24.9.17 - Wössingen 2. Zementwerkslauf

Hügelstrecke am Tag der offenen Tür

Ein Lauf mit Turmbesichtigung

von Hannes Blank

Zementwerkslauf - das klingt zunächst kurios, ist aber schnell aufgelöst: Das Opterra Zementwerk im kleinen Wössingen zwischen Karlsruhe und Bretten veranstaltet - nun schon zum zweiten Mal - einmal im Jahr einen Volkslauf mit drei Wettbewerben. Der Zementwerkslauf an diesem Sonntag läutet eine Art "Tag der offenen Tür" des Werks ein, bei dem besonders die Besichtigung des hohen Werkturms beliebt ist. Wo andere "Tag der offenen Tür"-Veranstaltungen über eher mäßige Resonanz berichten, beim Wössinger Zementwerk tummelten sich schon ab 9 Uhr die ersten Teilnehmer am Werkstor, an dem sich Start und Ziel des Lauf befinden.

Heuer starteten um 10 Uhr die 5km-Läufer und um 10:45 Uhr die Zehner, außerdem fand ein kleiner 200m-Kinderlauf statt. Als um kurz vor 13 Uhr die Siegerehrung begann, war schon richtig was los, am Würstchenstand, in der Hüpfburg und beim Anmeldeschalter für die Werksturmbesteigung.

Beeindruckende Industriearchitektur auf dem Gelände des Zementwerks Wössingen, vor dessen Toren der 2. Zementwerkslauf gestartet wurde
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Anspruchsvolle Strecke, an Maisfeldern vorbei

Was beim Zementwerkslauf allerdings überhaupt keine Anmutung von Kindergeburtstag hat, ist die Strecke des Laufs: Etwa in 300m-Stücken geht es beständig hinauf und wieder hinunter, stellenweise recht steil. Flachstücke sind absolute Mangelware.

Nach dem ersten Blick auf den Streckenplan erinnert der Lauf an den nahen Himmelfahrtslauf des TV Wössingen, der jedes Jahr im Mai mit Start und Ziel an dessen Vereinsheim stattfindet. Tatsächlich erfährt der Zementwerkslauf auch viel Manpower- und Mitläufer-Unterstützung vom Turnverein, der ja einiges an Lauf-Know-How vorzuweisen hat.

 
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Aber im Vergleich zum Himmelfahrtslauf muss man beim Zementwerkslauf nochmals eine Schippe drauflegen: Wer sich nicht sicher ist, den Zehner durchstehen zu können, sollte sich vielleicht besser erstmal am Fünfer versuchen - die beiden Startzeiten lagen 2017 übrigens eine Dreiviertelstunde und damit weit genug auseinander, dass man an beiden Wettbewerben teilnehmen kann. Ein Angebot, dass nicht wenige Läufer in der Region Karlsruhe zu schätzen wissen.

Christoph Ballling (63) und Niklas Abele (51) führen das Feld auf der 5km Strecke an Manfred Deger folgt auf Platz 3 Joona Hakenes, Jahrgang 2009, wird 4. Mann über 5km Luise Dobmeier führt das 5km Frauenfeld an

Das große Plus der Strecke sind die hochmotivierten Helfer und die Schönheit des Walzbachtals: Das Laufen durch die hochstehenden, erntereifen Maisfelder und den kühlen Wald weitab vom Straßenverkehr ist besonders angenehm und lindert die Anstrengungen. Man könnte witzeln: Wer beim Zementwerkslauf teilnahm, hat am Morgen danach das Gefühl, Zement in den Beinen zu haben. Aber er hat auch das Gefühl, eine Woche nach dem großen Karlsruher Baden-Marathon wieder einen netten, kleinen Lauf erfolgreich bestritten zu haben. Denn der Zementwerkslauf ist mit insgesamt rund 100 Lauf-Teilnehmern definitiv ein kleiner Lauf. Dennoch fühlte man sich als Läufer gut aufgehoben: Die Strecke war tipptopp gekennzeichnet, außerdem gab es sogar eine professionelle Zeitmessung und (neu in diesem Jahr) einen Duschcontainer.

Die Zementwerker sind stolz auf ihr Werk, was dadurch erkenntlich ist, dass auf allen Startnummern ein Abbildung des Werks gedruckt ist - Startgebühren wurden übrigens nicht erhoben. Vermisst wurde bestenfalls eine Gepäckaufbewahrung, denn zum Zementwerkslauf kommt man auch sehr gut mit der Bahn, die S-Bahn-Haltestelle Wössingen-Ost befindet sich unmittelbar am Start- und Zielbereich. Eben dieser Start und das Ziel des Zementwerkslaufs ist das östliche Werkstor, durch das an diesem Tag natürlich keine Zementlaster fuhren.

Über 10km führt Benjamin Weber Nikolaos Svarnas folgt auf Platz 2 Dieter Bertsch, ältester Teilnehmer über 10km und Sieger der M75

Der Fünfer ist mit ohne Wald

Wer waren die schnellsten Zementwerksläufer 2017? Beim Fünfer kam es schnell zu einem Zweikampf zwischen Christoph Balling und Niklas Abele, den der erfahrene LG Region Karlsruhe-Läufer Balling erst auf den letzten Metern für sich entscheiden konnte. "Wir haben einen Endspurt hingelegt, er hat die ganze Zeit das Tempo hochgehalten", so der 35jährige IT-Berater Balling über Abele. Entsprechend groß der Abstand zu Platz 3, den wie im Vorjahr Manfred Deger von der LSG Karlsruhe erreichte, der zunächst mit dem Top-Duo mithalten konnte: "Am Wendepunkt bin ich dann aber gestorben!".

Auf Gesamtrang 4 kam dann schon die schnellste Frau ins Ziel, Luise Dobmeier von der TSG Bruchsal. "Ich wusste schon vorher, dass es eine wellige Strecke ist", so die 29jährige Heidelberger Studentin. Deutlich hinter Dobmeier die folgenden Plätze mit Beritta Zeil (LSG Karlsruhe, Jahrgang 1949!) und auf Platz 3 die 31-jährige Julia Hackenbruch von der LG Pfinztal.

Christoph Balling wird 3. über 10km 10km Siegerin Katja Bäuerle in Begleitung des 4. Mann über 10km Christian Mössner Ingrid Steiner (296) wird 2., Maike Schmidt (270) wird 3. über 10km

Der Zehner ist keine Wendepunktstrecke, sondern ergänzt den Fünfer um eine große Schleife durch den Wald. Einfacher wird es dadurch auf keinen Fall, denn das stetige Auf und Ab findet auch im Baumschatten seine Fortsetzung. Umso erstaunlicher, dass Sieger Benjamin Weber die Strecke in 36:45min schaffte. Für den 36jährigen Gärtner fand der Lauf fast direkt vor der Haustür statt und er teilte sich die Körner auf der anspruchsvollen Strecke auch am besten ein. Im Rest des Jahres will er nur noch bei Zehnern mitmachen. Beim Zementwerklauf gelang ihm ein fast völliger Start-Ziel-Sieg, nur Nikolaos Svarnas (LSG Karlsruhe) hielt noch auf den ersten 500 Metern mit und war dann knapp 4 Minuten später im Ziel. Dritter wurde 5km-Sieger Christoph Balling in 42:25min.

5km-Siegerin Luise Dobmeier im Ziel Der 10km-Sieger Benjamin Weber wartet entspannt auf die Siegerehrung ...ebenso wie die 10km-Siegerin Katja Bäuerle

Kurz darauf (43:41min) überquerte Katja Bäuerle (LG Region Karlsruhe) als schnellste Läuferin die Ziellinie. Wer von der LGR-Athletin noch nie etwas gehört hat, wurde aufgeklärt: "Ich bin erst seit diesem Monat bei der LGR, vorher habe ich Fußball beim VfB Bretten gespielt", so die 15jährige Gymnasiastin, die allerdings schon bei der Badische Meile in Karlsruhe im Mai diesen Jahres als U19-Siegerin ihre läuferischen Möglichkeiten aufblitzen ließ. Außer der Teilnahme an der Badischen Meile 2018 hat sie sich noch keine Ziele gesetzt, sagt aber mit Bestimmtheit: "Laufen ist meine Leidenschaft geworden!". Rang 2 ging an Ingrid Steiner (TG Stein, 46:59min), vor Maike Schmidt (Walzbachtal, 47:19min).

5km-Sieger Christoph Balling in der Mitte neben Platz 2, Niklas Abele (Nr. 51) und Manfred Deger (Nr. 52) Tino Vilano (rechts) koordinierte und informierte per Mikro die Zementwerksläufer, hier beim Start des Kinderlaufs
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2018 ist sicher

Der Wössinger Zementwerklauf ist mit dem Heel-Lauf Baden-Baden vergleichbar, nur dass im Walzbachtal ein weitaus kleineres Werk einen entsprechend kleineren Lauf organisiert. "Als Zementwerk liegt uns Arbeitsschutz und Gesundheit am Herzen" erläutert Timo Vilano vom Zementhersteller "Opterra", die den Lauf nicht verstecken, sondern ganz prominent auf ihre Werks-Homepage gesetzt haben. "Wir sind Teil der Gemeinde und wollen den Tag gemeinsam mit Vereinen aus dem Ort gestalten", führt Vilano weiter aus, als Highlight weist er auf die Besichtigung des hohen Werkturms mit Blick auf das Walzbachtal hin. Für 2018 hat er auch schon versprochen, dass es wieder einen Zementwerkslauf geben wird.

Bericht von Hannes Blank
Fotos von Hannes Blank & Ekkehard Gübel

Ergebnisse www.laufinfo.eu
Info www.opterra-crh.com/zementwerkslauf

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