28.10.18 - 12. Luzern SwissCityMarathon Lucerne

Über 10.000 Läufer erleben feucht-fröhliches Marathonfestival

Dreifachgewinnerin Franziska Inauen und Elias Gemperli siegen mit Bestzeit

Neuer Zehner erfolgreich - 15-jährige Italienerin läuft Streckenrekord

von Michael Schardt 

Auch bei seiner nun schon zwölften Auflage hat Luzern wieder ein glänzendes Marathonfestival auf die Beine gestellt und gezeigt, dass diese Laufveranstaltung zu den bestorganisierten und stimmungsvollsten in Mitteleuropa gehört. Auf einer wunderschönen Strecke gewinnen die Teilnehmer den Eindruck eines wohltönenden Dreiklangs aus Stadt-, See- und Landschaftsmarathons am Vierwaldstättersees. Für den reibungslosen Ablauf sorgen über eintausendeinhundert freundliche und stets aufmerksame Helfer aus vielen Dutzend Vereinen und Organisationen. Obwohl über dreißig Musikgruppen für rhythmische Motivation der Teilnehmer sorgen und an einigen Hotspots und im Innenstadtbereich viele Zuschauer begeistert anfeuern, bietet der zweimal zu durchlaufende Halbmarathonkurs auch stille Passagen, bestens geeignet für des Läufers innere Einkehr und Meditation. Mit erneut über 10.000 Teilnehmern in fünf Wettbewerben bleibt der SwissCityMarathon in der Erfolgsspur; mit über 6300 Finishern im Halbmarathon hat er schon seit Jahren in dieser Disziplin die Poleposition in der Schweiz erobert.

Nachdem die Luxushotels von Luzern in der Anfangsphase des Rennens passiert sind, wird über die Seebrücke (links) in Richtung Horwer Halbinsel gelaufen. Nach 12 km wird der Vierwaldstättersee verlassen und der "Heimweg" in die Metropole angetreten. Marathonis laufen die Strecke zweimal
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Entwicklungen

Das war, als die Veranstaltung unter der damaligen Firmierung "Luzern Marathon" vor exakt elf Jahren, am 28. Oktober 2007, an den Start ging, nicht unbedingt vorauszusehen, obwohl man gleich die teilnehmerstärkste Debütveranstaltung in der Schweiz hinlegte. Denn man hatte sich als Termin jenes Datum ausgesucht, an dem der damals längst etablierte Lausanne Marathon am Genfer See über die Bühne ging.

Seither finden zwei der größten Schweizer Laufveranstaltungen parallel und gar nicht so weit voneinander entfernt statt und machen sich gesunde Konkurrenz. Während Lausanne in der Regel mehr Finisher in der Königsdisziplin aufweist, ist Luzern top im Halbmarathon. Auf fünfstellige Finisherzahlen kommen aber beide Events. Unterschiedlich hingegen sind die ausländischen Einzugsgebiete.

 
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In Lausanne starten sehr viele Franzosen, Luzern setzt u. a. auf Läufer aus deutschsprachigen Ländern. Das wird auch daran sichtbar, dass Luzern als erstes Gastland 2017 Deutschland auserwählte und 2019 Österreich vorgeschlagen hat. In diesem Jahr, 2018, war Italien Gastland, wozu sehr gut die Meldung passt, dass die erst 15-jährige Italienerin Valentina Rosamilia, die auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, den einzigen Streckenrekord aufstellte. Das Mädchen, mehrfache Landesrekordlerin ihrer Altersklasse in Italien und der Schweiz, lief herausragende 36:29min über zehn Kilometer.

Luzerns Wahrzeichen: die blumengeschmückte Kapellbrücke mit Wasserturm bekommen die Läufer mehrfach in den Blick Ebenfalls eine hochkarätige Sehenswürdigkeit: die Hofkirche St. Leodegar, die die Läufer bei km 2 und 40 passieren

Kapriolen

Dabei hat Luzern nicht nur mit Lausanne (und vielleicht auch Frankfurt) zu kämpfen, sondern öfters schon mit Petrus. Geregnet hat es schon häufig beim SwissCityMarathon, etwa 2013 in besonders starker Form. Aber auch Schnee kam den Läufern hier schon unter die Füße, zuletzt 2012. Es hätte heuer nicht viel gefehlt, und es wäre erneut die weiße Pracht herniedergegangen, denn die Schneefallgrenze lag nicht viel höher als das über 430 Meter hoch liegende Luzern. Zwar blieben den Läufern ganz so arge Verhältnisse erspart, aber eine wirklich vergnügliche Witterung gab es auch nicht.

Nach einem langen, schönen Sommer war ausgerechnet das Laufwochenende durch kühle Temperaturen (vier Grad) und Dauerregen gekennzeichnet. Regen gab es besonders am Vortag, als sich die Läufer im Fünf-Sterne-Hotel "Schweizer Hof" die Startunterlagen abholten, die Expo besuchten und zur Nudelparty sich einfanden. Am Renntag selbst hingen die Wolken zwar tief über den Bergen, der Stadt und See, aber es gab ab und an immerhin ein paar kurze Abschnitte, in denen es trocken blieb. Ungemütlich war es allemal, vor allem für die Zuschauer.

Zu den Highlights des Luzern Marathons gehören dreißig Musikgruppen. Nicht nur Jazz und Blasmusik gibt es zu hören, sondern landestypische Formationen treten auf wie die Kuhglöckler Trychter Gruppe Meggen oder die Alphornbläser

Das Wetter war auch beherrschendes Thema der abschließenden Pressekonferenz. Reto Schorno vom Organisationskomitee vermutete, dass etwa 30.000 Zuschauer an der Strecke gewesen wären, etwa 15.000 weniger als im letzten Jahr. Den Läufern aber, so Schorno, mache das regnerische Wetter offenbar nichts aus. Denn die Ausfallquote läge wie jedes Jahr bei etwa zwölf Prozent, und die Zahl derjenigen, die das angetretene Rennen aufgegeben hätten, wäre nicht höher als üblich, sogar sehr gering.

Auch der Chef der Polizei führt einen insgesamt einfach zu nennenden Einsatz auf die Witterung zurück. Ähnlich äußerte sich der Rennarzt und sprach von einem ruhigen Tag mit weit weniger Einsätzen als üblich. Nur zwei Läufer hätten ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, seien aber eher harmlose Fälle gewesen. Insgesamt gab es für die Läufer also keinen Grund, sich nicht diesem feucht-fröhlichen Läuferfest hinzugeben.

 

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Bewegung

Ein herausragendes Kennzeichen des Luzerner Marathons ist, dass er in mehrfacher Hinsicht viel bewegt und auch selbst organisatorisch und strukturell beweglich bleibt. Beweglich bleibt der Marathon beispielsweise dadurch, dass man unmittelbar nach den Rennen elektronisch eine Läuferbefragung durchführt, um zu erfahren, was den Teilnehmern gefallen hat und wo sie noch Verbesserungsbedarf sehen. Diese Umfragen werden akribisch ausgewertet und die Ergebnisse, sofern möglich, in die nächste Edition eingearbeitet. Über dieses Verfahren ist das Orgateam immer ganz nah an den Bedürfnissen der Läufer. Dabei liegt die Quote der Rückmeldung bei rekordverdächtigen fünfzig Prozent. Mit anderen Worten: die Meinung jedes zweiten Läufers geht in die Planung der nächsten Veranstaltung ein.

Interessant ist auch, wie es die Luzerner schaffen, genügend Helfer in Bewegung zu versetzen. Da hat man sich ein Gratifikationsmodell ausgedacht, wonach den Vereinen, aus denen die Helfer kommen, eine finanzielle Hilfe zugutekommt, die dann im Sinne der Vereinszwecke verwendet werden kann. Reto Schorno sprach zusammenfassend von einem "ganz schönen Batzen", der da in die Vereinskassen gespült werde, etwa 40.000 Franken in Summe.

Der Start für Marathon und HM erfolgt gemeinsam. Nach 1500 Metern besteht die Spitzengruppe ausschließlich aus Halbmarathonis Kurz dahinter sind im Pulk Marathonläufer auszumachen (rote Nummer), in der Mitte die zweifache Siegerin Franziska Inauen

Noch mehr Gelder kamen bei der neu eingeführten Charityaktion für UNICEF Schweiz zusammen, nämlich 75.000 Franken. Läufer hatten 2018 erstmals die Möglichkeit, sich für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen zu engagieren. Wer sich für den 10-km-Lauf in einem separaten Startblock und ohne Ranking anmeldete, gab grünes Licht dafür, dass dreißig Franken des Startgeldes an UNICEF gespendet werden. Ähnliches wurde für Marathonis und Halbmarathonis angeboten. Wer nach seinem Lauf noch die symbolische UNICEF-Meile lief, sorgte dafür, dass MSD Schweiz zehn Franken pro Läufer an UNICEF spendet. Die Gesamtsumme wird für Kinder in Not im Südsudan verwendet.

Zudem hat sich der Luzern Marathon dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben und beteiligt sich zusammen mit zwanzig anderen Schweizer Laufveranstalter an einer Aktion, die die kostenlose An- und Abreise der Läufer mit Bussen und Bahnen des öffentlichen Personennahverkehrs innerhalb des Landes (bzw. für ausländische Läufer ab der Grenze) ermöglicht. Inbegriffen ist auch die Nutzung der städtischen Linien am gesamten Wochenende und die Fahrt vom Bahnhof zum Startgelände (und umgekehrt) per Boot über den Vierwaldstättersee.

Programm

Überlegungen, den Luzern Marathon in sportlicher Hinsicht zu einem Spitzenevent zu machen, hatten die Organisatoren wohl von Anfang an nicht, vielmehr stand der Breitensport im Fokus. So verzichtete man wohlweislich auf hohe Antrittsgelder, Siegprämien und das Engagement jedweder Ostafrikaner. Entsprechend sind die bisher eingetragenen Streckenrekorde international ohne Bedeutung und die in Lausanne gelaufenen höher einzuschätzen. Relevant ist dies für den Veranstalter aber nicht, er dürfte sich - wie dieses Jahr - viel mehr über zwei persönliche Bestmarken der Schweizer Marathonsieger Franziska Inauen (2:51:07h) und Elias Gemperli (2:27:52h) freuen als über einen Kenianer oder eine Kenianerin, der/die zwanzig Minuten flotter hätte sein können.

Dicht gedrängt bewegt sich das Läuferfeld vorbei am Fahnenmeer des Hauptsponsors Richtung stadtauswärts Etwa die Hälfte der Strecke führt am Ufer des Vierwaldstättersees vorbei. Die Witterung aber ließ zu wünschen übrig. Es gab viel Regen bei nur vier Grad

Das Kernprogramm bildeten von Anfang an der namensgebende Marathon und der Halbmarathon. Der Schnupperlauf war einige Jahre reine Rahmendisziplin, erfuhr aber ab 2012 zunächst als "Fünf-Meilen-Lauf" und ab 2017 als vermessener Zehner eine deutliche Aufwertung. Da beim Zehner offenbar noch Potential schlummert, wurde das Teilnehmerlimit 2018 auf 2000 Läufer deutlich aufgestockt. Der zwischenzeitlich ins Angebot genommene Duo-Marathon für Zweierteams fristet im Vergleich zu anderen Staffelwettbewerben mit nur 85 Zieleinläufen ein (noch) bescheidenes Dasein. Erfolgreicher gestalten sich die Maratholino-Rennen für Kinder der Jahrgänge 2012 bis 2014, die sowohl im Zielbereich am Verkehrshaus Luzern (ab 9:30 Uhr) wie auch im Startbereich in Horw (ab 12 Uhr) stattfinden. Neu im Angebot war 2018 die Charitymile.

Änderungen

Dass Luzern eine ohnehin sehr schöne Stadt ist, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass aber das landschaftliche Panorama, in das sie eingebettet ist, nahezu ein Alleinstellungsmerkmale beanspruchen darf, noch viel weniger - schließlich liegt die Stadt an einem der beliebtesten Seen des Alpenraums, dem Vierwaldstättersee, umgeben von einer herrlichen Bergregion. Von daher ist es in Luzern schlechterdings nicht möglich, eine unattraktive Streckenführung anzubieten, aber ein leichtes, daraus den häufig zitierten "schönsten Lauf" zu kreieren.

 

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Die Hauptroute ist ein Halbmarathonkurs, den die Marathonis (bei einer kleinen Variation in Runde 2) zweimal zu durchlaufen haben. Beide Läufe werden - zusammen mit dem Duo-Marathon - um neun Uhr am Sonntag gestartet, die langsameren Läufer folgen in mehreren Blöcken im Abstand von immer fünf Minuten, bis um 9:25 Uhr alle Hauptläufer auf der Piste sind, weshalb es nirgendwo eng wird. Los geht es auf der Haldenstraße, in der Nähe des Verkehrshauses, wo noch am Wettkampfmorgen für diejenigen die Möglichkeit besteht, die Startunterlagen abzuholen, die es am Freitag oder Samstag nicht ins Hotel Schweizerhof geschafft haben.

Marathonsieger Elias Gemperli bei km 12 Ob die Marathonis einen Blick für die hübsche
Holzhausarchitektur haben ...?

Was dann folgt, ist sowohl Landschafts-, als auch See- und Citylauf in einem. Die ersten beiden Kilometer führen direkt am Ufer des Vierwaldstättersees entlang, dann wird die Seebrücke überlaufen und Richtung Süden eingebogen. Auf der ersten Hälfte führt der Weg über Wartegg, Stutz St. Niklausen und Hinterrüti rund um die Horwer Halbinsel, wo drei kleine, aber knackige Steigungen mit je etwa 25 bis 40 Höhenmetern warten. Bei km zehn wird der südlichste Punkt der Strecke erreicht. Insgesamt soll der Marathon knapp 200 Höhenmeter haben, der Halbe also 100.

Eventcharakter

Zwischen km 8 und 12 geht es direkt am See entlang, immer mit Blick auf das malerische Bergpanorama (das heuer aber in Wolken lag), vorbei an der ehemaligen Fähranlegestelle, wo jetzt das schön gelegene Hotel Seesternen liegt, weiter in Richtung Horw. Es wird nun das Zentrum der Gemeinde durchlaufen und der Startpunkt des 10-km-Laufs erreicht - ein echter Hotspot. Bei km 15 wird die Fußballarena durchlaufen, und ab km 17 kommen sich die Marathonläufer der zweiten Runde und die, die noch in der ersten Runde sind, entgegen. Seit 2013 wird eine Zusatzschleife durch die historische Altstadt von Luzern gedreht, die an anderer Stelle eingespart wurde. Hier ist ein besonders großes Zuschaueraufkommen zu beobachten. Schließlich erreicht das Läuferfeld wieder die Haldenstraße, auf der die letzten zwei Kilometer zurückzulegen sind. Kurz vor dem Zieleinlauf der Halbmarathonis biegen die Marathonis an einer Wendestelle in die zweite Runde.

Bei km 16 und 37 wird das Luzerner Fußballstadion durchlaufen Nur wenige Meter waren die Läufer regengeschützt, nämlich als die Wegstrecke durch den illuminierten Luzerner Saal des Kultur- und Kongresszentrums führte

Ebenso unvergleichlich wie die Strecke selbst, ist ihr Unterhaltungswert, herbeigeführt einerseits durch ein großes und begeisterungsfähiges Publikum, andererseits durch die hohe Anzahl von Bands und herausragender anderer Eventpunkte. Trotz des Regens ließ sich das offensichtlich marathonverrückte Publikum nicht nehmen, an der Strecke großes Tamtam zu machen.

Nicht weniger als 35 Musikgruppen unterschiedlicher Couleur waren im Einsatz, hochgerechnet also 70 auf beiden Runden: Alphornbläser, Jazzcombos, Rockgruppen, Feuerwehrkapellen und Popbands. Besonders zu erwähnen ist der 150 Meter lange Durchlauf durchs Kongresszentrum, in dem sich während des Regens besonders viele Zuschauer aufhielten und eine Riesendisko mit großer Lichtanlage und lautstarker Beschallung aufgebaut war. Das führte - zwei Kilometer vor dem Ziel - zu einem absoluten Stimmungshoch bei den Läufern.

Halbmarathon

Mit 6325 Finisher im Halbmarathon, darunter 4031 Männer, 2026 Frauen (33,4 Prozent) und 268 ohne Ranking, war die 21,1-km-Distanz erwartungsgemäß der beliebteste Wettbewerb. Rechnet man die 170 HM-Starter des Duo-Marathons hinzu, so liefen rund zwei Drittel aller Teilnehmer den Halbmarathon.

Einen deutschen Sieg gab es im Halbmarathon durch den Potsdamer Stefan Hendtke David Keller aus der Schweiz führte lange, musste sich aber mit Platz zwei zufriedengeben
Aus Großbritannien stammt der 3.: Mark Pearce Manfred Jauch kommt auf Rang 4 und gewinnt die M40

Bei den Männern kam es zu einem überaus spannenden Rennen mit einem - gegen Ende hin - doch überraschenden Ausgang. Der 26-jährige Schweizer David Keller dominierte fast zwanzig Kilometer den Halbmarathon und lag noch ein Kilometer vor dem Ziel sicher in Führung.

Doch der ein Jahr ältere Deutsche Stefan Hendtke aus Potsdam hatte sich herangepirscht und lag in Lauerstellung, als er sich mit unbändigem Siegeswillen zu einem langen Endspurt entschloss. "Ich lag etwa fünf Sekunden zurück und sagte mir: jetzt gebe ich alles", analysierte Hendtke hinterher. "Ich riskierte es und gab Gas. Es war hart, ich habe bis zum Schluss kämpfen müssen."

 
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Widersacher David Keller sah die Situation so: "Er zog den Sprint einen Kilometer lang durch. Als ich feststellte, wie schnell er an mir vorbeirannte, war für mich klar: Da kann ich nicht mithalten." Auf dem letzten Kilometer konnte Hendtke Keller noch neun Sekunden abnehmen und in 1:09:18h gewinnen. In 1:09:27h lief der Aargauer Keller in neuer persönlicher Bestzeit auf Rang zwei. Es folgten der Brite Mark Pearce in 1:11:40h knapp vor einem weiteren Schweizer: Manfred Jauch aus Altdorf in 1:11:47h. Die Streckenbestzeit stammt aus dem Jahre 2015 (Michael Ott, 1:05:43h).

Im HM der Frauen belegten einheimische Läuferinnen neun der ersten zehn Plätze. Schnellste war Andrea Meier vor ... ... Nina Zoller
Myriam Keiser wird 4. Eine kurze Wegstrecke führt über das Kopfsteinpflaster der sehenswerten Altstadt

Konnten sich bei den Männern immerhin drei Gastläufer aus Deutschland, England und den USA unter den ersten zehn platzieren, blieb bei den Frauen gerade mal ein Platz im Top-ten-Ranking für ausländische Starterinnen. Der Sieg wurde eine klare Angelegenheit für Andrea Meier vom LC Uster. Die 25-Jährige lag schon bei Halbzeit uneinholbar in Front und gewann mit über drei Minuten Vorsprung in guten 1:17:31h. Es folgte Nina Zoller aus Chur. Die W30erin brauchte 1:20:56h. Eine gute Minute später folgte Barbara Jurt von der LA Nidwalden in 1:22:07h. Damit gewann diese die AK W45. Rang vier belegte Myriam Keiser aus Rotkreuz in 1:22:45h. Sie hatte im Schlussspurt Rahel Rüegge (1:22:47h) knapp niedergerungen. Der Streckenrekord wurde 2010 von Patricia Morcelli in 1:13:43h aufgestellt.

Marathon: Franziska Inauen zum Dritten

Strahlefrau Franziska Inauen konnte ihren 2017 gewonnenen Titel im Marathon in neuer persönlicher Bestzeit von 2:51:07h verteidigen und nach ihrem Erfolg von 2014 bereits zum dritten Mal gewinnen. Die Lokalmatadorin aus Luzern hatte zuvor bei weiteren Teilnahmen im Marathon vordere Platzierungen erreicht und war dabei - mit einer Ausnahme - immer unter drei Stunden geblieben. In den Anfangsjahren des SwissCityMarathon war sie auch mehrere Male beim Halbmarathon dabei gewesen. Ihr Statement unmittelbar nach dem entspannten Zieleinlauf lautete: "Es war wunderbar. Diese vielen Leute, diese Unterstützung auf der ganzen Strecke, diese Stimmung, einmal mehr einzigartig, berührend. Das hat Flügel verliehen." Gleichzeitig räumt die 32-Jährige ein: "Die Kälte forderte einen. Vor dem Start hörte der Regen kurz auf, so dass wir trocken loslaufen konnten. Das war sehr wertvoll, ein Glück". Und: "Auf der zweiten Runde fühlten sich die Oberschenkel an wie ein Eisklotz. Aber ich mag jedes Wetter."

Zum dritten Mal nach 2014 und 2017 gewann Franziska Inauen den Marathon, und das mit persönlicher Bestzeit Zweite wurde Isabell Gindrat-Keller vor ... ... Jordan Foster aus Großbritannien Blieben das ganze Rennen zusammen: Sandra Beck (links) wird vierte vor der zeitgleichen Patricia Heller

Ein starkes Rennen machte hinter Franziska Inauen Isabell Gindrat-Keller, die den Kontakt zur Siegerin nie ganz abreißen ließ und immer in Tuchfühlung blieb. Die 28-Jährige kam mit etwas mehr als einer Minute Rückstand in 2:52:09h auf Rang zwei vor der Britin Jordan Foster in 2:58:36h. Seite an Seite liefen das ganze Rennen Sandra Beck (W50) aus Basel und die Luzernerin Patricia Heller (W45), die auch zeitgleich in 3:04:42h als vierte und fünfte über die Ziellinie liefen und je ihre Altersklasse gewannen. Die schnellste in Luzern erreichte Zeit stammt von Martina Strähl und datiert aus 2012. Sie beendete den Marathon nach 2:39:14h.

Junger Marathonsieger Elias Gemperli

Wenn es einen kleinen Wermutstropfen für die Organisatoren bei der diesjährigen Austragung gegeben hat, dann war es die Anzahl der Marathonfinisher. Diese hatte sich seit der Erstaustragung im Jahr 2007 bis 2017 von 2713 Teilnehmern auf 1328 ohnehin schon mehr als halbiert, erlebte aber von 2017 auf 2018 einen weiteren markanten Rückgang auf 1047. Orgamitglied Reto Schorno machte im Pressegespräch die allgemeine Entwicklung dafür verantwortlich. Die wenigen großen Veranstaltungen würden immer größer, die kleinen und mittleren immer kleiner. In Deutschland beispielsweise sei die Situation so, dass in Berlin in diesem Jahr so viele Läufer ins Ziel gekommen wären wie bei allen anderen Marathons in der Bundesrepublik zusammen. Mit über 1000 Finishern in Luzern wäre man in Deutschland immer noch unter den größten zehn Läufen.

Siegte ebenfalls mit persönlicher Bestzeit: der 23-jährige Elias Gemperli Marathon-Zweiter wird der Deutsche Stefan Schmauder (hinten) vor Philipp Arnold Rang vier für den Franzosen Mathieu Iselin

Von den 1047 erfolgreichen Zieleinläufen kamen 38 nicht in die Wertung, da sie sich für die Charityvariante von UNICEF entschieden hatten. Die verbleibenden 1009 teilten sich auf in 822 Männer und 187 Frauen. Damit lag der Frauenanteil bei nur 18,5 Prozent, ein unterdurchschnittlicher Wert für Citymarathons.

Dreiundzwanzig Jahre jung ist der neue Marathonchampion von Luzern. Elias Gemperli war schon im letzten Jahr dabei und wurde vierter. Auch jetzt startete er konservativ und hielt sich zu Beginn im Hintergrund. Zwischen Kilometer zehn und elf konnten die Zuschauer in Horw sehen, wie sich der Schlacks an die Spitze setzte, die er bis ins Ziel nicht mehr abgeben würde. Er gewann in neuer persönlicher Bestzeit von 2:27:52h, womit er den Streckenrekord von Fabian Kuert (2015, 2:26:15h) nur knapp verpasste. Er sei sehr zufrieden mit dem Rennen, mega happy, gab er nach dem Lauf zu Protokoll, auch die Kälte habe ihm nichts ausgemacht. Aber zwischen km 30 und 35 habe er ein wenig gelitten, da sei er in ein kleines Tief geraten und habe kämpfen müssen, um das Tempo zu halten. Hinter Gemperli konnte sich der Deutsche Stefan Schmauder in 2:32:25h Rang zwei sichern, nachdem er lange zusammen mit dem späteren dritten, (Philipp Arnold, 2:34:29h) unterwegs gewesen war. Erst auf den letzten zehn Kilometern konnte sich dieser von jenem lösen. Rang vier ging an Frankreich (Mathieu Iselin, 2:35:28h).

Neben dem Marathon und Halbmarathon wird auch ein Duo-Marathon angeboten, bei dem 85 Zweierteams ins Ziel kamen Als schnellstes Frauendoppel trugen sich Jenny Kily und, hier im Bild, Schlussläuferin Carmen Bähler als "Dream Duo" in die Siegerliste ein. Sie wurden insgesamt 4.

Die schnellste Mannschaft im Duo-Marathon stellte das LSC Laufteam mit Startläufer Mark Bucher und Schlussläufer Martin Kuster. Sie brauchten 2:45:31h. Das schnellste Frauenduo landete auf Platz vier. Das "Dream Duo" Jenny Kily und Carmen Bähler kamen nach 2:48:11h ins Ziel.

Hotspot Horw

Der Luzern Marathon hat sein Zentrum natürlich in der namensgebenden Metropole, verfügt aber mit der angrenzenden Gemeinde Horw über so etwas wie ein Unterzentrum. So umkurven und durchlaufen die Halbmarathonis und Marathonis nicht nur die Horwer Halbinsel, sondern hier gibt es, genau wie im Zentrum, einen Haupteventpunkt, perfekt organisiert von den Helfern der Horwer Vereine. Für so viel Engagement wird der Ort mit parallel zu Luzern angesetzten Bambiniläufen belohnt, und, wichtiger noch, mit dem Start des 10-km-Laufs. Dieser wird nach einer Eingangsrunde durch Horw auf der Marathonhauptstrecke gelaufen und entspricht auf den letzten neun Kilometern der Königsdisziplin.

Kinderläufe finden in Luzern und im Zentrum von Horw statt, zusammen 12 an der Zahl mit rund 500 Bambini Start des im letzten Jahr eingeführten 10-km-Laufs, der in Horw erfolgt. Über 2000 Läufer waren dabei. Rechts ist Sieger Jonathan Raya zu sehen, halb links in blau die 15-jährige Siegerin Valentina Rosamilia, die den einzigen Streckenrekord aufstellte (36:29min)

Um 13:05 Uhr beziehungsweise 13:20 Uhr, vier Stunden nach dem Start des Hauptfeldes in Luzern, wurde in Horw der Zehner in zwei Schüben angeschossen. Zunächst gingen die flotteren Läufer (Zielzeit unter 50 Minuten) auf die Strecke, dann alle anderen. Die Verteilung war so, dass etwa neunzig Prozent aller gut 2000 Teilnehmer sich der hinteren Gruppe zugehörig fühlten und es zu einer ungleichgewichtigen Verteilung kam. Wenn die Zehner auf die Marathonstrecke einbiegen, treffen sie auf die Marathonis, die zwischen fünf und sechs Stunden brauchen werden. Für beide Felder ist 15 Uhr Zielschluss.

Dass beim erst im letzten Jahr eingeführten Zehner am ehesten ein Streckenrekord fallen könnte, lag in der Luft, dass es aber ausgerechnet ein fünfzehnjähriges Mädchen sein würde, dürften nur Experten der schweizerisch-italienischen Laufszene geahnt haben. Denn Valentina Rosamilia, die beide Staatsbürgerschaften hat, war schon durch manche Landesrekorde ihrer Altersklasse aufgefallen, ist aber eigentlich Mittelstrecklerin und Triathletin. An der U18-Europameisterschaft, für die sie qualifiziert war, durfte sie nicht teilnehmen, da sie zu jung war.

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Es entwickelte sich zwischen ihr und der drei Jahre älteren Rahel Blättler ein spannendes Rennen, das erst auf der Zielgeraden für Valentina entschieden wurde. In der für ihre Altersklasse herausragenden Zeit von 36:29min siegte das Jungtalent mit nur einer Sekunde Vorsprung vor Blättler. Damit blieben beide unter dem alten Streckenrekord von Michele Gantner (36:38min). Dritte wurde Jeanne Wildisen in 36:57min. Die sehr enge Reihenfolge der Männer lautete: Raya Jonathan (32:28min) vor Romain Lüscher (32:32min) und Jens-Michael Gossauer (32:35min).

Bonmot zum Schluss: Zur Gegebenheit, dass beim Zehner deutlich mehr Frauen als Männer am Start waren, hatte Reto Schorno einen spaßigen Kommentar übrig. Es sei nun mal so, dass je kürzer die Strecke werde, die Anzahl der Frauen, vor allem der der jüngeren, steige - und in gleichen Maße das Alter der Männer...

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt
Fotos von Thomas Linnemann

Ergebnisse www.swisscitymarathon.ch

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Thomas Linnemann

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