15.10.17 - 37. Styrumer Straßenlauf in Mülheim a.d.Ruhr

Kaiserwetter an der Ruhr bei "Rund um die Neustadtstraße"

Christian Werth und Johanna Pfützenreuter siegen

Neue Großveranstaltung zieht Teilnehmer ab

von Michael Schardt

Einmal im Jahr, da treffen sich im Landesverband Nordrhein alle Laufveranstalter, um untereinander die Termine abzustimmen. Auf dieser Laufbörse wird darauf geachtet, dass Veranstaltungen am gleichen Tag mindestens fünfzig Kilometer auseinanderliegen, damit sich keine Konkurrenz am angestammten Datum für etablierte Events ergibt. So wollen es die Statuten. Im dichtbesiedelten Ruhrgebiet sieht man das bisweilen nicht ganz so eng, wie die Styrumer Organisatorin Brigitte Paashaus weiß. Jeder Veranstalter könne zwar zwei Terminvorschläge einreichen, aber das bedeute nicht, dass man vor Überschneidungen mit neuen, großen Events geschützt sei. Eine solche Handhabung bedeute aber auch, dass sich der eigene Lauf kein festes Datum erobern könne. "In den letzten Jahren fand unsere Veranstaltung später im Jahr statt", erklärt Paashaus, "teilweise erst Ende November".

Die 37. Auflage des Styrumer Straßenlaufs fand bei äußerlich besten Bedingungen statt Großes Gedränge auf den Wegen gab es aber nicht. Die Teilnehmerzahlen waren in früheren Jahren meist höher
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Nun also lag der Termin Mitte Oktober und damit genau an dem Tag, an dem in unmittelbarer Nähe eine neue Großveranstaltung über die Bühne ging, der Halbmarathon von Düsseldorf nach Duisburg, an dem über 3500 Läufer und Läuferinnen teilnahmen. Dabei wurde die "Schutzzone" von fünfzig Kilometern weit unterschritten, denn von der Stadtmitte Mülheim bis zur Stadtmitte Duisburg sind es keine fünfzehn Kilometer. Die Folge: der ohnehin sehr kleine Straßenlauf von Styrum bekam die Konkurrenz ordentlich zu spüren und wurde noch kleiner. Hatten 2015 noch 260 Läufer den Weg in die Ruhrmetropole gefunden und 2016 immerhin noch 200, so waren es diesmal gerade mal noch 134 - fast eine Halbierung innerhalb von nur zwei Jahren.

Liebe zur Leichtathletik

Das sei nicht ganz befriedigend, malte Brigitte Paashaus die Situation in nicht allzu schwarzen Farben, obwohl dies auch die Halbierung der Startgelder bedeutet, woraus allein das Event finanziert wird. "Einen Sponsor haben wir nicht", sagt Brigittes Ehemann Wolfgang, der als zweiter Organisator die Veranstaltung stemmt. "Aber wir kommen damit hin und machen alles selbst. Der Verein braucht uns keinen Zuschuss dazuzugeben."

 
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Dass so etwas funktionieren kann, kann man bei dörflichen Veranstaltungen beobachten, wo zuweilen die gesamte Gemeinde an der Durchführung beteiligt ist - aber in einer Metropolregion? in einer Großstadt mit über 160.000 Einwohner? Auch das geht, wie der TV Styrum, ein über hundert Jahre alter Traditionsverein, eindrucksvoll beweist. Ehrenamt ist das Schlüsselwort - und eine ungebrochene Liebe des Orgateams zur Leichtathletik.

Brigitte und Wolfgang Paashaus organisieren die Veranstaltung. Beide waren früher erfolgreiche Kugelstoßer und Diskuswerfer, später auch engagierte Triathleten Nachdem mit zwei Runden um das Styrumer Sportgelände (1000m) die U10- und U8-Kinder den Laufsonntag eröfnet hatten, standen vier Runden und 2000m für die Jahrgänge U16 bis U12 auf dem Programm

Brigitte und Wolfgang Paashaus sind sehr aktiv und weit davon entfernt, sich aufs Altenteil zu legen. Früher, da waren sie selbst erfolgreich in der Leichtathletik unterwegs, wie auf der Homepage in der akribisch geführten Chronik nachzulesen ist. Beide konnten über Jahrzehnte zahlreiche Titel im Kugelstoßen und Diskuswerfen erringen, nicht nur auf Kreis- und Bezirks-, sondern auch auf Landesebene. Nebenbei gaben sie als Trainer ihr Wissen an den Nachwuchs weiter und entdeckten in späteren Jahren den Triathlon für sich, wie Brigitte Paashaus erzählt. Seit vielen Jahren schon stehen sie zudem dem Straßenlauf organisatorisch vor. Brigitte sorgt für den reibungslosen Ablauf, sprintet von einem Start zum anderen und zählt den Countdown herunter; Ehemann Wolfgang lenkt in allen Rennen das Führungsfahrrad.

Erstmals ging der Styrumer Straßenlauf 1980 an den Start, nachdem es Ende der siebziger Jahre Pilotläufe gegeben hatte. "Damit ist er der älteste Lauf der Stadt Mülheim", wie man nicht ohne Stolz vermerkt, "und der schnellste". Einmal muss der Lauf wohl auch ausgefallen sein, sonst hätte heuer die 38. und nicht 37. Auflage angestanden. Mit vier vermessenen Läufen über 1, 2, 5 und 10 Kilometer, die auf unterschiedlichen Rundstrecken alle um den vereinseigenen Sportplatz führen, ist für jeden Läufer etwas dabei.

Schülerläufe

Punkt zehn Uhr startet bei strahlend blauem Himmel und viel Sonne der erste Lauf des Tages. Für die U10- und U8-Kinder stehen anderthalb kurze Runden, sprich 1000 Meter, an. Über die Hälfte aller Starter stellte der Veranstalter TV Styrum, auch die beiden schnellsten Mädchen Khaoula Haimami (4:04) und Franziska Vogt (4:27). Die schnellsten Jungs allerdings kamen vom Essener Verein LT Stoppenberg: Felix (4:25) und Benjamin Barkoff (4:32). Sie waren aber langsamer als die beiden flottesten Girls.

Bei den Jungs dominierte der veranstaltende Verein Styrumer TV mit Sieger Luca Werner und dem 2. Yannick Gstettenbauer (Nr. 292) Die ersten vier Mädelsplätze gingen hingegen an den LT Stoppenberg mit Siegerin Anika Schepers (Nr. 280) und Lara Mehl, die auf Platz 3 läuft

Doppelt so lang ist die Strecke für die U16-, U14.- und U12-Jugend, nämlich 2000m. Hier war die Situation umgekehrt, denn diesmal kamen die schnellsten Mädchen vom LT Stoppenberg, während der Styrumer TV die flotteren Jungs hatte.

Gentlemanlike stellten sich die in grün gekleideten Jungs beim Start hinter die jüngeren und kleineren Mädchen, aber Orgachef Paashaus befürchtete, dass es zu Gerangel kommen könnte und regte an, dass die großen Jungs nach vorne kommen sollen. Damit allerdings sind die Girls nicht einverstanden, wie ein schüchterner Junge glaubhaft versichert. Im Endeffekt ging der Lauf aber ohne Zwischenfälle über die Bühne und bringt die Siegerin Anika Schepers (7:30) hervor, die vor Franka Nakotte (7:51) und Lara Mehl (7:54) einläuft, während bei den Jungs Luca Werner (7:06) vor Yannik Gstettenbauer (7:25) und Noel Schlegel (LT Stoppenberg, 7:37) gewinnt.

 
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Nicht ganz einverstanden mit einer neuen Verbandsregel ist Wolfgang Paashaus, wie er zwischendrin bemerkt. Diese schreibe für die Anerkennung einer Veranstaltung als Straßenlauf unter anderem vor, dass schon für die Klasse U12 eine Distanz von 2000 Meter angeboten werden muss. Das sei für so junge Kinder aber nicht sinnvoll und als Kriterium für die Kategorie "Straßenlauf" nur schwer nachzuvollziehen.

Start des 5-km-Laufs

5km: Schneller Sieger Amos Zeller

Für die wohl beste Leistung des Tages sorgte der einheimische Läufer Amos Zeller vom TSV Viktoria Mülheim. Der 27-Jährige hatte sich schon nach sechshundert Metern, als er erstmals am Ziel vorbeilief, deutlich vom übrigen Feld abgesetzt. Dieser Vorsprung konnte er während der nachfolgenden vier Runden immer weiter leicht vergrößern, so dass er mit exakt einer halben Minute Abstand in guten 16:28 siegte. Das war eine der besten Zeiten, die in Styrum je gelaufen wurden; der Streckenrekord von Lukas Klagermeier (M20, TV Styrum), der aus 2015 stammt und auf 16:10 lautet, kam aber nicht in Gefahr.

Klagermeier selbst war auch im Rennen, aber nicht mehr so schnell unterwegs wie noch vor zwei Jahren. Er brauchte 16:59, womit er ungefährdet zweiter wurde. Auf den Plätzen folgten nach verhaltenem Beginn Arne Eschenburg (M35, TV Styrum) in 18:52 und Alexander Mink (M20, ohne Verein) in 18:56. Unter zwanzig Minuten blieben acht Läufer, darunter auch als 6. der erst 12jährige Ole Kuse vom TuS Xanten in 19:18min.

Sieger über 5 km wurde Amos Zeller Rang 2 für Lukas Kagermeier Platz 3 eringt Arne Eschenbruch Mit der Nr. 352 ist der 4., Alexander Mink, zu sehen. Dahinter der erst 12-jährige Ole Kuse, der in gut 19 Minuten 6. wird

Bei den Frauen waren die Leistungen im Verhältnis zu den Männern eher bescheiden. Da reichten der Siegerin Silke Ciaglia (W50) eine Zeit von 23:42, um einen überaus sicheren Sieg zu realisieren.

Die Läuferin der SG Zons hatte damit mehr als anderthalb Minuten Vorsprung vor Julia Tseglakova (W20) vom TV Styrum, die nach 25:14 die Ziellinie überlief. Dahinter kam Nicole Hübner (W40, ohne Verein) in 25:23 auf den dritten und Jana Hartwich (W20, TG 1856 Mülheim) in 26:09 auf den vierten Rang. Den Streckenrekord (19:37) hatte Anja Tempelhoff im Jahr 2015 aufgestellt.

 

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Siegerin über 5km wird Silke Ciaglia Julia Tseglakova darf sich über Rang 2 freuen Ohne Verein startete Nicole Hübner und wird 3. Rang 4 für Jana Hartwich

Laufreporter Christian Werth gewinnt Hauptlauf

Als die beiden Erwachsenenrennen über fünf und zehn Kilometer über die Bühne gingen, dürfte es manchen Läufern schon zu warm gewesen sein, denn die Sonne brannte recht kräftig vom Himmel herab, nicht nur für Oktoberverhältnisse. Fünfundzwanzig Grad zeigte das Quecksilber zur Mittagszeit an, erfreulicherweise lag die Strecke teilweise jedoch im Schatten. Es handelt sich beim Zehner genau wie beim Fünfer um eine DLV-vermessene, topfebene Strecke, die Garant für schnelle Zeiten ist. Der Fünfer besteht aus einer Runde von 1250 Metern, die vier Mal zu durchlaufen ist; der Zehner hat eine erweiterte Runde zur Grundlage, die fünf Mal absolviert werden muss und zu Beginn zusätzlich eine 300 Meter lange Gerade auf der Augustastraße aufweist. Es handelt sich je um abwechslungsreiche und etwas eckige Strecken durch Styrumer Wohnsiedlungen und Parkwege. Da die Läufer mehrfach am Ziel vorbeikommen, können die Zuschauer die Rennen sehr gut verfolgen.

Startaufstellung für den Hauptlauf über 10km Gespanntes Warten auf die Sieger

Über zehn Kilometer hatte sich zunächst der erfahrene Wolfgang Lenz vom Rhein-Marathon Düsseldorf Verein in Führung gesetzt. Der 50-Jährige konnte sich bis etwa Kilometer vier einen Vorsprung von vielleicht siebzig Metern verschaffen vor Christian Werth (M30) vom Remscheider Sportverein. Dahinter tat sich schon recht früh eine weitere Lücke auf, bis Björn Temmler und Björn Klemz folgten. Lenz jedoch hatte sich offenbar verschätzt und konnte sein Tempo nicht halten. Werth hingegen lief stabil, überholte den Marathonmann und siegte in 36:07 vor Lenz, der 36:36 benötigte. Es folgten Temmler (M35) vom AS Neukirchen-Vluyn (38:18) und Klemz (M40) vom Solinger SC (38:42).

Analysen

Mit ihren gelaufenen Zeiten waren im Führungsbereich nicht alle zufrieden. So meinte Temmler hinterher, dass er an guten Tagen durchaus zwei oder drei Minuten schneller laufen könne, schließlich läge seine Bestzeit bei 35 Minuten. Aber es sei nicht so gelaufen, wie er es vorgehabt habe. Heute habe das Limit woanders gelegen, das habe er früh gemerkt und im Rennen hauptsächlich darauf geachtet, den Podestplatz abzusichern. Er sei nicht das erste Mal in Styrum, sagte der Drittplatzierte, kenne die Strecke gut und komme gerne wieder.

Flotte Feder, flinke Beine: LaufReport-Kollege Christian Werth auf dem Weg zum Sieg. Dahinter Wolfgang Lenz, der 2. wird Über 10 km waren diese beiden Damen die schnellsten: Siegerin Johanna Pfützenreuter (rechts) und Martina Schimanski Björn Temmler, schon oft Gast in Styrum, kann sich den 3. Rang im 10km Lauf sichern
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Mit dem Sieg zufrieden war Sieger Christian Werth, nicht aber mit der gelaufenen Zeit. Er sei auf eine 34er Endzeit angelaufen, habe aber bald gemerkt, dass er das Tempo nicht würde halten können. Die zuletzt gelaufenen Zeiten über kürzere Distanzen hätten eigentlich vermuten lassen, dass er im Bereich seiner Bestzeit (34:01) würde agieren können, hatte er sich zuletzt doch über 3000m und 5000m hervorragend präsentiert und teils sogar seine Unterdistanz-Bestzeiten aus dem "ersten Läuferleben" steigern können. Auch für Werth war es in Styrum kein Debüt, denn der 32-Jährige hatte vor dreizehn Jahren bereits den Fünfer hier gewonnen. Die schnelle Strecke schien ihm eine geeignet Möglichkeit, für eine gute Zeit. Das sei das eigentliche, aber nicht erreichte Ziel gewesen, der Gewinn des Laufs ein netter Zusatz. Eventuell geht Werth, der auch für LaufReport schreibt und zuletzt über den Kassel Marathon berichtete, in Kürze beim Röntgenlauf über Halbmarathon an den Start. Dann soll aber eine flotte Zeit her (unter 1:20h) und vielleicht wieder ein Platz auf dem Podest, wo er in seiner Heimatstadt in den letzten Jahren schon öfters stand.

Recht spärlich besetzt war das Frauenfeld beim Zehner. Es gingen nur acht Läuferinnen an den Start. Die Schnellste war gleichzeitig auch die Jüngste und die einzige ohne Verein: Johanna Pfützenreuter (W20) konnte sich mit einer Zeit von 43:08 in die Siegerliste eintragen. Zweite wurde Martina Schimanski (TSV Viktoria Mülheim, W45, 43:50) vor Brigitte Görner (SG Zons, W55, 51:30) und Birgit Stolle (Tusem Essen, W55, 54:55). Die Streckenrekorde stammen aus den beiden letzten Jahren, als die Rennen deutlich schneller waren. Melanie Klein-Arndt rannte 2015 eine Bestzeit von 36:50; 2016 Kfle Biemnet 31:38.

Zum Schluss

Der Styrumer Straßenlauf ist eine kleine, familiäre und sehr nett organisierte Veranstaltung, die unbedingt mehr Teilnehmer verdient und nächstes Jahr - das ist die Hoffnung des Orgateams - mehr Glück mit dem Termin haben sollte. Etwas schade war, dass es über zehn Kilometer keine Ehrung mehr für die je drei schnellsten Läuferinnen und Läufer gab, wohingegen alle Altersklassenplatzierten aufs Podium gerufen wurden. Eine Wiedereinführung dieses Rituals - es ist schließlich die Hauptehrung - wäre wünschenswert, auch wenn auf der Homepage zu lesen ist, dass man vornehmlich auf Teilnehmeranregung hin beschlossen habe, die Ehrungen zu straffen. Dann würde man auch wieder ein Foto des Siegertrios knipsen können, was sich immer schön ausmachen würde in jedwedem Nachbericht ...

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.styrumertv.de/strassenlauf/2017

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