26.8.18 - 40. Koberstädter Wald-Marathon in Egelsbach

Ein Jubiläumslauf im Grünen mit Herz organisiert

von Jörg Engelhardt 

Betrachtet man sich das Wappen der Gemeinde Egelsbach, dann hat man ein Motiv vor Augen, das einen in Silber gefassten Eichenzweig zeigt, der 3 Eicheln an sich trägt und aus einem roten Herz wächst. Das Motiv stammt aus dem Jahre 1622 und ist deckungsgleich mit einem Gerichtssiegel, welches in Egelsbach ursprünglich verwendet wurde. Später war die Verwendung dieses Gemeindewappens illegal, denn es durfte per Erlass des Hessischen Innenministers erst seit 1953 offiziell geführt werden.

Das Wappen ist also (noch) älter, als der älteste noch bestehende hessische Marathonlauf, der seit 1979 ununterbrochen stattfindet und folge dessen frei von der Absicht, den Charakter dieses unverwüstlichen Laufklassikers symbolisch zutreffend abzubilden. Dennoch haben dies seine Urheber vor 396 Jahren, wenn auch völlig unbewusst getan. Denn das Ereignis findet tatsächlich im Grünen statt und tut es auch nur deshalb, weil sich immer wieder in diesen vier Jahrzehnten Menschen zusammengefunden haben, um diese geschichtsträchtige Veranstaltung über die doch recht lange Zeit mit viel Herzblut immer wieder auf die Beine zu stellen.

Das Egelsbacher Wappen bringt es auf den Punkt, ein Laufspektakel im Grünen mit viel Herz organisiert
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Scheinbar ist ihnen das dieses Mal so gut gelungen, das man den "Koberstädter" mit Fug und Recht wieder auf der Erfolgsspur sehen kann. Denn in allen drei angebotenen Distanzen: 10 Km - Halbmarathon und Marathon, durchquerten immerhin 91 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr als im Jahr zuvor den Zielbogen auf dem Sportplatz an der Berliner Straße. Dazu kam auch noch ein rechtzeitig wieder eingetretenes Bilderbuchwetter, welches die Läuferinnen und Läufer, die die Podestplätze unter sich ausgemacht haben, mit Ausnahme der Entscheidung im Marathon bei den Frauen, zu eindeutig besseren Siegerzeiten motiviert hat, als dies im letzten Jahr noch der Fall war. Denn sowohl über 10 Km, als auch der Halbdistanz sowie dem Marathon bei den Männern, hat es wieder bessere Endzeiten gegeben und der erfreuliche Teilnehmerzuwachs konnte auf allen Strecken verbucht werden. So dass man bei diesem runden Geburtstag getrost von einer "runden" Sache sprechen kann.

Die Temperaturen waren im Zusammenspiel mit den frühen Startzeiten optimal und das Farbenspiel im Koberstädter Wald setzte noch ein zusätzliches Ausrufezeichen, das dem objektiven Betrachter ein eindrucksvolles Beispiel dafür gab, warum die oftmals totgesagte Wettbewerbsform des Landschaftsmarathons am Ende doch nicht totzukriegen ist. Denn trotz des sehr reichhaltigen Angebots an anderen Marathonläufen, gerade hier an der Schnittstelle zwischen Rhein-Main-Gebiet und dem Großraum Rhein-Neckar, gelingt es den Machern von der SG Egelsbach rund um Organisationsleiter Stefan Bareuther immer wieder, ein Teilnehmerfeld anzulocken, das dann nicht nur hier in Egelsbach, sondern auch in Frankfurt und Mainz, oder Mannheim und Darmstadt, an der Startlinie steht.

Nach dem Start im Egelsbacher Sportstadion wird die Bundesautobahn 661 bei km 2 überquert. Weiter führt die Rundstrecke auf leicht welligem Terrain ausschließlich durch Waldgebiet und ist dank breiter Wege angenehm zu laufen. Die Marathonläufer dürfen den Kurs zweimal zurücklegen

Denn Marathonlaufen kann man in dieser Region nicht nur in der Stadt oder im grünen Wald, sondern, wenn es so sein will, sogar im "Knast". Also konnte Veranstaltungsmoderator Jochen Heringhaus auch diesmal wieder alte Bekannte (Läuferinnen und Läufer) ankündigen, die sich nichts davon entgehen lassen. Denn der Koberstädter Waldmarathon wird von vielen Teilnehmern nicht als störende Konkurrenz empfunden, sondern als sinnvolle Ergänzung zu den anderen Ereignissen in der näheren Umgebung, auf die man als selbst aktiver Sportler keinesfalls verzichten möchte. Dabei ist der Laufklassiker eigentlich mehr als nur eine Ergänzung. Denn es gab ihn schon als alle anderen hier Genannten, erst noch erfunden und entwickelt werden mussten. Folglich hat er auch mit seiner "Pionierarbeit", anderen und viel größeren Veranstaltungen vorgemacht, wie man ein solch aufwendiges Ereignis erfolgreich in die Tat umsetzen kann. Die sportlichen Ergebnisse waren hierfür das beste Beispiel.

10 Km

Als um 9.30 Uhr der kürzeste aller Wettbewerbe gestartet wurde, begaben sich 214 Starterinnen und Starter auf die Strecke. Es bildete sich sehr schnell ein weit auseinander gerissenes Feld an der Spitze, das Johannes Gerhard (TuS Griesheim) von Beginn an schon recht deutlich anführte. Der sehr podiumserfahrene Jörg Kaiser (SC Steinberg) blieb zwar auf Sichtweite hinter dem Führenden, konnte die Lücke aber bis zum Ende nicht mehr zulaufen und hatte seinerseits wieder jede Menge Sicherheitsabstand auf den drittplatzierten Christoph Dudek aus Roßdorf. Der musste sich seiner Haut aber schon stärker erwehren, denn Marco Laumann (SV Werder Bremen) konnte den Rückstand auf Dudeck bis auf 8 Sekunden verkürzen.

 

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Johannes Gerhard siegte in 36:58 vor Vorjahressieger Jörg Kaiser, der sich in 37:16 mit dem zweiten Platz begnügen musste. Dennoch war er mit dieser Endzeit um eine Minute schneller als bei seinem Triumph im letzten Jahr. Christoph Dudeck sicherte das Podium ab und blieb in 37:58 ebenfalls noch unter der Siegerzeit von 2017. Selbst Marco Laumann war mit 38:06 noch 10 Sekunden schneller und wurde dafür mit Rang 2 in der MHK belohnt. Mit Jonas Teutsch vom TV Langen blieb in 38:18 auch noch der fünfte Läufer unter der 40-Minuten-Marke. Im vorigen Jahr hatten dies gerade mal 3 geschafft.

Gerhard Christian Fleißner vom LT Egelsbach ist in der M75 über 10 Km erfolgreich. Beglückwünscht wird er von seinem Lauftreffkameraden Dr. Schapur Nikfargam Johannes Gerhard vom Tus Griesheim heißt der Gesamtsieger über 10 Km

Auch bei den Frauen musste sich die Vorjahresgewinnerin Heidemarlen Büttgens aus Oberursel mit dem zweiten Platz zufrieden geben, konnte dies aber leichten Herzens tun, da auch ihre Endzeit schneller war als vor 12 Monaten. Allerdings trennten sie von der routinierten drittplatzierten Petra Seibert (Spiridon Frankfurt) lediglich 5 Sekunden.

Der Sieg ging letzten Endes nach Unterfranken. Verena Ibel (RV Viktoria Wombach) siegte unangefochten in 43:37 und es vergingen über 4 Minuten bis die entthronte Heidemarlen Büttgens ins Ziel kam. Dennoch steigerte auch sie sich um 1:41 min auf eine Endzeit von 47:45 und wurde auch Zweite in der WHK. Die drittplatzierte Petra Seibert blieb in 47:50 immer noch weit unter der letztjährigen Siegerzeit und sicherte sich damit, einmal mehr den 1. Platz in der W55. Alle drei Erstplatzierten blieben unter der 50-Minuten-Marke. Das hatte 2017 alleine Heidemarlen Büttgens geschafft. Insgesamt kamen dieses Mal beim Zehner 34 Läuferinnen und Läufer mehr ins Ziel.

Belachew Kifle von der SG Egelsbach wiederholt seinen Vorjahreserfolg im Halbmarathon und ist mit 1:12:03 deutlich schneller unterwegs als im vorigen Jahr Karl Hempel von KS-Sportsworld läuft im Halbmarathon auf den 2. Platz Seine Vereinskollegin hatte heute keine große Konkurrenz: Halbmarathongewinnerin Anna Herzberg

Halbmarathon

Hier stand der Wettbewerb ganz im Zeichen von Vorjahressieger Belachew Kifle von der gastgebenden SG Egelsbach. Nur das dieser im Vergleich zum Vorjahr nochmals über 2 Minuten schneller war. Er brillierte in 1:12:03 h und verwies Karl Hempel (KS-Sportsworld) auf den 2. Platz, der nach ebenfalls sehr starken 1:15.57 h ins Ziel kam, so dass auch die ersten beiden Podestplätze in der M30 schnell vergeben waren. Den letzten freien Podiumsplatz konnte sich mit Florian Graser ein Sportler aus Baden-Württemberg erlaufen. Er startet für den TV Schriesheim bei Heidelberg und besetzte zugleich auch den 3. Platz in der M30. Seine Zeit: 1:19:05 h.

Auch bei den Frauen gab es eine eindrucksvolle Siegerin. Anna Herzberg (KS-Sportsworld) lief sich in 1:22:47 h einen Vorsprung heraus, der am Ende über 11 Minuten betrug. Damit war sie auch über 7 Minuten schneller als die letztjährige Siegerin Petra Wassiluk, die damals in 1:30:00 h durch den Zielbogen ging. Auf sie folgte mit Anna Baum eine Läuferin von Spiridon Frankfurt. Mit 1:33: 57 h verfügte sie über einen komfortablen Vorsprung auf ihre Verfolgerin Ria Bohrer aus Oberursel. Die Drittplatzierte siegte in der W40 in 1:36:14 h und war damit die zweite vereinslose Läuferin auf dem Siegerpodest aus Oberursel. 447 Teilnehmer kamen gesund ins Ziel, was einen Finisherzuwachs von 28 Läufer*innen bedeutete.

Hat den heutigen Marathonsieger Christoph Lux von der TG Viktoria Augsburg am Anfang noch im Blick, wird aber zum Ende hin 6 Minuten auf ihn verlieren: Marathonzweiter und M30 Sieger Stefan Gaub (VT Zweibrücken) Wird am Ende 9. beim Marathon und strebt dem Sieg in der M50 entgegen: Michael Amann von der LG Lohr Simon Kachel (links) vom TV Langenselbold und M65 Sieger Wolfgang Wannemacher aus Langen bilden am Anfang noch ein Team

Marathon

Auch die namensgebende Königsdisziplin bei dieser Veranstaltung, wurde wieder stärker angenommen als im Jahr zuvor. 133 Läuferinnen und Läufer konnten die größte Herausforderung des Tages überwiegend zufrieden bewältigen. Vor 12 Monaten war dies gerade einmal 104 Teilnehmern gelungen. Auch die Siegerzeiten bei den Männern konnten wieder aufhorchen lassen und obwohl die Siegerzeit bei den Frauen deutlich langsamer war als bei den Männern, kann man auch in diesem Fall von einer herausragenden Leistung sprechen, die im Laufe dieses Beitrags ihre Würdigung erfahren wird. Gelang es nämlich im letzten Jahr keinem einzigen Läufer die heiß begehrte 3-Stunden-Grenze zu unterbieten, so schafften es diesmal immerhin wieder drei.

Gemeinsam auf das Podest in ihren Altersklassen. Die zweite Marathonfrau und W55 Siegerin Renate Seidel aus Eppstein und die Drittplatzierte Melanie Schulze (2. W45) von den DZ Bank Runners Läuft lachend dem 3. Platz in der W45 entgegen: Petra Niemeyer aus Frankfurt am Main Gewinnt die W35 und wird 7. beim Marathon. Sandra Stark (DFS Betriebssport e. v.)

Der Triumph ging diesmal nach Südbayern. Mit Christoph Lux (TG Viktoria Augsburg) erlief sich ein Sportler den Gesamtsieg, der sein Rennen ganz allein gestalten musste. Er zog von Anfang an vorneweg und zeigte während des gesamten Rennverlaufs keinerlei Schwächephasen. Der Sieger beendete sein Rennen souverän schon nach 2:48:30 h. Der Mann aus dem bayerischen Teil Schwabens blieb während des gesamten Laufs unter 4 Minuten pro Kilometer. Auch hier hatte der zweitplatzierte Stefan Gaub (VT Zweibrücken), der in 2:54:31 h den Zielstrich überqueren konnte, noch jede Menge Polster auf dem hinter ihm liegenden Luis Vieyra (Exatec Running), der in 2:59:50 das Podium komplettierte. Das hätte auch bei der letzten Auflage immer noch zu einen deutlichen Sieg gereicht.

Ist aus der thüringischen Rhön angereist: Killian Bott vom SV Frankenheim Kam aus Thüringen zum Jubiläumslauf: Jörn Fischer aus Gera, der den Marathon als 41. beenden konnte Stark vertreten bei allen Läufen ist der SC Steinberg. Hier zu sehen Bodo Hoffmann, der 42. auf der 42,195km langen Strecke wurde

Scheinbar wollten auch die Sportler selbst dem Jubilar eine Freude machen und ihn mit außergewöhnlich guten Leistungen zum Geburtstag gratulieren, was ihnen in allen Belangen gut gelungen ist. Hervorzuheben war bei den Männern auch der 8. Platz des zu 90% sehbehinderten Läufers Harald Lange (Spiridon Frankfurt), der ohne Führungsläufer zu einer Endzeit von 3:08:22 h gelaufen ist. Mit dieser Zeit errang er auch den 2. Platz in der M35 hinter seinem Vereinskameraden Florian Kaltenbach, der sein Rennen in 3:05:20 beenden konnte, obwohl dieser bereits den 3. Wettkampf in nur 4 Tagen in den Knochen hatte. Er war beim Frankfurter Bürostadtlauf am Donnerstag zuvor bereits über die 5- als auch die 10 Km gegangen.

Gewinnt zum ersten Mal in ihrer Karriere einen Marathonlauf. Andrea Simonis aus Kelkheim Bleibt mit Rang 3 noch unter 3 Stunden im Marathon: Luis Vieyra Florian Kaltenbach von Spiridon Frankfurt wird 5. im Marathon und entscheidet die M35 zu seinen Gunsten

Bei den Frauen gab es mit Andrea Simonis aus Kelkheim eine Überraschungssiegerin, die selbst niemals mit diesem Erfolg gerechnet hätte. Sie kam nach 3:39:52 h ins Ziel und freute sich mehr noch als über ihre Platzierung über die Zeit, die sie gelaufen war. Die 3-fache Mutter aus dem Stadtteil Fischbach, die ihr Geld als Teamassistentin bei einer Immobiliengesellschaft verdient, ging in einem Finishershirt des Darmstädter Knastmarathons an den Start und erzielte bis dahin immer nur Zeiten zwischen knapp über oder knapp unter 4 Stunden. Der Marathon heute war für die Mittvierzigerin ihr bislang größter Erfolg. In Teamarbeit erliefen sich Vorjahreszweite Renate Seidel aus Eppstein (3:53:29) und Melanie Schulze (DAZ Bank Runners) in 3:53:37 die weiteren Medaillenränge. Am Ende kann auch bei diesem Hauptlauf von einem absoluten Highlight gesprochen werden.

Über eine Stadionrunde führt der Weg ins Ziel Helene Macher vom Marathon Club 100 Austria gewinnt die W60 beim Marathon
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Jedenfalls zeigte sich auch Reiner Neumann, der innerhalb der Organisationsleitung für Druck, Werbung und Sponsoring verantwortlich ist, vom Verlauf des Tages sehr begeistert. Er wird nach 28 Jahren, diese nicht eben leichte Herausforderung in andere Hände legen. Auch hierin liegt seiner Meinung nach ein Grund, warum der "Koberstädter" in Zukunft angenommen wird. "Wir haben uns immer früh um unsere Nachfolger gekümmert. Denn von den Gründern dieses Laufs ist keiner mehr dabei. Lediglich Horst Müller, der für die Siegerehrung zuständig war, kann auf eine 35jährige Mitarbeit zurückblicken. "Doch bis heute war immer, wenn jemand ausgeschieden ist, zur rechten Zeit ein anderer an gleicher Stelle, sonst würde das auch gar nicht gehen", weiß Rainer Neumann, der nun bald selber geht.

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Ergebnisse www.koberstaedter-marathon.de

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