4.11.18 - 48. TCS New York City Marathon

Sensationelle zweite Hälften bei idealen Bedingungen

von Herbert Steffny

Mary Keitany aus Kenia siegte bei idealen Bedingungen zum vierten Mal in New York City. Sie verpasste mit einer zu Beginn zu konservativen Strategie, aber einer sensationellen zweiten superschnellen Hälfte den Streckenrekord nur knapp, deklassierte aber mit über drei Minuten Vorsprung die Konkurrentinnen. Bei den Männern gelang dem Äthiopier Lelisa Desisa in 2:05:59 Stunden nach mehreren Podestplätzen endlich der Sieg bei schönstem Herbstwetter im Central Park. In einem harten Finale trieben sich die Männer zu vergleichsweise schnellen Zeiten auf dem nicht leichten Kurs in New York. Mit 52.812 Finishern baute "Big Apple" seine Führung als weltgrößter Marathon weiter aus.

Ideale Bedingungen für schnelle Zeiten

Die Sonne lachte zur 48. Auflage des New York City Marathons bei kühlen 8-12 Grad mit nur leichtem Wind, also gute Bedingungen für schnelle Zeiten, die besten seit Jahren. Aber New York ist infolge seiner knapp 400 Höhenmeter kein Kurs, den man mit den schnellen Strecken in Berlin, London oder Chicago vergleichen könnte.

 
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Gute Bedingungen für schnelle Zeiten bei der 48. Auflage des New York City Marathons (Fotos, Copyright: Herbert Steffny)

Es war allerdings ein Tag, an dem man die Streckenrekorde gehalten von Geoffrey Mutai mit starken 2:05:07 Stunden und Margret Okayo 2:22:31 Stunden hätte angreifen können. Immerhin waren dafür zu den 100.000 Dollar Preisgeld für den Sieg weitere 50.000 Dollar als Zeitbonus ausgeschrieben. Der prestige-trächtige Lauf durch die fünf Stadtteile Staten Island, Brooklyn, Queens, Bronx und Manhattan wird aber meist taktisch nur auf Sieg gelaufen.

Für Eliteläufer kommt der Erfolg im Centralpark gleich nach dem Olympiasieg. Allerdings kann sich hier nicht jeder in die Siegerliste eintragen, denn das Feld der Topläufer ist handverlesen und meistens so ausgewählt, das einheimische Läufer an einem guten Tag eine Chance haben auf das Podest zu laufen.

Amerikanische Hoffnungsträgerinnen

Bei den Frauen, die eine halbe Stunden vor den Männern starteten, lagen die Hoffnungen der US-Amerikaner auf der bereits 37-jährigen Überraschungssiegerin von 2017 Shalane Flanagan und auf Landsfrau Desiree Linden, die ebenso überraschend den "Regensturm Boston Marathon" im Frühjahr gewonnen hatte. Flanagan schlug im letzten Jahr die dreifache Siegerin Mary Keitany aus Kenia, die allerdings durch Probleme mit der Monatsregel gehandicapt war. Das sollte der 37-jährigen Weltrekordlerin in der "Womens only" Wertung (2:17:01 Stunden, London 2017) nicht noch einmal passieren. Ihre Landsfrau Vivian Cheruiyot lief erst ihren vierten Marathon, hatte aber den Sieg im Frühjahr in London in 2:18:31 Stunden in ihrem Portfolio. Auf meiner persönlichen Favoritenliste stand die Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin auf den kürzeren Bahnstrecken weit oben auf der Liste.

Auf die wellige Strecke angesprochen meinte Cheruiyot, dass ihr das keine Probleme bereiten würde, denn bei ihr zuhause sei auch alles hügelig. Die Dritte des letzten Jahres und zweifache Frankfurt Marathon Siegerin Mamitu Daska aus Äthiopien musste man sicherlich auch beachten, aber gegen die beiden Kenianerinnen in Normalform sollte die Konkurrenz eigentlich keine Chance haben.

 
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Heidi und Peter dit it (Fotos, Copyright: Herbert Steffny)

Die Ruhe vor dem Sturmlauf

Rund 25 Eliteläuferinnen wurden um 9.20 Uhr ohne Tempomacherinnen auf den 60 Meter hohen Anstieg auf die Verrazano Bridge von Staten Island nach Brooklyn geschickt. Das ist zwar der höchste Punkt, aber natürlich nicht der Höhepunkt der Strecke. Mit 18:45 Minuten bei fünf Kilometern war das Rennen nicht besonders schnell, aber flotter als im Bummelrennen vom Vorjahr. Auch bei 10 Kilometern in 37:05 Minuten hielt sich Mary Keitany auffällig zurück. Das Tempo hätte lediglich zu einer 2:36er Zeit geführt.

Halbmarathon passierten bei etwas verschärftem Tempo noch neun Frauen in 1:15:49 Stunden. Doch dann konnte Mary Keitany nicht länger warten und sie forcierte die Pace heftig. Bei 25 Kilometern waren nur noch die beiden Äthiopierinnen Rahma Tusa und Netsanet Gudeta an ihren Fersen. Das war ihr Fehler, denn schon bald mussten die Beiden Federn lassen. Während Tusa sich später noch auf Platz fünf ins Ziel rettete, stieg Gudeta aus.

Überragender Sieg durch Mary Keitany. Sie verpasste den Streckenrekord lediglich um 17 Sekunden Vivian Cheruiyot läuft mit über 3 Minuten Rückstand auf den zweiten Platz Vorjahresiegerin Shalane Flanagan aus den USA läuft dieses Mal auf Rang 3
(Fotos, Copyright: Herbert Steffny)

Mit Weltklasse-Halbmarathon zum Sieg

Bei 35 Kilometern hatte Mary Keitany bereits fast zwei Minuten Vorsprung. Dahinter konnte ihre verhaltener laufende Landsfrau Vivian Cheruiyot Positionen gut machen und sich auf Platz zwei vorschieben. Am überragenden Sieg von Keitany war aber nicht mehr zu rütteln. Die kleine Kenianerin aus Iten gewann überragend mit 3:13 Minuten Vorsprung in einem denkwürdigen Rennen mit 2:22:48 Stunden.

War Keitany bisher eher für einen viel zu schnellen Beginn bei ihrer Renngestaltung bekannt, so bretterte sie diesmal durch die zweite Hälfte in nahezu unglaublichen 1:06:58 Stunden! Das ist für die halbe Distanz eine Weltklassezeit! Sie verpasste durch den zu langsamen Beginn den von Margret Okayo 2003 aufgestellten Streckenrekord lediglich um 17 Sekunden. Dennoch war der Lauf 145.000 Dollar Preisgeld wert. Damit konnte Mary Keitany zum vierten Mal in New York gewinnen, was allerdings noch ein paar Siege von den neun Erfolgen der Norwegerin Grete Waitz entfernt ist. Vivian Cheruiyot verteidigte den zweiten Platz und Shalane Flanagan arbeitete sich zur Freude des wie immer enthusiastisch anfeuernden Publikums im Finale in ihrem wohl letzten Marathon noch auf den letzten verbliebenen Podestplatz vor.

 

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Äthiopier fordern Titelverteidiger

Bei den Männern war der dreifache Halbmarathon-, Doppel-Cross-Weltmeister und Titelverteidiger Geoffrey Kamworor trotz vergleichsweise langsamerer Bestzeit für die meisten Experten der Favorit. Im letzten Jahr zerlegte er regelrecht im Finale keinen geringeren als den Ex-Weltrekordler Wilson Kipsang. Der Hausrekord des erst 25-jährigen Kenianers steht "nur" bei 2:06:12 Stunden, ist aber sicherlich noch nicht ausgereizt. Schneller auf der Papierform waren seine drei Kontrahenten aus Äthiopien, allen voran Tamirat Tola mit 2:04:06 Stunden Dritter in Dubai und WM Dritter über 10.000 Meter. Seine Landsmänner Lelisa Desisa, der bereits zweimal Boston gewann und einen Hausrekord von 2:04:45 Stunden mitbrachte und Shura Kitata, bei dem 2:04:49 Stunden als Bestleistung zu Buche stand waren ebenfalls eine harte Nuss für den Kenianer. Kitata forderte in London den Überläufer und Weltrekordler Eliud Kipchoge bis zuletzt und machte auch bei seinem Sieg 2017 in Frankfurt bei uns einen starken Eindruck.

Lelisa Desisa attackierte bei Kilometer 41. Geoffrey Kamworor Auch Shura Kitata passierte Kamworor noch auf dem letzten Kilometer und lief nur 2 Sekunden hinter dem Sieger Lelisa Desisa über den Zielstrich Der frühere Weltklasse-Mittelstreckenläufer Bernard Lagat gab mit 43 Jahren sein Marathondebüt und erreichte in 2:17:20 Stunden Rang 18
(Fotos, Copyright: Herbert Steffny)

Spannendes Männer Finale

Und so übernahm Kitata auch zumeist die Regie und anders als bei den Frauen lief die Männerspitze nach einem abtastenden ersten Fünfer in 15:45 Minuten danach ein flottes Tempo.

Halbmarathon durchliefen noch ein halbes Dutzend Läufer in 1:03:35 Stunden. Dann wurde es noch etwas schneller und im Central Park gab es einen packenden Kampf um die Podiumsplätze zwischen den beiden Äthiopiern Desisa und Kitata gegen den Kenianer Kamworor. Alles schien nun auf einen Zweikampf Desisa versus Kamworor hinauszulaufen. In dem hitzigen Gefecht riss sich Desisa, als ob er den Fehdehandschuh hinwerfen würde, die Mütze vom Kopf und attackierte bei Kilometer 41. Kamworer warf sofort ebenfalls seine Mütze auf den Asphalt, wohl um kühlen Kopf zu bewahren und es dem Gegner symbolisch gleich zu tun.

Doch dem Äthiopier war er nicht gewachsen. Stattdessen schob sich der zwischenzeitlich von seiner Führungsarbeit leicht ermüdete Kitata wieder nach vorne, passierte Kamworor und forderte Desisa bis zum Zielstrich. Doch Letzterer konnte nach drei Podiumsplätzen erstmals in starken 2:05:59 Stunden mit zwei Sekunden Vorsprung in Manhattan siegen und wie Keitany 145.000 Dollar einsacken.

 
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Geoffrey Kamworor lief mit 2:06:22 Stunden auf Rang drei und war damit nicht unzufrieden. Im Interview bekannte er, alles gegeben zu haben und sei froh noch auf dem Podest gelandet zu sein. Das Trio lief drei der vier schnellsten Zeiten, die jemals in New York erzielt wurden. Der sensationelle Streckenrekord von Geoffrey Mutai (2:05:07 Stunden) überlebte aber erneut.

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Das umfassende Standardwerk mit bewährten 10k, Halb-, Marathon- Trainingsplänen. Erweiterte Neuauflage 408 Seiten, Südwestverlag aktualisiert 2017.

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Erwähnenswert das Debüt eines früheren Weltklasse-Mittelstreckenläufers. Bernard Lagat, der als gebürtiger Kenianer seit vielen Jahren bereits für die USA startet, gab mit 43 Jahren bei den Masters in 2:17:20 Stunden auf Rang 18 keinen schlechten Einstand. Der frühere 1.500 Meter Hallenweltmeister meinte, dass dies sicher nicht sein letzter Marathon gewesen sei.

Schnellster Deutscher war Felix Plinke aus Regensburg. Dem Trainingspartner von Philipp Pflieger machten Fans wie Anna Lena mit einem Hinweisschild Beine (Fotos, Copyright: Herbert Steffny)

Neuer Finisherrekord und schnellste Deutsche

1.502 Deutsche starteten 2018 in New York. Damit war Deutschland unter 125 Nationen hinter USA (34.613), Italien (3.155), Frankreich (2.512) und Großbritannien (1.967) die Nummer fünf nach Anzahl der gemeldeten Teilnehmer.

Schnellster Deutscher war Felix Plinke aus Regensburg, ein Trainingspartner von Philipp Pflieger als 36. Platzierter in 2:27:43 Stunden. Seine Fans feuerten ihn im Central Park an, so auch Anna Lena die Felix mit einem Schild "Run like Philipp is chasing you" Beine machte.

Bei den Frauen war die erst 19-jährige Lisa Oed als 32plazierte Frau in 2:52:16 Stunden die Schnellste. Die Berglauf-U20-Vizeweltmeisterin aus unserer InterAir Laufreisegruppe gab damit ein tolles Debüt in New York ab. Flottes Geschwisterpaar: Anna Katharina, die Schwester von Felix Plinke, konnte sich in 2:54:13 Stunden noch als drittbeste Deutsche eine Sekunde hinter Anna Starostzik platzieren.

Mit 52.812 Finishern legte der weltgrößte Marathon die Latte für die Konkurrenz wieder ein Stückchen höher. An diesem neuen Rekord waren Frauen zu knapp 42 Prozent beteiligt.

Eine Änderung gab es noch in der Leitung des New York Marathons. Peter Cacchia, der die Weltklasseveranstaltung seit 18 Jahren leitete, war in diesem Jahr zum letzten Mal Renndirektor.

Die 10 schnellsten Frauen und Männer des TCS New York City Marathon 2018
Frauen Zeit Männer Zeit
Mary Keitany (KEN)
2:22:48
Lelisa Desisa (ETH)
2:05:59
Vivian Cheruiyot (KEN)
2:26:02
Shura Kitata (ETH)
2:06:01
Shalane Flanagan (USA)
2:26:22
Geoffrey Kamworor (KEN)
2:06:26
Molly Huddle (USA)
2:26:44
Tamirat Tola (ETH)
2:08:30
Rahma Tusa (ETH)
2:27:13
Daniel Wanjiru (KEN)
2:10:21
Desiree Linden (USA)
2:27:51
Jared Ward (USA)
2:12:24
Allie Kieffer (USA)
2:28:12
Scott Fauble (USA)
2:12:28
Lisa Weightman (AUS)
2:29:11
Festus Talam (KEN)
2:12:40
Mamitu Daska (ETH)
2:30:31
Shadrack Biwott (USA)
2:12:52
Belaynesh Fikadu (ETH)
2:30:47
Chris Derrick (USA)
2:13:08
....32. Lisa Oed (GER) 2:52:16 ....36. Felix Plinke (GER) 2:27:43
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Anm.d.Red.: Herbert Steffny lief 1984 in 2:16:22 auf Platz 3 beim New York City Marathon.
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Für LaufReport berichtete aus NYC: Herbert Steffny
Text und Fotos Copyright: Herbert Steffny

Herbert Steffny im Internet www.herbertsteffny.de
Info & Ergebnisse www.tcsnycmarathon.org

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