viele Museen und lohnenswerte andere Sehenswürdigkeiten. Und noch eine Attraktion, vor allem für Nostalgiker, gibt es hier. Man kann Trolleybus fahren, eine Möglichkeit, die in keiner anderen niederländischen Stadt gegeben ist.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Infos www.derdekerstdagloop.nl - Ergebnisse

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