23.9.17 - 13. Heidener Teufelslauf

Kleiner Lauf - viele Zuschauer

C. Uphues mit Doppelsieg / Auch G. Kass zweimal auf Podest

Drei Streckenrekorde Hendrik Pfeiffers blieben unangetastet

von Michael Schardt

Ja, um Gotteswillen, wo hat der Teufelslauf denn seinen diabolischen Namen her? Hatte da etwa Mephistopheles seine Finger im Spiel und einen Pakt geschmiedet. Und warum heißt Heiden wie es heißt? Haben die Bewohner der im westlichen Münsterland gelegenen Gemeinde etwa nichts mit Religion im Sinn?

Auf einer flachen Citystrecke wird der Teufelslauf ausgetragen. Die beiden Hauptläufe (5+10km) sind offiziell dlv-vermessen Die Innenstadt von Heiden ist nicht nur für die Laufveranstaltung gesperrt, sondern auch für das parallel stattfindende Dorffest
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Diese "bösen" Fragen lassen sich problemlos "gütlich" beantworten. Freilich sind die Heidener mehrheitlich christlich gesinnt, wie überall in der katholisch geprägten Region. Der Name des Laufes leitet sich von den Düwelsteenen, den Teufelsteinen, ab, dem Wahrzeichen des rund 8000 Einwohner zählenden Dorfes. Dabei handelt es sich um ein vorzeitliches Massensteingrab aus der Jungsteinzeit, das drei Kilometer von Heiden entfernt liegt und aus der Zeit von 3500 bis 2800 vor Christus stammt.

Der Legende nach sei der Teufel auf dem Weg nach Aachen hier vorbeigekommen und habe einen Sack voller Steine dabeigehabt, um den dortigen Dom zu zerstören. Als er einen Schusterjungen fragte, wie weit es noch bis zur Kaiserstadt sei und dieser ihm seine zwölf Paar zerschlissene Schuhe mit dem Hinweis gab, er komme gerade von dort, und es sei noch sehr sehr weit, war der Teufel so verzweifelt, dass er die Steine an Ort und Stelle fallen ließ und sich aus dem Staub machte. Der Schusterjunge indes hatte den Teufel zuvor an seinem Pferdefuß erkannt und so Schlimmes für Heiden zu verhindern gewusst.

Die Veranstaltung startet mit dem Schülerleistungslauf über 1km Lasse Lohrke (blau) gewinnt vor Jonah Hummels (schwarz) und Florian Knüwer (links in grün) Mädchensiegerin Leonie Hautmann

Lauf und Fest

Gegründet wurde der Heidener Teufelslauf 2005 und fand nun zum dreizehnten Mal statt. Man legte die Veranstaltung von Anfang an mit dem Dorffest zusammen, das immer am letzten Septemberwochenende angesetzt ist. So schlägt der veranstaltende GSV Heiden 1983 zwei Fliegen mit einer Klappe, denn das Gemeindezentrum braucht nicht zweimal für den Autoverkehr abgesperrt zu werden. Außerdem ist der positive Effekt gegeben, dass mehr Zuschauer an die Strecke zu locken sind, als es vielleicht an einem anderen Wochenende der Fall wäre.

Der Teufelslauf ist organisatorisch in zwei Blöcke unterteilt. Zunächst gehen ab 15:15 Uhr im Fünf-Minuten-Takt sechs Schüler- und Kinderläufe über die Bühne, nach einer Pause von einer Stunde, in der die Siegerehrung der Jüngsten durchgeführt wird, werden drei Erwachsenenkonkurrenzen angeschossen. Während die Kinder eine oder zwei Runden um den Häuserblock absolvieren, gehen die Erwachsenen auf einen amtlich vermessenen City-Kurs von 2,5 km Länge, der zwei oder viermal zu durchlaufen ist.

 

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Einen Jugendlauf über eine Cityrunde, den es früher einmal gab, hat man inzwischen mangels Masse aus dem Programm genommen. Dafür wurde 2016 ein Teamwettbewerb für vier Staffelläufer (4x2,5 km) eingeführt, der sich steigender Beliebtheit erfreut.

Start der Teufelmädchen U10. Die zahlreichen Kinderläufe stellen die meisten Teilnehmer. Klara Kamperschroer (Nr. 210) gewinnt den WU10-Lauf vor Paula Buß ( Nr. 208)

Dank günstiger Wetterbedingungen - es war trocken bei zwanzig Grad und einigem Sonnenschein - konnten sich die Organisatoren um Michael Gesing, Daniel Rohring und Silvia Selting über viele Zuschauer und eine gute Beteiligung freuen. Insgesamt verzeichnet die Ergebnisliste 430 Finisher, darunter zahlreiche Doppelstarter. Während die Kinderläufe überaus gut besucht waren, ist bei den Erwachsenen noch Luft nach oben. Insbesondere die Beteiligung am Zehner lasse zu wünschen übrig, meinte der Moderator. Da fanden sich nur 47 Läufer und Läuferinnen an der Startlinie ein, obwohl man heuer die Altersklassenwertung wieder eingeführt hatte, die es 2016 nicht gegeben hatte.

Beim Teufelslauf hatte einst Hendrik Pfeiffer Rennluft geschnuppert

Sämtliche Kinderläufe sind nur für die Altersklasse U12 (also Schüler C) und jünger ausgeschrieben. Der Schülerleistungslauf, in dem Mädchen und Jungen gemeinsam starten, eröffnete traditionell den Laufnachmittag. Bei den Girls siegte über ca. 1000m Leonie Hautmann von der TSG Reken in 3:26min vor den beiden zeitgleichen Leni Schlautmann und Julia Dahlhaus in 3:30min, beide vom FC Viktoria Heiden. Bei den Jungs gab es ein totes Rennen. Sowohl Lasse Lohrke von der LG Dorsten als auch Jonah Hummels von der TSG Reken benötigten 3:08min, wobei ersterer als Sieger gewertet wurde. Dritter wurde Florian Knüwer in 3:16min. Bei den stark besetzten U10-Läufen, bei denen Mädchen und Jungen getrennt laufen, siegten allesamt Kinder der Mariengrundschule Heiden. Felix Höing kam in 3:16min als erster vor Thorben Schröer (ebenfalls 3:16min) ins Ziel, bei den Mädchen gewann Klara Kamperschroer (3:24min) vor Paula Buß (3:37min).

 
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Start 5km Der Citykurs ist 2,5 km lang und muss zweimal durchquert werden

Als die vielen Dutzend Schülerinnen und Schüler sowie Bambini auf der Strecke waren, da meinte der Moderator mit Blick auf den einen Tag später stattfindenden Hauptstadtmarathon: Heute sind die Kids beim Teufelslauf dabei und vielleicht in zehn Jahren schon in Berlin. So weit hergeholt wie es sich anhört, scheint es gar nicht, wenn man sich die Karriere eines Läufers anschaut, der in Heiden erste Wettkampfluft schnupperte: Hendrik Pfeiffer. Der hatte nämlich, damals noch für den LAZ Rhede startend, von 2007 bis 2009 gleich dreimal den Schülerlauf (2,5km) gewonnen und die heute noch gültige Streckenbestleistung (8:59min) gleich zweimal aufgestellt. 2010 gewann er als 16-Jähriger (!) bereits den Hauptlauf der Erwachsenen in der Zeit von 32:34min. 2015, inzwischen der Jugend entwachsen, kehrte Pfeiffer an seine alte Wirkungsstätte zurück und stellte bei seinem Doppelstart die beiden noch heute gültigen Streckenrekorde für 5 km (15:12min) und 10 km (30:50min) auf. Es war seinerzeit die Generalprobe für seinen Versuch, beim Kölner Halbmarathon den Deutschen Rekord für die Juniorenklasse zu brechen. Das gelang, wie man weiß, in 63:43min. Und nicht nur dass, er schaffte im Marathon (2016 in Düsseldorf) die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio, an der er verletzungsbedingt aber nicht teilnehmen konnte.

5km: Christoph Uphues und Gudrun Kass

Der Teufelslauf hätte für Pfeiffer erneut eine gute Generalprobe für Köln (1.10.) werden können, wo er eine Woche später als Topathlet für den Marathon an erster Stelle steht. Darauf hoffte jedenfalls vor dem Rennen Orgachef Michael Gesing. Er habe gehört, dass Pfeiffer starten wolle, aber angemeldet sei er noch nicht, war die halboptimistische Aussage des Rennleiters. Dabei sollte es bleiben. Statt Pfeiffer hatte der TV Wattenscheid einen anderen Topathleten nach Heiden entsandt, den 23-jährige Christoph Uphues, der gleichfalls einen Doppelstart wagte.

Christoph Uphues vom TV Wattenscheid gewinnt mit der zweitbesten je gemessene Zeit über 5km: 15:52min. Nur Clubkamerad Hendrik Pfeiffer war 2015 schneller (15:12min) Jonas Osterholt läuft auf Platz 2 Rang 3 für Cedric Osterholt Guter 4.: Jan Jüttermann

Über fünf Kilometer hatte sich in der ersten Runde ein Trio gebildet, zu dem neben Uphues noch die Brüder Jonas und Cedric Osterholt von SuS Stadtlohn gehörten. In der finalen Runde konnten diese dem Favoriten jedoch nicht mehr folgen, so dass Uphues in der zweitbesten je hier gelaufenen Zeit von 15:52min gewann. Jonas sicherte sich in 16:02min Rang zwei vor Cedric (16:38min) und dem stark laufenden Jan Jüttermann vom SV Lemberg in 17:03min.

Bei den Frauen waren die Leistungen nicht so stark, dafür der Rennverlauf aber überaus spannend. Da beendeten Gudrun Kass vom SG Borken, die 30-jährige Sophie Evers (ohne Verein) und die erst 14 Jahre alte Elena Sniers vom Fußballclub Viktoria Heiden die erste Runde zeitgleich, knapp gefolgt von Maria Parthe (SV Benediktushof), die beim Teufelslauf auf verschiedenen Strecken schon sehr oft gestartet war und nicht selten auf dem Treppchen landete. Der W55erin Parthe kam gegenüber der A-Schülerin Sniers ihre Erfahrung zugute, denn die junge Dame hatte sich anfangs etwas übernommen, wurde eingefangen und auf Rang vier verwiesen. Auf den ersten drei Rängen trennten die ersten Läuferinnen je fünf Sekunden, so dass es zu folgender Reihenfolge kam: Kass (21:10min) vor Evers (21:15min), Parthe (21:20min) und Sniers (21:51min). Nina Giesing hält seit der zweiten Austragung 2006 den Streckenrekord, der bei 19:32min steht.

Gudrun Kass dominiert den Fünfer und wird später noch 2. beim Zehner Sophie Evers holt Platz 2 Hielt sich lang zurück, wird aber noch 3. und gewinnt die W55: Maria Parthe 14 Jahre alt ist Elena Sniers von FC Viktoria Heiden, die lange auf Platz 3 lag, zum Schluss aber 4. wird

10km: Dreifacherfolg für SG Borken

Hätten nicht noch 17 Staffelteams zusammen mit den Hauptläufern an der Startlinie gestanden, dann hätte sich das Feld noch schmaler ausgemacht, als es ohnehin schon war. Nur elf Frauen und 36 Männer wollten sich der Herausforderung stellen, obwohl die Strecke bestenlistenfähig und zudem sehr schnell ist.

Gemeinsame Startaufstellung zum Zehner und der 4x2,5km-Staffel mit Johannes Reinig (Nr. 26, der mit seiner Staffel 3. wird,. Rechts daneben Felix Knüwer (Nr. 208), der 3. über 10 km wird An der Wechselzone für die Staffeln ist das Zuschauerinteresse besonders hoch

Bei den Frauen waren knapp die Hälfte aller Starterinnen von der Sportgemeinschaft Borken, nämlich fünf. Die SG brachte allein vier Läuferinnen unter die ersten fünf und belegten auch alle Podestplätze - eine Vereinsmeisterschaft sozusagen. Klar die stärkste im Feld war Tanja Osterholt (W45), die in 44:14min siegte und wohl etwas davon profitiert haben dürfte, dass ihre härteste Konkurrentin, Gudrun Kass (W45), bereits die fünf Kilometer in den Beinen hatte. Sie kam auf Rang zwei in 45:28min. Bei den zeitgleichen Agnes Hölter (W60) und Katja Wiesmann (WHK), die ihr Rennen nach 46:19min beendeten, gab ein Fotofinish für Hölter den Ausschlag für den dritten Platz. Der Streckenrekord steht seit 2010 bei 41:11min und wird von Cornelia Buss gehalten.

Kai Hesterwerth, der 3. Läufer der siegreichen Staffel vom Triathlonverein W+F Münster, liegt hier noch vor dem Sieger über 10 km ... ... Christoph Uphues, der am Schluss als Erster die Ziellinie überqueren wird. Sein Doppelsieg hatte 2015 bereits Hendrik Pfeiffer vorgemacht. Letzterer hält mit 30:50min auch den Streckenrekord Benjamin Luber wird 2.

Bei den Männern hatte Christoph Uphues keine ernsthafte Konkurrenz zu fürchten, obwohl er bis zum Ende der dritten Runde "nur" an zweiter Stelle lag. Der Mann vor ihm spielte jedoch für sein Rennen keine Rolle, denn das war ein Staffelläufer des stärksten Teams aus Münster. Uphues finishte mit mehr als vier Minuten Vorsprung in guten 32:42min vor Benjamin Luber (M35) vom Team Erdinger in 36:56min und dem A-Jugendlichen Felix Knüwer vom FC Viktoria Heiden in 38:36min. Eine starke Leistung erbrachte der 63-jährige Herbert Wienen vom TV Borken, der in 40:34min 5. und Sieger der M60 wurde.

Schnellste Staffel war das Triathlon W+F Team Münster, das in 34:36min einen neuen Rekord aufstellte. Das schnellste Mixedteam stellte "just4run" in 43:17min mit Jana Hölter als einzige Frau (Gesamtrang 5), während das Vering-Racing-Team, bestehend aus nur zwei Frauen (Marion Schlüter-Michaels und Jennifer Röttger) die schnellste rein weibliche Stafette blieb (53:20min; 13. Platz).

Der abwechslungsreiche Laufkurs bietet ein bisschen City, ein wenig Wasser und einen kleinen Park
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Fazit

Wer kleine, familiäre Läufe mag, dem ist der Teufelslauf wärmstens ans Herz zu legen. Die Atmosphäre ist herzlich, die Organisation gut. Schnell und bestenlistenfähig ist die Strecke zudem für diejenigen, die auf eine gute Zeit aus sind. Ganz nebenbei kann man mit seinem Start Gutes tun, denn der Erlös geht komplett an das Hilfsprojekt Bumangi-Uganda. Insgesamt also beileibe keine teuflische, sondern eher fast eine himmlische Angelegenheit.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.teufelslauf.heiden.de

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