27.7.18 - 9. Sparda-Bank Altstadtlauf Köln

Besondere Bedingungen am heißesten Tag des Jahres

Spaß und Atmosphäre statt Ehrgeiz und Bestzeiten war das Motto

TuS Köln rechtsrheinisch stellt die Männersieger

von Michael Schardt 

Es waren schon besondere Bedingungen, die an diesem Freitagabend den neunten Kölner Altstadtlauf prägten. Der von den Meteorologen als heißester Tag des Jahres angekündigte 27. Juli hielt dann auch, was von Seiten der Wetterfrösche vorausgesagt worden war. War es zur Mittagszeit in der Sonne schon unerträglich heiß, stieg das Quecksilber bis zum frühen Abend bis auf 36, 37 Grad weiter an. Der Veranstalter hatte schon Tage vor dem Event auf seiner Homepage Tipps und Empfehlungen veröffentlicht, was beim Laufen in großer Hitze zu tun sei. Ferner hatte er eine weitere Wasserstelle eingerichtet, so dass sich die Läufer alle 2,5 km erfrischen konnten. Zu guter Letzt bot er den Sportlern der beiden Hauptläufe über zehn Kilometer an, auch schon nach der Hälfte ins Ziel laufen zu können, um dann in die Wertung des Jedermannslaufs (5 km) einzugehen, der schon zwei Stunden zuvor über die Bühne gegangen war.

Zwei Szenarien prägen die Streckenführung: das linke Rheinufer und die engen Altstadtgassen der Kölner City
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Vernunft vor Ehrgeiz

Relativ viele Läufer hatten für sich schon im Vorfeld entschieden, bei den extremen Bedingungen erst gar nicht an den Start zu gehen, denn von über 2500 angemeldeten Läuferinnen und Läufern - der Altstadtlauf war zum wiederholten Male schon frühzeitig ausgebucht gewesen - kamen genau 1810 ins Ziel. Bei denjenigen, die antraten, war überwiegend eine vernünftige Einstellung zu beobachten, eben kein übertriebener Ehrgeiz. Man ging das Rennen mehrheitlich langsamer an als üblich oder reduzierte das Tempo schon nach kurzer Zeit. Viele Teilnehmer der Hauptläufe nutzten das einmalige Angebot der Organisatoren, auch dann eine Wertung zu bekommen, wenn sie schon nach einer Runde finishten. Zu den prominenten Beispielen gehörte die ehemalige Weltrekordlerin im 100-km-Lauf, Birgit Lennartz, aus St. Augustin, die für 10 km gemeldet war, aber nach knapp 25 Minuten und fünf Kilometern ins Ziel lief. Damit wurde sie 14. im Frauenfeld und zweite in der Altersklasse W50.

Der Altstadtlauf besteht aus einer 5-km-Runde, die Hauptläufer zweimal zu absolvieren haben. Die Strecke kann man auch als Sightseeingtour durch die City auffassen, die mit dem Start (hier der des Elite-Zehners) auf dem Heumarkt ihren Anfang nimmt Nach einigen engen Kurven in der City wird nach einem Kilometer die zuschauergesäumte Rheinuferpromenade erreicht

Dass die 10-km-Läufer nachträglich umgewertet wurden und ins Ergebnistableau des Jedermannslaufs eingingen, hatte zur Folge, dass die ursprüngliche Liste des separaten 5-km-Laufs im Nachhinein ganz schön durcheinandergewirbelt wurde. Fand sich dort beispielsweise ein Altersklassenläufer zunächst noch auf einem Podestplatz wieder, konnte er auf einen hinteren Rang verdrängt werden, wenn die abbrechenden Zehner hinzukamen. Auch das Gesamtranking konnte sich auf den ersten drei Plätzen noch völlig verändern. Das allerdings spielte für die Siegerehrung und Preisverleihung keine Rolle mehr, denn diese wurde durchgeführt, als die Zehner noch auf der Strecke waren. Es war also nicht möglich, die ursprünglichen Sieger und Platzierten des Fünfers nachträglich noch um ihre verdienten Meriten zu bringen.

Pure Altstadt

Das Programm des Altstadtlaufs erstreckt sich vom auftaktgebenden Schülerlauf bis zur abschließenden Läuferparty über mehr als fünf Stunden. Als logistisches Zentrum mit Start, Ziel, Kleiderbeutelabgabe, Verpflegungsständen und Musikbühne dient der zentrale Kölner Heumarkt, der von südlicher Seite den Beginn der autofreien Altstadt bildet. Dass der Altstadtlauf nun als Veranstaltung der kurzen Wege bezeichnet werden kann, war nicht immer so in seiner neunjährigen Geschichte. In früheren Zeiten hatte man die Startnummernausgabe nebst Umkleiden im Kölner Veranstaltungsgebäude Gürzenich untergebracht, was für die Läufer vor und nach dem Rennen längere Wege bedeutete. Die Lösung, alles Benötigte auf dem Heumarkt installieren zu können und damit zudem ein ideales Partyszenarium mit vielen Zuschauern zu haben, die ringsum in den Biergärten speisen und das Laufgeschehen aus bequemen Sesseln verfolgen können, ist ein Idealfall, weshalb man zurecht von einem Lauf mit besonderer Innenstadtatmosphäre sprechen kann.

Alsbald läuft das Feld unter der Deutzer Brücke (Vordergrund) und der Severinsbrücke hindurch. Im Hintergrund scheint sogar noch die Eisenbahn-Südbrücke auf Am Rheinufer geht es weiter Richtung Schokoladenmuseum und Rheinau-Halbinsel

Die Strecke ist so abgesteckt, dass jeder Läufer den rechteckigen Heumarkt einmal vollständig umläuft. Am Anfang, beim Start, nur ein kleines Stück, später aber, beim Zieleinlauf, noch einmal fast komplett. Die Hauptläufer haben sogar zweimal das Vergnügen, wenn sie in die zweite Runde gehen. Die Streckenführung wird durch zwei Kölner Szenarien etwa zu gleichen Teilen geprägt: durch den eckigen Kurs durch die Altstadt einerseits und andererseits durch den Lauf am linksrheinischen Ufer und auf der Rheinau-Halbinsel. Gleich nach dem Start arbeitet sich die Strecke durch die schmalen und kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt hindurch, bevor sie nach 1200 Metern die Rheinterrassen erreicht, wo viele Menschen sitzen, die vielleicht nicht hauptsächlich wegen dem Lauf da sind, aber sich gerne von der Stimmung mitreißen lassen und kräftig applaudieren.

Nachdem der Kurs unter die Deutzer- und Severinsbrücke hindurchgeführt hat, wird die kleine Drehbrücke zur Rheinau-Halbinsel gequert, wo linker Hand das Schokoladenmuseum steht und rechts eine Sambaband den Läufern einheizt. Es geht vorbei an den drei stadtbildprägenden Kranhäusern hin zum Wendepunkt und von dort wieder über die Drehbrücke Richtung Norden zur Altstadt. Nach einigen Schlenkern wird dann wieder der Heumarkt erreicht.

Kurz hinter der kleinen Drehbrücke zur Halbinsel heizte eine Sambaband den Läufern ein Die Kranhäuser auf der Halbinsel prägen das Kölner Stadtbild entscheidend mit. Hier sind 2,5 km gelaufen

Programm

Sowohl die Jedermanns- als auch Hauptstrecke ist DLV-vermessen, aber nicht bestenlistenfähig, weil der Lauf nicht beim Verband angemeldet bzw. nicht unter Verbandsaufsicht durchgeführt wird. Die Strecke ist aber ohnehin von ihrem Charakter her nicht unbedingt für ganz schnelle Zeiten geeignet, da sie sehr eckig, mit einigen Höhenmetern und sogar mit einigen Treppenstufen gespickt ist. Zudem führt sie etwa zur Hälfte über Kopfsteinpflaster. Deshalb ist empfehlenswert, den Lauf als hübsche Sightseeingtour durch eine der ältesten Städte der Republik aufzufassen, bei dem Atmosphäre und Spaß vor Ehrgeiz und Tempo stehen sollte.

Der sportliche Auftakt gehörte den Schülern. Diese starteten um sechzehn Uhr und hatten eine Altstadtrunde von etwa 1500 Metern zu absolvieren. Eine Zeitmessung ist für die Jüngsten nicht vorgesehen, wohl aber eine schmucke Medaille und ein T-Shirt. Rund achtzig Kinder, je zur Hälfte Mädchen und Jungs, nahmen teil. Mit dem Schülerlauf begann auch die mit der Veranstaltung verbundene Spendenaktion, wie die Organisatoren mitteilen: "Die Starterinnen und Starter sammeln mit ihrem Lauf entlang des Kölschen Stadtpanoramas zwischen Altstadt und Rheinauhafen fleißig Spenden für einen guten Zweck. Denn die Sparda-Bank West eG spendet für jeden teilnehmenden Erwachsenen und jedes Kind 10 Euro für die Stiftung RTL - Wir helfen Kindern e. V. In 2017 (und den Vorjahren) rundete der Partner die Spendensumme großzügig auf und überreichte RTL-Moderator Wolfram Kons im Beisein vieler Prominenter bei der Spendenparty auf dem Heumarkt einen Scheck über 50.000 Euro."

Zwischen km 2 und 3 liegt der Wendepunkt Nach dem Wendepunkt ist erneut die Severinsbrücke zu unterlaufen

Auch 2018 waren wieder einige Promis aus Film, Funk und Fernsehen dabei, die sich vor allem zwischen Schülerlauf und Jedermannslauf blicken ließen. Orgachef Holger Wesseln von der durchführenden Agentur Pulsschlag dürfte besonders über diesen Aspekt seiner Veranstaltung erfreut gewesen sein.

Ab siebzehn Uhr werden die drei Läufe für Erwachsene im Stundenrhythmus angeschossen, zunächst der über fünf Kilometer, dann die beiden über zehn Kilometer. Der erste Lauf über 10 km bringt die Läufer an den Start, die voraussichtlich unter 52 Minuten bleiben werden, der zweite diejenigen, die länger brauchen. In der Ergebnisliste werden beide Zehner zusammengefasst.

Wer ist wer?

Der Altstadtlauf findet unter dem Motto "Laufe op kölsche Art" statt. Dieser Satz prangt auch auf dem T-Shirt, das jeder Teilnehmer in seinem Starterbeutel findet und das er möglichst beim Rennen überziehen soll. Dies gilt, so steht in den Rahmenbedingungen zu lesen, als Startberechtigung. Tatsächlich folgen über neunzig Prozent dieser Aufforderung, so dass sich die Läuferschar auf Fotos optisch etwas einseitig darstellt. Startnummern, die sonst die Teilnahmeberechtigung dokumentieren und die Möglichkeit geben, den Läufer zu identifizieren, gibt es nicht. Einprägsame "corporate identity" ist gewollt.

Über Schatten am Rheinufer freuten sich alle Läufer am heißesten Tag des Jahres (37 Grad) Einen Blick für die Kirche St. Martin (Hintergrund) hatten die Läufer bei den hohen Temperaturen aber nur vereinzelt

Nur wenige Starter sah man im eigenen Shirt laufen, vornehmlich, weil sie nicht in einem direkt aus der Produktion kommenden Funktionshemd schwitzen wollen. Die Rennzeit wird mit einem Championchip am Fuß ermittelt, aufgrund der fehlenden Startnummer hätte Moderator Artur Schmidt die Zuschauer nicht fachkundig informieren können, wenn auf seinem Monitor nicht zu sehen gewesen wäre, wer gerade ins Ziel kommt. Eine Zeitmessmatte jedoch, hundert Meter vor dem Finale installiert, erkennt die Läufer am Chip. Dieses Hilfsmittel steht einem Laufreporter freilich nicht zur Verfügung, wenn er auf seinen Fotos den dargestellten Läufer ermitteln will. Nur solche, die er persönlich kennt - vornehmlich aus der Spitzengruppe - können daher in den Bildlegenden überhaupt genannt werden.

Nach dem vierten Kilometer geht es zurück hinauf in die Altstadt Die engen, welligen und kopfsteingepflasterten Altstadtgassen nehmen die Läufer wenige hundert Meter vor dem Ziel erneut in Empfang

Die Sieger

Mit 823 Finishern im Jedermannslauf gegenüber 917 im Hauptlauf ist die Verteilung einigermaßen paritätisch gewesen. Beim Fünfer waren die Frauen deutlich in der Mehrzahl; beim Zehner stellen sie immerhin noch ordentliche dreißig Prozent.

Der Frauenlauf über fünf Kilometer wurde dominiert von Sarah Valder (W20) von Bunert - der Kölner Laufladen. Sie blieb als einzige Frau unter zwanzig Minuten und gewann in 19:27min. Zweite wurde ihre Teamgefährtin und Altersklassenkollegin Alice Lüchtefeld in 20:36min. Auf den beiden Folgerängen landeten die 24-jährigen Zwillinge Julia und Sarah Nordsiek von der LAZ Mönchengladbach, die 22:23min bzw. 22:22min (brutto) benötigten. Da aber nach der Nettozeit gewertet wurde, die für beide 22:18min ausweist, kam Julia vor Sarah in die Rangfolge. - Beim Lauf der Männer blieben zwei Starter unter siebzehn Minuten. Das war Sieger Abid Zamzami (M20) von TuS Köln rechtsrheinisch in 16:13min und Vizemeister Patrick Schoenball (Bunert, M20) in 16:27min. Auf den dritten Platz lief Idriss Omraha (o.V., M30) in 17:34min.

Der Heumarkt ist wieder erreicht. Die Helfer am Wasserstand haben alle Hände voll zu tun. Das Ziel wartete in 200 Meter Entfernung Das Ziel. Wer wollte, konnte beim Zehner auf eine Runde reduzieren und ging noch in die Fünferwertung ein. Ein besonderes Angebot wegen der Hitze

Neben Fünf-Kilometer-Siegerin Sarah Valder schaffte es noch eine weitere Läuferin, eine Runde unter zwanzig Minuten zu bestreiten. Das war aus dem Hauptlauf Heidi Schwartz (W20, Bunert), die den ersten Abschnitt nach 19:43min finishen konnte. Dabei hatte sie etwa bei km vier sogar noch einen kurzen Umweg und Stopp in Kauf genommen, um ihre hinderliche Sonnenbrille an einen ihr bekannten Zuschauer am Streckenrand abzugeben. Zu diesem Zeitpunkt führte sie das Frauenfeld mit über zwanzig Sekunden Vorsprung vor der Mitfavoritin Nadia Gaus (W30, ASV Köln) an. Schwartz ließ jedoch auf der zweiten Runde beträchtlich nach und musste ihrer Konkurrentin in der zweiten Rennhälfte die Führung überlassen. So siegte Gaus in 40:23min vor Schwartz in 40:43min und Alexandra Tiegel (W20) in 43:58min. Auch Tiegel lag zunächst auf Rang vier, konnte sich aber noch auf drei vorarbeiten. Ob die bei Halbzeit vor ihr liegende Starterin bei km fünf ausgestiegen ist, aufgegeben hat oder zurückfiel, ist nicht bekannt.

Unangefochtener Männersieger wurde Moureddine Mansouri, Läufer des TuS Köln rechtsrheinisch mit marokkanischen Wurzeln Heidi Schwartz verlor ihre Poleposition in der zweiten Runde, vielleicht auch, wegen des kleinen Umwegs bei Abgabe der Sonnenbrille Siegerin des 10km Laufs wurde Nadja Gaus, die lange auf dem zweiten Platz lag

Einen souveränen Eindruck hinterließ der aus Marokko stammende und für TuS Köln rechtsrheinisch startende Moureddine Mansouri (M35), der einen klaren Start-Ziel-Sieg hinlegte. Die erste Runde nach 16:39min beendend, legte er eine glatte 17:00min nach, was zu seinem ungefährdeten Gewinn in der für diese Bedingungen und Strecke sehr guten Zeit von 33:41 (brutto) gereichte. Mehr als zwei Minuten dahinter kam Hakim El Makrini (LT DSHS Köln, M35) in 35:42min auf den zweiten Platz. Dritter auf dem Treppchen wurde der vereinslose Sven Mettner (M20) in 35:59min. Nur elf Läufer konnten unter vierzig Minuten bleiben.

Fazit

Noch während die hinteren Läufer des langsamen Zehners auf dem Heumarkt ins Ziel liefen und nachdem die letzte Siegerehrung durchgeführt worden war, begann auf der Bühne die Läuferparty und das Musikprogramm mit der kölschen Band "Lupo". Passend zur Befindlichkeit vieler Läufer im Ziel handelte das Auftaktlied von einer anstrengenden (Sauf-, nicht Lauftour) und dem unbedingten Wunsch zum Chillen. Der Wunsch zur Entspannung machte sich gleichzeitig auch bei den Läufern breit, die mehr und mehr auf den Heumarkt und zu den Versorgungsständen drängten. Bei Wasser, Obst und Fassbrause der Lokalbrauerei Früh, die witzig mit dem Slogan "Frühsport" warb, ließ sich prima diesen Bedürfnissen Raum geben.

Da es keine Startnummern gab, war es schwierig, die Läufer zu identifizieren Der eloquente Kult-Moderator Artur Schmidt wusste jedoch genau, wer sich aufs Ziel zu bewegt. Er wurde über einen Monitor informiert, der 100m vor dem Ziel per Chip die Läuferkennung ermöglichte Und bei der Ehrung blieben die Sieger auch nicht unerkannt
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Für wen der Läufer und Läuferinnen der angebrochene Abend noch bis zum frühen Morgen andauerte, ist nicht überliefert. Sicher aber ist, dass nach dem heißesten Tag des Jahres die heißeste Nacht folgte - freilich rein witterungstechnisch ...

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.altstadtlauf-koeln.de

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