27.8.17 - 6. RAG Hartfuessler Trail Saarbrücken

Durch den Urwald vor der Stadt

von Axel Künkeler

Eine Rekordbeteiligung von 730 Finishern verzeichnete der 6. Hartfüssler Trail am letzten August-Sonntag. Dabei gab es zwar keinen neuen Streckenrekord, aber den fünften Sieg von Martin Schedler auf der Ultra-Distanz von 58 Kilometern. Bei den Frauen gewann Bianka Schwede, während auf der 30km-Strecke Stephanie Morath und Michael Wüschner am schnellsten waren.

Die Strecken durch den "Urwald vor den Toren der Stadt" Saarbrücken hatten es in sich
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER

Erneut war schon im Vorfeld das Teilnehmerlimit von 800 erreicht. Die 841 Voranmeldungen (gegenüber dem Vorjahr 819) ließen bereits auf eine noch nie dagewesene Teilnehmerzahl hoffen. Die Finisherzahlen stiegen von 672 deutlich an auf diesmal 730 über alle Distanzen von 7,5km, 14 km Laufen und Nordic Walking sowie die 30km- und 58km-Trails. Wie bei den meisten Laufevents deutschlandweit zu beobachten, waren die Unterdistanzen ursächlich für diesen Zuwachs, während die längeren Strecken (30/58km) sogar leichte Rückgänge zu verzeichnen hatten.

Zulegen konnte vor allem der 14km Trail um fast 30 Prozent von 192 auf 249 Finisher, wurde damit zum teilnehmerstärksten Wettbewerb. Diese Position musste der 30km-Trail abgeben, war mit 237 (2016: 246) Finishern aber ähnlich stark besetzt. Zusammen erreichten die zwei Wettbewerbe allein zwei Drittel aller Teilnehmer. Dahinter folgten der längste Lauf, der 58er mit 105 (120) und der kürzeste, der 7,5km-Lauf, mit 97 Finishern. Hinzu kamen noch die 42 Nordic Walker und Walkerinnen auf der 14km-Strecke.

Läufer und Läuferinnen der LLG Wustweiler mit 30km-Schlussläufer Bernhard Hellbrück (473) Beliebt waren auch Gruppenfotos auf dem Haldenplateau

Neben der zahlenmäßigen Zunahme der Veranstaltung wurde die wachsende Popularität des Hartfüssler Trails durch die internationale Beteiligung deutlich. Natürlich wird überwiegend "saarländisch geschwätzt" und in der Grenzregion auch "französisch parliert", kommen die meisten Teilnehmer aus dem Saarland und den angrenzenden Regionen in Rheinland-Pfalz und Frankreich, aber auch aus Baden-Württemberg und Hessen sowie den Benelux-Ländern.

Teilnehmer aus Spanien und China

Die wohl weiteste Anreise hatten zwei chinesische Läufer: die 33-jährige Chaohua Chi und der 58-jährige Ziguang Pan aus der südost-chinesischen Stadt Fuzhou. Während Pan nach 7:07:01 Stunden Platz 9 der Master Men (über 50) und Platz 33 aller 86 Männer belegte, kam Chi erst nach 8:36:11 h als 17. von 20 Frauen ins Ziel.

Locker-flockig das verpflichtende Briefing von Orga Chef Hendrik Dörr (l) Die weiteste Anreise hatten die jungen Chinesen Ziguang Pan und Chaohua Chi

Ebenso wie die beiden Chinesen war auch der Spanier Gonzalo Caballero-Alvarez über das Internet bzw. Social Media auf den Hartfüssler Trail aufmerksam geworden. Chinesen wie Spanier nutzten zudem den Event, um Deutschland ein wenig kennenzulernen. Gonzalez war zusammen mit seiner Lebenspartnerin Monica Torres und ihren Kindern eine Woche lang im Camping-Bus unterwegs. Nach dem Hartfüssler Trail ging es für die Vier durch Frankreich zurück Richtung Spanien.

Doch zuvor absolvierte der 40-jährige Spanier noch den 58km-Ultra in 5:54:37 h, erreichte damit als Gesamt-Achter eine TopTen-Platzierung. Ganz knapp vor ihm kam der Saarländer Mattias Schramm (5:54:00) von den Triathleten des LTF Köllertal ins Ziel. Nur zehn Minuten betrug der Abstand zum Viertplatzierten Markus Wagner (5:44:29/LTF Marpingen); zwischen ihnen noch Raphael Grotti (TV Schriesheim) und Stefan Müller (Landau Running Company) auf den Rängen fünf und sechs.

Mit der Start-Nummer 1 auf Platz 1: Martin Schedler 8km vor dem Ziel Eine halbe Stunde nach dem Sieger läuft Paul Tezlaw als 2. Mann ins Ziel Dritter 58k-Mann wird Uwe Jahn

Deutlich größer als zwischen vier und acht dann jedoch die Abstände auf und zum Podium. Der 46-jährige Uwe Jahn, der erstmals beim Hartfüssler Trail dabei war ("eine geile Strecke") kam bereits nach 5:36:53 als Dritter ins Ziel, elf Minuten hinter dem 15 Jahre jüngeren Paul Tezlaw, der seine Hartfüssler-Premiere in 5:27:57 h als Gesamt-Zweiter absolvierte. Für den Läufer der DJK Schwäbisch Gmünd war es ein Formtest für den heimischen Schwäbisch Alb Marathon Ende Oktober, für den er bei der Siegerehrung kräftig Werbung machte ("da seid ihr auch alle willkommen"). Beim Alb Marathon wird diesmal die Deutsche Meisterschaft über 50 Kilometer ausgetragen.

Hartfüssler als Formtest für Deutsche 50km-Meisterschaft

Dann will auch Tezlaw richtig angreifen, hat sich eine Zeit von unter vier Stunden als Ziel gesetzt. "Keine Ahnung, welche Platzierung dann heraus springt", fokussiert der 31-Jährige sich ganz auf sich selbst. Oft sei er schon bei diversen Pfälzer Bergläufen gestartet ("ich mag die Region"), deshalb sei er nun auch gerne zum Hartfüssler Trail gekommen, erzählt er. Der Abstand zum Sieger ist dennoch beträchtlich. Fast eine halbe Stunde vor Tezlaw war nämlich der saarländische Ultra-Spezialist Martin Schedler ins Ziel gekommen. Als einziger unterbot er die 5-Stunden-Marke, wenn auch ganz knapp in 4:59:54 h.

Der Siebte Matthias Schramm vor dem Spanier Gonzalo Caballero Sechster über 58km wird Stefan Müller aus Landau Als vierter 58k-Läufer im Ziel Markus Wager (LTF Marpingen)

Vor zwei Jahren hatte der 37-jährige Saarländer, der für seinen Arbeitgeber die Knappschaft startet, den Streckenrekord auf 4:38:43 geschraubt. Dass er diesmal mehr als 20 Minuten länger brauchte, lag nicht daran, dass er sich etwa 600 Meter verlaufen habe ("das ist mir damals an genau der gleichen Stelle ebenfalls passiert"), erzählt Schedler. Vor zwei Jahren seien einfach ideale Bedingungen gewesen. Diesmal erreichte die Quecksilbersäule zwar nicht die 30-Grad-Marke wie im Vorjahr, aber bei Temperaturen bis 25 Grad herrschte eine drückende Schwüle. "Die letzten Kilometer waren richtig hart", sagt Schedler. Zudem waren die Beine noch schwer nach einem 63er-Ultra am Wochenende zuvor.

Am Start über 58km der blinde Dietmar Beiderbeck (131/r) mit seinem Guide (beide LG Würzburg) Die 58km-Ultraläufer gingen um 9 Uhr auf die Strecke

Der diesjährige Höhepunkt steht für Martin Schedler vier Wochen nach dem Hartfüssler an. Seine Frau erwartet Nachwuchs, Schedler wird erstmals Papa und auch ein Hausbau ist in Vorbereitung. Die privaten Verpflichtungen nehmen also zu, die sportlichen Ambitionen rücken zwangsläufig in den Hintergrund. Diesmal konnte sich Martin Schedler aber nochmals über einen souveränen Erfolg beim Hartfüssler Trail freuen. Es war sein fünfter insgesamt, nach zuvor drei Siegen auf der Ultra-Distanz und einmal der 30km-Strecke. Nur im Vorjahr, als Schedler verletzungsbedingt nicht antreten konnte, triumphierte mit dem Australier Vlad Ixel ein anderer.

Nach gut 500m die erste "Schikane": eine schmale Treppe hinab Bei KM 1 kurz vor dem ersten kleinen Anstieg ertönte das Bergmannslied "Glück auf der Steiger kommt" Die Halden hoch und wieder runter

Bei den Frauen dominierte in den beiden letzten Jahren die deutsche Ultra-Spezialistin Pamela Veith vom TSV Kusterdingen. 2016 lief sie bereits nach den ersten beiden Männern in 5:58:00 h mit weitem Abstand vor den anderen Frauen ins Ziel. Eine Zeit, von der die diesjährigen Siegerzeiten bei den Frauen doch weit entfernt waren. Heuer siegte die 41-jährige Bianka Schwede in 6:33:54 h relativ knapp vor der 51-jährigen Corinne Jourdain (ASC Marathon Friedberg), in 6:34:36 h zweite Frau. Für Beide war es ihr erster Ultra, nachdem Schwede erst vor zwei Wochen den Allgäu Panorama Marathon absolvierte und Jourdain vor kurzem überhaupt erst ihr Marathon-Debüt gab. Mit zehn Minuten Abstand auf die Siegerin sicherte sich die 32-jährige Nina Hansen (6:43:54) den dritten Platz auf dem Podium.

58k-Frauen-Siegerin Bianka Schwede Als zweite Frau über die Langdistanz läuft Corinne Jourdain ins Ziel Die dritte Frau im Ziel Nina Hansen Am 30k-Start: der spätere Zweite Timo Schmidt (454) und der Vierte Hanno Blaß

Relativ deutlich waren auch die Abstände auf dem Podium des 30km-Trails, vor allem bei den Frauen. Hier gewann Stephanie Morath (ASV Niederrimsingen) in 3:06:01 h vor Yasmine Jacoby (3:12:54). Dann folgte mit Sibylle Müller (LTF Elversberg) schon die Master Women-Siegerin in 3:30:29 h als dritte der 44 Frauen. Bei den Männern gewann Michael Wünschner aus Neunkirchen in 2:23:44 h vor dem Saarbrücker Timo Schmidt (2:29:44) sowie Cedric Schramm (2:33:51) aus dem französischen Saarguemines. Master-Sieger Roman Schwarz (LAC Saarlouis) kam nach 3:00:07 h als 19. Gesamt von 192 Männern ins Ziel.

Reizvolle anspruchsvolle Trails durch den Saar-Kohlewald

Der Start für die 30 sowie die 14km-Distanz war gemeinsam um 10 Uhr erfolgt, während die 58er bereits um 9.00 Uhr von der stellvertretenden saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger mittels einer Schachtglocke als Startsignal auf die Strecke geschickt wurden. Die Strecken durch den "Urwald vor den Toren der Stadt" Saarbrücken hatten es in sich. Schon die nackten Zahlen mögen manchen vom inneren Schweinehund geplagten Zeitgenossen erschrecken: 58,95 Kilometer mit 1.654 Höhenmetern bzw. 31,62 Kilometer mit 924 Höhen-Metern. Die besonderen Schwierigkeiten, aber auch die Schönheiten des Laufs, liegen jedoch im Profil und in der Beschaffenheit der Wege durch den in weiten Bereichen nicht mehr bewirtschafteten Saar-Kohlewald im Umland der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Durch das blühende Urwald-Dickicht Durch den nicht mehr bewirtschafteten Saar-Urwald vor den Toren der Stadt

Nur wenige Kilometer führen über "breite, ebene Waldautobahnen" oder gar mal Asphalt. Zumeist geht es über Trails und Pfädchen, über Stock und Stein, über Wurzeln und über umgefallene Bäume oder einfach unter den Baumstämmen drunter durch. Auf Brücken und Stegen über Bachläufe, auf steilen, ungesicherten Treppen hoch zur Halde. Mancher Halden-Anstieg weist zwanzig Prozent und mehr Steigung auf. Treppen und Stege sind nicht mehr gepflegt, teils baufällig - jeder läuft auf eigenes Risiko, wie Organisations-Chef Hendrik Dörr beim Briefing erklärt.

Unter umgestürzten Baumstämmen drunter durch und drüber hinweg Auf der steilen, engen Treppe im Gegenverkehr zur Halde

Das Briefing zehn Minuten vor dem Start ist verpflichtend, aber bei Hendrik Dörr gewohnt locker-flockig. "Bei der Bachdurchquerung acht Kilometer vor dem Ziel lauft einfach durch", sagt er den 58ern. Da seien die Socken eh' schon nass geschwitzt und bis zum letzten VP längst wieder trocken. "Also stellt euch nicht so an", so Dörr unter dem Beifall und Lachen der Teilnehmer. Eine Stunde später das gleiche Szenario bei den 30ern. Zwar stehe auf der Startnummer eine Notrufnummer wie auch die Telefonnummer des Organisations-Büros, "aber ruft nicht an wegen jedem Scheiß". Nur wenn es wirklich wichtig sei ("dazu gehört der Tod"), aber nicht wenn man nicht mehr weiter wisse: "Hier sind so viele Bäume, wo geht denn der Weg lang?"

Während des Laufes wollten dann doch nicht alle das saarländische Nationalgericht: selbst Schwenkbraten war bei den gut bestückten VP im Angebot Am NABU-Lehrpfad im Saar-Urwald vorbei

Dabei ist die Strecke ohnehin bestens ausgeschildert, alle paar hundert Meter weisen gelbe Pfeile am Boden und weiße Flatterbänder an den Bäumen die Laufrichtung. Verlaufen ist bei solchen Läufen natürlich trotzdem nicht auszuschließen, selbst bei einem Top-Läufer wie Martin Schedler, wenn er "im Tunnel läuft". Insgesamt ist auch der 6. RAG Hartfüssler Trail jedoch wieder hervorragend organisiert. Die 730 Teilnehmer quittieren es mit viel Beifall und guter Stimmung rund um das Start-Ziel-Areal im Saarbrücker Stadtteil von der Heydt.

Besonders heftig war der steile Anstieg zur letzten Halde vor dem Ziel Kurz vorm Ziel noch ein erfrischendes Bad im Absinkweiher
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Bevor es im nächsten Jahr die 7. Auflage des Hartfüssler Trails gibt, bieten die Saarländer noch ein paar weitere Events für die Ultra-Szene: den 1. Sechs-Stunden-Urwaldlauf rund um die Scheune Neuhaus sowie den ‚Ultimativen Ultimo Ultra'. Der 2. UUU, dessen Sommeredition ‚Ultimativer Saar Ultra' (USU) am 8. Juli Premiere feierte, führt vom französischen Saargemünd 111 Kilometer entlang der Saar bis zur Mosel-Mündung bei Konz in Rheinland-Pfalz.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

Ergebnisse www.hartfuesslertrail.de

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