5.11.17 - 35. Goldbacher Winter-Crosslaufserie - 1. Lauf

Cross on Edelweiss

Mystisch, verlässlich, nass

von Constanze & Walter Wagner 

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Wer einen anderen als einen rundum gelungenen Auftakt zur Serie erwartet hatte, wurde enttäuscht. Auch bei seiner 35. Austragung baut der TV Goldbach am Kultstatus der minimalistisch, aber perfekt bis ins Detail gestrickten Waldläufe, die für eine eingeschworene Gemeinschaft zum Begleiter wird, in die Wintermonate hinein, durch die Adventszeit und ins kommende Jahr. Schon auf dem Hinweg wird klar, die Edelweisskapelle wird von allen Seiten gestürmt, mit dem Kraftfahrzeug, aber auch im Laufschritt. Letzteres erspart die Parkplatzsuche, denn wie immer sehen sich ‚Zu-spät-Anreisende' zu abenteuerlicher Parkplatznahme gezwungen oder landen alsbald wieder unten in der Marktgemeinde Goldbach.

 

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Unweit der Edelweiss Kapelle befindet sich der Startplatz der Goldbacher Winter-Crosslaufserie
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Von der vermuteten Herkunft der Bezeichnung des namensgebenden Baches konnten sich Teilnehmende an der 35. Auftaktveranstaltung einen guten Eindruck verschaffen. Bei starkem Regen färbe sich die gelbe Lößerde in Gold, heißt es. Die an sich anspruchsvolle Strecke wird bei ausgiebigem Niederschlag zum fordernden Cross-Parcours. Viele der knapp 600 Finisher schienen sich dennoch beim "Cross on Edelweiß" sauwohl zu fühlen.

So schlitterte man beim ersten von neun Durchgängen über die matschige Ziellinie, kaum zu bremsen von den warnenden Zurufen des Organisationsleiters und Zielmoderators Günther Wenzel, um alsbald Schutz in der kleinen Skihütte oder unterm Zeltdach zu suchen. Bevorzugt ist sowieso gleich weiter in den Ort zu joggen oder nach kurzem Wechsel der nassen Klamotten die Heimfahrt anzutreten. Ein heißer Tee im Ziel, ein kurzer Wortwechsel über das Erlebte, vielleicht eine Verabredung für den zweiten Wertungslauf. Die Parkplätze sind beinahe ebenso schnell geräumt wie sie eingenommen wurden. Die zehn Kilometer waren aber nicht schnell genug abgespult, um den Ausflug trockenen Hauptes zu beenden.

Die Winter-Crosslauf-Serientäter werden von November bis Januar durch den nicht immer winterlichen, meist jedoch mit goldenem Herbstschmuck verzierten Wald der Markt Goldbach geführt

Streckenposten sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Die Markierungsarbeiten, Blätter fegen und Pfeile aufsprühen, waren bis zum Startschuss in vollem Gange. Der Wald verliert dermaßen schnell sein buntes Kleid, dass schon während des Rennens alles wieder unter dem fallenden Laub entschwindet. Der Helferstab um Günther Wenzel ist fleißig dabei und die Handgriffe sitzen. Während es für ein halbes Dutzend um Sieg und Platz geht, nutzen andere die Serie zur Formüberprüfung oder kommen allein wegen der Geselligkeit und Fitness. Eine preisgünstigere Alternative ausfindig zu machen, dürfte schwer sein, es sei denn, man bliebe zuhause.

 

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Kurz nach dem Start tritt Führungsradfahrer Silas Schmidt zunächst für Solomon Merne Eshete und Ingbert Reinke (links) in die Pedale Das Ehepaar Kerstin (11) und Simon Bertsch (13) zählt zu den ersten Verfolgern. Die Kinder (4 und 2 Jahre und 11 Monate) wurden an der Strecke von der Tante betreut

Ein Feuerwerk bringt die Teilnehmer in Stimmung bzw. an den Start. Vorab waren die Walker und Wanderer in den Wald entlassen, nun scharrten die Laufcracks mit den Hufen. Von ergiebigem Regen war weit und breit nichts zu sehen. Die aufsteigenden Nebenschwaden allein, trübten die Sicht nicht so sehr. Ja, die Wettervorhersage, auf die ist eben kein Verlass, glaubt man. Noch rasch das wasserstoppende Plastik abgestreift und vom Starkommando in die Hänge der Goldbachquelle entlassen.

Den ersten Hang stürmten die erwarteten Asse vorweg um nach kurzer Schleife schon dem Schwanz des Feldes zu begegnen. Beinahe endlos kommt das Läuferfeld nach einem Kilometer daher. Nicht vorentscheidend verlief bisher ein Antritt, sollte es diesen gegeben haben, aber eher schien es so, als würde man in großer Gelassenheit den ersten Wertungslauf angehen wollen, am besten im Pulk oder als Duo einrollen. Selbst Streckenrekordhalter Solomon Merne Eshete vertagte einen Soloritt. Anders bei den Damen, da machte sich Kerstin Bertsch zwar lächelnd, aber auf und davon. Bereits am Vortag hatte sie in Jügesheim die Leader-Rolle gespielt und beide Serien dürfte sie am Ende gewinnen, sollten nicht Ereignisse, wie z.B. Kinderkrankheiten, in den zu erwartenden Verlauf eingreifen.

Mystisch nebelverhangen verlief die Strecke dieses Jahr am grauen Stein vorbei, einer von zwei Gipfeln in Goldbach. Ein dort wohnender Troll, wie von einem Zuschauer verkündet, kam aber nicht zum Vorschein

Besagter Regen setzte dann leider doch ein, verzögert zwar, dafür umso ergiebiger. Für die Aktiven kaum störend, doch die Zuschauer räumten ausnahmslos ihre Stellungen im Wald. Lediglich im Ziel hielten sich beschirmte Fans und warteten gespannt auf die Läuferinnen und Läufer. Das Schieds- und Empfangskomitee verfügt über den Luxus eines bedachten Unterstands, dies wohl in erster Linie um die Musikbox zu schützen. Die hauseigenen ZeitnehmerInnen stehen derweil ungeschützt im Regen, so ist man ´s gewohnt.

 

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Meist regnet es nicht, selten liegt Schnee, man hat auch Durchgänge bei lauen 20 Grad. Nur Glatteis verursacht Streckenkürzungen oder hatte Absagen zu verantworten. Die Sicherheit der Läuferinnen und Läufer hat Vorrang, daran wird nicht gerüttelt.

Nach ca. 3 km hat Solomon Merne Eshete mit Yann-Moritz Gentil (739) einen neuen Begleiter gefunden Der Seriensieger der 34. Winter-Crosslaufserie Ingbert Reinke (Nr. 1) folgt nun als 3., hinter ihm David Kunkel, der Reinke alsbald überholt und sich diesen Rang im Ziel sichern wird Auch M50-Sieger Lorenz Köhl wird Ingbert Reinke noch um einen Platz verdrängen und auf Platz 4 einlaufen

Ein letzter Anstieg nach neun Kilometern läutet das Finale ein. Hier wird nochmals angegriffen oder die Rangfolge der Gruppe aufgemischt. Jeglicher Gegenwehr entledigt hatte sich bereits der äthiopische Asylbewerber Solomen Merne Eshete, vom Volksstamm der Odomo. Seit vier Jahren in Deutschland, ist seine Zukunft weiterhin unklar. Neben dem Training, stellt er mit einer Ausbildung zum Weißbinder derzeit die beruflichen Weichen. Ein Streckenrekord bei der Doppelbelastung schien nie Ziel des SCC Hanau-Rodenbach Athleten zu sein, dafür war er zu defensiv gestartet. In 35:34 min ließ er sein läuferisches Können aufblitzen und beendete mit großem Vorsprung als Tagessieger den ersten Wertungslauf.

Kerstin Bertsch ist zwar gegenüber der Männerspitze zurück gefallen, hält aber mit großem Vorsprung die Führung bei den Frauen A-Jugend-Läuferin Lena Amberg folgt als 2. Mona Winter läuft auf Rang 3

Hauchdünn die Entscheidung um den zweiten Rang. Yann-Moritz Gentil (LuT Aschaffenburg), wie Solomon in der Altersklasse M30, konnte den A-Jugendlichen David Kunkel vom TV Laufach in 37:57 min zu 37:58 min distanzieren. Enttäuscht war Yann-Moritz von seinem Ergebnis beim Amsterdam Marathon im Oktober, den er in 2:53:20 h beendete, da war er über die 42,195 Kilometer schon deutlich schneller.

35 Lenze mehr als David hat Lorenz Köhl (JSK Rodgau) auf dem Buckel, doch ist der M50er als leistungsstark bekannt. Die Ergebnisliste ziert er als Vierter in 38:19 min. Rang 1 in der M40 sicherte sich dahinter Ingbert Reinke vom SSC Hanau-Rodenbach in 38:35 min. Noch unter 4-Minuten-Schnitt schafften es zudem Sebastian Seidel (1.M35 - TV Goldbach) in 39:11 min und Michael Lehmen (2.M40 - TSG Mainaschaff) in 39:52 min.

Am Ende machte die 35. Goldbacher Winter-Crosslaufserie ihrem Namen alle Ehre - zwar kein Winter aber Cross Organisationschef Günther Wenzel und Silas Schmidt, unterfränkischer Triathlon A-Jugendmeister, begleiteten verbal oder pedaleur, von der Spitze bis zum Ende, alle Teilnehmer ins Ziel

Simon Bertsch fand, dass seine Gattin etwas forsch angegangen war und ließ sie ein paar Sekunden allein im Regen stehen. Nach 40:22 min konnten sich die Kinder schon mal über den achtplatzierten Papa freuen, der M45-Sieger Holger Finkelmann und M20-Sieger David Behnsen niederrang, in der starken M30-Klasse noch Dritter wurde.

40:55 lautete die Siegerzeit von Kerstin Bertsch, die als Asics FrontRunner unterstützt wird und deren letzte Saison in der Hauptklasse sich dem Ende neigt. Für Lena Amberg ist Kerstin noch unerreichbar, doch tickt die Uhr für sie, denn die Zweitplatzierte in 44:44 min vom Biketeam Calor Frammersbach läuft noch in der LWJA und ist Jahrgang 1998. Das virtuelle Podium komplettierte Mona Winter von Spiridon Frankfurt nach 45:27 min, denn zu einer Schnellsiegerehrung aufgerufen werden lediglich Tagessiegerin und Tagessieger.

Andreas Schantz, Sportredakteur beim Main-Echo, laufend unterwegs. Nach Jahren der Abstinenz kam er auf dem anspruchsvollen Kurs nach einer Stunde crosslaufen noch weit vor vielen anderen ins Ziel Die Tagesschnellsten: Streckenrekordhalter Solomon Merne Eshete und der "Star der Winterlaufserien" Kerstin Bertsch, beide vom SSC Hanau-Rodenbach, mit ihrem vitaminreichen und süßen Tageslohn 'Sport beginnt im Kopf' hat Tobias Eich auf seiner Brust stehen und beendete diesen beim 1. Durchgang in Goldbach gemeinsam mit seinem Vereinskollegen vom TSV Rothenbuch Peter Noll auf den unteren Extremitäten
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Sollte eine Langzeitwirkung ausbleiben, die Dosis der Erstteilnahme nur wenige Tage vorhalten, dies freilich macht gar nichts, denn schon am 12. November fällt erneut der Startschuss und die von der Crossmania befallenen Winter Crossläufer werden schon am nächsten Sonntag den Berg hinter Goldbach erobern und dann hoffentlich einen trockeneren Verlauf erleben. Oder doch schon einen trockenen Antritt beim ersten Schneerennen?

Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

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