5.8.17 - 22. Güttersbacher Volkslauf

Frauenpower im Odenwald

Sina Fuchs, Alexandra Rechel und Lena Berg glänzen mit starken Leistungen

von Reinhold Daab

Nachdem der neue Austragungsort direkt in der Ortsmitte von Güttersbach neben dem Schwimmbad bereits im vergangenen Jahr seine Feuertaufe bestehen musste, konnte man am Samstagabend zufrieden feststellen, dass sich der neue Start- und Zielbereich nach dem zwangsweisen Umzug schnell und reibungslos etabliert hat. Der bis dahin jahrzehntelang benutzte Platz stand leider nicht mehr zur Verfügung, weil er von einem Hotel zum Ruheplatz für die Hotelgäste umgestaltet wurde.

Anspruchsvoll sind die Strecken meist beim Laufen im Odenwald
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Dadurch wurde die ohnehin schon äußerst anspruchsvolle Laufstrecke zwar noch etwas länger, beim Hauptlauf etwa 300 m und beim Halbmarathon rund 500 m. Aber wer sich zum Laufen in den Odenwald aufmacht, der weiß schon vorher, was ihn dort erwartet und hat sich, zumindest wenn er dies zum ersten Mal tut, schon mal das Streckenprofil auf der Homepage des SC Güttersbach angesehen. Was man dort sieht, kann einige Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Beim Hauptlauf sind 302 Höhenmeter zu überwinden, der höchste Punkt liegt auf 488 m. Sogar bis auf 541 m müssen die Teilnehmer am Halbmarathon klettern, die sie etwa bei km 6 erreichen. In der zweiten Runde geht es dann bei km 18 "nur" noch bis auf ca. 500 m hoch. Auch der Bambinilauf und die Schülerläufe sind in Güttersbach nicht flach, so werden die "Kleinen" im Odenwald beim Laufen schon von Kindesbeinen an auf das hügelige Gelände eingestimmt.

 

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Die Teilnehmerzahlen vom vergangenen Jahr wurden am Samstag nicht erreicht. "Wir wollen aber nicht auf hohem Niveau jammern. Da wir den Lauf um eine Woche vorverlegt haben, kollidieren wir leider mit dem Fischerfestlauf in Gernsheim. Das könnte einige Teilnehmer gekostet haben", versuchte Matthias Gerlach, neben dem Vereinsvorsitzenden Hans Joachim Schmitt, der zweite "Macher" beim SC Güttersbach, eine kurze Analyse. Auch der Dorflauf in Ueberau am Freitagabend könnte ein weiterer Grund für das Ausbleiben einiger Läuferinnen und Läufer gewesen sein.

Ländlich und landschaftlich reizvoll, der Güttersbacher Volkslauf

Am Ende fanden sich 314 Teilnehmer incl. Bambinilauf und Walker in den Ergebnislisten. Erstmals wurde in diesem Jahr eine Chipzeitnahme durchgeführt, was für eine noch schnellere Ergebnisauswertung durch "volkslauf.de" führte. Sehr zur Freude der Teilnehmer, die, kaum im Ziel angekommen, auch schon die Ergebnislisten studieren konnten.

Auf dem Weg nach Güttersbach hatte es geregnet und die Temperatur war ruckzuck um etwa fünf Grad gesunken. Zu Beginn der Veranstaltung mit dem Bambinilauf um 15 Uhr schien aber schon wieder die Sonne. Nach einem "soften Start" unter der Führung von Matthias Gerlach umrundeten 15 strahlende Kinder die etwa 350 lange Laufstrecke rund um das Schwimmbad und wurden nach wenigen Minuten wieder von ihren begeisterten Eltern in Empfang genommen.

Matthias Gerlach, 2. Vorsitzender des SC Güttersbach und gemeinsam mit Hans Joachim Schmidt auch in diesem Jahr wieder als Streckensprecher tätig, sorgt beim Bambinilauf für einen "soften Start" der strahlenden Kinder Zwei Schülerläuf stehen auf dem Programm, hier der Start der Nachwuchsathleten in der U12/U10

Fast hätte man meinen können, der anschließende Schülerlauf der Jugend U14/U16 wäre das Vereinsrennen der LG Odenwald, es waren fast nur blaue Trikots am Start. Schon nach der ersten von zwei Runden über 1,35 km zeichnete sich eine kleine Sensation ab. Sina Fuchs, das große Talent von der LGO/SC Beerfelden, lag in Führung, wenn auch nur wenige Meter vor ihrem Vereinskameraden Marek Beysel. Dem gelang es jedoch nicht, Sina in der zweiten Runde noch einzuholen, so dass Sina den Schülerlauf in neuer Bestzeit von 4:34 min. (1. WU14) mit drei Sekunden Vorsprung vor Marek (1. MU14) gewann. Das war sozusagen das Startsignal für die Frauenpower im Odenwald, die später noch für viel Furore sorgen sollte.

Genau doppelt so groß war das Teilnehmerfeld beim nachfolgenden Schülerlauf der U12/U10, ebenfalls über 1,35 km. Naturgemäß kamen die jüngeren nicht ganz an die Leistungen der älteren Schüler heran. Hier gaben zwei Läufer von der TSG Bad König den Ton an und machten den Sieg unter sich aus, Elias Ray (5:21 min., 1. MU12) gewann äußerst knapp vor Tom Nikel (5:22 min., 1. MU10). Auf dem dritten Platz holte sich Alma Quaschning vom TV Fürth in 5:31 min. (1. WU12) den Sieg bei den Mädchen.

Startschuss zum Schülerlauf U14/U16 über 1,35 km, den Sina Fuchs (3.v.rechts; 450) sensationell vor ihrem Vereinskameraden Marek Beysel (446) gewinnt Elias Ray (1. MU12) entscheidet den zweiten Schülerlauf für sich Alma Quaschning (1. WU12) ist das schnellste Mädchen im Lauf 2

Nach Abschluss der Schülerläufe gab es eine längere Pause von ca. 1 ½ Stunden bis zum nächsten Start, in der Zuschauer und Teilnehmer ganz schnell Zuflucht unter den aufgestellten Schirmen suchten. Von einer auf die andere Sekunde goss es in Strömen.

Aber genau so schnell wie der Regenschauer gekommen war, verschwand er nach wenigen Minuten wieder. Um 17 Uhr zum Start des Hauptlaufs über 10,8 km (2 Runden 7,3 km und 3,5 km) mit 109 Läuferinnen und Läufern herrschten wieder ideale Bedingungen. Zehn Minuten nach dem Hauptlauf fanden sich weitere 97 Teilnehmer beim Halbmarathon hinter der Startlinie ein, um die beiden überaus beschwerlichen Runden über 14,4 km und 7,3 km in Angriff zu nehmen.

 

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Der Hauptlauf über 10,8 km ist der erste Höhepunkt des Tages Die Uhren sind abgedrückt und die Läuferinnen und Läufer nehmen die anspruchsvolle Halbmarathonstrecke in Angriff

Die Laufstrecken in Güttersbach haben für den Berichterstatter den Vorteil, dass man hinter dem Ort auf dem Weg in den Wald nicht nur einen schönen Blick von oben auf den Veranstaltungsort erhaschen, sondern sich auch etwa bei km 8 bzw. km 15 schon ein Bild über das Renngeschehen machen kann. Nach zwei Dritteln der Laufstrecke waren beide Rennen entschieden, es gab nur noch einige wenige Positionskämpfe.

Hauptlauf-Sieger Oliver Stoll (1. M30) Jonas Uster hat den Odenwaldcup schon einmal gewonnen und läuft im Hauptlauf auf den zweiten Platz (1. MHK) Bachit Yousif führt die Odenwaldcup-Wertung an und wird 3. beim Hauptlauf (1. MU20)

Den Hauptlauf dominierte Oliver Stoll, er hatte etwa eine halbe Minute Vorsprung herausgelaufen, bevor es galt, die letzte Steigung zu bewältigen. Mit einer halben Minute Rückstand folgte Bachit Yousif, wiederum ca. 30 Sekunden dahinter mit Jonas Uster der Hauptlauf-Sieger von 2015 und 2016. Sein dritter Sieg in Folge war jedoch nicht zu erwarten, das Studium lässt ihm derzeit zu wenig Zeit für das Training. Auf den letzten 3,5 km gelang es Uster immerhin noch in 41:25 min. (1. MHK, TSG Bad König) auf den zweiten Platz zu laufen und seinen Vereinskameraden Yousif auf Platz drei (41:29 min., 1. MU20) zu verdrängen. Yousif führt die Odenwaldcup-Wertung nach 8 von 16 Wertungsläufen an und konnte seinen Vorsprung weiter ausbauen. Der klare Sieger hieß Oliver Stoll, der Läufer aus Waldbrunn war in 40:02 min. (1. M30) im Ziel.

Alexandra Rechel hat im Vorjahr den Halbmarathon gewonnen und hält seit 2005 auch den Streckenrekord. Mit ihrem Sieg am Samstag trägt sie sich erstmals auch in die Hauptlauf-Siegerliste ein (1. W45) Zweite beim Hauptlauf und in der AK W45 wird Gesa Heers Stefanie Hock hat sich langsam wieder an die alte Form herangepirscht, sie wird Dritte beim Hauptlauf und gewinnt die W50

Bereits auf dem hervorragenden Gesamtrang fünf kam die Frauensiegerin ins Ziel. Alexandra Rechel hatte sich nach ihrem Vorjahressieg über die lange Distanz diesmal für den Hauptlauf entschieden, was sich im Nachhinein als sehr gute Entscheidung herausstellen sollte. Nach 44:45 min. und mit großem Vorsprung trug sich Alexandra Rechel am Samstag nun zum ersten Mal auch in die Hauptlauf-Siegerliste ein (1. W45, ASC Darmstadt) und setzte damit die Dominanz der ASC-Läuferinnen auf dieser Strecke nahtlos fort. Die Triathletin Gesa Heers vom Tria-Team VfL Michelstadt wurde in 48:15 min. Zweite, was auch für die AK W45 galt. Stefanie Hock hat sich nach auskurierter Verletzung zunächst mit 5 km Rennen langsam wieder an die alte Form herangepirscht und machte mit Rang drei und dem W50-Sieg in 50:53 min. den Erfolg des ASC Darmstadt komplett. Die Führung in der Odenwaldcup-Wertung konnte W35-Siegerin Marina Köcher (55:49 min., TSG Bad König) verteidigen, obwohl sie auf ihre härteste Konkurrentin Sabine Schmidt einige Punkte einbüßte, die unmittelbar vor ihr als sechste Frau im Ziel war (55:04 min., 2. W40, SV Falken-Gesäß).

Es grüßt die WU20-Siegerin beim Hauptlauf, Celina Kortüm Niklas Kürten ist der Jüngste beim Hauptlauf (1. MU18) Beim Hauptlauf wird Robert Schuch Sechster und gewinnt die M50 Erstes Rennen nach auskurierter Verletzung und gleich der W40-Sieg für Anne Möller beim Hauptlauf

Was für den Hauptlauf galt, traf auch auf den Halbmarathon zu. Das Rennen war nach der ersten Runde entschieden. Bereits drei Mal hatte Jürgen Reiser den Halbmarathon in Güttersbach gewonnen (2003, 2005 und 2011). Am Samstag fügte er dieser beeindruckenden Serie über den Zeitraum von 14 Jahren einen weiteren Erfolg hinzu und zog damit nach Anzahl der Sieg mit Timo Grub gleich. Vor dem Start erzählte mir Jürgen, dass er vor kurzem im Urlaub im Allgäu an einem Berglauf teilgenommen habe, aber mit über 1.800 Höhenmetern. Dass er am Ende eine halbe Stunde Rückstand auf den Sieger hatte, konnte er leicht verschmerzen. Die Hügel im Odenwald sind halt mit den richtigen Bergen nicht zu vergleichen.

Der Sieg in der W65 beim Hauptlauf geht an Marianne Domes Karin Risch fühlt sich in hügeligem Gelände besonders wohl, die Deutsche Berglaufmeisterin der AK W70 gewinnt natürlich auch beim Hauptlauf die W70 M75-Sieger beim Hauptlauf wird Jürgen Kässner Älteste Teilnehmerin beim Hauptlauf ist Erika Freund (1. W75)

Reiser dominierte das Rennen klar, obwohl er sich zwischendurch mit Magenproblemen kurz "in die Büsche" schlagen musste. Sein Vorsprung war groß genug und der Sieg in 1:27:14 Std. (1. M40, LG Odenwald) nie in Gefahr. Mit zwei Minuten Rückstand wurde M30-Sieger Gerhard Johannes von TuS Griesheim Zweiter (1:29:19 Std.). Nach der ersten Runde kamen Ulrich Amborn und Elmar Zöller noch gemeinsam an der letzten Steigung an, aber auf dem letzten Drittel konnte Amborn nicht mehr mithalten und musste Zöller ziehen lassen. Natürlich gewann er die M60 unangefochten und wurde in 1:32:35 Std. Fünfter. M50-Sieger Elmar Zöller erlief sich in 1:31:01 Std. (ELT Großheubach) den dritten Podestplatz.

HM-Sieger Jürgen Reiser (1. M40) gewinnt den Halbmarathon bereits zum vierten Mal M30-Sieger Gerhard Johannes wird HM-Zweiter Elmar Zöller (links, 1. M50) und Ulrich Amborn (1. M60) noch gemeinsam am letzten Anstieg, am Ende wird Elmar Dritter und Ulrich Fünfter beim HM

Analog zum Hauptlauf sorgte auch beim Halbmarathon eine schnelle Frau für Furore. Nach dem Ende der ersten Runde lag Lena Berg vom engelhorn sports team/TV Schriesheim auf dem fantastischen dritten Gesamtrang und musste auf den letzten Kilometern nur noch Elmar Zöller passieren lassen. Die in Heidelberg als Neurochirurgin praktizierende Ärztin lief in 1:31:22 Std. eine der schnellsten je in Güttersbach gelaufenen Zeiten. Berücksichtigt man die um etwa 500 m längere Laufstrecke und ihren am Samstag erzielten Minutenschnitt von 4:13, dann wäre sie auf der alten Laufstrecke deutlich unter 1:30 Std. geblieben. Das haben vor ihr nur drei Frauen geschafft, darunter Hauptlauf-Siegerin Alexandra Rechel gleich zwei Mal. Sie hält seit 2005 mit 1:27:24 Std. auch den Streckenrekord.

Lena Berg zeigt eine furiose Leistung und gewinnt den HM als Gesamtvierte (1. W30) in einer der schnellsten je in Güttersbach gelaufenen Zeiten Maja Korndörfer (2. W30) hat keinen Verein und läuft nur so aus Spaß, mit einer beeindruckenden Leistung wird sie beim HM Zweite Sandra Lamprecht kann es zunächst gar nicht glauben, sie läuft beim HM auf den dritten Platz und gewinnt in Begleitung von Holger Göbel auch die W40

Aber auch die zweite Frau zeigte am Samstag eine bravouröse Leistung. Gesamtrang Acht und eine Zeit von 1:33:32 Std. standen am Ende für Maja Korndörfer (2. W30) zu Buche. Die Sozialarbeiterin aus Kassel hatte im Internet nach einem Lauf gesucht und war in Güttersbach fündig geworden. "Ich habe mir das Streckenprofil angesehen und mich kurz gefragt, ob ich mir das tatsächlich antun soll", erzählte sie mir nach ihrem beeindruckenden Rennen. Sie tat es und war von der tollen Laufstrecke sehr angetan. Das Besondere an Korndörfer ist, dass sie keinem Verein angehört und eigentlich nur so aus Spaß läuft. Die 10 km hat sie schon mal knapp unter 40 Minuten geschafft. Eine Odenwälderin sorgte schließlich noch für ein regionales Erfolgserlebnis. Als Dritte und W40-Siegerin schaffte es Sandra Lamprecht vom LC Michelstadt in 1:50:21 Std. aufs Treppchen und war davon wohl am meisten überrascht, denn sie wollte es zunächst gar nicht glauben. Umso größer war dann natürlich ihre Freude.

Völlig durchnässt aber glücklich läuft Uli Muth beim HM zum M55-Sieg Heike Noll gewinnt beim HM die W50 Beachtliche Leistung, das Ehepaar Claire Leduc-Maßem und Jakob Maßem bewältigt den HM mit Babyjogger in genau zwei Stunden WHK-Siegerin beim Halbmarathon wird Natalie Hörst
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Bei so viel Frauenpower und den hervorragenden Zeiten konnte der SC Güttersbach die etwas geringere Resonanz leicht verschmerzen. Die Läuferinnen und Läufer haben mit ihren hervorragenden Ergebnissen am Samstag für ein Highlight im Odenwald gesorgt.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab
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Ergebnisse www.volkslauf.de - Infos www.sc-guettersbach.de
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