27.8.17 - 39. Koberstädter Wald-Marathon in Egelsbach

Auf nach Koberstadt!

Von den psychologischen Vorteilen der Verfolger

von Markus Heidl

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Wer den Koberstädter Waldmarathon laufen will, muss nach Egelsbach fahren. Gelaufen wird dort auf den Spuren alter Sagen - 10 km, einen Halbmarathon oder eben den Marathon.

Die hohe Luftfeuchtigkeit ist unschwer zu erkennen Beim 39. Koberstädter Wald-Marathon in Egelsbach waren auch wieder Halbmarathon und 10 km integriert
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Die Koberstadt gibt es nämlich nicht mehr. Der Sage nach erregte der Lebensstil deren Bewohner den Unwillen Gottes, weshalb Er die Stadt in den Untergang schickte. Weiter wird in der Überlieferung behauptet, die rote Färbung des Erdreiches rund um Langen rühre vom Blut der Bewohner der Koberstadt her. Den meisten Teilnehmern fällt das nicht auf, und der irrende König in Gestalt eines Hirschen, der der Sage nach in der Koberstadt umgeht, wird höchstens durch zwei Wildschweine, die bei km 15 über den Waldweg liefen, ersetzt.

Belegen lässt sich eine andere Geschichte. Denn die Koberstadt stammt aus der sogenannten Hallstattzeit und umfasst 29 Grabhügel. Aufgrund zweier Skelettfunde konnte die Siedlung ungefähr auf das Jahr 800 vor Christus datiert werden. Der Name leitet sich aufgrund von frühen Metallfunden von Kupferstätte ab.

Der Koberstädter Waldmarathon - eine schweißtreibende Angelegenheit ... ... manch einer hielt mit dem Tragen zusätzlicher Eigenversorgung dagegen ... ... andere mit so wenig als möglich

Der Marathon

Aber man kann sich ja mal auf die Suche machen. Weil die Marathonis erfahrungsgemäß am längsten auf den Spuren der Vergangenheit wandeln, werden sie bereits um 8 Uhr auf die Strecke geschickt. Auch temperaturtechnisch betrachtet eine weise Entscheidung der Organisatoren, immerhin findet der Marathon im Sommer statt. Im letzten Jahr schon stiegen die Temperaturen schnell an, unterstützt von einem warmen Wind, der durch den Wald wehte. Die Wettervorhersage versprach heuer ähnliche Bedingungen. Immerhin verläuft die komplette Strecke unter dem Blätterdach.

Ulrich Amborn (LG Offenbach) musste krankheitsbedingt besagte letzte Ausgabe ausfallen lassen. Dafür waren die Ambitionen für den 39. Koberstädter Waldmarathon wieder hoch: Uli hält bereits die Streckenrekorde in den Altersklassen M30 (2h34'26), M35 (2h33'50) und M55 (2h49'35), der Rekord der M60 sollte heute folgen. Vorgegeben war dafür eine Zeit von unter 3:09:45 Stunden, gehalten von Siegried Kupczok aus dem Jahr 2003.

Davut Bas gewinnt den Marathon der 39. Auflage des Koberstädter Waldmarathons Ulrich Amborn erwischt einen sehr guten Tag, wird Gesamt-2. und unterbietet den M60 Streckenrekord um fast 7 Minuten Dirk Karl komplettiert das Marathonpodest der Männer

Damit wird Uli weit vorne mit dabei sein, für seinen bereits 6. Marathonsieg in Egelsbach wird es aber wahrscheinlich nicht reichen, obwohl nach der 2h39 von Kay-Uwe Müller im vergangenen Jahr die Siegzeit wohl wieder näher an den drei Stunden liegen wird. Aber bekanntlich kann im Marathon alles passieren. Dass dem heute nicht so wird, dafür wollen vor allem die "jungen Wilden" sorgen, angeführt von Davut Bas, der von Beginn an ein ambitioniertes Tempo vorlegte und dem Feld weit enteilte. Eingangs der zweiten und letzten Runde betrug sein Vorsprung vor seinen ärgsten Verfolgern mehrere hundert Meter. Mit dabei, auf Rang drei liegend und den vor ihm laufenden in Sichtkontakt, Uli. "Es lief heute einfach überragend!", lacht dieser schließlich im Ziel. Bis auf eine Minute kommt Uli als Gesamtzweiter noch an Davut heran und unterbietet den AK-Streckenrekord um fast sieben Minuten auf nunmehr 3:03:08 Stunden. Bravo!

Gregor Scharf in Begleitung der überragenden Marathonsiegerin Katrin Herbrik Renate Seidel erläuft sich über den Marathon Rang 2 Timo Wagner läuft als 5. Mann auf den 6. Gesamtplatz

Davut wiederum war sich unterwegs sicher gewesen, noch eingeholt zu werden. Auf den letzten Kilometern waren die Leiden groß und das Ziel gefühlt fern. Aber er rettete sich ins Ziel und hatte noch genug Zeit, über die Ziellinie gehend seinen hart erkämpften Sieg zu zelebrieren. Nach 3h02'09 konnte er sich auf den Boden sinken lassen.

Dritter wurde Dirk Karl von der TSG Grünstadt. 3h09'05 wurden für ihn schließlich gemessen. Als letzter Mann konnte er sich der schnellsten Frau erwehren, die nur 20 Sekunden später das Ziel erreichte. Katrin Herbrik vom TV Hergershausen trainiert derzeit für den Ultratrail in Schotten im Oktober, wenn es über den Vulkan gehen soll. Schon gestern wurden 30 km gelaufen, die Idee zur Doppelbelastung in Form eines Marathons kam spontan. Für die Siegerin des diesjährigen Brüder-Grimm-Laufs aber kein Problem, der Laufstil war durchweg locker und entspannt. Vielleicht auch, weil sie nicht alleine laufen musste. Vereinskamerad Gregor Scharf begleitete Katrin von Anfang bis Ende und lief zeitgleich nach 3h09'25 ins Ziel. Die Wirkung nach außen: ebenso entspannt und gut gelaunt. Renate Seidel aus Eppstein sicherte sich als Gesamt-27. Nach 3h46'35 Rang zwei bei den Frauen. Auf Rang drei folgte ihr Ivonne Vorath aus Eichenzell. Als 54. brauchte sie 4h06'59 für die vermessene Strecke.

Belachew Kifle feiert nach 1h14 einen Heimsieg auf der Halbmarathonstrecke Yann Gentil folgt auf Rang zwei Stefan Rauch komplettiert das Podest 4. und 1. M40 wird Martin Kohmann

Der Halbmarathon

Auch die Strecke des Halbmarathons ist offiziell vermessen. Wer auf Rekordjagd gehen will, muss aber die Schotterwege sowie für die so flach wirkende Waldstrecke einiges an Auf und Ab mit einplanen. So wird beispielsweise mehrmals der Weiße Tempel- im weitläufigen Wald ein beliebtes Ausflugsziel, erbaut von Großherzog Ludwig III - passiert. Je nach Erschöpfungsgrad kann ein solcher kleiner Anstieg zu einer ausgewachsenen Steigung werden.

Am besten meisterte das Auf und Ab der Vorjahressieger Belachew Kifle. Für die SG Egelsbach startend und nicht weit von der Sportstätte wohnend, lief er auf vertrautem Terrain. Und jeder schien ihn zu kennen: im Ziel war er zunächst nur damit beschäftigt, Glückwünsche entgegen zu nehmen. Sein Rennen verlief nach eigener Aussage bis km 15 sehr gut, danach musste er kämpfen und kam nach 1h14'07 ins Ziel.

Anke Werner (1523) und Petra Wassiluk machen bis zur Streckenhälfte gemeinsame Sache Integrieren in den Koberstädter Halbmarathon einen gesteigerten langen Lauf über 30 km: die Wiesbadener Martin Schneider (rotes Trikot), Jens Bäss (in schwarz, rechts) und Felix Weichsel (in blau, in der Mitte)

Fast exakt vier Minuten später folgte ihm Yann Gentil (LuT Aschaffenburg) auf Rang zwei. Yann trainiert für den Amsterdam Marathon Mitte Oktober, den er gerne im Bereich seiner Bestzeit (2h37) finishen würde, sieht das Ganze aber nicht mehr "so verbissen wie früher". Für heute hätte ihm eine 1h19 gereicht, mit seiner 1h18'04 war er folglich sehr zufrieden. Das Podest komplettierte Stefan Rauch aus Lohr, der mit 1h19'45 ebenso noch unter 80 Minuten blieb.

Die schnellste Frau des Tages brauchte exakt 90 Minuten für die Halbmarathonstrecke. Petra Wassiluk vom Team Main-Lauf-Cup wohnt ganz in der Nähe und war die letzten Jahre immer zum Zuschauen an die Strecke gekommen. Heuer wollte sie im Rahmen des Wettkampfs ein gutes Training absolvieren, was voll aufging. Bis zur Hälfte unterstützte sie die am Ende 2. Anke Werner (ASC Darmstadt), dann wurde das Tempo angezogen, während Anke, die schon 11 km vorweg gelaufen war, um auf einen langen Lauf in Hinblick zum Frankfurt Marathon zu kommen, das Tempo beibehielt. Anke lief schließlich 1h33'05 und war mit ihrem Tagewerk ebenso vollauf zufrieden. Nicht weit dahinter folgte Sonja Lenz (1h35'14, SC Güttersbach) auf Rang drei.

Der 10er

"Wir hatten dieses Jahr schon deutlich schlimmere Bedingungen!". Am heutigen Sonntag war es zwar sehr schwül, aber nicht so unerträglich wie im letzten Jahr. Dennoch waren die T-Shirts und Trikots auch in diesem Jahr im Ziel nass geschwitzt.

Jörg Kaiser gewinnt den Zehner Auf Rang 2 läuft Julian Kasprzik Jürgen Weber (934) wird 4., Thomas Wehner (1460) 6.

Als erster Sieger des heutigen Tages erreichte Jörg Kaiser (SC Steinberg) die Rundbahn des Stadions. "Es war mein erster Start-Ziel-Sieg", so der Gewinner der 10 km, der zwar schon das ein oder andere Mal als erster einlaufen konnte, immer aber erst auf dem letzten Kilometer überholt hatte.

Schrecklich sei es heute gewesen, meinte er dann mit einem Augenzwinkern im Ziel. Wie schon Davut war er zwischenzeitlich fest davon überzeugt, noch eingeholt zu werden. Und das, obwohl die Form derzeit wieder sehr gut ist, nachdem ihn eine Grippe im Januar lange außer Gefecht gesetzt hatte. Seine Befürchtungen waren unbegründet, das Ziel erreichte er mit einem komfortablen Vorsprung von über einer Minute nach 38'16. Julian Kasprzik aus Alsbach folgte als Zweiter nach 39'22. Jürgen Weber (Niederrodenbach) komplettierte schließlich nach 39'49 als Dritter das Podest.

Erschöpft aber glücklich auf der grünen Wiese in Egelsbach, Jens Bäss und Felix Weichsel, zwei Läufer vom TV Waldstraße Wiesbaden, die den Halbmarathon finishten Beate Wenzel vom austragenden Verein SG Egelsbach gewinnt die W60 über 10km
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Ihren Zeh spürte heute Siegerin Heidemarlen Büttgens beim Laufen. Vor acht Wochen hatte sie sich den Zeh angebrochen, Laufen ging dann wieder. Gestern aber war ihr ihr Bruder auf den Fuß getreten. Dennoch reichte es heute nach 49'26 zum Sieg. Nicht weit dahinter folgten Kristina Duric (50'43, HSG Langen) und Carmen Müller (51'08, LG BEC) auf den Plätzen zwei und drei.

Für alle gab es willkommene Getränke und Obst im Ziel, während bald die Siegerehrung wartete. "Sorgfältige Planung und Organisation sowie 180 freiwillige Helfer garantieren einen mustergültigen Ablauf der Veranstaltung, die bei vielen Läufern als "Der Koberstädter" weit und breit bekannt ist.", so heißt es in der Ausschreibung. Auch bei der 39. Auflage eine Aussage, die jeder der TeilnehmerInnen unterschreiben würde!

Bericht und Fotos von Markus Heidl

Ergebnisse www.volkslauf.de
Infos www.koberstaedter-marathon.de

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