27.8.17 - Lostauer Doppelsprint

Deutsche Park Tour machte Station in Lostau

von Almuth Steinhoff

"Ja, wo laufen sie denn …?" Es ist sicher nicht so, dass man sich im ehemaligen Fischerdorf Lostau ernsthaft verirren kann. Die knapp achtzig Orientierungsläufer aus acht Bundesländern, die beim Doppelsprint im Rahmen der Deutschen Park Tour mit Karte und Kompass in den Straßen und angrenzenden Waldstücken des Ortes unterwegs waren, hatten sicher keine Schwierigkeiten, sich in der beschaulichen Ortslage zurechtzufinden. Auf den ersten Blick mag das Laufen mit Karte und Kompass keinen Sinn machen, sind doch "Navi" und Co. allseits verfügbar. Also eine Reminiszenz an alte Pfadfinderzeiten?

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"Mitnichten", meint Mitorganisator Holger Jurack. "Beim Sprint-OL geht es darum, eine relativ kurze Strecke (ca. dreieinhalb Kilometer) mit ungefähr fünfundzwanzig Posten (Elitebahn) so schnell wie möglich zu absolvieren. Schnelle Entscheidungen bei der Routenwahl machen oft die entscheidenden Sekunden aus." Ist es sinnvoll, vorher zu "googeln"? "Nein, denn jeder Läufer erhält seine Karte erst unmittelbar vor dem Start", stellt Jurack klar. Und genau das ist der Reiz in dieser Randsportart; schnell laufen und dabei "Schach spielen", wie es einst die Hallenserin Katrin Schmalfeldt, eine der erfolgreichsten Orientierungsläuferinnen Sachsen-Anhalts formulierte.

Es war also angerichtet am Sonntagmorgen in der Ortslage von Lostau. Schon von der Straße konnten die wenigen morgendlichen Zuschauer den Startbereich sowie die für die Wettkämpfer gesperrten Wege erkennen. Das Gelände der Lungenklinik wurde so für knapp zwei Stunden zum Wettkampfgebiet. Die Teilnehmer durften nur für die Zeit ihres Laufes hinein.

Vor dem ersten Start: In diese Ablagen werden die Karten für die einzelnen Kategorien sortiert Idyllisch: vorletzter Posten im zweiten Lauf

Für das kleine Team der Organisatoren des ESV Lok Magdeburg bedeutete die Ausrichtung des Doppelsprints rund ein dreiviertel Jahr Vorbereitung. Kartenaufnahme, Festlegung des Wettkampfgebietes, Belaufbarkeit testen, Korrigieren des Bewuchses (hier spielen die Grünnuancen eine Rolle) sowie interessante Bahngestaltung stellten nur einige Schwerpunkte dar. Zwei Tage vor dem Wettkampf begann dann die "heiße" Phase, alle Wege nochmals abgehen und mit der Karte vergleichen, Start-und Zielbereich kennzeichnen, Parkmöglichkeiten ausschildern …, die Elitebahnen waren zudem noch durch das angrenzende Waldstück (Sand und Kiefern) gelegt, in welchem der letzte Sturm "aufgeräumt" hatte. Aber alle Stämme und großen Ästen waren rechtzeitig beseitigt worden.

Laufen und Kartelesen, die hohe Kunst des schnellen Orientierungslaufens Martina Schmidtko aus Detershagen belegte Platz zwei (D55) Hatte Pech am vorletzten Posten des ersten Laufes: Marlen Steinhoff knickte um und musste trotz Führung verletzt aufgeben

Lauf eins des Doppelsprints bot den Läufern (übrigens im Alter zwischen zehn und 88 Jahren) eine mehrfache Querung des Klinikgeländes, somit orientierungstechnisch sehr anspruchsvolle Aufgaben. Davon zeugen auch einige Fehlstempel (falsche Posten, die angelaufen wurden). Lauf zwei "war wirklich etwas zum Laufen", befanden viele Starter.

Das Gebiet zwischen Möserstraße und dem Holländerviertel ermöglichte immer wieder, dass "zwischen den Posten Fahrt aufgenommen werden konnte". Die schnellsten Läufer benötigten für dreieinhalb Kilometer unter zwanzig Minuten. Solche Zeiten sind nur zu schaffen, wenn man während des Laufens auf die Karte schaut, nicht stehen bleibt und in der Laufbewegung die optimale Route wählt (und hoffentlich dann auch findet). Stehenbleiben kostet immer wertvolle Zeit.

 

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Andreas Ohk (links) wird Erster in der Wertung H45/ den zweiten Lauf beendet er nach 16:08min Bente Wendler (Wissenschaft Quedlinburg), Darja Nedoborowski (BSV Halle-Ammendorf) und Julia Mandel(USC Magdeburg/ v.l.n.r.) kurz nach der Ankunft am Ziel des ersten Laufes - später belegen sie die ersten drei Plätze in der Wertung D18 (v.r.n.l.)

Acht verschiedene Bahnen waren in beiden Läufen konzipiert. Die Wertung erfolgt immer sowohl bahnbezogen als auch kategoriebezogen. In der Bahnwertung sind verschiedene Altersklassen zusammengefasst; zum Beispiel laufen die Mädchen D18 die gleiche Strecke wie die Frauen D35. Die Altersklassenwertung (Kategorien) ist ausschlaggebend für die DPT-Wertung.

Dennis Treblow (BSV Halle-Ammendorf) konnte sowohl im Klinikgelände als auch in der Ortslage des "Neuen Dorfes" als einziger Elite-Starter unter zwanzig Minuten bleiben. Gerhard Brettschneider (Kaulsdorfer OLV Berlin) rückte durch einen fast optimalen zweiten Lauf noch auf den Gesamtplatz zwei vor. Auf Bahn drei waren die Herren 45 und die Elite-Damen unterwegs. Der Magdeburger Andreas Ohk (USC Magdeburg) "erwischte" einen sehr guten zweiten Lauf und verbesserte sich vom dritten Platz noch auf Gesamtplatz eins (H45). Beste Frau wurde Susanne Otto (ESV Lok Magdeburg). Bei den Frauen der Wertung D45 siegte Veronika Lange (USC Magdeburg) und sammelte wertvolle Punkte in der Parktourwertung. Zweite wurde Katrin Kubald (Kaulsdorfer OLV Berlin), gefolgt vom ersten Youngster; Johannes Otto (H14). (Die Jungen hatten den gleichen Schwierigkeitsgrad wie die Frauen.)

Veronika Lange am Ziel des ersten Laufes Julia Schley gewinnt in der Wertung D10 Veronika Lange (rechts/USC Magdeburg) und Katrin Kubald (Kaulsdorfer OLV Berlin) belegen die ersten beiden Plätze (D45) Michaela Köppe aus dem benachbarten Möser brachte ihre Leichtathleten "auf Kuchentrapp" (leckeres Bufett), war aber auch selbst aktiv (3. Platz/D35)

Die Zuschauer im Zielbereich staunten immer wieder, wenn die Athleten gleich nach dem Stempeln des letzten Postens in die Karten schauten und miteinander diskutierten. Natürlich ging es um die Fehler, die Umwege, den vermeidbaren Fehlstempel, die bessere Routenwahl … Viele Orientierungsläufer zeichneten nach dem Auslesen ihres Chips ihren Laufweg in die Karte ein. Dieser differiert natürlich an den meisten Stellen mit der gedruckten Verbindungslinie (Luftweg) zwischen den einzelnen Posten.

Orientierungslauf ist Familiensport; schon für Vorschulkinder eignen sich einfache Laufangebote. "In Lostau hatten wir einen Schnupperlauf angeboten", verriet Mitorganisator Holger Jurack. Er wählte die Form eines Foto-OL, so dass die Kinder nicht nur mit den Symbolen auf der Karte, sondern auch mit markanten Punkten des Ortes vergleichen konnten. Trotz Werbung für den Park-Tour-Lauf waren aber nur wenige Familien gekommen, um die 1,7km lange Strecke abzulaufen oder aber auch abzuwandern. "Durch die Eltern bekommen wir auch meist die Kinder", erklärte Jurack und machte auf das eigentliche Problem im Orientierungslaufsport aufmerksam. In Sachsen-Anhalt betreiben ca. dreißig Kinder und Jugendliche diese Natursportart. Trainingsmöglichkeiten bieten die acht Vereine des Bundeslandes nur sporadisch an. In Magdeburg bemühen sich zwei Vereine, jeweils mittwochs ein Angebot zu realisieren. Alles ist ehrenamtlich und mit einem enormen Zeitaufwand verbunden. Man kann eben nicht einfach ins Stadion auf die Laufbahn oder auf eine Waldrunde gehen und loslaufen. Karten müssen vorbereitet werden und die Posten vorher im Gelände gesetzt werden.

Anne Jurack (3./D19) auf den letzten Metern des zweiten Laufes Der MDR brachte in den Abendnachrichten einen Kurzbericht
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Was bleibt nach der Premiere in Lostau? Zum einen eine aktuelle Karte, "auf der man gut trainieren kann", zum anderen die Erinnerung bei vielen Zuschauern, dass es auch "das etwas andere Laufen" gibt. Aber besonders freuten sich die Organisatoren, dass sich fünf Erwachsene zu einem regelmäßigen Training anmeldeten. Für die etablierten Läufer, unter anderem war Seniorenweltmeister Helmut Conrad aus Bad Schandau zu Gast, bot der DPT-Lauf die Möglichkeit, wertvolle Tourpunkte zu sammeln.

Bericht und Fotos von Almuth Steinhoff

Ergebnisse www.ol-esv-lok-magdeburg.de

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