28.10.17 - 34. Nordwalde Allerheiligenlauf

Ferien und Feiertage kosten viele Teilnehmer

Daniel Pugge mag's doppelt - Johanna Rellensmann mit feinem Comeback

Rundherum schöner Lauf - Erlös für guten Zweck

von Michael Schardt

Wieder einmal hat die kleine Gemeinde Nordwalde - im Münsterland gelegen - am letzten Samstag vor Allerheiligen ein schönes Lauffest gesehen. Die unermüdlichen Helfer und Organisatoren des SC 28 Nordwalde haben keine Mühen gescheut, den Läufern in sportlicher wie kulinarischer Hinsicht die denkbar besten Rahmenbedingungen zu bieten. Das geht nun schon seit dreieinhalb Jahrzehnten so. Zurecht genießt diese Veranstaltung deshalb seit der Erstaustragung 1988 in der regionalen Laufszene einen besonders guten Ruf mit regelmäßig erstaunlich hoher Beteiligung.

Fast immer lag daher die Zahl der Anmeldungen und Finisher seit der Jahrtausendwende zwischen 800 und 1000 Teilnehmern. Für die Breitensportler ist es oft der Abschluss des Laufjahres, für die ambitionierten Langstreckler der finale Versuch, die eigene Jahresbestzeit zu steigern. Denn schnell sind die Strecken und vermessen ebenso.

 
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Diesmal allerdings kamen zum Bedauern des Veranstalters die Läufer nicht mehr so zahlreich wie in den Vorjahren. Das deutete sich schon bei den Voranmeldungen an, bestätigte sich dann aber auch am Renntag. Nur 571 Läufer im Ziel wurden gezählt. Das ist der niedrigste Wert überhaupt, wenn man die beiden Anfangsjahre 1988 (558 Teilnehmer) und 1989 (565 Teilnehmer) einmal ausnimmt. Warum das so war, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Das Wetter dürfte dabei eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben, denn schon oft waren die äußeren Bedingungen nicht ideal, was beim Termin Ende Oktober auch kein Wunder ist. Eher dürfte die ungewöhnliche terminliche Konstellation eine Rolle gespielt haben. Die erste der beiden Herbstferienwochen war erst vorüber und der Brückenmontag mit anschließend den beiden Feiertagen dürften viele Familien dazu bewogen haben, noch einmal für einige Tage in Urlaub zu fahren. Spürbar war der Rückgang von fast einem Drittel gegenüber 2016 sowohl bei den Erwachsenen wie Schülerläufen.

Der Nordwalder Allerheiligenlauf kann fast immer mit 900 bis 1000 Finisher aufwarten. Diesmal lag die Teilnehmerzahl deutlich darunter. Ursache: Herbstferien, Brückentag, anstehende Feiertage Alle Strecken sind vermessen. Die Runde über 5km ist leicht wellig und führt überwiegend durch Wohngebiete. Der Wind spielte diesmal eine nicht untergeordnete Rolle
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Für Orgachef Gottfried Grond, der zum Leiterteam schon seit 1990 gehört, dürfte das ein Wermutstropfen bei einer ansonsten topstrukturierten Veranstaltung gewesen sein - möglicherweise überhaupt seiner letzten, wie er andeutete. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert sei es Zeit, den Staffelstab an Jüngere weiterzugeben, erklärte er, der überwiegend für die technischen Dinge zuständig ist, im Interview. Möglicherweise, so ließ er wissen, könnte es sein, dass 2018 der Lauf sogar ganz ausfallen könnte, denn die Amtmann-Daniel-Straße, Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung, wird gesperrt, mindestens für zwei Jahre, denn es sind umfassende Baumaßnahmen geplant. Andererseits, so ein Helfer, könne es auch sein, dass die Strecken neu vermessen werden und keine Pause nötig ist. Vielleicht, so ist die Hoffnung des Team, lässt sich Grond wegen dieser besonderen Situation noch einmal überreden, wenigstens ein Jahr dranzuhängen. Er sei ja noch viel zu jung, um seinen Abschied zu nehmen ...

Schüler sind Basis

Die Pflege des läuferischen Nachwuchses hat sich der SC Nordwalde ganz besonders auf die Fahnen geschrieben. Allein vier der sechs Wettbewerbe sind für die jüngeren Läuferinnen und Läufer vorgesehen. In Nordwalde ist man sich bewusst, dass hier, in der Jugend, die Grundlage für die Zukunft liegt. So gehört der erste Startschuss des Tages den ganz jungen Teilnehmern. Um 13 Uhr gingen die Altersklassen U7 und jünger auf eine 1000 Meter lange Runde; zwanzig Minuten später dann die Altersklassen U10 bis U8. Das dürfte auch der Zeitraum sein, während dem die meisten Zuschauer im Zielbereich standen und kräftig Applaus spendeten. Als schnellste dieser Rennen erwiesen sich Pauline Dahlmann (U7) und Henry Laumann (U7) sowie Leni Heidotting (U10) und Florian Wallmeier (U10).

Die vier Kinderläufe haben in Nordwalde einen gewichtigen Anteil am Erfolg der Veranstaltung. Links der Start der U7-Kinder, rechts der der Klasse U10. Es stehen jeweils 1000m auf dem Programm

Nach diesen beiden Eingangsrennen steht der Schülerleistungslauf (U13 und jünger) über zwei Kilometer auf dem Programm. Wie schon bei den voraufgegangenen Läufen kommen die Kinder mehrfach am Ziel vorbei, was für die Stimmung besonders günstig ist. Bei den Jungs kam es zu folgender Reihenfolge: Felix Heidotting (7:32min) vor Lukas Termöllen (7:44min) und Michel Negraszuss (8:10min).

Bei den Mädchen gab es einen sehr interessanten Rennverlauf, denn da lag die spätere Siegerin Andrea Niendieck noch fünfzig Meter vor dem Ziel "nur" an dritter Stelle, konnte aber die beiden vor ihr liegenden Mädchen noch einholen. Sie brauchte 8:27min und verwies Judith Pölling (8:28min) und Lara Schirmbeck (8:29min) denkbar knapp auf die Plätze. Der Lauf für die Bambini, an dem über sechzig Kids teilnahmen, wird am Schluss angeschossen, wenn die Erwachsenen des Zehners schon unterwegs sind. Danach werden die Kleinen in die Halle gerufen, um sich von einem Clown bespaßen zu lassen.

 
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Leistungslauf der Schüler über 2km. Sieger Felix Heidotting (320), 2. Lukas Termöllen (319) sowie im Hintergrund Michel Negraszuss (verdeckt, 3.) Siegerin der Schülerinnen: Andrea Niendieck Judith Pölling wird 2.

5km: Daniel Pugge und Leonie Borchers

Beim Lauf über fünf Kilometer kamen 144 Läufer und Läuferinnen ins Ziel. Ihre Runde ist amtlich vermessen und insgesamt als schnell zu bezeichnen, auch wenn sie nicht vollkommen flach ist. Größere Probleme als die wenigen Höhenmetern machte den Läufern der starke, teils böige Wind (als Vorhut des angekündigten Sturmtiefs) zwischen km 1 und 3. Das ist genau die Passage, wo die Strecke etwas nach oben führt - eine doppelte Bremse also. Bei knappen zehn Grad Celsius dürfte die gefühlte Temperatur deutlich niedriger gewesen sein. Es war zwar während des gesamten nachmittags vollkommen bewölkt, aber der angekündigte Regen blieb bis zum Schluss glücklicherweise aus.

Cheforganisator war er mehr als 25 Jahren; ab nächstem Jahr will er kürzer treten und den Staffelstab an jüngere Helfer übergeben: Gottfried Grond Start des 5-km-Laufs

Das Rennen entwickelte sich bei den Männern zunächst zu einem Zweikampf zwischen Daniel Pugge (M30, Power of Bacon) und dem zwanzigjährigen Tobias Middendorf (TB Steinfurt). Erst vierhundert Meter vor dem Ziel drehte Pugge auf, der sich unterwegs möglicherweise etwas für seinen geplanten zweiten Start geschont haben könnte.

Dann aber brachte er schnell einige Meter zwischen sich und Middendorf und gewann noch recht klar in 16:56min gegenüber 17:05min. Auch hinter dem Führungsduo gab es einen weiteren Zweikampf mit ähnlichem Verlauf. Michael Sperver (M20, Spervers Hofladen) konnte in 17:42min Markus Kreickmann (M35, LSF Münster, 17:52min) distanzieren. Den bereits sehr alten Streckenrekord hält Rainer Seemann seit 1996 mit 15:29min.

 

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Bei den Frauen kamen zwei der drei Läuferinnen auf dem Podest aus dem Jugendbereich. Die jüngste des Trios war gleichzeitig die schnellste. Das war die 14-jährige Leonie Borchers von der DJK VFL Billerbeck. Sie blieb als einzige unter zwanzig Minuten und gewann klar in 19:31min. Dahinter kam Sara Kaute (W30) vom Active Laufshop auf einen ebenso ungefährdeten zweiten Platz in 20:19min vor der 18-jährigen Céline Jocksch aus Telgte in 20:58min und Nina Schild (W20, Marathon Steinfurt) in 21:29min. Den Streckenrekord hält seit 2013 Johanna Rellensmann mit genau achtzehn Minuten.

Daniel Pugge (vorne) siegt zunächst auf der 5km Strecke vor Tobias Middendorf (2. 5km). Später ist er auch über 10km der Schnellste Michael Sperver (939) wird 3. im 5km Rennen, hinter ihm der 4. Markus Kreickmann 5km Siegerin wird Leonie Borchers Sara Kaute läuft auf Platz 2 über 5km und auf Platz 3 über 10km

Hauptlauf: Mehrere Zweifachtäter

Der Jedermannslauf und der Hauptlauf liegen in Nordwalde eine Stunde auseinander, weshalb ein Doppelstart ohne weiteres möglich ist. Dies nutzen unter anderem der Sieger über fünf Kilometer, Daniel Pugge, und die Vizemeisterin bei den Frauen, Sara Kaute. Die zu laufende Runde ist mit der des Jedermannslaufs identisch und muss zweimal absolviert werden. Bei den Frauen stand jene Johanna Rellensmann in der ersten Reihe beim Start, die 2013 hier den oben erwähnten Streckenrekord über 5km aufgestellt hatte. Es war erst ihr drittes Rennen nach einer Babypause und das erste, in dem sie sich langsam wieder ans alte Leistungsniveau herantasten wollte. Sie hat immerhin Zeiten von unter 36 Minuten über zehn Kilometer stehen.

Startaufstellung 10km Robert Welp (links) wird als 4. das Treppchen im Hauptlauf knapp verpassen; Johanna Rellensmann kann bei ihrem Comeback nach der Babypause einen klaren Sieg bei den Frauen verbuchen

Das Rennen wurde eine überaus einseitige Angelegenheit für die 28-Jährige vom LSF Münster, denn schon nach kurzer Zeit war ihr Vorsprung so groß, dass der Sieg außer Frage stand. Sie siegte sicher in 38:45min und konnte im Ziel noch beobachten, wie ihre Mutter Susanne Rellensmann, ebenfalls LSF Münster, als sechste ins Ziel lief und in 45:34min die W55 klar dominierte. Auf Rang zwei lief mit Ira Schwefer (W45) eine weitere LSF-Frau aufs Podest. Sie kam auf 42:14min und lag damit rund dreieinhalb Minuten hinter der Siegerin. Rang drei ging an Doppelstarterin Sara Kaute in 43:32min vor Lena Teutemacher (W20, LG Emsdetten, 43:56min). Die schnellste Frau ever in Nordwalde war 2008 Claudia Lokar, die mit 35:22min die Streckenbestzeit hält.

Die Renngestaltung des Zehners von Daniel Pugge glich etwas der des Fünfers. Längere Zeit bildete er mit Ludger Schröer (M45) von der LG Deiringsen ein Duo, bis er sich am Ende noch den nötigen Vorsprung für den Sieg in 35:46min sichern konnte. Schröer, am vergangenen Wochenende noch 4. beim Oldenburger Halbmarathon, finishte in 36:02min als 2. Auf den Plätzen landeten Johannes Otte (M35; KC Das dichte Dutzend) in 37:01min vor dem mitfavorisierten Robert Welp (M35, SC Teuto Riesenberg) in 37:04min. Damit war das Rennen an der Spitze deutlich langsamer als letztes Jahr, als Stefan Koch den Uraltstreckenrekord um fast vierzig Sekunden auf 31:14min schraubte.

Dreimal kommen die gut 200 10-km-Läufer am Ziel vorbei. Hier, beim ersten Mal, ist das Feld noch dicht gedrängt Viele Zuschauer säumen den Zieleinlauf
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Fazit

Hörte man sich bei den Teilnehmern um, so waren fast nur positive Stimmen zu hören: Man unterhielt sich aber auch über Wetter und Strecke. So äußerte M70-Sieger Heinz Hoveling, die leichten Steigungen in der Mitte der Runde habe ihm nichts ausgemacht, das trainiere er, aber gegen den starken Wind, da könne er nicht gut gegen angehen. Bei anderen war es umgekehrt gewesen. Doppelstarter Fulvio Quattrocchi war über 5 km mit seiner Leistung nicht recht zufrieden, obwohl er die M65 klar gewann und über 10km einen zweiten Platz belegte. Er bedauerte später etwas, dass die Siegerehrung für die Jedermänner doch sehr lange gedauert hätte. Das war in der Tat der Fall. Ähnlich äußerte sich auch ein Läufer im Gästebuch, der es außerdem verwunderlich fand, dass nur die AK-Sieger geehrt worden seien und nicht die Platzierten. Darüber ärgere er sich und meint, so etwas noch nie erlebt zu haben. Eine doch leicht überzogene Kritik und auch nicht korrekt, denn bei vielen Läufen finden, wie man weiß, überhaupt keine AK-Wertungen statt - nicht selten aus Zeitgründen.

Alles in allem ist die Nordwalder Laufveranstaltung eine ausgezeichnete Sache, bei der sich die Läufer sehr wohl fühlen können und auch wissen, dass jeglicher Überschuss für einen guten Zweck gespendet wird wie all die Jahre schon.

Und die Zukunft? Man darf 2018 gespannt sein, wie die Baumaßnahmen bewältigt werden können, wie man wieder mehr Läufer ins Boot holt und ob Gottfried Grond tatsächlich aus dem selbigen aussteigen wird ...

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.sc-nordwalde.de

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