15.10.17 - 25. Offenbacher Mainuferlauf

Mainuferlauf Offenbach - Finale im goldenen Herbst

Text von Markus Heidl - Fotos von Thomas Guthmann

Der Offenbacher Mainuferlauf ist mit dem festen Termin Mitte Oktober sowie seinen vermessenen Strecken stets Rahmen gleich mehrerer Finals.

Da wären zum einen natürlich die Rennen auf den verschiedenen Distanzen, auf denen es zwar durchaus zu Start-Ziel-Siegen kommt, es für die Zuschauer aber auch öfter Sprintentscheidungen zu sehen gibt. Im Angebot stehen die Hauptläufe über 10 km und den Halbmarathon, hinzu kommen die ebenso vermessenen 5 km für Jedermänner, Schülerinnen und Schüler. Außerdem gibt es erstmalig noch einen Schülerlauf über 2 km.

Morgendliche Stimmung am Main beim 25. Offenbacher Mainuferlauf Der Nebel verschluckt noch die Hochhäuser Offenbachs
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Gleichzeitig läutet der Lauf das Finale im Mainlaufcup ein. Maximal 10 Läufe können in jedem Jahr bestritten werden, der Mainuferlauf ist bereits die neunte Station. Das Klassement zeichnet sich deshalb zwar schon ab, eingegriffen werden kann aber immer noch. So stellt sich beispielsweise die Frage, wie weit nach vorne es Aaron Bienenfeld vom SSC Hanau-Rodenbach schafft, der aufgrund seines Fokus auf die Bahnsaison erst drei Rennen bestritten hat. Zwei braucht er also noch. Als Sieger steht bereits Tilahun Babsa (Spiridon Frankfurt) fest, der schon 500 Punkte sammeln konnte; die dahinter platzierten Markus Heidl (www.laufenhilft.de/ Spiridon Frankfurt, 468 Punkte) und Justino Da-Costa (TuS Lindenholzhausen, 459 Punkte) sollte das junge Offenbacher Talent aber mit Leichtigkeit noch hinter sich lassen.

Auch bei den Frauen ist Spannung angesagt: wird Kerstin Bertsch (SSC Hanau-Rodenbach, derzeit vier Rennen und 400 Punkte) die lange Führende Lena Becker (TGV Schotten, 495 Punkte) noch abfangen können? Siegt sie ein weiteres Mal, ist Kerstin auf einen Schlag in Führung. Auf den weiteren Podestplätzen liegen derzeit Franziska Baist (Team Main-Lauf-Cup, 488 Punkte) und Vorjahressiegerin Laura Spranz (Spiridon Frankfurt, 478 Punkte), die ihren Fokus in diesem Jahr auf ihr erfolgreiches Ironman-Debüt gelegt hatte.

 

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Eröffnet wird der Offenbacher Mainuferlauf mit dem 10km Rennen Kurz darauf folgen die Teilnehmer über 5 Kilometer

Das erklärte Ziel des Mainlaufcups ist es, die Teilnehmer auf den Frankfurt Marathon vorzubereiten. Für diesen Klassiker ist der Hauptteil des Trainings jetzt, zwei Wochen vorher, bereits absolviert. Die finalen Wochen der Vorbereitung werden beim Mainuferlauf mit Testläufen über 10 oder auch 21,1 km eingeläutet. Und schließlich wird mit dem Mainuferlauf auch das Jahresfinale eingeläutet. Die Tage sind schon deutlich kürzer und die sommerlichen Hitze- und Bahnläufe weichen immer mehr den Cross- und Winterlaufserien.

All diesen Finals bot das Wetter einen prächtigen Rahmen: Hoch Tanja brachte und bringt goldene Herbsttage. Aufgrund der Wendepunktstrecken entlang des Mains ist dabei vielleicht aber noch wichtiger, dass von Seiten des Deutschen Wetterdienstes weder mit Niederschlägen noch (und vor allem) Wind gerechnet wurde. Er sollte Recht behalten: die Bedingungen hätten besser nicht sein können.

Ursula Stoll gewidmet

Einen Schatten gab es dennoch. Es war der 21. August 2016, als Ursula Stoll beim Schwimmen im Rahmen des Allgäu-Triathlons in Immenstadt einen Herzstillstand erlitt. Trotz schneller Hilfe durch die Wasserwacht war ihr bisheriges Leben ab diesem Tag vorbei. Auf ein künstliches Koma folgte ein Wachzustand, in dem sie zwar mittlerweile auf Einflüsse von außen reagiert, sich aber nicht bewegen kann. Aber die Hoffnung ist noch längst nicht aufgegeben! Ihr Lebenspartner Wolfgang Reuter berichtet von anderen Fällen, in denen sich der Zustand noch verbessert hat.

Und hier will ihr Verein helfen. Insbesondere finanziell, um weitere therapeutische Maßnahmen zu ermöglichen. Schon in der Woche vor dem Lauf kamen durch den Spendenaufruf auf der Veranstaltungsseite etwa 1000 € zusammen. Am Veranstaltungstag selbst war zusätzlich eine Spendenbox aufgestellt und dann gab es ja noch das Jubiläum. Wie beim 20. Mainuferlauf vor fünf Jahren, als es für alle Teilnehmer eine Flasche Wein gab, sollte es auch zur 25. Auflage wieder Teilnehmerpräsente geben. So aber wurden die etwa 3 € pro Teilnehmer gespendet. Wer weiterhin noch helfen möchte, dessen Spende ist herzlich willkommen!

Große Taten folgen auf große Worte

Doch zurück zu den sportlichen Ereignissen des Sonntags, auf die der Nebel nach und nach die Blicke freigab. Den Beginn machen um Punkt 9 Uhr früh die 10-km-Läuferinnen und Läufer. Für den ein oder anderen, der noch bis spät in die Nacht das Triathlon-Spektakel auf Hawaii verfolgte, etwas früh. Und doch hat es sich aufgrund der wahrlich weltmeisterlichen Vorstellung unseres Patrick Langes gelohnt.

Auch Offenbach bot aber heute die Bühne für große sportliche Taten. Und Lokalmatador Aaron Bienenfeld (SSC Hanau-Rodenbach) hatte einen Angriff auf seine persönliche Bestzeit (31:00 min) sowie den Streckenrekord (30:47 min) angekündigt. Weil große Töne nicht seine Art sind, konnte man einiges von diesem Rennen erwarten, besonders auch, weil sich weitere schnelle Beine auf dem Wettkampfgelände tummelten.

 

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Die Bühne gehörte zunächst aber noch den Schülerinnen, Schülern und Jedermännern, bevor man würde sehen können, wer zuerst - und vor allem wann - zurück in Richtung Ziel kommen würde. Denn die fünf Kilometer wurden um 9:05 Uhr gestartet.

Hier war es Larissa Löb (Stimmel-Sports e. V.), die eine ganz starke Leistung zeigte. Die 15-jährige brauchte nicht einmal 18 Minuten für die Strecke und siegte nach 17:52 min. Damit verwies sie sogar den 24-jährigen Juan David Ospina Garzon von der LG Eintracht Frankfurt (17'58) auf Gesamtrang zwei.

Juan David Ospina Garzon gewinnt die 5 km Anas Belfqih wird 2. Christopher Yaroshenko läuft auf Rang 3 Larissa Löb ist schnellste Läuferin über 5 km Sara Kiefer wird 2. Finja Schierl holt sich den 3. Platz

Die weiteren Podestplätze gingen in der weiblichen Wertung an Sara Kiefer vom SC Steinberg (20'08) und Finja Schierl vom ASC Darmstadt (20'23). Juan David folgten Anas Belfqih (TSV Schott Mainz, 18'28) und Christopher Yaroshenko (USC Mainz, 18'34) auf den Plätzen zwei und drei.

Aaron war derweil sehr schnell losgestürmt. Seinen 2:50 min für den ersten Kilometer konnte mit Abstand niemand folgen. Und allzu sehr büßen musste Aaron nicht für diesen schnellen Beginn. Knapp über drei Minuten pendelten sich die Kilometerabschnitte ein, der Streckenrekord rückte näher und näher. Am Ende reichte es deutlich: nach knapp 30:38 min überquerte Aaron die Ziellinie - neuer Streckenrekord, neue persönliche Bestzeit und ein schöner Auftakt für eine neue Saison.

 

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Sein stärkster Konkurrent am heutigen Tage bremste sich selbst am meisten aus: zu knapp am Start mussten schnell noch die Schuhe übergestreift werden, als schon der Startschuss ertönte. Miebale Andemicale von der LG Seligenstadt startete dadurch mit fast einer halben Minute Rückstand. Alle anderen Konkurrenten konnte er noch ein- und überholen, für Aaron hätten seine Netto-gestoppten 31'11 auch bei einem gleichzeitigen Start wohl nicht gereicht.

Aaron Bienenfeld gewinnt die 10 km Miebale Andemicale läuft auf Platz 2 Degan Ayele wird 3.

Auch dahinter wurden aber noch sehr starke Rennen gezeigt: Degen Ayele (LG Ovag Friedberg-Fauerbach) lief nach nur 32'37 auf Rang drei und zog Sebastian Bienert (LG BSN) in seinem Windschatten zu starken 32'52.

Eine beeindruckende Leistung lieferte weiterhin einmal mehr Sarah Kistner (MTV Kronberg) ab, die trotz Verletzungspech in diesem Jahr eine starke Berglaufsaison abliefern konnte. In Offenbach zeigte sie ihre Straßenlaufqualitäten und siegte nach 35:08 min souverän, obwohl sich auch die zweite Lena Ritzel vom VfL 1860 Marburg mit 37'14 ganz stark präsentierte. Kerstin Bertsch (SSC Hanau-Rodenbach) blieb damit nach 38'14 "nur" Rang drei, wodurch der Mainlaufcup nochmal richtig spannend wird. Mit entscheidend wird die Anzahl der Bonuspunkte sein, die Lena noch sammelt. Heute war sie nicht am Start. Und auch Franziska könnte noch ein Wörtchen mitreden.

Sarah Kistner gewinnt die 10 km bei den Frauen Lena Ritzel wird 2. Kerstin Bertsch läuft auf Rang 3

Nur knapp hinter Kerstin lief Irina Haub (38'20) vom DJK Flörsheim auf Rang vier. Auch Tanja Wittmann (TSV Schott Mainz, 38'52), Julia Roth (TV Schweinheim, 38'55), Larissa Müller (MTG Mannheim, 39'51) und Marianna Rizzuto (Spiridon Frankfurt, 39'56) blieben noch unter 40 Minuten.

Eine starke Mannschaft

Und während es immer sonniger wurde, bahnte sich der größte Start des Tages an. Waren es über die 10 km noch 561 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die das Ziel erreichten, standen um 10 Uhr etwa 800 Läuferinnen und Läufer am Start. Aufgrund der Startzeiten ist es in Offenbach sogar möglich, doppelt zu starten. Laura Spranz, die Vorjahressiegerin des Mainlaufcups, hatte einen solchen Doppelstart geplant, musste dann aber verletzungsbedingt absagen. Auch den Frankfurt Marathon wird sie nicht laufen können.

Mit dem Halbmarathon startet das längste Rennen beim 25. Offenbacher Mainuferlauf

Ganz vorne war derweil viel rot zu sehen: der ASC 1990 Breidenbach war mit einer starken Gruppe angereist und wollte auf der offiziell vermessenen Strecke ein gutes Mannschaftsergebnis erzielen. Dafür zählen die schnellsten drei Läufer.

Angeführt wurde das Team von Kilian Schreiner, der auch vom Start weg die Führung des Rennens übernahm. An seine Fersen heftete sich Florian Neuschwander (Spiridon Frankfurt), der vor zwei Wochen beim Heidelberger Trail-Marathon wegen einer Knieverletzung durch einen Sturz hatte aussteigen müssen. Bergab kann er noch immer nicht laufen, aber der Mainuferlauf ist flach und "wenn es wieder unter 1h10 ginge, wäre das gut", meinte er vor dem Start. Mit etwas Abstand folgen den beiden Yibrah Gidey Kahsay (ASC 1990 Breidenbach) und Temam Seid Beyan, bevor mit Alexander Hirschhäuser ein weiterer Breidenbacher die nächste Gruppe anführt.

Kilian Schreiner gewinnt den Halbmarathon vor ... ... Florian Neuschwander und ... ... Yibrah Gidey Kuhsay Im Duo, die schnellsten Frauen über Halbmarathon Franziska Baist vor Petra Wassiluk In diesem Trio folgt die Drittplatzierte Tatjana Rauhut

Die Frauen laufen derweil eher für sich und in Männergruppen. "Eher", weil gerade die ersten beiden vom Team Main-Lauf-Cup gemeinsame Sache machen: Petra Wassiluk und Franziska Baist führen das Feld der Frauen an. Und während sich dieses Feld nach und nach sortiert, wird um 10:05 Uhr auch das letzte Rennen des Tages gestartet.

Zum ersten Mal gibt es in diesem Jahr nämlich beim Mainuferlauf auch ein Schülerrennen über 2 km, bei dessen Premiere sich 12 Mädchen und 22 Jungs der Altersklassen U10 und U12 messen. Die schnellsten heißen Lara Grünewald (TGS Niederrodenbach, 8'20), Tessa Sofie Böttcher (TV 1862 Langen, 8'32) und Aminata Sebor (TGS Niederrodenbach, 8'42) bei den Mädchen sowie Kjell Jona Credner (VfL Altenstadt, 7'50), Jan Büchner (FV Alemannia Nied, 8'02) und Philipp Romisch (SG Frankfurt-Nied, 8'24) bei den Jungs.

Das letzte Rennen beim 25. Offenbacher Mainuferlauf, den 2km Lauf, gewinnt Kjell Jona Credner bei den Jungs und Lara Grünewald bei den Mädchen

Nach dem Wendepunkt bei etwa der Hälfte des Halbmarathonrennens begann sich dann langsam eine Lücke zwischen den ersten beiden aufzutun. Florian konnte nicht mehr ganz mit Kilian mithalten, behielt ihn aber bis zum Ende in Sichtkontakt. Kilian siegte schließlich nach 1h09'07 mit 37 Sekunden vor Florian, der mit seinen 1h09'43 deutlich unter den gewünschten 70 Minuten blieb. Dahinter hatte Alexander Hirschhäuser zu Yibrah und Temam Seid aufgeschlossen und den Kampf um Rang drei eröffnet. Sein Vereinskamerad Yibrah stellte sich schließlich als der stärkste dieser Gruppe heraus und sicherte sich nach 1h10'51 Rang 3. Alexander war dennoch sehr zufrieden mit seinem Rennen: erst seit August ist er wieder im strukturierten Training, seine 1h11'19 bedeuteten neue persönliche Bestzeit. Temam Seid folgte auf Rang 5 (1h13'04).

Streckenkommentator Hermann Fongar empfing die Läufer nach ihrem herbstlichen Mainuferlauf im Ziel
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Bei den Frauen ist es schließlich Franziska Baist (Team Main-Lauf-Cup), die im Ziel den Vortritt bekommt. Ein souveränes Rennen der amtierenden hessischen Halbmarathonmeisterin gipfelt nach 1h26'00 mit einer neuen persönlichen Bestzeit. Petra Wassiluk folgt eine Sekunde dahinter auf Rang zwei. Tatjana Rauhut vom Hahnertwins Running Club wird nach 1h28'02 Dritte.

Auch der 25. Mainuferlauf ist damit in die Laufgeschichte eingegangen. Es war ein Lauf in Gedenken an Ursula, ein Lauf bei schönstem Herbstwetter und ein Lauf mit vielen schnellen Zeiten. Ein würdiges Finale!

T. Guthmann

Bericht von Markus Heidl (www.laufenhilft.de)
Fotos von Thomas Guthmann - weitere unter www.lauf-fotos.de

M. Heidl
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