16.9.17 - 7. Mattoni Usti nad Labem Halbmarathon

Koller und Plinke mit PB - Japaner Shitara läuft Kontinentalrekord

Streckenrekorde durch Violah Jepchumba und Barselius Kipyego

Gelungene Goldlabel-Veranstaltung in 'Aussig' (CZ) bei idealen Bedingungen

von Michael Schardt

Die für Bahrain startberechtigte Kenianerin Violah Jepchumba und der Vorjahressieger Barselius Kipyego aus Kenia haben die siebte Austragung des Mattoni Usti Halbmarathons je mit neuem Streckenrekord in 66:06min beziehungsweise 59:14min gewonnen. Kipyego verbesserte seine eigene Streckenbestzeit aus 2016 knapp um eine Sekunde, während Jepchumba den Kursrekord von Peres Jepchirchir (KEN) aus 2015 (67:17min) um mehr als eine Minute nach unten drückte. Grund zur Freude hatte auch der Japaner Yuta Shitara, der weit von der Heimat entfernt den nationalen Bestwert auf 60:17min steigerte und damit einen neuen Asienrekord aufstellte. Auch eine deutsche Läuferin und zwei deutsche Läufer waren der Einladung von RunCzech gefolgt und konnten überzeugen. Jonas Koller steigerte seine Bestzeit auf dem nicht ganz einfachen Kurs um zwei Sekunden auf 65:23min und Felix Plinke sogar um fast eine Minute auf 66:57min. Die Dresdenerin Ina Zscherper verpasste zwar ihre persönliche Bestzeit knapp, brachte aber mit dem 15. Rang aus deutscher Sicht das beste Ergebnis zustande.

Der Halbmarathon-Kurs von Usti verläuft hauptsächlich an den Ufern der Elbe und durchkreuzt mehrfach die überschaubare Innenstadt Markanter landschaftlicher Hintergrund ist der Mariánská Rock als böhmischer Teil des Elbsandsteingebirges, den vor zweihundert Jahren schon Alexander von Humboldt erkletterte. Der Naturforscher war beeindruckt von dem wundervollen Blick über das Elbtal
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Insgesamt hatte bei der siebten Auflage des Usti Halbmarathons, das wie alle sieben Rennen der RunCzech-Serie mit dem IAAF-Goldlabel ausgezeichnet ist, über 6000 Läuferinnen und Läufer gemeldet, davon rund 3200 im Halbmarathon. Das war gegenüber dem letzten Jahr ein kleiner Rückgang.

Der Lauf fand bei äußerlich sehr guten Bedingungen statt. Es blieb trotz schlechter Prognose trocken und windstill bei läuferfreundlichen dreizehn Grad. Für Renndirektor und Laufserienerfinder Carlo Capalbo war der letzte Lauf des Jahres zwei Wochen vor Vollendung seines sechzigsten Lebensjahres ein überaus freudiges Ereignis, denn nicht nur die Streckenbestzeiten wurden gebrochen, sondern auch die je von einheimischen Teilnehmern aufgestellten Kursrekorde gesteigert, wofür Eva Vrabcová-Nyvltová (71:22min) und Jiri Homolác (64:33min) verantwortlich zeichneten.

Die Stadt und der Landkreis

Usti nad Labem (Aussig an der Elbe) ist vielleicht nicht direkt das, was man sich unter einer urbanen Perle vorstellen mag, hat aber durchaus einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, die zu besuchen lohnt. Da ist beispielsweise direkt in der Innenstadt die gotische Kirche Maria Himmelfahrt, die, durch Bomben getroffen, den schiefsten Turm Mitteleuropas hat. Kurios ist vielleicht, dass die Kirche durch einen Konsumtempel moderner Planart komplett umbaute wurde, was seinerzeit eine emotional geprägte Diskussion in der Bevölkerung ausgelöst hatte. Allemal sehenswert ist auch die Marienbrücke über die Elbe, die mit ihrer gewagten Konstruktion zur schönsten Brücke am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gewählt wurde und als Spitzenbauwerk der Weltarchitektur gilt. Zum touristischen Pflichtprogramm in der knapp 100.000 Einwohner zählenden nordböhmischen Metropole gehören zudem das Stadttheater, das hoch über der Elbe thronende Chateau Vetruse und das größte Mosaik der ehemaligen Tschechoslowakei, das an einer Häuserfassade zehn Stockwerke hoch aufragt und von der Bevölkerung ironisch als "Etagenwerk des kommunistischen Himmels" bezeichnet wird.

Genau gegenüber des Mariánská Rocks wurde 2001 die Mariánská Brücke erbaut als architektonisches Gegengewicht zum Felsen. Die optische Wirkung mit dem Kippen der Brücke zur anderen Seite ist durchaus gewollt. Sie wurde zu einem der zehn weltweit schönsten Brückenkonstruktionen gewählt Hoch über der Elbe, gegenüber dem Stadtzentrum. thront das Chateau Vetruse, das mit einer Kabelbahn bequem erreicht werden kann. Heute ist es Luxushotel und Wellnessoase zugleich

Die weitaus meisten Besucher finden den Weg nach Usti aber aus einem anderen Grund. Die nur 45 Kilometer südlich von Dresden liegende Stadt wird von Touristen als Startort und Ausgangspunkt gewählt für Wanderungen, Radtouren, Schiffsausflüge und Erkundungsfahrten in die nähere Umgebung, ins hügelige Hinterland. Das nordböhmische Mittelgebirge gehört mit seinen Ausläufern zum Elbsandsteingebirge und wird auch als tschechische Schweiz bezeichnet. Es bietet ein weitverzweigtes Wander- und Radwegesystem und gilt besonders als Eldorado für Mountainbiker. Zahlreiche Schlösser und Burgen können erkundet, viele Seen können umrundet oder ungezählten Flussläufen kann gefolgt werden. Eine der beeindruckendsten Ruinen ist das Strekov Castle (Burg Schreckenstein) aus dem 14. Jahrhundert, wo schon Goethe zu Gedichten und Wagner zu den "Meistersingern" inspiriert wurden. Heute beherbergt die Burg wie auch das Chateau Vetruse ein Ausflugslokal.

Tradition bei allen Läufen der RunCzech-Serie: der Aufmarsch der Nationen. Läufer aus 39 Ländern waren diesmal dabei Das erste Rennen des Tages ist das der Handbiker. Sie ermitteln auf einem 2-km-Citykurs den tschechischen Meister. Die Uhr läuft von 60 Minuten rückwärts. Wer die meisten Runden schafft, hat gewonnen

Programm und Strecke

Bekannt ist Usti auch für eine große Anzahl hochwertiger lokaler Spezialitäten und Produkte. Berühmt sind verschiedene Kräuterliköre und Biersorten und auch jene Keramikfabrik Maresch, die individuell gestaltete Gartenzwerge herstellt und in alle Welt verkauft. Diese Gnome hatten bereits in den sechziger Jahren die Beatles-Legende George Harrison so fasziniert, dass er ein Exemplar auf einem der Beatlesalben abbilden ließ.

Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit konnten am Veranstaltungswochenende die Halbmarathonis in Augenschein nehmen. Sie durften durch das ausgedehnte Werksgelände der Spolchemie laufen, das ansonsten das ganze Jahr für Besucher gesperrt ist. Wenn die Läufer kurz vor Kilometer 11 das Eingangstor zum Fabrikgelände durchlaufen, haben sie schon eine kleine Runde durch die Altstadt gedreht, zwei knackige Querungen über die Benese-Brücke sowie einige Kilometer diesseits und jenseits am Elbufer hinter sich. Ist die Spolchemie durchlaufen, wird eine zweite Runde durch den historischen Stadtkern gedreht, bevor es wieder über die Benese-Brücke geht und drüben erneut das linke und später das rechte Elbufer erkundet wird. Nach der vierten Brückenquerung erreichen die Halbmarathonis nach wenigen hundert Metern das Ziel auf dem Friedensplatz.

 

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Beim Familienlauf über drei Kilometer gingen rund 3000 Teilnehmer an den Start Unterwegs ist alles, was Beine oder Räder oder einen zum Tragen hat

Insgesamt ist die Strecke von Usti abwechslungsreich und ziemlich schnell - trotz der vier Brückenquerungen, trotz anderer kleiner Steigungen und trotz der Wendepunkte und zahlreichen Kurven. Mit zur Schnelligkeit bei trägt die durchgängig asphaltierte Strecke. Weder auf dem Fabrikgelände noch in der Altstadt hindert Kopfsteinpflaster den Laufrhythmus, was auch der Grund dafür ist, das hier und nicht in Prag oder Olmütz die Handbiker auf einem reinen Innenstadtkurs ihre Landesmeisterschaft austragen.

Nach den Handbikern, die um zwölf Uhr starten, gehört die Stadt den Läufern, zunächst noch den Ungeübten, später dann den Ambitionierten. Um 13:30 Uhr nehmen die Teilnehmer des Familienrennens an der Startlinie Aufstellung. Rund 3000 alte und junge, große und ganz kleine Läufer sollen es sein - die Läuferschlage jedenfalls scheint endlos. Die schnellsten Akteure spulen die knapp drei Kilometer lange Strecke in zehn Minuten herunter, die gemütlichsten kommen erst nach einer Dreiviertelstunde ins Ziel. Im Gegensatz zu Jedermannsläufen in Deutschland ist es durchaus gewollt, dass Rollstuhlfahrer und Kinderwagen über die Strecke geschoben, dass Kleinkinder auf den Schultern transportiert oder Hunde an der Leine geführt werden. Dass da manches schon mal etwas "unrund" ablaufen kann, stört keinen. Es soll nichts anderes als ein Familienspaß sein, an dem wirklich jeder teilnehmen kann. Es sei ein großes Ereignis für die Bewohner, meint Orgachef Carlo Capalbo, die Veranstaltung eine große Sache für die recht kleine Stadt.

Gemeinsamer Start des Halbmarathons und der beiden Staffelwettbewerbe auf dem Friedensplatz Rund 3400 Individualisten hatten gemeldet und mehrere hundert Staffelteams

Entwicklungen

Seit seiner Premiere 2011 hat sich einiges getan beim Usti Halbmarathon. Damals gab es noch einen Lauf über zehn Kilometer, den man später jedoch durch zwei HM-Staffelrennen für Zweier- oder Viererteams ersetzt hat. Außerdem hat man die Strecke geändert, die seinerzeit noch aus zwei fast identischen Runden bestand und über die Marienbrücke führte. Heute ist es eine große Runde, wobei aber wenige Kilometer zweimal gelaufen werden und die Benese-Brücke im Mittelpunkt steht.

Andere Veränderungen werden deutlich, wenn ich hier meinen Bericht von 2012 zitiere, als ich erstmals in Usti zu Gast war. Dort heißt es: "Freilich, Usti darf darauf verweisen, dass Läufer aus immerhin 27 Ländern am Start waren - welch ein deutscher Halbmarathon außerhalb der Hauptstädte kann das von sich behaupten -, doch es waren oftmals nur eine Handvoll Akteure aus einem betreffenden Land vor Ort. Zu erklären ist das insgesamt doch spärliche internationale Läuferpotential vor allen Dingen damit, dass die Läufe außerhalb der Hauptstadt Prag alle noch sehr jung sind.

Die Serie muss sich erst einmal herumsprechen, die Werbeaktivitäten brauchen eine gewisse Zeit, um wirksam zu werden. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, dass sich schon in wenigen Jahren diese Situation gebessert haben wird, denn es kann kein Geheimnis bleiben, dass das Preis-Leistungsverhältnis bei der RunCzech-Serie keinen Vergleich zu scheuen braucht - im Gegenteil: man ist geneigt zu behaupten, dass Carlo Capalbo und sein international besetztes Expertenteam für Laufevents jetzt und in der Zukunft Standards von europäischem Niveau setzt und setzen wird."

Vier mal ist die alte Benesebrücke zu überlaufen Eine von vielen gut ausgestatteten Verpflegungsstellen

Diese Voraussagen sind allesamt eingetroffen. Damals hatte die Serie nur drei Goldlabels für die Rennen in Prag, inzwischen sind es sieben - einschließlich Usti. Im Vergleich zu 2012 kommen doppelt so viele Starter nach Usti aus insgesamt 39 Ländern. Auch das sportliche Niveau, das niemals niedrig war, konnte gesteigert werden. Auch das prognostizierte europäische Niveau ist längst erreicht mit der Erfüllung international vorbildlicher Standards.

 

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Erfreulich aus deutscher Sicht ist, dass dies nun endlich wohl auch einige schnelle hiesige Läufer mitbekommen haben, nachdem deutsche Portale, vor allem LaufReport, häufig aus der Tschechischen Republik berichtet haben. So war in der letzten Woche Sebastian Hendel von der LG Vogtland beim Grand Prix in Prag über zehn Kilometer dabei. Er erreichte dort in 30:39min den 35. Platz, war damit allerdings über eine Minute langsamer als bei seinem sechsten Platz bei der Deutschen Meisterschaft in Bad Liebenzell am 9. September (29:25min). Für Usti hatte nicht nur das Regensburger Duo Jonas Koller und Felix Plinke gemeldet sowie die bereits zitierte Ina Zscherper, sondern auch der zweitschnellste Marathonläufer des Jahres, Marcus Schöfisch. Während letzterer wohl nicht an den Start ging oder nicht finishte, konnten sich erstere in die deutsche Jahresbestenliste laufen, Koller sogar auf Rang 6.

Die Elbe begleitet die Läufer auf all ihren Wegen Der Durchlauf durch das Gebiet der Spolchemiefabrik gehört zu den Besonderheiten des Laufs. Das Werksgelände des größten regionalen Arbeitgebers ist ansonsten ganzjährig für Besucher gesperrt

Violah Jepchumba knackt Streckenrekord

Violah Jepchumba startete in diesem Sommer mehrfach bei der tschechischen Laufserie. Beim Grand Prix in Prag wurde sie nur eine Woche vor Usti als Titelverteidigerin hinter der neuen kenianischen Wunderläuferin Joyciline Jepkosgei, die als erste Frau unter dreißig Minuten blieb (29:43min), zweite. Das gleiche Schicksal erlebte sie beim Halbmarathon in Prag, wo sie die fünftschnellste HM-Zeit der Geschichte lief und beim 10-km-Split (30:05min) die zweitschnellste je gelaufene Zeit erreichte, eine Sekunde nur langsamer als die im gleichen Rennen laufende Jepkosgei. Mit diesen aktuellen Leistungen war die gebürtige Kenianerin, die einen Startrechtswechsel nach Bahrain vollzogen hat, Favoritin. Das Ziel war vorher ausgegeben: ein neuer Streckenrekord sollte her.

Achtung Gegenverkehr. Zwei enge Wendepunkte und zwei weitgesteckte Wendeschleifen kennzeichnen den Streckenverlauf. Die Strecke ist trotz einiger Höhenmeter und Kurven sehr schnell Wechselzone für die Staffelduos und -quartetts

Entsprechend ihrer Überlegenheit, hatte Jepchumba offenbar keine Lust, sich eine Zeitlang im Führungsbereich der anderen Frauen aufzuhalten. Sie ging in Begleitung ihrer Pacemaker gleich an die Spitze und erreichte die 5-km-Marke nach 15:15min. Da hatte sie vor einem rein kenianischen Trio, bestehend aus Nancy Jepkosgei Kiprop, Lucy Cheruiyot und Stacy Chepkemboi Ndiwa, bereits siebzehn Sekunden Vorsprung. Die 10-km-Marke passierte Jepchumba nach 30:57min, war also etwas langsamer geworden, hatte aber dennoch ihren Vorsprung auf 24 Sekunden ausgedehnt. Auf dem dritten Streckenabschnitt blieb die Kenianerin auf gleichem Niveau und überlief die 15-km-Marke nach 46:38min. Da betrug der Vorsprung vor nur noch zwei Landsfrauen fünfzig Sekunden. Am Ende finishte Jepchumba mit der Weltklassezeit von 66:06min und pulverisierte den Streckenrekord von Peres Jepchirchir (67:17min) um sagenhafte 71 Sekunden. Ihre Bestzeit von 65:22min war heute jedoch außer Reichweite. Mit dem Sieg konnte die stets lächelnde Jepchumba endlich auch den Nimbus der ewigen Zweiten ablegen. "Ich bin sehr froh", sagte sie nach dem Rennen, "dass es endlich passiert ist und ich endlich gewinnen konnte. Wenn man gewinnt und zudem einen Streckenrekord aufstellt, ist es unmöglich, nicht glücklich zu sein."

Die Führungsgruppe der Männer nach fünf Kilometern
Nach einem Viertel der Strecke führt Favoritin Violah Jepchumba, begleitet von ihren Pacemakern. Rechts ist der Regensburger Jonas Koller zu sehen Auf der rechten Elbseite wirken die Läufer vor den riesigen Tanks winzig

Eine neue Bestzeit erreichte auch die zweite, Nancy Kiprop, die in einem Herzschlagfinale (67:22min) Lucy Cheruiyot (67:23min) auf der Ziellinie knapp niederringen konnte. Noch eine weitere Läuferin blieb unter siebzig Minuten und sorgte für eine persönliche Bestzeit: Stacy Ndiwa (69:09min). Hinter sechs Schwarzafrikanerinnen kam die Tschechin Eva Vrabcová-Nyvltová in 71:22min als beste Europäerin auf den siebten Platz. Den tschechischen Rekord, den sie angekündigt hatte, verpasste sie um zwanzig Sekunden. Einen hervorragenden zehnten Platz erreichte die Italienerin Silvia Weissteiner. Die Südtirolerin benötigte 73:50min. Schnellste Deutsche war erwartungsgemäß Ina Zscherper vom Dresdener Citylaufteam auf dem fünfzehnten Platz. Sie lief in 81:42min zwar um 100 Sekunden an ihrer Bestzeit vorbei, hatte sich das Rennen aber so gut eingeteilt, dass sie sich noch von Rang 19 nach vorne arbeiten konnte.

Sieg mit einer Weltklassezeit und neuem Streckenrekord für Violah Jepchumba, die gebürtige Kenianerin aus Bahrain Platz zwei und drei für Nancy Jepkosgei Kiprop (mitte) und Lucy Cheruiyot, beide aus Kenia Stacy Chepkemboi Ndiwa (KEN) wird 4.

Interessant ist ein Vergleich der Frauensiegzeit von Jepchumba mit jener, die parallel in Kopenhagen erzielt wurde. Dort, auf einem einfacheren Kurs, siegte Eunice Chebichii Chumba mit 66:11min, womit Jepchumba fünf Sekunden schneller war als ihre ehemalige Landsfrau im hohen Norden. In einem Punkt gibt es eine weitere Parallele. Auch Chumba wurde in Kenia geboren, wechselte dann aber ebenso nach Bahrain. Gleiches gilt für den Kopenhagener Männersieger Abraham Cheroben (Weltjahresbestzeit 58:40min), der in Kenia das Licht der Welt erblickte und jetzt für Bahrain startet. Drei Siege bei zwei hochkarätigen Rennen an diesem Laufwochenende für Bahrain, einem Königreich mit einer Gesamtfläche, die kleiner ist als das Stadtgebiet Hamburgs, lassen aufhorchen.

Kipyego hätte keine Sekunde liegenlassen dürfen

Konnten sich bei den Frauen sieben Afrikanerinnen unter den ersten acht platzieren, war die Überlegenheit der afrikanischen Männer noch erheblich größer. Vierzehn Läufer aus Kenia, Tansania, Äthiopien oder Marokko konnten sich unter die "Top fünfzehn" einreihen. Nur dem zähen Japaner Yuta Shitara blieb es vorbehalten, die Phalanx zu durchbrechen.

Titelverteidigung, Sieg und neuer Streckenrekord für Barselius Kipyego aus Kenia Auf Platz 2 läuft sein Landsmann Josphat Kimutei Tanui Als 3. blieb auch Ismail Juma aus Tansania noch unter einer Stunde Löste mit seinem neuen Landesrekord Jubelstürme in Japan aus. Yuta Shitara finishte nach einer Stunde und sechzehn Sekunden und wurde 8.

Inklusive der zahlreichen Pacer erreichten fünfzehn Läufer die erste Zeitmatte bei Kilometer fünf in schnellen 14:03min. Bei gleichbleibendem Tempo wurde der Split für zehn Kilometer bei 28:08min passiert. Da waren noch elf Läufer dabei. Auf dem dritten Streckenabschnitt wurde dann das Tempo erhöht. 13:55min für die dritten fünf Kilometer bedeuten eine Durchgangszeit bei km 15 in 42:03min. Nur noch drei Läufer konnten dieses Tempo mitgehen: Vorjahressieger Barselius Kipyego aus Kenia, dessen Landsmann Josphat Kimutai Tanui und Ismail Juma aus Tansania. Das sollte auch das Trio sein, das am Ende die Stundenmarke unterbieten würde. Die Entscheidung um den Sieg fiel auf den letzten Kilometern.

Kipyego konnte weiterhin Druck machen und sich leicht absetzen. Er siegte in neuer Streckenbestzeit von 59:14min und war damit eine Sekunde schneller als bei seinem Rekord im Vorjahr. Tanui blieb erstmals unter sechzig Minuten und wurde in 59:22min zweiter vor Juma, der auch noch nie die Stundenmarke geknackt hatte, in 59:30min. Eng ging es dahinter zu. Als weitere Läufer folgten die Kenianer Wilfred Kimitei (60:12min) und Philip Tarbei (60:13min) sowie der starke Marokkaner Aziz Lahbabi (60:15min). Der Mann mit der besten Vorleistung, Solomon Kirwa Yego (58:44min) aus Kenia, enttäuschte etwas mit seinem siebten Platz in 60:16min.

Schnellste Europäerin wird auf Platz 7 die Tschechin Eva Vrabcová-Nyvltová vor Lydia Rotich (KEN) Einen feinen Platz unter den Top Ten sicherte sich die Südtirolerin Silvia Weissteiner (ITA) Mit Jonas Koller und Felix Plinke von der LG Telis Finanz Regensburg waren auch zwei starke deutsche Läufer am Start, die lange mit der führenden Frau zusammenliefen. Die Schützlinge von Trainer Kurt Ring wurden 21. und 24. und stellten je eine neue persönliche Bestleistung auf

Japaner läuft Asienrekord - Koller nutzt Frauenspitze

Im Gegensatz zu diesem durfte sich ein leichtgewichtiger Japaner freuen: Yuta Shitara. Denn der brachte das Kunststück fertig, woran eine ganze Generation von japanischen Langstrecklern seit 2007 gescheitert war, nämlich den Landesrekord im Halbmarathon zu brechen, den seit über zehn Jahren Atsushi Sato mit 60:25min hält. Damit nicht genug: Satos Zeit war bis Usti gleichzeitig Kontinentalrekord für Asien. Beide Bestzeiten brachte der 26-jährige Japaner Shitara auf der unebenen Strecke von Usti in seinen Besitz und löste damit Jubelstürme in seinem laufbegeisterten Heimatland aus. Er wurde nach starkem Finish in 60:17min achter und unterbot die bisherige Rekordleistung um acht Sekunden. Der schnellste Europäer in Usti war bei seinem Debüt über die 21,1 km der Ukrainer Mykola Nyzhnyk auf Rang 16. in 64:27min. Erwartungsgemäß wurde Jiri Homolác schnellster Einheimischer. Der Prager finishte in 64:33min, seiner drittbeste Zeit überhaupt.

Die beiden deutschen Topläufer Jonas Koller und Felix Plinke von der LG Telis Finanz Regensburg erreichten hinter dem besten Südamerikaner (Paulo Paula, Brasilien, 64:30min) die Ränge 21 und 24 mit je persönlicher Bestzeit. Bei fünf Kilometer gingen beide bei 15:33min durch, zusammen mit dem Pulk der zweiten und dritten Frau, jedoch 15 Sekunden hinter Violah Jepchumba liegend. Während Plinke bis km 10 weiter in der zweiten Frauengruppe lief, setzte sich Koller etwas in Richtung Jepchumba ab und erreichte deren Gruppe noch vor km 15. Dort hielt er sich taktisch klug noch etwas auf, bevor er der schnellsten Frau enteilte und in 65:23min finishte, über vierzig Sekunden vor der Siegerin. Plinke setzte sich ab km 15 vor die zweite Frau und verbesserte seinen Hausrekord auf 66:57min.

Um das Ziel zu erreichen, standen den Läufern volle drei Zeitstunden zur Verfügung
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Fazit

Mit dem Rennen von Usti ging die diesjährige RunCzech-Serie zu Ende. Sie wird auch bei deutschen Läufern immer beliebter. Wie Evgeniia Zhgir mitteilt, im Orgateam zuständig für internationale Beziehungen, nahmen rund 900 Läufer aus Deutschland an den sieben Rennen teil, Tendenz steigend. Glück hatte man in Usti dieses Jahr mit dem Wetter. Der prognostizierte Regen blieb aus; die Temperaturen waren bei 13 Grad zwar frisch, aber kamen den schnellen Läufern entgegen. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass die Finisherzahl im Halbmarathon mit 2096 Läufern (davon 649 Frauen) leicht unter den Wert der letzten beiden Jahre (2015: 2138 Finisher; 2016: 2236 Finisher) sank. Dafür waren aber mehr Staffelteams dabei und auch mehr beim Familienlauf. Alles in allem eine gewohnt gelungene Veranstaltung, die hochkarätigen Sport bot und für Zuschauer und Läufer einen großen Unterhaltungswert hatte.

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt - Fotos von Thomas Linnemann

Informationen und Ergebnisse www.runczech.com/de

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Thomas Linnemann

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