5.8.17 - 10. Glacier 3000 Run und Jubiläumsmarathon - Gstaad

Faszination der Berge und würdige Jubiläumssieger

Zur Jubiläumsausgabe gab es einen Jubiläumsmarathon

von Constanze & Walter Wagner 

Viele weitere Bilder in den Foto-Impressionen im LaufReport HIER

Oberhalb von Gsteig am Sanetschhorn entspringt der Fluss Saane, der Namensgeber der Region Saanenland. Der Wasserlauf mündet nach 126 Kilometern in die Aare, verbindet somit namhafte Laufveranstaltungen der Schweiz. Bezieht man in die Überlegungen ein, dass die Aare in den Rhein mündet, dann würde einer Auflistung der vom Saanenwasser berührten Laufveranstaltungen zum Reiseführer durch halb Europa.

Start zum einzigartigen Lauf über den Gletscher beim 10. Glacier 3000 Run mit Jubiläumsmarathon
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER

Doch bleiben wir beim Glacier 3000 Run, dessen Einzigartigkeit das Nass in gefrorenem Zustand ausmacht, ein Lauf über den Gletscher. Als im Jahr 2008 erstmals der Startschuss im Ferienort Gstaad fiel, konnte OK-Präsident Bernhard Tschannen schon den Ausverkauf der Startplätze melden. Mehr als 500 hatte man sich bei der Premiere nicht zumuten wollen, schließlich zählte man 398 Einzelläufer und 27 Duo-Staffeln im Ziel auf der Bergstation Scex Rouge.

Die Marathonstrecke führte über eine Zusatzschleife um den bei Touristen sehr beliebten Arnensee. Walter Sumi verantwortlich für die Straßenzufahrt, überwachte am Renntag die Ein- und Ausfahrt. Zusammen mit seiner Frau Daniela Sumi bietet er Unterkunft und Ferien auf dem Bauernhof im Gässlihof www.gaesslihof.ch, betreibt Landwirtschaft und Käserei. Der Gässlihof liegt nahe des Kurortes Gstaad im Dorf Feutersoey direkt an der Einfahrt zum Arnesee. Hier stehen das Ehepaar Sumi vor der Farmersuite, einem ehemaligen Gartenhaus, das zu einem lustigen Häuschen mit Schlafzimmer und gemütlicher Sitzecke umgebaut wurde

Die Schweizer Laufszene war seither um ein Superlativ am Berg reicher, erlebte in den folgenden Jahren aber eine Fülle weiterer Neuveranstaltungen mit teils unglaublichen Distanzen mit Tausenden von Höhenmetern und Strecken mit kaum zu bewältigender Steilheit. Je höher die Abbruchquote, desto zufriedener scheint mancher Veranstalter zu sein. Ein mit Zweifeln behafteter Wettlauf um den Rang des schwierigsten Rennens, welchem hoffentlich nicht mit einem tragischen Desaster die Grenzen aufgezeigt werden.

Im Marathonrennen passiert zunächst der Brite Tim Short den Arnesee Direkt hinter ihm die beiden Schweizer Urs Jenzer (in Blau) und Adrian Brennwald

Jedoch, um überhaupt in den Sommermonaten im Veranstaltungskalender wahrgenommen zu werden, muss man etwas bieten. Für den noch jungen Lauf von Gstaad auf den Scex Rouge war das finale Stück über den Gletscher das herausstellende Merkmal. Mit einer Distanz von 26 Kilometern blieb man noch im Bereich klassischer Bergläufe. Nun schenkte man sich und der Laufszene im Jubiläumsjahr erstmals einen Marathon, auf der durch eine Zusatzschleife auf 42 Kilometer ausgedehnten Strecke. Er wurde als ‚härtester Marathon der Schweiz' angekündigt und dürfte in diesem vom individuellen Empfinden geprägten Ranking nicht auf allzu viel Widerspruch stoßen.

Für den Marathon ist Jürgen Eckert aus Deutschland angereist, er wird ihn als 14. beenden
Organisationsleiter Bernhard Tschannen gibt Zwischenzeiten der Marathonläufer am Unteres Studeli vor dem Arnesee bei 13,7 km durch, hier vom späteren achtplatzierten Fabian Meier Helmut Perreten, gebürtiger Saaner und ehemaliger Rennleiter des Glacier 3000 Run, hat sich den Marathon nicht entgehen lassen

Geschafft hat es der Glacier 3000 Run aber bisher noch nicht mit den hochkarätigen Sportveranstaltungen der Feriendestination aufgeführt zu werden, zumindest nicht bei Wikipedia. Die Konkurrenz in Gstaad ist allerdings erdrückend und beim Tennis, Beachvolleyball, Polo wird eben mit anderen Beträgen jongliert als beim Glacier 3000 Run, wo den jeweiligen Siegern 1000 SFr winken. Für die weiteren Podiumsplätze gibt es 350 bzw. 150 SFr. Die nunmehr rund 1250 Teilnehmenden rechtfertigen einen alsbaldigen Eintrag in die freie Enzyklopädie, wenngleich es vor der 15. Austragung keinen zweiten Marathon geben soll.

Bei den Marathonfrauen führt zunächst die Polin Natalia Tomasiak bei km 13,7 km mit Blick über den Arnesee und im Hintergrund das Ziel Scex Rouge
Die Schweizerin Andrea Huser folgt an 2. Stelle mit Blick auf die andere Seite

"Wir haben lange überlegt, wie wir den Berg auch in der Sommersaison mit Events noch attraktiver machen können", so Ok-Präsident Bernhard Tschannen, Marketingleiter von Glacier 3000 vor der Premiere 2008. Die Idee einen Berglauf zu veranstalten ließ nicht lange auf sich warten und hat sich bewährt. Die Streckenführung von der Bergmetropole Gstaad bis auf den Gletscher warf nur in Details Fragen auf. Beraten hatte das OK der langjährige Chef des Jungfrau Marathons Heinz Schild, der den Glacier 3000 Run als ideale Vorbereitung auf den Jungfrau Marathon sah. Ein Umstand, für den die Anwesenheit von Richard Umberg, seit 15 Jahren Renndirektor des Jungfrau Marathons, beim 10. Glacier 3000 Run spricht, als auch einiger Eliteläufer, die hier am Feinschliff für den lukrativeren Marathonklassiker von Interlaken arbeiteten.

Am Unteres Studeli vor dem Arnesee bei km 13,7 km liegt Corinne Zeller noch auf Rang 3 bei den Marathonfrauen
Die ersten 26 km Runner mit Shaban Mustafa vor Eric Muthomi Riungu passieren 2 Minuten nach der dreiköpfigen Marathonspitze das "Kuhglocken-Orchester" vom Trechler-Club Gsteig

Selbstverständlich ist das Prämienkonzept den allermeisten Teilnehmenden ziemlich egal. Den Lauf zu genießen, sich auch mal umzuschauen, den Blick schweifen zu lassen auf die höchsten Eis- und Steinriesen der Alpen, stand bei herrlichem Sonnenschein für die meistern Läuferinnen und Läufer höher im Kurs, als die anhaltende Hatz um Sekunden.

Beim Frauen-RUN führt zunächst die Schweizerin Petra Eggenschwiler aus Gsteig (km 11,2) hinaus
Mit einer knappen Minute Rückstand in der Verfolgung die Deutsche Michelle Maier Wiederum mit einer Schweizerin, Michela Segalada, ist zunächst Position 3 besetzt

Der wiederum entging man am Ende der Felder nicht, denn wegen eines strammen Zeitplans drohte an den Kontrollstellen das vorzeitige Aus. Gerade beim Marathon, für den es noch keine Vergleichswerte gab, war bereits das rechtzeitige Passieren in Reusch, Rennkilometer 31,4 km eine hohe Hürde. Unmittelbar hinter Reusch beginnt beim Klassiker der 10 km lange Anstieg von etwa 1200 m Höhe auf den Gipfel des 2971 m hohen Scex Rouge.

Staffelläufer teilen sich die 26 Kilometer. Von Gstaad bis Reusch bei km 15,6 führt die Staffel "Number 10" mit Startläufer Samuel Hürzeler, der in Reusch an Glacier 3000 Chef Marcel Bach übergeben wird, der zum 10. Mal (deshalb Number 10) den zwar kürzeren aber mit 1618 Höhenmetern auf Bergpfaden und Single Trails weitaus anspruchsvolleren Part übernehmen wird Mit Nathalie von Siebenthal führt eine erfolgreiche Schweizer Bahnläuferin die Mixedstaffel "von Siebenthal´s" an. An der Wechselstadion in Reusch übergibt sie an Jörg von Siebenthal, der sich die Position 1 auf dem schweren Berganstieg bis ins Ziel auf den Scex Rouge nicht mehr nehmen lassen wird

Wer sich für den Marathon gemeldet hatte, der musste davor schon ab Feutersoey fast 600 Höhenmeter hinauf auf die Seeberg-Alp und von dort wieder hinunter nach Feutersoey. Von hier ab war die Strecke wieder identisch mit der des sogenannten Run. Über Gsteig bis zum 8 km entfernten Reusch waren nur 207 Höhenmeter zu erklimmen, 31 km bzw. 15 km hatte man hier auf der Habenseite, aber es fehlte an Höhe. Diese Aufgabe stand im Wesentlichen noch bevor und gipfelte im Teilstück nach Cabane, wo allein auf dem 40. Marathonkilometer 244 Meter Höhe gewonnen werden musste.

Bei der Bahnstation Oldenegg, km 20 auf 1919 m Höhe, hat Eric Muthomi Riungu die Marathonläufer und alle anderen RUN-Teilnehmer bereits hinter sich gelassen
Ihm folgt Shaban Mustafa mit zwei Minuten Rückstand

Ein läuferisches Schauspiel, bei welchem sich dank der Seilbahnen gleich an mehreren Punkten Publikum ansammelt. Es überwiegen klar Naturwege, doch immerhin 12 km lief man beim Marathon auf Asphalt, beim Run etwa halb so lang. Im Abschnitt zwischen Oldenegg, Kilometer 20 bzw. 35,8 beim Marathon und Startpunkt des Walking-Bewerbs, und Cabane schweben die Claquere gar im offenen Sessellift über den Köpfen der Läufer bergan. Viele lassen sich nicht entgehen unweit der Umsteigestation ihre zweibeinigen Bergziegen im Steilstück zu beobachten.

Über der Bahnstation Oldenegg (für Marathonläufer km 35,8 ) Richtung Cabane hat Urs Jenzer die Marathonführung
Tim Short folgt an 2. Stelle Adrian Brennwald hat Position 3 im Marathon erklommen

Besonders eindrucksvoll war der Auftritt von Martina Strähl an dieser Stelle, die in den beiden Vorjahren jeweils in Streckenrekordzeit den Lauf dominierte und mit 2:32:04 h den Streckenrekord hält. Ein erneuter Start war nicht vorgesehen, Martina Strähl wollte in London bei den Weltmeisterschaften Marathon laufen, musste aber wegen einer Stressreaktion im Kreuzbein auf die Teilnahme verzichten. Es würde also eine neue Siegerin geben. In den ersten beiden Jahren war es Claudia Landolt, danach Daniela Gassmann Bahr, der fünf Siege in Folge gelangen, ehe Martina Strähl sie auf den zweiten Rang verwies.

Neue Reihenfolge in Oldenegg beim RUN-Frauenfeld. Michelle Maier führt nun vor ...
... Michela Segalada und ... ... Petra Eggenschwiler

Bei den Männern blieb Martin Cox vier Mal ungeschlagen, hält seit der Premiere mit 2:20:02 h den Streckenrekord. Ab 2012 wechselten die Sieger beginnend mit dem Deutschen Christian Seiler, dann Joseph Gray aus den USA, der in 2:20:51 h am Rekord wackelte. Ab 2014 begannen mit Isaac Toroitich Kosgei kenianische Läufer das entscheidende Wort mitzureden. Dies gelang seinem Landsmann Robert Panin Surum 2015 nur bis Cabane, dann stürmte der Sieger Philipp Feuz und Ralf Birchmeier und Martina Strähl noch an ihm vorbei. Eric Muthomi Riungu rettete im letzten Jahr die Ehre der Ostafrikaner und siegte vor Feuz. Beide standen auch bei der 10. Austragung wieder an der Startlinie des Klassikers, doch lassen wir im Bericht den anderthalb Stunden früher gestarteten Marathonis den Vortritt.

Weiter geht es für die Läufer nach Cabane auf 2485m ü.M. für Runner km 23 für Marathonis km 38,8
... und von Cabane zum Glacier 3000 und dem Ziel auf den Scex Rouge. Für Betreuer, Medien und Zuschauer mit der Seilbahn

Glacier 3000 Marathon

Für Marathonsammler war der Termin ein Muss. Keinesfalls sicher ist die erneute Ausschreibung in fünf Jahren. Für das Organisationsteam stellte der Marathon mit der Zusatzschleife einen enormen Mehraufwand dar, den 210 Teilnahmewillige kaum aufwiegen. Diese Zahl könnte sich allerdings 2022 deutlich erhöhen, zeigen sich doch gerade nicht jährlich angebotene Marathonläufe als deutlich weniger schwundanfällig.

Nach einem Serpentinen-Kurs von Cabane aus wird die Moräne auf 2729 m Höhe erreicht

Mit dem alpinen Walking und dem Team-Wettbewerb, bei dem sich zwei Teilnehmer die 26 km teilen und beim ersten Abschnitt bis Reusch, nur etwa 300 Höhenmeter auf 15 km Distanz zu bewältigen sind, sind zwei Teilnahmemöglichkeiten im Angebot, die weniger Austrainierte schaffen. Die Sinnhaftigkeit, den schweren Berglauf auf Marathon zu erweitern, ist sicher ähnlich fragwürdig wie die immer länger werdenden Trails. Letztendlich entscheidend ist da die Teilnehmernachfrage.

Musikalische und kulinarische Versorgung auf 2729 m Höhe

Die ganz langen Kanten bevorzugt Andrea Huser aus Sigriswil. Zuletzt hatte sie Ende Juli beim Montreux Trail Festival über 163 km mit 11.530 m+ in 29:39:43 Stunden gewonnen. Zunächst wartete sie mit Erfolgen bei internationalen Mountainbike Rennen auf, siegte zudem zwei Mal beim Inferno Triathlon und unzähligen Trailrennen. Schwierigkeiten konnte sie zum Glacier 3000 Marathon keine nennen. Nach 4:53:04 Stunden war die 44jährige Ausdauerathletin als Erste im Ziel. Die anfangs führende Natalia Tomasiak hatte sie noch am Arnesee auf der Marathonschleife überholt.

Gletscherwalk und Spaltensprünge beim Erreichen des Glacier 3000

Diese musste auf dem Weg nach Reusch mit Corinne Zeller noch eine weitere Läuferin passieren lassen. Für Zeller war es der 24. Marathon, den 25. will sie sich zum 50. Geburtstag gönnen, dann auch lieber am Berg als flach. Für den LSV Uetendorf holte sie in 5:06:16 h Rang 2. Die 31jährige Natalia Tomasiak aus Polen, die vier Wochen zuvor den Stubai Ultratail über 63 km gewonnen hatte, komplettierte in 5:12.41 h das Siegerinnenpodium.

Der BulgareShaban Mustafa kurz vor dem Ziel und Sieg des 10. Glacier 3000 Run
Vorjahressieger Eric Muthomi Riungu folgt nach einem zu großen Ausflug über den Gletscher auf Rang 2

Das Rennen der Männer war von häufigen Wechseln an der Spitze geprägt. Am Ende war dann wieder der Engländer Tim Short (Jg. 1981) vorne. Seine Siegerzeit betrug 4:14:20h. Urs Jenzer aus Frutigen wurde in 4:17:00 h Zweiter vor Adrian Brennwald aus Aeugst am Albis, der den Marathon in 4:20:16 h bewältigte. Unter viereinhalb Stunden schaffte es nur noch Ueli Bieler aus Zurüch ins Ziel, das 99 Männer und 22 Frauen erreichten.

Jakob Oswald aus Plons läuft auf Rang 3 beim Glacier 3000 Run
Der Sieger von 2015 Philipp Feuz läuft auf Rang 4 Wem Marathon oder 26km zu lang sind, der kann beim Alpine Nordic Walking von Oldenegg aus 6 Kilometer ins Ziel auf den Scex Rouge marschieren

Glacier 3000 Run

Erstmals in der Geschichte des 26 km Laufs erlebte Gstaad eine deutsche Siegerin. Für Michelle Maier war die Strecke anfangs zu flach. "Da bin ich nicht schnell genug", gestand die Ausnahmeläuferin aus Bad Aibling, die nach dem Bachelorstudium in Biologie, derzeit ein Mastersstudium in Ökologie in Innsbruck absolviert. Die 26jährige begann im Alter von 18 Jahren mit dem Laufsport. Erst im letzten Jahr dann der Leistungssprung mit etlichen Siegen und Platz 2 beim Jungfrau-Marathon. Lange lag sie auf dem zweiten Rang. Auf dem Weg nach Oldenegg wechselten die Anforderungen aber ihr Terrain und im weiteren Verlauf war sie nicht mehr zu halten. Das Ziel erreichte sie in 2:41:35 h auf Gesamtrang 6 weit vor den anderen Frauen. "Es war hart, brutale Bedingungen. Im Tal große Hitze und hoch blies ein eiskalter heftiger Gegenwind." Die Strecke bezeichnete sie als sehr abwechslungsreich. Ihr erster Lauf über einen Gletscher gefiel ihr sehr gut.

Der "Yeti Palace" (die im Volksmund so genannte am Horizont sichtbare Felsnadel, dem 2908m hohen Quille du Diable) nun im Rücken rangiert der Schweizer Dominik Rolli mit Platz 5 als letzter Run-Teilnehmer vor ...
... Glacier 3000 Run-Siegerin Michelle Maier

Überhaupt ist Michelle Maier von den Schweizer Läufen begeistert. "Die sind einzigartig, topp organisiert und landschaftlich wunderschön", so die Deutsche Berglaufmeisterin von 2016. Die Vielstarterin, vor einer Woche gewann sie gerade den Schlickeralmlauf in Telfes, am 22. Juli den Gletscher Run in Obergurgl Österreich, am 9. Juli in Südtirol den Val Gardena Mountain Run in Südtirol, Mitte Juni siegte sie beim LGT Marathon in Liechtenstein… rennt eigentlich jedes Wochenende einen Wettkampf, den sie meist Training nennt. Doch das richtige Training muss ebenfalls sein. Es sind dann eben mehr Regenerationseinheiten, so Michelle Meier. Verteidigen will sie noch ihren Sieg beim Sierre-Zinal. Eine kleine Pause gönnt sie sich danach um beim Jungfrau-Marathon mit der Ambition eines Podiumsplatz wieder anzutreten.

Michela Segalada bleibt bis ins Ziel auf Rang 2 beim Frauen-Run
Die Schweizer Duathlonmeisterin 2016 Petra Eggenschwiler läuft bei ihrer Erstteilnahme auf Rang 3 Die schnellste Masters-Läuferin Karin Jaun (1. W40) läuft bei ihrer 5. Teilnahme auf Rang 4, zweimal belegte sie auch schon den 3. Platz beim Glacier 3000 Run

An der zunächst führenden Petra Eggenschwiler vorbei lief auch Michela Segalada aus Winterthur, ein Jahr vor Michelle Maier geboren. Ihr zweiter Rang in 2:49:58 h überraschte, bisherige Erfolge sind Platz 1 beim Halbmarathon in Winterthur und Rang 4 beim Aletsch Halbmarathon. Den Engadiner Skimarathon absolvierte sie im März ebenfalls, finishte auf Rang 395. Sie könnte in Zukunft noch so manche Ergebnisliste anführen, beim Glacier 3000 Run präsentierte sie sich auch in den steilen Passagen hervorragend.

Der Brite Tim Short ist am Zielanstieg wieder vorn und gewinnt den Jubiläumsmarathon
Urs Jenzer läuft auf Platz 2 beim Marathon. Carsten Brod hinter ihm wird als 7. schnellster Deutscher beim RUN. Seine Frau Jutta Brod wird als 17. zweitbeste Deutsche 7. Marathonläufer wird Fréderique Lotin aus Belgien

Petra Eggenschwiler vom Schweizer Duathon Kader und für TV Welschenrohr am Start verteidigte den Podiumsplatz bis ins Ziel, das sie in 2:58:59 erreichte. Zu ihren jüngeren Erfolgen zählen die Schweizer Vizemeisterschaft im Marathon beim SwissMarathonLucerne sowie Siege vom Grenchenberglauf, Vogellisilouf und Stockhorn-Halbmarathon. Karin Jaun aus Unterseen, Jahrgang 1969, 2008 und 2012 Drittplatzierte des Laufs wurde bei ihrer fünften Teilnahme 4. in 3:13:06 h.

Die Schweizerin Andrea Huser gewinnt bei ihrer 3. Teilnahme (1x Team, 1x Single) den Jubiläumsmarathon bei den Frauen
Corinne Zeller läuft auf Rang 2. beim Marathon. Auch sie war nun 3 Mal dabei. 2009 belegte sie den 2. Rang Die Polin Natalia Tomasiak wird bei ihrer 1. Teilnahme 3. Marathonfrau

In Oldenegg hatte Vorjahressieger Eric Muthomi Riungu zwei Minuten Vorsprung auf den Bulgaren Shaban Mustafa. Im Ziel wurde der Kenianer fast als Sieger angekündigt, doch es war der Bulgare, der als Erster aus dem Eis zurückkam. Nach 2:32:50 h war es der Sieger des Jungfrau Marathon 2015, der in diesem Jahr bereits beim LGT Alpin Marathon Liechtenstein und beim Aletsch Halbmarathon gewinnen konnte, der für eine Überraschung am Scex Rouge sorgte. Wie konnte der Bulgare den Kenianer vom Team run2gether aus dem österreichischen Fürstenfeld noch überholen?

Die letzten Höhenmeter auf einer Holztstiege und dann folgt noch die letzte eiserne Treppe ins Ziel

Die Erklärung lieferte der 27jährige Afrikaner, der seit 2016 in Europa startet: "Ich lief auf dem Gletscher falsch." Das war ihm bereits im Vorjahr passiert, doch dieses Mal war er etwa 600 Meter geradeaus gelaufen, wo er hätte rechts abbiegen müssen. In 2:35:23 h rettete er den zweiten Platz und 350 Franken Preisgeld. Doch verärgert schien er gar nicht: "Ich liebe den Lauf. Ein sehr schöner Kurs." Im nächsten Jahr will er wieder kommen und dann sollte es auch mal auf dem Gletscher mit dem Abbiegen klappen. Als nächste Starts nannte auch er den Sierre-Zinal und danach den Jungfrau-Marathon. 2:29 h ist seine Marathonbestzeit, gelaufen 2015 beim Nairobi Marathon in der Höhe.

4. Marathonfrau Stéphanie Bourqui treppauf zum Ziel
Flowerzeremonie für die schnellsten Frauen des Jubiläumsmarathons auf dem Plateau der Glacier 3000 Bergstation auf 2950m Höhe. Von links: Corinne Zeller (2.) Andrea Huser (1.) und Natalia Tomasiak (3.)

Jakob Oswald aus Plons lief in 2:36:30 h auf den dritten Rang und verdrängte Philipp Feuz vom Podium, der genau ein Minute später die Ziellinie überquerte. Hinter Dominik Rolli aus Oberbalm, Fünfter in 2:37:53 h, tat sich eine Lücke auf. Carsten Brod aus Konstanz war bester Deutscher auf Rang 7 in 2:47:38 h.

Ziel ist auf dem Plateau der Glacier 3000 Bergstation, das bei schönem Wetter auch von zahlreichen Touristen bevölkert ist und zum Verweilen mit Kulinarischem einlädt. Dass sich das Wetter in den Bergen schlagartig ändern kann, wurde kurz vor Zielschluß (15:15 Uhr) deutlich

Neben 121 Marathonläufern, konnten mit dem Finisherhemd 570 Glacier 3000 Run Läufer, davon 147 Frauen das von Stararchitekt Mario Botta entworfene Restaurant betreten. Weitere 118 Staffelläufer in 59 Zweierteams konnten sich ebenfalls über das Erreichen des hochgelegen Ziels freuen, während unten in Gstaad noch 169 Kids für eine Rekordteilnahme beim Kids Run sorgten.

Seit Ende 2014 gibt es eine weitere Attraktion am Glacier 3000, die erste Hängebrücke der Welt, die zwei Gipfel miteinander verbindet. Man läuft über den 107 Meter langen Steg von Gipfel zu Gipfel – durch die Luft. Der „Peak Walk“ verbindet den Vorgipfel mit dem 5 Meter höher gelegenen Hauptgipfel des Scex Rouge. Viele Teilnehmer des Glacier 3000 Run genoßen nach ihrem Lauf den Gipfelrundgang mit Aussicht auf Matterhorn, Mont Blanc Massiv und viele 4000er mehr

Eine Siegerehrung gibt es für die ersten Drei noch auf dem Scex Rouge, wo es sich viele Läufer nicht nehmen ließen, auch noch zur zwei Gipfel verbindenden Hängebrücke aufzusteigen. Das Wetter hielt, wenngleich plötzlich Wolken über den Fels zogen, der eigentlich Sex Rouge heißt. Vor allem ausländische Gäste wollte man mit dem Wort Sex, das sich aus dem lateinischen Saxum, Fels, herleitet, nicht irritieren, verwendet daher die Schreibweise Scex. Dass das Wetter im Les Diablerets-Massiv auch böse mitspielen kann, daran erinnert aktuell das Auffinden eines seit 70 Jahren verschollenen Ehepaars, dass der Gletscher gerade freigegeben hat.


Glacier 3000 Chef und Mount Everest Besteiger Marcel Bach erreicht als 2. Läufer der Staffel "Number 10" zum 10. Mal das Ziel beim Glacier 3000 Run
Christa Hauswirth aus Gstaad arbeitet seit 30 Jahren bei Immobilien Bach. Bei der 1. Austragung des Glacier 3000 Run verlautbarte der Chef: "Da machen wir mit." Mittlerweile hat Christa Hauswirth, "Marcel ist ein guter Chef", ebenfalls 10 Teilnahmen, wenn auch auf verschiedenen Distanzen. Heute lief sie nach 4:18.25 ins Ziel. Ihr Mann Urli war in den Vorjahren dabei, heute war der Bergführer als Betreuer tätig, Tochter Tanya und Freundin Romina Schmid, beide 21 Jahre alt, nahmen das erste Mal teil und kamen nach 3:51:10 bzw 4:11:30 ins Ziel (v.r.n.l.) Einer der 8 Jubilare: Heinz Biedermann aus Zuchwil erreicht nach 3:38.48 zum 10. Mal beim Glacier 3000 Run das Ziel

In Gstaad, unmittelbar neben dem bekannten Tennisturnierterrain, dessen Tribünen noch nicht ganz abgebaut waren, wurden im Festzelt nochmals alle Sieger und Platzierten mit großem Applaus geehrt, so auch die schnellsten Teams. Bei den Frauen waren dies Stephanie Richner und Jacqueline Zbären in 3:35:34 h, bei den Männern setzen sich Thomas Gilgen und Christian Gruber in 2:51:15 h durch. Mixed gewannen Nathalie und Jörg von Siebenthal in 2:55:30 h.

Wieder in Gstaad schloss das sportliche Programm des 10. Glacier 3000 Run mit Läufen für die Nachwuchsathleten
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Die zehnte Austragung war eine Werbeveranstaltung für die weitere Geschichte dieses besonderen Laufs über den Gletscher. Renndirektor Richard Müller, OK-Chef Bernhard Tschannen und ihr einsatzfreudiges Team können sich auf weitere erfolgreiche Glacier 3000 Runs einstellen. Zwar ist es für Ausländer nicht billig, so stieg allein in den 10 Jahren der Kurs von 100 Franken von 60,65 Euro auf 91,84 Euro, aber den gewaltigen Aufwand, der für einen solchen Lauf betrieben werden muss, findet in der Laufszene entsprechende Anerkennung und Akzeptanz. Im Startgeld inbegriffen waren neben dem Kleidertransport ins Ziel, freie Fahrt mit allen Glacier 3000 Bergbahnen, ein Bus-Shuttle zurück nach Gstaad und eine Pasta Party. Den enormen Sicherheitsaufwand noch gar nicht genannt.

Fotos von Constanze & Walter Wagner

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Ergebnisse glacier3000run.ch
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