3.8.19 - 36. Int. Volks- & Straßenlauf "10 km Lauf von Dürwiß"

Laufveranstaltung mit Volksfestcharakter

Mohamed Ali läuft Streckenrekord (29:48min)

Über 1000 Finisher freuen sich über gute Bedingungen

von Michael Schardt 

Der Ort Dürwiß, was sich von "Dornenwiese" ableiten soll, ist ein nördlicher Stadtteil von Eschweiler, rund zwanzig Kilometer nordöstlich gelegen von Aachen. Bis zur Eingemeindung in den siebziger Jahren war die Gemeinde selbstständig und bringt es heute auf gut 7000 Einwohner. Seinen dörflichen, autonomen Charakter hat sich Dürwiß bis heute bewahrt.

Im Sportverein Germania Dürwiß verfügt man über einen rührigen Leichtathletik- und Laufverein, der seit nunmehr 36 Jahren die "10 Kilometer von Dürwiß" ausrichtet, ein Volks-, Straßen- und Inlinerlauf von internationalem Format mit besonderem Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendläufen. Im Hauptlauf wurden seit jeher hervorragende Ergebnisse erzielt mit regelmäßigen Siegzeiten von unter 32 Minuten bei den Männern und unter 38 Minuten bei den Frauen.

 
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Sogar zwei Zeiten unter dreißig Minuten bei den Männern stehen in den Annalen, bei den Frauen wurden auch Zeiten von unter 36 Minuten erzielt. Nur einmal konnte eine Siegerin mit einer Zeit knapp über 40 Minuten das oberste Treppchen erreichen.

Die 10 km von Dürwiß ist ein oft hochrangig besetzter Straßenlauf mit ebenso gutem Teilnehmerfeld beim Inliner-Rennen. Über 1000 Finisher waren zu verzeichnen
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Bekannte Namen

In der Siegerliste stehen durchaus bekannte Namen: zum Beispiel Sanaa Koubaa, Birgit Lennartz, Silke Optekamp und Eva Offermann bei den Frauen, oder Gilbert Kiptum (Kenia), Mohamed Ali, Jürgen Austin-Kerl oder Eddy Vandebutte (Belgien) bei den Männern. Rekordsieger sind Christl Dörschel mit vier Titeln und Abdelhadi El Hachimi mit drei Erfolgen. Die Streckenrekorde werden gehalten Lydia Kurgat (35:07min) und Kikay Shadrak (29:55min), beide aus Kenia.

Der Lauf hatte regelmäßig über 1000 Finisher, wenn die Bambini und Grundschüler eingerechnet werden. Lässt man die kleinen Läufer außen vor, wie es die Vereinsstatistik vorgibt, dann brachten es die drei Hauptläufe (Jedermann, 10km und Inliner) regelmäßig auf 700 bis 900 Finisher.

 
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Dreimal wurde sogar die 1000er Marke überboten, das war im Rekordjahr 2007 mit 1121 Teilnehmern, als die Nordrheinmeisterschaften hier ausgetragen wurden, 2015 mit 1113 und 2016 mit 1058 Läufern. Im Vergleich damit und mit dem Vorjahr (923 Läufer) sind die 761 Finisher in den Hauptläufen von 2019 hingegen ein deutlicher Rückschritt. Mit den Youngstern waren es aber auch diesmal über 1000 Leute. Dafür wurden die Organisatoren mit einem neuen Streckenrekord (10km - Männer) entschädigt, mit dem keiner gerechnet hatte. Dann man hatte sich im Vorfeld noch keine Prämie oder ein Geschenk überlegt, wie der Moderator sagte. Das wolle man nun schnellsten, noch vor der Siegerehrung, nachholen.

Start des gemeinsamen Jedermannslaufs für Jugendliche und Erwachsene über vier vermessene km

Volksfeststimmung

Wer die zehn Kilometer von Dürwiß nicht kennt und andere Läufer danach fragt, der wird mit Sicherheit eine Antwort erhalten, der die besondere Atmosphäre des Laufs hervorhebt.

Die Einwohner identifizieren sich mit ihrer Veranstaltung derart, dass es entlang der Strecke keine Passage gibt, wo nicht wenigstens an einer Seite Party gemacht und die Läufer intensiv angefeuert werden. Meist ist aber auf beiden Seiten was los. Beschallungsanlagen werden von den Bewohnern privat auf die Straße gestellt, manche installieren Erfrischungsstände, andere Grillen und haben nicht wenig Flüssiges gehortet.

 
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Gelaufen wird auf einem zwei Kilometer langen Rundkurs, von dem man nur zum Ziel kurz abbiegen muss. Die gesamte Strecke ist für den Autoverkehr gesperrt, Parken auf der Laufstrecke ist ebenfalls nicht erlaubt, so dass der Läufer optimale Bedingungen auf dem komplett asphaltierten Stadtkurs vorfindet. Mit diesem Citylauf halten die Dürwißer einen der noch wenigen Läufe dieser Art aufrecht - ein langsam von der Bildfläche verschwindendes Format, das zudem mit acht Euro für den Hauptlauf ein überaus günstiges ist bei gleichzeitig vorzüglichen Leistungen und einem kleinen Geschenk in Form eines Handtuchs für alle Starter.

Start der Schüler U12 über 1000m, den Anton Reisinger (im orangenen Trikot) gewinnt Der Sieger der U16-Klasse Falco Aarts lief über 1000m herausragende 2:49min
Luise Reisinger tut es ihrem jüngeren Bruder gleich und siegt bei den Mädchen U16

Ambitionierte Schüler

Der Laufsamstag beginnt um 15:15 Uhr mit je einem Bambinilauf für Jungen und Mädchen über 200 Meter, dann mit zwei Kinderläufen U8, ebenfalls getrennt nach Geschlechtern über 400 Meter. Selbst diese Läufe sehen eine Zeitmessung vor und werden im Ergebnis auf der Archivseite gesammelt. Sehr ambitioniert geht es dann bei den Leistungsläufen der Schüler (U10+U12 beziehungsweise U14+U16) zu. Deren Strecken ist vermessen und 1000 Meter lang.

Im ersten Lauf lagen bei den Jungen zwei Mitglieder anerkannter Leichtathletikvereine an der Spitze. Es siegte Anton Reisinger von der LG Stadtwerke Hilden in 3:35min vor Timofey Klyuev von TuS Köln rechtsrheinisch in 3:38min. Dritter wurde Can Spies von Mission Herzrasen in 3:39min. - Bei den Mädchen siegte in einem spannenden Sprint die Niederländerin Sara Van Ham von Achilles Top Kerkrade in 3:50min knapp vor Rosalie Anke vom SV RW Schlafhorst in 3:52min und Emma Küster von der LG Stolberg in 4:06min.

Die äußeren Bedingungen waren günstig, die Strecke ist ein flacher Citykurs Mit rund 200 Läufern war der Jedermannslauf gut besucht

Für das herausragende Ergebnis der gesamten Jugendsektion sorgte ein 14-jähriger Junge aus den Niederlanden. Falco Aarts von der Atletiek Maastricht entpuppte sich als wahrer Laufkünstler und spulte die 1000 Meter in 2:49min herunter. Damit hatte er fast vierzig Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann Luc Van Ham von Achilles Top Kerkrade. Der kam in 3:29min auf den zweiten Platz vor Julius Jonas von der DJK Frankenberg in 3:43min. Als Gesamtdritte und erstes Mädchen kam Luise Reisinger von der LG Stadtwerke Hilden nach 3:30min ins Ziel. Emma Aarts von Atletiek Maastricht wurde in gleicher Zeit zweite. Senna America (Achilles Top Kerkrade) wurde in 3:46 mit Bronze belohnt. Auffallend ist die hohe Zahl der niederländischen und belgischen Starter im Jugendbereich. Und dass oftmals mehrere Familienmitglieder unter den ersten drei zu finden sind, Bruder wie Schwester. Knapp 200 Kinder und Schüler gingen an den Start und nahmen teils eine lange Anreise in Kauf.

Jedermannslauf 4.0

Der Jedermannslauf ist in Dürwiß nicht, wie oft üblich, fünf Kilometer lang, sondern vier. Das liegt an der Rundenlänge von zwei Kilometern. Vom Start weg begibt man sich fünfzig Meter hin zur Runde, diese fünfzig Meter läuft man am Schluss wieder Richtung Ziel, das identisch mit dem Start ist. Man kann sich die Strecke wie den Umriss eines Apfels mit Stengel vorstellen, wobei der Stengel der Weg vom Start und zum Ziel wäre. Beim Jedermannslauf sind sowohl die Erwachsenen wie die Jugend A und B gemeinsam im Rennen, erhalten aber eine getrennte Siegerehrung.

Sieg über vier km für Daniel Jung 2. wird Thomas Kaiser
Jens Cosemans läuft auf Rang 3
Erst 12 Jahre alt ist der 4., Ole Daniel Prigge aus Norwegen

Bei den Männern setzte sich zunächst Luca Thiele von der Aachener TG in Front. Der Fünfzehnjährige konnte die Führung aber nicht bis in die zweite Rennhälfte konservieren und wurde am Ende in 14:36min fünfter. Vorne übernahm Daniel Jung nach einem Kilometer das Zepter. Der Mann vom Dürener TV 1847 (MHK) ging mit schon erheblichem Vorsprung in die zweite Runde und siegte in 13:26min klar. Den Streckenrekord von Markus Werker (13:06min) konnte er aber nicht antasten. Recht knapp gestaltete sich die Entscheidung um Silber. Thomas Kaiser vom Sebamed Running Team (M30) wurde in 14:01min zweiter vor Jens Cosemans (M35, DLV Aachen, 14:05min). Eine feine Leistung erbrachte der Norweger Ole Daniel Prigge (IL Nybrott). Der 14-Jährige wurde in 14:07min vierter. Er war mit seiner vierköpfigen Familie am Start.

Noch liegen die spätere Siegerin Johanna Giesen (schwarz) und die Zweitplatzierte Nora Medgyesi dicht beieinander. Sie kommen beide von der Aachener TG Platz drei für Celina Scheilz Rang vier für Liv Merethe Prigge aus Norwegen. Die waren mit der ganzen Familie da

Bei den Frauen bestimmten zwei Läuferinnen der Aachener TG das Rennen. Johanna Giesen und Nora Medgyesi, beide Hauptklasse. Bis weit in die zweite Runde hinein liefen sie Seite an Seite in einer größeren Gruppe, bis sich Giesen etwas absetzen und in 16:40min gewinnen konnte. Medgyesi brauchte 16 Sekunden länger (16:56min). Die beiden weiteren Plätze belegten die vereinslose Celina Scheilz (U20) in 17:54 min und Liv Merethe Prigge (U20) aus Norwegen in 18:55min. Der Streckenrekord hält Simone Megels mit 14:39min.

Zwei Inline-Skating-Weltmeisterinnen am Start
Mach's noch einmal, Paula

Die Veranstaltung stand wettertechnisch unter einem guten Stern, was besonders die Inline-Skater gefreut haben dürfte. Es war bei gut zwanzig Grad nicht zu warm, es blieb trocken, und vom Wind war auch kaum etwas zu spüren. Wie der Hauptlauf, so ist auch die Distanz für Inliner zehn Kilometer lang. Das war nicht immer so, denn für die Frauen war sie in früheren Jahren vier oder sechs Kilometer lang. Und wie der Hauptlauf, so wird das Inlinerrennen nicht im Ortskern angeschossen, sondern zweihundert Meter davon entfernt auf der offiziellen Runde, die fünf Mal zu absolvieren ist. Für Inliner ist insbesondere bei den 90-Grad-Kurven bei leicht abschüssiger Strecke Konzentration erforderlich, denn schnell landet man sonst in den Strohballen.

Den 10km Inlinerwettbewerb gewann die neue HM-Weltmeisterin (W30), Claudia Maria Henneken (links). Die lief auch noch die 10 km ohne Rollen und wurde 4. Bei den Männer siegte Stephan Theunissen (rechts) vor Andreas Hatle Auch eine Weltmeisterin in der W65: Barbara Esser Die schnellste auf "normalen" Rollschuhen: Paula Einmal

Fünfzig Fahrer gingen an den Start, davon ein knappes Drittel Frauen. Die stellten aber gleich zwei Weltmeisterinnen im internationalen Elitefeld: Claudia Maria Henneken aus Köln war vor drei Wochen im Halbmarathon in Barcelona in der W30 erste geworden im globalen Vergleich; Barbara Esser von der LGO Euskirchen hatte das gleiche für die Altersklasse 60plus in Dijon geschafft. Zweimal wurde sie Weltmeisterin über die Marathondistanz, einmal Europameisterin und einmal deutsche Meisterin der Veteraninnen.

In der ersten Runde setzte sich Henneken an die Spitze, sie wechselte sich aber in der Führungsrolle mit den schnellsten Männern ab. In der Schlussrunde konnte die 33-Jährige aber nicht mehr ganz mithalten und wurde Gesamtdritte in 18:42min. Ihr eigener Streckenrekord steht seit 2016 neun Sekunden besser. Hinter Henneken wurde Karolina Kessler (W35) vom Team der rollenshop.de zweite in 19:15 vor Jennifer Laufenberg (TAV Bad Duffys Bonn, W35, 23:43min). Barbara Esser wurde vierte und gewann die Seniorinnenwertung in 23:44min. Schnellste Rollschuhfahrerin war Paula Einmal vom Team Agimar (WJU) in 38:15min.

Mohamed Ali läuft Streckenrekord

Die herausragende sportliche Leistung gelang einem Holländer, der schon 2014 an gleicher Stelle gewonnen hatte: Mohamed Ali. Der 30-Jährige lief für den Förderkreis schwerkranker Kinder e. V. und unterstützte damit die Stiftung von Peter Borsdorff aus Düren. Er hatte keine echte Konkurrenz und schien sich von Anfang an auf ein Rennen gegen die Zeit eingestellt zu haben. Ob er aber wirklich den Streckenrekord im Visier hatte, ließ sich nicht ermitteln.

Zieleinlauf der Hauptläufer mit großem Zuschaueraufkommen

Jedenfalls war er schon auf den ersten beiden Runden des DLV-vermessenen Kurses teuflisch schnell unterwegs und hatte insofern einen Vorteil als dass ihm ein Führungsfahrrad den Weg durch die Läufermassen bahnte. Über 500 Läuferinnen und Läufer waren auf dem eckigen und leicht welligen Kurs unterwegs. Nach 29:48min stoppte für ihn die Zeit, womit er den bestehenden Streckenrekord des Kenianers Shadrak aus 2006 um sieben Sekunden verbessert hatte. Mit dieser Leistung brachte er die Organisatoren etwas in Verlegenheit, denn die hatten keine Vorkehrungen für eine besondere Ehrung getroffen. Hinter Ali lieferten sich gleich drei Läufer einen spannenden Kampf um Silber. Das bessere Ende für sich hatte Simon Elkenhans vom Ayyo Team Essen (MHK) in 33:10min vor Timo Küpper (MHK) vom LC Euskirchen (33:16min) und Idriss Oubaha (TV Refrath, M30) in 33:27min.

Das Frauenrennen wurde eine klare Angelegenheit von Martina Gielgen vom MC Eschweiler. Die 25-jährige Lokalmatadorin konnte das Rennen erstmals in 39:10min gewinnen. In der Geschichte ist es die zweitlangsamste Siegzeit. Noch unter vierzig Minuten blieb Katja Hinze-Thüs von der SG Wenden. Die 1972 geborene Läuferin brauchte für den zweiten Rang 39:50min. Dritte wurde Theresa Stevens vom SV Sonsbeck. Die 21-Jährige brauchte 40:11min und verwies damit Doppelstarterin Claudia Maria Henneken auf den vierten Rang (W30, Kölner Dauerlaufverein, 40:51min).

Die schnellsten drei Frauen v.l.: Katja Hinze-Thüs (2.), Siegerin Martina Gielgen und Theresa Stevens (3.) Die schnellsten drei Männer v.l.: Simon Elkenhans (2.), Sieger und neuer Streckenrekordhalter Mohamed Ali und Timo Küpper (3.)
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Zum Schluss

Wenn ein ganzes Dorf, wie in Dürwiß, auf den Beinen ist, um seine Veranstaltung (und etwas auch sich selbst) zu feiern, dann ist das die beste Empfehlung, daran teilzunehmen. Viel los war nicht nur auf den Straßen, sondern auch im Gemeindezentrum, wo eine Unmenge von Versorgungsständen mit den besten Leckereien zum Verweilen einlud. Der sportliche Teil war gegen 21 Uhr zu Ende, der lukullische sicher nicht vor Mitternacht.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.die-10-km-von-duerwiss.de

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