28.7.17 - 20. Funkturmlauf des SC Wettersbach

Landschaftslauf mit Biss

11,11 Kilometer ohne Karneval, aber mit Aussicht

von Hannes Blank

Der 20. Funkturmlauf im Karlsruher Höhenstadtteil Wettersbach glänzte dieses Jahr durch moderate Temperaturen und sehr wenig Wind - also gute Voraussetzungen um kurz nach Ferienbeginn einen knackigen 11,11km-Wettbewerb in der bergigen Vor-Schwarzwaldregion zu bestreiten. Die krumme Zahl ist Programm: Wegen der anspruchsvollen Auf- und Ab-Strecke wollten die Organisatoren ganz bewusst nicht in Konkurrenz mit den Zeiten aus den flachen 10km-Läufen treten.

2017 traten zudem nicht wenige regionale Lauf-Größen zu Fuße des Funkturms (offiziell: Fernmeldeturm Grünwettersbach) gegeneinander an: Neben dem Vorjahresdritten Benedikt Rieker noch der derzeit in guter Dauerform befindliche Dominic Marquedant, Benjamin Weber, einer der beiden Duo-Staffelsieger des jüngsten Ultralaufs in Bretten und Semere Gaim, Zweiter der Bergdorfmeile im nachbarlichen Hohenwettersbach zwei Wochen zuvor. Es war dann auch der hochmotivierte Semere Gaim, der gleich auf dem ersten Kilometern so aufs Tempo (3:20min/km wird berichtet) drückte, dass ihm keiner folgen konnte.

Der namensgebende Funkturm in der Abstimmung des Laufs; er ist auch vom Karlsruher Osten aus gut sichtbar Der Funkturmlauf läutet jedes Jahr das Sportfest des SC Wettersbach ein und ist auf der 11,11km-Strecke ein Landschaftslauf mit ordentlich anspruchsvollen Steigungen
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Es wurde ein souveräner Start-Ziel-Sieg für den 22-Jährigen, bei dem er nicht einmal alles gegeben hatte: "Heute war es einfach für mich, ein guter Trainingslauf!"
Damit lieferte Semere Gaim dennoch eine gute Zeit ab (40:03min) im 20-jährigen Reigen des Funkturmlaufs. Ein neuer Streckenrekord war es indes nicht: Markus Nippa lief 2015 eine 39:50min und vermutlich ist die 39:02min von Frank Bruder (LG Eintracht Frankfurt) aus dem Jahre 2001 die kürzeste Zeit, die bisher jemals ein Mensch für den Funkturmlauf brauchte. Genau weiß man es nicht, es sind einige Listen offenbar verschollen (2007 und 2011). Die älteste (erste?) auffindbare Ergebnisliste ist auf den 20. Juli 1997 datiert; damals gewann das Rennen der damals 39jährige Albert Grau aus Karlsruhe in hervorragenden 39:36min. Die Siegerin hieß Anja Falkenberg von der LSG Karlsruhe, sie brauchte 46:14min.

Semere Gaim (174) von der LG Region Karlsruhe lässt nichts anbrennen und läuft gleich vorneweg Entspannt: Die erste Steigung ist auch für den hintere Teil des noch kompakten Feldes keine allzu große Herausforderung

Zurück zur Gegenwart: Hinter Gaim entbrannte ein zeitweise spannender Kampf mit wechselnder Führungsarbeit um die folgenden Plätze. Schließlich setzte sich Dominic Marquedant ab, Platz 3 ging an den Saarländer Matthias Merk von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal, gefolgt von Benjamin Weber und Benedikt Rieker. Rang 2 bis 5 alle innerhalb weniger als einer Minute. Der finale Abstieg bei Streckenkilometer 11 eignet sich nicht mehr für Positionskämpfe. Auf den allerletzten 200m auf dem Fußballrasen des SC Wettersbach sah man jedoch auf den hinteren Rängen einige Teilnehmer gut gelaunt um kleine Platzierungsänderungen kämpfen. Es ist auch zu schön dort, hinter dem großen Zieltor warteten dann Wasser und Isogetränke, ebenfalls auf dem Rasen, auf die Läufer.

Bei Kilometer 10,9: Semere Gaim fliegt unbedrängt seinem Sieg entgegen Dominic Marquedant hat sich für seinen 2. Platz auf den 11,11km ebenfalls viel Luft nach hinten erarbeitet Daumen hoch für einen weiteren Volkslauf-Sieg für Claudia Wipfler, die den Funkturmlauf 2017 gewinnt

Claudia Wipfler ist der Name der Siegerin des 20. Funkturmlaufs, der hier nur deswegen erst an so später Stelle genannt wird, weil es bei den Frauen keine spannenden Positionskämpfe gab. Die 28jährige Verwaltungsangestellte der Start Karlsruhe spulte ihren Lauf konzentriert ab, sie startete für den PS Karlsruhe Triathlon. Laufen sei ihre Lieblingsdisziplin im Triathlon, so Wipfler und ergänzte: "Die Läufe sind gut für die Schnelligkeit hinten raus!" Bei 46:48min blieb die Uhr für sie stehen, hinter ihr kam Sabrina Elwert (LT Karlsdorf-Neuthard) in 50:27min als Zweite an. Dritte wurde Claudia Wollfarth von der LSG Karlsruhe, die eine 53:51min lief.

Zum Schluss kam so manches Duo an: Hier Platz 12, Lucas Baumgärtner (167) und Platz 13, der Mannheimer Jochen Seelinger (206), im Ziel eine Sekunde Differenz Teilnehmer des 5,3km-Laufs, der quasi "Rund um die A5" führt Severine Lantz freut sich schon nach etwa 2km über ihren 3. Platz beim 5,3km-Lauf

Und der 5,3km-Wettbewerb?

11,11km- und 5,3km-Wettbewerb finden auf völlig unterschiedlichen Strecken statt und die Startzeiten liegen eine Stunde auseinander. Die kürzere Distanz fällt flacher aus und ist damit ein halbwegs einsteigertaugliches Angebot. Es gibt allerdings noch die "Funkturmlauf Extrem" genannte Kombinationswertung beider direkt hintereinander bewältigten Läufe, also darf man auch auf der 5,3km-Strecke einige ambitionierte Läufer entdecken. Oder solche, die einfach nur einen kurzen, schnellen Lauf machen wollen, so wie der 23jährige Max Fetzer vom TV Mengen. Er, der Maschinenbau in Karlsruhe studiert, lief in 18:38min zum Sieg, nach langer Rekonvaleszenz nach einer Stressfraktur. In Wettersbach freute er sich, dass er bald wieder in die Triathlon-Bundesliga einsteigen kann. Zweiter wurde eine knappe halbe Minute später Benedikt Rieker, der damit das Fundament für seinen späteren "Funkturmlauf Extrem"-Kombinationswertungs-Sieg legte. Dritter wurde Daniel Hayn ("FC 99") in 20:13min.

Letzte kleine S-Kurve für alle 5,3km-Läufer, bevor auf dem Fußballrasen die letzten 100m zu bewältigen sind Die ersten Walker (5,3km) kurz vor dem SC-Stadion: Andreas Godon (vorne) und Markus Bayer

Bei den Frauen gewann in 24:50min die 40jährige Christina Ahlers von der SG Pfinztal (eigentlich eine Jugend-Fußballmannschaft), die erst seit zwei Jahren läuft, aber in Wettersbach unbedingt beide Distanzen schaffen wollte. Beim 11,11er wurde sie dann Siebte, übrigens knapp vor der 5,3km-Zweiten Regina Brendle (LT Karlsruhe), die dann folglich auch Platz 2 in der Kombinationswertung hinter Ahlers belegte. Extrem-Sieg also für die Krankenschwester Ahlers, die zum zweiten Mal in Wettersbach dabei war: "2016 war ich schon ´mal hier, ein schöner Lauf!"

Das Siegertrio des 5,3km-Laufs mit Gewinner Max Fetzer in der Mitte, dem Zweitplatzierten Benedikt Rieker (Nr. 35) und dem Dritten, Daniel Hayn mit der Startnummer 75 Christina Ahlers ist schnellste Frau des 5,3km-Laufs In der Mitte "Extrem"-Kombinationssieger Benedikt Rieker, der beim 11fer Fünfter wird; daneben der 11,11km-Dritte Mathias Merk (147) und der 11,11km-Vierte Benjamin Weber
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Quo vadis, Funkturmlauf?

Der SC Wettersbach machte in den letzten Monaten in Karlsruhe durch seine Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga und den Aufstieg in die Landesliga von sich reden. Das Vereinsgelände am oberen Rand des Orts ist gut gepflegt und recht weitläufig. In der Region Karlsruhe sind in den letzten Jahren leider einige sommerliche Fußballvereinsfest-Läufe eingegangen - der Funkturmlauf macht jedoch durchaus noch einen frischen Eindruck. Und ist übrigens auch Nachfolger eines sanft entschlafenen Vereinsfest-Laufs, nämlich dem des ASV Grünwettersbach, dem Nachbarverein des SC Wettersbach. Vielleicht sollten die Organisatoren mehr mit den Vorzügen des Funkturmlaufs werben, nämlich dass es ein "Landschaftslauf mit Biss" (so die Beschreibung von Birgit Eicke aus dem SCW-Vorstand) ist?

Bericht und Fotos von Hannes Blank

Ergebnisse www.laufinfo.eu - Infos www.sc-wettersbach.de

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