24.9.17 - 44. Int. Adelholzener Hochfelln-Berglauf in Bergen

Andrea Mayr gewinnt zum achten Mal

Antonio Toninelli gewinnt beim zehnten Anlauf zum ersten Mal

Anton Palzer, Sarah Kistner und Michelle Maier laufen aufs Podest

von Winfried Stinn

Den 44. Internationalen Hochfelln Berglauf in Bergen/Chiemgau, an dem sich rund 250 Läuferinnen und Läufer beteiligten, gewannen die mehrfache Welt- und Europameisterin Andrea Mayr (Österreich) und der Italiener Antonio Tonielli.

Obwohl die deutsche Nationalmannschaft schwach vertreten war, gab es immerhin drei Podestplätze. Bei den Männern belegte Skibergsteiger Anton Palzer (SK Ramsua) den zweiten Platz. Hinter der erneut überragenden Andrea Mayr liefen Sarah Kistner (MTV Kronberg) und Michelle Maier (PTSV Rosenheim) auf die Plätz zwei und drei.

 
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Vom Start bei der Talstation der Hochfellnbahn führte die 8,9 km lange Strecke, die einen Höhenunterschied von 1074 Meter aufweist, über die Mittelstation zum Ziel auf den 1674 Meter hohen Hochfelln-Gipfel. Ein anspruchsvoller, landschaftlich schöner Lauf. Vom Gipfel hat man vor allem bei einem Superwetter wie diesmal, eine traumhafte Aussicht auf den Chiemsee und die Alpen.

Start zum 44. Intern. Adelholzener Hochfelln-Berglauf in Bergen. Vom Gipfel aus belohnt eine traumhafte Aussicht auf den Chiemsee
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Wie im Vorjahr gehörte auch diesmal der Hochfelln Berglauf, der vom SC Bergen veranstaltet wird, zum Berglauf-Weltcup. Mit dem Hochfelln Berglauf wollte der Berglauf Weltverband die ehemals beliebte, dann aber in die Krise geratene Cup-Serie wieder aufwerten. Aber auch für den SC Bergen bedeutet die Einbindung in die Weltcup-Serie eine Aufwertung. Der Titel "Berglauf-Weltcup" lässt sich mit Recht auch gut in Werbemaßnahmen einbauen und Spitzenläufer "anlocken". Aber um Weltklasseläufer an den Start zu bringen, brauchten sich die Organisatoren vom SC Bergen mit dem Vorsitzenden Jürgen Schmid und Ehrenpräsident Georg "Bibi" Anfang an der Spitze, auch bislang keine Gedanken machen zu machen. Das zeigt ein Blick auf die Siegertafel, die alle Bergläufer/innen mit Rang und Namen ziert. Hier seien stellvertretend Andrea Mayr (Österreich), Jonathan Wyatt (Neuseeland), Marco de Gasperi (Italien), Antonio Molinari (Italien), Helmut Schmuck (Österreich), Petro Mamu (Eritrea) genannt, die alle mehrere Weltmeistertitel auf ihrem Erfolgskonto verbuchen konnten.

Mit am Start bei der 44. Auflage war auch der siebenfache Berglauf Weltmeister Jonathan Wyatt, der Ende Juli zum Präsidenten des Berglauf-Weltverbandes gewählt wurde. Auch als Funktionär will Wyatt weiterlaufen: "Laufen ist für mich Leidenschaft und Entspannung." Und ein Start in Bergen ist für Wyatt Ehrensache, denn an Bergen hat er nur gute Erinnerungen. Kurz nach seinem ersten Titelgewinn 1998 startete er erstmals beim Hochfelln Berglauf, nachdem ihm der damalige Hochfelln-Berglauf Chef Georg Anfang schon zuvor verpflichtet hatte. Bei seinem Debüt verlor er gegen den Italiener Antonio Molinari, in den folgenden Jahren gewann er jedoch gleich acht Mal den deutschen Klassiker. Auch seinen zweiten WM-Titel gewann er 2000 in Bergen, wo er noch heute mit 40:34,9 Minuten den Streckenrekord hält.

 

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Vom Start bei der Talstation der Hochfellnbahn führt die anspruchsvolle, landschaftlich schöne 8,9 km lange Strecke bis auf den 1674 Meter hohen Hochfelln-Gipfel

Natürlich war die Wahl von Wyatt zum Präsidenten auch Thema bei den Funktionären und Läufern in Bergen. So ist Wyatt für die weltbeste Bergläuferin Andrea Mayr ein Glücksfall. "Keiner kennt die Berglaufszene so gut wie Jonathan, er geht auf die Läufer zu, er ist ein Sympathieträger, er kennt die Wünsche der Läufer, er kennt die meisten Strecken". Wolfgang Münzel, ehemaliger DLV Berglaufwart und seit 20 Jahren Mitglied im Council des Berglauf-Weltverbandes: "Ich freue mich über die Wahl von Jonathan Wyatt. Sein Motto ‚athlets first'. Er hat gute Kontakte zu verschiedenen Firmen und sollte uns dringend benötigte Sponsorengelder beschaffen. Er genießt ein hohes Ansehen bei den Athleten und gibt sich auch sehr Athleten-nah."

Und auch der OK-Chef Jürgen Schmid schwärmt "Wir sind vom SC Bergen glücklich, dass der neue Präsident Jonathan Wyatt heißt. Eine bessere Wahl hätte der Berglauf-Weltverband nicht treffen können. Er ist sicherlich der richtige Mann, der wichtige Erneuerungen in der Berglaufszene vorantreiben kann."

 

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Nach der Absage des Berglauf-Weltmeisters von 2012 und amtierenden Weltmeisters über die Berglauf-Langdistanz Petro Mamu (Eritrea), der bislang dreimal den Hochfelln-Berglauf gewann, war die Favoritenfrage völlig offen. Im Vorjahr lieferte sich der Junioren-Weltmeister von 2010 Yossief Tekle ein spannendes Rennen mit Mamu und musste sich erst kurz vor dem Ziel geschlagen geben. 2015 gewann er am Hochfelln, so dass er auch diesmal zu den Favoriten gehörte. Genannt wurde häufig, so auch vom langjährigen Hochfelln-Berglauf-Chef Bibi Anfang, Anton Palzer. Der Vizeweltmeister im Skibergsteigen wurde 2013 an gleicher Stelle Deutscher Meister.

Der neue Präsident des Berglauf-Weltverbandes Jonathan Wyatt lief mit und erreichte Platz 14 Andrea Mayr gewinnt zum achten Mal den Hochfelln Berglauf Antonio Toninelli gewinnt beim zehnten Anlauf zum ersten Mal

Zu beachten wie immer die starken Italiener, mit Antonio Toninelli, der im Vorjahr dritter wurde. Und Antoni Toninelli war es dann auch, der den diesjährigen Hochfelln Berglauf für sich entschied. Bis kurz vor der Mittelstation war noch eine mehrköpfige Spitzengruppe mit den drei Italienern Antonio Toninelli, Alex Baldaccini und Francessco Puppi sowie den beiden Läufern aus Eritrea Filom Abraham und Yossief Tekle zusammen. Doch noch vor der Mittelstation konnten sich Toninelli und Palzer von den übrigen Konkurrenten lösen und wenig später, etwa bei Kilometer vier, lief Toninelli auch Palzer davon. Mit der sehr guten Zeit von 42:58,1 Minuten erreichte er als Erster das Ziel und setzte sich mit seiner Zeit auf Platz neun der ewigen Hochfelln-Berglauf Bestenliste. Damit setzt er die Tradition der italienischen Berglauf-Asse, wie Antonio Molinari, Marco de Gasperi und Marco Gaiardo fort, die sich alle in den Top-Ten der Ewigen Hochfelln-Bestenliste verewigt haben. Nach mehreren zweiten und dritten Plätzen reichte es bei seinem zehnten Start nun endlich zum Sieg. "Der Hochfelln Berglauf ist mein Lieblingsberglauf. Deshalb wollte ich unbedingt gewinnen. Ich bin überglücklich, dass ich endlich den Hochfelln Berglauf gewonnen habe. Der Hochfelln Berglauf hat für mich einen hohen Stellenwert."

Zweiter wurde Anton Palzer in 43:43,3 Minuten. "Ich bin ohne große Erwartungen an den Start gegangen. Ich laufe recht selten, im Sommer fahre ich meist Rad, im Winter steht das Skibergsteigen auf dem Programm. Trotz des heutigen Erfolges werde ich nur selten Bergläufe bestreiten." Mit Alex Baldaccini erreichte der zweite Italiener als Dritter einen Podestplatz. Vierter wurde Filmon Abraham aus Eritrea, der für die LG Regensburg startet. Auf Platz fünf kam Francesco Puppi, der damit den italienischen Erfolg vervollständigte. Der deutsche Berglauf Vizemeister des Vorjahres Jonas Lehmann (TuS Heltersberg) , der im August den Inferno Halbmarathon in Mürren gewonnen hatte, kam als zweitbester Deutscher auf Platz sieben. "Das Ergebnis geht in Ordnung", so Lehmann.

Filmon Abraham läuft auf Rang 4 Alex Baldaccini wird 3. Anton Palzer holt sich den 2. Platz

Bei den Frauen hatte wie üblich Andrea Mayr (Österreich) die Favoritenrolle inne. Die vielfache Welt-und Europameisterin hatte zu Saisonbeginn mit dem Weltmeistertitel im Skibergsteigen überrascht, durch einen Fahrradunfall verlief die weitere Saison nicht ganz nach ihrem Wunsch, sie wurde dritte bei der Berglauf-Europameisterschaft und Zweite bei der Berglauf-Weltmeisterschaft. Damit hat sie aber, erstmalig in ihrer Karriere bei internationalen Meisterschaften einen kompletten Medaillensatz gewonnen. Für die weiteren Podestplätze kamen die beiden derzeit besten deutschen Bergläuferinnen, die Deutsche Berglaufmeisterin des Vorjahres Michelle Maier (PTSV Rosenheim) und die Junioren Weltmeisterin von 2016 und amtierende Deutsche Berglaufmeisterin Sara Kistner (MTV Kronberg) in Frage. Beide hatten durch Siege und vordere Platzierungen bei internationalen Klassikern, wie Jungfrau Marathon, Sierre-Zinal, Aletsch Halbmarathon usw. auf sich aufmerksam gemacht. Andrea Mayr legte von Beginn an ein hohes Anfangstempo vor und siegte überlegen in 47:32,8 Minuten. Damit war sie bei ihrem achten Sieg in Bergen nur um vier Sekunden langsamer als bei ihrem Streckenrekord 2008. "Ich fühle mich zur Zeit in einer sehr guten Form. Es lief von Anfang an heute sehr gut. Dass ich aber so nah an meinen Streckenrekord von 2008 laufen würde, habe ich nicht erwartet", so die Siegerin.

Sarah Kistner wird 2. Frau vor ... ... Michelle Maier (3.) Pavla Schorna-Matyasova wird 4. Renate Forstner läuft auf Rang 5

Den internen Kampf um Platz zwei zwischen Sarah Kistner und Michelle Maier entschied Sarah Kistner für sich. Sie wurde mit einem Rückstand von rund drei Minuten auf Andrea Mayr in 50:37,8 Minuten Zweite. So konnte sie sich in ihrem vierten Rennen zum zweiten Mal hinter Andrea Mayr über einen zweiten Platz freuen. "Damit bin ich mehr als zufrieden. Hinter Andrea Mayr Zweite zu werden ist immer ein großer Erfolg und dass ich meine Bestzeit steigern konnte, freut mich natürlich." Michelle Maier errang in 51:12,1 Minuten wie im Vorjahr den dritten Platz. Damit standen zwei deutsche Läuferinnen auf dem Siegerpodest. "Zwei Wochen nach dem Jungfrau Marathon fehlte noch der letzte Biss, um mit Sarah um den zweiten Platz zu kämpfen. Daher bin ich zufrieden, wieder einen Podestplatz erkämpft zu haben", so Maier. Vierte wurde die Tschechin Pavla Matyasova-Schorna vor der dritten deutschen Läuferin Renate Forstner (TSV 1860 Rosenheim).

Das Siegerpodest der Frauen mit der Siegerin Andrea Mayr aus Österreich, und den zwei Deutschen Sarah Kistner (2.) und Michelle Maier (3.) ... und der Männer mit den Italienern Antonio Toninelli (1.) und Alex Baldaccini (3.) und dem 2. Anton Palzer aus Deutschland

Dass der Berglauf-Weltverband (WMRA) gleich mit drei Präsidiumsmitgliedern vertreten war, neben dem im Juli neu gewählten Präsidenten des Berglauf-Weltverbandes Jonathan Wyatt waren auch Tomo Sarf (Slowenien) und Wolfgang Münzel in Bergen, zeigt die hohe Akzeptanz, die der Hochfelln-Berglauf auch nach 44 Jahren immer noch genießt. Und Jonathan Wyatt konnte sich diesmal, erstmals als Funktionär von der Top-Organisation und der tollen Stimmung, vor allem im Zielbereich, überzeugen. Im Rahmen der Siegerehrung hatte Wyatt eine kurze Ansprache gehalten und auch einige seiner Ziele umrissen: "Wir müssen uns mit der neuen Situation, dass es viele Disziplinen rund um den Berglauf gibt auseinander setzen. Um eine starke Präsenz in der neuen Ära der Trails, Ultra Trails, usw. zu verteidigen, braucht der Berglauf eine Stimme. Es wird Neuerungen geben, die müssen wir im WMRA besprechen." In einem Gespräch erläuterte er weitere Ziele: "Mehr Rennen mit mehr Teilnehmern, würde ich als ein Ziel benennen. Die Bergläufe müssen auch für den Nachwuchs attraktiv sein. Eine intensive Zusammenarbeit mit den Medien ist notwendig. Unsere wichtigsten Veranstaltungen, wie die Weltmeisterschaft, die Jugend-Weltmeisterschaft und Masters-Weltmeisterschaft müssen mehr in den Fokus gestellt werden. Neuerungen wie Staffelveranstaltungen können auch die Attraktivität erhöhen."

Das Ziel auf dem 1674 Meter hohen Hochfelln-Gipfel Das Präsidium des Berglauf Weltverbandes war mit drei Mitgliedern stark vertreten von links Tomo Sarf, der neue Präsident Jonathan Wyatt und Wolfgang Münzel
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Eine positive Bilanz zog OK-Chef Jürgen Schmid: "Es hat alles geklappt. Wir haben nur positive Rückmeldungen bekommen. Ich freue mich auch über die guten Leistungen der deutschen Teilnehmer. Dass der Weltverband, mit seinem neuen Präsidenten Jonathan Wyatt an der Spitze, so stark vertreten war, ist auch für uns ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung unserer Arbeit. Es war eine würdige Weltcup-Veranstaltung. Ich denke, dass wir mit dem Weltcup so weiter machen."

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

Ergebnisse www.hochfellnberglauf.de

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