1.10.17 – 21. RheinEnergieMarathon Köln

Köln positioniert sich mit zahlreichen Änderungen neu

Hendrik Pfeiffer löst bei seinem größten Erfolg EM-Ticket

Sabrina Mockenhaupt gewinnt zum fünften Mal den Halbmarathon

von Michael Schardt

Das hat es in Köln noch nie gegeben. Alle vier Titel in den beiden Hauptrennen gingen an deutsche Läufer. Im Marathon siegten der favorisierte Hendrik Pfeiffer, der zugleich das EM-Ticket löste, und die Debütantin Rebecca Robisch aus Fürth. Im Halbmarathon konnte sich im mit Spannung erwarteten Frauenrennen nicht unerwartet die viermalige Siegerin Sabrina Mockenhaupt gegen die Vorjahressiegerin Laura Hottenrott durchsetzen. Bei den Männern gewann nach einem aktiv gestalteten Rennen verdientermaßen der junge Tobias Blum vor dem starken Serkan Kaya aus der Türkei.

Neu beim Köln Marathon, der Minimarathon für Schüler. Er war ausgebucht Schöner Blick auf den Rhein beim Köln Marathon. Im Hintergrund die berühmten Kranhäuser und die Severinsbrücke Zieleinlauf beim Köln Marathon, am Dom sind es noch 100 Meter
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Was sich wie ein deutsches Läufermärchen anhört, kam freilich nur deshalb zustande, weil sich die Kölner Marathonmacher schon im Vorfeld auf eine Neuausrichtung ihrer Veranstaltung festgelegt hatten. Von der Verpflichtung starker ausländischer Konkurrenz will man in der Dommetropole Abstand nehmen und den Köln Marathon als Event für deutsche Läufer neu positionieren. Besonders hat man die Förderung junger Nachwuchslangstreckler im Auge, weshalb in diesem Zusammenhang in einer Pressemitteilung schon mal der Begriff des "Nachwuchsmarathons" fiel.

 

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Kurswechsel

Das allerdings klingt etwas nach Understatement, wenn man sich die Besetzung und auch die Ergebnisse der diesjährigen Veranstaltung näher ansieht. Da hatte man mit dem Wattenscheider Hendrik Pfeiffer einen Mann am Start, der im letzten Jahr die Olympianorm schaffte, aber nur wegen einer Verletzung nicht in Rio teilnehmen konnte. In Köln unterbot er nun die EM-Norm für Berlin und setzte sich mit diesem Ergebnis an die Spitze der deutschen Jahresbestenliste. Der zweite, Dominik Fabianowski, lief erstmals unter 2:20h und erreichte eine persönliche Bestzeit. Kaum weniger beeindruckend als die Leistung Pfeiffers war die Vorstellung von Rebecca Robisch. Die ehemalige Triathletin lieferte bei ihrem Sieg eine hervorragende Debütvorstellung ab und war über drei Minuten schneller als Katharina Heinig bei ihrem Premierensieg am Rhein im Jahr 2010.

Am Vortag bei den Kinderläufen hatte es noch wie aus Kübeln gegossen, am Marathontag strahlte der Himmel über Köln in schönstem Blau

Gleich serienweise gab es beim Halbmarathon persönliche Hausrekorde. Hervorzuheben ist besonders der von Laura Hottenrott, die als zweite immerhin zwei Minuten schneller war als bei ihrem Vorjahressieg. Auch Lisa Heimann konnte als dritte mit einer neuen persönlichen Bestzeit überzeugen. Nicht anders bei den Männern. Da konnte nicht nur Sieger Blum mit einem neuen Bestwert aufwarten, sondern einige weitere Nachwuchsathleten. Insgesamt scheint der angestrebte Kurswechsel der Kölner nach dem Jubiläumsjahr gut angenommen worden und erfolgreich gewesen zu sein. Man wird sehen müssen, ob man diesen Weg weiter beschreiten wird, oder sich - wie etwa Düsseldorf nach schon zwei Jahren - wieder auf alte Strukturen zurückbesinnt.

Neue Strecke und andere Änderungen

Der Köln Marathon war von allen großen deutschen Stadtmarathons sicher der experimentierfreudigste, zumindest bis 2014. Bis dahin hatte es zahlreiche Streckenänderungen gegeben - durch Baumaßnahmen erzwungene oder zur Optimierung der Strecke gewollte. Die gravierendsten von allen waren sicher die Verlegung des Ziels vom Dom nach Deutz (2006 - 2012) auf die rechte Rheinseite und die Rückverlegung an den Dom im Jahr 2013. Zudem wechselte das Wettkampfprogramm häufig. So gehörten zwischenzeitlich ein Lauf über zehn Kilometer und Ultraläufe über 63km oder 73km zum Programm sowie ein Wettbewerb für Inliner. Ausprobiert wurden zudem andere Startzeiten und Starttermine (dreimal fand der Lauf nicht im Oktober, sondern September statt).

 
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In den Jahren 2014 bis 2016 hatten sich die Laufstrecken und das Streckenangebot weitgehend konsolidiert und blieben konstant. Doch neuere Entwicklungen, die in diesen drei Jahren sichtbar wurden - und auch Reaktionen der Läufer -, ließen die Organisatoren nicht ruhen. Mit zahlreichen Änderungen, die 2017 erstmals wirksam wurden, wollte sich die Veranstaltung - auch im Vergleich zur Konkurrenz - neu positionieren und die Abläufe optimieren.

Alle Läufe starten am Deutzer Bahnhof auf der rechten Rheinseite Als erstes muss die Deutzer Brücke überquert werden

Eine von etlichen aktuellen Neuerungen, die der Veranstalter bereits im Mai bekanntgab, betrifft die Streckenführung des Marathons. Da hat man dem Kölner Süden größere Streckenabschnitte zugebilligt, dem Norden in gleichem Maße Anteile gestrichen. Man läuft jetzt zu Beginn am Rheinufer bis nach Rodenkirchen, um erst danach Kurs in Richtung Zentrum zu nehmen. Dafür wurden in Nippes, vor allem im Bereich der Amsterdamer Straße, Kürzungen vorgenommen. Insgesamt sind vier Kilometer betroffen. Grund für die Änderung war, dass die Läufer sich verstärkt über die langweilige Streckenführung im ungeliebten Norden beschwert hatten. Dort, nach dem dreißigsten Kilometer, sei publikumstechnisch kaum noch etwas los, hieß es, außerdem sei die Strecke hier besonders windanfällig. Die Entscheidung, den Rodenkirchener Anteil zu erhöhen, fiel den Organisatoren nicht schwer. Wie Renndirektor Markus Frisch sagte, habe die Bevölkerung in Rodenkirchen den Lauf damals sehr gut angenommen, als die Strecke schon einmal durch den Stadtteil führte. Das war zuletzt 2012 der Fall. Die übrige Streckenführung, und auch die des Halbmarathons, blieben heuer unangetastet.

Expo zurück in der Innenstadt

Eine weitere Neuerung betrifft - wie oben erwähnt - die sportliche Ausrichtung, die sich schon im letzten Jahr andeutete. Von der Verpflichtung afrikanischer oder osteuropäischer Eliteläufer habe man heuer erstmals vollkommen abgesehen und will dies auch in Zukunft tun. Einerseits seien die finanziellen Möglichkeiten nicht da, um mit Hamburg, Berlin oder Frankfurt mithalten zu können, heißt es, andererseits, so Frisch, seien "die Versuche, mit schmalem Budget annähernd vergleichbaren Spitzensport anzubieten, mit finanziellen Risiken verbunden, die im Ergebnis in einem schlechten Verhältnis zwischen sportlicher Leistung und medialer Wahrnehmung" stünden. So macht der Köln Marathon aus der Not eine Tugend, legt den sportlichen Fokus auf deutsche Nachwuchs- und Debütläufer und wird eine Art "Ausbildungsmarathon".

 

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Diese Ausrichtung ist in der Szene nicht neu. Dauerhaft vorgemacht hat dies - zumindest was die Nichtverpflichtung ausländischer Spitzenläufer anbelangt - der München Marathon. Auch Düsseldorf hatte sich aus finanziellen Gründen zeitweise vom internationalen Spitzensport verabschiedet, kehrte aber nach nur zwei Jahren Abstinenz zu alten Strukturen zurück.

Bei km 17 und 20 haben die Marathonis, bei km 6 und 9 die Halbmarathonis einen Tunnel zweimal zu unterlaufen. Die einzigen nennenswerten Steigungen im Wettbewerb

Nachdem die Expo mit Startnummernausgabe 2016 zur Wassermannhalle umgezogen war, kehrte sie jetzt wieder in die Laxnessarena (früher Kölnarena) zurück. Das dürfte die Teilnehmer (und Aussteller) sehr gefreut haben. Denn die beengte Wassermannhalle liegt in einem Gewerbegebiet am äußersten westlichen Stadtrand von Köln zwischen Müngersdorf und Vogelsang und ist nur sehr umständlich zu erreichen. Die Laxnessarena hingegen liegt zentral in unmittelbarer Nähe zum Start und bietet viel Platz und ein komfortables Ambiente.

Erfolgreiche Einführung des Minimarathons

Und noch eine wichtige Änderung gab es, und zwar im Nachwuchsbereich. Komplett gestrichen wurde der Staffelmarathon für Schulen, bei dem je sechs Läufer und ein Ersatzläufer am Start waren. Die Gründe dafür waren der stetige Rückgang der Beteiligung in den letzten Jahren (2016 waren nur noch achtzig Schulen dabei), die umständliche An- und Abfahrtsituation zu den Wechselzonen und der große Zeitaufwand für die Lehrer.

 
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Um den Schülern aber dennoch das Erlebnis des Marathons ermöglichen zu können, führte man einen Individualwettbewerb für diese Altersgruppe (ab Klasse fünf aufwärts) ein, ein Minimarathon über 4,2 km auf der Originalstrecke. Außerdem besteht für ältere und ausreichend trainierte Schüler weiterhin die Möglichkeit, am Staffelrennen für Erwachsene teilzunehmen - nur sind die zu laufenden Streckenabschnitte länger, da ein Team nur aus vier Läufern besteht und kein Ersatzläufer gestellt werden kann.

Sprichwörtlich: Kölns Grüngürtel, der um die gesamte Innenstadt führt Dreh- und Angelpunkt des Köln Marathons ist der Ring und der Rudolfplatz, an dem alle Strecken dreimal vorbeiführen - hier auf beiden Seiten

Die Installation des Minimarathons indes stellte sich als voller Erfolg heraus. Schon zwei Wochen vor dem Termin war die Veranstaltung ausgebucht und die Obergrenze von 1000 Läufern erreicht.

Nachdem die Halbmarathonis um 8:30 Uhr und die Marathonis um 10 Uhr gestartet waren, durften die Schüler um 11:20 Uhr in Deutz auf die Strecke gehen. Nach der Rheinquerung über die Deutzer Brücke und der Umrundung des Neumarkts trafen sie bei km vierzig zu einem Zeitpunkt auf die Marathonstrecke, als die Halbmarathonis schon gefinisht, die Marathonis aber noch weit vom Ziel entfernt waren. Der Zeitpunkt war sehr günstig gewählt, denn Behinderungen konnten von vornherein ausgeschlossen und den Schülern ein Zieleinlauf vor großer Kulisse garantiert werden.

 
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Als schnellste Schüler trugen sich zwei Jungs vom AMG Viersen ein. Nick Kämpgen gewann in 12:54min vor Klassenkamerad Fabio Faulhaber in 13:44min. Auch bei den Mädchen kam die Siegerin vom AMG Viersen. Das war Anna Bommes, die in 14:38min gewann vor Mala Schulz vom Cusanusgymnasium Bergisch-Gladbach in 14:56min. Über 850 der 1000 gemeldeten Schüler erreichten das Ziel am Dom.

Der Soloritt von Hendrik Pfeiffer

Köln ist für Hendrik Pfeiffer ein gutes Pflaster. Hier siegte er bereits 2013 im Halbmarathon, damals gerade zwanzig Jahre alt. Zwei Jahre später konnte er seinen Erfolg wiederholen und in 63:42min einen neuen deutschen Rekord für Junioren laufen, der noch immer besteht. Nun also die Rückkehr an die alte Wirkungsstrecke und sein Versuch, gleich mehrere Ziele auf der Marathondistanz zu erreichen. Das oberste Ziel, so hieß es im Vorfeld aus Pfeiffers Umfeld, sei freilich die Unterbietung der EM Norm für Berlin (2:14min). Aber dabei müsse es nicht bleiben, denn er habe gut trainieren können, und die Form stimme. Sie sei sogar besser als bei seinem Marathondebüt in Düsseldorf 2016. Da war er 2:13:11h gelaufen, was er jetzt vielleicht unterbieten könne. Von einer Zeit von 2:12h oder sogar etwas darunter war die Rede. Er wolle mit 66:20min ins Rennen starten und dann mal sehen, was noch möglich sei. Seine Stärke sei das Mentale, sagte Pfeiffer wenige Tage vor dem Kölner Rennen. Wie sehr seine Selbsteinschätzung zutreffen würde, können die Zuschauer in Köln bezeugen.

Marathonsieger wird Hendrik Pfeiffer vom TV Wattenscheid Erstmals unter 2:20h: der 2. Dominik Fabianowski (ASV Köln) Rang 3 für Christian Schreiner (LAZ Puma Rhein-Sieg) Andy Thomas, schnellster US-Amerikaner mit Platz 4

Anfangs von drei persönlichen Tempomachern begleitet, ging Pfeiffer schneller an als geplant. Die Uhr zeigte 65:54min bei Halbzeit an. Bei km 25 ging der vorletzte Pacemaker aus dem Rennen, bei 28 der letzte. Von jetzt an war Pfeiffer auf sich alleine gestellt, musste das letzte Drittel solo absolvieren und mentale Stärke beweisen.

Hinterher, als die 2:12h und die persönliche Bestzeit verfehlt, der Sieg und die EM-Norm in 2:13:42h (brutto) aber geschafft waren, da äußerte sich der Läufer vom TV Wattenscheid gerührt: "Das war die größte Strapaze meines Lebens. Ich war so unfassbar erschöpft, als ich ins Ziel lief. Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber als ich die Ziellinie erreicht habe, bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich bin heilfroh, dass es geklappt hat, dass ich die EM-Norm geschafft habe. Die ist für mich wertvoller als die Olympia-Norm im letzten Jahr. Als der letzte Tempomacher rausgegangen war, da habe ich dann eine Krise bekommen, 14 Kilometer Rest-Strecke sind dann noch ein langer Weg, das hat mir den Saft abgedreht. Der zweite Marathon gilt nicht umsonst als der schwerste, weil man da was beweisen muss. Als die Pacer weg waren, fing es erstmal so richtig an zu blasen, ab Kilometer 30 bin ich nur noch auf der Felge gelaufen, meinen Tiefpunkt hatte ich bei Kilometer 36, da bin ich, glaube ich, meinem Schöpfer gegenübergetreten. Was mich dann gerettet hat, war die Stimmung an der Strecke, Überall bekannte Gesichter, auch auf den Begleit-Fahrrädern, alles war voll mit Freunden, die mich angefeuert haben. Es war die richtige Entscheidung, Köln auszusuchen, wegen der Stimmung."

Schnellster Mann von der Insel: Der Brite Jack Blaiklock wird 6. Marathonmann Flottester Niederländer: Bouke Onstenk auf Rang 8 Vertrat am besten die Tschechische Republik: Lukas Pazdera wird 12. Als schnellster Grieche gab Dimitrios Koutsoumpidis seine Visitenkarte ab (Rang 14)

Ein starkes Rennen lief auch Dominik Fabianowski vom ASV Köln. Der 28-jährige war schon mehrfach daran gescheitert, die Marke von 2:20h zu knacken. Auch in Köln war es äußerst knapp. Man sah den Lokalmatador noch bei km 41 verbissen um jede Sekunde kämpfen, schließlich hatte er es als Sololäufer auch nicht leichter als Pfeiffer. Das Ergebnis war am Ende versöhnlich. Fabianowski lief in 2:19:36h auf Rang zwei und zu neuer persönlicher Bestzeit. Auf Rang drei landete Christian Schreiner von der LAZ Puma Rhein-Sieg in 2:28:24h, knapp vor dem US-Amerikaner Andy Thomas (2:28:37h).

Rebecca Robisch vom LAC Quelle Fürth gewinnt den Köln Marathon bei ihrem Marathon Debüt Auf Rang zwei läuft die erst 20-jährige Russin Anastasiia Shishova Rang drei für Sigrid Bühler vom LAZ Puma Rhein-Sieg

Rebecca Robisch souverän

Auch wenn die ehemalige Triathletin Rebecca Robisch noch nie einen Einzelmarathon gelaufen war, wurde sie im Vorfeld als Favoritin gehandelt - zu Recht wie sich zeigen sollte. Die zierliche Läuferin vom LAC Quelle Fürth konnte sich über zwei großgewachsene Pacemaker freuen, die ihr besten Geleit- und Windschutz angedeihen ließen.

Schon bei Halbzeit (1:18:54h) war ihr Vorsprung sehr groß gewesen, und eine Zeit von unter 2:40h schien möglich. Doch wurde Robisch auf der zweiten Hälfte etwas langsamer, legte aber in 2:43:02h ein gelungenes Debüt hin. Dass es die zweitlangsamste je in Köln gelaufene Siegzeit war, schmälert keinesfalls die Leistung der 28-Jährigen. Nur Katharina Heinig war 2010 gut drei Minuten langsamer unterwegs. Auf den zweiten Rang kam mit fast zehn Minuten Rückstand die Russin Anastasiia Shishova. Die 20-Jährige brauchte für ihr sehr ausgeglichen gestaltetes Rennen 2:52:26h. Dritte wurde mit persönlicher Bestzeit Sigrid Bühler vom LAZ Puma Rhein-Sieg. Sie benötigte 2:56:41h.

 

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Nora Schmitz vom Postsportverein Trier wird bei ihrem Debüt 4. Marathonfrau Nach dem dritten Platz im letzten Jahr nun Rang 5 für Claudia Maria Henneken vom DauerLaufVerein e.V. Als 6. beste Schweizerin: Andrea Dürrenberger

Mit vier Männern unter 2:30h und vier Frauen unter 3h war die Marathonspitze nicht mehr so breit aufgestellt wie sonst in Köln, aber das war ja konzeptionell so gewollt mit der Ausrichtung auf deutsche Läufer. Insgesamt hörte man sehr viel Positives darüber, sowohl unter den Läufern wie unter den Zuschauern. Man freute sich, dass deutsche Läufer vorneweg liefen und nicht erst zehn Minuten hinter afrikanischen Eliteläufer. Mit gut 4600 Finishern hatte man etwa vierhundert Läufer weniger im Ziel als im Jubiläumsjahr 2016. Damit könnte der gerade erst zurückeroberte vierte Platz im nationalen Ranking möglicherweise wieder an München verlorengehen. Sehr erfreut dürften die Organisatoren über die Frauenquote gewesen sein, die mit knapp 22 Prozent überdurchschnittlich hoch war.

Während der Sieger gegenüber schon dem Ziel entgegenstrebt, lassen es die Pacemaker für 5:30h auf der anderen Seite gemütlich angehen Schlussphase im Marathon

Begeisterung pur

Herausragend war einmal mehr das Publikumsinteresse und die Begeisterung der feierfreudigen Kölner - insbesondere spürbar am Ring, am Dom und am Rudolfplatz. Schätzungen zufolge könnten eine halbe Million Zuschauer an die Strecke gestanden haben. Mit dafür verantwortlich dürfte das wunderschöne Oktoberwetter gewesen sein, womit sich der Monat seinen goldenen Beinamen wahrlich verdient hatte. Strahlend blauer Himmel, viel Sonne und etwas Wind sorgten für ideale Bedingungen. Anfangs, beim HM-Start noch etwas kühl (10 Grad), wärmte sich die Luft später auf (18 Grad). So viel Glück wie die Erwachsenen hatte die Kids am Vortag nicht. Denn an ihrem großen Tag, wo Rennen über 500m, 1000m und 2000m auf dem Programm stehen, goss es wie aus Kübeln, was zwar die Beteiligung etwas, nicht aber die Begeisterung einbrechen ließ.

Der Versuch einer Sonderstaffel (42x1km), noch vor dem ersten Mann im Ziel zu sein, klappte nicht ganz Schlussläufer der siegreichen Marathonstaffel (4 Läufer): Saucony Runyourworld Team, das 2:19h brauchte Schlussläufer der drittplatzierten Staffel war der Weltrekordhalter im Marathon der blinden Läufer: Henry Wanyoike (rechts)

Mit den Marathonis gingen um zehn Uhr auch die Marathonstaffeln an den Start, bestückt meist mit vier Läufern. 736 Staffeln, darunter fünfzig Schulstaffeln, mit zusammen knapp 3000 Läufern stellten sich der Herausforderung. Das schnellste Team stellte das Saucony Runyourworld Team, das in 2:19:30h siegte vor dem "HotSchott"-Quartett (2:28:44h) und dem R(h)ein Inklusiv 13-Team (2:31.27h). Bei dieser Staffel fungierte der blinde Langstreckler Henry Wanyoike als Schlussläufer, der weltweit schnellste Marathonläufer ohne Augenlicht. Unter den Schulstaffeln waren die Neon-Runners Alzey in einer Zeit von 3:00:27h die schnellsten.

HM: Mocki vor Hotti

Nach ihrem Vorjahressieg beim Kölner Halbmarathon in 1:15:11h hatte sich Laura Hottenrott rar gemacht in der Laufszene. Zum Jahresende hatte sie zwar noch den prestigeträchtigen Silvesterlauf von Werl nach Soest gewonnen, dann war es aber recht still um sie geworden. Dass sie ihren Titel in Köln verteidigen wollte, stand jedoch schon lange fest. Es sollte nach ihrem Debüt 2016 erst ihr zweiter Halbmarathon werden. Mit ihrer Hauptkonkurrentin Sabrina Mockenhaupt hat sie drei Dinge gemeinsam. Diese gewann früher gleichfalls den Kölner Halbmarathon, allerdings schon vier Mal. Je zwei Mal gewannen beide den Silvesterlauf von Werl nach Soest. Und wie Mockenhaupt früher ist Hottenrott heute Marathonbotschafterin von Köln. Als Favoritin musste Mockenhaupt gelten, die sich nach längerer Verletzungspause zuletzt sehr stark zeigte, etwa bei ihrem 45. Titel als Deutsche Meisterin in Bad Liebenzell über 10km.

Halbmarathonis am Neumarkt Die Zielgeraden für die Halben

Das Duo passierte bei Kilometer drei gemeinsam in einem großen Pulk den Rudolfplatz. Die 10-km-Marke wurde gleichfalls zusammen durchlaufen. Da spuckte die Uhr 33:59min für "Mocki" und 34:02h für "Hotti" aus. Auf der zweiten Hälfte spielte Mockenhaupt, die für die LG Sieg antrat, obwohl sie für den Hamburger Marathonverein startberechtigt ist, ihre große Erfahrung aus, weshalb Hottenrott zurückfiel und bis ins Ziel siebzig Sekunden verlieren sollte. Mockenhaupt, die den noch gültigen Kölner Streckenrekord vor neun Jahren auf 68:51min geschraubt hatte, siegte klar in 72:05min. Hottenrott (GSV Eintracht Baunatal) lieferte dahinter ein prächtiges Rennen ab und konnte ihre persönliche Bestzeit um zwei Minuten auf 73:15min schrauben. Dritte wurde - ebenfalls mit neuer Bestzeit - Lisa Heimann (LAZ Puma Rhein-Sieg) in 75:09min.

Nach der Siegerehrung fungierte Mockenhaupt - wie schon im letzten Jahr - als Kommentatorin für die Liveübertragung des Marathons und war emotional sehr aufgewühlt, als sich Hendrik Pfeiffer auf den letzten Kilometern befand. "Ich habe mich mit ihm vorher noch unterhalten", sagte sie, "und jetzt habe ich regelrecht eine Gänsehaut. Ich bin sicher, er schafft die Norm."

Das Halbmarathontreppchen mit v. l.: Florian Röser vom TV Konstanz (3.), Sieger Tobias Blum vom LC Rehlingen und Serkan Kaya (2.) aus der Türkei Das Treppchen der Frauen mit v. l.: Lisa Heimann vom LAZ Puma Rhein-Sieg (3.), Siegerin Sabrina Mockenhaupt von der LG Sieg und Laura Hottenrott vom GSV Eintracht Baunatal
(2 Fotos: copyright Köln Marathon / Norbert Wilhelmi)

Sieg für Tobias Blum

Schaut man sich die Siegerliste im Halbmarathon der Männer an, dann findet sich unter den ersten sechzehn Läufern nur einer, der nicht ein GER als Länderkürzel hinter seinem Namen stehen hat und nicht der M20-Klasse angehört, es ist der Türke Serkan Kaya (M30, Verein Köln-Istanbul). Das zeigt schon an, welch hohen Stellenwert der Kölner Halbmarathon für junge einheimische Läufer hat. Nicht wenige von ihnen, die teils kaum der Jugendklasse entwachsen sind, wollten ihren Hausrekord nach unten drücken. Darunter auch Tobias Blum, der gerne mit einer Zeit von unter 65 Minuten die Nachfolge des Vorjahressiegers Tom Gröschel angetreten wäre.

Blum zeigte sich als aktivster Läufer im Feld und leistete fast alleine die Führungsarbeit. Bei Kilometer zehn hatte er nur noch einen Widersacher im Schlepptau, nämlich jenen Serkan Kaya, der sich im Windschatten des Führenden versteckte. Beide passierten die 10-km-Zwischenzeitmatte nach gut 31 Minuten, während die Verfolger schon über zwanzig Sekunden zurücklagen. Daran änderte sich zunächst nichts bis Kaya 800 Meter vor dem Ziel eine Attacke fuhr, die Blum aber mit letzter Kraft kontern konnte. Blum siegte verdientermaßen in neuer Bestzeit von 65:42min, die angestrebte Zeit von unter 65 Minuten verfehlte er aber deutlich. Kaya wurde zweiter in 65:54min. Knapp ging es dahinter zu, wo Florian Röser (TV Konstanz) in 66:26min Marcin Blazinski (LG Farbtex Nordschwarzwald) in 66:31min auf den vierten Platz verweisen konnte.

Die bestangezogene Staffel war ohne Zweifel "Performancesuit by Carl Gross", die den 5. Platz belegte Einen km vor dem Ziel hängt nicht der Teufelslappen, sondern verschluckt ein zähnefletschendes Monster die Läufer ... ... spuckt sie dann aber rechtzeitig für den Zieleinlauf mit dem Dom im Rücken wieder aus
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Insgesamt kamen über 11.600 Läuferinnen und Läufer (von über 15.000 Anmeldungen) beim Halbmarathon ins Ziel, das sind nur ein paar Dutzend weniger als im Rekordjahr 2016. Damit bleibt der Kölner HM der zweitgrößte der Republik, gleich hinter Branchenprimus Berlin. Spitze ist der Kölner Lauf, was seine Frauenquote anbelangt. Sie lag wieder bei über vierzig Prozent (4677 Läuferinnen). Warum aber bei schönstem Wetter über 3500 Halbmarathonis zuhause blieben, ist kaum erklärlich.

Mit Ausnahme des Marathons waren alle Wettbewerbe schon vorher ausgebucht. Knapp 26.000 Anmeldungen lagen vor, davon kamen recht genau 20.000 Läufer ins Ziel (Kinderläufe nicht eingerechnet). Etwas irritierend sind bei den Hauptläufen die Differenzen zwischen Brutto- und Nettozeit bei den Spitzenläufern, die regelmäßig bei drei oder vier Sekunden liegen. Gerechnet im Marathontempo von Hendrik Pfeiffer sind das immerhin etwa zehn Meter, die er beim Start verloren (oder gewonnen) haben soll, je wie man es wertet. Das Ranking richtet sich bekanntlich nach der Bruttozeit, die persönliche Bestzeit meist nach der Nettozeit.

Köln hat ein großes Läuferfest gesehen mit einer halben Million Zuschauern und 20.000 Finishern. Für eine hervorragende Abwicklung sorgten zweitausend Volontäre und viele weitere ehrenamtliche Helfer.

Tod eines Läufers überschattet die Veranstaltung
Eine betrübliche Nachricht ereilte den Veranstalter am späten Sonntagnachmittag. Ein Halbmarathonläufer war bei km elf kollabiert und zusammengebrochen. Die Einsatzkräfte leiteten sofort Rettungsmaßnahmen und die Verbringung in ein Krankenhaus ein, wo der Mann leider verstarb. Die Organisatoren äußerten betroffen: "Wir bedauern den tragischen Tod des Läufers sehr. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden". Nähere Angaben zur Person wurden aus Gründen ärztlicher Schweigepflicht nicht gemacht.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse koeln-marathon.de

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