13.8.17 - 41. Monschau-Marathon - 6. Monschau-Ultra-Marathon

Collet feiert achte Monschauer Sternstunde

Die 41. Auflage des Eifel-Klassikers stand unter einem besonders guten Stern

von Christian Werth

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Es scheint, als sei der ein oder andere Teilnehmer oder Organisator trotz wolkenverhangenen Himmels doch fündig geworden und hätte beim groß angekündigten Sternschnuppenregen der Vornacht die entsprechenden Wetterwünsche geäußert. Denn just zum Start der beiden Hauptläufe über 56 km und 42,2 km hatte der Dauerregen der Vortage und Vornacht aufgehört und den Teilnehmern im weiteren Verlauf komplett trockene Bedingungen beschert. Da war es den Meisten dann auch Schnuppe, dass es bei den frühmorgendlichen Starts um 6 bzw. 8 Uhr mit Temperaturen um 8 Grad empfindlich kalt war.

Viel Landschaft auf einer reizvollen Streckenführung bietet der Monschau Marathon Mit der idyllischen Monschauer Altstadt erwartete die Marathonis das bauliche Highlight der Rundstrecke
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Mit Temperaturanstieg auf 13 Grad bis zur Mittagszeit profitierten die Naturläufer von angenehm kühler Witterung, wobei ausgerechnet beim Zieleinlauf des Marathonsiegers sogar die wärmende Sonne herauskam und nun auch die Zuschauer verwöhnen sollte. Dass sich im idyllischen Monschau - am südwestlichsten Zipfel Nordrhein-Westfalens gelegen - jedoch längst nicht nur die Sieger als Sternchen fühlen darf, sondern beim stimmungsvollen Zieleinlauf im Konzener Ortskern wirklich Jeder seine Sternstunde erlebt, stellte auch die 41. Auflage des Klassikers einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. So legt Veranstalter TV Konzen seit jeher großen Wert auf Individualität, Herzlichkeit und familiäre Atmosphäre und ist folgerichtig bei diversen Umfragen nach den beliebtesten Marathonläufen schon mit so manchem Qualitätsstern prämiert worden.

Stimmungsvoller Zieleinlauf im Konzener Ortskern

Das 400-köpfige Helferteam blickt auf jede Menge Erfahrung und hat inzwischen auch den Generationswechsel hinbekommen. So reihen sich viele alteingesessene Vereinsveteranen, die einen in herzlichstem Plattdeutsch begrüßen, an jüngere Kräfte aus den verschiedenen Jugendabteilungen des Vereins. So auch Vereinsvorsitzender Oliver Krings, der dem Verein trotz seiner erst 32 Jahren bereits seit sechs Jahren vorsteht. Dass der traditionsreiche Marathon - übrigens der 13.-älteste in Deutschland - im Dorf als alljährliche Sternstunde angesehen wird, zeigt sich darin, dass zum Marathon-Wochenende scheinbar jeder Einwohner zum Helfen oder auch zum Zuschauen auf den Beinen zu sein scheint. Beeindruckend ist auch, dass der TVK bei grade mal 2.500 Konzener Einwohnern stolze 1.400 Mitglieder zählt.

Der Monschau-Marathoni wird mit viel Herzlichkeit empfangen
Oliver Krings, 32 Jahre alt und seit sechs Jahren Vereinsvorsitzender Teilnehmer aus ganz Deutschland reisen zum Monschau Marathon an

Die Teilnehmer kamen einmal mehr Läufer aus ganz Deutschland. So beträgt die durchschnittliche Anreisedistanz - wie die Deutsche Sporthochschule Köln im letzten Jahr ermittelt hat, stolze 156 Kilometer und lässt viele Teilnehmer im Hinblick auf die frühmorgendlichen Startzeiten eine Anreise am Vortag bevorzugen. "Zum Marathon-Wochenende sind hier traditionell alle Hotels und Unterkünfte ausgebucht", erklärt TVK-Frontmann Oliver Krings und ergänzt, dass Viele kurzerhand mit Campingwagen oder Zelt anreisen.

"Letztlich finden wir für Jeden irgendwie noch ein Zimmerchen", berichtet der Konzener und verrät, dass Journalisten, Zeitnehmer oder Teilnehmer, die schlichtweg nichts mehr gefunden haben, im Notfall kurzerhand auch bei den Organisationsmitgliedern unterkommen. Diese familiäre Einstellung macht den Lauf so beliebt und spiegelt sich in vielen liebevollen Organisationsdetails wider. So bekommen Teilnehmer etwa besondere Vergünstigungen im lokalen Supermarkt, ein außergewöhnlich großes Kuchenbüfett, eine Zieldusche aus einer landwirtschaftlichen Badewanne, erhalten beim Zieleinlauf eine Rose oder nehmen im Falle der Walker an einer großen Tombola teil. Zum preiswerten Organisationspaket gehören zudem ein T-Shirt, eine Medaille, eine Vor-Ort-Urkunde sowie ein Pasta-Party-Essen. Diese Details lassen den Lauf auch nach 41 Jahren noch so beliebt sein und besonders viele alteingesessene Läufer an den Start gehen, die die Vorzüge des Kultlaufs nur allzu gut kennen. Rekordteilnehmer mit 31 Marathonstarts ist der Niederländer Willem Mütze.

Teilnehmer aus 15 verschiedenen Ländern, darunter USA, Australien, China, Japan und Russland, waren in den Startlisten vertreten

Die größte angereiste Delegation entspringt dem LC Duisburg, der traditionell mit mehreren Dutzend Läufern in die Eifel kommt. Die Qualität der Veranstaltung hat sich sogar auch in der weiteren Ferne herumgesprochen, sodass auch in diesem Jahr Teilnehmer aus 15 verschiedenen Ländern, darunter USA, Australien, China, Japan und Russland, in den Startlisten zu finden waren. "Ob die jetzt alle extra für den Lauf hierhin gereist sind, weiß ich nicht. Aber im Falle einer jungen Dame aus Russland, die mit uns über Facebook Kontakt aufgenommen hat, war das wirklich so", schmunzelt Oliver Krings. Hinzu kommen traditionell besonders viele Teilnehmer aus Belgien und den Niederlanden, die mit 10 bzw. 40 km Entfernung in beiden Fällen zur Nachbarschaft zählen und gelbe wie auch rote Kfz-Kennzeichen stets zum Stadtbild gehören lassen.

Beim Monschau Marathon besticht die herrliche Natur

Neben der herzlichen Stimmung besticht beim Monschauer Marathon zweifelsfrei die herrliche Natur. So entführte einen die reizvolle Streckenführung ins Landschaftsparadies des Eifeler Naturparks und bot Naturgenuss von seiner schönsten Seite. Hierbei begleitete die Läufer ein herrlich-frisches Sommergrün, was sich in für die Region charakteristischen Flurhecken, Hochmoorgebieten, beeindruckenden Buchenbeständen und schier unendlichen Wiesen offenbarte. Verdutzt, aber interessiert guckende Kühe und sehenswerte historische Häuser aus Stein oder Fachwerk garnierten die große Bandbreite der Streckenvorzüge. Nicht Wenige hatten Fotoapparat, Kamera oder Gocam dabei und dokumentierten ihr Lauferlebnis unterwegs.

Bereits nach vier Kilometern wird die idyllischen Monschauer Altstadt von den Marathonis erreicht

Mit der idyllischen Monschauer Altstadt erwartete die Marathonis das bauliche Highlight der Rundstrecke bereits nach vier Kilometern. So ging es vom Start im Höhendorf Konzen zunächst steil bergab in die Stadt, wobei der Weg dorthin sinnigerweise über die Laufenstraße führte. Der beliebte Ferienort besticht durch viele alte Bauwerke, malerische Gassen und individuelle Läden, darunter kleine Cafés und Kunstgalerien. Obwohl man zum Landkreis Aachen zählt, haben sich viele Einwohner im Zuge der Kennzeichenreform für MON entschieden und zeigen, wie stolz man auf seine malerische Heimat ist. Nach dem Abstecher durchs Stadtzentrum führte der Kurs durch die ländlichen Dörfer Widdau, Höfen, Kaltenherberg und Weilersbroich und querte dabei den Monschauer Staatsforst sowie die Naturschutzgebiete Perlenbachtal und Fuhrtsbachtal.

41 Jahre Monschau Marathon, vor sechs Jahren wurde der Ultramarathon ins Programm genommen

Auf der Ultrastrecke, vor sechs Jahren ins Programm genommen und die ausgeprägten Naturvorlieben vieler Überdistanzler ansprechend, galt es zunächst, eine 13 Kilometer lange Zusatzschleife zu absolvieren, ehe man den Marathonkurs unter die Füße nahm. So führte es die Ultras in Richtung Westen sogar über die belgische Landesgrenze, wo man den landschaftlich ebenfalls reizvollen Deutsch-Belgischen Naturpark "Hohes Venn" durchquerte. Mit rund 750 Höhenmetern für die Marathonis und zirka 950 für die Ultras ist die Strecke anspruchsvoll und weist viele knackige Anstiege auf. Erschwerend hinzu kam, dass der viele Regen der Vortage die Waldwege ordentlich aufgeweicht hatte und die Kletter- zuweilen zur Rutschpartie machte. Die vermatschte Kleidung der Zieleinläufer zeugte davon, dass es sich passagenweise um einen Crosslauf handelte.

Der viele Regen der Vortage hatte die Waldwege ordentlich aufgeweicht und zur Rutschpartie gemacht

Mit 448 Finishern auf der Marathonstrecke bestätigten die Konzener in etwa das Ergebnis der letztjährigen Jubiläumsauflage. Hinzu kamen 129 Staffeln, die sich die klassische Distanz zu Zweit, Dritt oder Viert teilten. Die Rekordbeteiligung des Marathons datiert aus dem Jahr 2001, als man rund 1.600 Läufer verbuchte. Einen Zugewinn verzeichnete der Ultralauf mit 228 Finishern. Hier profitierte man von der erstmaligen Teilnahme am Ultra-Europacup und wird auch im nächsten Jahr wieder in die Ehre kommen, zu sieben europäischen Ultrastandorten zu gehören. Zur Teilnehmerstatistik dazu kommen rund 100 Finisher im 4,2 km langen, vorwiegend Nachwuchsläufer ansprechenden Mini-Marathon sowie die beiden kurzen Walking-Wettbewerbe über 4 und 13 km. Diese Wettbewerbe fanden bereits am Vortag statt und setzten besonders regenfeste Teilnehmer voraus. Schon am Freitag hatte es - ohne Zeitmessung und ohne Wettkampfcharakter - eine geführte Ausfahrt für Mountainbiker gegeben, um eine Alternative zur Läuferbegleitung zum Marathon zu bieten und auf dem engen Kurs entsprechenden Behinderungen zu begegnen.

André Collet gewinnt den 41. Monschau-Marathon vor ...
... Markus Werker 3. wird Markus Mey

Auch wenn sich in Monschau ein Jeder wie ein Star fühlen kann und man zur Erhaltung des Breitensportcharakters ganz vorne bewusst auf Preisgelder verzichtet, lockt Monschau Jahr für Jahr auch nationale Spitzenläufer in die Eifel. So auch in diesem Jahr, indem mit Lokalmatador André Collet auf der Marathondistanz erneut der Seriensieger startete und bei seinem souveränen Auftreten schließlich auch diesmal wieder die Konkurrenz in die Schranken verwies. Der 45-jährige 2:25-Marathoni und Spezialist für Ultra- und Landschaftsläufe bestätigte einmal mehr, dass der anspruchsvolle Naturlauf genau seiner Kragenweite entspricht - übrigens heißt Collet übersetzt Kragen - und feierte seinen nunmehr achten Sieg. Konnte diesmal bis Kilometer 33 etwas überraschend noch Lokalmatador Markus Mey mithalten, hatte sich Collet am selektiven Anstieg hoch nach Mützenich erfolgreich absetzen und seinen Vorsprung bis ins Ziel kontinuierlich ausbauen können. In 2:43:09 Stunden hatte der Favorit die selektive Strecke gemeistert und letztlich gut drei Minuten Vorsprung auf die Verfolger herausgelaufen. Um zu seinem Lieblingsmarathon zu kommen, hatte es der zweifache Deutsche Meister und Altersklassen-Weltmeister über 100 Kilometer nicht weit - schließlich ist der Wahl-Belgier im nur 30 Kilometer entfernten Raeren zu Hause.

Zu Beginn des Marathons führte Langstrecken-Urgestein Birgit Lennartz das Frauenfeld an, musste später jedoch verletzungsbedingt aussteigen Für Lokalmatadorin Hendrike Hatzmann vom TV Konzen kam es zu einem Premierensieg auf der Marathonstrecke

Für Lokalmatador und Vorjahressieger Markus Werker, der Anfang des Jahres Vater geworden und eine längere Trainingspause eingelegt hatte, reichte es trotz Trainingsrückstands zu einem starken zweiten Platz in 2:47:51 h. Der Konzener hatte sich das Rennen am allerbesten eingeteilt und überzeugte mit dem schnellsten Schlussabschnitt. Als Dritter in 2:49:09 h durfte Markus Mey das Siegerpodest erklimmen, der zu Beginn mit Collet mitgegangen war und sich am Ende auch noch TVK-Teamkollege Werker beugen musste. Hinter dem Lokaltrio gab es keinen weiteren Athleten unter drei Stunden.

Den 6. Monschauer Ultra-Marathon gewinnt Kay-Uwe Müller von der TSG Schwäbisch Hall vor ... ... dem Briten Nikki Johnstone ... ... und dem Schweizer Fabe Downs

Bei den Damen gab es mit der 34-jährigen Lokalmatadorin Hendrike Hatzmann vom TV Konzen eine Premierensiegerin, die die Gunst der Stunde nutzte und nach 3:28:53 Stunden zu einem letztlich ungefährdeten Sieg kam. Zu Beginn geführt hatte indes Langstrecken-Urgestein Birgit Lennartz aus St. Augustin, die ihren unzähligen Erfolgen nur zu gerne einen siebten Monschau-Sieg hinzugefügt hätte, jedoch verletzungsbedingt ausstieg. Platz zwei in 3:30:43 h ging an die erfahrene Essenerin Claudia Mordas, die am Ende des Rennens zwar näher an die Führende rangekommen war, der aber letztlich knapp zwei Minuten zum ganz großen Coup fehlen sollten. Dritte wurde Jenny Diblik aus Keldenich mit 3:45:34 h. Vorjahressiegerin Eva Offermann hatte zu Gunsten des Berlin-Marathons diesmal auf einen Start verzichtet. Für die stärksten Altersklassenresultate sorgten Gunnar Mitzner aus Waldniel als M55-Sieger in 3:12:10 h sowie Helga Miketta aus Birkesdorf mit 4:23:56 h in der W75.

Den 6. Monschauer Ultra-Marathon bei den Frauen gewinnt die Niederländerin Leonie Ton Branka Hajek vom LAZ Ludwigsburg wird 2.
Svenja Espenhahn (AR Collective) freut sich über Rang 3
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In der Ultra-Konkurrenz hatte man mit Spannung das Duell zwischen dem erfahrenen Kai-Uwe Müller und Erststarter Nikki Johnstone erwartet. Wie erwartet hatte sich der 33-jährige Lehrer aus Neuss, vor einigen Jahren von Schottland nach Deutschland gekommen, früh an die Spitze gesetzt und einen kleinen Vorsprung herauslaufen können. Genau so ist es der Vielstarter gewöhnt - schließlich dominiert er so Woche für Woche kleinere Volksläufe im Rheinland, zumeist über 10 Kilometer und in der Regel mit Siegerzeiten zwischen 31 und 33 Minuten. Bei seinem beachtlichen Ultralaufdebüt sollte sich nun jedoch die deutlich größere Ultraerfahrung seines fünf Jahre älteren Hauptkontrahenten aus Schwäbisch Hall auszahlen. So überholte ihn Müller auf der zweiten Streckenhälfte und siegte nach toller Renneinteilung in neuer Streckenrekordzeit von 3:39:57 Stunden. Hinter Johnstone, der mit 3:50:48 h letztlich einen Rückstand von gut zehn Minuten aufgebrummt bekam, überzeugte der Schweizer Fabe Down mit Platz drei in 3:55:58 h.

In der Damen-Entscheidung, wo es höchst international zuging, griff Leonie Ton aus den Niederlanden erfolgreich zu den Sternen und legte bei ihrem ersten Monschau-Start mit neuer Rekordzeit von 4:23:05 Stunden und rund elf Minuten Vorsprung einen beeindruckenden Start-Ziel-Sieg hin. Die Eliteathletin der W45 gehört zur erweiterten Weltspitze im 100-km-Lauf und wurde im Vorjahr mit 8:13:34 h WM-19. Feiern lassen durften sich auch die Ludwigsburger Ultra-Spezialistin Branka Hajek als Zweitplatzierte in 4:34:08 h und Svenja Espenhahn aus Großbritannien als Dritte in 4:43:14 h.

Bericht und Fotos von Christian Werth

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Ergebnisse www.monschau-marathon.de
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