Der Volksbank Münster Marathon im LaufReport wird Ihnen präsentiert von

8.9.19 - 18. Volksbank-Münster-Marathon

Knappe Entscheidungen und beste Stimmung

Monster Marathon im nordischen Rom

von Constanze & Walter Wagner

Viel Ruhm und viel Ehr´ für den "MüMa" - aber der 18. war auch verdammt gut. Bei hervorragenden äußeren Bedingungen präsentierten sich die Spitzenkräfte eindrucksvoll. Dass sich die 18. Austragung nicht mit Streckenrekorden in der Chronik hervorhebt, ist da leicht zu verschmerzen. Am bewährten Konzept wurde festgehalten. Warum auch nicht, wenn alles passt. Mit großer Leichtigkeit präsentiert wird ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm, das dazu dient, die Aufgabe Marathon zu erleichtern. Einerseits werden die Läufer*innen direkt aufgemuntert, andererseits erzeugt das sportliche Gesamtkunstwerk ein verlässlich großes Publikumsinteresse, das nicht mit Applaus und Aufmunterung spart.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info TCS Amsterdam Marathon HIER

Mal Blue Birds wie letztes Jahr - mal Fenix Birds, die die Unsterblichkeit symbolisieren - wie dieses Jahr - das Close Act Theater macht aus dem Volksbank Münster Marathon Jahr für Jahr eine monstermäßige Veranstaltung Auch das Stelzentanztheater Leonard stellt schon seit Jahren immer wieder fantastische Wesen beim Münster Marathon auf hohe Beine. Dieses Jahr steckte Olaf Leonhard im Körper eines roten Drachen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Grandios ist der Zieleinlauf auf dem Prinzipalmarkt, wo James Kiptum Barmasai ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Er siegte in 2:11:40 h vor Edwin Kirwa in 2:12:58 h und Mark Kangogo in 2:14:38 h, ein rein kenianisches Podium. Zum Jubeln reichte es Chaltu Negasa bei ihrem Sieg in 2:30:59 h nicht, denn ihre äthiopische Landsfrau Chaltu Chawo war nur wenige Sekunden zurück, wurde Zweite in 2:31:09 h. Für Kenia blieb noch ein Treppchenplatz, den holte sich Cynthia Chepchirchir Kosgei nach 2:32:50 h.

 
Banner anklicken - informieren
LR -Info ING Night Marathon Luxembourg HIER

James Kiptum Barmasai gewinnt den 18. Volksbank Münster Marathon Edwin Kirwa folgt als Zweiter

Besonders spannend machte es Raoul Jankowski, doch um Elias Sansar vom Sockel des besten Deutschen zu stoßen reichte es noch nicht. Sechs Sekunden betrug nach 2:24:13 h Elias Vorsprung auf Raoul.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum innogy Marathon „Baldeneysee" in Essen HIER

Bei den Frauen jubelte Münster mit Lokalmatadorin Miriam Zirk, in 2:44:33 h schnellste Deutsche und zudem in den Farben der Laufsportfreunde Münster.

Chaltu Negasa siegt bei den Frauen Chaltu Chawo folgt als Zweite ins Ziel

Die über 300.000 Einwohner der Stadt Münster wohnen auf vergleichsweise großer Fläche, die Peripherie ist landwirtschaftlich geprägt. Rund 60.000 Studierende verwässern das vorherrschend Bürgerliche, wenngleich die Erstgenannten an der Kandare des Lehrplans viel an Lässigkeit und Extravaganz verloren haben, während sich die Konservativen mitunter beinahe Ausrutscher erlauben. Dass Münster besonders lebenswert ist, das steht außer Frage.

Nicht mehr alles bewegt sich auf dem Leeze, wie das Fahrrad in Masematte bezeichnet wird, einem im Münsterland noch aufblitzenden Soziodialekt. Rasch gewinnt in der Fahrradstadt nun der moderne Elektro-Tretroller an Terrain, findet mit einem vorbildlichen Wegenetz für Zweiräder beste Voraussetzungen und eröffnet auch dort noch das bequeme Vorankommen, wo man vom Leeze absteigt. Weitere Vorteile bringt er beim Abstellen, denn Parkflächen sind auch für Fahrräder in der Innenstadt rar, während Leih-E-Roller doch recht sorgenfrei abgestellt werden.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info Marathon Eindhoven HIER

Per pedes durch die Fahrrad- und Kirchenstadt Münster (auch nordisches Rom genannt) - links die Liebfrauen-Überwasser Kirche, rechts der St.-Paulus-Dom

Der Marathon teilte sich das Wochenende mit dem "Schauraum". Münsters Altstadt stand ganz im Zeichen von Kunst, Kultur und Stadterleben. Die Nacht der Museen und Galerien, ein Höhepunkt am Samstagabend, war allerdings für Läufer*innen schlecht terminiert. Denn eh man sich versah, war man viel zu lange auf den Beinen.

Ob auf dem Platz des Westfälischen Friedens, wo bei der dreitägigen Veranstaltung am Abend Lichtkünstler mit wechselnden Formen und Farben überraschten, ob am Erbdrostenhof, wo Künstler des Theaters Münster vom Balkon des Barock-Ensembles weltberühmte Arien in die Nacht schmetterten. Es lohnte sich an einem der über 40 Ausstellungsorten zu verweilen, etwa im Stadtmuseum, wo man mehr von der Stadtgeschichte seit 793 erfuhr oder unzählige Geschichten aus schon lange angegrauter Moderne.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Johannesbad Thermen-Marathon Bad Füssing

Jimmy Hendrix spielte auf seiner letzten Tournee für sieben Mark und nicht ausverkauften Rängen in Münster, die Rolling Stones traten 1965 noch gänzlich ohne Bühnenbild vor die Münsteraner Fans. Leider ist das Stadtmuseum über mehrere Etagen verteilt und somit auch keine ideale Marathonvorbereitung.

Ein Blick Richtung Ziel erhascht man bei km 2. Dort auf dem Prinzipalmark steht die St. Lamberti Kirche mit ihren Wiedertäufer-Körben. Die Strecke führt noch weitere 8 km duch die Innenstadt bevor erneut der Prinzipalmarkt, dann auf der anderen Seite, passiert wird Bei km 9 geht es am Ehrenhof des Erbdrostenhofs vorbei, wo am Tag zuvor im Rahmen des 3tägigen Kulturfestivals "Schauraum" die Sporanistin Marielle Murphy, der Tenor Youn-Seong Shim und Pianist Boris Cepeda vom Stadttheater Münster klassische Musik darboten

Wer brav bei der Pasta-Party seine Nudelportion gelöffelt hatte, wie immer unaufdringlich begleitet von den virtuosen Klängen der Zwillinge, den kulinarischen Risiken des Stadtfestes entgangen war und ein paar Stunden Schlaf gefunden hatte, der freute sich am Sonntagmorgen auf den Start bei idealem Marathonwetter: trocken, frisch, kein Wind. Vielleicht waren einige auch überrascht, wie unaufgeregt Münster in den 18. Volksbank Münster Marathon startete.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info zum zum HAJ Hannover Marathon HIER

"Sie kommen langsam, aber gewaltig" wäre ein Vorschlag, an den immer an Slogans interessierten Organisationsleiter Michael Brinkmann. Was für das Publikum galt, überträgt sich immer mehr auch auf die Aktiven. Dies lassen freilich die eingespielten und verlässlichen Abläufe zu. Das großzügige Startareal am Schloss, dass all jenen, die sich etwas vorgenommen hatten, genügend Anlauf zur optimalen Einordnung in die zudem in Startblocks unterteilten Felder geben, wenngleich es dann bald gilt, die Altstadt zu erobern, die erst nach dem Viertelmarathon verlassen wird.

Michael Brinkmann, Frontmann des MüMa und Ritski, Sänger und Saxofonist der Band "Die Zwillinge" Arm in Arm bei der Pasta Party. Seit 18 Jahren ist die Band nun beim MüMa dabei - am Vortag sorgen Ritski, Gerd (Bass) und Matthias Bracht-Fleige (Gitarre) mit "Rockiges aus Münster" für musikalische Unterhaltung und am Renntag blasen sie den Läufern in Gievenbeck bei km 35,5 den Marsch Das Ehepaar Tanja Theunißen und Henning Schmitz vom LC Duisburg, auf der Marathonmesse aktiv für den Rhein-Ruhr-Marathon Duisburg, schnürrten sie am Renntag ihre Schuhe um den Münster Marathon auch läuferisch zu erleben. Für Tanja, die bei ihrem Heimat Marathon bereits im 4. Jahr als Schlussläuferin des Halbmarathons fungiert, ist es der erste MüMa. Für Henning nach 2003 das 2. Mal Helmar Winkler, Sicherheitsbeauftragter im Organisationsteam und verantwortlich für den Startbereich, mit Michel Descombes, dem "Motivationswunder". Seit Jahren landauf landab bei Marathons dabei, kann der Spaßpräsident auf eine Bestzeit von 2:51 h verweisen

Kurz zuvor blitzte das Ziel auf, dass die Elite planmäßig, von Pacemakern geführt, noch auf Tuchfüllung im geschlossenen Pulk passierte. Auch den Erbdrostenhof hatte man bereits passiert. Hier komme man dieses Jahr nicht vorbei, vermutete ein Anrainer mit Blick auf eine Baustelle. Diese gibt es nun einmal im Laufe einer langjährigen Marathonhistorie in jeder Stadt und auch Münster bleibt davon nicht ausgespart. Tatsächlich war selbst die Zielgerade am Prinzipalmarkt einseitig von Gebäudesanierungsmaßnahmen betroffen. Im allgemeinen Jubel der doch in üblicher Zahl angerückten Zuschauer im Zielbereich fiel es gar nicht auf, dass die Anfeuerung kurzzeitig, mono, also nur von einer Seite kam.

Brems- und Zugläufer von 2:45 bis 4:30 Stunden werden beim Volksbank Münster Marathon gestellt, das steht im Programm Aber auch 5:00- und 5:30-Stundenläufer sind willkommen mit Brems- und Zugläufer Dr. Hans-Werner Rehers (5:00 Ballon) und Gustav Küpper (5:30 Ballon)

Rekorde meldete die Organisation des MüMa bereits vor dem Start der 18. Austragung. 9.113 Läuferinnen und Läufer hatten sich angemeldet. Die kamen aus 46 Nationen, mehr als jemals davor. Zu 6.320 Staffelläufer beim Fiducia & GAD Staffelmarathon und 2.350 Marathon-Solisten gesellten sich auf den letzten 6,2 Kilometern 323 Teilnehmer am AGRAVIS-Gesundheitslauf und weitere rund 300 Kinder, die beim Stadtwerke-Kids-Marathon in den Genuss von anderthalb Kilometern mit Original-Marathon-Zieleinlauf auf dem Prinzipalmarkt kamen. Dass es dann nur 1728 Marathonläufer, davon 374 weiblich, ins Ziel schafften, mag nicht zufrieden stellen, hatte man insgeheim vielleicht gehofft, wieder über die 2000er-Marke zu klettern. Der Weg von der Anmeldung zum Start ist dabei der verlustreichste. Mit 21,6 Prozent Anteil hinkt frau in Münster hinter dem landesweiten Durchschnitt von 25 Prozent her, der allerdings stark vom beinahe paritätisch besetzten Hauptstadtmarathon angehoben ist.

Drache Olaf und Moderatorin Eva Meintrup feuerten am AWM Power Point den letzten Kilomter verbal und flügelschlagend an Julian Janßen, bekannt im Kinderkanal als "Checker Julian", begleitete den Laufnachwuchs beim Stadtwerke-Kids-Marathon

Seinen Platz in der Top-Ten der größten Marathons Deutschlands sollte Münster einmal mehr behaupten. Doch ohne die 5820 Finisher in den Staffelquartetts wäre ein Überleben kaum denkbar, scheut man sich verständlicherweise vor der Einführung kürzerer Distanzen im Wettkampfbetrieb. Doch schafft der Münster Marathon wie kein anderer in vergleichbar großen Städten den Anschluss an die marktführenden Marathonläufe der Metropolregionen. Dabei bleibt Michael Brinkmann mit seinem langjährigen Team, das sich sehr unauffällig und schonend erneuert, mit der Zielsetzung immer auf dem Teppich. 17 Jahre wartete man auf die erste Zeit unter 2:10 Stunden. Olympiaqualifikation und Dopingkontrollen sind gewährleistet, Trucks sichern neuralgische Punkte der Strecke, das Sicherheitsprotokoll wird auch in Münster immer dicker. Fast alles ist hausgemacht, keine Spekulation mit unverantwortlichen Börsen für schnellere Athleten. Der Namenssponsor Volksbank ermöglicht einiges, dass die Organisation erleichtert und zu mancher Bequemlichkeit rund um den Marathon führt. Doch ist es letzten Ende der Ansatz "von Läufern für Läufer" der den Münster Marathon ausmacht und der überzeugt.

Startfreigabe zum 18. Volksbank Münster Marathon durch (von rechts) Organisationsleiter Michael Brinkmann, Schauspielerin Nina Vorbrodt und Volksbank-Chef Thomas Jakob

Es waren weniger Kenia-Läufer am Start. Einige hätten nicht rechtzeitig ihr Visum beantragt, war die Erklärung. Ein leistungsstarkes afrikanisches Quintett sorgte für ein gutes Marathonergebnis und ließ ein paar Plätze auf der Ehrentribüne für Deutsche frei. So passte es, zumal die Leistungen einer zu wünschenden Dramaturgie nicht widersprachen. Die einheimischen Läufer peitscht ein extra ausgelobtes Preisgeld an, das schon die gewollte Qualität am Start verantwortet, wenngleich beinahe unisono die meisten Empfänger erklären, dass es ihnen nicht ums Geld ginge. Wobei immer nur das höhere Preisgeld zur Auszahlung kommt. Also käme es z.B. zu einem deutschen Gesamtsieg, sparte man sich die zusätzliche nationale Ausschüttung.

Afrikanische Spitzengruppe mit Pacemakern bei Kilometer 1 Bei den Deutschen führt Raoul Jankowski, hier hinter seinem "Tempomacher" und Trainer Philippe Gillen (1537) ... ... gefolgt von Elias Sansar, dem schnellsten Deutschen der letzten Jahre

Internationaler war das Frauenelitefeld bestückt, da gleich mehrere Läuferinnen aus Südamerika mit dem Vorhaben antraten, sich mit einer Zeit unter 2:40 Stunden über die Quotenregel für kleine Länder ihr Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio zu sichern, hinzu kam eine Türkin mit gleichem Anliegen. Erfahrene Tempomacher, Rodger Königs und Volker Goineau, wurden zum Vorhaben abgestellt, um die erforderliche Marke von 2:40 Stunden zu erzielen. Den Kampf um die ersten Plätze machten afrikanische und japanische Läuferinnen unter sich aus.

In der der 6-köpfigen Frauenspitze läuft Lokalmatador David Schönherr vom LSF Münster Volker Goineau und Roger Königs machen die Pace für die fünf Frauen aus Venezuela, Mexiko, El Salvador und der Türkei, die mit einem Lauf unter 2:40 h die Qualifikationsnorm für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 erfüllen wollen. Es folgen nicht alle dem Tempodiktat. Links die Japanerin Yumiko Kinoshita Bei den deutschen Frauen hat sich Miriam Zirk vom LSF Münster an die Spitze gesetzt. Hinter ihr die Türkin Meryem Kilinc Gündogdu, die nicht im "Olympiazug" mitgelaufen ist, dafür aber als beste dieser Truppe in 2:44:00 h auf Rang sieben laufen wird Monika Heiß (Mikki) von der LG Telis Finanz Regensburg folgt als nächste Deutsche

Zweiter des Vorjahres siegt

Bei den Männern rechnete man kaum mit einem Streckenrekord, waren die Bestleistungen der Favoriten doch im 2:11er Bereich angesiedelt. Nach 30:53 Minuten passierte die geschlossene Spitzengruppe die 10 km Marke. 1:05:12 h war die Durchgangszeit des späteren Siegers bei Halbmarathon, nachjustiert war der erste Halbmarathon wohl eher in 1:05:20 h gelaufen worden. Der Streckenrekord von Justus Kiprotich, dem es im Vorjahr gelang in 2:09:28 h erstmals die 2:10 Stunden-Barriere in Münster zu durchbrechen, war noch nicht gänzlich abzuschreiben. Allerdings war der Vorjahreszweite James Kiptum Barmasai ab Kilometer 32 alleine auf sich gestellt und er wollte in erster Linie gewinnen. Dies gelang dem 35jährigen aus der Trainingshochburg Kaptagat, in der Rift Valley Province unweit von Eldoret gelegen, in 2:11:40 h. Damit lag er eine Sekunde über seiner persönlichen Bestzeit, die er im Jahr zuvor an gleicher Stelle gelaufen war. Seine Bestzeit über Halbmarathon von 1:02:30 h war er vor fünf Jahren in Lille gelaufen, die über 10 km von 28:17 min 2012 in Oelde.

Kurz vor km 10 wird das Ziel am Prinzipalmarkt passiert. James Kiptum Barmasai führt vor Mark Kangogo Edwin Kirwa folgt kurz dahinter Die Frauenspitze besteht noch aus Rebby Cherono Koech, Chaltu Negasa und Chaltu Chawo (v.l.) Cynthia Chepchichir Kosgei und Vorjahressiegerin Sheila Jeptto Rono folgen mit geringem Abstand

Landsmann Edwin Kirwa wurde in 2:12:58 h Zweiter vor Mark Kangogo, Dritter in 2:14:38 h. Charles Wachira Maina sorgte für ein kenianisches Quartett an der Spitze, war in 2:16:02 h von einer Fußverletzung gehandicapt mit seiner Zeit aber nicht zufrieden. Im Vorjahr war er in Münster, wo er 2017 in persönlicher Bestzeit von 2:11:22 h siegte, ebenfalls Vierter geworden. Seit mehreren Wochen begleitet er das Training Süd-Koreanischer Spitzenläufer als Tempomacher, die sich in Trainingslagern, u.a. in St. Moritz, auf den Berlin Marathon vorbereiten, wo sie sich für die Olympischen Spiele qualifizieren wollen. Den fünften Rang holte sich Dereje Girma Legese aus Äthiopien in 2:17:01 h.

"Ist die echt?" - nicht nur Michel ist lustig, Charles Wachira Maina aus Kenia ist der Spaßvogel unter den Eliteläufer Auch wenn Peter-Winnetou Huerkamp verkleidet den Marathon läuft, ist er doch für eine ernste Sache unterwegs. Nämlich für das Bekanntmachen der unheilbaren Krankheit ALS Nicht ganz so ernst der Marathonlauf dieser Zwei. Markus Jürgens und Jenny Wehmschulte liefen den Volksbank Münster Marathon abwechselnd rückwärts. Während Jenny die ersten 21 km rückwärts lief, begleitet sie Markus vorwärts. Dann wurden die Positionen getauscht. Nach 5:06:11 Stunden liefen sie gemeinsam durchs Ziel

Chaltu vor Chaltu

Bei den Frauen war es eine enge Entscheidung. Den Sieg machten zwei Äthiopierinnen unter sich aus. Chaltu Negasa siegte in persönlicher Bestzeit von 2:30:59 h bei ihrem ersten Rennen in Deutschland. Es war der fünfte Marathon der 32jährigen. Bereits in Tours und in Portiers konnte sie über die klassische Distanz gewinnen, in Annecy war sie Zweite geworden. Der Pacemaker war ihr am Anfang zu langsam. Eine Zeit unter 2:30 h darf man von ihr wohl bald erwarten. Der Streckenrekord von Eleni Gebrehiwot (TV Wattenscheid), die 2013 nach 2:29:12 h das Zielband erreicht hatte, hat einen weiteren Angriff pariert.

Kurz vor Kilometer 10, würde man hier nach rechts abbiegen, wäre man bereits auf dem ins Ziel führenden roten Teppich Lang zieht sich die Läuferschlange Richtung Aegidiitor

In 2:31:09 h folgte mit nur 10 Sekunden Rückstand Chaltu Chawo als Zweite ins Ziel. Dritte wurde in 2:32:50 h Cynthia Chepchirchir Kosgei aus Kenia. Auf den weiteren Rängen folgten Yumiko Kinoshita aus Japan in 2:36:45, Rebby Cherono Koech aus Kenia in 2:36:59 h und mit Yoshiko Sakamoto in 2:37:42 h eine weitere Läuferin aus Japan auf Rang sechs. Vorjahressiegerin Sheila Jeptto Rono, die in Bestzeit von 2:45:46 h gewonnen hatte, konnte das Rennen mit einer Beinverletzung nicht beenden.

Legten sich erneut mächtig ins Zeug, die Schlagzeuger der Biotonnencombo "kein Plastik in den Bioabfall" Am Aegidiitor würdigte die Handwerkskammer alle HandwerkerInnen, die in der Handwerker-Marathon-Wertung unterwegs waren

Unglaubliche Serien

Dass die besten Deutschen besonders in den Fokus rücken, hat wie erwähnt auch damit zu tun, dass der Volksbank Münster Marathon dafür lukrative Preisgelder auslobt. Bei den Männern war es seit 2012 aber immer Elias Sansar von der LG Lage Detmold Bad Salzuflen, der das bessere Ende für sich hatte. Nun ging zunächst Raoul Jankowski in Führung und schickte sich an, die einmalige Erfolgsserie des 39jährigen Elias Sansar zu beenden. Doch schloss dieser nach 35 km auf und attackierte nach 42 Kilometern entscheidend. Auf Gesamtrang sechs lief Elias Sansar in 2:24:13 h ins Ziel, der sehr beständig Marathonzeiten in diesem Bereich erzielt. Seine Bestzeit von 2:21:03 h stammt aus dem Jahr 2008, gelaufen beim Frankfurt Marathon. Zum 12. Mal hatte er in diesem Jahr den Hermannslauf gewonnen. Die Liste seiner Erfolge ist lang.

Elias Sansar gelingt der 8. Sieg in der Nationalwertung Die Schnellsten der Nationenwertung mit Elias Sansar (1732) von der LG Lage Detmold Bad Salzuflen, Raoul Jankowski (926) von Teppich Janning und David Schönherr von LSF Münster

Sechs Sekunden darauf ging Raoul Jankowski für Teppich Janning über die Ziellinie und freute sich über eine neue Bestzeit von 2:24:19 h. Lange begleitete ihn sein Trainer Philippe Gillen, der sich für den Köln Marathon vorbereitet, wo der Luxemburger seit 10 Jahren lebt. Er hat Theoretische Ökonomie und Datenanalyse studiert und bereits seine Doktorarbeit eingereicht. Seine Trainingssteuerung beruht auf der Auswertung unzähliger Trainingsdaten, gepaart mit der eigenen Lauferfahrung. "Für Raoul war der Münster Marathon die Generalprobe für den Valencia Marathon", so Philippe, der bereits im November eine weitere deutliche Steigerung seines Athleten in Spanien erwartet. Auf Einlaufrang 8 folgte David Schönherr von LSF Münster in 2:28:19 h hochzufrieden mit seinem Lauf. Die ihm im Ziel entgegen gebrachte Anerkennung sprach Bände. Der 30jährige, Vater zweier kleiner Kinder, ist nicht nur als Marathonläufer in Münster eine bekannte Größe, sondern auch als Physiotherapeut und Lauftrainer gefragter Sportwissenschaftler.

Und immer wieder begleiten und begrüßen Fantasiewesen die Marathonis

Schnellste Deutsche mit Bestzeit

Die Phalanx der Damen mit Olympia-Ambitionen durchbrach Miriam Zirk vom LSF Münster. Sie wurde hinter der Türkin Meryem Kilinc Gündogdu Achte und war in 2:44:33 h beste Deutsche. Für die 27jährige aus dem nahen Sendenhorst, Sportwissenschaftsdoktorand mit einem Lehrauftrag am Sportinstitut Münster, bedeutete dies eine Steigerung ihrer persönlichen Bestzeit um über zwei Minuten. Es sei sehr hart gewesen, aber sie habe gekämpft, berichtete Miriam Zirk im Ziel ihres neunten Marathons. Die beiden letzten Kilometer habe sie aber genossen.

Die schnellsten Deutschen Frauen v.l.: Miriam Zirk vom LSF Münster und Monika Heiß von der LG Telis Finanz Regensburg Raija Schmidt vom LSF Münster läuft als drittschnellste Deutsche ins Ziel

Der zweite Platz der Deutschland-Wertung ging nach 2:50:55 h an die 44jährige Monika Heiß (genannt Mikki) von der LG Telis Finanz Regensburg. Ihr Ziel war es den bayerischen W45-Rekord anzugreifen, den Maria Bak seit 15 Jahren mit 2:47:28 h hält. Bei der DM in Düsseldorf, wo sie mit der Mannschaft den Deutschen Meistertitel holte und W45-Vizemeisterin wurde, war sie in 2:48:11 h schon näher am Bayernrekord dran. Sie lebt am Starnberger See und hat eine persönliche Marathonbestzeit von 2:44:39, vor 10 Jahren in Mainz gelaufen. Es war nicht locker, obwohl sie im Vorfeld gut trainiert hatte. Nach 28 Kilometern wurden die Beine schwer. "Es läuft halt nicht immer", so die Dienstälteste der Regensburger LG im 25. Marathonjahr. "Die Zuschauer haben mich getragen. Tolle Stimmung. Sehr lobenswert die Wasserstellen alle zweieinhalb Kilometer", so die Münster-Debütantin im Ziel, die mit Meistertiteln über mehrere Distanzen sowie im Cross und beim Berglauf reichlich dekoriert ist.

Ein Hauch von Afrika erleben die Marathonis in der Himmelreichallee wenn der Afrika-Power-Point durchlaufen wird. Mittendrin: die Trommelgruppe der Afrika-Kooperative Münster

Raija Schmidt von den Laufsportfreunden Münster war in 3:01:49 h drittschnellste Deutsche, rangierte als 14 bei den Frauen. Damit verbesserte die W45-Athletin ihre Bestzeit, die sie im letzten Jahr in Frankfurt mit 3:03:41 h gelaufen war. Es war ihre zweite Teilnahme am Münster Marathon. 2018 war sie in 3:11:14 h bei den Frauen Achte, aber nur Siebte bei den Deutschen. Dass es diesmal aufs Podium klappte, freute sie umso mehr. "Die 3h Pacer, in deren Gruppe ich gelaufen bin, haben eine tolle Arbeit gemacht. Klasse Bedingungen", schildert sie ihre Eindrücke im Ziel.

Am Aegidiitor findet der erste Marathonstaffelwechsel statt. Die Frauenstaffel wird angeführt von Lena Bächle von den LSF-Sentruper Mädels. In der Mixed Wertung ist das ExKern Racing Team am schnellsten - hier der Wechsel von Josefine Röttering auf Tobias Grimmert

Steiniger Weg nach Tokio

Der Olympiazug fährt ohne die in Münster angetretenen Anwärterinnen ab, es sei denn, sie nutzten noch eine andere Gelegenheit zur Qualifikation. Als Beste schaffte es Meryem Kilinc Gündogdu aus der Türkei in 2:44:00 h auf Rang sieben. Sie hatte sich, wie Pacemaker Rodger Königs berichtete, aber nie seiner Führungsarbeit angeschlossen, sondern sich zunächst am Tempomacher für 2:45 orientiert. Die ebenfalls um eine Olympiateilnahme kämpfenden Idelma Lizeth Delgado (El Salvador), Belgica Sofia Duque Avello und Yolimar Elizabeth Medina Pineda (Venezuela) und Faviola Sarai Perez Igari (Mexico) wurden im Verlauf des Rennens von der 2:45er Brems- und Zugläufergruppe überrollt. Belgica Sofia Duque Avello in 2:49:05 h und Yolimar Elizabeth Medina Pineda in 2:49:15 komplettierten immerhin noch die Top-Ten-Plätze bei den Frauen.

Am Fiducia & GAD-Staffelmarathon beteiligten sich auch Carsten Pfläging (Fiducia & GAD IT AG Vorstandsmitglied) und zahlreiche seiner Mitarbeiter Staffel Sieger Männer in 2:30:06 wurde der Laufladen Endspurt Paderborn mit Thomas Kruse, Sebastian Schär, Mario Teune und Christoph Prunsche und Staffel Siegerinnen Frauen in 2:48:39 die LSF-Sentruper Mädels mit Lena Bächle, Farina Lennartz, Johanna Rellensmann und Jessica Driesch

Pure Lust am Laufen

Nicht wenig erstaunt zeigten sich VIP-Gäste über manch lahmenden und hinkenden afrikanischen Eliteläufer nach dem Rennen, präsentierten sich die Freizeitläufer doch meist vergnügt in Feierlaune. Es gab aber keine nennenswerten Hilfseinsätze. Die meisten Teilnehmer liefen mit Genuss, erfreuten sich an den zahlreichen Action Points, die die schnelle, flache Strecke hinaus nach Nienberge und Roxel und über Gievenbeck zurück in die Altstadt von Münster kurzweilig machen. Elias Sansar nannte als Grund für seine fortgesetzte Teilnahme, auch den Charakter des Laufs, der ihm als Landschaftsläufer entgegen kommt. Nicht immer und überall dampft der Stimmungskessel auf Volldampf, es gibt beim Volksbank Münster Marathon auch ruhige Passagen, die bei dem vielen Spektakel meist sehr willkommen sind.

Das Siegerpaar des 18. Volksbank-Münster-Marathon Chaltu Negasa und James Kiptum Barmasai. Volksbank-Chef Thomas Jakob und Oberbürgermeister Markus Lewe (mit Schal) nahmen alle Siegerehrungen vor. Markus Lewe hatte zuvor noch selbst als Läufer den 1. Part beim Staffelmarathon absolviert Nicht nur pure Lust am Laufen - für jeden Teilnehmer, der das Ziel innerhalb von 5:30Std erreichte, gab es eine Finisher-Medaille und ein Finisher-Funktionsshirt

Die Staffeln, oft auch mit weniger wettkampferfahrenen Läufer*innen besetzt, starten erst 15 Minuten hinter den Solisten, werden am Aasee erstmals in eine von drei Wechselzonen geleitet. Alles ist so organisiert, dass es zu einem verträglichen Miteinander führt. Und beim Charitylauf geht es noch um einen guten Zweck. Sehr beliebt ist der Kinderlauf, bei dem die zukünftigen Marathonis schon mal das Bad in der Menge des Prinzipalmarkts auskosten dürfen. Der Münster Marathon ist in jeder Beziehung einmalig - eben "wie kein Zweiter", meint Stadt Münster Oberbürgermeister Markus Lewe. Da kann man nur zustimmen.

Time to say Goodbye mit Bühnenfeuerwerk: 2020 wird auf dem Prinzipalmarkt wieder der rote Teppich für den stimmungsvollen Zieleinlauf des Volksbank Münster Marathon ausgerollt
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

unter

go4it-foto.de
Foto-Impressionen im LaufReport HIER
Ergebnisse www.volksbank-muenster-marathon.de
Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER
Der Volksbank Münster Marathon im LaufReport wird Ihnen präsentiert von

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung