12.8.18 - 42. Monschau-Marathon - 7. Monschau-Ultramarathon

Ultraläufer Andre Collet siegt zum zehnten Mal in Monschau

Zweiundvierzig mal zweiundvierzig Kilometer

Roger Königs gewinnt sein "schwerstes Rennen"

von Michael Schardt 

Eigentlich ist über den Monschau Marathon schon alles gesagt, geschrieben, filmisch berichtet worden, was mitteilenswert wäre. Dennoch finden sich Jahr für Jahr viele Medienvertreter, Photographen und Fachjournalisten im kleinen Eifelstädtchen ein, um ihre neuesten Eindrücke von diesem traditionsreichen Landschaftsmarathon in die Welt der Laufinteressierten zu übermitteln. Die Faszination, die diese Veranstaltung auf Sportler, Besucher und Beobachter ausübt, ist ungebrochen. Und Neues und Unbekanntes bietet das größte Sportereignis in der Nordeifel allemal - auch 2018. Mit der jüngsten Edition erreichte der Monschau Marathon die magische Zahl 42, womit für denjenigen, der immer mitlaufen hätte können, zweiundvierzig mal zweiundvierzig Kilometer zusammengekommen wären. Das hat freilich niemand geschafft, aber Mehrfachtäter und Dauerbrenner - davon gibt es bei dem anspruchsvollen Langlaufevent viele.

Zu den Höhepunkten der Strecke gehört der Lauf durch das pittoreske Monschau; ansonsten werden bei diesem Landschaftsmarathon nur selten Ortschaften passiert
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Und warum kommen sie so häufig wieder? Das ist ganz einfach! Die Organisation des vom TV Konzen durchgeführten Rennens ist hervorragend, die Stimmung gelassen und heiter, das Preis-Leistungs-Verhältnis kaum zu überbieten, die Strecke wunderschön, die Helfer freundlich und engagiert und das dreitägige Programm vielseitig und abwechslungsreich. Der Veranstalter ist ganz nah bei der Läuferschaft, und die Läuferschaft, die sich aufmerksam betreut sieht, fühlt sich zum Lauf hingezogen. Kein Wunder also, dass der Monschau Marathon zu den beliebtesten in Nordrhein-Westfalen, ja der ganzen Republik gehört. Läuferherz, was willst du mehr.

Der Monschau Marathon ist alljährlich das sportliche und gesellschaftliche Großereignis im Ortsteil Konzen

Auftakt: Für manche Krach - für andere der Kracher

Drei Tage volles Programm - da ist für jeden etwas dabei, sportlich, kulinarisch oder kulturell. Schon am Freitagabend lädt die Laufabteilung des veranstaltenden Vereins zu einem kleinen Probeläufchen ein. Um 18:30 Uhr kommen rund zwanzig zeitig angereiste Läufer auf dem Sportplatz des 2000-Seelen-Dorfes Konzen zusammen, überwiegend Leute, die am Sonntag eine der beiden Langstrecken in Angriff nehmen wollen und die angebotene Übernachtungsmöglichkeit auf der benachbarten Campingwiese in Anspruch genommen haben. Im Zelt oder Wohnmobil wird sich flugs umgezogen, und schon geht es mit einem örtlichen Laufbetreuer auf eine wellige Strecke von gut sieben Kilometer. Das ist eine gute Gelegenheit zum Wiedersehen, zum Kennenlernen und für eine kleine Plauderei. Insgesamt ein netter Einstieg in das Wochenende.

Zum Auftakt der dreitägigen Veranstaltung wird am Freitagabend ein kleiner, informeller Trainingslauf über sieben Kilometer angeboten, an dem sich diesmal rund zwanzig Marathonteilnehmer beteiligten. Im Anschluss gab es beim Marathon-Rockkonzert der US-Gruppe John Diva schwermetallisch was auf die Ohren

Anschließend, ab 20 Uhr, ist ein kleiner Spaziergang zur Dorfmitte angesagt, denn dort, auf dem Schulhof der Grundschule, wird die Prerace-Party gestartet. Grillbude, Bierstand, Cocktailbar und eine große Bühne erwartet den Besucher für zwanzig Euro Eintrittsgeld. Das ist gut investiertes Salär, wenn man auf Hardrock- oder Heavy Metal-Klänge, auf kreischende Gitarren, harte Drums und schrill-rauchigen Gesang steht. Nach der Regionalband Jailbreak trat die Wacken erfahrene US-Rockband John Diva & The Rockets of Love mit Coverstücken berühmter Rockhits auf. Das ist rhythmisch, das ist laut, das ist für viele anwesende Fans der Kracher, für wenige andere eher purer Krach. Wie man es auch empfinden wollte, unbeeindruckt von den langhaarigen Ami-Rockern dürfte niemand geblieben sein.

Samstag zum Walkingfestival erhoben

Walken konnte man beim Monschau Marathon schon lange, neu aber war dieses Jahr, dass der Samstag zu so etwas wie einem Walkingfestival erhoben wurde, das an diesem Tag aber nicht allein das Programm ausfüllte.

Ab 13:30 Uhr startete der Walkingday mit von Instruktoren begleiteten Walking- und Nordic-Walking-Kursen, die jedoch bei ihrer Premiere noch nicht so gut angenommen wurden. Es war ein offenes Angebot. Richtig voll wurde es unter dem Startbogen aber eine Stunde später, als sich über hundert Mountainbiker auf die originale Marathonstrecke begaben. Einige Läufer hatten sich, um die Strecke kennenzulernen, eigens ihr Bike mitgebracht. Zunächst, auf den ersten fünf Kilometern, durften die Radler noch kein Gas geben. Bis Monschau sei die Verkehrssituation zu beachten, soll Vorsicht walten, erst dann konnten die gut trainierten Biker Tempo machen. Nach etwa zwei Stunden kamen die ersten Akteure zum Ausgangspunkt zurück.

Der Samstag wird sportlich mit einer Mountainbiketour über die originale Marathonstrecke sowie mit dem Powerwalk über 12,7 km eröffnet, an dem sich je rund 100 Akteure beteiligten. An der Spitze des Walkerfeldes liegt schon kurz nach dem Start die spätere Siegerin Anna Seeberger

Kurz nach den Radlern wurden die Powerwalker auf einen landschaftlich schönen und anspruchsvollen Rundkurs von 12,7 Kilometern geschickt. Dieser war in etwa identisch mit jener Runde, die die Ultras am Folgetag vorab zu absolvieren hatten, bevor sie auf die eigentliche Marathonrunde gehen würden. Die Strecke des Eifel-Panorama-Walks führte ins Hohe Venn und zum höchsten Gipfel der Region, zum 658 Meter hohen Steling.

Der Walk über 12,7 km dürfte unter den drei angebotenen Wanderwettbewerben - die anderen gingen über die Minimarathonstrecke (4,2km) bzw. über die Marathonstrecke (42,2km) - der Hauptact gewesen sein mit Zeitmessung und der Prämisse, dass man von Veranstalterseite davon ausgehe, dass man sich regelkonform bewege. Dieser Hinweis in der Ergebnisliste findet sich weder beim Mini-, noch Maxiwalk. Und tatsächlich sah man beim Marathonwalk am Folgetag viele Akteure phasenweise joggen, beim Zieleinlauf ohne Ausnahme mindestens die ersten zwanzig.

Die Walkingstrecke ist neu im Programm und führt über jene Extrarunde im Hohen Venn, die die Ultramarathonis am Folgetag mehr zu laufen haben als die Marathonis Der letzte sportliche Wettbewerb am Samstag vor der Pastaparty ist der Minimarathon über 4195 Meter

Fast Streckenrekord beim Minimarathon

Über 12,7 km wurde Anna Seeberger in 1:28:59h Gesamtsiegerin vor Ralf Knappmeier in 1:29:20h. Die weiteren Frauen waren Angelika Kappenhagen (1:34:49h) und Gabriele König (1:35:36h), die weiteren Männer Klaus Bartisch (1:34:49h) und Manfred Kappenhagen (1:35:08h). Beim Miniwalk siegten Melanie Finken (33:08mim) und Eckhard Kernchen (32:32min), beim Marathonwalk gewann (mit einem Mixed aus Joggen und Wandern) je Sven Wißmann aus Waldniel in 4:28:08h und Marion Issac vom TV Konzen in 4:37:40h. Insgesamt kamen 263 Walker ins Ziel, davon beim Marathon 158, beim Panoramawalk 82 und Miniwalk 23.

An den beiden Hauptwettbewerben (Marathon und Ultra) nahmen Läufer aus sechzehn Nationen teil - sogar aus China und Usbekistan Sportlicher Leiter des Monschau Marathons ist Helmut Hoff

Der sportliche Abschluss am Samstag war, vor dem Beginn der Pastaparty, den Läufern vorbehalten. Gut achtzig Teilnehmer aus allen Altersklassen begaben sich auf die anspruchsvolle Strecke, die auf den letzten 1500 Metern mit der Marathonstrecke identisch ist. Bei den Männer gab es ein spannendes Rennen, das der 13-jährige Pablo von Hoorn (Altis) aus den Niederlanden knapp in 14:59min vor Jens-Magnus Verhelst (U18, AVMO) in 15:05min und Stefan Breuer (M30) aus Simmerath in 15:25min gewann. Nur knapp verpasste van Hoorn den Streckenrekord von Bastian Orthen aus 2017 (14:54min).

Bei den Frauen siegte eine, die am Sonntag den Ultramarathon in Angriff nehmen und finishen sollte: Tanja Lenz (W35) vom Team Erdinger alkoholfrei. Sie benötigte 18:56min und verpasste damit den Streckenrekord von Sonja Vernikow aus dem Vorjahr (17:17min) deutlich. Ihr folgten Enya Gerhardt (WU16, Harnisch) in 20:13min und An Didden (W45) in 20:41min. Die Siegerehrung für die Minis erfolgte zeitnah im Festzelt während dem Nudelschmauß.

Nichts für Langschläfer ist der Ultramarathon über 56km. Als dieser um 6:05 Uhr gestartet wurde, war die Sonne noch nicht aufgegangen. Eine waldige Grünlandschaft nimmt die Läuferschaft in sich auf Bei km 14 erreichen die Ultras wieder das Start- und Zielgelände, wenden und begeben sich auf die originale Marathonstrecke

Ultra: Collet ohne Probleme

Man hat ihn schon längst zum Mister Monschau-Marathon gekürt, den zweimaligen Altersklassenweltmeister über 100 Kilometer: Andre Collet. Schließlich gewann er den hiesigen Marathon nicht weniger als acht Mal, dazu 2012 den damals erstmals durchgeführten Ultramarathon über 56 Kilometer. Diesmal hatte sich das deutsche Langlaufass aus Aachen wieder zur Teilnahme am Ultra entschieden als Vorbereitung auf die 100-km-Weltmeisterschaft in Kroatien im September. Der gebürtige Belgier und gelernte Steinmetz musste als Favorit gelten, auch wenn er eine schwere Bänderverletzung hinter sich bringen musste und der Monschauer Ultra nach Meinung eines Kenners "immer so etwas wie eine Wundertüte" sei, denn man wisse nie, wer noch nachmelde.

Auch Collet wird am frühen Morgen des 12. August einigermaßen überrascht gewesen sein, als er sich vor die Tür begab. Nach milden Temperaturen am Vortag war es in der sternenklaren Nacht enorm abgekühlt auf schattige sieben Grad zur Startzeit um 6:00 Uhr. War für zahlreiche Läufer die Frage, was man anziehe - lang oder kurz, Jacke oder Shirt - eine bedeutende, war dies für den Profi keine wirkliche. Er wusste freilich, dass das Quecksilber während des Rennens auf 25 und mehr Grad steigen würde und die Kälte genau richtig war für den schweren Auftakt ins Hohe Venn. Läufer, die nicht so schnell sind wie Collet und nicht schon vor zehn Uhr das Ziel erreichen wie der Meister, dürften falsch beraten gewesen sein, wenn sie sich warm eingemummelt hatten und gegen vierzehn Uhr vielleicht von der Mittagshitze "überrascht" wurden ...

Nach 18 Kilometern erreichen die Ultras die Altstadt von Monschau. Durch eine Skulptur aufgenommen Langläufer Klaus Schulze vom LSF Oldenburg Zum zweiten Mal gewann Andre Collet den Ultralauf mit 20 Minuten Vorsprung. Hinzu gesellen sich aus den letzten Jahren acht Erfolge über die Marathondistanz Einen klugen Lauf absolvierte Christoph Marquardt, der zwischenzeitlich auf Rang vier lief, aber sich noch auf zwei vorarbeitete

Marquardt stark

Mit etwa 950 Höhenmeter ist der Monschau-Ultra sehr anspruchsvoll und gehört als einer von sieben Wertungsläufen zum Europacup der Ultramarathons. Dass die Ultras nach vierzehn Kilometern zum Zielbereich zurückkommen und unter dem Startbogen einen Wendepunkt haben, um auf die originale Marathonstrecke einzuschwenken, hat für den Zuschauer den Vorteil, Einblicke in den bisherigen Rennverlauf zu gewinnen. Was sie zu sehen bekamen, war das Erwartete gewesen. Leichtfüßig und entspannt trabte Favorit Andre Collet (M45, Schreinerteam Ralph Thoma) etwa eine Minute vor seinem ärgsten und mehrere Minuten vor weiteren Widersachern dahin, so als habe er da noch keine 200 Höhenmeter in den Beinen und als sei sein Sieg ohnehin nicht zu verhindern. Dahinter folgte mit etwa 150 Metern Abstand Gerd Mertens (M50) vom AC Lierse, dem als einzigem zugetraut wurde, Collet einigermaßen Paroli bieten zu können. Hinter einem weiteren Läufer, der aufgrund einer verdeckten Startnummer nicht zu identifizieren war, folgte Christoph Marquardt (M50) von der LG Deiringsen als vierter.

Manuel Skopnik, hier kurz vor dem Ziel, wurde dritter im UM Einen feinen vierten Platz und Sieg in M40 erlief der beste Niederländer, Mark van Hoorn, Vater des Minimarathonsiegers Pablo

Im Verlaufe des Rennens muss der Läufer ohne Startnummer zurückgefallen sein oder aufgegeben haben, so dass sich Marquardt nach vorne arbeiten konnte. Des Weiteren erlitt Mertens unterwegs eine Verletzung, die ihn ausbremste und zurückwarf, dennoch finishte er den Ultra als 15. in einer Zeit von 4:30:30h. Marquardt hingegen lief klug, kam gut durch und feierte mit dem zweiten Platz in 4:08:11h einen feinen und nicht erwarteten Erfolg. Dass er damit recht genau zwanzig Minuten hinter Sieger Collet blieb, dürfte den Banker aus Münster keinen Deut gestört haben. Collet indes zeigte auf der Marathonrunde seine gute Verfassung und siegte in 3:46:53h, womit er bestens für die WM gerüstet ist. Zu Bronze lief Manuel Skopnik (M45) vom TV Refrath in 4:10:30h, womit er Mark van Hoorn, den stärksten Niederländer (4:11:45h), auf den vierten Rang verwies. Der hielt sich aber mit dem Altersklassensieg in M40 schadlos.

Interessant ist, dass Collet bei seinem ersten Ultrasieg vor sieben Jahren rund sechs Minuten schneller war. Damals war er nach 3:40:36h im Ziel, was bis 2017 auch Streckenrekord war. Der wurde im Vorjahr von Kay-Uwe Müller auf 3:39:44h verbessert.

Halbe Stunde Vorsprung für Sylwia Zakrzewski-Heiter

Insgesamt kamen 204 Läuferinnen und Läufer des Ultramarathons (von 222 gemeldeten) ins Ziel - 165 Männer und 39 Frauen. Das entspricht einem weiblichen Anteil von neunzehn Prozent, was bemerkenswert ist. 2016, bei der 40. Auflage, waren knapp 250 Ultrafinisher gezählt worden.

Mit großem Vorsprung gewann Sylwia Zakrzewski-Heiter den Ultralauf vor ... ... Marion Braun und ... ... der Niederländerin Silvia Verhoeven

Das Frauenrennen wurde eine einseitige Angelegenheit für eine Läuferin aus Stuttgart, nämlich für Sylwia Zakrzewski-Heiter (W40) vom Team AR Sport. Ihre Dominanz war schon nach der kleinen Runde unübersehbar und war es erst recht, als sie kurz hinter Gerd Mertens als Gesamtsiebzehnte ins Ziel lief. Sie hatte durchgehend einen guten Eindruck gemacht und siegte in 4:32:36h. Damit war sie die einzige Läuferin, die unter fünf Stunden blieb. Im Vergleich mit den früheren Siegzeiten war dies die zweitbeste gewesen. Nur Leonie Ton war im Vorjahr in 4:22:50h um einiges schneller unterwegs.

Ein taktisch gutes Rennen lief Marion Braun vom SV Germania Eicherscheid, der man ihre Altersklasse W60 vom Aussehen kaum glauben mag. Man würde sie eher in W50 oder gar W45 vermuten. Mit dem Vorteil, die Strecke aus dem FF zu kennen, begann die Lokalmatadorin vorsichtig und reihte sich irgendwo zwischen Platz fünf und acht ein. Im Verlauf des Wettkampfs, als einige Konkurrentinnen Federn lassen mussten, zog sie kontinuierlich ihr Ding durch und erreichte als zweite strahlend das Ziel. Die Debütsiegerin des Ultras von 2012 in 4:43:30h brauchte sieben Jahre später 5:03:49h, womit sie das silberne Edelmetall recht sicher errang. Auf den dritten Platz lief die Niederländerin Silvia Verhoeven (W55, Achilles) in 5:11:16h vor Britta Hübner (W50, LC Duisburg) in 5:18:18h.

Rund zwei Stunden nach den Ultras gingen die Marathonis auf die Strecke. Sie hatten 750 Höhenmeter zu überwinden, knapp zweihundert weniger als die Ultras

Roger Königs: "Mein schwerster Marathon"

Trotz des Ultras ist der Marathonlauf der zentrale Wettbewerb in Monschau. Mit ihm wurde die Veranstaltung 1977 ins Leben gerufen, und er stand ohne Unterbrechung auf dem Programm. Mit rund 500 Anmeldungen und genau vierhundert Finishern war er auch zahlenmäßig der stärkste Lauf. Aufgefüllt wurde das Feld von rund 100 Marathonstaffeln, so dass sich eine imposante Läufermenge nach dem um acht Uhr erfolgten Start durch die schmalen Straßen der Gemeinde Richtung Monschau schlängelte. Dass im 40. Jubiläumsjahr rund 500 Läufer das Ziel erreichten und Anfang des Jahrtausends mehr als doppelt so viele Finisher gezählt werden konnten, mag die Organisatoren traurig stimmen, ist aber nichts weiter als der Ausdruck eines allgemeinen Trends bei Landschaftsmarathons. (Ausnahmen mögen denselben bestätigen.)

Mit den Marathonis gingen rund 100 Staffeln ins Rennen, die sich die Strecke zu viert, dritt oder zweit teilten Wohl hilfreicher als bei flachen Citymarathons sind die Pacemaker bei einer so anspruchsvollen Strecke wie in der Nordeifel Noch dicht beieinander sind die Marathonis nach vier Kilometern

Exakt zur gleichen Zeit, zu der in Berlin der Europameisterschaftsmarathon angeschossen wurde, der gut zwei Stunden später in Koen Naert einen belgischen Überraschungssieger sehen sollte, machte sich ein anderer Belgier in Monschau auf, das oberste Treppchen zu erklimmen: Roger Königs. Für eine Nominierung im belgischen EM-Team, so darf man vermuten, hat es für Königs wohl nicht gereicht. Nichtsdestotrotz strebt der Laufästhet und erprobte Pacemaker in Frauenrennen (er zog beispielsweise uhrwerksmäßig Eleni Gebrehiwot in Münster zu ihrem bisher einzigen Lauf unter 2:30h) eine Marathonteilnahme in Berlin im September an. Das Rennen in Monschau sollte dafür als die beste Vorbereitung gelten. Wie er nach dem Lauf kundtat, war sein Motto, mit angezogener Handbremse zu laufen und nur so viel zu tun, dass es für einen Sieg reiche. Das ging, wie er einräumte, nicht so auf wie gedacht, und das habe an der starken Konkurrenz gelegen.

Gute Verpflegung und viele Zuschauer bei Halbzeit
Roger Königs aus Belgien gewann den Marathon und nutzte das Rennen als Vorbereitung auf den Berlin Marathon Markus Mey (hinten) wird zweiter vor Christian Nießen

Nie sei er während des Rennens sicher gewesen, die beiden Hauptwidersacher Christian Nießen (M35) und Markus Mey (M45), beide von Peters Sportteam und beide ehemalige Monschaumarathon- bzw. Ultramarathonsieger, in genügendem Abstand zu wissen. An einer besonders kniffligen Stelle und steilem Anstieg wären diese sogar bis auf rund fünfzig Meter herangekommen. Da habe es sich für ihn, Königs, ausgezahlt, dass er in den Tagen zuvor Teile der Strecke probegelaufen sei und genau wusste, was ihn erwarte. Schließlich gewann Königs (M40) das Rennen in 2:39:48h mit einer Dreiviertelminute Vorsprung. Dahinter hatte sich Mey auf den letzten Kilometern vor Nießen geschoben, womit er Silber in 2:40:33h holte. Das dritte Edelmetall eroberte schlussendlich Nießen in 2:41:31h. Es dauerte dann über eine Viertelstunde, bis Oliver Baumert (M35) aus Miel in 2:58:27h als vierter einlief. Kein weiterer Mann blieb unter drei Stunden. Der Streckenrekord datiert aus dem Jahre 1990 und wurde von Michael Reuel in 2:33:12h aufgestellt. Königs gab beim Siegerinterview zu, dass er, der nur flache Citymarathons kenne, noch nie ein so schweres Rennen bestanden habe.

Glücklich im Ziel ist Marathonsiegerin Tanja Schmitt Birgit Schönherr-Hölscher wird zweite vor ...
... Claudia Modras

Tanja Schmitt ohne Probleme

Waren die beiden Ultrasiege mehr als klar herausgelaufen worden und der Männermarathon relativ knapp ausgegangen, sollte der Frauenmarathon wieder eindeutig sein. Dafür sorgte die W30erin Tanja Schmitt, die ohne Vereinsangabe antrat. Sie war defensiv gestartet und lag noch im Zentrum Monschaus auf Rang zwei hinter Birgit Schönherr-Hölscher (W50) vom PV Triathlon Witten. Im Laufe des Rennens vollzog sich recht bald die Situation an der Spitze zugunsten Schmitts, die bis ins Ziel einen Vorsprung von über zehn Minuten herauslaufen sollte. Tanja Schmitt siegte in 3:18:25h vor Schönherr-Hölscher, die 3:28:56h brauchte. Es folgten Claudia Modras (W50) von Tusem Essen in 3:33:32h und Tamara Fischer (W30) von Hansa Simmerath in 3:39:07h. Der Streckenrekord von Rita Ehrmann aus 1998 (2:56:15h) blieb unangetastet. Überhaupt war dies eine von nur zwei Zeiten unter drei Stunden. Die andere stammt von der Monschau-Rekordsiegerin Birgit Lennartz (sechs Erfolge). Von 400 Marathonfinisher waren 79 Frauen, was einem Anteil von knapp zwanzig Prozent entspricht.

Staffelwechsel bei Halbzeit für das Team von der Post Startläufer des siegreichen Staffelquartetts von der LG Mützenich-Mixed ... ... gefolgt vom Mixed-Quartett Rohren 1 Schnellstes Staffelteam überhaupt und einziges, das unter drei Stunden blieb war das Duo vom TV Konzen. Patrick Jacobs als Startläufer legte den Grundstein für den Erfolg, den Max Richter vollendete

Im Staffelwettbewerb waren vier Wertungen ausgeschrieben: eine für Viererteams, eine für Dreierteams, eine für Zweiermannschaften und eine für Jugendliche unter achtzehn Jahren. Unter den drei Jugendquartetts war jenes vom TV Konzen 1 in 3:26:07h das schnellste. Hier starteten Kay Brandenburg, Marius Krings, Jannis Palm und Florian Kuck. Das flotteste Zweierteam stellte ebenfalls der Veranstalterverein. Hier liefen unter dreißig Teams Patrick Jacobs und Max Richter in 2:56:08 zu einem unangefochtenen Sieg. Dreizehn Mannschaften nahmen an der Dreierwertung teil, wobei ein Läufer die HM-Distanz absolvierte. Das schnellste Trio kam vom Team Coolart 3 mit Jörg Hoffmann, Anke Seifert und Daniel Stollenwerk. Ihre Siegzeit wurde mit 3:22:48h festgestellt. Die beliebteste Konstellation bei den Staffeln war das Quartett mit 57 Teams. Hier hatte die LG Mützenich mit ihrem Mixedteam die Nase vorn. Lukas, Jens und Julia Poqué sowie Jonas Schrouff waren nach 3:04:00h im Ziel.

Viel Gegend erlebten die Läufer unterwegs ... ... viele Zuschauer beim Zieleinlauf
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Zählt man die Teilnehmer aller Wettbewerbe zusammen, so nahmen gut 1600 Sportler am 42. Monschau Marathon teil. Zwar nicht das beste Ergebnis der Geschichte, aber ein durchaus zufriedenstellendes. Für den reibungslosen Ablauf standen 400 ehrenamtliche Helfer zur Verfügung, ein komfortables Betreuungsverhältnis also von eins zu vier. Auf diesen Zahlen lässt sich die Zukunft der Veranstaltung sehr gut aufbauen.

Mit der Siegerehrung der Langlaufasse und einer Abschlussfete ging der Monschau Marathon 2018 am Sonntagnachmittag zu Ende.

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt
Fotos von Thomas Linnemann

Thomas Linnemann
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Ergebnisse www.monschau-marathon.de

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