4.8.18 - 11. Women´s Run in Köln

Nur der Köln Marathon hat mehr Teilnehmer in der Domstadt

Laufkarneval im Sommer

Alexandra Tiegel und Felicitas Reiser siegen in der Gluthitze

von Michael Schardt 

Eigentlich hätte man Jubiläum feiern können, denn der elfte Barmer Women's Run von Köln war erst der zehnte. Denn 2015 musste der Lauf wegen starkem Sturm ersatzlos gestrichen werden. Man hatte seinerzeit aber die abgesagte Veranstaltung bei der fortlaufenden Nummerierung mitgezählt, so dass 2017 der runde Geburtstag des 2008 erstmals durchgeführten Events gefeiert werden konnte.

In der Chronik ist nachzulesen, dass die Organisatoren 2015 zunächst nur die Läufe abgesagt hatten, aber durchaus gewillt waren, das kommerziell ausgerichtete Rahmenprogramm mit kleiner Messe, Women's Village und Women's Day Spa stattfinden zu lassen, um den Ausstellern und Partner Gelegenheit zu geben, ihre Produkte zu bewerben. Aber auch dieses Ansinnen wurde von weiteren, heftigeren Unwetterwarnungen torpediert und schließlich zähneknirschend gecancelt. 2018 hingegen trübte kein Wölkchen am Himmel den Kölner Frauenlauf, allein die große Hitze machte Probleme, zumal die beiden angesetzten Läufe stattfanden, als das Quecksilber für diesen Tag seinen Siedepunkt erreicht hatte: um 14:30 beziehungsweise 17 Uhr.

 
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Zum wiederholten Mal war der Kölner Frauenlauf lange vor dem Termin ausgebucht. Die Obergrenze liegt bei 10.000 Anmeldungen. Wegen der großen Hitze war die tatsächliche Beteiligung deutlich niedriger
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Die Folge war, dass von den ursprünglich gemeldeten 10.000 Läuferinnen (Obergrenze) weniger als 7000 im Ergebnistableau auftauchen, davon weniger als die Hälfte ohne Zeitmessung. Das ist zwar gegenüber dem Vorjahr zahlenmäßig ein enormer Rückgang, aber keinesfalls von der Stimmung. Denn die kölschen (und auswärtigen) Laufladies taten das, was sie immer tun beim Women's Run. Sie brachten beste Laune mit, verlegten die jecke Jahreszeit kurzerhand in den August und feierten läuferisch ihren Sommerkarneval.

Frau im Blickpunkt

Ein knappes halbes Jahrhundert nach dem ersten Frauenlauf überhaupt (New York 1972) und der langsamen Etablierung in Deutschland (vor allem in Berlin) ab den frühen achtziger Jahren finden sich heutzutage zahlreiche Laufveranstaltungen und -serien für Frauen in den Laufkalendern. In nahezu jeder größeren Stadt findet mindestens ein Frauenlauf jährlich statt, in manchen auch mehrere, und das durchweg unter sehr großer Beteiligung. Darüber hinaus: Der Frauenlauf hat längst schon die Provinz entdeckt, denn viele kleine Ortschaften bieten solche Events an und freuen sich über regen Zulauf.

Auf dem Veranstaltungsgelände "Tanzbrunnen" war die Women's Village und Women's Day Spa aufgebaut. Vor der großen Bühne fand das Warm up statt, durchgeführt von gutgebauten männlichen Fitnesstrainern, die zur Freude der Läuferladies ihr Shirt vergessen hatten Start des Fünfers, direkt am rechtsseitigen Rheinufer

Die Gründe sind - folgt man der Argumentation der Veranstalter und der Teilnehmerinnen - nachvollziehbar. Nicht das Sportliche stehe im Mittelpunkt, sondern der Spaß, die Gemeinsamkeit, die Atmosphäre, der nette verbrachte Tag mit der besten Freundin, der Lieblingskollegin, Schwester oder Mutter. Die Strecken sind kürzer, der Leistungsdruck kleiner, die Solidarität der Frauen groß. Die schnelleren Frauen gehen hier nicht in Männerfeldern unter, wo oft der Moderator den Einlauf der ersten Frau nicht bemerkt.

 
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Bei reinen Frauenrennen gehört ihnen die alleinige Aufmerksamkeit. Und auch die weniger schnellen Frauen fühlen sich unter ihresgleichen deutlich wohler, was die hohe Beteiligung aber nicht allein erklärt.

Größte Serie

Das umfängliche Rahmenprogramm, das speziell auf die weibliche Klientel zugeschnitten ist, trägt sicherlich auch zum Erfolg bei. Die Veranstalter, Agenturen und Sponsoren insbesondere der großen Städtefrauenläufe haben die Läuferinnen als Kunden fest im Blick, wissen sehr genau, dass mit ihnen besser Umsatz zu machen ist als mit Männern - zumindest wenn das Produkt stimmig ist. Nicht von ungefähr war der Kosmetikhersteller Avon der erste große Titelsponsor von Frauenläufen in Deutschland. Barmer erwirbt seine Serie mit "attraktiven Shoppingangeboten, Gewinnspielen und einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm".

Bei knapp 3000 Teilnehmerinnen wurde einiger Staub aufgewirbelt Bei 36 Grad im Schatten hatten es die Läuferinnen beileibe nicht einfach. Die schöne Rheinkulisse entschädigte einigermaßen für die schweißtreibende Arbeit

Insgesamt kann der Eindruck gewonnen werden, dass ein Unterschied von gemischten und reinen Frauenläufen der ist, dass letztere kommerziell noch klarer durchstrukturiert und -kalkuliert sind als jene. Das mag auch der Grund sein, warum 2015 in Köln die Läuferinnenmesse auch ohne Lauf hätte stattfinden sollen. Bei alledem hält ein allgemein deutlich höheres Startgeld bei Frauenläufen die Teilnehmerinnen nicht von einem Start ab.

Der Kölner Frauenlauf gehört zur landesweit größten Serie dieser Art. In den sechs größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt und Stuttgart findet der Barmer Women's Run statt, dazu seit diesem Jahr als Neuling Hannover. In der Vergangenheit wurden die Läufe durch herausragende Leichtathletinnen auch werbetechnisch auf Vordermann gebracht. So war die frühere Weitsprungweltmeisterin Heike Drechsler ein Gesicht der Kampagne, ein anderes die ehemalige deutsche Halbmarathonmeisterin Ingalena Heuck. Letztere war 2017 in Köln mit Babyjogger mitgelaufen und hinter Emilie Bodenant sogar zweite über acht Kilometer geworden.

Zwanzig Meter vor dem Ziel mussten die Teilnehmerinnen noch einmal achtsam sein. Da waren noch ein paar Stufen zu nehmen. Zuvor war dies auch vor der Querung der Hohenzollernbrücke der Fall gewesen Nahezu konkurrenzlos schnellster WoMann wurde Lotti (Lothar) Schorn. Er braucht rund eine halbe Stunde, hatte aber - wie viele andere auch - die Variante "keine Zeitmessung" angekreuzt und blieb ohne Ergebnis

Langer Samstag

Sind viele andere Organisatoren darum bemüht, die Läufe in kurzen Abständen durchzuführen und der Veranstaltung einen kompakten Charakter zu verleihen, zieht sich selbige beim Kölner Frauenlauf doch unnötig lange hin.

Da wird ohne unmittelbar ersichtlichen Grund der 5-km-Walkingwettbewerb vom 5-km-Lauf getrennt durchgeführt und um 13 Uhr angeschossen. Der Lauf folgt dann anderthalb Stunden später. Noch mal zweieinhalb Stunden danach wird der 8-km-Hauptlauf gestartet, immerhin zusammen mit den Langstreckenwalkerinnen. Die Siegerehrungen finden für alle Bewerbe erst um 19 Uhr statt, was im Falle eines Falles bedeuten kann, dass die siegreichen Walkerinnen fünf Stunden auf ihre Ehrungen warten und sich in der Women's Village die Zeit vertreiben müssen. Wollte man den advocatus diaboli spielen, könnte man den Zeitplan als Ergebnis von Wirtschaftsinteressen interpretieren. Denn wer lange da bleibt (bleiben muss), schaut vielleicht aus Langeweile öfters an den Ständen vorbei.

 

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Alexandra Tiegel gewann den Fünfer und blieb als einzige Läuferin unter zwanzig Minuten Zweite wurde Liz Roche Natalie Lenz komplettiert als dritte das Treppchen. Die drei ersten Frauen laufen allesamt für den TV Refrath Für den Titelsponsor Barmer lief Christina Hoffmann auf Rang vier und gewann damit die Hauptklasse

Eine Besonderheit der Barmer Frauenläufe ist, dass frau bei der Anmeldung wählen kann, ob sie eine Zeiterfassung wünscht oder nicht. Dazu heißt es auf der Veranstalterhomepage: "Grundsätzlich spielt der sportliche Ehrgeiz beim Barmer Women's Run eine Nebenrolle, vielmehr geht es um einen entspannten Tag unter Frauen. Hierfür können die Teilnehmerinnen in jeder Stadt zwischen der 5 km und der 8 km Strecke wählen, die mit oder ohne Zeitmessung gelaufen oder gewalkt werden kann."

Dass Sport in die Nebenrolle und Entspannung unter Frauen ins Zentrum gerückt wird, mag ja eine gute Sache sein, aber zur Ermittlung der tatsächlichen Teilnehmerzahl trägt die Besonderheit nicht bei.

 
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Denn wenn von 6928 Läuferinnen, die in der Ergebnisliste auftauchen, nur bei 3257 eine Zeit ausgewiesen wird, dann stellt sich die Frage: waren jetzt knapp 7000 wirklich dabei, oder ist unter den 3700 Namen ohne Zeit ein großer Prozentsatz die zwar gemeldet, aber nicht angetreten sind. Dass mehr als die Hälfte aller Läuferinnen keine Zeitmessung wollte, scheint nicht wahrscheinlich.

Die Starterinnen des Fünfers liefen zwischen zwanzig und 56 Minuten ins Ziel Start des Hauptlaufs über acht Kilometer

Sport im Mittelpunkt

Wer nun die Läuferinnen und Walkerinnen in Aktion gesehen hat, der kann sich nicht wirklich vorstellen, dass ihnen der Sport an diesem Tag zur Nebensache geriet. Wie bei gemischten Läufen auch, wurde trotz der großen Hitze gekämpft, gespurtet, schweißtreibende Arbeit betrieben, viel, manchmal alles aus sich herausgeholt - zumindest bei einer großen Zahl der Starterinnen. Natürlich ließen viele Läuferinnen auf Grund der Temperaturen Vorsicht walten, liefen entspannt über die staubigen Wege und genossen die herrliche Kulisse entlang der Rheinpromenade und über die Deutzer- und Hohenzollernbrücke.

Immer wieder bietet der Kölner Dom und die Eisenbahnbrücke Hohenzollern bei unterschiedlichen Läufen in Köln eine tolle Kulisse

Beim Lauf über fünf Kilometer sind 1609 Läuferinnen (von 2953) mit einer Zeit versehen. Vom Start weg bildeten sich ein Führungs- und ein Verfolgerduo. Vorne liefen Alexandra Tiegel (W30) und Liz Roche (W45) zunächst einträchtig beieinander, dahinter machten Natalie Lenz (W45) und Christina Hoffmann (WHK) gemeinsame Sache. Das war etwa nach einem Kilometer, als sie sich anschickten, von der rechtsrheinischen über die Deutzer Brücke zur linksrheinischen Seite zu wechseln. Im weiteren Rennverlauf dividierten sich beide Paare etwas auseinander, so dass vorne Alexandra Tiegel mit einer halben Minute Vorsprung den Lauf gewinnen konnte. Sie, die für den TV Refrath läuft, blieb als einzige unter zwanzig Minuten (19:58min, netto). Ihr folgten ihre beiden Clubkameradinnen Liz Roche, die 20:29min brauchte, und Natalie Lenz in 21:16min. Christina Hoffmann vertrat als vierte glänzend die Farben des Titelsponsors Barmer, indem sie als Gesamtvierte in 21:56min die Hauptklasse gewann. In der Dreier-Teamwertung waren die drei Refrathfrauen mit ihrer Gesamtzeit von 1:01:41h nicht zu schlagen gewesen. Zweite wurden "Die Strothmann Girls mit Sarah, Antje und Lisa Strothmann in 1:11:50h.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sich unter den Finisherinnen auch mindestens ein Mann befand, Lothar Schorn (M55), vom Lauftreff Wildpark. Der fiel allein schon dadurch auf, dass er als einer der wenigen nicht im obligatorischen Pinkshirt lief, sich aber eine pinke Wollmütze und ein ebensolch farbiges Röckchen übergestreift hatte, das es auf der Messe zu kaufen gab. Als "Lotti" gemeldet, war er nach etwa einer halben Stunde im Ziel, aber ohne Zeitmessung.

Felicitas Reiser gewinnt den Hauptlauf Zweite wird Sonia Isabel Goebel Heike Moser, zunächst vorne, wird dritte Rang vier und Sieg in W45 für Helga Willemsen

Der Hauptlauf

Beim Hauptlauf über acht Kilometer waren 1469 Läuferinnen dabei, davon 954 mit Zeitmessung. Zunächst eroberte sich die vereinslose Heike Moser (W50) die Führung, während Felicitas Reiser (W35), ebenfalls ohne Verein, zurückhaltend auf Rang drei agierte. Dazwischen lief kurzfristig die junge Theresa Schörkmeier (WHK), die aber zu schnell anging und später auf Rang neun (37:01min) zurückfiel, sowie Sonia Isabel Goebel (WHK, TV Frisch Auf Lennep). Im Mittelteil verschoben sich vorne die Plätze. Reiser kam stark auf, überholte Moser und erreichte knapp vor dem Ziel Goebel.

Über viel Schatten konnten sich die Hauptläuferinnen im Mittelteil kaum freuen Kalte Duschen im Ziel waren besonders begehrt
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In einer Spurtentscheidung hatte Reiser in 33:41min das bessere Ende für sich. Goebel wurde mit zwei Sekunden Rückstand zweite (33:43min) vor Moser (35:22min) und Helga Willemsen (W45, Laufsport 97/30 Lowick, 36:16min), die ihre Altersklasse gewann. Unter den Topläuferinnen ist ein Ergebnis auffällig, und zwar das von Kathrin Kempe (o.V., WHK). Diese wurde in 36:58min immerhin achte, jedoch hätte sie wohl noch eine bessere Platzierung erreichen können, wenn sie nicht so weit hinten gestartet wäre. Beträgt bei ihren Konkurrentinnen die Differenz zwischen Brutto- und Nettozeit nur wenige Sekunden, beläuft diese sich bei Kempe auf satten fünf Minuten.

In der Teamwertung dominierten die TuSsis des Teams Zero mit Inka Krull, Steffi Brahms und Claudia Saathoff vom ostfriesischen Lauftreff TuS Aurich-Ost in 2:02:22h vor der Formation Flink in Pink mit Luisa, Friederike und Anna-Dorothea Gorki vom USC Kiel in 2:10:35h.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.womensrun.de/koeln

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