22.10.17 - 14. Magdeburg Marathon

5350 Läufer am Start

Neuer Streckenverlauf sorgt für schnelle Zeiten, aber die Rekorde bleiben bestehen

von Almuth Steinhoff

8.10 Uhr - In der Nacht zum Sonntag fegten Wind und Regen noch einmal einen gehörigen Schwung Laubblätter auf den Fußweg/Fahrweg der Magdeburger Herrenkrugstraße. Sie gesellten sich zum "Herbstteppich", der im morgendlichen Tau glänzt und bald von vielen Läuferbeinen aufgewirbelt wird. Noch ist es eine gute Stunde zum Start der vierzehnten Auflage des Magdeburg Marathons. Dichtes Läufergedränge herrscht in den Messehallen am Elbauenpark. Letzte Anmeldungen werden an den Ständen in den Magdeburger Messehallen entgegengenommen; später werden die Organisatoren von ca. fünfhundert Nachmeldungen sprechen. Ansagen machen auf die Startzeiten und den weiteren Programmablauf aufmerksam. Auf den freien Flächen rings um das Startareal machen sich die Läufer warm.

Inmitten des Trubels sind sie nicht zu übersehen. Gelb leuchten die T-Shirts der Ottersleber Laufmäuse. Die Mädchen und Jungen sind bei den Laufveranstaltungen der Elbestadt längst keine Unbekannten mehr. Regelmäßig werden einige von ihnen bei den Läufen zur Stadtrangliste auf das Siegerpodest gebeten. Innerhalb der Freizeitangebote der Ottersleber Lebenskreis gGmbH hat Bewegung einen großen Stellenwert, ob Line Dance, Fußball oder eben Laufen. Im vergangenen Jahr konnten elf Laufmäuse den begehrten Achter-Pack-Pokal (vergeben für die Teilnahme an sieben bzw. acht Läufen) entgegennehmen.

Das Logo der größten Laufveranstaltung in Sachsen-Anhalt, der stilisierte blaue Dom mit schwungvoll angedeuteten Läufern ziert Plakate und Shirts. Beim Start des Marathons vorweg traditionell die Virgin Guards
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Ebenfalls nicht zu übersehen ist das Logo der größten Laufveranstaltung Magdeburgs. Der stilisierte blaue Dom mit schwungvoll angedeutetem Läufer ziert Plakate und Shirts. Seit zwei Jahren haben die Veranstalter nicht nur das offizielle Funktions-Shirt im Angebot, sondern auch diverse andere Shirts und neuerdings auch ihre wärmeren "Kollegen", die Lauf-Hoodies.

8.25 Uhr - Anruf eines Kollegen, der von Biederitz aus zum Herrenkrug möchte, mit der Frage nach einem günstigen Parkplatz (günstig = kein weiter Fußweg). Die Herrenkrugstraße ist nun gesperrt; also heißt es für ihn, Beine in die Hand nehmen, um pünktlich zum ersten Start da zu sein.

8.45 Uhr - Laut wird es auch im Zielbereich. Während Hard Rock und Heavy Metal im unmittelbaren Startbereich die Läufer einstimmen sollen, machen sich zweihundert Meter weiter die Trommler und Trommlerinnen des HKC Magdeburg-Barleben im wahrsten Sinne des Wortes warm. Schon zum sechsten Mal machen sie unüberhörbar (!!!) den Läufern Beine, und ich kann es nicht verhehlen, die nach Silben erlernten Rhythmen strahlen durch besondere Akzente (Betonungen) einen gewissen (Mitmach)reiz aus. Die Akteure des HKC sind eine von vielen Musikgruppen, die an der Strecke zu finden sind und hoffentlich für Motivation satt sorgen.

Herrenkrugstraße - für einige Stunden gehörte die Doppelallee den Läufern Karate-Athleten feuern Lauf-Athleten an, Sportler des Karate-Club Hatsuun Jindo

9.14 Uhr - Noch eine Minute bis zum Start des Magdeburg Marathon. Nach einer La-Ola-Welle und dem gemeinsamen Runterzählen gehen fünfzig Frauen und 227 Männer auf die neu konzipierte Strecke der vierzehnten Auflage des Magdeburg Marathon. "Aus drei mach eins", so lässt sich das Streckenkonzept der Organisatoren beschreiben. Das Team um Ralf Eger reagierte auf die Kritik etlicher Läufer und nahm "die Eroberung der Stadt" zurück.

"Wir wollten 2013 den Teilnehmern alles bieten, was möglich ist." Und da hat die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt einiges zu bieten; unter anderem führte der Weg im vergangenen Jahr am Hundertwasserhaus, dem Magdeburger Dom und pflasterbewehrten Stadtvierteln vorbei. In diesem Jahr gibt es zumindest, was den Streckenlauf betrifft, keinerlei Irritationen. Weniger Eingriffe in den Straßenverkehr bedeutet auch größere Sicherheit für die Teilnehmer. Nach einer Brücken-Schleife im Elbauenpark führt die Strecke in den Herrenkrugpark, dann den Herrenkrugsteg hinüber zur anderen Elbseite und flussaufwärts entlang bis zur Spitze des Rotehornparkes; wunderschöne An-und Aussichten inbegriffen. Magdeburg präsentiert sich durchaus grün und attraktiv auch außerhalb des Stadtkerns.

 

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Martin Butzlaff muss bei Kilometer 27 aufgeben Sebastian Anselm (2./Marathon) und Robert Linz (Marathon-Sieger/2202) bei Kilometer sechs vor dem Herrenkrugsteg Vorjahressieger Paul Weinmann aus Genthin wird 8.

Nach den ersten Kilometern wird klar, Mitfavorit Martin Butzlaff aus der Gastgeberstadt wird gejagt. Die sich zusammen aufmachen, den angestrebten Erfolg des Magdeburgers zu verhindern, sind Sebastian Anselm und Robert Linz. Schnell tut sich zwischen den drei Führenden und dem Rest des Feldes eine große Lücke auf. Bei der ersten Passage des Herrenkrugstegs (Kilometer sechs) läuft es für Butzlaff nach Plan, auch die angepeilte Zeit stimmt.

Silke Zimmermann, die Vorjahreszweite, geht indes zu schnell an. Noch führt sie beim Überqueren der bogenförmigen Fußgängerbrücke. Nach der Hälfte des Rennens auf Platz drei zurückgefallen, geht nach vorn nichts mehr; diszipliniert läuft die für die Ihleläufer Burg startende Athletin die zweite Schleife zu Ende. Platz vier mit einer 3:17er-Zeit ist trotzdem eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um rund zwei Minuten.

Zweite Frau beim Marathon: Nadja Koch vom SSC Scharmede in 3:02:45 Silke Zimmermann aus Burg wird Gesamtvierte über Marathon in 3:17:26 hinter der drittplatzierten Anja Jakob aus Klingenthal in 3:13:16 h
Jenny Weinmann aus Genthin wird als 14. Marathonfrau 2. der W45

Die spätere Siegerin Sigrid Hoffmann läuft taktisch klug und schiebt sich immer weiter nach vorn. Mit einem Sieg rechnet sie jedoch nach langer Verletzungspause überhaupt nicht. Da spielen ihre Siege auf der Marathondistanz in den Jahren 2010 und 2011 keine Rolle, auch nicht der zweite Platz über die Hälfte der Distanz im Vorjahr. "Nach dem Wettkampf ist immer auch vor dem Wettkampf." Eine Zeit unter drei Stunden hatte sie im Vorfeld angestrebt, eventuell auch den Angriff auf die Bestzeit von Juliane Meyer (2016/2:53:07h), aber der Gegenwind macht den berühmten Strich durch die Rechnung (3:01:58h).

Auch Robert Linz, nach knapp 27 Kilometern in Führung liegend, kann sich mit den Windverhältnissen nicht anfreunden und bleibt mit seiner Siegerzeit von 2:32:23h eine gute Minute über dem von Frank Schauer aufgestellten Rekord im Jahre 2012. Martin Butzlaff lässt, von Krämpfen geplagt, seine Verfolger ziehen. Der spätere Zweite, der Burger Sebastian Anselm, ist erst seit sechs Wochen wieder im Lauftraining; eine Operation sorgte für eine nicht eingeplante Zwangspause. Dafür läuft es erstaunlich gut, die Zeit von 2:38:26h geht für den Drittplatzierten des Jahres 2015 (da war er rund fünf Minuten schneller) völlig in Ordnung.

Yves Löbel (2801) gewinnt den Halbmarathon vor Sven Starklauf (3147) Dritte im Halbmarathon: Triathletin Laura Buchhop Philipp Syring (3420) und Andre Willms (3419) - Sohn und Vater sind gestandene und international erfolgreiche Ruderer des SC Magdeburg. Das Laufduell ging an den Vater

9.55 Uhr - Inmitten des Läuferpulks der Halbmarathonis, die die inzwischen abgetrocknete Herrenkrugstraße Richtung des nördlichsten Parks passieren, tauchen zwei in der Sportszene allzu bekannte Gesichter auf. Der ehemalige Weltmeister und Olympiasieger im Rudern, Andre Willms und Sohn Philipp Syring, ebenfalls international erfolgreicher Ruderer, stellen sich dem Laufduell. Später wird der Ältere mit vierzehn Minuten Vorsprung den familieninternen Ausscheid für sich entscheiden.

10.36 Uhr - Frank Schauer läuft ungefährdet zum souveränen Sieg über zehn Kilometer. Beste Voraussetzung, um am kommenden Wochenende in Frankfurt beim Marathon an den Start zu gehen. Läufe über Unterdistanzen gehören für den Tangermünder zum auf den Saisonhöhepunkt abgestimmten Trainingsprogramm. Nach wie vor vertraut Schauer auf den Rat des erfahrenen Magdeburger Lauftrainers Jürgen Eberding. Dieser hat nicht nur ob des Erfolgs seines langjährigen Schützlings seine Freude. Der von ihm trainierte Nachwuchs ist ebenfalls schnell unterwegs. Schnellste Frau über 10 km war Anne-Kathrin Litzenberg in 41:23 Minuten.

Frank Schauer (Verein Tangermünder Elbdeichmarathon) läuft unangefochten zum Sieg über 10 Kilometer und zugleich neuem Streckenrekord
Philipp Letzgus (3984) läuft auf Rang zwei, Markus Kostelack (3919 / U20) wird Gesamtdritter über zehn Kilometer Schnellstes Mädchen über 4,9 Kilometer: Leoni Mierswa vom SC Magdeburg

10.34 - Inmitten der in das Ziel kommenden "Zehner" taucht das Führungsfahrrad für den schnellsten Minimarathoni auf. Manuel Melchert (SC Magdeburg) hat es in diesem Jahr geschafft: Sieg bei der größten Laufveranstaltung seiner Heimatstadt, und das ganz souverän. Schon fünf Minuten vorher kündigt der Sprecher im Ziel den baldigen Einlauf des Siegers an, korrigiert aber dann die Erwartungen, da die Strecke in diesem Jahr 4,9 Kilometer beträgt. So ist die Zeit von 18:08min als gut zu bewerten; für den ehemaligen Leistungsschwimmer ein weiterer schöner Erfolg in diesem Jahr. Schon im Sommer überzeugte der Fünfzehnjährige als Überraschungszweiter über 800m bei den Deutschen Schülermeisterschaften.

Fünfzig Sekunden nach dem schnellsten jungen Mann überquert Vereins- und Trainingskameradin Leoni Mierswa die Zielmatte. Die Vorjahressiegerin über zehn Kilometer testet auf der kürzesten Strecke und beweist mit ihrem Sieg, dass die Streckenlängen bis fünf Kilometer zurzeit zum Lieblingslaufrepertoire gehören. Auch sie feierte in diesem Jahr mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den U18-DM über 1500m einen beachtenswerten nationalen Erfolg.

 

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11.09 Uhr - Inzwischen "stapeln sich" hinter den Gittern der Schluss-Strecke die Zuschauer in Dreierreihen, so dass immer mehr Interessierte auf den Fußweg vor der letzten Kurve ausweichen. Unschön für die einkommenden Läufer, die sich zum Teil an diesen Hindernissen vorbei ihren Weg bahnen müssen. Hier ist eine Absperrung dringend notwendig; beim Elbebiber-Kinderlauf konnten durch Absperrbänder in diesem Jahr die Kleinsten ungestört ins Ziel laufen!

Bunt gemsichte Lauffelder beim Magdeburg Marathon. Carsten Heidel (1558) startete für die Parchener Laufsocken - Platz acht bei den Männern über 10km ... ... Ben Doherty (1963) war für Australien und Konrad Zukiewicz mit Nachwuchs für Polen auf der Marathonstrecke unterwegs
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Fast unbemerkt erreicht der Vorjahreszweite und nun aktuelle Halbmarathonsieger Yves Löbel (Sport 2000/1:14:58h) das Ziel. Auch der eine halbe Minute später über die Zielmatte laufende Sven Starklauf (DJK SC Vorra) bleibt im Läuferpulk fast unbemerkt. Die drei schnellsten Frauen über diese Distanz, Julia Brugger (LG Region Landshut/1:22:44h), Nadine Grothe (Altmärker Dunderklumpen/1:27:15h) und Laura Buchhop (Trimago/1:32:01h) gehören einmal mehr zu den erfolgreichsten Damen auf der Magdeburger Halbmarathonstrecke.

12.25 Uhr - Robert Linz und Sigrid Hoffmann, die Gewinner des diesjährigen Magdeburg Marathons, stellen sich erschöpft, aber strahlend den Fotografen im Zielbereich. Genau wie ihre Mitstreiter wissen sie, dass es ungefähr eine Woche braucht, um die Strapazen des Tages "aus dem Körper zu bekommen". Da der Wettergott ein Läuferherz hatte, ideale Temperaturen zauberte und den Regen bis zum Nachmittag warten ließ, werden sich Erkältungen und Co. hoffentlich in Grenzen halten.

Ein großes Dankeschön geht an die unermüdlichen Organisatoren der VLG 1991 Magdeburg und ihre Helfer. "Von Läufern für Läufer" - die vierzehnte Auflage verdient diesen Zusatz; viele gutgemeinte Ratschläge der letzten Jahre sind berücksichtigt worden und haben den vorletzten Oktobersonntag zu einem (Lauf)erlebnis gemacht. Da konnte mancher blau-weiß ausgestattete Fußballfan im Läuferfeld seinen Frust über die Heimniederlage seines Clubs tags zuvor einfach weglaufen und weglächeln …

Bericht und Fotos von Almuth Steinhoff

 unter Sportonline-Foto.de

Ergebnisse www.magdeburg-marathon.eu
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