13./14.10.18 - 15. Bottwartal Marathon

Wenn nicht 2018, dann 2019!

Es darf auch kürzer oder etwas mehr sein

von Constanze & Walter Wagner 

Wer nach 15. Austragungen noch immer nicht den Bottwartal Marathon erlebt hat, dem sei diese top-organisierte Veranstaltung mit einer überraschend stimmungsvollen Atmosphäre dringend empfohlen. Dafür muss man kein Marathonläufer sein, denn die Angebotspalette hält für beinahe jeden etwas vor. Als man sich im Jahr 2004 erstmals an den Start begab, war dies kaum anders, denn einzig auf die reine Marathondistanz hatte man sich in der Weinregion nördlich von Stuttgart auch bei der Premiere nicht beschränkt. Teilnehmerstärker war von Beginn an die halbe Distanz.

Die Städte im Oberrheingraben verfügen immerhin über genügend flachen Auslauf für einen schnellen Kurs, doch leiden deren Marathonzahlen aufgrund der Veranstaltungsfülle entlang des Rheins. Das Bottwartal, unweit vom marathonfreien Stuttgart gelegen, hat mit seinem großen Einzugsgebiet einen leichteren Stand. Dem Marathon in Heilbronn geht man zeitlich aus dem Weg. Einen Frühjahrs- und einen Herbstmarathon verträgt die Metropolregion ohne Frage, obwohl sich beide im Charakter ähneln und sich die Strecken des Bottwartal- und des vier Jahre reiferen Heilbronner Trollinger Marathons beinahe überschneiden.

 

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Orga-Chef Gerhard Petermann und das Moderatorenpaar Achim Seiter und Adi G. (v.l.) im Dauereinsatz für den Bottwartal Marathon Eine Vielzahl von Wettbewerbern gilt es am Marathonsonntag über die Strecke zu führen: Ultramarathon, Marathon, Halbmarathon, 3/4-Marathon, Team-Marathon, Staffel-Marathon, 10 km Lauf ... Marathon und Halbmarathon nun schon zum 15. Mal
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Aktuell hatte am vergangenen Wochenende die nationale Laufszene bei lauftreff.de die Auswahl aus 14 Marathonläufen und rund 30 Halbmarathondistanzen. Neben ‚Exoten' und solchen im angrenzenden Ausland, findet sich darunter auch eine Reihe von Traditionsmarathons, wie z.B. der von Essen, München oder Bräunlingen. Ein Großteil der Läufer*innen wird in der jeweiligen Veranstaltungsregion akquiriert. Teilnehmende aus ganz Deutschland oder gar dem Ausland zu gewinnen, gelingt einem Marathonevent in einer Stadt mit internationalem Renommee und fünftstelliger Teilnehmerzahl besser als den Mittelstandsmarathons, die sich zudem im übervollen Kalender gegenseitig die Butter vom Brot nehmen. Denkt man gar an die besonders ambitionierten Sieganwärter, reicht die überschaubare Elite gleich gar nicht für alle Events.

Alles was 42,195 km läuft, startet um 9:30 Uhr am Wahrzeichen von Steinheim an der Murr, dem Steppenelefant Steppi ... ... da sind die Urmensch-Ultras schon eine Stunde auf der Strecke. Das Urtier blieb in großer Gelassenheit zurück. Niemand nutzte dessen Rücken für den 54,5km langen Geländelauf

Um in diesem umkämpften Szenario zu bestehen braucht es eine glückliche Hand. Das kann die Freizügigkeit der Sponsoren sein, ein besonders laufaffines Umfeld oder besonderes Geschick der Organisatoren. Dies freilich ist keine umfassende Aufzählung, gut beraten ist ein Marathonveranstalter aber, wenn man ihm die Anforderungen Fleiß, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit und ein akzeptables Preis-Leistungsverhältnis mit auf den Weg gibt.

Eine Laufveranstaltung muss zu den örtlichen Gegebenheiten passen und vorzugsweise von der Bevölkerung gewollt werden. Dies bringt es mit sich, dass eine exzellente Stimmung an der Strecke herrscht, die wiederum die Lauffreude steigert. All dies hat mit schnellen Zeiten nichts gemein, dazu braucht es andere Voraussetzungen und bei der Weltklasse ein entsprechend ausgelegtes Budget. Beim Bottwartal Marathon laufen die schnell, die vorne sind, egal welche Zeit sie letztendlich erreichen. Die Preise sind begehrt, locken aber keine Berufssportler, wenngleich sich bereits große Namen in den Listen finden, allen voran Deutschlands schnellster Marathonläufer Arne Gabius.

 

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LR-Info Heilbronner Trollinger Marathon

Kay-Uwe Müller übernimmt sogleich die Führung
Die ersten Verfolger sind Staffel- und Teamläufer, die sich die Marathonstrecke zu Dritt (Team) oder zu Acht (Staffel) teilen. Die LG Odenwald/TSG Bad König (vorne links) wird als 3. Männerstaffel den Wettbewerb beenden Bei den Marathonfrauen geht Jasmin Klotz in Führung

Frei von einschneidenden Veränderung ist die kurze Geschichte des Bottwartal-Marathon aber nicht. In den Anfangsjahren war die Bottwartal Kellerei in Großbottwar das Epizentrum und quasi Gastgeber des Laufs, 2012 zog der Tross nach Steinheim um, wo man ab 2015 am Steppi-Kreisel ins Ziel läuft. Gestartet wird ebenfalls am Steppi, es sei denn man hat sich für den Intersport-Halbmarathon angemeldet, dann befindet sich die Startaufstellung auf der Hauptstraße in Gronau. Die logistischen Anforderungen sind enorm, müssen doch auch die Staffel- und Team-Läufer an ihre jeweiligen Wechselpunkte verbracht bzw. nach Steinheim zurückgeholt werden. Mit acht Gelenkbussen des Verkehrsverbundes Stuttgart wird das Transportproblem reibungslos und schnell gelöst, voll des Lobes äußerten sich Teilnehmende über diesen kostenfreien Service. Kostenfrei sind auch 2500 Parkplätze und mit der Riedhalle in Steinheim steht eine über ein adäquates Fassungsvermögen verfügende Örtlichkeit für die Siegerehrung und den geselligen Ausklang bereit.

Zweimal führt der Marathonkurs zunächst durch Steinheim, das erste Mal nach ca. 1,5 km, das zweite Mal im Anschluss an eine Schleife durch den Ort Murr nach ca. 10km
Die Verfolger des Marathonführenden, Michael Sommer und Günter Seibold (mit Mütze), queren das Flüsschen Murr

Dies alles stellt eine gewaltige organisatorische Aufgabe dar, ein teilnehmerstarker 10km-Lauf sowie ein 3/4-Marathon ist noch gar nicht erwähnt, dennoch scheute sich das Team um Organisationschef Gerhard Petermann nicht, 2013 den MZ-Urmensch-Ultramarathon einzuführen, einen Trailmarathon mit Überlänge, ebenfalls mit Start und Ziel am Steppi, aber auf ganz eigenen Wegen über 54,5 km führt und dabei kaum eine Steigung auslässt und über 1250 Höhenmeter abverlangt.

 
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Namensgeber der Veranstaltung und der Weinbauregion ist ein Wasserlauf, der in den Löwensteiner Bergen entspringt und sich nach 17 Kilometern in die Murr ergießt. Besiedelt war die Gegend bereits in der Römerzeit. Der Fund des Homo steinheimensis, ein fossiler Schädel einer vermutlich 25jährigen Frau, deren über 300.000 Jahre alten Überreste beim Kiesabbau in Steinheim an der Murr zutage traten, lässt vermuten, dass die idyllische Wohnlage schon lange davor geschätzt war und gibt dem Ultralauf seine klangvolle Bezeichnung. Auf in ein Stück Fell verpackte Neuzeit-Urmenschen mit Keule kann man auch beim Bottwartal-Marathon treffen, die sind zugegeben harmlos, haben aber einen werbenden Effekt und sind keinesfalls verfrühte Halloween-Statisten.

Staffelwechsel bei km 21 in Gronau, dem Startort des Halbmarathons. Angelika Häberle (links) ist bereits das 3. Mal als Helferin dabei. Sabrina Müller nimmt das 2. Mal am Team-Marathon teil, sie läuft den 3. und letzten Part über 21,1 km. Damit kommt sie auch zusätzlich noch in die Halbmarathonwertung. Mit ihrem Team Stiftung Wadentest läuft sie auf Rang 18. in 3:48:03, über Halbmarathon wird sie als 146. Frau in 2:00:26 gewertet Das Sieger-Team FloWelk Sportkonzept mit (zweimal) Christian Muth und Michael Dressler wechseln in Gronau als erstes Team und werden das Ziel auch als Schnellste nach 2:39:25 erreichen 5. Wechsel heißt es hier in Gronau für die Staffelmarathonis. Die zwei Teilnehmerinnen der Staffel FV Wüstenrot sind das erste Mal dabei. Ihre Staffel wird nach 3:52:55 auf Rang 16 in Steinheim durchs Ziel laufen Die Staffel ZINQ wechselt bei Halbmarathon knapp hinter den schnellsten Team-Marathonis und auch im Ziel liegen sie mit 2:39:35 zehn Sekunden hinter dem Sieger-Team, gewinnen aber den Staffelbewerb

Bottwartal Marathon

Das auf 150 begrenzte Teilnehmerfeld des Urmensch-Ultramarathons ist bereits seit einer Stunde auf der Strecke, wenn am Steppi-Kreisel der Startschuss die Marathonläufer in Bewegung setzt. Gemeinsam gehen Solisten, 3er-Teams und 8er-Staffeln die Distanz an, vom Erstteilnehmer bis zu den treuen Läufer*innen, die ohne Unterbrechung immer dabei waren. Die Wettervorhersage fehlte noch immer nicht, es war ein goldener Oktobertag angekündigt, der sich zu ungewöhnlich schweißtreibenden Temperaturen aufheizen sollte. Dies war ideal für die zahlreichen Zuschauer in den Ortschaften und selbst den meisten Läufer*innen dürfte ein überraschendes Ende des trockenen anhaltenden Spätsommers nicht gefallen haben. Die Verpflegungsstände hatten alle Hände voll Arbeit den Durst der Athleten zu stillen.

Bei km 21 in Gronau, dem Startort des Halbmarathons, biegen Marathonis und Staffeln vor den auf ihren Startschuss wartenden Halbmarathonis auf deren Strecke ein

Einer kurzen Einführungsrunde in Steinheim folgt eine längere bis Murr und nach rund 10 Kilometern querte der Tross erneut die Murr und passierte das historische Rathaus in Steinheim. Für Zuschauer zeigte sich das Feld in Steinheim zum dritten Mal. Doch nun ging es in die Weite, über Kleinbottwar, Goßbottwar und Oberstenfeld wurde Gronau erreicht. Dort scharrten bereits die Halbmarathonis mit den Hufen, deren Startzeit sich leicht verschieben kann, denn die erste Frau wollte man abwarten, damit die Meute gleich hinter ihr auf die verbleibenden 21,1 Kilometer entlassen wird.

 

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Günter Seibold kommt bei km 21 als zweiter Marathoni durch
... da ist Kay-Uwe Müller nach einer Schleife durch Gronau schon bei km 25 auf dem Weg nach Beilstein

Eine Vorentscheidung war in Gronau bereits gefallen, doch unter Fachleuten wurde er bereits durch seine Anwesenheit im Startfeld zum Sieganwärter. Allein, dass er sich kurzfristig nachgemeldet hatte und nicht in der Teilnehmerliste stand, änderte an der ihm zuzusprechenden Favoritenrolle nichts. Kay-Uwe Müller aus Ilshofen und für www.3koenigslauf.de in Schwäbisch Hall gemeldet, hatte das Ziel zu gewinnen. Dies war ihm an gleicher Stelle 2011 bereits gelungen, aber nur beim 3/4-Marathon. Mehrmals absolvierte er den Bottwartal Marathon weniger ambitioniert als Trainingswettkampf. Seinem Plan folgend setzte er sich sogleich an die Spitze und kontrollierte alle seine Gegner, egal ob sie allein oder als Team bzw. Staffel unterwegs waren.

Der 3. Marathoni Michael Sommer (Lichtenbergschule Oberstenfeld) lässt sich in seinem Heimatort Oberstenfeld feiern
Sebastian Giebeler aus Böblingen folgt auf Rang 4

Mit einer Marathonbestzeit von 2:28:06 h, gelaufen im Vorjahr in Wien, und einer ganzen Reihe von Siegen über Marathon und auch längeren Distanzen, war mit ihm auch im Bottwartal zu rechnen. Den Siegerlorbeer konnte er bereits beim Trollinger Marathon in Empfang nehmen, zwei Mal beim Schwarzwald Marathon und gar vier Mal in Niederhall beim EBM Marathon ebenso beim 50km Albmarathon in Schwäbisch Gmünd, bei dem er Ende Oktober maximal über 25 km starten und nicht seinen Titel verteidigen wird.

Dabei hätte ihm am ehesten die berufliche Belastung einen Streich spielen können, denn als Selbstständiger mit einem Rundumservice fürs Haus, lassen ihm saisonbedingt die anfallenden Gartenarbeiten wenig Freiraum fürs Training. Obendrein befindet er sich mitten in seinem eigenen Umzug innerhalb von Ilshofen. Nach halber Distanz traf er in Gronau jedoch mit einem beachtlichen Vorsprung ein.

Oberstenfeld wird am historischen Rathaus ...
... und über eine Schneckenbrücke verlassen

Der nun folgende Wendepunkt Appendix, Gronau wird etwa bei Kilometer 25 endgültig wieder verlassen, gab ihm Aufschluss über die Rennsituation. Dennoch war er sich nie sicher und Zurufe, er verfüge über einen dreiminütigen Vorsprung, irritierten ihn und ermunterten ihn zur Eile. Doch hinterher war klar, dieser Abstand bezog sich nicht auf den zweiten Marathonläufer, sondern auf die siegreiche ZINQ-Staffel, die mit den frisch eingewechselten Teilstreckenläufern einigermaßen Kontakt halten konnte bzw. das Team Flo Welk Sportkonzept, das sogar zu zweit noch wenige Sekunden schneller als die Siegerstaffel und alle anderen Teams war.

Unterhalb Burg Lichtenberg, das die Urmensch Ultras bei km 40 passieren, vorbei am Sauserhof, wo ein Stimmungsnest tobt

Kay-Uwe Müller konnte nach 2:34:27 h seinen Sieg feiern und verfügte über einen gewaltigen Vorsprung von einer Viertelstunde. Sein Fazit: "Ich fand die Bedingungen angenehm. Tolle Stimmung an der Strecke, bombastisch." Hinter dem 39jährigen Sieger, der in der nächsten Saison in die M40 wechselt, folgten die beiden schnellsten M50er, Günter Seibold vom TSV Crailsheim in 2:49:03 h und Lokalmatador Michael Sommer, der wie kein anderer bei deutschen Meisterschaften über 100 km den Titel in Serie erringen konnte und bereits bei der Bottwartal-Premiere 2004 mit auf dem Siegerdodest stand. Mit Trainingsrückstand aufgrund einer Innenbandverletzung, die er sich im Mai beim Fußballspielen zugezogen hatte, versuchte er sich dennoch am Marathon und war nach 2:50:44 h im Ziel, zehn Sekunden vor Sebastian Giebeler aus Böblingen (2. M35).

Auf den folgenden Plätzen fünf und sechs, landeten M45-Sieger Thomas Schulze aus Großlehna in 2:56:16 h und M40-Sieger Jan Geiger von LT Altburg in 2:58:29 h. Letzter unter drei Stunden war Christian Wachter (2:59:52 h, TSG Schwäbisch Hall) auf dem siebten Einlaufplatz.

In Sauserhof bei km 34 gab es einmal mehr reichhaltige Verpflegung und fetzige Hits vorgetragen mit Gesang und Gitarre

Bereits die erste Zeit über drei Stunden lieferte Jasmin Klotz ab, die in 3:04:00 h bei ihrem erst zweiten Marathon siegte. Im letzten Jahr lief sie an gleicher Stätte in 3:27:21 h auf Rang drei. Die 29jährige Beamtin aus Markgröningen ist seit ihrem fünften Lebensjahr Fußballerin, spielte in der 2. Bundesliga. Sie findet die Strecke und die Zuschauer einzigartig, was andere Teilnehmern bestätigen, die schon mehr in der Marathonszene herumgekommen sind. Sie verfügte nach ihrem Start-Ziel-Sieg über einen noch größeren Vorsprung als Kay-Uwe Müller. Silke Raugust vom LT Murr wurde in ihrem letzten Jahr in der W45 in 3:22:39 h Zweite gefolgt von Heidi Kleiser (Spvgg Besigheim), die in 3:25:09 h die Klasse W40 gewann. Stephanie Dehner aus Bisingen schaffte als Vierte in 3:29:04 h die letzte Zeit unter 3 Stunden 30.

Jasmin Klotz aus Markgröningen behält die Marathonführung bis ins Ziel Silke Raugust vom LT Murr läuft auf Rang 2 Heidi Kleiser (Spvgg Besigheim) wird 3. Die 4. Stephanie Dehner aus Bisingen läuft als letzte Frau mit 3:29:04 unter die 3:30 Marke

Mit 285 Finishern beim Marathon, davon 45 Frauen, wurden die 339 des Vorjahres nicht ganz erreicht. Beim Bottwartal Marathon ist die namensgebende Distanz allerdings hausgemachter Konkurrenz ausgesetzt, so zählte der Urmensch-Ultra mit einem leichten Plus gegenüber dem Vorjahr 144 Zieleinläufe, 25 8er-Staffeln und 32 3er-Teams ziehen weitere mögliche Marathonteilnehmer ab. Hinzu kommen 158 Finisher beim ¾ Marathon, 1638 Halbmarathon-Finisher und weitere 757 über 10 Kilometer, alle Läufe mit einem moderaten Plus gegenüber 2017. 118 Teilnehmende am Walking und Nordic Walking komplettieren die Statistik. Mit den teilnehmerstarken Nachwuchswettbewerben vom Samstag kommt der Bottwartal Marathon mit seiner Gesamtteilnehmerzahl im Ziel knapp an die 5000er-Marke heran.

MZ-Urmensch Ultralauf

Deutlich knapper war der Rennausgang über den langen Kanten bei den Männern. Vom schwierigen Profil zeigte sich Tilo Minges vom SC Oberwinden überrascht, obwohl die Distanz und die 1250 Höhenmeter nicht verheimlicht wurden. Extrem, das war das Ziel bei der Festlegung der neuen Strecke und OK-Chef Gerhard Petermann traf damit den Nerv der Trailläufer, denn die 150 Startplätze waren vorzeitig vergeben. "Hügelig, das liegt mir", so der 42jährige Tilo Minges, Softwareentwickler mit einer Marathonbestzeit von 2:45 h, der früher Straßenradrennen gefahren ist. In 4:00:12 Stunden behauptete er die Spitzenposition vor Timo Striegel (Die Praxis Ludwigsburg) in 4:03:39 h und Frank Merrbach vom Ultra Team der LG Nord Berlin (4:06:31).

Das Urmensch Ultralauf Siegerpaar der 5. Austragung Anja Westphal und Tilo Minges
Das Siegerpodest der männlichen Urmenschen mit dem 1. Tilo Minges vom SC Oberwinden, dem 2. Timo Striegel (die Praxis Ludwigsburg) und dem 3. Frank Merrbach von der LG Nord Berlin Ultra Team UM-Siegerin Anja Westphal vom MTV Stuttgart und die Zweitplatzierte Christiane Böhm von der Freiwilligen Feuerwehr Rüppurr

Schnellste des Urmensch-Ultras war wie im Vorjahr Anja Westphal (MTV Stuttgart) in 5:06:11 h. Zur neuen Strecken sagte sie: "Sie war besser, aber härter." Beim Laufen bevorzugt sie Landschaftsläufe, hat eine Marathonbestzeit von 3:28 h in ihrer Heimatstadt Rostock aufgestellt, wohnt heute Stuttgart und verfügt über eine Bestzeit von 10:51 h im Langdistanztriathlon (Roth). Sie lobte die sehr gute Organisation, alle super nett. Ihre Befürchtung, sich auf der neuen Strecke zu verlaufen, bewahrheitete sich nicht: "Es war alles sehr gut ausgeschildert." Für sie war der Bottwartal Marathon der Saisonabschluss nach den Trailmarathons in Liechtenstein und Mallorca, dem Rennsteiglauf Supermarathon, der Langdistanz bei der Challenge Roth, einem Mitteldistanz-Triathlon in Frankreich und einigen Triathlon-Sprints dazwischen. Mit Christiane Böhm (5:23:07 - Freiwillige Feuerwehr Rüppurr) und Gaby Marek-Schmid (5:42:43 - TSG Backnang) folgten die schnellsten W50-Läuferinnen auf den Plätzen zwei und drei.

Erdinger ¾ Marathon oder 31,65 Kilometer

Die Schleife nach Murr zu Beginn entfällt und um nicht ständig die Teilnehmer der verkürzten Distanz vorn zu haben, starten diese erst 10 Uhr 15, also eine Dreiviertelstunde später. Dass eine solch ungerade Distanz nichts an sportlichem Wert einbüßt, belegen die erbrachten Leistungen. Bei den Männern war M35er Michael Chalupsky von der TSG 78 Heidelberg in 2:01:05 h siegreich, gefolgt von Lorenzo Zanon vom DLC Aachen in 2:05:55 h und Sven Kratochwil vom Team AR Sport in 2:10:16 h, beide M30.

Michael Chalupsky von der TSG 78 Heidelberg gewinnt den 3/4-Marathon über 31,65 Kilometer
Christine Sigg-Sohn vom Team Lebenslauf führt das 3/4-Frauenfeld an Wolfgang Schütz gewinnt als 5. die M55. Schon oft ist er den ganzen Marathon gelaufen, beim Bottwartal zuletzt 2014 mit Rang 5 in 2:54:57. 49 Marathons hat er auf seinem Konto, seine pB liegt bei 2:27:20, "Zu wenig trainiert für Marathon", war seine Begründung für die verkürzte Variante

Eine klare Angelegenheit war der ¾-Marathon für Christine Sigg-Sohn vom Team Lebenslauf, Jahrgang 1967, die in 2:23:44 h Sylwia Zakrzewski-Heiter vom Team AR Sport auf Rang zwei verwies, die in 2:28:06 h den W40-Sieg feiern konnte. Drittplatzierte wurde in 2:45:06 Ilona Diéval-Lozach (Bosch Power Tools). Auffallend in der Liste ist Angelika Hofmann vom ETSV Lauda, die in der W60 läuft und in 2:54:03 auf den fünften Frauenplatz rangiert.

Männliches Pendant ist Wolfgang Schütz, der ebenfalls als Fünfter seine Altersklasse M55 in 2:16:38 gewinnen konnte. Im Bottwartal ist er auch schon öfter den ganzen Marathon gelaufen, zuletzt 2014 in 2:54:57 h. Seine Marathon-Bestzeit lief er zweimal auf die Sekunde gleich, 1992 und 1996 in 2:27:20 h. Fünfmal blieb er unter 2:30 Stunden und 14 Jahre lang unter 2:35 Stunden. Sein nächster Marathon ist der 50ste und den will er unter drei Stunden laufen.

Kaum ist der schnellste Marathonläufer Kay-Uwe Müller auf der Parallelstraße am wartendnen Halbmarathonfeld vorbei ...
3/4-Marathonläuferin Sylwia Zakrzewski-Heiter ist gerade noch vor dem über 1600 zählenden Teilnehmerfeld durchgeschlüpft, wird aber sogleich ein- und überholt. Ihren zweiten Platz bei den Frauen im 3/4 Marathon kann dies aber nicht gefährden

Intersport Halbmarathon

Jannik Ernst lief für die SG Stern Stuttgart überlegen zum Halbmarathonsieg in 1:11:10 h. Der 28jährige wird von Günter Jung beim Wiesbadener Verein TV Waldstraße trainiert, wohnt aber in Stuttgart-Feuerbach. Von Anfang 2012 bis Ende 2016 studierte er in San Jose / Kalifornien. Nach dem kürzlich erfolgten Abschluss des Masterstudiums arbeitet der Technologiemanager weiterhin bei Daimler im zukunftsträchtigen Themenfeld Mobility Services. Ins sportliche Rampenlicht rückte er 2016, als er bei seinem ersten Marathon in 2:21:24 h Dritter der Deutschen Meisterschaften wurde. Bei seinem zweiten Marathon wurde er in 2:26:20 h Europameister der Betriebssportler. Weiter soll es mit Konzentration auf die 10 km gehen, wo er seine Bestzeit (31:30 min) verbessern will. Gebrengus Luel aus Crailsheim folgte auf Rang zwei in 1:13:24 vor Ulrich Königs (TherapieReha Bottwartal) in 1:14:50 h.

Jannik Ernst von der SG Stern Stuttgart kommt als erster Halbmarathonläufer bei km 10 in Oberstenfeld durch
Gebrengus Luel aus Crailsheim folgt auf Rang 2 Platz 3 hält Ulrich Königs von TherapieReha Bottwartal inne Reiner Müller von der LG Neckar-Enz gewinnt die M60

Bei den Frauen siegte Alexandra Hellenthal vom TF Feuerbach in 1:32:30 h (W40). Der Triathletin aus Weil im Dorf, früher auch Langdistanzen, hat es gut gefallen und sie war schon 2017 beim Halbmarathon dabei, wurde damals Fünfte. Sandra Lermer, Jahrgang 1993 lief für das Team Allianz Ralph Ehmann und wurde Zweite in 1:33:40. Sie war ebenfalls 2017 den Halbmarathon gelaufen, aber in 1:37:32 nur Elfte geworden. Erst seit zweieinhalb Jahren läuft sie und hat ihre Halbmarathon Bestzeit von 1:30:22 in diesem Jahr in Stuttgart aufgestellt.

Bei den Halbmarathon-Frauen hat Alexandra Hellenthal vom TF Feuerbach die Führung übernommen
Sandra Lermer vom Team Allianz Ralph Ehmann folgt als 2. Halbmarathonfrau, begleitet vom Spielmannszug FFW Ilsfeld, durch Oberstenfeld Auf Rang 3 folgt Denise Winkler von der Daimler AG

Beim Stadtlauf Schwäbisch Gmünd hatte sie 2016 ihre erste Wettkampfteilnahme, lief 10 km in 46:42 und verbesserte sich bald auf eine 42er Zeit. Die 10 km waren im Frühjahr noch ihre Lieblingsdistanz. Den dritten Rang sicherte sich in 1:33:57 h Denise Winkler von der Daimler AG (1. W30). Die Folgenden, Sara Stark (1:35:08 - TSV Talheim) und Betti Wissmeier Huber (1:37:13 - Kieferorthopädie Dr. Fuchs) siegten in ihren jeweiligen Alterstklassen, W35 und W50. Mit 535 Frauen im Ziel, gesamt 1638 Finisher, war der Halbmarathon die beliebteste Distanz.

Das größte Teilnehmerfeld des Bottwartal Marathons weist der Halbmarathon aus. Nach dem Start in Gronau, der in mehreren Blocks erfolgt, verläuft die Strecke gemeinsam mit den Marathonläufer*innen bis nach Steinheim ins Ziel

TherapieRehaSiegele Herbstlauf über 10 km

757 Finisher, davon 312 Frauen, über diese Zahlen allein würde sich mancher Volkslaufveranstalter freuen, die beim Bottwartal Marathon von den 10 km Läufer*innen allein beigesteuert werden. Und wieder war es ein Läufer der SG Stern Stuttgart, der allen die Hacken zeigte. Hazem Alhasan Alahmad lief in 32:55 min persönliche Bestzeit. Über 5 km hat er 15:30 min stehen. Seit zwei Jahren lebt der 25jährige Syrier in Deutschland. Er trainiert manchmal mit Arne Gabius und lernt vor allem Deutsch. Den Kurs C1 macht er noch, die höchste Stufe, danach würde er gern eine Ausbildung zum Industrie-Kaufmann machen. Auf den Plätzen folgten Daniel Zuger von der LG Filder in 34:27 min (M30) und Timo Reichert aus Heilbronn in 34:36 (M40).

Cheerleader und roter Teppich sorgen für einen emotionalen Zieleinlauf

Bei den Frauen siegte Sophia Salzwedel in 39:18 min für LSF Münster. Sie kam aber nicht extra aus Nordrheinwestfalen angereist, denn seit Juni wohnt sie in Bietigheim. Der Umzug erfolgte beruflich bedingt nach Beendigung ihres Lehramtsstudiums. Sie unterrichtet jetzt am Ev. Lichtenstern-Gymnasium Sachsenheim Latein, Geschichte und Religion. Mit ihren Bestleistungen von 37:55 min über 10 km bis 2:57 h über Marathon dürften sich einige regionale Vereine nach der Ausdauerathletin strecken, die nach ihrem Umzug ins Württembergische noch etwas zurückhaltend im Bottwartal agierte. Von Cross über Bahnläufe bis Marathon ist sie aktiv, kommt vom Schwimmen und ist 2016 und 2017 in der 2. Bundesliga im Triathlon angetreten. Ihre stärksten Gegnerinnen in Steinbach waren Lina Kabusch (TherapieReha Bottwartal) in 40:32 min und die W40-Siegerin Carmen Scharpfenecker aus Gengenbach in 41:49 min.

Kurztriathletin Uschi Knoll aus Ludwigsburg ist schon x-mal beim Bottwartal Marathon mitgelaufen. Nachdem sie am Vortag ihren Sohn beim 1,5km Schülerlauf begleitet hatte, konnte sie sich nun nach erfogreichem 10 km Wettbewerb in 51:53 auf Platz 6. in der W50 eine der Rosen, die im Ziel an alle Frauen verteilt wurden, an die Startnummer heften
10km Siegerin Sophia Salzwedel vom nordrheinwestfälischen Verein LSF Münster wohnt erst seit kurzem in der Region. Die Lehrerin für Latein, Geschichte und Religion unterrichtet am Evangelischen Lichtenstern-Gymnasium Sachsenheim Der 10km Sieger Hazem Alhasan Alahmad (links) und Halbmarathonsieger Jannik Ernst liefen beide für die SG Stern Stuttgart

Leidenschaftlich wurde von den Samstagsrennen berichtet, wo sich unter 1003 Schulkindern und einigen Hundert Bambini besonders flotte Nachwuchstalente zeigten, über 1 km oder 1500 m, der allein 760 Finisher feiern konnte, während es beim 1/10-Marathon über 4,2 km 191 Ergebniseinträge gab. Die Zukunft scheint im Bottwartal gesichert.

Ausgelassene Freude bereitete der Ausflug ins Bottwartal den Schülerinnen und Schülern der LG Odenwald, die als Erstteilnehmer vom Staffeleinsatz am Sonntag begeistert waren: "Es war alles super organisiert und hat viel Spaß gemacht." Als man herausgefunden hatte, dass es eine Extrawertung für Frauenstaffeln gab, war die Freude umso größer, denn in 3:05:33 h stellten sie die Siegerstaffel, die sonst hinter der eigenen Männerstaffel (3. LG Odenwald in 2:58:15) auf dem vierten Platz leer ausgegangen wäre. Die Mischung aus Eltern und Kindern sowie die Distanzen von 5,8 / 5 / 4,5 / 5,8 / 4,4 / 4,2 / 7,8 / 4,7 km, dazu der bestens funktionierende Busshuttle und die meist in den Wechselzonen platzierten Versorgungsstellen dürften zukünftig noch mehr Gruppen zur Teilnahme animieren.

5 Mädels von der 8-köpfigen Frauenstaffel der LG Odenwald: Svenja, Helena, Anja, Mareike und Emily (von links) waren das erste Mal im Bottwartal dabei und begeistert von der sehr guten Organisation
Bei der Siegerehrung kletterten sie gemeinsam mit Sarah, Marina, Elisa aufs höchste Podest. Platz 2 in der weiblichen Wertung beim Staffelmarathon ging an Glitzerflitzer der HSG Neckar und Platz 3 an Architekturbüro Fischer

Gut zu unterscheiden waren die verschiedenen Teilnehmer mit einem großen Buchstaben auf der Startnummer, z.B. M für Marathon und Z für den 10 km Lauf. Was den Konkurrenten erkennbar machte, ließ der eigentlichen Nummer aber wenig Platz. Mancher Moderator an der Strecke musste da passen, konnte viele Nummern nicht erkennen und wusste nicht, wen es anzusagen galt. Allerlei gelungene musikalische Vorträge an der Strecke dürften den Zuschauern da mehr Spaß bereitet haben.

Etwas besorgt klingen Äußerungen zur anhaltenden Trockenheit und der für Oktober zu hohen Temperaturen. Derlei Gedanken können das Vergnügen manches Zuschauers trüben, der im Schweiß des anhaltenden Applaudierens, der mehr als überfällige Regen in den Sinn kommt. Einige Einsätze der Rettungskräfte dürften dem Klima geschuldet gewesen sein. Bleibt zu hoffen, dass sich alle längst erholt haben. Die allgegenwärtige Freundlichkeit - ich weiß, die hatten wir bereits zu Beginn des Berichtes - soll zum Schluss nochmals Erwähnung finden, denn die war bei Polizei und Helfern auffallend und sicher auf die gute Organisation sämtlicher Details zurückzuführen.

Gemeinsam mit seinem Sohn Bendedikt nahm Rainer Breimaier aus Steinheim zum 15. Mal am Bottwartal Marathon teil. Nach 3:27:30 war er als 3. der M55 im Ziel. Seine pB von 3:19:18 lief er beim Bottwartal Maratthon. Für Benedikt war es die 5. Teilnahme, er ließ es heute mit 4:33:33 etwas ruhiger angehen, seine pB von 3:15 lief er, etwas weiter weg gelegen von Steinheim, in Mailand
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Eine kurze Diskussion am Rande mit Werner Neumann, der Organisationschef der ersten acht Austragungen hatte sich in Oberstenfeld unter die Zuschauer gemischt, ergab, dass er die Entwicklung und Änderungen noch immer genau beobachtet. Die Wechsel im Angebot waren auch den betroffenen Gemeinden geschuldet, erinnert er daran, dass verständlicherweise alle Ortsteile möglichst viel vom Bottwartal Marathon in ihren Straßen erleben wollten. Dem begegnete man zeitweise mit zwei Halbmarathons. Nun scheint man das Optimum gefunden zu haben. Einsam ist es nur beim Urmensch Ultra, und das soll ja so, jedenfalls lautet das Motto: Into the Wild! Dass OK-Chef Gerhard Petermann und sein Team auch weiterhin mit feinkörnigem Schleifpapier Hand anlegen werden, damit muss man allerdings rechnen. Am besten gibt darüber die regelmäßige Teilnahme Aufschluss.

Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

unter

go4it-foto.de
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Ergebnisse www.bottwartal-marathon.de
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