3.11.19 - 49. TCS New York City Marathon

Halbmarathon-Weltrekordler siegen in New York

Kamworor und Jepkosgei dominieren - Gabius verpasst Olympia-Quali

von Herbert Steffny

Direkt zu den Ergebnissen des 49. TCS New York City Marathon HIER

Bei Bilderbuchwetter und nahezu idealen Bedingungen – sonnig, nicht zu viel Wind, um 10 Grad Celsius – startete der 49. New York City Marathon von Staten Island auf die anspruchsvollen und wellige Strecke durch die restlichen vier Stadtteile über die Verrazano Bridge nach Brooklyn, Queens, Manhattan und die Bronx zum Ziel im Central Park. Während die Frauen die guten Wetterbedingungen für schnelle Zeiten nutzten, war das Männerrennen mehr von der Taktik geprägt.

Beide Rennen hatten jedoch eine Gemeinsamkeit und ein Novum: die beiden amtierenden Halbmarathonweltrekordler Geoffrey Kamworor und Joyciline Jepkoskei aus Kenia konnten sich den Sieg in Big Apple sichern. Während das knabenhafte Leichtgewicht Jepkosgei gleich beim Marathondebüt den Streckenrekord nur um sieben Sekunden verfehlte, ließen sich die Männer für das Finale etwas mehr Zeit. Beide Entscheidungen fielen im hügeligen Profil des Central Parks auf den letzten vier Kilometern

 
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Nur noch eine Meile entlang der Wolkenkratzer Manhattans bis zum Ziel im Central Park (Foto, Copyright: www.herbertsteffny.de)

Preisgelder

Insgesamt 805.000 Dollar gab es zu verdienen -
hinzu kommen Zeitboni, Antrittsgelder und US-Prämien:
Platz Elite Masters:
1 $100.000 $3.000
2 $60.000 $2.000
3 $40.000 $1.000
4 $25.000  
5 $15.000  
6 $10.000  
7 $7.500  
8 $5.000  
9 $2.500  
10 $2.000  

Knabenhaftes Überraschungspaket

Man musste Joyciline Jepkosgei nicht unbedingt auf der Liste der Favoritinnen haben. Trotz ihrer exzellenten Halbmarathonvorleistung von 64:51 Minuten aus Valencia im Jahre 2017 trat sie bei den letzten angekündigten Marathons in Honolulu 2018 und Hamburg 2019 form- und verletzungsbedingt nicht an. Man durfte durchaus an ihrer Form und Integrität zweifeln.

So war am Start der Frauen, der traditionell eine halbe Stunde vor dem Männerrennen ist, die vierfache New York Siegerin Mary Keitany deutlich favorisiert. Halbmarathon passierte nur noch eine Dreiergruppe in flotten 1:11:30 Stunden. Doch auf der zweiten schwierigeren Hälfte zog das Tempo an und es trennte sich schnell Spreu von Weizen. Die mitfavorisierte Tokio Marathon Siegerin Ruti Aga aus Äthiopien, die in Berlin 2018 als Zweite in 2:18:35 Stunden ihren Hausrekord aufstellte, musste abreißen lassen.

 
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Bei km 22 hinter der Pulaski Bridge hatte sich bereits das spätere Siegertrio abgesetzt. Mary Keitany und Joyciline Jepkosgei - beide aus Iten - verfolgt von der Tokio Marathon Siegerin Ruti Aga (ETH) Halbmarathonweltrekordlerin Joyciline Jepkosgei siegte in New York beim Debüt überlegen
(2 Fotos Copyright: www.herbertsteffny.de)

Es kam im Central Park schließlich zu einem Zweikampf der bereits 37-jährigen Keitany gegen die 12 Jahre jüngere Herausforderin Jepkosgei, die allerdings das wellige Gelände von ihrem Sieg im Frühjahr beim Halbmarathon bereits kannte. Beide kommen aus Iten im Hochland von Westkenia, wo wir im Februar übrigens wieder eine Laufreise hin veranstalten. Im Finale konnte die Halbmarathonspezialistin sogar noch zulegen und fast eine Minute zwischen sich und die Routinierin Keitany legen. In 2:22:38 Stunden verpasste die Marathon Debütantin den Streckenrekord von Landsfrau Magret Okayo aus dem Jahre 2003(!) nur um sieben Sekunden.

 
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54 Sekunden dahinter sicherte sich Mary Keitany aus Iten nach vier Siegen den zweiten Platz noch deutlich vor der distanzierten Dritten Ruti Aga, die mit 2:25:51 Stunden das Podium komplettierte.

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Keine Jagd auf Kursrekord

Bei den Männern sagten die beiden 2:04 Stunden Äthiopier um Shure Kitata und Tamirat Tola im Vorfeld einen Angriff auf den Streckenrekord von Geoffrey Mutai (2:05:07 Stunden) voraus. Ihr Landsmann Lelisa Desisa, gerade in Doha Weltmeister geworden, wagte einen weiteren Start, lehnte sich aber nicht soweit heraus. Wohlweislich, denn er beendete das Rennen nicht. Der eigentliche Favorit war aber der Kenianer Geoffrey Kamworor, dreifacher Halbmarathonweltmeister, Weltrekordler über diese Distanz und bereits Sieger in New York 2017. Das Rennen war aber zu keinem Zeitpunkt trotz bester Bedingungen auf Streckenrekord programmiert. Stattdessen belauerte man sich trotz hoher Prämien für schnelle Zeiten eher taktisch.

Die Männerspitze auf der Pulaski Bridge nach dem Halbmarathon. 14 Läufer sind noch zusammen, darunter links leicht verdeckt auch Arne Gabius (Foto, Copyright: www.herbertsteffny.de)

Wie bei den Damen fiel die Entscheidung auf den letzten vier Kilometern, als Geoffrey Kamworor unwiderstehlich bei Kilometer 39 beschleunigte und keiner ihm folgen konnte. In für die idealen Bedingungen unerwartet langsamen 2:08:13 Stunden gewann der erst 27-jährige Trainingskamerad vom ebenfalls anwesenden Marathon Weltrekordler Eliud Kipchoge im Central Park, der ihn im Ziel als ersten Gratulanten umarmte.

Geoffrey Kamworor war im Finale nach 2017 auch 2019 nicht zu schlagen Den Kampf um Platz zwei konnte sich der Kenianer Albert Korir knapp vor dem Aussenseiter Girma sichern "Mr. Nobody" - Der Äthiopier Girma Bekele Gebre überraschte als Dritter
(3 Fotos Copyright: www.herbertsteffny.de)

Dahinter gab es nur noch einen Zweikampf zwischen den Außenseitern Albert Korir, Sieger beim Houston Marathon 2019 und dem „Nobody“ Girma Bekele Gebre. Dieser startete als „Nicht-Elite“ in der zweiten Gruppe und musste erst aufschließen. In Pittsburgh hatte der 26-jährige in New York zeitweise lebende Äthiopier im Mai seinen Hausrekord auf 2:13:46 Stunden hochgeschraubt. Doch das war jetzt eine andere Liga.

 
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Mit der Angst im Nacken und sich immer wieder umdrehend sicherte sich der Kenianer Korir letztlich doch noch den zweiten Podiumsplatz vor Gebre, dessen Lohn für seine neue Bestzeit von 2:08:38 Minuten 40.000 Dollar Preisgeld sein dürfte, wenn es ihm ausgezahlt wird, denn New York zahlt normalerweise seine Preisgelder nur an die eingeladenen Eliteathleten.

Arne Gabius lief solide und stellte eine neue deutsche Jahresbestleistung auf, verpasste aber die angestrebte Olympiaqualifikation knapp (Foto, Copyright: www.herbertsteffny.de)

Arne Gabius verfehlt Olympiaqualifikation

Der deutsche Rekordler Arne Gabius war bei Halbmarathon in für ihn vielleicht doch etwas zu flotten 64:52 Minuten noch in der 14-köpfigen Spitzengruppe, fiel aber dann an der Queensborough Bridge zurück. Im Finale konnte er zwar noch mal einige Plätze gut machen, aber Rang 11 und 2:12:57 Minuten reichten nicht für eine vorzeitige Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Auch am Preisgeld, dass für die ersten 10 ausgelobt ist, schrammte Gabius knapp vorbei.

Dennoch stellte der mittlerweile 38-Jährige eine neue deutsche Jahresbestleistung auf. Im Gespräch erklärte mir der bekennende Lakto-Ovo-Vegetarier (nicht Veganer!) nach dem Rennen, dass seine langsame 2:14er Zeit von Hannover im Frühjahr der Tribut an seinen kleinen Sohn gewesen sei. Er hätte sich damals wegen unruhiger Nächte nur sechs Wochen gezielt vorbereiten können. Seine New Yorker Leistung dürfte auf einem flachen Kurs jedenfalls 2:10 Stunden wert sein.

 
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Statistik - Neuer Rekord 53.627 Finisher

Neuer Finisher Rekord: Das Rennen beendeten 53.627 Läufer und Läuferinnen aus rund 125 Nationen. Ein noch größerer Andrang wird im nächsten Jahr zur 50.Jubiläumsveranstaltung erwartet. Der Frauenanteil ist mit 42,4 Prozent (22.741 Damen) USA-typisch hoch. Die durchschnittliche Finisherzeit war 4:37:59 Stunden. Die Männer liefen im Schnitt 4:23:46 und die Frauen 4:52:13 Stunden. Das ist deutlich langsamer als bei uns. 1.631 Deutsche liefen über den Zielstrich. Darunter als schnellste Frau die deutsche Rekordlerin Irina Mikitenko in 2:57:15 Stunden. Die 47-Jährige lief aber ohne ernsthafte Ambitionen mit.

Verteilung der Finisherzeiten nach Altersklassen (Quelle: NYC Marathon)

New York Marathon Reise und weitere Infos zum NYC Marathon

Die 10 schnellsten Frauen und Männer des 49. TCS New York City Marathon 2019
Frauen Zeit Männer Zeit
Joyciline Jepkosgei (KEN)
2:22:38
Geoffrey Kamworor (KEN)
2:08:13
Mary Keitany (KEN)
2:23:32
Albert Korir (KEN)
2:08:36
Ruti Ada (ETH)
2:25:51
Girma Bekele Gebre (ETH)
2:08:38
Nancy Kiprop (KEN)
2:26:21
Tamirat Tola (ETH)
2:09:20
Sinead Diver (AUS)
2:26:23
Shura Kitata (ETH)
2:10:39
Desiree Linden (USA)
2:26:46
Jared Ward (USA)
2:10:45
Kellyn Taylor (USA)
2:26:52
Stephen Sambu (KEN)
2:11:11
Ellie Pashley (AUS)
2:27:02
Yoshiki Takenouchi (JAP)
2:11:18
Belaynesh Fikadu (ETH)
2:27:27
Abdi Abdirahman (USA)
2:11:34
Mary Ngugi (KEN)
2:27:36
Connor McMillan (USA)
2:12:07
...72. Irina Mikitenko (GER)
2:57:15
...11. Arne Gabius (GER)
2:12:57
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Anm.d.Red.: Herbert Steffny lief 1984 in 2:16:22 auf Platz 3 beim New York City Marathon.
Zum Portrait im LaufReport HIER

Für LaufReport berichtete aus NYC: Herbert Steffny
Text und Fotos Copyright: Herbert Steffny

Herbert Steffny im Internet www.herbertsteffny.de
Info & Ergebnisse www.tcsnycmarathon.org

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