17.11.18 - Berlin 6. GrunewaldRun

Mittendrin und doch weit weg

von Jörg Engelhardt 

"Berlin ist eine Reise wert". Dieser Werbeslogan aus den 70er Jahren, wurde einst von den Tourismusmanagern in den Zeiten des kalten Krieges ersonnen, um Touristen aus dem früheren Bundesgebiet, aber auch anderen Ländern der westlichen Welt, in die damals noch eingemauerte und geteilte Stadt zu locken. Ein Ansinnen, das zu seiner Zeit sehr erfolgreich war und natürlich auch mitgeholfen hat, den materiellen Wohlstand, der Bevölkerung des damaligen Westteils von Berlin, zu befördern und der einstigen Teilstadt wirtschaftliche Impulse zu verleihen, die den Menschen in ihrer marktwirtschaftlichen Insellage, das Leben im Schatten von Mauer und Stacheldraht, trotzdem lebenswert erhalten konnte.

Nunmehr, 29 Jahre nach dem Mauerfall, hat dieser Werbespruch nichts an seiner Gültigkeit eingebüßt. Berlin ist immer noch eine Reise wert und mittlerweile sogar noch um ein Vielfaches mehr, als es in dieser Zeit, in der Werbestrategen diesen einprägsamen Satz ersonnen hatten, überhaupt vorstellbar gewesen wäre. Zwar überragen die Kuppeln der ehemaligen US - Abhörstation auf dem Teufelsberg immer noch, den ihr zu Füßen liegenden Grunewald, in dem die heutige Veranstaltung ausgetragen wurde, doch haben sie längst ihren Zweck verloren. Zum Glück!

 
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Die Helferinnen in der Startnummernausgabe warten auf den großen Andrang. 638 Teilnehmer stehen in den Meldelisten. Mehr als 3x so viele als letztes Jahr Beim GrunewaldRun wird der Halb- und Marathon getrennt nach Geschlechtern gestartet. Zunächst starten die Frauen. Mit dabei auch die Marathonstaffeln Frauen + Mix. Hier darf der männliche Part sich unter das 122 starke Frauenfeld mischen
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Spioniert wird dort oben schon lange nicht mehr, stattdessen aber neuerdings einmal im Jahr hinaufgelaufen. Seit 2018 veranstaltet der SCB Berlin den Teufelsbergrun, der von der Julius-Hirsch-Sportanlage startend, auf den "Gipfel" des mit 120,1 Metern ü.N.N zweithöchsten Berges im Berliner Stadtgebiet. Zwar ist er auch, wie die um 60 cm höheren Arkenberge im Bezirk Pankow, die seit 2015 die höchste Gebirgserhebung im Bundesland Berlin sind, nur ein aus Trümmern angehäufter Berg, der keinen natürlichen Ursprung hat, dennoch eignet er sich hervorragend, mit der Wald- und Wasserlandschaft, aus der er sich erhebt, zu Berlins einzigem Berglauf, der auf 8,8 Km immerhin 169 Höhenmeter aufzuweisen hat.

Ende Februar wird der Teufelsbergrun stattfinden, und damit die Wartezeit für die nicht allzu große Berliner Berglaufgemeinde nicht zu lange wird, hat das ziemlich junge Organisationsteam um seinen hauptverantwortlichen Leiter Egidijus Pranckus auch im Spätherbst eine weitere Veranstaltung im Programm. Der heute ausgetragene GrunewaldRun ist nicht nur noch schwerer, sondern obendrein auch noch mit seinen Paradedisziplinen Marathon und Halbmarathon wesentlich länger. Er umfasst 200 Höhenmeter auf der Halbdistanz und 400 Meter auf der vollen.

 
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Die Strecke im Grunewald war fast durchgängig mit Sägespäne gut markiert Die Kuppeln der ehemaligen US-Abhör- und Flugüberwachungsanlage auf dem Teufelsberg überragen immer noch den ihnen zu Füßen liegenden Grunewald

Genaugenommen, ist das heutige Laufsportereignis auch noch ein bisschen älter, denn es findet bereits seit 2013 statt und erlebte heute seine 6. Auflage. Damit hat es wohl auch dem gleichen Veranstalter die Initialzündung dafür geliefert, den bereits oben erwähnten Teufelsbergrun noch zusätzlich ins vereinseigene Veranstaltungsprogramm zu nehmen. Dabei war die fünfte Austragung im letzten Jahr alles andere als ermutigend. Wegen Sturmschäden im Grunewald musste der Lauf zeitlich nach hinten verlegt werden, was nicht nur einen drastischen Einbruch bei den Teilnehmerzahlen zur Folge hatte, sondern bei anhaltendem Dauerregen auch schlechtere Bedingungen für die kleiner gewordene Läuferschar am Tage der Ersatzaustragung.

"Deshalb kann man die Zeiten heute und die Meldezahlen, mit denen vom letzten Jahr nicht ganz vergleichen", so Susanne Drawert, die innerhalb des Organisationsteams für die Bereiche medizinische Betreuung und mit Kerstin Ludwig für die Koordination der Verpflegung zuständig ist. Dennoch gab sie sich erleichtert darüber, dass das heutige Ereignis nicht nur so gut angenommen wurde, sondern obendrein auch noch von deutlich besseren sportlichen Leistungen geprägt war.

 
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Die Teilnehmerzahlen, wie auch die auf den beiden längsten Strecken gelaufenen Siegerzeiten von beiden Geschlechtern, sind ein beeindruckendes Zeugnis hierfür. Zumal es bei den Männern, sowohl im Marathon als auch auf der Halbdistanz zu neuen Streckenrekorden kam. Die Zahl der gemeldeten Teilnehmer, wie auch der Finisher, ist nicht zuletzt deshalb auch sprunghaft angestiegen und konnte sich nach dem schlechten Vorjahresergebnis nahezu verdreifachen. Statt 129 erfolgreichen Teilnehmern, konnte Veranstaltungsmoderator Bernard Schmidt diesmal 509 Läuferinnen und Läufer im Zielbereich begrüßen.

Überzeugt im Großraum Berlin bei vielen Veranstaltungen mit einer fachkundigen Moderation: Zielsprecher Bernard Schmidt, der in seiner aktiven Zeit als Marathonläufer unter 2:40:00 h bleiben konnte Bevor es für die Läufer aber in den Grunewald geht, haben sie noch eine Runde auf der Aschenbahn der Julius-Hirsch-Sportanlage zu absolvieren. Julius Hirsch war Deutscher Fußballnationalspieler bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm. Er errang mit dem Karlsruher FV, der später im Karlsruher Sportclub aufging, 1910 den Deutschen Meistertitel und konnte diesen Erfolg 1914 mit der Spvgg. Fürth wiederholen. Der ehemalige Ausnahmefußballer jüdischen Glaubens wurde später in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und fand dort 1943 im Alter von 51 Jahren seinen qualvollen Tod

Neben den bereits erwähnten Langstrecken waren auch noch ein Kinderlauf über eine Meile, ein 5-Km-Lauf sowie eine Marathonstaffelentscheidung im Angebot. Mit Ausnahme der Staffelwettbewerbe, bei der die überschaubare Teilnehmerzahl exakt gleich blieb, gab es in allen anderen Disziplinen sehr deutliche Zuwächse zu verzeichnen.

Doch nun zum sportlichen Verlauf des Tages:

Kinderlauf - 1,66 Km (eine Meile)

Hier waren Kinder zwischen 6 und 10 Jahren im Start und da der Leistungsunterschied zwischen Jungs und Mädchen in dieser Altersgruppe biologisch noch nicht vorhanden ist, lag der Sieg eines Mädchens durchaus noch im Bereich des Möglichen. Dass die Mädchen den anwesenden Jungs aber letzten Endes derart überlegen waren, sieht man jedoch bei anderen Kinderläufen in dieser Form auch nicht alle Tage. Zum Glück für die Jungs gab es aber eine nach Geschlechtern getrennte Wertung.

Also konnte Borys Szczesny aus Berlin den lange Zeit mit ihm gleichauf laufenden Oli Foellbach (ebenfalls aus Berlin) mit einem stärkeren Endspurt nach 9:19 min. auf den zweiten Platz verweisen und den Sieg bei den Jungs perfekt machen. Am Ende fehlten dem Zweitplatzierten 3 Sekunden zum Triumph. Seine Endzeit 9:21 min. Ivan Zhdanov (auch aus Berlin) folgte nach 10:26 min und belegte damit den 3. Platz.

Die Mädchen drücken dem Kinderlauf den Stempel auf. Sina Delitz (22) und Rachel Forde (27) werden den Sieg unter sich ausmachen. Am Ende liegt Sina mit 22 sec Vorsprung vorne
Auch beim GrunewaldRun geht der Trend weg von Medaillen und Pokalen, hin zu biologischen Produkten von heimischen Erzeugern

Bei den Mädchen war Sina Delitz (SF Kladow) eine Klasse für sich und mit 7:18 min. nicht zu schlagen. Rachel Forde (Mahlower SV) hielt am Anfang gut mit, hatte aber am Ende gegen die deutlich schnellere Sina nichts mehr zuzusetzen. Dennoch lief auch sie mit 7:40 min. eine sehr ansprechende Zeit und sicherte sich damit den 2. Platz. Das Podium vervollständigte Xenia Joyce Ludwig von den galoppierenden Einhörnern, die sich nach 8:23 min. über ihren 3. Platz freuen konnte.

Während am Kinderlauf im letzten Jahr nur drei Mädchen teilnahmen und kein einziger Junge am Start war, gab es hier schon einen Teilnehmerzuwachs von 10 insgesamt zu vermelden. 7 Mädchen und 6 Jungs nahmen diesmal die Herausforderung an und brachten das Rennen zu Ende. In diesem Lauf waren die 5 ersten Mädchen immer noch schneller als der schnellste Junge. Selbst der drittschnellste Junge Ivan Zhdanov war immer noch länger unterwegs als das langsamste Mädchen.

5-Km-Lauf

Philipp Sogl aus Berlin war hier und heute nicht zu schlagen. Nach 18:01 min. konnte er seinen Lauf erfolgreich beenden und den Tagessieg feiern. Damit unterbot er die Siegerzeit des Vorjahres um 48 Sekunden. Paul Röhr (BSV Friesen) folgte 11 Sekunden später und sicherte sich nach 18:12 min. den zweiten Rang. Der vereinslose Sergio Cifuentes brauchte mit 19:05 min. 53 Sekunden länger und sprang damit auf den letzten freien Podestplatz. In diesem Jahr blieben insgesamt 5 Männer unter der begehrten 20-Minuten-Marke. Im letzten Jahr hatte dies, wenn auch unter deutlich schlechteren Voraussetzungen, gerade einmal der Sieger geschafft.

Kurz nach dem Startschuss des 5 Km Laufs befinden sich die beiden Sieger Philip Sogl (264) aus Berlin und Shirley Forde (172) noch auf einer Linie Familienduett beim 5 Km Lauf: Mutter Nadiya und Tochter Amaya EL-Masri bleiben während des gesamten Laufs zusammen. Kurz vor dem Ziel wird die Mutter ihrer Tochter eine Sekunde Vorsprung lassen

Nachdem ihre jüngere Schwester Rachel, schon den zweiten Platz im Kinderlauf erreicht hatte, konnte die Ältere von beiden auf der 5-Km-Distanz sogar den Sieg erringen. Shirley Forde (Mahlower SV) hatte in einem fast bis zum Schluss sehr engen Rennen die Nase vorn und konnte nach 21:53 min. die in Berlin lebende Isländerin Anna Jonasdottir (21:55 min.) auf den zweiten Rang verweisen. Danach klaffte eine große Lücke zur vereinslosen Karlotta Sikatzis aus Berlin (24:43 min.). Damit war auch das Podium bei den Frauen komplett.

Trotz des besseren Wetters und der günstigeren Bodenverhältnisse konnten im Wettbewerb der Frauen, die drei schnellsten Zeiten des Vorjahres diesmal nicht erreicht werden. Dafür gab es aber auch hier eine wesentlich höhere Resonanz zu beobachten. Während 2017 nur 20 Aktive über diese Distanz gemeldet hatten, waren es in diesem Jahr 79, also fast eine Steigerung um das Vierfache.

Siegerehrung beim 5 Km Lauf für die weibliche Jugend. Links die 4. Aida Kula aus Berlin, rechts davon die drittplatzierte Amaya El-Masri (ebenfalls Berlin) und ganz oben Shirley Forde (Mahlower SV), die nicht nur die WJ U20, sondern auch die Gesamtwertung der Frauen gewann Das Ehepaar Pamela und Thomas Thiele (Paarcours) gewinnt den Staffelwettbewerb klar und deutlich

Marathonstaffeln

Ausgeschrieben waren die Wettbewerbe in den Kategorien: Weiblich, Männlich und Mixed. Dennoch kamen auch in diesem Jahr insgesamt wieder nur 5 Staffeln a 2 Personen zustande. Während vor 12 Monaten nur 4 Mixed-Staffeln sowie eine Frauenstaffel antraten, waren dieses Mal 4 Mixed-Staffeln und eine reine Männerstaffel am Start. So dass sich an der Gesamtzahl der Teilnehmenden nichts änderte. Die schnellste Staffel des Tages war die Staffel "Paarcours", unter diesem Namen verbarg sich das Ehepaar Pamela und Thomas Thiele. Sie waren in 3:29:03 h nicht zu schlagen. Ihnen folgte eine Viertelstunde Später die einzige Männerstaffel "Weltenbummler". Domenic Achterberg und Paul Wiese hatten ihren Lauf nach 3:44:44 h beendet. Wiederum 11 Minuten später folgten die Healey Tigers. Devon und James Healey waren nach 3:55:35 h im Ziel und holten sich den 2. Platz in der Mixed-Wertung. Den 4. Platz im Gesamteinlauf, sowie Rang 3 der Mixed-Wertung, erliefen sich Katrin Bromber und Wolfgang Preiß mit einer Endzeit von 3:57:05 h. Sie waren für Borussia Friedrichsfelde 2 am Start.

Halbmarathon

Hier sorgte Gabriel Ghiqlione von den Midnight Runners für einen Paukenschlag. Er setzte sich schon auf der Stadionrunde klar vom Feld ab und verstand es auf diesem anspruchsvollen Parcours sogar noch seinen Vorsprung kontinuierlich auszubauen. Am Ende lagen fast 6 Minuten zwischen ihm und dem ebenfalls noch sehr schnellen Thomas Pickelner (Asics Front Runners). Seine Endzeit von 1:12:27 h bedeutete einen neuen Streckenrekord. Die bisherige Bestmarke von Sebastian Harz (SV Hermsdorf) stand bei 1:16:08 h und stammte aus dem Jahre 2015. Dieser neue Streckenrekord könnte noch längere Zeit Bestand haben.

Anna Gresser (512) und Madlen Rocho (daneben) werden auf der gesamten Halbmarathon-Strecke zusammenbleiben und auch Hand in Hand zeitgleich zum Sieg laufen. Anna wird per Fotoentscheid zur Siegerin erklärt Gabriel Ghiqlione (82) und Thomas Pickelner (dahinter) sind schon kurz nach dem Startschuss dem Rest des Halbmarathonfeldes enteilt. Thomas Pickelner wird in der drittschnellsten Zeit, die hier jemals gelaufen wurde, den 2. Platz belegen

Thomas Pickelner war nach 1:18:14 h zuhause und lag somit immer noch deutlich unter der Siegerzeit des letzten Jahres. Was aber aufgrund der besseren Bedingungen eher möglich war. Dennoch ist eine Zeit unterhalb von 1:20 h auf diesem Geläuf auch bei besten Bedingungen nicht so ohne weiteres zu erzielen. In der ewigen Bestenliste dieser Veranstaltung steht er damit auf Rang 3. Mit Norbert Zeppnick (LG Südkärnten) kam nach 1:21:29 h ein Läufer ins Ziel, der extra aus Österreich angereist war. Der weite Weg wurde mit einem Podiumsplatz belohnt. Der in Berlin lebende Australier Ben Owens (1:22:52 h) blieb immer noch deutlich unter 1:24 h, genauso wie der 5. im Wettbewerb, Andre Scharlock (TC FiKo Rostock), der nach 1:23:33 h die Uhr abdrücken konnte.

Doppelter Erfolg für Gabriel Ghiqlione: Er gewinnt nicht nur überlegen den Halbmarathon, sondern läuft mit 1:12:27 h auch noch einen neuen Streckenrekord Hand in Hand zum Halbmarathonsieg. Madlen Rocho von den HAI-WEE-Runners und Anna Gresser (512) von der SG Stern Berlin

In der Frauenkonkurrenz kam es zu einem Fotofinish. Die zur Siegerin erklärte Anna Gresser (SG Stern) und die offiziell Zweitplatzierte Madlen Rocho (HAI-WEE-Runners) liefen zeitgleich ein und erreichten eine Endzeit von 1:41:11 h. Das Podium vervollständigen konnte die in Bernau lebende Polin Natalia Chadzel, die mit einer Endzeit von 1:41:51 h noch in der gleichen Minute lag wie die beiden Erstplatzierten. Dennoch waren die Siegerzeiten bei den Frauen langsamer als vor 12 Monaten.

Auch beim Halbmarathon gingen die Teilnehmerzahlen wieder stark nach oben. Von 69 Finishern im Jahre 2017 auf 324 in diesem Jahr. Eine mehr als beachtliche Steigerung also.

Strahlende Siegerinnen beim Halbmarathon: die Polin Natalia Chazdel aus Bernau wird 3., Anna Gresser erobert den 1. Podiumsplatz vor der zeitgleich eingelaufenen Madlen Rocho Siegerehrung beim Halbmarathon der Männer mit dem 4. Ben Owens aus Australien (ganz links), dem Österreicher Norbert Zeppnick, der 3. wurde, dem Tageschampion Gabriel Ghiqlione und dem 2. Thomas Pickelner

Marathon

Auch die Königsdisziplin konnte wieder einen erfreulichen Sprung nach oben machen. Dies betrifft die sportlich erbrachten Leistungen genauso wie die Melde- und Finisherzahlen. Quälten sich im vorigen Jahr gerade mal 37 Sportlerinnen und Sportler bei strömendem Dauerregen über die Ziellinie, waren es in diesem Jahr 93. Dazu ein neuer Streckenrekord sowie drei weitere Läufer, die es schafften, die nicht einfache 3-Stunden-Marke zu unterbieten.

Stephen Moore (SCB Berlin) sorgte hier für den absoluten Höhepunkt des Tages. Im letzten Jahr noch als vereinsloser Läufer unterwegs, gelang ihm auf der Halbmarathonstrecke eine Endzeit von 1:24:25 h und damit auch gleich der zweite Platz. Mittlerweile hat er sich dem gastgebenden SCB Berlin angeschlossen und seit dem macht seine Entwicklung kontinuierliche Fortschritte.

Geschafft: die in Berlin lebende US-Amerikanerin Dorothea Trotter gewinnt den Marathonlauf souverän
Der Streckenrekord hat Kraft gekostet: Marathonsieger Stephen Moore (SCB Berlin) in der Obhut seiner Verienskameradin Susanne Drawert, die im Organisationsteam die medizinische Betreuung und den gesamten Verpflegungsbereich koordiniert

Anders ist dieser Husarenritt heute nicht zu erklären, hat Stephen Moore doch mit Filip Vercruysse und den anderen schnellen Läufern in seinem Club kongeniale Trainingspartner an seiner Seite, die ihn in seinem Altersstadium permanent weiterbringen können. Zumindest heute waren die ersten Erfolge schon zu sehen. Auch wenn der schon lange in Berlin lebende Belgier Vercruysse, der beim Frühjahrsmarathon in Paris mit einer 2:21:41 h als 25. im Gesamteinlauf ins Ziel kam, heute nicht mit ihm lief, sondern mit dem Führungsfahrrad unterwegs war, schien der schnelle Mann aus dem gleichen Club, der in der Organisationsleitung der Veranstaltung im Bereich Fahrradbegleitung eingesetzt war, genügend Ansporn zu sein, um den Sieg auf der Königsdistanz für den neuen Club zu erringen.

Der Schwede Micke Johansson hat sich als 3. den letzten Podiumsplatz im Marathon gesichert und blieb immer noch deutlich unter der Siegerzeit des letzten Jahres
Die schnellsten Marathonfrauen werden vom Leiter des Organisationsteams Egidijus Pranckus geehrt: Madeleine Timmermann (li.) und die Siegerin Dorothea Trotter (USA/Berlin). Nicht auf dem Podium zu sehen ist die Zweite Kamila Jakubowski

Am Ende kam Stephen Moore für seinen neuen Club nach 2:44:47 h ins Ziel und brach den bisherigen Streckenrekord von Gerrit Wegener aus dem Jahre 2016 um über zwei Minuten. Eine Zeit von ca. 2:50 h hatten ihm die ortskundigen Fachleute schon zugetraut. Aber das er so schnell sein würde, hatte auch von ihnen keiner auf der Rechnung. Das schien dann auch dem nach ihm folgenden Martin Lamm aus Berlin den entscheidenden Auftrieb zu verleihen. In 2:53:36 h sicherte er sich den zweiten Platz vor dem Schweden Micke Johansson (lobeklub ulkebol) der nach 2:53:54 h den Zielbogen durchquerte. Mit dem Vierten, Paul Kaden (Team Erdinger Alkoholfrei), blieb in 2:54:47 h ein weiterer Läufer unter 3 Stunden, sowie unter der letztjährigen Siegerzeit von Stefan Otto (2:57:34), der damals als einziger die 3-Stunden-Grenze unterbot.

Bei den Frauen kamen solche Superlative heute jedoch nicht zustande. Dennoch blieben hier gleich die ersten 6 Läuferinnen unter der 4-Stunden-Marke und vier Läuferinnen unterboten die letztjährige Siegerzeit von Kamila Jakubowski. Eine davon war sie selbst. Letztes Jahr noch nach 3:56:43 h als Siegerin im Ziel, fiel sie zwar diesmal auf den zweiten Platz zurück, verbesserte sich mit 3:34:59 h aber um rund 21 Minuten. Der Sieg ging an die US-Amerikanerin Dorothea Trotter, die nach 3:32:36 h den Sieg im Hauptrennen perfekt gemacht hatte. Madeleine Timmermann (Team Erdinger Alkoholfrei) war die Dritte im Bunde, die das Podest besteigen durfte. Nach 3:45:17 h war das Podium in der Frauenkonkurrenz komplett. Auch hier war eine sportliche Qualitätssteigerung feststellbar.

Vater und Sohn Vercruysse aus Belgien im Gespräch mit Moderator Bernard Schmidt. Vater Marc finishte den Halbmarathon als 9. in der M60, während Sohn Filip, der in diesem Frühjahr beim Marathon in Paris in 2:21:41 h auf den 25. Gesamtplatz lief, heute für die Fahrradbegleitung verantwortlich war. Das Führungsfahrrad für die Marathonis fuhr er übrigens selbst Hatten das GrunewaldRun-Feld aufmerksam im Blick: Die Fahrradbegleiter vom ASB
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Fazit:

Auch wenn man hier die obligatorische Kuchentheke vergeblich sucht, dafür gibt es kostenlos vegetarischen Erbsen- und Linseneintopf für alle Teilnehmer sowie warmen Tee, so hat doch das 35 Mitarbeiter zählende Organisationsteam, einen lohnenswerten Landschaftsmarathon ausgerichtet, der für alle gut trainierten Läufer zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden kann. Wer hier antritt, erlebt die große Hauptstadt Berlin aus einem ganz anderen Blickwinkel und kann die sehr eindrucksvollen Wald- und Wasserlandschaften von 70 bis 90 Meter hohen Hügeln in Augenschein nehmen und beim kleinen Berliner Marathon auch ein bisschen internationales Flair genießen. Immerhin waren auch dieses Mal wieder Teilnehmer aus 19 verschiedenen Ländern, teilweise auch außerhalb Europas am Start. Genug Gründe also für erfahrene Läufer, diese reizvolle Strecke unter die eigenen Füße zu nehmen.

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Ergebnisse scb-berlin.de/grunewald-marathon

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