31.8.19 - 22. Maare-Mosel-Lauf von Daun nach Gillenfeld

Auf Dampflokwegen durch die grüne Lunge

von Holger Teusch 

Die Sportstudentin Pia von Keutz verbessert den Halbmarathonrekord beim Maare-Mosel-Lauf auf 1:25:49 Stunden. Das war der sportliche Höhepunkt der 22. Auflage der größten Laufveranstaltung in der Vulkaneifel. Für die 1069 Läufer, die im Ziel gezählt wurden, gab es zwischen Daun, Schalkenmehren und Gillenfeld noch jede Menge anderer Natur- und Technikgeschichte-Highlights.

Bei dieser Frage runzelte selbst Pia von Keutz die Stirn. "Das kann ich auch nicht sagen, weshalb ich den Maare-Mosel-Lauf noch nie gelaufen bin", antwortete die 26-Jährige. Seit zehn Jahren rennt die in Trier aufgewachsene Studentin durch die Gegend. War schon als Jugendliche unter den besten Fünf beim Nacht-Halbmarathon in Luxemburg, war Vierte beim Kölner Halbmarathon, hat die Juniorenwertung beim renommierten Eurocross in Diekirch gewonnen, aber in der Vulkaneifel ist sie noch nie gerannt.

 
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Das Schalkenmehrener Maar ist ein Streckenhöhepunkt beim 10-km-Lauf & Halbmarathon im Rahmen des Maare-Mosel-Laufs
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Dazu musste sie erst von ihrem Studium in den USA auf Heimaturlaub kommen. Ihr ehemaliger Vereinskamerad Dominik von Wirth von der TG Konz (von Keutz startete zuletzt in Deutschland für das LT DSHS Köln und in den USA für ihr Uni-Team Columbia Cougars) überredete sie zu einem Start - und wusste gleich: Der Streckenrekord würde wackeln.

Denn in dem Jahr im US-Sportsystem hat sich von Keutz auf den Unterdistanzen stark verbessert, lief 17:50,17 Minuten über 5000 Meter und 37:04,42 Minuten über 25 Stadionrunden. Eine Zeit um 1:26 Stunden war da nur mehr als realistisch. Zumal die Strecke, die tendenziell bergab führt, mit dem ein oder anderen Anstieg und Rhythmuswechseln der guten Crossläuferin entgegen kommt. Um fast eine Minute verbesserte von Keutz die erst ein Jahr alte Bestzeit von Yvonne Engel (LT Schweich/2018: 1:26:56).

 
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Die in den USA studierende Pia von Keutz verbesserte bei ihrem Heimaturlaub den Halbmarathon-Streckenrekord auf 1:25:49 h Das abendliche Maar im Hintergrund lief Chiara-Marie Hensel in 1:36:16 Stunden auf Platz zwei über die Halbmarathon-Distanz

Von Keutz war dabei so locker, dass sie jede Menge von der Landschaft mitbekam. Keine zwei Kilometer nach dem Start im Dauner Stadtteil Boverath führt der Maare-Mosel-Radweg, der der Laufveranstaltung ihren Namen gibt über das ehemalige Eisenbahnviadukt. Durch schattigen Wald führt die Strecke anschließend leicht ansteigend zu einem mehr als 500 Meter langen Eisenbahntunnel. "Großes Schlitzohr" wird dieser wegen der dort lebenden Fledermauspopulation genannt. Den Läufern erspart das Werk der Ingenieure der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert etliche Höhenmeter. Kurz hinter dem Tunnel und der ersten Verpflegungsstation wird der Maare-Mosel-Radweg das erste Mal verlassen.

 
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Erstes Highlight der Halbmarathonstrecke ist das ehemalige Eisenbahnviadukt bei Daun Dank des Tunnels "Großes Schlitzohr" bleiben den Läufern viele Höhenmeter erspart

Auf Feld-, Wald- und Wiesenwegen geht es zum Krater des Schalkenmehrener Maars. Der See, der sich im ehemaligen Vulkan gebildet hat, wir auf dem mittleren und unteren Maarweg jeweils zu etwa Dreiviertel umrundet. Ein Höhepunkt der Strecke, den auch die 10-km-Läufer die erstmals am Maarbad starteten, genießen dürfen.

Das idyllische Dorf Schalkenmehren wird nur etwas gestreift, bevor es am ehemaligen Bahnhof wieder auf den Maare-Mosel-Radweg geht. Eine alte Diesellok erinnert daran, was die ursprüngliche Bestimmung der Trasse war. Leicht abfallend führt der Maare-Mosel-Radweg nun für die 10-km-Läufer bis zum Ziel in Gillenfeld. Die Halbmarathonläufer biegen noch einmal vom Radweg ab. Diesmal nach links zum Naturschutzgebiet Mürmes.

 
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Die Informationstafeln zeigten, was in früheren Zeiten des Eisenbahnverkehrs am Bahnhof Schalkenmehren los war, über dessen Terrain drei Maare-Mosel-Lauf-Strecken führen Eine alte Diesellok auf ein paar Metern Schienen erinnert an die Geschichte des Maare-Mosel-Radwegs als Eisenbahnstrecke von der Mosel bis nach Daun in der Eifel

Maare-Mosel-Lauf-Rekordler ist auch Sammy Schu. Zum siebten Mal gewann der 26-Jährige aus dem Saarland den Halbmarathon. Damit überholte er den ehemaligen deutschen M40-Marathonmeister Dietmar Bier aus Trier, der sechs Mal vorne lag. Doch der Streckenrekord scheint auch für Schu unerreichbar. 2012 gewann der damals für Trier und nun für Frankfurt startende ehemalige Ultratrail-Vizeweltmeister Florian Neuschwander in 1:09:10 Stunden.

 
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So schön sich die Natur präsentiert, der ein oder andere Anstieg beim Maare-Mosel-Lauf kostet, trotz der für ein Mittelgebirge vergleichsweise flachen Streckenführung, Kraft Für Halbmarathonläufer verläuft die Strecke auch durch das Naturschutzgebiet Mürmes

Wenn in 1:17:20 Stunden auch acht Minuten langsamer als "Flo" vor sieben Jahren, Schus siebter Sieg war nie gefährdet. Auf den ersten Kilometern begleitete ihn zwar der vielfache Mittelstrecken-Saarlandmeister Florian Lauck, doch dann lief Schu allein nach Gillenfeld. Mit dem letzten Aufbäumen des Sommers und den dadurch fast 30 Grad Wärme hatte der Deutsche Sommerbiathlonmeister (Laufen und Schießen) keine Probleme. Dass er hitzeresistent ist, bewies er im vergangenen Jahr, als er den Marathon durch die Negev-Wüste in Israel gewann.

Die alten Signale stehen beim Maare-Mosel-Lauf auf "Freie Fahrt" für die mehr als 1000 Teilnehmer Trommelgruppen sorgten an einigen Streckenabschnitten für Abwechslung und einen zusätzlichen Motivationsschub Wenn die Abenddämmerung bereits langsam hereinbricht, gibt es bei der letzten Verpflegungsstelle am ehemaligen Bahnhof Udler noch einmal eine Erfrischung und ordentlich "Mucke" auf die Ohren

Der Vorjahresdritte Sebastian Zens kam dagegen nicht so gut damit zurecht, dass das Thermometer fast doppelt so hoch stieg wie 2018. Mit der 1:18er-Zeit wäre er sonst ein heißer Kandidat auf den Sturz von Seriensieger Schu gewesen. Diesmal war der aus Udler am Maare-Mosel-Lauf-Streckenrand mit 1:24:48 Stunden keine Gefahr für den Saarländer. Noch vor dem drittschnellsten Mann, dem Franzosen Hicham Adidab (1:26:56), reihte sich Pia von Keutz als Gesamt-Dritte ein.

Marina Wierz vom Lauftreff Schweich blieb als einzige Frau über 10 km unter 40 Minuten Rheinland-Crosslaufmeister Yannik Erz vom Ausdauerteam Morbach gewann über 10 km vom Schalkenmehrener Maar nach Gillenfeld Der Dauner Lehrer Ingo Warken (links) konnte als 10-km-Zweiter den aus Äthiopien geflüchteten Rahimi Raheb (LG Laacher See) knapp hinter sich lassen

Die Gesamtsieger des 10-km- und Halbmarathonlaufs waren bereits mit magnesiumreichen Mineralwasser aus der Eifel von Hauptsponsor Nürburgquelle aufgewogen worden (mit jeweils mehr als 100 Litern!), als ein Grummeln aus Südwesten ein Gewitter ankündigte. Schneller als üblich wurde es dunkel. Organisationsleiterin Inge Umbach zitterte, dass alle Läufer noch rechtzeitig ins Ziel kommen - und konnte wenig später aufatmen. "Nur Schlussläufer Peter Bauer kam noch ein bisschen ins Gewitter", erklärte Umbach erleichtert. Obwohl das Gewitter schnell vorbei war, sorgte der Regen allerdings dafür, dass die Freiluftparty mit Liveband unter den alten Bäumen des Gillenfelder Schulhofs nur im kleinen Rahmen gefeiert wurde.

Zum siebten Mal gewann Sammy Schu vom LTF Marpingen den Halbmarathon von Daun nach Gillenfeld und ließ sich von Organisationsleiterin Inge Umbach und Kai Deuster vom Hauptsponsor Nürburgquelle in Mineralwasser aufwiegen Durch die Idee von LVR-Laufwart Klaus Jahnz testete Inge Umbach bei der Altersklassen-Siegerehrung alle Platzierten von Rang 1-3 gleichzeitig auf die Bühne zu bitten
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Auch wenn Yvonne Engel den Halbmarathonrekord los ist, gab es auch bei der 22. Auflage des Maare-Mosel-Laufs für den LT Schweich wieder einiges zu feiern. Über 10 km siegte die Vorjahres-Halbmarathondritte Marina Wierz in 39:46 Minuten. Im Jedermannlauf auf 6 km ließ Isabel Schönhofen in 22:35 Minuten sogar alle Männer hinter sich. Schnellster Mann zwischen Schalkenmehren und Gillenfeld war Yannik Erz. Der Rheinland-Crosslaufmeister vom Ausdauerteam Morbach siegte in 36:26 Minuten. Diebisch freute sich Ingo Warken über Platz zwei. "Ich habe Yannik immer gesehen. Aber ran kam ich auch nicht mehr", erzählte der Dauner Lehrer (37:31), der Afghanistan-Flüchtling Rahimi Raheb von der LG Laacher See (37:36) knapp distanzierte.

10 km:

Frauen:   Männer:
1. Marina Wierz (LT Schweich) 39:46   1. Yannik Erz (Ausdauerteam Morbach) 36:26
2. Dorothee Teusch (Silvesterlauf Trier) 40:44   2. Ingo Warken (Volksbank RheinAhrEifel) 37:31
3. Laura Wagner (TG Konz) 47:13   3. Rahimi Raheb (LG Laacher See) 37:36
     

Halbmarathon:

Frauen:   Männer:
1. Pia von Keutz (Columbia Cougars) 1:25:49   1. Sammy Schu (LTF Marpingen) 1:17:20
2. Chiara-Marie Hensel 1:36:16   2. Sebastian Zens (Lauf-Freude.de) 1:24:48
3. Elena Bender 1:40:26   3. Hicham Adidab (Frankreich) 1:26:56

Bericht von Holger Teusch
Fotos von Michael & Holger Teusch

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Ergebnisse www.maaremosellauf.de
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