17.11.18 - 46. Neusser Erftlauf

Herrliches Wetter und Anmelderekord

Traditionsreiche Veranstaltung - früher viele Laufpromis dabei

Habtom Tedros und Daniela Bach gewinnen 15-km-Hauptlauf

von Michael Schardt 

Lange ist es her, fast ein halbes Jahrhundert, seit der erste Neusser Erftlauf 1973 seine Premiere hatte. Vor allem in den frühen Jahren, als noch nicht so viele Läufe veranstaltet wurden, gaben sich hier die Spitzenläufer die Klinke in die Hand, obwohl es keine Prämien zu gewinnen gab. Dazu gehörte Christa Vahlensieck, damals noch unter ihrem Mädchennamen Kofferschläger startend, die frühere Marathonweltrekordlerin, die das Premiererennen 1973, aber auch 1974 und 1978 gleich dreimal in Neuss gewinnen konnte.

Dann die ungekrönte Königin des Erftlaufs, Petra Maak, deren acht Siege zwischen 1984 und 2008, darin ein Dreifacherfolg in Serie, unerreicht bleiben dürften.

 
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Der Streckenrekord bei den Frauen allerdings gehört seit 1990 Tanja Kalinowski vom ASV Köln, deren 52:02min wie in Stein gemeißelt scheinen.

Der Neusser Erftlauf gehört zu den traditionsreichen Laufveranstaltungen in der Region. Mit 1001 Anmeldungen wurde ein Teilnehmerrekord erzielt. Von der Ludwig-Wolker-Sportanlage führen die Strecken hinaus an die Obererft
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Auf Männerseite dürfte der frühere 800m Olympiasieger Willi Wülbeck einer der prominentesten Teilnehmer und Sieger gewesen sein. Die Chronik berichtet, dass er für seinen Gewinn 1979 zwar - wie alle anderen auch - kein Antrittsgeld bekommen haben soll, aber immerhin von seinem Sportmittelausstatter mit einem Zuschuss zum Fahrgeld beglückt wurde. Auch der Olympiateilnehmer von München 1972, Paul Angenvoorth, damals 16. im Marathon, gehört zu den Erftlauf-Promisiegern. Als einziger bisher konnte Martin Grüning vom LAV Bayer Uerdingen/Dormagen drei Mal hintereinander siegen und 1991 in 45:38min den noch heute gültigen Streckenrekord aufstellen.

So hochkarätig ist die Besetzung in den letzten Jahren nicht mehr gewesen, so dass zuweilen schon Zeiten von über fünfzig Minuten bei den Männern für den Sieg reichten. Dafür allerdings stiegen die Teilnehmerzahlen zuletzt sehr an. Mit 1001 Anmeldungen wurde in diesem Jahr erstmals ein vierstelliger Wert erreicht; Zieleinläufe gab es 2018 - 99 nicht registrierte Bambini eingerechnet - 871 Läuferinnen und Läufer.

 
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Die Jüngsten voran

Insbesondere mit dem Andrang der Bambini hatte in dem Maße wohl niemand gerechnet, denn erst sehr kurzfristig war eine Umdisponierung nötig. Man teilte das Starterfeld in zwei Rennen auf, eins für Mädchen, eins für Jungs, damit es bei der Medaillenvergabe nach einer Stadionrunde auf der neuen Tartanbahn zu keinem Gedrängel käme. Besonders spaßig für die Kleinen war der elektronisch intonierte Countdown und die neu installierte Starterampel mit einem roten Ampelmännchen für "Stehenbleiben" und einem grünen Ampelmädchen für "Loslaufen".

Der Bambinilauf (links) mit hundert Teilnehmern musste aus Kapazitätsgründen in ein Mädchen- und ein Jungenrennen aufgeteilt werden. Beim Schülerlauf (U14) ergab sich die Einlaufliste schon früh. Es siegte Anna Olschowsky vor Matvej Klaus, Marvin Franken und Helena Schotsmann. Durch eine Unachtsamkeit eines Streckenpostens wurden die Schüler falsch geleitet und liefen nur 600 statt 1000m

In der Folge standen drei Schülerläufe über 1000 Meter für die Jahrgänge U10, U12 und U14 auf dem Programm. Die leichte Zeitverzögerung durch die Splittung des Bambinirennens wurde während dem spielend wieder aufgeholt. Nach zwei Runden im Stadion hatten die Schüler von der Tartanbahn nach rechts abzubiegen, um die letzten zweihundert Meter im unmittelbar daneben liegenden Zielkanal zu absolvieren. Das wäre nicht erwähnenswert, wenn im letzten der drei Läufe nicht eine Panne passiert wäre. Ein falsch instruierter (oder gar fehlender Streckenposten) hatte den Schülerleistungslauf eine Runde zu früh in den Zielkanal eingewiesen, so dass die Teilnehmer nur 600 statt 1000 Meter gelaufen sind. Ein ähnliches Missgeschick war schon 2015 passiert, als die Bambini zwei Stadionrunden statt nur einer laufen mussten.

 
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Im jüngsten Jahrgang der Schüler siegte Tilo Reichel in 3:55min vor Jan Matuszewski vom TK Grevenbroich in 4:01min und Johannes Baten vom SFD 75 Düsseldorf in 4:02min. Das schnellste Mädchen, Wanda Schmidt, kam als Eigengewächs vom Veranstalterverein DJK Novesia 1919 Neuss. Sie siegte als Gesamtzweite in 3:57min vor Jana Blazey in 4:17min und Hannah Pluta (Novesia) in 4:20min. In U12 gewann Ben Odenthal (GS Kaarst-Büttgen) in 3:37min vor Bogdan Vernikov (Ski-Keller Kaulard&Schroiff) in 3:43min und Timucin Kara (Novesia) in 3:47min. Schnellstes Mädchen war Kira Kanditt (DJK Kleinenbroich) in 3:52min vor Jenne Friese (3:58min) und Anna Krieger, beide Novesia, in 3:59min.

Auf der verkürzten Strecke siegte in der AK U14 in einem nur spärlich besetzten Rennen (neun Teilnehmer) durch einen beherzten Schlussspurt Anna Olschowsky (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) in 2:04min vor Helena Schotsmann (Humboldt Gymnasium) in 2:21min und Luisa Klaus (Novesia) in 2:41min. Die schnellsten Jungs waren Matvej Klaus (Novesia, 2:04min), Marvin Franken (Neusser SV, 2:06min) und Lukas Riethmüller (SSV Neuss-Reuchenberg, 2:28min).

Startaufstellung zum Jedermannslauf über fünf Kilometer Schönes Herbstwetter, waldreiche Strecke und flaches Terrain erfreuten über 300 Jedermänner und -frauen

5km: Sieg nach Wettkampfpause

Der neue Melderekord dürfte nicht zuletzt durch das herrliche Herbstwetter begründet gewesen sein, denn die Schlangen vor dem Anmeldeportal waren nicht die kürzesten. Bei klarer Luft, Temperaturen von acht bis zwölf Grad, vollkommener Windstille und wolkenlos blauem Himmel hätten die Bedingungen nicht besser sein können. Ein Teilnehmer riet seinem Laufkollegen gar dringlich dazu, die dünne Jacke abzulegen, da es in der Sonne sehr schnell zu warm werden könne.

 
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Um 13 Uhr stand als erstes Erwachsenenrennen der Jedermannslauf über fünf Kilometer auf dem Programm. Er war - wie der Hauptlauf - im letzten Jahr neu nach DLV-Richtlinien vermessen worden, da sich kleine Streckenänderungen ergeben hatte. Erstmals im Angebot war der Fünfer 1988 gewesen, seither erfreute sich die Distanz besonders bei Hobbyläufern und Beginnern wachsender Beliebtheit. Die Strecke ist die sogenannte Novesia-Runde. Sie führt nach anderthalb Runden auf der Tartanbahn hinaus in landschaftlich ansprechendes, waldreiches Terrain und dann an der Obererft entlang wieder zurück zum Ausgangspunkt. Es sind schmale Wald- und Parkwege mit nur minimalen Höhenunterschieden, über die sich über 320 Teilnehmer bewegten. Die Strecke ist schnell und schön zugleich.

Das Treppchen über fünf Kilometer mit v.l. Karin Janz (2.), Siegerin Sonja Vernikov und Flora Feuring (3.) Die schnellsten drei Männer mit v.l.: Markus Steinmann (2.), Gewinner Richard Wilke und Phillip Schulpen (3.)

Bei den Frauen siegte die 2001 geborene Dauerläuferin Sonja Vernikov mit knapp drei Minuten Vorsprung in 18:17min. Damit kam sie hinter acht Männer, darunter ihr jüngerer Bruder Wiktor, auf den neunten Gesamtrang. Zusammen mit ihm und einem weiteren Bruder, Johni, gewann sie für Ski-Keller Kaulard& Schroiff auch die Dreier-Teamwertung. Hinter Sonja Vernikov kam es zu einer Spurtentscheidung um Rang zwei. Da hatte die erfahrene Karin Janz (W50, TV Refrath) in 20:34min gegenüber Flora Feuring (U16, TG Neuss, 20:35min) um eine Sekunde das bessere Ende für sich.

Bei den Männern war Richard Wilke von der Aachener TG der schnellste. Er freute sich über sein Comeback nach dreijähriger Wettkampfpause und die Zeit von 16:55 Minuten. Er habe unter 17 Minuten laufen wollen, gab er nach dem Rennen zu Protokoll, das habe perfekt geklappt. Die Strecke sei er so noch nicht gelaufen und kenne auch das neue Stadion bisher noch nicht, habe ihm sehr gut gefallen. Der Vorsprung des 26-Jährigen auf Markus Steinmann (M35) vom LAV Bayer und Phillip Schulpen (M30) vom TSV Meerbusch betrugen elf beziehungsweise achtzehn Sekunden. Steinmann wurde in 17:06min zweiter, Schulpen in 17:13min dritter.

Kurz nach dem Start des Hauptlaufs über 15km liegen die beiden Favoriten Habtom Tedros (rechts) und Sven Assing schon in Front und sollten bis kurz vor Schluss "unzertrennlich" bleiben Die piekfeine neue Leichtathletikanlage der DJK Novesia 1919 Neuss ist Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung. Der Mehrspartenverein wird zum nächsten Jahreswechsel sein hundertjähriges Bestehen feiern

Beim Zieleinlauf gab es aufgrund eines veralteten Zeitmessverfahrens ohne Chip Probleme, freilich nicht dort, wo die Spitze lief, aber in der gedrängten Mitte. Die Läuferschlange staute sich teilweise bis vor die Ziellinie, weil man mit der Handstoppung, der Startnummernnotation und dem Scannen einfach nicht nachkam. Manche Läufer überholten dann noch die bereits Stehengebliebenen, teils, weil sie nicht mehr abstoppen konnten, teils, weil sie unachtsam waren. Andere, hauptsächlich im 15-km-Lauf mehrfach zu beobachten, blieben wegen Erschöpfung einfach hinter der Ziellinie stehen und wurden von später eintreffenden Läufern "überholt". So dürfte die Ergebnisliste, die erst am nächsten Abend öffentlich wurde, vielleicht noch einige, wenn auch unbedeutende, falsche Platzierungen enthalten.

Gemeinsam macht Laufen doppelt Spaß, vor allem, wenn man sich unterwegs begegnen kann

15km: Habtom Tedros und Daniela Bach nicht zu schlagen

Die Strecke des Hauptlaufs, in den Anfangsjahren zwölf und 14 Kilometer lang, nutzt teilweise die des Fünfers, schlägt aber zusätzlich weite Bögen in Feld und Flur, hin zu einem See, dem Klärwerk, unter und über die Autobahn und beidseitig entlang einer Bahntrasse. Mit rund dreißig Höhenmeter weiß die Strecke nur geringe Differenzen auf.

Mit über 360 Teilnehmern war der Fünfzehner der Lauf mit den meisten Teilnehmern. Als Favorit musste gemeinhin der schnellste Läufer aus Neuss gelten, Habtom Tedros. Schon im Vorjahr konnte der 23-Jährige von der TG Neuss zweiter beim Erftlauf werden, jetzt wollte er den Sieg. Das Männerrennen konnte an der Spitze von den Zuschauern gut verfolgt werden, denn man sah die Läufer mindestens drei Mal, wenn man sich bemühte auch noch öfters.

Der Vorjahreszweite Habtom Tedros lief diesmal als erster durchs Ziel Zweiter Platz für Sven Assing Wolfgang Lenz wird dritter Matthias Rück muss sich mit Rang vier zufriedengeben

Bereits nach der Eingangsrunde auf der Bahn konnte sich das Duo Habtom Tedros und der erst 18-jährige Sven Assing vom FC Straberg etwas vom Feld absetzen. In der Folge wuchs ihr Vorsprung kontinuierlich an, aber selbst bei Kilometer zwölf deutete nichts darauf hin, wer die Initiative ergreifen würde. Man lief immer noch einträchtig nebeneinander her. Fünfhundert Meter vor dem Ziel, beim Einlauf zur Sportanlage, war dann die Entscheidung gefallen. Tedros tauchte dort alleine auf. Ob er sich seiner Überlegenheit so sicher war, er vielleicht mit seinem jüngeren Widersacher nur gespielt hatte, oder eine mögliche Niederlage vor Augen hatte, ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Am Ende waren es acht Sekunden, die Assing zurückblieb - ein sicherer Sieg für den Mann von der TG, wenn man den Rennverlauf sieht. Tedros gewann in 50:19min vor Assing in 50:27min, dem 51-jährigen Wolfgang Lenz von rhein marathon düsseldorf in 52:46min und Matthias Rück (M35, TG Neuss) in 54:15min.

Lokalmatadorin Daniela Bach ist schnellste Frau Rang zwei für Meike Polanz Katja Kanditt holt Platz 3 Ute Spicker gewinnt die W55 und wird vierte

Verhältnismäßig lange musste man auf den Einlauf der ersten Frau warten. Sie kam, als bereits 37 Männer die Ziellinie passiert hatten. Es war Lokalmatadorin Daniela Bach, die Hand in Hand mit ihrem Gatten Matthias Bach nach 1:02:54h über die Ziellinie lief. Für die Athletin vom 1. FC Grevenbroich war es ein vollkommen zufriedenstellender Lauf. Erstmals seit langem habe sie einen unbeschwerten Lauf hinlegen können, sagte sie später. Dabei habe ihr geholfen, dass ihr Mann sie immer wieder gepuscht und angefeuert habe. Aufs Treppchen liefen zudem Meike Polenz (W35) vom Trilandertaler ME-Sport in 1:04:07h und Katja Kanditt (W40) von der Mönchengladbacher LG. Sie brauchte 1:05:09h. Die 57-jährige Ute Spicker vom Team Essen 99 schlug sich als Altersklassensiegerin (W55) und Gesamtvierte in 1:06:25h prächtig.

Kampf um die Plätze auf der Zielgeraden Sogar Pacemaker gab es im Hauptlauf für 75 und 90 Minuten Viele Zuschauer bejubeln die Langlaufasse
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Zum Schluss

Der Erftlauf ist ein insgesamt sehr empfehlenswerter Lauf mit schönen Strecken, vielen freundlichen Helfern und einer bemerkenswerten "Verköstigungsmeile". Auch organisatorisch kann man - bis auf die unmoderne Zeiterfassung - nur Gutes berichten. Solche Traditionsveranstaltungen kann man sich als Läufer nur wünschen. Am Jahresende wird die Novesia ihr hundertjähriges Bestehen feiern, und in vier Jahren die 50. Auflage des Erftlaufs.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse djk-novesia.de/startseite-erftlauf

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