Der Volksbank Münster Marathon im LaufReport wird Ihnen präsentiert von

10.9.17 - 16. Volksbank-Münster-Marathon

Debütant Paul Maina entthront Titelverteidiger Duncan Koech

300 Künstler performen den Marathon der Poesie

Großartige Stimmung und herrliches Wetter

von Michael Schardt

Der Münster Marathon hält sich seit vielen Jahren unter den zehn größten deutschen Marathonläufen. Aus den Top ten ist er terminlich der früheste in der Herbstsaison, hat also Auftaktstatus.

Mit 9200 Anmeldungen war das Interesse an der Veranstaltung noch nie so groß wie diesmal. Bei strahlendem Sonnenschein und freundlichen Temperaturen hätten die Rahmenbedingungen für Zuschauer und Aktive nicht besser sein können. In traditioneller Weise zelebrierte der veranstaltende Münster Marathon Verein am zweiten Septembersonntag ein Läuferfest der Extraklasse. Dazu hatte man das Artistenprogramm noch einmal deutlich aufgestockt.

 

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Fast dreihundert Künstler und Musiker sorgten für eine bunte und facettenreiche Performance, die den Münster Marathon zu einem Kulturereignis macht. Man darf wohl zu Recht vom einzigen deutschen "Marathon der Poesie" sprechen.

Herrliches Wetter - beste Bedingungen. Die 16. Auflage des Volksbank Münster Marathon stand unter einem glücklichen Stern. Mit rund 9200 Anmeldungen war das Interesse so groß wie nie
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Grandiose Kulissen

Großartiger architektonischer Rahmen des Münster Marathons sind das städtische Schloss, wo der Start erfolgt, und der fein geschmückte Prinzipalmarkt als Zentrum der Altstadt, wo das begeisterungsfähige Publikum die Zielankünfte erwartet.

Richtig viel los war bereits am frühen Morgen auf dem weitläufigen Schlossplatz. Hier trafen sich die Trainingsgruppen für ein Vorabfoto und die vielen hundert Staffelteams für eine letzte Lagebesprechung. Auch Zuschauer waren schon zahlreich vor Ort, um den Marathonis eine stimmungsvolle Startphase zu bereiten. Während sich die ersten Marathonis in den Startkanal begaben, erkletterte Orgachef Michael Brinkmann die Bühne.

 

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Seine Begeisterung ob des schönen Wetters und des enormen Zuspruchs hätte kaum größer sein können. Er heizte die Atmosphäre mit launiger Moderation zusätzlich an. Natürlich hatte er auch offizielle Aufgaben zu erledigen, etwa die Bürgermeisterin Karin Reismann zu begrüßen, die einst maßgeblich am Zustandekommen des Münster Marathons beteiligt war, oder die wichtigsten Sponsorenvertreter zu befragen. Eigentlich hätte Sängerin Ela Querfeld die Läuferinnen und Läufer noch in die rechte Stimmung für ihren 42,2 Kilometer langen Lauf durch die Domstadt und angrenzende Stadtteile versetzen sollen, doch war diese zu einer falschen Bühne gefahren und nicht mehr rechtzeitig vor Ort.

Verschnaufspause für Mister Münstermarathon, Orgachef Michael Brinkmann, zwischen Marathonstart und Staffelstart Start für 1500 Staffelteams. Links in grün ist das Team "Milch macht sexy" zu sehen, eine reine Männermannschaft, die das Staffelrennen in 2:35h gewinnen wird In der Mitte ist Vera Coutellier aus Köln zu sehen, die zur erweiterten deutschen Spitze der Langstrecklerinnen gehört. Sie führt ihre "Viertelmarathonis" zum Staffelsieg bei den Frauen

Spätestens aber bei der Präsentation der Eliteläufer und ihren Tempomachern gewann der sportliche Aspekt die Oberhand. Das war kurz vor neun Uhr der Fall. Vorgestellt wurden einige afrikanische Stars, darunter auch der Vorjahressieger Duncan Koech und der bereits 35 Jahre alte Debütant Paul Maina, beide aus Kenia, sowie deren Landsfrauen Eunice Kioko und Rose Jepchoge Maru. Außerdem zwei starke Frauen aus dem Land der aufgehenden Sonne, die Japanerinnen Hisae Yoshimatsu und Yoshiko Sakamoto.

 
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All diese sowie die engagierten Pacemaker waren vom Orgateam am Vortag bei einem Zusammentreffen auf die richtige Renntaktik eingeschworen worden, denn mit der Verbesserung der beiden Streckenrekorde liebäugelt man in Münster immer gerne.

Hier sind 800m gelaufen. Wer auf den Asphalt schaut, sieht einen "Schattenfotograf" (Begriff entlehnt dem gleichnamigen Werk des Dichters Wolfdietrich Schnurre) Rockklänge gibt es schon bei der ersten Einbiegung in die Innenstadt (km 1)

Um punkt neun Uhr dann wurde es für knapp zweitausend Akteure ernst. Der Countdown wurde von zehn heruntergezählt, jedoch ließ sich die Startpistole im gewünschten Moment nicht betätigen, so dass einige Läufer sich bereits in Bewegung setzten, während die meisten noch ein paar Sekunden hinter der Startlinie verharrten, bevor sie in Richtung Aasee losliefen.

Programm und Staffel

Die Marathondistanz hat in Münster immer die zentrale Rolle gespielt. Die Hinzunahme eines Halbmarathons war nie wirklich Thema, auch als die Teilnehmerzahlen nach sehr guten Anfängen immer weiter absanken bis unter 2000 Finisher. Die nach und nach kreierten Rahmenläufe, etwa der Schülerlauf, der Charityrun oder seit diesem Jahr der Gesundheitslauf, blieben bewusst immer nur Randerscheinungen ohne sportlichen Wert, da für diese keine Zeitnahme vorgesehen ist. Anders allerdings sieht es mit dem Staffelwettbewerb aus. Das war von der ersten Austragung an ein Volltreffer mit der Folge, dass die Nachfrage nach Startplätzen das Angebot bei weitem überstieg, auch als man das Kontingent behutsam auf nun 1550 Staffelteams anhob. Der Staffelmarathon ist alljährlich schon lange vor dem Termin ausgebucht und zumindest von der Anzahl der Teilnehmer her das Herzstück der Veranstaltung.

Die Männerführungsgruppe nach dem ersten Streckendrittel Führungsgruppe der Frauen bei km 13 noch eng zusammen

Der Staffelmarathon wird fünfzehn Minuten nach dem Marathon angeschossen und mit viel Ehrgeiz der Firmen, Vereine oder Familien bestritten. In der Regel gehören einem Team vier Mitglieder an; manche Staffeln sind hingegen nur mit zwei oder drei Läufern besetzt. Die einzelnen Teilstücke haben in etwa die gleiche Länge von rund 10,5 Kilometern. Der Zeitmesschip wird von einem zum anderen Läufer weitergegeben.

Ein immer wieder diskutiertes Thema ist die Streckenführung. Manchen Läufern sind die ersten zehn Kilometer durch die Innenstadt zu eckig und eng, anderen die Passagen über die Dörfer zu windanfällig oder einsam. Dass einige hundert Meter über Kopfsteinpflaster führen, passt den einen nicht, die anderen stören sich an den leichten Wellen im Mittelteil. Tatsächlich aber hat der Kurs nach anfänglichen Experimenten seit Jahren eine feste Form und nahezu seine optimale Struktur gefunden. In einer Stadt wie Münster kann man keine reine Citystrecke anbieten, wenn sie nicht aus mehreren Runden bestehen soll. Ganz flach geht auch nicht, da sowohl die Innenstadt als auch das Umland einige Meter Höhenunterschied aufweisen. Zuschauer in der Stadt gibt es reichlich und auch auf den Dörfern, aber zwischen den Ortschaften, wo kaum jemand wohnt, wird es halt schon mal ruhig.

 

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Landschaftslauf Münster Marathon: Der Läufer stutzt kurz bis er erkennt, dass die kleinen Bäume nur verkleidete Menschen sind Eine halbe Aasee Umrundung gehört zum Streckenverlauf

Die Strecke

Die Münsteraner Stadt- und Landschaftsstrecke ist vielleicht nicht die schnellste in der Republik, aber eine schöne und stimmungsvolle allemal. In Bezug auf die Endzeiten der Eliteläufer könnte sie bei den Männern ein bis anderthalb Minuten kosten, bei den Frauen vielleicht gute zwei. Das dürfte wohl auch der Grund sein, dass Orgachef Michael Brinkmann öffentlich, aber noch unbestimmt über eine geänderte Streckenführung in der Zukunft nachdenkt.

Aber was wäre möglich? Den Innenstadtteil ans Ende setzen? oder mehr die Ausfallstraßen Richtung Norden oder Osten nutzen? Beides würde sicher auch wieder das kleine Grüppchen der ewigen Kritiker auf den Plan rufen. Man kann diesbezüglich in Münster ganz gelassen bleiben.

 

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Nach dem Aasee durchqueren die Läufer eine Villensiedlung

2017 war die alte Strecke die neue. Vom Schlossplatz führt sie zum Aegidientor, nahe dem Aasee, und von dort schwenkt sie direkt Richtung Innenstadt. Die Läufer kommen an vielen städtischen Sehenswürdigkeiten vorbei, belaufen ein Stückchen weit die Promenade auf dem Weg der alten Stadtbefestigung und kommen dann ins Kreuzviertel, der wohl beliebtesten Wohngegend der Münsteraner. Hier hatten vor Jahrzehnten die Studenten Wohngemeinschaften gegründet.

Die einstigen Kommilitonen blieben dort ansässig, wurden Lehrer, Versicherungsbeamten, Ärzte oder Juristen und kauften sich nach und nach die großen Wohnungen und hübschen Villen. Damit machten sie das Kreuzviertel zu einem der teuersten Gegenden in der Stadt. Heute begeistern sich die Bürger mehrheitlich am Marathon, ärgern sich vereinzelt aber, wenn ihre Automobilität für einige Stunden eingeschränkt ist.

 

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Pacemaker für 3h werden von den Kindern sehnlich erwartet. Abklatschen ist Kult Kurze Socken oder lange Strümpfe, unifarben oder sogar geringelt. Soll mal jemand sagen, Männer hätten kein Modebewusstsein

Der Verlauf

Nach gut zehn Kilometern wird die Stadt Richtung Aasee, dem Hausgewässer der Domstädter, verlassen. Hier, bei den Aaseekugeln, liegt der erste Wechselpunkt für die Staffeln, was einen wahren Menschenauflauf verursacht. Die Aaseerunde, etwa fünf Kilometer lang und beliebte Joggingstrecke der Einwohner, wird nur zur Hälfte gedreht, denn in seiner Mitte liegt die Tominbrücke, über die die Langstreckler Richtung Norden und dann wieder zurück zur Stadt laufen, wo eine gutbürgerliche Wohnsiedlung auf die Durchquerung wartet. An Uniklinikum und Universität vorbei nehmen die Marathonis nun Kurs um Gievenbeck herum Richtung Nienberge. Ab km 16 wird es windig und wellig, bäuerlich und einsam. In Nienberge ist Halbzeit, dort, wo der zweite Staffelwechsel vorgesehen ist, steppt der Bär, wie später auch in Roxel und Gievenbeck.

Was sieben Minuten beim Marathon ausmachen können. David Schönherr ist mit einer PB von 2:28h ausgestattet. Hier läuft er als schnellster Münsteraner bewusst ein Rennen mit angezogener Handbremse in 2:35h und sieht entsprechend locker und entspannt aus Ein fröhliches Mädeltrio hat den Marathon zur Genusssache erhoben Da winkt Pacemaker (4h) Klaus Bühn, er lief in Münster seinen 100. Marathon

Das Dorf Roxel wird nach dreißig Kilometern erreicht. Hier übergeben die Teams zum letzten Mal ihren Chip, hier gehen aber auch um zwölf Uhr, drei Stunden nach dem Marathonstart, die Charityläufer auf die Strecke. Ohne Startnummer und ohne Zeitmessung kommt es diesen dreihundert Genussläufern nur darauf an, die letzten zehn Kilometer mit dabei zu sein auf dem Marathonkurs und den legendären Zieleinlauf miterleben zu dürfen. Gleiches gilt für jene, die eine Stunde später bei km 36,5 in Gievenbeck auf die Strecke dürfen. Sie sind die Premierestarter des neuen Gesundheitslaufs und haben ebenfalls nichts mit Wettkampf und Zeiten im Sinn. Letztere treffen mit jenen Marathonis auf der Strecke zusammen, die eine Endzeit von knapp fünf Stunden anvisieren.

Bei Kilometer vierzig, in Höhe der städtischen Musikschule, wird die Himmelreichalle erreicht. Hier starten seit 11:30 Uhr die Schüler in dreizehn verschiedenen Gruppen in ihre Rennen, alle sechs Minuten eine. Knapp zwei Kilometer haben sie zu bewältigen, laufen aber genau wie die Marathonis über den roten Teppich auf dem Prinzipalmarkt ein. Insgesamt kommt der Münster Marathon auf fünf Starts, die räumlich und terminlich recht weit auseinanderliegen. Wer sie alle sehen möchte, muss mit dem Fahrrad flott unterwegs sein.

Ein Laufreporter bekommt ja einiges zu hören. Diese Girls erzählen aufgeregt, dass sie ein Polizist gefragt habe, ob sie heute die Füße gewaschen hätten. Als sie das verneinten, habe der Herr in Grün fest behauptet, dann wären sie heute sicher langsam, weil sie Käse mitschleppen müssten Tatsächlich haben die Mädels diesen Ordnungshüter vollkommen durchschaut. "Der macht nur Wiiitze", war man sich einig Start des Schülerrennens in Höhe der Musikschule. Unterteilt in 13 Gruppen, liegen immer sechs Minuten zwischen den Gruppen - damit die Marathonis nicht aus dem Rhythmus gebracht werden

Zahlen und Daten

Mit Rekordmeldedaten konnte der Münster Marathon bei der Pressekonferenz am Freitagabend aufwarten, als die Zahlen der Nachmelder noch nicht bekannt waren. Demnach hatten sich 9200 Läufer für die unterschiedlichen Rennen angemeldet, so viele wie nie. Über sechstausend allein für den Staffelbewerb. Aber auch die Zahl der Marathonis ließ aufhorchen: 2320 Langstreckler wollten an den Start gehen. Dass sich jedoch nur 1824 Individualisten im Startkanal einfanden, verwunderte nicht nur den Veranstalter, zumal die prognostizierten Wetterbedingungen durch die realen Verhältnisse noch übertroffen wurden.

Bei km 32 startet das vierte Rennen des Tages, der 10 km Charitylauf 300 Künstler, verteilt über die gesamte Strecke, machen das Event zum einzigen Poesiemarathon der Republik

Im Nachgang machte Orgachef Michael Brinkmann hauptsächlich die Unterbringungssituation in Münster dafür verantwortlich. "Die Diskrepanz zwischen Anmeldung und gar nicht erst gestarteten Läufern war in diesem Jahr besonders hoch", stellt er fest, "was daran lag, dass viele Teilnehmer zwar angemeldet waren, aber aufgrund der sehr begrenzten Hotelkapazitäten dann doch nicht anreisten. Dieses Problem war in diesem Jahr aufgrund der Vielzahl von Parallelveranstaltungen deutlich stärker zu spüren, als in den Vorjahren." Tatsächlich hatte die Domstadt am betreffenden Wochenende einige tausend Gäste mehr zu beherbergen, die am Friedenstreffen teilnahmen oder sich die Skulpturenausstellung anzusehen beabsichtigten.

Erstmals in der Geschichte sank die Finisherzahl im Marathon unter die Marke von 1800, konkret auf 1770. Das ist gegenüber dem Vorjahr (2002 Läufer) ein Verlust von über zehn Prozent. Dabei ist die Anzahl derjenigen, die zwar antraten, aber nicht durchkamen, verhältnismäßig klein. Nur 54 Läuferinnen und Läufer gaben auf, einige davon durchaus mit Vorsatz, wie zu erfahren war, denn manche hatten sich nur angemeldet, um einen langen Trainingslauf von 30 bis 32 Kilometern Länge mit Verpflegung zu absolvieren, als Vorbereitung für Berlin oder Köln. Im normalen Bereich lagen die Ausfälle bei den Staffeln. Von 1550 angemeldeten Teams kamen 1443 ins Ziel, deutlich mehr als 2016 (1291). Damit und mit den Teilnehmern der Rahmenbewerbe brachte es Münster auf über 8000 Teilnehmer - auch das ist Rekord.

Km 30 in Roxel, da geht es leicht wellig zu Das Stein-Gymnasium ist Münsters grünste Schule (zumindest vom Anstrich her)

Gemeinsames und Besonderes

Eine Chance für Staffelteams, die schnellsten Individualisten einzuholen, bestand realiter nicht, zumal man fünfzehn Minuten beim Start aufzuholen hatte. Aber auch sonst waren die Stars aus Afrika schneller als die flottesten Stafetten. Die schnellste Staffel stellte das Deutsche Milchkontor, das in seinem Teamnamen behauptete: "Milch macht sexy"! Und schnell, kann man hinzufügen. Marvin Beckmann, Paul Schultz, Lars Langerbein und Schlussläufer Justin Lukas gewannen das Gesamt- und Männerrennen in 2:35h vor der LG Coesfeld in 2:41h. Das flotteste Mixedquartett kam von Marathon Steinfurt und war eigentlich ein Duo, bestehend aus Kerstin Biekötter und Jens Spinneker. Sie siegten in 2:49h vor dem Team "Westfälische Nachrichten 6" in 2:54h. Zwei Teilstücke müssen bei gemischten Mannschaften von Frauen zurückgelegt werden. Knapp die Marke von drei Stunden verpasste das erste reine Frauenteam, die "Viertelmarathonis". Johanna Röder, die starke Vera Coutellier sowie Aline Florian und Inken Terjung siegten in 3:00:20h vor "Michis Mädels" in 3:02h. Ein gemeinsamer Zieleinlauf aller Mannschaftsmitglieder ist in Münster aufgrund der engen Verhältnisse im Zielbereich nicht möglich, man trifft sich daher nachher oft am Domplatz.

In Gievenbeck folgt nur gelegentlich jemand der blauen Linie. Die ist hier nur deshalb ein Umweg, weil das Linienfahrzeug rechts nicht durchkommt Stimmungsnest im Ortsteil Gievenbeck, genau bei km 36. Im Hintergrund Vanman Jochen Heringhaus mit seinem Zelt, der hier den Zuschauern mächtig einheizt

Eine Reihe von besonderen Läufern war dieses Jahr in Münster am Start, darunter etwa diejenigen mit der goldenen Startnummer (Jubilee-Club), die man bekommt, wenn man zehn oder mehr Mal finishen konnte. Noch fleißiger sind jene, die alle fünfzehn bisherigen Marathons erfolgreich bestreiten konnten, immerhin noch 42 Läufer. Einer von ihnen ist Lokalmatador Magnus Grüger aus Hiltrup. Seinen hundertsten Marathon finishte Klaus Bühn, der den Pacemaker für vier Stunden gab. Dieser Sammler ist zudem stolz darauf, in allen Hauptstädten der EU je einen Marathon gefinisht zu haben. In der Sammlerstatistik weltweit sehr weit vorne rangiert Joey Krüll, für den es der 2278 Marathon gewesen sein soll. Steffen Auerswald war Stammgast in Münster, bis er im Januar von der Diagnose ALS erfuhr, eine unheilbare Nervenkrankheit, die ihn an den Rollstuhl bindet. Sein größter Wunsch seither, noch einmal den Münster Marathon erleben zu dürfen. Der wurde ihm durch anderthalb Dutzend Lauffreunde erfüllt, die ihn über die Strecke schoben. Sein Anliegen: auf diese wenig erforschte Krankheit aufmerksam zu machen.

Flott unterwegs ist die Gruppe um den an ALS erkrankten Steffen Auerswald. Sie bleibt klar unter 5h Sechs km vor dem Ziel wird der Agravis-Gesundheitslauf angeschossen. Eine Premiere! Eine andere, dass erstmals alle (weit auseinanderliegenden) Starts (von nur einem "Knipser") fotografische dokumentiert sind

Die Frauen

21 Prozent aller Marathonfinisher in Münster waren weiblich, ein guter, ein überdurchschnittlicher Wert in Deutschland. 372 Frauen schafften es ins Ziel, davon blieben sechs unter drei Stunden und ein Drittel aller Starterinnen unter vier Stunden. Unter drei Stunden blieben drei Kenianerinnen, zwei Japanerinnen und Christl Dörschel von der SG Wenden. Die Hoffnung, dass insbesondere die hochgehandelten Japanerinnen der ostafrikanischen Konkurrenz ernsthaft hätten Paroli bieten können, zumal sie Zeiten von unter 2:30h stehen haben, und sogar den Streckenrekord (Eleni Gebrehiwot 2:29:19h) würden angreifen können, erfüllte sich nicht. Zwei Kenianerinnen waren es, die das Renngeschehen dominierten und auch die beiden ersten Plätze belegten.

Marathon Siegerin wird Rose Jepchoge Maru aus Kenia Ihre Landsfrau Eunice Kioko wird 2. Rang 3 für die Japanerin Hisae Yoshimatsu Mit Yoshiko Sakamoto läuft eine weitere Japanerin auf Rang 4

Rose Jepchoge Maru und Eunice Kioko aus Kenia waren zusammen mit ihren Pacemakern, unter anderem Roger Königs, deutlich schneller angegangen, als geplant. Bei 35:04min passierte das Duo gemeinsam die 10-km-Marke, nach genau 74 Minuten hatte Maru die Halbmarathonmatte erreicht, exakt eine Minute früher als bei der Teamsitzung besprochen. Damit lag sie (und auch die 13 Sekunden später folgende Kioko) auf Streckenrekordniveau. In der zweiten Hälfte wurde es deutlich langsamer, wurden Sekunden und Minuten liegengelassen, so dass Maru in guten, aber nicht überragenden 2:33:05h siegte und sich 3000 Euro Siegprämie sicherte. Kioko, die im letzten Streckenabschnitt sogar noch der Führenden näher kam, brauchte 2:33:59h. Deutlich dahinter zurück blieben die beiden Japanerinnen, die je die komplette Strecke allein und ohne Pacer laufen mussten. Hisae Yoshimatsu wurde dritte (2:36:02h) vor Landsfrau Yoshiko Sakamoto (2:38:29h) und der dritten Kenianerin Divina Jepkogei (2:46:47h). Sakamoto war im letzten Jahr mit fast der identischen Zeit zweite geworden.

Schnellste deutsche Läuferin wird Christl Dörschel, die sich über Rang 6 freut Sandra Lehmkuhl, früher Lüring, wird 7., zweitschnellste Deutsche und beste Münsteranerin Sarah Haustein holt Platz 8 und wird drittschnellste Deutsche Elias Sansar (vorne) holt sich wie im letzten Jahr den lukrativen Geldpreis für den schnellsten Deutschen (8. gesamt). Maciek Miereczko (dahinter) wird 2schnellster Deutscher (9. gesamt), kann im Schlussspurt aber nicht mehr mithalten

Eine attraktive Sonderwertung kommt schnellen deutschen Läuferinnen und Läufern zugute - die ersten drei können ihr Haushaltsgeld mit 2000, 1000 oder 500 Euro aufstocken. Für die Zukunft denkt Orgachef Brinkmann sogar über eine Kontinentalwertung nach, um starke Läufer aus dem europäischen Ausland anzulocken. Wie im letzten Jahr, so konnte sich Christl Dörschel als sechste in 2:56:09h die Deutschlandwertung sichern. Damit war sie gleichzeitig schnellste Europäerin. Eine Konkurrentin hätte sie in der zuletzt sehr starken Jana Groß-Hardt aus Rhede finden können, doch brachte diese, 2014 dritte in Münster, das Rennen nicht zu Ende. So lief etwas überraschend Lokalmatadorin Sandra Lehmkuhl aus Münster auf Rang sieben gesamt und Platz zwei der Inlandswertung. Außerdem gewann sie die Frauenhauptklasse und finishte in 3:06:23h vor Sarah Haustein (team-naunheim.de) in exakt 3:09h und der unverwüstlichen Birgit Schönherr-Hölscher (PV Triathlon Witten, 3:10:19h).

Die Männer: Maina vor Koech

Das Männerrennen wurde erwartungsgemäß eine Angelegenheit afrikanischer Läufer. Unter den ersten sieben Läufern finden sich im Ergebnistableau sechs Kenianer und ein Marokkaner. Nur dem starken und rennaktiven Hicham El Barouki gelang es, als fünfter in 2:17:36h die kenianische Phalanx zu durchbrechen. Zunächst bildete sich eine etwa zwölf Läufer umfassende, afrikanische Kopfgruppe, angeführt von vier Pacern. Diese passierten geschlossen nach 31:26min die 10-km-Marke und waren noch nach 15 km und bei Halbmarathon fast vollständig beisammen. Die Hälfte wurde nach 1:06:09h erreicht, womit der Streckenrekord (2:10:25h) schon so gut wie außer Reichweite lag. Den 30-km-Kontrollpunkt erreichten noch vier Kenianer nach 1:34:15h, während der tapfere Marokkaner schon deutlich zurückgefallen war. Die Entscheidung fiel erst nach km 35, als Maina das Tempo anzog und sich von Koech leicht absetzen konnte. Er siegte in der drittbesten je in Münster gelaufenen Zeit von 2:11:22h vor Koech (2:12:06h), Joseph Kyengo Munywoki (2:12:18h) und Hosea Kipkemboi (2:12:55h). Erstaunlich, dass sich Sieger Maina erst seit vier Monaten im Marathontraining befindet und gleich bei seinem Debüt den Sieg davontragen konnte. Er habe nicht mal alles geben müssen, verblüffte er die Zuschauer im Ziel. Man wird von dem 35-Jährigen sicher noch einiges hören.

Bei km 40 hat sich Debütant Paul Maina den entscheidenden Vorsprung für den Sieg bereits erlaufen Vorjahressieger Duncan Koech wird diesmal Zweiter Auch der Drittplatzierte kommt aus Kenia: Joseph Kyengo Munywoki Mit Hicham El Barouki läuft ein Marokkaner auf Rang 5

Hart umkämpft war auch die Deutschlandwertung, wo Elias Sansar (LG Lage Detmold Bad Salzuflen) Titelverteidiger war. 2016 hatte er sich die Prämie in 2:25:45h sichern können, damals mit sechs Minuten Vorsprung vor Maciek Miereczko vom VFB Erftstadt. Auf dieses Duell lief es auch jetzt hinaus, doch gestaltete sich das Rennen etwas anders. Sansar versuchte ständig, wegzukommen, doch hielt Miereczko Sichtkontakt, bis er irgendwann auf Sansar auflief. Als nach 41 Kilometern immer noch keine Entscheidung gefallen war, bahnte sich ein Spurtrennen an. Hier zeigte sich Sansar als der Mann mit den größeren Reserven. Er nahm seinem Widersacher noch zwanzig Sekunden ab und wurde in 2:25:26h umjubelter Gesamtachter und schnellster Deutscher. Miereczko (9. In 2:25:56h) und Jan Kaschura aus Holzminden (11. in 2:30:47h) konnten sich gleichfalls über Prämien und Podestplätze in der heimischen Wertung freuen.

Wer vielleicht dachte, dass Münsters schnellster Läufer, David Schönherr, würde in das Geschehen eingreifen können, sah sich getäuscht. Das hatte der Student auch gar nicht vor. Er wollte lediglich sehen, ob seine Achillessehne wieder einen Marathon aushalten würde im Hinblick auf seine Teilnahme in Frankfurt. Ein moderates Tempo wolle er anschlagen, sagte er im Vorfeld, mit vielleicht einer Steigerung zum Ende hin. Das alles klappte. Er finishte gutgelaunt in 2:36:50h als 17. und sieht sich gut gerüstet, nach einem nun anstehenden Trainingslager in Spanien bei der DM in 2:25h eine neue Bestmarke erreichen zu können.

Der stimmungsvolle Zieleinlauf auf dem Prinzipalmarkt Die historische Altstadtkulisse hilft den Marathonis, "runterzukommen"
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Zum Schluss

Im Grunde war es in Münster wie immer - einfach großartig. Das gilt für Zuschauer, Läufer und Künstler, die eine ganz besondere Atmosphäre an und auf die Strecke zauberten. Auch das Orgateam arbeitete gewohnt routiniert und blieb ohne Fehl und Tadel. Dass der Sanitätsdienst mehrere dutzend Male eingreifen und dreizehn Läufer ins Krankenhaus gebracht werden mussten, gehört zum Marathon dazu. Es war im Vergleich zu den Vorjahren ein eher ruhiger Nachmittag für die Einsatzkräfte, bestätigte ein Sprecher. Ernsthaft sei keinem Teilnehmer etwas passiert, hieß es. Und das sei - bei allem sportlichen Ehrgeiz - das Wichtigste.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

unter

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