3.10.17 - 26. Ofen Herbstlauf (Bad Zwischenahn)

Erwartete Favoritensiege im Hauptlauf

Beste Stimmung - feines, aber windiges Wetter

Ofener Herbstlauf bleibt vierstellig

von Michael Schardt

Als eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn ein kräftiger Regenschauer herniederging, da sah es plötzlich nicht mehr so günstig aus um den Ofener Herbstlauf. Es war zu befürchten, dass viele der fast 1000 vorangemeldeten Läufer zu Hause bleiben würden, von der erhofft hohen Zahl der Nachmelder ganz zu schweigen. Aber es wendete sich binnen weniger Minuten alles zum Guten. Die Sonne kam hervor, die blauen Stellen am Firmament vergrößerten sich und der Oktober zeigte sich von seiner besten Seite. Das traditionell beliebte Lauffest am Stadtrand von Oldenburg konnte beginnen.

Der Ofener Herbstlauf war 1992 der erste Lauf in Deutschland, der auf den neu geschaffenen Feiertag zur deutschen Einheit am 3. Oktober terminiert wurde. Inzwischen sind es Dutzende
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Vier Läufe und ein Walking-Wettstreit waren angesetzt und gingen binnen von nur neunzig Minuten über die Bühne. Den Anfang machten die Jedermannsläufer auf einer DLV-vermessenen 5-km-Runde, den Schlusspunkt setzten die Hauptläufer über zehn Kilometer auf einem drei Mal zu durchlaufenden, schnellen Rundkurs. Dazwischen die Walker, ein Bambinirennen über 800 Meter und ein noch recht junger Lauf für ambitionierte Schüler der Jahrgänge U16 und jünger über eine Runde, sprich drei Kilometer.

 
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1992 hatte Cheforganisator Jochen Finke vom Turn- und Sportverein Ofen, damals selbst engagierter Langstreckler mit einer Marathonbestzeit von gut drei Stunden, den Herbstlauf aus der Taufe gehoben und ihn auf den 3. Oktober terminiert, das neue Datum des Tags der Deutschen Einheit. Das war seinerzeit ein Novum in der deutschen Laufszene und anfangs ein Alleinstellungsmerkmal. Inzwischen haben über sechzig (!) weitere Laufveranstalter gleichfalls diesen wechselnden Feiertag als günstigen Termin für ihre Events entdeckt, womit der 3. Oktober hierzulande zu den beliebtesten Laufterminen überhaupt gehört.

Der erste Start des Tages gehört den 5-km-Läufern. Mit knapp 400 Finishern war es das bestbesetzte Rennen

5km: Spannender Dreikampf an der Spitze

Die Läufe in Ofen sind so konzipiert, dass der Zieleinlauf auf dem hauseigenen Sportplatz für alle gleich ist, die Starts aber an unterschiedlichen Stellen im Ort vollzogen werden. Den Anfang machen die Fünf-Kilometer-Läufer, die mit knapp vierhundert Finishern auch das größte Teilnehmerfeld stellen. Noch vor wenigen Jahren handelte es sich bei der Jedermannstrecke um einen einmal zu durchlaufenden Kurs, der teils über enge Wirtschaftswege hinaus nach Wehnen und zurück nach Ofen führte. Das hat man inzwischen geändert. Der Fünfer findet jetzt - nach einer Einführungsgeraden - auf dem Kurs des Zehners statt, was ein großzügigeres Laufen ermöglicht und die Strecke schneller macht. Außerdem können die Zuschauer das Rennen besser verfolgen, da die Läufer gleich drei Mal am Hotspot vorbeikommen, wo auch die Sambaband ihren Einsatz hat.

Dicht gedrängt schlängelt sich das Feld der Jedermänner durch Ofens Straßen. Neu im Programm: die Firmenwertung, die nicht nur große Autobauer zum Mitmachen annimierte

Der Fünfer entwickelte sich bei den Männer zu einem spannenden Wettbewerb, in dem drei Läufer an der Spitze lange Zeit gemeinsame Sache machten. Das waren Hauke Hansen (M40) vom Lauftreff Rastede, der erfahrene Onno Ringering (M45) vom ostfriesischen Laufverein MTV Aurich und der 22-jährige Ostafrikaner Weldeab Tesfameal, ein Newcomer vom Oldenburger Team Laufrausch. Etwa in der Mitte des Rennens fiel der unerfahrene Tesfameal aus dem Spitzentrio heraus, aber die beiden anderen lieferten sich ein starkes Rennen, das noch fünfzig Meter vor dem Ziel unentschieden stand.

 
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Erst auf der Zielgeraden, die über den Fußballrasen führt, konnte sich Hansen im Endspurt knapp durchsetzen und in 16:58min als einziger unter siebzehn Minuten bleiben. Ringering benötigte 17:01 und verwies Tesfameal (17:51min) und Jens Willers (MHK, VFL Oldenburg, 18:00min) auf die Plätze.

Die schnellsten Männer über 5 km v. l.: Onno Ringering (2.), Sieger Hauke Hansen und Weldeab Tesfameab (3.) Die Verfolgergruppe mit Jens Willers (in grün), der 4. wird

Damit war das Rennen in der Spitze bei weitem nicht so gut besetzt als im letzten Jahr, als Andreas Kuhlen in 15:39min den gültigen Streckenrekord aufstellt. Kuhlen war zwar auch vor Ort, aber nur als Zuschauer und Betreuer. Er, der erst zwei Tage zuvor den Marathon in Bremen in 2:30h gewonnen hatte, wird es nicht ungern gesehen haben, dass seine Bestmarke weiterhin Bestand hat.

5km: Tessa Roos ungefährdet

Auch der Rekord der Frauen, den seit 2001 Kjersti Platzer mit 18:36min hält, war heuer nicht in Gefahr. Eine junge Läuferin aber, die ihn sicher hätte brechen können und die 2014 als damals 13-Jährige just beim Herbstlauf in Ofen erstmals auf sich aufmerksam machen konnte, war nicht am Start: Josina Papenfuß aus der Nachbargemeinde Westerstede. Seinerzeit war Papenfuß beim Sieg in Ofen in 18:40min nur um vier Sekunden am Bestwert vorbeigeschrammt. Inzwischen hat sich das nun 16jährige Ausnahmetalent enorm weiterentwickelt, hat Landes- und deutsche Meisterschaften in ihrer Altersklasse errungen und bei der Jugendweltmeisterschaft in Nairobi in diesem Sommer Platz acht im 2000-m-Hindernislauf erreicht.

5km Frauensiegerin wird Tessa Roos 2. wird Nele Prüser Auf Rang 3 läuft Doris Dörgeloh Anne Husarzewsky wird 4.

Zwei Jugendliche prägten auch die diesjährige Konkurrenz: die 18-jährige Tessa Roos vom SV Holtland und die 15-jährige Nele Prüser von der LG Kreis Verden. Roos konnte sich schon nach dem Start ein Stück absetzen und hatte nach zwei Kilometern bereits zwanzig Sekunden Vorsprung vor Prüser. Sie siegte mit über einer Minute Vorsprung in 19:26min vor Prüser, die 20:34min brauchte. Dahinter hatte Doris Dörgeloh (Lebenshilfe - wir bewegen uns) als Gewinnerin der W55 einen schönen Auftritt und konnte sich in 21:17min noch aufs Treppchen hieven. Vierte wurde Anne Husarzewsky (WHK) aus Oldenburg in 22:10min.

 

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Unter den gut dreißig 5-km-Walkern waren Bodo Deharde (TG Wiesmoor, 34:08min) und Axel Ganser (Schwanewede, 34:12min) sowie Karin Freitag (LF Bönen, 37:06min) und Elke Nordmann (o.V., 39:59min) die flottesten.

Viel Sonne, viel Grün und rhythmische Klänge erfreuten Läufer und Zuschauer

Entwicklung und Rahmenwettbewerbe

Der Ofen Herbstlauf gehört zu den beliebtesten Laufveranstaltungen der Region, hat aber - wie andere Events auch - mit Tendenzen geringerer Teilnahme zu kämpfen. Aus kleinsten Anfängen konnte Orgachef Finke den Lauf in ungeahnte Höhen führen mit einst (2007) über zweitausend Finishern. Er hatte schon vor der Jahrtausendwende viele Neuerungen eingeführt, die seinerzeit bei Volksläufen unüblich, ja unbekannt waren (geschmückte Straßen, Musik, exzellente Verköstigung, Gifts für alle Läufer, einen kleinen Biomarkt, Kleiderbeutelabgabe etc.), die später aber andere Veranstalter nachahmten. In den Jahren 2000 bis 2010 brachten diese Dinge den Ofenern eine immer höhere Beteiligung, womit die Veranstaltung fast an die Kapazitätsgrenze kam.

Günstig wirkte sich dabei auch die Zugehörigkeit zum Sparda-Laufcup aus, den es inzwischen aber nicht mehr gibt. In den fünf, sechs Jahren gingen die Teilnehmerzahlen tendenziell weiter zurück, teils abhängig davon, auf welchen Wochentag der 3. 10. fiel. Ungeachtet dessen wird der Lauf mit ungebrochenem Engagement ausschließlich ehrenamtlich organisiert und bringt die gleich großen Massen begeisterter Zuschauer an die Strecke wie früher. Hatten im Jubiläumsjahr 2016 noch über 1150 Läufer ihr Rennen erfolgreich beenden können, kämpfte Ofen 2017 mit der Marke 1000. Diese wurde noch einmal knapp übertroffen, man blieb also vierstellig, vor allem dank des beliebten Bambinilaufs.

Wie immer sehr beliebt in Ofen war der Kinderlauf. Der Zieleinlauf der Jüngsten wurde frenetisch beklatscht Relativ neu im Programm ist der Schülerleistungslauf über 3 km. Hier Siegerin Lina Röben Den Schülerlauf dominierte auf den ersten drei Plätzen Läufer des DSC Oldenburg. Hinter Sieger Jost Hornbostel liefen Jan de Vries (links) auf Rang 2 und Gabriel Monien auf 3

Immerhin verzeichnet die Liste der jüngsten Altersgruppe annähernd 180 Jungen und Mädchen, die die achthundert Meter lange Strecke ohne Zeitmessung, teils aber in Begleitung der Eltern zurückgelegt haben. Es ist der emotionale Höhepunkt des Nachmittags. Echte Wettkampfluft können Schüler der Altersklasse M/W16 und jünger schnuppern, wenn sie - meist für einen Leichtathletikverein startend, beim 2012 eingeführten Lauf über 3000 Meter antreten. Bei den Jungen dominierte der Deutsche Sportclub Oldenburg das komplette Rennen und belegte die ersten drei Plätze. Es siegte Jost Hornbostel (11:00min) vor Jan de Vries (11:05min) und Gabriel Monien (11:09min). Bei den Mädchen waren Lina Röben (Fortuna Logabirum, 12:15min), Merit Klus (BW Borsum, 12:32min) und Jule Brand (SG Region Oldenburg, 12:39min) erfolgreich.

Die 10km Läufer am Start ... ... und auf den letzten Metern

10km: Georg Dietrich und Michelle Kipp

338 Läuferinnen und Läufer fanden sich um 15:30 Uhr an der Startlinie zum 10-km-Hauptlauf ein. Während bei den Frauen Michelle Kipp als Favoritin galt und in der Meldeliste keine Läuferin auszumachen war, die ihr diese Rolle hätte streitig machen können, war die Situation für Oldenburgs Vorzeigeläufer Georg Diettrich etwas differenzierter zu betrachten. Da standen neben Diettrich gleich mehrere jüngere, aus Afrika stammende Läufer in der ersten Reihe, deren Leistungsvermögen nicht genau einzuschätzen war. Sich die Haare raufen zu müssen, wie es auf dem beigegebenen Startfoto den Anschein hat, musste sich der im weißen Leibchen antretende dreifache aktuelle deutsche Halbmarathon-, 10km und Crossmeister (M45) aber nicht. Gehört er doch in der Region zu den erfahrensten Wettkämpfern überhaupt.

Grüner "Teppich" auf der Zielgeraden Sicher unter einer Stunde erreichen Anja Schallenberg und Sigrid Blum von der TSG Hatten-Sandkrug das Ziel

Diettrich (LG Wechloy) konnte sich schon bald einen kleinen Vorsprung erlaufen vor Brhane Tesgay (MHK) von SG Akquinet Lemwerder sowie Fisha Werede (MHK) und Abiel Hailu (MHK) von der LG Kreis Verden. Etwa Mitte des Rennens betrug die Distanz gut zwanzig Sekunden. Diettrich, dem der starke und böige Wind zu schaffen machte, wie er später bekundete, konnte weiter zulegen und in der guten Zeit von 32:47min gewinnen. Insbesondere auf den letzten Kilometern sei ihm das Rennen nicht leicht gefallen, gab er zu Protokoll. Tesgay, dessen Trainer Karl Spiegel sich sicher war, dass sein Schützling heftige Gegenwehr zu leisten im Stand wäre, fiel jedoch zuletzt weiter zurück, konnte aber den zweiten Platz in 33:27min verteidigen. Dahinter kamen Werede (33:40min) und Hailu (33:45min) auf die Plätze.

Überaus einseitig verlief das Frauenrennen für Michelle Kipp (WHK), nachdem ihre angemeldete Mannschaftskameradin vom VFL Oldenburg, Paula Böttcher, nicht angetreten war. Kipp, die an einem guten Tag eine 36er Zeit laufen kann, begnügte sich damit, das Rennen als flotten Tempodauerlauf zu gestalten und nach 39:30min siegreich zu beenden. Ihr Vorsprung vor der A-Jugendlichen Jonna Kosic von der Emder LG betrug über dreieinhalb Minuten. Kosic wurde in 43:08 Vizemeisterin vor Andrea Mauritz (W35), besser bekannt als Andrea Garben (LT TuS Petersfehn), in 43:49min. Auf Rang vier beendete Manuela Schulz von der LG Wilhelmshaven (44:03min) das Rennen. Die Streckenrekorde halten Jens Nerkamp (2015, 30:17min) und Birte Bultmann (2000; 35:09min).

Das Siegerinnenpodest über 10km v. l.: Gewinnerin Michelle Kipp, Jonna Kosic (2.) und Andrea Mauritz (3.) Das Siegerpodest der Männer v. l.: Fisha Werede (3.), Brhane Tesgay (2.) und Sieger Georg Diettrich
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Zum Schluss

Sieht man von einem kleinen Problem bei der Zeiterfassung beim Schülerlauf ab, die eine Siegerehrung vor Ort nicht möglich machte, inzwischen in den Online-Listen aber behoben werden konnte, war der Herbstlauf wieder bestens organisiert. Hervorzuheben ist die freundliche Atmosphäre, die begeisterte Stimmung und das Engagement der vielen freiwilligen Helfer. Besonders viel Anerkennung bei der Siegerehrung in der vollbesetzten Turnhalle ernteten die ältesten Teilnehmer im Hauptlauf, Elfriede Willerts (Jahrgang 1936) und Hans-Georg Weichbrodt (Jahrgang 1933), beide von der LG Wilhelmshaven, die ohne Konkurrenz ihre Altersklasse gewannen. "Das war definitiv mein letzter 10-km-Wettkampf überhaupt", sagte Weichbrodt, auf dem Treppchen stehend. "Es sei ganz einfach, obenauf zu sein, wenn man der einzige ist", äußerte er augenzwinkernd. "Aber ganz los seid ihr mich in Ofen noch nicht, stellte er klar, Starts über fünf Kilometer beabsichtige ich in Zukunft durchaus noch." Lachen und viel Applaus ...

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.herbstlauf.de

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