14./15.10.17 - 14. Bottwartal Marathon

Goldener Oktoberstrauß im Bottwartal

von Wilfried Raatz

Gerhard Petermann ist ein Glückspilz. Die Prognose auf ein Goldenes Oktober-Wochenende bescherte dem Bottwartal-Marathon einen regelrechten Läuferboom. 5186 Läufer haben sich für die 14. Auflage des Bottwartal-Marathons angemeldet, 4859 erreichten das Ziel.

Summa summarum, also alle Läufe im bunten Wettbewerbsangebot zusammengerechnet. "Wir haben Steigerungen über alle Wettbewerbe hinweg", umreißt der Marathonchef noch während der Zieleinläufe freudestrahlend mit Stolz. "Den größten Zuwachs haben die 10 km gebracht. Was mich besonders beeindruckt, dass ist eine 20prozentige Zunahme über die Marathondistanz!"

 

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Steinheim zeigt Marathon-Begeisterung (vor dem historischen Rathaus von 1580) Landschaftlich schöne Streckenabschnitte wie hier Fachwerkhäuser im Ortskern von Steinheim begleiten die Teilnehemr des Bottwartal Marathons Am Urmensch Ultra über 50km erfreuten sich einmal mehr Teilnehmer aus früherer Zeit
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Im Zielbereich am Steinheimer Steppi-Kreisel, dem neuen Start-Ziel-Areal seit drei Jahren, geht es dabei zu wie im Taubenschlag. Läufer gehen und kommen, der Zeitplan ist eng getaktet. Für die Moderatoren kein leichtes Unterfangen, schließlich sollen alle Finisher in irgendeiner Weise zur Geltung kommen dürfen. Zumal ein roter Teppich für alle Finisher ausgerollt ist. Für das diesjährige Promi-Laufass Arne Gabius ebenso wie für den Marathonsieger Efrem Tadese aus Eritrea oder für den Baden-Württembergischen Innenminister Thomas Strobl wie auch für Erna Hemberger oder Jan Niklas Rotzek.

"Großes Kino" nennt Gerhard Petermann die zahlreichen Starts, Durchläufe nach der 1 km langen Aufgalopprunde oder dem permanenten Zieleinlauf. Dabei haben die fleißigen Macher des Bottwartal-Marathon noch kurzfristig eine einschneidende Korrektur im Ablauf vorgenommen, der mit 849 Meldungen stark besetzte 10 km-Lauf, pardon: 10 km TherapieRehaSiegele-Herbstlauf in der offiziellen Schreibweise, wurde auf die halbe Startbreite reduziert, damit die Schnellsten der Zunft nicht in die eher langsam startenden Hobbyläufer nach knappe drei Minuten schon hineinlaufen würden.

 

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So sehen Neuzeit-Urmensch-Ultrasportler aus - der MZ Urmensch Ultra 50km startet in einer frühen Zeitrechnung, um 8.30 Uhr

In vielen Dingen Fingerspitzengefühl, das praktizieren die Petermänner im Bottwartal - nicht zuletzt auch deshalb (zum dritten Mal in Folge) zum beliebtesten Marathonlauf Baden-Württembergs 2016 ausgezeichnet. Dass sich daran auch 2017 kaum etwas ändern dürfte, das ist zunächst reine Spekulation. Am 15. Oktober jedenfalls war es das Highlight im Ländle… Aber letztlich haben in der finalen Bewertung die User des umfragenden Online-Webportals das letzte Wort.

 
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Angesichts der zu erwartenden Temperaturen über 20° wurden übrigens kurzfristig noch die Getränkestationen nach 30 km im 2 km-Abstand installiert. "Ich hoffe, wir haben damit unserer Fürsorgepflicht den Läufern gegenüber genügt", so Gerhard Petermann. Diese Maßnahme gab es natürlich auch für die Halbmarathonläufer, die den Rückweg der Marathonläufer als Strecke ebenso nutzten.

Gegen den Trend: Erfreulicher Zuspruch auf der Marathondistanz - ab 9.30 ist auch das Marathonfeld unterwegs

Ultraläufer sind Frühaufsteher. Zuletzt praktiziert in Steinheim. Bereits um 8.30 Uhr standen die Urmensch-Ultras an der Startlinie für die ausgeschriebenen 52 Kilometer mit ordentlichen 1078 Höhenmetern. Als die "verrückte Version" des Bottwartal-Marathons haben die Texter des informativen Marathonblattes der Marbacher Zeitung getitelt. Verrückt jedoch waren nur wenige, die etwas "maskiert" auf die Strecke gingen. Wie Helga mit Knochen im Haar und einer Fellimitation um die Hüften geschwungen.

 

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Nach 1 km formierte Marathonspitze mit (von links) Luel Gebrengus, einem ZinQ-Staffelläufer, Efrem Tadese Marathonfrau Diane Fügel mit männlichem Begleitschutz Ein Lauf und doppelte Lauffreude - mit dem Marathon starteten auch die Staffel- und Teamläufer

Für diese Maskerade hatte freilich Ultra-Urgestein Michael Sommer keine Zeit, denn der Schwaikheimer blieb mit 3:52:49 als Einziger der Urmenschen unter der 4-Stunden-Marke - und freute sich unbändig über seinen nicht unbedingt erwarteten Sieg, den vierten übrigens Disziplin übergreifend im Bottwartal. "Das ist schließlich mein Heimrennen!" freute sich der M50-Läufer, der gefühlte Jahrzehnte lang die deutsche Ultraszene dominiert hatte. Noch am Vortag hatte der Gemeinderat seines Wohnortes Oberstenfeld 60 Kids beim Nachwuchs-Programm betreut.

"Beim Aufstieg zur Burg Lichtenberg habe ich die Konkurrenz verloren, dann habe ich keinen Läufer mehr gesehen", schilderte der 53jährige x-fache deutsche Ultralaufmeister den Rennverlauf. Auch selbst für einen erfahrenen Läufer wie Michael Sommer ging es jedoch auf dem abwechslungsreichen Terrain nicht glatt. "In Gronau bekam ich plötzlich leichte Achillessehnenschmerzen, zum Glück konnte ich auf den Teerstraßen dann meinen Ultraschritt ziehen…". Die in einer Wochen in Schwäbisch Gmünd anstehenden 50 km-Ultrameisterschaften sind für den Ultra-Routinier "keine Option", wie er sich ausdrückte.

 

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Staffel-, Team- und Marathonläufer auf der Murr-Brücke Auf 3:30er Kurs (vorne Johann und Alise) am Steinheimer Rathaus

Über acht Minuten musste Michael Sommer im Ziel übrigens warten, bis mit Karl Magnus Westphal der erste Verfolger über die Ziellinie lief. Bei den Frauen lief Anja Westphal nach 4:48:43 als deutliche Siegerin über die Ziellinie, die favorisierte Bea Bauer vom Halbmarathon-Sponsor JOL Sport kam acht Minuten dahinter als Zweite ins Ziel.

Als Schnellster von der großen Marathonschleife kehrte Efrem Tadese nach 2:40.46 Stunden zurück. Der 27jährige Eritreer im Trikot des SSV Ulm ist im Südwesten seit kurzem kein umbeschriebenes Blatt mehr, denn unter den Fittichen von Trainer Wieland Pokorny hatte er vor wenigen Wochen den Halbmarathon-Wettbewerb beim Einstein-Marathon in Ulm in 1:11 gewonnen. Und dies trotz heftig blutiger Zehen-Verletzung. "Mein Fuß ist ok", gestand der in Neu-Ulm lebende Asylbewerber, der erst seit zwei Jahren mit regelmäßigem Laufen begonnen hat.

 

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Dafür haderte er mit dem Führungsfahrzeug, dass einige hundert Meter eine andere Strecke fahren muss und dort nicht die Laufstrecke befahren kann - ohne dass dies rennentscheidend war. Denn zu diesem Zeitpunkt lagen mit ihm, Jonathan Loew und Luel Grebrengus noch drei Läufer gemeinsam an der Spitze.

Am Marktplatz in Steinheim Am Streckenrand: Vorfreude auf das Frühstück oder auf die Läufer? Im Marathonfeld holt die schnelle Dreiviertel-Marathonläufer-Spitze mit Volker Bender (600) und Martin Schumann (601) auf. Diese sind eine 3/4 Stunde nach den Ganzen gestartet

Nur knapp das Nachsehen hatte Jonathan Loew, der in der Schlussphase mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte, aber in 2:41:06 Stunden dennoch eine klare Bestzeit erreichen konnte. "Nach 35 km ist mir der Eritreer etwas weggelaufen. Ich bin trotzdem sehr zufrieden", freute sich Jonathan, der auch seine Marathon-Premiere vor zwei Jahren im Bottwartal absolvierte. Für den drittplatzierten Luel Gebrengus wurden 2:43:01 gestoppt. Auf der landschaftlich reizvollen Strecke liefen acht Läufer unter die 3-Stunden-Marke.

Recht lange dauerte es, bis die schlagfertige Moderation am Steppi-Kreisel mit Diane Fuegel die erste Frau im Ziel begrüßen konnte. Die Ludwigshafener W40-Läuferin benötigte 3:17:33 Stunden und hatte zudem noch zehn Minuten Vorsprung auf die zweit- und drittplatzierten Alin Kollmann (3:27:00) und Jasmin Klotz (3:27:20).

In Kleinbottwar Christine Sigg-Sohn führt beim Dreiviertel-Marathon vor Katrin Vogler

Schlag auf Schlag ging es beim Zieleinlauf zu. Hier die Dreiviertel-Marathonläufer mit einem engen Einlauf und dem Sieg für Volker Bender (2:09:04) vor Steffen Holzer (2:10:28) und Tim Flad (2:10:54) wie auch bei den Frauen durch Christine Sigg-Sohn (2:17:30) vor Bettina Englisch (2:17:46) und Katrin Vogler (2:20:36). Für die meisten der ambitionierten Finisher war diese ungewöhnliche Distanz eher ein letzter Prüfstein für den anstehenden Herbst-Marathon, den Volker beispielsweise zum SwissCityMarathon nach Luzern führen wird ("Der Bottwartal-Marathon ist Wahnsinn, die Begeisterung ist großartig. Bisher bin ich nur die 10 km und den Halbmarathon gelaufen…"). Christine hingegen machte sich selbst ein tolles Geburtstagsgeschenk, denn vor fünf Tagen wurde die Dreiviertel-Siegerin fünfzig Jahre alt. Ihr Blick ist hingegen nach Frankfurt gerichtet: "Vielleicht kann ich unter meinem Rekord von 3:07 laufen, mein Traum wäre allerdings eine Zeit an die drei Stunden heran!"

14. Bottwartal Marathon in herrlicher Herbstlandschaft Nach einem Drittel der Strecke hat sich die 3:30er Zielgruppe merklich gelichtet

Apropos Frankfurt. Das ist gewiss auch das erklärte (Saison-)Ziel für Arne Gabius. Nach seinen letzten Trainingsresultaten scheint sogar die Verbesserung seines eigenen deutschen Rekords möglich zu sein. Diese Zuversicht jedenfalls verbreiteten sowohl Arne Gabius als auch dessen Berater Jürgen Siegele, der ihn letztlich auch ins TherapieReha-Team ins Bottwartal geholt hatte. Nach dem Start von Sabrina Mockenhaupt vor zwei Jahren konnte der beim DLV übrigens als Physiotherapeut eingesetzte Jürgen Siegele mit Arne Gabius nun einen weiteren Klasseläufer ins Bottwartal holen. "Ich glaube, nur ein Kilometer war über drei Minuten", freute sich Arne Gabius, der mit seiner Siegerzeit von 29:27 Minuten die bisherige Streckenbestmarke auf der keineswegs einfach zu laufenden Strecke um vier Minuten regelrecht zertrümmerte. "Die letzten zehn Tage waren im Training sehr hart, wichtig ist dabei, auch einmal in die rote Zone hineinzukommen!"

Arne Gabius im entspannten Vorstart-Interview mit Achim Seiter Start zum 10 km-Lauf mit den Favoriten in der Mitte (Lukas Eisele/ Sonnenbrille und weißes Trikot) und Arne Gabius/ Sonnenbrille und schwarzes Trikot)

Aber insgesamt, so die Zustandsanalyse des Stuttgarters, sei die Vorbereitung deutlich besser als vor zwei Jahren. "Der Zehner sagt natürlich wenig über ein zu erwartendes Marathonergebnis. Für mich ist es in dieser Phase wichtig, Qualität und Quantität in Einklang zu bringen". Für Arne Gabius war es freilich auch ein Herzensbedürfnis, einmal in der Region zu starten. "Der Termin hat in die Vorbereitung bestens gepasst. Der Berliner 10 km-Lauf wäre eine Woche zu früh gekommen. Somit konnte ich noch in Ruhe zuhause frühstücken und bin dann um 9.30 Uhr erst losgefahren!" Um dann um 11.00 Uhr in Steinheim an der Startlinie zu stehen.

BaWü-Innenminister Thomas Strobl grüßt in die Menge Johanna Weber ist die schnellste 10 km-Läuferin

Wie übrigens auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl, der den Zehner mit einem Lächeln im Gesicht in respektablen 1:04:59 auf Rang 600 (kein Fake!) absolvierte. Gut dreißig Minuten schneller waren übrigens Arne Gabius' Verfolger mit Lukas Eisele (31:28) und Aimen Haboubi (33:27). Ihr Glück hingegen konnte die Frauenerste Johanna Weber kaum fassen, die erst seit Juni nach Trainingsplan läuft und zuvor eher als Fußballspielerin in der Bezirksliga-Mannschaft des TSV Warthausen unterwegs war. Ihr Laufdebüt hatte sie übrigens vor vier Wochen beim Einstein-Marathon über 5 km in 20:56 Minuten gegeben.

Standesgemäß: Arne Gabius sorgt für einen neuen Streckenrekord Und der (Marathon)-Sieger heißt: …. Efrem Tadese Jonathan Loew wird bei seinem zweiten Marathonstart Zweiter So sehen Sieger aus: Dreiviertel-Mann Volker Bender wird von Marathonchef Gerhard Petermann im Ziel beglückwünscht

Bliebe noch ein Blick auf den Halbmarathon, der mit 1926 Meldungen den größten Ansturm (und damit auch die größte logistische Leistung des Veranstalters provozierte, denn dieser Start wurde in Gronau durchgeführt) zu verzeichnen hatte. Mit Jannik Ernst und Isabel Leibfried es prominente Gewinner, die in der deutschen Laufszene einen guten Namen haben. Jannik hatte sich als U23-Halbmarathon-Vizemeister 2012 zum US-Studium aus dem heimatlichen Blickfeld weitgehend verabschiedet - und war erst im Vorjahr als DM-Marathondritter in Frankfurt wieder "greifbar" geworden. Mit 1:09:26 war er deutlich langsamer als zwei Wochen zuvor in Köln (1:07:54), zeigte sich aber zu diesem Thema recht entspannt: "Ich wollte verhalten hineinrollen und das ist mir gelungen. Letztlich ist die Zeit auch egal. Jetzt freue ich mich auf Frankfurt…".

Marathonchef Gerhard Petermann beglückwünscht Michael Sommer, den Sieger der Ultradistanz Eine Rose für die Halbmarathonsiegerin: Isabel Leibfried Jannik Ernst gewinnt die Halbmarathondistanz

Aber der SG Stern-Konzernmeister wird nach Frankfurt nur als Staffelläufer zurückkehren, letztlich hatte er erst nach einer Hüftoperation zu Jahresbeginn die Saison verspätet begonnen. Der für den TV Waldstraße startende Langstreckler lebt inzwischen in Stuttgart, ist als IT-Fachmann im Konzern tätig und absolviert zudem noch ein Zweitstudium im Bereich Wirtschaftsinformatik. "Ein nettes Programm" nennt Jannik Ernst seine Dreigleisigkeit, schließlich erfordert auch der Leistungssport ein Zeitfenster.

Moderator Achim Seiter heizte Läufer und Publikum prächtig ein ... da wurde sogar über den eigenen Schatten bis ins Ziel gesprungen Sie haben gut lachen: Arne Gabius und Lukas Eisele, die beiden schnellsten Läufer beim 14. Bottwartal Marathon
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Auch Isabel Leibfried blickt nach Frankfurt. Mit 1:20:03 ("laut meinem Trainingsplan sollte es ein Test im Marathontempo sein!") Stunden war sie natürlich der Konkurrenz wie auch Jannik Ernst deutlich überlegen. Alexandra Olpp belegte acht Minute zurück Rang zwei, die Ultraläuferin Branka Hajek wurde im Vorfeld von Schwäbisch Gmünd in 1:31:37 Vierte.
Bereits am Samstag waren über 1000 Jugendliche und Kids in den Nachwuchsläufen mit Feuereifer am Start - und durften einen genialen Auftakt zum 14. Bottwartal-Marathon geben. Die Einnahmen beim Run & Fun Day werden dem Verein "Haiti wir helfen" zur Verfügung gestellt, die sich für die Erneuerung der baufälligen Schulgebäude in einem der ärmsten Länder der Welt einsetzen.

Bericht und Fotos von Wilfried Raatz

Ergebnisse www.bottwartal-marathon.de

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