20.8.17 - Trier Roman Run

Moderne Lauf-Hindernisse in Deutschlands ältester Stadt

von Holger Teusch

Im Frühjahr einen Firmen-, im Sommer einen Stadt- und im Winter einen Silvesterlauf hat Trier bereits. Dazu kommt im Herbst an jedem dritten Freitagabend im September ein Stadion-Flutlichtläuferabend, bei dem zum Saisonende auf den Bahnlangstrecken noch einmal manche Bestenliste durcheinandergewirbelt wird. Was noch fehlte, war ein Hindernislauf. Und den gibt es seit dem 20. August auch. Roman Run nennt sich das Rennen, das von den Stadtlauf-Machern des gleichnamigen Vereins organisiert wird.

Start und Ziel vor dem römischen Stadttor Porta Nigra, das war beim Roman Run in Trier keine Frage Der Spaß kam nicht zu kurz, wenn die Läufer über (Schrott-)Autos springen durften
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Dass seit Jahresbeginn mit Gesa Felicitas Krause Deutschlands erfolgreichste Hindernisläuferin für Trier startet, ist Zufall. Aber etwa genauso lang stand fest, dass in der alten Römerstadt (wieder) ein Hindernislauf stattfinden sollte. Aber die Steeple-Europameisterin und tragische Heldin des WM-Finales von London trägt das grün-weiße Trikot des Silvesterlauf-Vereins. Die Sommer-Veranstaltungen werden vom Trierer Stadtlauf e.V. organisiert.

Container mit alten Autoreifen forderten Trittsicherheit und volle Konzentration Das Gleichgewicht halten statt Ausdauer oder Kraft war an den Balancierbalken gefragt

Und der hat mit dem urbanen Hindernislauf, der kaum etwas mit der olympischen Disziplin im Stadion zu tun hat, eine Lücke geschlossen. Der Anstoß kam vor mehr als zwei Jahren, als Trier als Station der Urbanianrun-Serie auserkoren wurde. Aber es wurde nur ein einmaliges Ereignis. Doch der Anfang war gemacht. Eine Fortführung als eigenständige Veranstaltung unter dem Dach des Stadtlauf-Vereins 2016 wurde zwar abgesagt. Aber mit genügend Vorbereitung konnte das Projekt 2017 gestemmt werden. Denkt man an die großen Läufe wie den Strongmanrun am Nürburgring, so kam der deutlich breitensportlich orientierter daher. 5 km oder 10 km, eine oder zwei Runden, durch den Trierer Stadtkern mit zwölf oder 24 Hindernissen standen zur Auswahl. Das Logo, ein römischer Legionär, der über die Porta Nigra springt, kommt lustig statt martialisch rüber.

"Wo kommt man denn am besten durch?" Drunter, drüber und dazwischen hangelten sich die Läufer zwischen den Gerüstbaustangen hindurch Kostümiert und gemeinsam als Gruppe gingen vor allen Frauen auf die Strecke

"Alles war gut machbar und die Verletzungsgefahr gering", sagte eine Teilnehmerin. Beim Roman Run ging es nicht um die Superlative noch länger, noch härter, noch schwerer. Strecken und Hindernisse waren praktisch von jedem gut zu bewältigen. Zur Not halt mit Hilfe anderer Teilnehmer, die schon "Räuberleiter" machen an der Bretterwand. Und da treffen sich die Hindernisläufe, bei denen die Teilnehmer matschverschmiert ins Ziel laufen und die "saubere" Variante in der Stadt wieder: Viele, gerade Frauen, nahmen als Gruppe, zum Teil verkleidet- natürlich als Römer -, am Roman Run teil. Beim Hindernislauf wird die Individualsportart zum Teamevent.

Sammy Schu vom LTF Marpingen ging mit der Startnummer eins ins Rennen und kam über 10 km auch als Erster ins Ziel Lokalmatador Dominik Werhan vom Post-Sportverein Trier musste sich diesmal über 10 km mit dem zweiten Platz zufriedengeben

Wer beim Roman Run vorne mitlaufen wollte, war natürlich auf sich allein gestellt. Was bei Hindernissen wie Hürden aus rot-weißen Baustellen-Absperrungen, einem Labyrinth aus Gerüstbaustangen, mit alten Autoreifen gefüllten Containern, Bretterwänden, Schrottautos, die überlaufen werden mussten, schmalen Balancierbalken oder Absperrgittern aber auch kein Problem war.

Mussten die Gladiatoren früher im Trierer Amphitheater um ihr Leben kämpfen, durften sie diesmal recht entspannt durch die Stadt laufen Der Brunnen am Kurfürstlichen Palais gehörte zwar nicht zu den Hindernissen, wurde von den Teilnehmern aber gerne als Abkühlung durchlaufen Rebecca Koch vom Trierer Team getFit wurde auf der 5-km-Distanz Zweite

Sammy Schu hat das schon mehrmals gemacht und unter anderem, bei einem vergleichbaren Rennen in Hamburg gewonnen. Beim Roman Run in Trier ging der M25-Altersklassen-Europameisterin Duathlon mit der Startnummer eins ins 10-km-Rennen - und wurde diesen Vorschusslorbeeren gerecht. In 34:06 Minuten siegte der Ausdauersportler vom LTF Marpingen vor Lokalmatador Dominik Werhan (34:35). Der ehemalige deutsche B-Jugendmeister über 3000 Meter (2010) vom Post-Sportverein Trier lag damit klar vor seinem Vereinskameraden André Wilhelmus (36:56) und Markus Zimmer vom Wormser Stimmel Sports (38:25). Schnellste Frau war Triathletin Sabrina Bühler in 46:53 Minuten vor Rebecca Koch vom Trierer Team getFit (47:25) und Anne Kempf (Treviris Therme/ 48:09).

Ordentlich bücken hieß es bei einem Hindernis "Und hopp!" Normalerweise sollte man sich nicht über Absperrgitter schwingen, beim Roman Run war es sogar erwünscht
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Über 5 km setzte sich mit dem Spanier Dani Ortiz in 19:52 Minuten ein Sportler durch, der laut seinen Teamkameraden vom The.Boxx eigentlich "nur" Zirkel-, aber kein Lauftraining absolviere. Den zweiten Platz belegte mit Vincent Bier (Silvesterlauf Trier e.V./20:41) der Sohn des Mitorganisators Dietmar Bier. Als Drittplatzierter trug sich Mats Radeck (SSV Trier/20:47), ein ausgewiesener Schwimmer in die Ergebnisliste ein. Wegen der Teilung des 5-km-Feldes in zwei Startblöcke kam es zunächst zu einigen Ungereimtheiten bei der Auswertung, die manuell behoben werden mussten. Die US-Amerikanerin Mariann Steier bekam durch ihren Start in der früheren Startgruppe (statt wie vorgesehen in der späteren) gegenüber der ersten Ergebnisliste fünf Minuten mehr aufgebrummt, sicherte sich mit 24:47 Minuten knapp vor Petra Heil (Relaxfabrik/ 24:49) trotzdem den Gesamtsieg. Dritte wurde Ramona Czakon (24:57).

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse roman-run.de

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