7./8.9.18 - 26. Jungfrau Marathon

Martina Strähl und Robbie Simpson gewinnen zum zweiten Mal

Michelle Maier wird zum dritten Mal Zweite

Mehr als 4000 Finisher

von Winfried Stinn 

Den 26. Jungfrau Marathon gewannen der Schotte Robbie Simpson und die Schweizerin Martina Strähl. Beide trugen sich damit zum zweiten Mal in die Siegerliste ein. Michelle Maier (PTSV Rosenheim) wurde zum dritten Mal hintereinander Zweite. Auf der 42,195 km langen Strecke galt es 1829 Meter bergauf und 305 Meter bergab zu bewältigen. Mehr als 4000 Läuferinnen und Läufer erreichten bei Bilderbuchwetter das Ziel auf der Kleinen Scheidegg, am Fuße des berühmten Dreigestirns Eiger, Mönch und Jungfrau. Die limitierten Plätze waren auch diesmal wieder schnell ausverkauft. So hat der Jungfrau Marathon, der 1996 von einer amerikanischen Laufzeitschrift zum schönsten Marathon der Welt gekürt wurde, nichts an seiner Faszination und Beliebtheit verloren.

Ausschlaggebend für die Attraktivität ist die einmalige Landschaft, sind die vielen Zuschauer die beim Start und vor allem in Lauterbrunnen und Wengen, sowie im Zielbereich für eine unbeschreibliche Stimmung sorgen. Einmalig und abwechslungsreich der Streckenverlauf. Nach dem Start im 566 Meter hoch gelegenen Interlaken, vor dem Hotel Viktoria mit Blick auf die Jungfrau folgt eine Ortsrunde, anschließend geht es über Bönigen am Brienzer See, Wilderswil (km 10) nach Lauterbrunnen. Hier in der Nähe der Staubbachfälle ist die Halbmarathon Distanz mit der zweiten Sprintwertung. Bis hierher sind erst rund 200 Höhenmeter bewältigt und hier beginnt der eigentliche Gebirgsmarathon.

Auf der 42,195 km langen Strecke galt es 1829 Meter bergauf und 305 Meter bergab zu bewältigen. Der Dudelsackspieler am Ende der Eiger Moräne ist Tradition beim Jungfrau Marathon Nach dem Lauf konnte man sich eine Fahrt zum Jungfraujoch, der höchstgelegenen Bahnstation Europas, gönnen
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Bis Wengen (km 30), hier gibt es die dritte Sprintwertung, sind rund 600 Höhenmeter zu bewältigen, ab Wengen nochmals 1000 Höhenmeter. Höhepunkt der Strecke ist die Eiger Moräne bei km 40. Am Ende der Eiger Moräne werden die Läuferinnen und Läufer traditionell von einem Dudelsackpfeifer empfangen. Hier befindet sich seit einigen Jahren eine Gedenktafel für die Jungfrau Marathon-Siegerin von 1997 Franziska Moser-Rochat, die 2002 bei einem Lawinenunfall ums Leben kam. Nach der Eiger Moräne geht es zunächst leicht bergab. Es folgt eine letzte Steigung auf die Locherfluh (km 41), mit 2205 Meter der höchste Punkt der Strecke. Von da an geht es nur noch bergab, vorbei am reizvoll gelegenen Fallboden-Speichersee, in dem sich die Eiger-Nordwand und das Schreckhorn spiegeln, bis zum Ziel auf der Kleinen Scheidegg.

 

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Attraktiv ist der Jungfrau Marathon auch für Spitzenläufer. Die Siegesprämien mit jeweils 10.000 Schweizer Franken, dazu Sprintprämien und Prämien für Streckenrekorde haben viele Weltklasse-Bergläufer nach Interlaken gelockt. Den Streckenrekord hält der siebenfache Berglauf Weltmeister Jonathan Wyatt (Neuseeland), der 2003 sensationelle 2:49:02 Stunden lief. Ein Streckenrekord, der bislang unangetastet blieb und sich mit dem Titel "Ur-Alt" schmücken darf.

Heinz Frei, der beste Rollstuhlfahrer aller Zeiten, bereitet sich auf den Startschuss vor Der Streckenrekordinhaber und Präsident des Berglauf Weltverbandes Jonathan Wyatt (vorn) Der spätere Sieger Robbie Simpson in Lauterbrunnen noch auf Platz 3

Anders bei den Frauen. Hier wurde die Bestmarke in den vergangenen Jahren gleich dreimal unterboten. 2013 lief die mehrfache Berglauf Welt-und Europameisterin Andrea Mayr (Österreich) 3:23:20Stunden, 2016 verbesserte Martina Strähl (Schweiz), die ein Jahr zuvor in Zermatt Berglauf Weltmeisterin über die Langdistanz wurde, den Rekord auf 3:19:15 Stunden und im Vorjahr verbesserte die Europameisterin Maude Mathys (Schweiz) den Streckenrekord auf sensationelle 3:12:56 Stunden.

Bevor am Samstag die mehr als 4000 Läuferinnen und Läufer auf die Strecke geschickt wurden, standen am Freitag die Kinderläufe, Rollstuhlrennen und der Mini-Marathon auf dem Programm. Nicht mehr durchgeführt wurde die Jungfrau-Meile. Höhepunkt am Freitag war die Jubiläums-Staffel zum 10. Jungfrau-Pararace. Sieben Läufer, die je 200 Meter laufen mussten (ein Promi, dazu je ein Handbiker und ein Rennrollstuhlathlet) stellten die sechs Teams. Die Staffel von Ski Olympiasieger Ramon Zenhäusern (Schweiz) gewann die Staffel.

Mit Andrew Davies wird ein weiterer Brite 2. Birhanu Mekonnen aus Äthiopien läuft auf Rang 3 4. wird der Schweizer Francois Leboeuf

Den Startschuss zum 26. Jungfrau Marathon gab Rollstuhl-Ass Heinz Frei. Mit 15 Gold-, 19 Silber- und Bronzemedaillen bei Paralympics in drei Sportarten (Leichtathletik, Handbike, Langlauf) und 14 Weltmeistertiteln (Handbike und Leichtathletik) ist er der erfolgreichste Behindertensportler aller Zeiten. In Interlaken ist er Stammgast bei den Pararace. Dass Heinz Frei gebeten wurde die Läuferinnen und Läufer auf die Strecke zu schicken, zeigt die Wertschätzung des Veranstalters gegenüber Heinz Frei und den Behindertensport allgemein. "Es ist für mich eine Ehre, dass ich den Startschuss für den Jungfrau Marathon geben darf. Es hat mich schon immer gefreut, wie die Veranstalter hier den Behindertensport integrieren", äußerte sich Frei.

 

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Martina Strähl gewinnt zum zweiten Mal Michelle Maier wird zum dritten Mal 2. Michela Segalada wird 3.

Als Top-Favoritin bei den Frauen ging die Schweizerin Martina Strähl an den Start. Sie hatte kürzlich bei der Marathon-Europameisterschaft in Berlin mit sehr guten 2:28:07 Stunden den siebten Platz belegt. 2015 gewann sie bei der Berglauf Weltmeisterschaft über die Langdistanz in Zermatt im Einzel und mit der Mannschaft die Goldmedaille. Michelle Maier gehörte nach ihren zweiten Plätzen 2016 und 2017, sowie den Siegen und Podestplätzen in der laufenden Saison u.a. beim LGT Liechtenstein Marathon, Brixen Marathon, Sierre-Zinal und beim Schlickeralmlauf, erneut zu den Anwärterinnen auf einen Podestplatz. Ebenfalls für einen Podestplatz kam die Italienerin Ivana Iozzia in Frage, die in diesem Jahr zum zweiten Mal den Zermatt-Marathon gewonnen hat.

Jochen Uhrig belegt als bester Deutscher Platz 11 Die zweifache Zermatt Marathon Siegerin Ivana Iozzia aus Italien läuft diesmal nurauf Platz sechs Der US-Amerikaner Sage Canaday wird 5.

Bei den Männern waren mit Mustafa Shaban (Bulgarien), Robbie Simpson (Schottland) und Jose David Cardona (Kolumbien) die Sieger der Jahre 2015, 2016 und 2017 am Start. Dem erfolgreichen Trio wurden auch diesmal wieder gute Siegchanen eingeräumt. Im Vorfeld hatte Simpson, der mit dem Aletsch Halbmarathon-Marathon, dem Montreux-Rochers de Naye und den Zermatt Marathon innerhalb kürzester Zeit drei Klassiker gewonnen, somit musste man ihm die größten Chancen auf einen Sieg einräumen.

Mit am Start der Streckenrekordinhaber und siebenfacher Weltmeister Jonathan Wyatt. Der Neuseeländer ist nun seit etwas mehr als einem Jahr Präsident des Berglauf Weltverbandes (WMRA), aber immer noch ein begeisterter Läufer, der auch als Funktionär sich weiterhin die Wettkampfschuhe schnüren will. "Laufen ist meine Leidenschaft", ist das Motto des WMRA-Präsidenten.

Die berühmt berüchtigte Eiger Nordwand die genau vor 80 Jahren von einer Vierseilschaft unter Führung von Anderl Heckmair erstmals durchstiegen wurde Am Ende der Eiger Moräne befindet sich eine Gedenktafel die an Franziska Rochat Moser (Jungfrau Marathon Siegerin 1997) erinnert, die bei einen Lawinenunfall ums Leben kam

Bei den Frauen ist der Rennverlauf schnell geschildert. Martina Strähl setzte sich sofort an die Spitze des Frauenfeldes und lief ein einsames Rennen bis zum Ziel. Nach 3:14:36 Stunden erreichte sie nach 2016 zum zweiten Mal das Ziel auf der Kleinen Scheidegg. Sie verpasste zwar den Streckenrekord um gut zwei Minuten, verbessere aber ihre eigene Bestzeit um rund fünf Minuten. " Für mich ist der Sieg heute die Krönung einer tollen Saison. Ich wollte meine Bestzeit verbessern, das war mein Ziel für heute. Das habe ich erreicht, daher bin ich mehr als zufrieden. Der Streckenrekord ist erreichbar, aber nur wenn man in einer gleichstarken Gruppe läuft. Heute hatte ich keine Chance den Streckenrekord zu verbessern. Ich musste ab Kilometer fünf alleine laufen, das war mental sehr schwer, besonders die letzten fünf Kilometer waren sehr hart für mich."

Wenige Meter vor dem höchsten Punkt Auf den letzten beiden Kilometer geht es bergab

Michelle Maier belegte zum dritten Mal hintereinander einen ausgezeichneten zweiten Platz. Wenn auch der Rückstand mit mehr als 14 Minuten auf die Siegerin recht deutlich ist, (dies ist vor allem ihrer Schwäche auf den flachen Teilstücken und mehr als die Hälfte des Jungfrau Marathons ist relativ flach, geschuldet), so wartete sie erneut mit einer hervorragenden Leistung auf. Auf den ersten recht flachen 25 Kilometern lag sie noch an fünfter Stelle. Bei Kilometer 34, da wurde es richtig steil, "da kam auch meine Motivation wieder", konnte sie gleich zwei Läuferinnen, u.a. die starke Italienerin Ivana Iozzia einholen. "Das gab mir Auftrieb, ab jetzt kam ich erst richtig ins Laufen", so Michelle Maier später. "Als dann die Moräne kam, war ich in meinem Element, da bin ich richtig raufgeflogen."

Durch ein Tunnel geht es zum Speichersee Der reizvoll gelegene Speichersee Fallboden kurz vor dem Ziel

Zuvor hatte sie sich bereits auf den zweiten Platz vorgekämpft, den sie bis zum Ziel weiter ausbaute. "Im Ziel war ich überglücklich über den zweiten Platz, nachdem ich mich eigentlich mit dem fünften Platz abgefunden hatte", äußerte sich die erfolgreiche Bergläuferin. "Es ist eine einzigartige Strecke, die aufgrund der größtenteils flachen schnellen Streckenabschnitte nicht meinen Stärken entspricht. Trotzdem reizt mich genau das und mit den zweiten Plätzen bestärkt es mich. Es macht mich besonders stolz, dort vorne zu sein, was mir eigentlich nicht liegt. Zudem ist es einfach ein besonderer Event, ein Schweizer Klassiker mit den Alphornbläsern, der typischen Szenerie mit Eiger, Mönch und Jungfrau und bei schönem Wetter einfach nur gigantisch. Diese Atmosphäre muss man einfach mal erleben", schwärmte Michelle Maier.

Die Plätze drei, vier und fünf gingen überraschend an die Schweizerinnen Michela Segalada, Simone Troxler und Theres Leboeauf. Erst auf Platz sechs kam die Mitfavoritin auf einen Medaillenplatz, die zweifache Zermatt Marathonsiegerin Ivana Iozzia (Italien). Eva Katz (Otterstadt) belegte als zweitbeste deutsche Läuferin Platz 17.

Die drei schnellsten Frauen von links: Michelle Maier, Martina Strähl und Michela Segalada Die drei schnellsten Männer von links: Andrew Davies, Robbie Simpson und Birhanu Mekonnen

Spannender, zumindest auf den ersten 30 Kilometern, ging es bei den Männern zu. In Lauterbrunnen und noch in Wengen lag der Äthiopier Birhanu Mekonnen vorne. Doch schon in Wengen hatte Robbie Simpson den Abstand zum Führenden auf Sichtweite verkürzt. Nach Wengen (Kilometer 30) lief dann Simpson an die führende Position und passierte nach 2:56:31 Stunden zum zweiten Mal als Sieger die Ziellinie. Damit war er rund fünf Minuten schneller als bei seinem Sieg 2016. "Ich wollte gewinnen, das ist immer mein Ziel wenn ich an den Start gehe und ich wollte meine Bestzeit unterbieten. Beides habe ich erreicht, daher bin ich mehr als zufrieden."

Andrew Davies (Wales) belegte überraschend vor dem lange Zeit führenden Birhanu Mekonnen in 3:01:37 den zweiten Platz. Vierter wurde Francois Leboeuf (Schweiz) vor Sage Canaday (USA) und den beiden Schweizern Stephan Wenk und Patrick Wieser. Jochen Uhrig (Weinheim) erkämpfte sich als bester Deutscher Platz elf.

Hochbetrieb nach dem Zieleinlauf Bei Bilderbuchwetter war nach dem Zieleinlauf der Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau grandios
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Zufrieden zeigten sich die Veranstalter des 26. Jungfrau-Marathons. OK-Präsident Toni Alpinice: "Bei idealem Marathonwetter durften wir einen Tag mit vielen sportlichen Höchstleistungen erleben. Wir freuen uns immer sehr, dass so viele Läufer aus der ganzen Welt zu uns reisen und bei einem perfekt organisierten Marathon das imposante Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau genießen können."

Richi Umberg, der nach 16 Jahren zum letzten Mal als Rennleiter fungierte, ergänzt: "Das war ein toller Tag. Nach den widrigen Witterungsverhältnissen im Vorjahr hatten wir diesmal wieder ein traumhaft schönes Bilderbuchwetter. Die Zeiten der Erstplatzierten waren sehr gut. Als Schweizer freue ich mich natürlich besonders über den überraschenden Podestplatz von Michela Segalada und den vierten Platz von Simone Troxler", äußert sich Umberg "Schon mit etwas Wehmut blicke ich auf die Zeit als Rennchef zurück. Es waren überwiegend positive Erlebnisse, die ich hatte und an die ich gerne zurückdenke." In Erinnerung wird auch bleiben, dass sich Umberg sehr im Kampf gegen Doping engagiert hat und dem es mit zu verdanken ist, dass beim Jungfrau Marathon immer wieder Dopingkontrollen durchgeführt werden. "Ich glaube, dass Wissen, dass man kontrolliert werden kann, führt dazu, dass "Gedopte" erst gar nicht kommen", führt der "Noch-Rennchef" weiter aus.

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

Ergebnisse www.jungfrau-marathon.ch/de/

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