22.10.17 - 10. Oldenburg Marathon mit (32.) Citylauf

Nach Verzicht auf Königsdistanz optimales Format erreicht

Runderneuerung beschert mit 4500 Finishern Rekordbeteiligung

10km: Rekorde durch Georg Diettrich und Josina Papenfuß

von Michael Schardt

Freilich: Dass hier kein Marathon drin ist wo Marathon draufsteht, wusste man seit langem. Schon vor der vorletzten Austragung hatte der Oldenburger Marathonverein als Veranstalter offen darüber kommuniziert, dass die Königsdistanz 2017 nicht angeboten und möglicherweise ganz von der Bildfläche verschwinden werde.

Auch hatte man weitere Änderungen angekündigt, nachdem das Event in den Medien und bei Läufern bezüglich der Streckenführung und des Ablaufplans partiell in die Kritik geraten war. Mit einem überarbeiteten Konzept, einer Runderneuerung, wenn man so will, ging der Oldenburg Marathon nun in sein Jubiläumsjahr, in die zehnte Auflage.

 
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Und diese war so erfolgreich, wie man es sich nur wünschen konnte. Mit über 5000 Anmeldungen und letztlich knapp 4500 Finishern scheint die Veranstaltung nach einer unebenen Gründungsphase ihr optimales Format nun endgültig gefunden zu haben - und das, obwohl die Witterungsverhältnisse alles andere als ideal waren. Mit überaus flachen und schnellen Kursen über 10 Kilometer und Halbmarathon auf abwechslungsreichen und innenstadtnahen Strecken und vermessenen und bestenlistenfähigen Distanzen von fünf Kilometern und einer Meile für Schüler verfügt die Oldenburger Veranstaltung über eine Angebotspalette, die nicht nur für den Breitensportler anziehend ist, sondern auch Eliteläufer eine optimale Möglichkeit eröffnet, am Jahresende nach Bestzeiten und Qualifikationsnormen zu streben.

Feuchtkalte Witterung und regennasse Straßen gehörten nicht zum ersten Mal zu den atmosphärischen Rahmenbedingungen der größten Laufveranstaltung im Nordwesten Typische für das Oldenburger Stadtbild ist die Vielzahl der hübschen Villen und Herrenhäuser aus der Gründerzeit - eine in Deutschland einmalige historische Bausubstanz, da die Stadt in den Kriegen kaum Zerstörungen erlebte
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Optimierung und Konsolidierung

Die Oldenburger Laufveranstaltung ist die größte in Nordwestdeutschland, wenn man Bremen nicht dazuzählen will. Sie hat damit eine hervorgehobene Stellung für die Laufsportszene zwischen Nordsee und dem Osnabrücker Land einerseits und zwischen Nordholland und Bremen andererseits. Für zahlreiche Aktive aus der Region ist der Oldenburg Marathon Höhepunkt und Schlussakkord der Saison. Kein Wunder, dass sich die Akteure einen bestmöglichen Ablauf wünschen. Dass dies in der Vergangenheit vom Konzept nicht immer gegeben war, zeigten manch kritische Äußerungen. Die meisten Bemerkungen betrafen den Marathon, in geringerem Maße auch die Unterdistanzen. Vor allem fand man es unglücklich, dass Marathon, Halbmarathon, Marathonstaffel und Zehner gemeinsam an gleicher Stelle gestartet wurden. Das bedeutete große Enge, Unübersichtlichkeit und Gedränge an den Versorgungsständen. Ungünstig war auch, dass die 10-km-Läufer auf einem dreimal zu durchlaufenden Rundkurs um die Innenstadt unterwegs waren (ein Erbe eines früheren Formats), der ein ständiges Überholen für die Führungsläufer nötig machte, wie der Berliner Spitzenläufer Volker Goineau nach seiner Teilnahme 2016 in einem Laufportal darstellte. Nicht wirklich ungünstig, aber auch nicht optimal war zudem, dass der Start des abschließenden 5-km-Laufs auf der anderen Seite des Stadtrings erfolgte.

Deshalb ging mit der Entscheidung, die Königsdistanz 2017 nicht stattfinden zu lassen, Überlegungen einher, die gesamte Veranstaltung zu überarbeiten, oder, wie es der Vorsitzende des Marathonvereins, Ralf Heinzel, in einem Zeitungsinterview vom Juni dieses Jahres nannte, zu "konsolidieren".

Die 10-km-Strecke wurde neu konzipiert. Aus einem dreifach zu durchlaufenden Kurs mit vielen hinderlichen Überrundungen wurde eine große Runde, die ... ... wie alle übrigen Läufe auch am Staats- und Landestheater vorbeiführt

Damit meinte er nicht nur eine personelle und finanzielle Stabilisierung, sondern in erster Linie eine organisatorische. Die Ergebnisse dieser Überlegungen wurden nun, bei der Auflage 2017, sichtbar und verfehlten ihre Wirkung nicht. Man hatte alle Strecken neu vermessen lassen mit der Vorgabe, dass alle Starts an der gleichen Stelle, nämlich in der Gartenstraße, erfolgen und das Ziel auf dem Schlossplatz haben sollten.

Von einem gemeinsamen Start war man abgekommen. Die Läufe wurden nacheinander und in zeitlich größeren Abständen angeschossen. Außerdem hatte man den Mehrrundenkurs des Zehners - eine Tradition noch des früheren Citylaufs - zu einem Einrundenkurs umfunktioniert und den Halbmarathon stadtnäher gemacht. Bis 2016 führte die HM-Strecke auf einer einmal zu durchlaufenden Runde noch in die menschenleeren Außenbezirke der Metropole, nun konnten die Halbmarathonis die zentrumsnahe Zehnerstrecke nutzen, die sie (mit einer Zusatzschleife in Runde zwei) zweimal zu durchkreuzen hatten.

 
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Das alles macht die Oldenburger Veranstaltung für Läufer und Zuschauer wesentlich attraktiver und spart personelle und finanzielle Ressourcen ein.

Auftakt durch Meilenläufer

Der erste Start des Tages gehört den Jüngsten. Pünktlich um 9:30 Uhr wurde der neu vermessene Meilenlauf für die Altersklassen U12 und jünger gestartet. Es ist der einzige explizit für Kinder vorbehaltene Lauf. Ältere Schüler haben die Möglichkeit, am Fünfer teilzunehmen oder sich in einer Staffel zu betätigen, die gleichfalls Teilstücke von fünf Kilometern Länge vorsieht. Pech allerdings hatten die Kinder (und ihre Eltern) mit dem Wetter, denn just kurz vor dem Start setzte ein unangenehm kalter Nieselregen ein, der die gefühlten Temperaturen noch niedriger erscheinen ließ als sie waren. Dennoch war die Beteiligung mit über hundert Jungs und achtzig Mädchen ausgezeichnet.

Der erste Start des Tages gehört den Schülern U12 und jünger über eine Meile Rund 750 Teilnehmer waren beim Lauf über 5 km dabei. Am zentralen Pferdemarkt, vor der Landesbibliothek, gab es einen Wendepunkt mit Gegenlaufpassage

Bei den Girls kam Pia Albers als erste ins Ziel. Die Elfjährige vom stark vertretenen VFL Löningen brauchte für die gut 1600 Meter lange Strecke 7:15min. Noch auf der Zielgeraden hatte sie die führende Finja Schmidt (U10) vom TSG Hatten Sandkrug überspurtet, die in 7:29 Gesamtzweite und erste der U10-Altersklasse wurde. Dritte wurde Sophie Seeberg (U10), die 7:50min brauchte. Die gleichaltrige Lina Ihnken vom TuS Eversten kam zwar auf eine bessere Bruttozeit (7:49min), musste sich aber nach der maßgeblichen Nettozeit mit Rang vier zufriedengeben.

Drei Jungs, alle U12, schafften es, unter sieben Minuten zu bleiben. Das waren Sieger Jonah Morla Silva vom VFL Oldenburg, der 6:42min brauchte, dann Julian Hogeback vom TSV Großenkneten, der drei Sekunden später das Ziel erreichte (6:45min), und Emil Koziolek, der in 6:46min dritter wurde. Die jüngste Altersgruppe U8 hatte im Ensemble der "Großen" bei Mädchen und Jungs kaum eine Chance. Nur einem gelang es, sich unter den ersten 25 zu platzieren: Taake Schütze vom BTB Oldenburg in 8:25min.

5 km: Siege an Einheimische

Wie die übrigen Erwachsenenläufe, so wurde der vermessene Fünfer auch einer Reform unterzogen. Der frühere Startplatz auf der Staulinie, auf der anderen Seite des Stadtrings, wurde aufgegeben. Früher mussten die Jedermannsläufer einen recht weiten Weg vom Logistikzentrum aus dorthin zurücklegen und anderthalb Runden auf dem Stadtring-Kurs drehen, den seinerzeit auch die Zehner nutzten.Jetzt handelt es sich um eine große Runde, die vom Start in der Gartenstraße vorbei am Schloss (und damit Zielbereich) Richtung Pferdemarkt führt. Dort biegt die Strecke zur Donnerschweer Straße ein, wo kurz später ein Wendepunkt liegt. Nach erneuter Passage des Pferdemarkts nach der Hälfte der Strecke laufen die Jedermänner auf dem gleichen Kurs zurück zum Schloss, den auch die Zehner und Halbmarathonis nutzen. Peterstraße, Haarenufer, Hindenburgstraße, Roonstraße heißen die Stationen.

Als einzige Läuferin blieb Mette Bulling, Schützling von 10-km-Sieger Georg Diettrich, unter zwanzig Minuten und siegte klar über 5km Katja Kanditt spielte ihre Erfahrung aus und lief von Position drei noch auf Rang 2 ... ... dabei verdrängte sie Lotta Meyer (3. Platz), jüngere Schwester der mehrfachen Landes- und deutschen Meisterin Lea Meyer, vom 2. Platz 5-km-Sieger Thomas Pollmann aus Oldenburg Lief von 4 noch auf 2: Paul von Engelmann Finn Hannawald wird 3.

Das Rennen der Frauen war bezüglich des ersten Platzes bereits zur Hälfte der Distanz entschieden. Die 15-jährige Mette Bulling hatte sich schon nach zwei Kilometern einen deutlichen Vorsprung erlaufen und musste ihre Führungsposition nur noch ins Ziel bringen. Hinter ihr lag auf Höhe der Landesbibliothek die 17-jährige Lotta Meyer, knapp gefolgt von der erfahrenen Katja Kanditt. Für alle anderen Läuferinnen waren zu diesem Zeitpunkt die Podestplätze schon außer Reichweite. Mette Bulling, die dem von Lokalmatador Georg Diettrich gegründeten Oldenburger Laufverein LC Wechloy angehört und von diesem auch trainiert wird, blieb als einzige Frau unter zwanzig Minuten und siegte in 19:20min. Neben Laufen zählt auch Tennis zu den von ihr betriebenen Sportarten, das sie beim BTB Oldenburg ausübt.

Um Platz zwei hingegen war noch nichts entschieden. Katja Kanditt vom OSC Waldniel, eigentlich sonst auf längeren Strecken zu Hause, pirschte sich langsam an Lotte Meyer heran, konnte diese kurz vor dem Ziel sogar noch abfangen und sich in 20:03min die Silbermedaille sichern. Lotta, die jüngere Schwester der mehrfachen Landesrekordhalterin, Meisterin und Jugend-WM- und EM-Teilnehmerin Lea Meyer, beide VFL Löningen, war etwas zu schnell angegangen und musste sich in 20:11min mit dem dritten Platz zufriedengeben.

 

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Vom gleichen Verein wie Mette Bulling kommt auch der U18-Läufer Paul von Engelmann (LC Wechloy). Dieser hatte sein Rennen vorsichtig begonnen und lag nach zwei Kilometern nur auf Rang vier. Gänzlich enteilt war da schon der vereinslose Thomas Pollmann (MHK) aus Oldenburg, aber erreichbar schienen noch Finn Hannawald (U18, 1. TC Oldenburg "Die Bären") und Fahrad Abdalkarem (U16) vom TuS Jaderberg. Von Engelmann gelang es auf der zweiten Streckenhälfte diese beiden noch zu überspurten und in 17:36min Rang zwei zu erreichen. Pollmann war zu diesem Zeitpunkt schon fast eine Minute im Ziel und durfte sich über seinen Sieg in 16:47min freuen. Hannawald wurde dritter (17:40min) vor Abdalkarem (17:59min). Mit 740 Finishern war der Jedermannslauf hervorragend besetzt, davon 340 Frauen.

Start des 31. Citylaufs über 10km. Fast 1500 Teilnehmer machen sich auf in Richtung Staugraben

Josina Papenfuß, 16, mit 2 Rekorden -

Sieg Nr. 16 für Georg Diettrich

Der Lauf über zehn Kilometer brachte gleich mehrere Rekorde: Mit 1445 Finishern hatte er die beste Beteiligung seiner Geschichte; die erst 16-jährige Josina Papenfuß dominierte nicht nur den Frauenwettbewerb, sondern stellte in der Zeit von 35:50min einen neuen niedersächsischen Landesrekord der Altersklasse U18 auf und löste sogar Lea Meyer als Rekordhalterin der Klasse U20 ab; Oldenburgs Vorzeigeläufer Georg Diettrich schließlich gewann zum sage und schreibe sechzehnten Mal den Zehner, vermutlich ein Rekord, der in der Republik seinesgleichen sucht.

Das Format des Oldenburger 10-km-Laufs ist wesentlich älter als der Oldenburger Marathon und wurde nach dessen Gründung 2008 gegen den Willen des Erfinders Martin Klar in die Veranstaltung integriert. Klar hatte den Citylauf 1986 aus der Taufe gehoben und bis zur Fusion organisatorisch geleitet. Da die Stadt Oldenburg nicht bereit war, zwei läuferische Großveranstaltungen im Innenstadtbereich zu genehmigen, war die Zusammenlegung unausweichlich geworden. Klar zog sich danach verärgert aus dem Orgateam zurück, den etablierten Namen "Citylauf" behielten die neuen Veranstalter, der Oldenburger Marathonverein, als Reminiszenz bei, ebenso den von Klar eingeführten Lauf über fünf Kilometer und die Kindermeile. Vor Gründung des Marathonvereins hatte 2008 zum 900jährigen Stadtjubiläum eine aus mehreren Interessengruppen bestehende Vereinigung den ersten Marathon ausgerichtet, bevor zwischenzeitlich eine Agentur mit der Aufgabe betraut wurde. Weil dies aber allseits als unbefriedigend empfunden wurde, gründete sich schließlich der Marathonverein.

Zum bereits 16. Mal gewann Lokalmatador Georg Diettrich den Oldenburger Citylauf. Vermutlich in Deutschland ein Rekord Hinter Mannschaftskamerad Fisha Werede kam Abiel Hailu von der LG Verden auf den dritten Platz Johannes Wiltfang (vorne) belegte vor Mitfavorit Brhane Tsegay überraschend Platz 4

Schon unter Martin Klars Regie konnte Oldenburgs bester Langstreckler, Georg Diettrich, auf seiner Lieblingsstrecke, dem Zehner, große Erfolge feiern und eine beeindruckende Serie von acht Erfolgen am Stück hinlegen. Sein Sieg 2017 war bereits der sechzehnte. Zwischendrin konnte sich der als Sportlehrer am Everstener Gymnasium tätige, mehrfache deutsche AK-Meister der Kategorien M40 und M45 auch in die Siegerliste des Marathons (2016) und Halbmarathons eintragen. Beim neuerlichen Erfolg verließ sich der 47-Jährige auf sein gutes Tempogefühl und taktisches Vermögen, wie er in einem Zeitungsinterview hinterher mitteilte.

Nach einer Phase in der Führungsgruppe, zu der zwischenzeitlich mehrere Läufer mit afrikanischen Wurzeln und der Ostfriese Johannes Wiltfang gehörte, zog Diettrich erst auf dem letzten Kilometer einen langen Spurt an, womit er die Konkurrenz deutlich distanzieren konnte. Es waren zum Großteil Läufer, die er drei Wochen zuvor bereits beim Ofener Herbstlauf besiegen konnte.

 

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Diettrich (LC Wechloy) gewann in 32:56min vor Fisha Werede (33:11min) und Abiel Hailu (33:32min), beide MHK und LG Kreis Verden, sowie Johannes Wiltfang (MHK, Pewsumer Windhunde, 34:08min) und Brhane Tsegay (MHK, SG akquinet Lemwerder, 34:20min).

Hindernisläuferin auch auf Straße Spitze

Die eindeutig schnellste Läuferin in einem über 600 Teilnehmerinnen starken Frauenfeld war die 16jährige Josina Papenfuß, die für den TSG Westerstede läuft. Papenfuß ist -trotz ihres jungen Alters - in der Szene kein unbeschriebenes Blatt, vor allem ist sie aber Bahn- und Hindernisläuferin, wo sie ihre größten Erfolge feiern durfte. Schon als 14-Jährige kam sie zu Meisterehren auf Landesebene, später gehörte sie zu den besten Mädchen auf Bundesebene und durfte sich das Nationaltrikot überziehen. Höhepunkt für sie war bisher sicher das Erreichen der Norm und die anschließende Teilnahme an der U18-WM in Nairobi (Kenia) in diesem Sommer, wo sie sich im Vorderfeld platzieren konnte.

Die deutsche Jugendmeisterin und WM-Finalistin von Nairobi, die 16-jährige Josina Papenfuß aus dem benachbarten Westerstede, gewann klar den Citylauf in einer Zeit von 35:50min, was neuer Landesrekord für Niedersachsen in U18 und sogar U20 bedeutet Die Titelverteidigerin Michelle Kipp musste sich mit Rang 2 zufriedengeben Eine junge Läuferin schaffte es auf Platz 3 und noch unter 40 Minuten: Annasophie Drees vom VFL Löningen

Josina Papenfuß machte in Oldenburg einen ihrer seltenen Abstecher auf die Straße. Ob sie dabei die Landesrekorde der B- und sogar A-Jugend im Visier hatte, ist nicht bekannt. Sie ging den Lauf jedoch überaus flott an und hatte bei Kilometer vier, als sie den zentralen Pferdemarkt das zweite Mal erreichte, schon einen Vorsprung von über einer Minute herausgelaufen vor Michelle Kipp (WHK) vom VFL Oldenburg und der jungen Annasophie Drees (U18) vom VFL Löningen. Papenfuß brachte ihr Rennen bravourös zu Ende und erreichte eine Zeit von 35:50min. Damit pulverisierte sie gleich zwei Landesrekorde, den der U18, den Lisa Vogelgesang in 36:51min gehalten hatte, und den der U20, den Lea Meyer mit 36:40 innehatte. Mit großem Abstand folgte die vormalige Siegerin Michelle Kipp, die als zweite nach 38:19min finishte sowie Drees, die als dritte Läuferin unter vierzig Minuten blieb (39:52min).

Auch im Altersklassenbereich gab es enorme Leistungen zu bestaunen. Gisela Bröring (SFN Vechta) etwa gewann die W60 in 46:54min und Ulla Paga (LG Wilhelmshaven) die W65 in 48:03min. Bei den Männern durfte sich Heinz Reinmold von der LG Harlingerland über seinen Sieg in M65 (44:15min) und Horst Frense (VFL Oldenburg) über den Gewinn in M75, der ältesten Klasse, freuen (51:25min). Frense, ein früher Spitzenläufer mit Bestzeit über 5000m in genau 15 Minuten, gehört zu den Bewunderern von Georg Diettrich. Es sei schon toll, was dieser mit seinen 47 Jahren immer noch bringe, bemerkte er am Rande der Veranstaltung. Nicht ganz ohne Stolz fügte er aber auch hinzu, dass sich in den vorangegangenen Jahrzehnten zahlreiche Läufer aus Niedersachsen an seinem Marathonrekord der Klasse M40 die Zähne ausgebissen hätten, die er als 42-Jähriger in Frankfurt mit 2:24h aufgestellt habe. Das sei nun 35 Jahre her. Am nächsten sei seiner Marke noch Georg Diettrich gekommen, weiß Frense, "bis auf zwei Minuten".

Da es keinen Marathon mehr gibt, ist der Halbmarathon zum Hauptlauf mutiert. Gefühlt war er das als bestfrequentierte Wettbewerb schon immer und erreichte mit über 1600 Finishern jetzt sogar einen neuen Rekordwert Auch die Strecke des HM wurde neu gestaltet und mehr ins Stadtzentrum verlegt. Jetzt steht nicht mehr eine große, sondern zwei kleine Runden auf dem Programm. Pacemaker gibt es ab 1:30h bis 3h. Hier sind die 1:50h-Tempomacher im Bild

HM-Siege für Leonie Konczalla und Fabian Kuklinski

Gefühlt war der Halbmarathon auch dann der Hauptlauf in Oldenburg, als es den Marathon noch gab. Machten die Marathonläufer nur fünf Prozent aller Starter aus, waren es vierzig Prozent bei den Halbmarathonis. Auch in diesem Jahr gingen die Zahlen über die halbe Distanz weiter nach oben. Mit knapp 1100 Männern und rund 600 Frauen im Ziel war ihr Feld das größte des Tages. Eine Dreiviertelstunde nach dem Zehner angeschossen, hatten die Halbmarathonis zunächst exakt deren Runde zu absolvieren. Die zweite, fast identische Runde hält nur eine kleine Abweichung ab km 19 bereit, wenn die Dobbenwiesen, die begehrteste Wohngegend der Stadt, durchlaufen werden, um die fehlenden 1100 Meter vollzumachen.

Gewann den HM mit großen Vorsprung, die Hamburger Triathletin Leonie Konczalla Janina Meyer aus Delmenhorst wird 2. Rang 3 für Birte Schulz Charlotte Friedrich wird 4.

Erfreulich bei der neuen Streckenführung ist, dass die Zuschauer am Ziel die Läufer bei Kilometer zehn ein erstes Mal zu sehen bekommen. Während die langsamen Zehner noch auf dem Weg zum Ziel unterwegs waren, erreichte ein Führungsduo des Halbmarathons den Schlosswall. Das war Sebastian Kohlwes (MHK) von der LC Hansa Stuhr, der augenblicklich die Führungsrolle innehatte, und Fabian Kuklinski (MHK) vom VFL Eintracht Hannover. Mit rund hundert Metern Abstand folgte Christian Looschen (M35) vom BV Garrel und - etwas weiter zurück - aus dem Westfälischen angereist Ludger Schröer (M45) von der LG Deiringsen. Ein Mann, der vielleicht an der Spitze zu erwarten gewesen wäre und dem die Favoritenrolle zugedacht war, war zwar gemeldet, aber nicht an den Start gegangen: Andreas Kuhlen von der LG Braunschweig.

Nach der Hälfte der Strecke lag die erste Frau etwa auf Position zwanzig, hatte aber schon einen schier uneinholbaren Vorsprung herausgelaufen. Das war die Hamburger Triathletin Leonie Konczalla (WHK) vom Kaifu Tri Team. Die 26-jährige Hanseatin ging nach ziemlich genau vierzig Minuten in die zweite Runde, gefolgt von Janina Meyer (WHK, LC 93 Delmenhorst), Birte Schulz (W30, ohne Verein), Charlotte Friedrich (WHK, 1. TC Oldenburg "Die Bären") und Anita Ehrhardt (W40, SG akquinet Lemwerder).

Lokalmatadorin Anita Ehrhardt, einst Siegerin über die Königsdistanz, muss sich diesmal mit Rang 5 beim Halbmarathon begnügen Mit einem beherzten Lauf und neuer persönlicher Bestzeit setzte sich die erst 18-jährige Sophie-Marie Kohlhase (ganz rechts) auf Rang 8 fest und schaffte den Sprung an die Spitze der Landesbestenliste Niedersachsens (U20)

Die Entscheidung

Bei den Männern deutete sich die Entscheidung in der zweiten Runde an. Kohlwes, der wenige Wochen zuvor mit starken 2:26:44min beim Berlin Marathon hatte aufhorchen lassen, konnte das hohe Tempo von Fabian Kuklinski ab zirka km 15 nicht mehr mitgehen und verlor noch über eine halbe Minute. Kuklinski, eigentlich Bahnläufer und auf der Mittelstrecke zu Hause, drehte mächtig auf und siegte in 71:38min mehr oder weniger ungefährdet. Kohlwes kam nach 72:23min ins Ziel. An der übrigen Reihenfolge änderte sich gegenüber dem Zwischenergebnis nichts mehr. Looschen wurde in 72:51min dritter vor Schröer (77:18min) und Schütte (77:35min).

Mit einem Schnitt von recht genau vier Minuten pro Kilometer zog Leonie Konczalla ihr Rennen durch. Sie siegte in 84:40min. Damit hatte sie fast sechs Minuten Vorsprung vor Janina Meyer (90:22min). Birte Schulz konnte sich sicher auf dem dritten Rang halten (91:32min), aber dahinter gab es noch einen echten Zielspurt um Platz vier. Den hatte zunächst Ehrhardt (94:14min) inne, doch sauste Friedrich (94:12min) noch auf den letzten Metern an die früheren Oldenburger Marathonsiegerin heran und überholte diese noch. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit (95:16min) kam die 18-jährige Sophie-Marie Kohlhase (Delmenhorster TV) auf Rang 8, womit sie sich an die Spitze der Landesjahresbestenliste ihrer Altersklasse setzte.

In 1:11:38h gewann Fabian Kuklinski die Jubiläumsausgabe des Oldenburger Halbmarathons. Der gemeldete Favorit Andreas Kuhlen war nicht angetreten Zweiter Platz für Sebastian Kohlwes Rang drei ging an Christian Looschen M55-Sieger Andreas Rühle vor M50-Sieger Axel Felsmann

Mit dem Aussetzen des Marathons wurde auch die Marathonstaffel gekippt. Man ersetzte den Teamwettbewerb durch einen HM-Staffelwettbewerb, der zusammen mit dem Halbmarathon angeschossen wird. Zu laufen sind 3x5 und einmal 6,1km. Von gut einhundert Vierermannschaften stellten die Männerteams rund die Hälfte (52), gefolgt von den Mixedquartetten mit mindestens einem Mann (41) und rein weiblichen Stafetten (11).

Schnellste Staffel überhaupt war das Männerteam vom TSV Großenkneten mit Hajo Lüken, Thorsten Bruns, Tim Decker und Florian Jaedicke. Dieses Quartett lief nach den neun schnellsten Solisten in 81:24min auf Position zehn ein. Das flotteste Frauenteam stellten die Ostfriesen-Ladies mit Ina und Birgit Weber und Luisa und Andrea Eilers in 1:43:05h, während das Siegerteam im Mixedbewerb von der Bauplanung Nord-Oldenburg stammt mit Christoph Weyer, Bernd Osterloh, Miriam Bruns und Ariane Heggenberger in 99:21min.

Ausblick

In der jetzt präsentierten Form hat der Oldenburg Marathon beste Zukunftsaussichten. Die Veranstaltung zeigte sich organisatorisch ausgereift und konnte mit guten sportlichen Leistungen aufwarten. Zu wünschen wäre dem Orgateam um Leiter Dirk Spekker, wenn sich hier in den kommenden Jahren der ein oder andere deutsche Spitzenläufer blicken ließe. Die Voraussetzungen für schnelle Zeiten sind gegeben, Antrittsgelder oder Siegprämien werden jedoch nicht gezahlt.

Bei km 10 liegt der zweite von drei Staffelwechseln beim Halbmarathon-Teamwettbewerb Feuerwehrstaffelteams in voller Montur waren ebenfalls dabei: Michael Wöste (links) und Christian Rohde trugen je 35 kg über die Strecke
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Mit über 5000 Anmeldungen und knapp 4500 Finishern gehört der Lauf zu den größten des Landes Niedersachsen. Das Zielgelände auf dem Schlossplatz dürfte damit fast an seine Kapazitätsgrenze gestoßen sein. Besonders im Zelt, wo die Siegerehrungen stattfinden, herrschte phasenweise arges Gedränge, mitverursacht sicherlich durch den ungemütlichen Dauerregen draußen.

Was aber wird mit der Königsdistanz? Wird sie dauerhaft aus dem Programm verschwinden, wie man nach den öffentlichen Meinungsäußerungen Ende letzten Jahres vermuten durfte? Die Zielsetzung von 500 Teilnehmern sei nicht zu erreichen, hieß es, die terminliche Nähe zum Bremen Marathon ungünstig, die zweite Runde verschlinge zu viele Ressourcen, sei zu teuer und außerdem von Einsamkeit für die Läufer geprägt.

In den letzten Wochen waren vom Orgateam jedoch ganz andere Äußerungen zu vernehmen, die eine Wiedereinführung des Marathons wahrscheinlich machen. Es müsse aber ein neues Strecken- und Zeitkonzept her, um dies erfolgreich umsetzen zu können, wurde kommuniziert, jedoch ohne dass Details bekannt wurden. Man rede noch miteinander, mit der Stadt, mit den Sponsoren, dann will man sich konkret äußern.

Die Frage "Muss eigentlich unbedingt ein Marathon im Programm sein, um eine Laufveranstaltung erfolgreich zu gestalten?" darf, sollte gestellt werden. Mit Blick allein auf Paderborn, kann man diese schon verneinen. Der schöne Oldenburger Lauf kann man in der jetzigen Form dem dortigen Osterlauf durchaus an die Seite stellen mit dem Verweis auf dessen lange und erfolgreiche Geschichte. Eigentlich keine schlechte und doch marathonlose Nachbarschaft ...

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt
Fotos von Reinhard Jacobs und Michael Schardt

Ergebnisse oldenburg-marathon.de

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Reinhard Jacobs

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