9.9.17 - 23. Rietburg Berglauf des LCO Edenkoben

Klare Sache für Jonas und Simone

von Wilfried Raatz

Schon König Ludwig I wird nachgesagt, dass er die landschaftlichen und klimatischen Vorzüge Edenkobens erkannt habe - und folglich auf halber Höhe zur Rietburg seine Sommerresidenz Schloß Villa Ludwigshöhe erbauen ließ. Sicherlich war er auch Weingenießer, denn das Umland rund um die Sommerresidenz ist Weinland. Und Edenkoben eine der attraktiven (weil schmucken) Gemeinden an der Südlichen Weinstraße. Über der Verbandsgemeinde thronen die Reste der Rietburg in 550 m Höhe, einstmals Heimstatt der Herren von Riet, als Sonnenterasse über der Weinstraße.

Start zum 23. Rietburg-Berglauf im Weinstraßenstadion Besenfahrer ganz in den Farben des Veranstalters LCO Edenkoben - jetzt aber hinterher
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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"Edenkoben - das ist Wein, Wald und Kultur" bewirbt die Gemeinde die Vorzüge und nennt eine Reihe von touristischen Highlights. Zwischen der Mandelblüten-
wanderung, dem Schlossfest und dem Wein- und Kastanienmarkt fehlt allerdings mit dem Rietburg-Berglauf ein sportliches Highlight, heuer zum 23. Mal durchgeführt und zentraler Wertungslauf beim sieben Wettbewerbe umfassenden Pfälzer Berglauf-Pokal.

Zunächst wird das Hauptfeld noch flach gehalten - hier am Goldenen Eck

Nach dem Donnersberglauf, dem Nanstein-Berglauf, dem Rockie-Mountain-Lauf und nunmehr dem Rietburg-Berglauf scheinen allerdings die Fronten beim Pfälzer Berglauf-Pokal 2017 weitgehend geklärt, denn mit Jonas Lehmann hat der seit einigen Jahren die Spitze in der Pfalz darstellende Jonas Lehmann mit seinem vierten Tagessieg den Gesamtsieg praktisch schon in der Tasche. Dazu ist der 28jährige bislang zu souverän aufgetreten und ist nicht mehr einholbar, denn bei allen vier Läufen hat er die Tagesbestzeit und damit die Messlatte für die Konkurrenz fixiert. Mit 31:27 Minuten lief der für den TuS 06 Heltersberg startende Nationalmannschaftsläufer "um Meilen" der gewiss nicht schwachen Konkurrenz scheinbar spielerisch auf und davon, im Ziel waren es fast drei Minuten auf den auf Rang zwei folgenden Trail-Spezialisten Max Kirschbaum.

Alleine auf weiter Flur zur Rietburg: Tagessieger Jonas Lehmann Max Kirschbaum (70) und Benjamin Thürer in der Lehmann-Verfolgung Philipp Ullrich läuft als Vierter knapp am Podest vorbei

Den Blick auf die Uhr hatte Jonas Lehmann dabei eingestellt, schließlich ist es alleine voraus schwer, das angeschlagene Tempo hoch zu halten. Zwanzig Sekunden trennten ihn bei seinem Start-Ziel-Sieg vom Streckenrekord, den 2008 sein TuS 06-Vereinskollege Matthias Hektor aufgestellt hatte. "Ich bin schon einmal 31:14 gelaufen. Heute hatte es sich zumindest genauso schnell angefühlt", lachte er entspannt bei der Siegerehrung im Kurpfalzsaal. Nach seinem überzeugenden Sieg beim "Inferno-Halbmarathon" zum Schilthorn in Lauterbrunnen war dies für Jonas Lehmann der erste Start - im Gegensatz zu den 2175 Höhenmetern waren es in Edenkoben gerade einmal 420 Höhenmeter und der rechte Aufgalopp für die anstehenden Herbstereignisse.

Johannes Ullrich, der Bruder des Viertplatzierten, gewinnt als Fünfter die U20-Wertung Marko Martin ist mit Rang 6 schnellster Masters-Läufer Direkt hinter Wolfgang Glatter kommt der M60-Sieger Alois Berg (90) Stammgast bei den Pfälzer Bergläufen: Jürgen Binder. Heute wird er 2. der M55

Eine anders geartete Orientierung hat Max Kirschbaum, einer der Top-Trailläufer in Deutschland. "Für mich war das heute eine willkommene Tempospritze", so der 31jährige von der LG Ohmbach, denn in einer Woche stehen für ihn die 86 km beim Saxoprint Pfalz-Trail an. Da sind andere Fähigkeiten gefragt als die Steigungen zwischen 7 und 12 Prozent an der Rietburg. Er ist gewiss in guter Verfassung, denn ein Benjamin Thürer will auch erst auf einer kurzen Distanz wie den 8,2 km geschlagen werden. "Beim Anstieg an der Baumschule hatte ich psychische Probleme, da ist Max mir einfach weggelaufen!" so der Karlsruher. Am Ende trennten ihn 30 Sekunden vom Trail-Spezialisten.

Die Brüder Philipp und Johannes Ullrich vom TV Bad Bergzabern folgten auf den nächsten Rängen, wobei Johannes die U20-Wertung als schnellster Jugendlicher zudem für sich entscheiden konnte. Auf den Plätzen sechs und sieben duellierten sich die schnellsten Masters-Läufer der M40 um den Tagessieg mit dem schnelleren Ende für Marko Martin gegenüber Ralf Gehrmann. Der Name ist Verpflichtung: Als Gesamtachtzehnter holte sich Alois Berg die M60-Wertung und blieb dabei noch unter der 40-Minuten-Marke.

Simone Raatz holt sich den dritten Sieg beim Pfälzer Berglaufpokal 2017 (dahinter Lennart Nies) Christine Poyet wird mit zweieinhalb Minuten Rückstand Frauenzweite Läuft auf Rang drei und zum W45-Sieg: Sabine Roschy

Ähnlich souverän wie Jonas Lehmann war bei den Frauen Simone Raatz. Nach ihren Siegen am Donnersberg (von Steinbach und von Rockenhausen aus) hat sie offenbar Spaß am Gewinnen gefunden - und sich den Pfälzer Berglauf-Pokal 2017 als ein weiteres Ziel ihrer bislang schon starken Saison 2017 vorgenommen. Die deutsche W40-Meisterin im Cross, über 10 km und Halbmarathon fühlt sich auch ohne spezielles Bergtraining im Gelände wohl ("Es darf nicht nur zu krass bergab gehen!" lacht sie dabei und verweist auf weniger glückliche Versuche wie bei den DM-Berglauf in Bayerisch Eisenstein) - und ist mit nunmehr drei Siegen auf dem besten Weg, den Berglauf-Pokal 2017 zu gewinnen.

 

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Natürlich kann mich Melanie noch schlagen, wenn sie bei den noch ausstehenden Läufen vorne ist. Wegen meinem Marathonstart in Karlsruhe und den weiteren noch geplanten Straßenläufen bleibt für mich eigentlich nur noch das Finale beim Kalmit-Berglauf…" verrät sie ihre Gedankengänge über die weitere (Berglauf-)Planungen.

Nach langer Krankheitspause zum Start und W65-Sieg: Beritta Zeil Mit 75 mit Schwung zur Rietburg: Ingrid Hoffmann Christine und Simone im entspannten Ziel-Gespräch

Mit 37:20 Minuten lag die Karlsruherin im Trikot des ASC Darmstadt bei den Frauen klar voraus - und hatte nach 8,2 km auf die in Wissembourg im Elsass lebende Christine Poyet (39:52) zweieinhalb Minuten Vorsprung. Dritte wurde die für den RC Vorwärts Speyer startende Sabine Roschy (42:26 Minuten).

Bei der Siegerehrung gab es für die beiden ältesten Bergläufer einen Sonderpreis, diesen durften Ingrid Hoffmann als Siegerin der W75 und Ludwig Mesel als Sieger der M80 in Empfang nehmen, für sie wurden 1:00:34 bzw. 1:03:48 gestoppt.

Gut verpflegt ist halb gewonnen Die Top 3 der Männer und Frauen im Kurpfalzsaal
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Als Journalist mit Kamera und Notizblock bewaffnet ist es beim Rietburg-Berglauf mit Spitzenzeiten von etwas mehr als 30 Minuten nicht leicht, auf der Höhe des Geschehens zu sein, schließlich muss auch noch die Fahrt mit der luftigen Sesselbahn eingeplant werden, deshalb gilt auch unser Dank Nathalie Orlemann, Peter Klein und Johann Till für die Überlassung einiger Schnappschüsse.

Bericht und Fotos von Wilfried Raatz

Ergebnisse www.laufinfo.eu - Info www.lco-edenkoben.de

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