22.10.17 - FRANKLIN Meilenlauf in Mannheim

Betonplatten-Flair: statt für Panzer jetzt für Läufer

Franklin-Meilen-Lauf führt Sportler über unbekanntes Gelände
von Birgit Schillinger

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Es gibt Läufe, die sind "schön", andere sind nicht so "schön", aber dieser hier ist "verrückt" - wie der zweitplatzierte Kibrom Issac es formulierte. Der Lauf durch die Konversionsflächen im Norden Mannheims hat seinen besonderen Charme. "Was war denn hier früher?", fragt Salimina, Flüchtling aus Gambia, beim Anblick der verlassenen Gebäude. Und lernt dabei gleich ein Stück deutsche Geschichte: Das Areal, fast so groß wie die Mannheimer Innenstadt, beherbergte 60 Jahre lang nach dem Krieg bis zu 10.000 Amerikaner. Es gab über 2000 Wohnungen, dazu Kindergärten, Schulen, Geschäfte, ein Kino, eine Kirche und Sportanlagen. Nach dem 11. September 2001 wurde das gesamte Gelände abgeriegelt. Nur wenige Mannheimer haben die Anlage je betreten. Nach dem Abzug 2011 will die Stadt die einmalige Chance nutzen, das Gelände zu einem neuen Stadtteil umzugestalten.

Im Blickfang auf dem Start-Zielgelände, amerikanische Autos, diese galt es aber nur zu betrachten, fortbewegt wurde sich beim 2. FRANKLIN Meilenlauf in Mannheim by foot Umkleiden im ehemaligen Kinosaal
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Es tut sich einiges auf dem mit Unkraut zugewachsenen Areal. Wer letztes Jahr auch schon startete, wunderte sich: "Da standen doch noch mehr Hallen?" Einige sind schon abgerissen, weitere folgen. Auch von den Wohnhäusern sind viele zum Abriss freigegeben, sie entsprechen nicht mehr heutigen Standards. Und damit die Abrissbirne nicht aus Versehen das falsche Haus zertrümmert, hängen große Stop-Schilder an den Häusern, die erhalten werden sollen. Bei der Premiere im letzten Jahr ließen sich 1300 Läufer locken, jetzt waren es schon fast 1500: "Wir sind zufrieden", meint Sebastian Probst, Pressesprecher des mitorganisierenden M3-Teams.

Nach einem Bambinilauf eröffnete der GBG Kinder-Meilenlauf über 1,6 Kilometer das Wettkampfgeschehen. Diesen gewann Moritz Mann vom TSV Wieblingen in 4:49 bei den Jungs und Anne Slosharek vom ABC Ludwigshafen in 5:17 Minuten bei den Mädchen

Die Läufer dürfen hier Jahr für Jahr miterleben, wie ein Stadtteil mehr verschwindet und ein neuer entsteht. Man kann nun beim Wettkampf über die Entwicklung der Weltpolitik sinnieren - man kann auch einfach dieses Ambiente genießen. Dazu tragen auch die vielen freundlichen Helfer bei: An der Strecke sind sie pausenlos am Klatschen und Anfeuern.

 
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Die Organisatoren konnten Fabienne Amrhein nach ihrem starken Marathon-Debüt (2:34:14 Stunden in Berlin) für den Start beim
2. FRANKLIN Meilenlauf über die Halbmarathon-Distanz gewinnen

Beim Hauptlauf über die Halbmarathon-Distanz hatten 700 Einzelläufer gemeldet. Hier wurden Christophe Krech und Fabienne Amrhein ihrer Favoritenrolle gerecht. Der 23jährige Krech (engelhorn sports team) konnte sich nach 15 gemeinsamen Kilometern von seinem Konkurrenten, dem 30jährigen Kibrom Issac (LG Kurpfalz), lösen und gewann in 1:11:41 Stunden. Dass er zwei Minuten über seiner Bestzeit blieb, war dem starken Wind geschuldet. Bekanntlich kann man auf den Rückwindpassagen die bei Gegenwind verlorenen Sekunden nicht wieder aufholen.

Beim FRANKLIN Meilenlauf geht es über Konversionsflächen und an ihnen vorbei. Mal entlang am Sperrzaun der Spinelli-Barracks, aber auch mal idylisch an den Vogelstang-Seen laufend

Hinter Kibrom mit 1:13:08 folgte der hier noch unbekannte Johan Särén von der Universität Mannheim in 1:16:48. Johan kommt aus Schweden, studiert seit diesem Semester in Mannheim. Es war erst sein zweiter Halbmarathon, etwa im Bereich seiner Premierenzeit.

Bei km 10 für die 9-Meilenläufer bzw. km 17 für die Halbmarathonis geht es an den Taylor Barracks vorbei Weit fortgeschritten sind die Umbaumaßnahmen bereits im Benjamin Franklin Village

Fabienne Amrhein lief - hinter fünf Männern - einen lockeren Sieg in 1:21:12 (sieben Minuten über ihrer Bestzeit) nach Hause. Nach ihrem starken Marathon-Debüt (2:34:14 Stunden in Berlin) hat sie erst in der letzten Woche wieder richtig trainiert - gerade am Vortag noch ein hartes Bergtraining. Und am folgenden Tag fliegt sie in ein dreiwöchiges Trainingslager nach Südafrika.

 

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Christophe Krech gewinnt vor Kibrom Issac den Halbmarathon Der Schwede Johan Sebastian Särén läuft für die Universität Mannheim auf Rang 3 Bernd Mürb vom TV Rheinau gewinnt als 11. Mann die M55

Lena Berg (beide engelhorn team) blieb Fabienne an den Fersen. Sie hatte sich am vergangenen Sonntag beim Schriesheimer Strahlenburgtrail durch einen Ast eine Wunde unter dem Auge zugezogen, lief mit dickem Pflaster, was sie nicht an einer guten Zeit hinderte: 1:21:53. Die Griechin Eirini Tsoupaki wird man nun öfter bei Wettkämpfen erleben. Ihr Freund Christos hat hier studiert, arbeitet inzwischen bei der SAP und sie wird sich nun für ein Studium in Mannheim bewerben. In 1:22:15 Stunden finishte sie nun ihren ersten Halbmarathon.

Fabienne Amrhein gewinnt den Halbmarathon bei den Frauen Erste Verfolgerin ist Lena Berg Die Griechin Eirini Tsoupaki folgt auf Platz 3

Neun Meilen, das sind etwa 14 Kilometer: Diese krumme Distanz reizte 300 Starter. Für Steffen Ulmrich (engelhorn sports team) war das ein schnellerer Trainingslauf. Er siegte überlegen in 49:25 mit vier Minuten Vorsprung vor Tobias Hahn (Vogelstanggrundschule) und Niklas Abele (Uni Mannheim). Die 32jährige Ellen Janssen aus Speyer kam schon auf Gesamtrang acht nach 1:00:53 ins Ziel. Sie war bis 2010 als Radrennfahrerin (auch Bundesliga) erfolgreich, in Deutschland lag sie bei ihrer besten Saison auf Rang elf. Heute läuft sie nur ein- bis zweimal in der Woche. Und leitet auch den Mannheimer Frauenlauftreff.

 
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Steffen Ulmrich (mitte) vom engelhorn sports team gewinnt den 9-Meilen-Lauf vor Vorjahressieger Tobias Hahn (Vogelstanggrundschule) und Niklas Abele (links) Bei den Frauen siegt die ehemalige Bundesliga-Radrennfahrerin Ellen Janssen (mitte) vor Quadrathlon-Spezialistin Lisa Teichert und der W50-Siegerin Iris Albat (links)

Radfahren kann auch Lisa Teichert, mit 1:03:43 zweite Frau, ganz gut. Aber ihre Spezialität ist der Quadrathlon: Da kommt nach dem Schwimmen und Radfahren noch Kajakfahren vor dem abschließenden Lauf dazu. Die international erfolgreiche Sportlerin, für Quadrathlon WSC Heidelberg startend, freute sich über ihren Erfolg, "gerade in der Erholungsphase nach einer harten Saison". Iris Albat (SG Stern Mannheim) komplettierte das Siegertreppchen.

Kim Abel war 2. Läufer der siegreichen Männer-Staffel engelhorn sports team Relindis Agethen, die 2. Läuferin der schnellsten Mixed-Staffel CEMA AG Spezialisten für Informationstechnologie Auch die Frauen-Staffel gewann das engelhorn sports team, hier mit Schlussläuferin Marie Leimbach

80 Staffeln teilten sich den Halbmarathon. Sowohl die Frauen- als auch die Männerwertung gewannen die Engelhorn-Teams: Beatrice Casati, Natalie Lawton und Marie Leimbach sowie Fritz Biniok, Kim Abel und Florentin Caesar. In der Mixed-Wertung siegte das CEMA-Running-Team mit Daniel Borsanyi, Relindis Agethen und Jonathan Dittrich. Zu den Staffeln kommen noch Bambini- und der Kinderlauf dazu, sodass für die ganze Familie etwas angeboten ist.

Die letzen Meter werden im Woods Memorial Stadium in Franklin zurückgelegt, Zieleinlauf ist dann auf dem Platz vor dem Zeitstrom Haus auf Franklin

Ein paar Kleinigkeiten können noch verbessert werden: mehr Toiletten im Startbereich (lange Schlangen bei den zwei Toiletten bei der Startnummernausgabe) oder falls irgendwo welche waren, besser ausschildern. Startzeit so legen, dass nicht die Läufermeute im Startbereich auf die Durchfahrt der Straßenbahn warten muss.

Halbmarathonsiegerin Fabienne Amrhein freut sich über den etwas anderen Pokal Das Siegerpaar des 9-Meilen-Lauf Ellen Janssen und Steffen Ulmrich. Diese krumme Distanz von etwa 14 Kilometer reizte 300 Starter Auch HM-Sieger Christophe Krech hatte neben der anderen Präsente an dem Bruchstein eines Abrisshauses 'schwer' zu tragen
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"Der Lauf hat was", schwärmt ein junger Läufer und wird nächstes Jahr wiederkommen. Das M3-Team um Christian Herbert hat ein Faible für ungewöhnliche Strecken. Passend dazu gibt es keine Pokale für die Sieger, sondern Bruchsteine von den Abrisshäusern: ähnlich wie bei der Berliner Mauer Symbole des Zeitenwandels. Wer noch sechs Jahre durchhält, wird die Entstehung auch der Bundesgartenschau miterleben: 2023 werden die Sportler dann nicht mehr über Betonplatten, sondern durch "blühende Landschaften" rennen.

Bericht von Birgit Schillinger
Fotos von Hendrik Schillinger, Constanze & Walter Wagner

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Ergebnisse www.franklin-meilenlauf.de
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