8.7.17 - Tiers Sky Marathon

Immer in Richtung Himmel:

1. Rosengarten Schlern Sky Marathon in Tiers/Südtirol

von Edith Zuschmann

Der Rosengarten in den Südtiroler Dolomiten - das sagenumwobene Gebirge, in dem einst der Zwergenkönig Laurin herrschte. Am 8. Juli nahmen Läufer das rund acht Kilometer lange Bergmassiv der Dolomiten an der Grenze zwischen Trentino und Südtirol für sich ein. Der zum ersten Mal ausgetragene Rosengarten Schlern Sky Marathon mit Start und Ziel in der Gemeinde Tiers lockte Athleten aus zehn Nationen, um laufend die verzaubernde Bergwelt zu erobern.

Beieindruckende Kulissen bietet der Tiers Sky Marathon
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER

Zwei Distanzen bot der Veranstalter an: 37 Kilometer mit knapp 2.000 positiven Höhenmetern um das Rosengartenmassiv und 45 Kilometer mit rund 3.000 positiven Höhenmetern, bei der die Querung des Schlern hinzukam. Mit dem Motto "Long, Hard, Fantastic" trafen es die ambitionierten Organisatoren auf den Kopf. Viele anspruchsvolle An- und Abstiege in Mitten einer einzigartigen Bergwelt.

Im Vorfeld hatte das OK-Team keine Mühen gescheut, um das Rennen bestmöglich und v.a. sicher vorzubereiten. Zudem wollte man den angereisten Läufern möglichst viel Komfort bieten. Die Bemühungen wurden am Rennmorgen belohnt: knapp 300 Athleten standen am Start und das traumhafte Sommerwetter bot einen perfekten Rahmen für die Rennpremiere.

Startschuss um 7:30 Uhr morgens Gleich zu Beginn Anstieg in den Rosengarten

Vom Start in St. Zyprian auf 1.100m Seehöhe ging es über Wiesen und durch den Wald etwa 10 Kilometer stetig bergauf, mussten doch gleich zu Beginn auf dieser Distanz über 1.000 Höhenmeter absolviert werden.

Die abwechslungsreiche Strecke, die immer wieder einen großartigen Blick auf das steinerne Massiv des Rosengartens ermöglichte, ließ die ersten Strapazen wie im Flug vergehen.

Bei der Kölner Hütte auf rund 2.250m angekommen, durften die Teilnehmer verschnaufen und auf einen relativ flachen Pfad der Felswand entlang laufen. Dabei eröffnete sich ein traumhafter Ausblick hinein ins Trentino und hinüber zum Latemar Massiv.

Anfeuerungsrufe Kölner Hütte

Dieses "gemütliche" Vergnügen wurde jedoch nach weiteren 6 Kilometern auf der Ostseite des Rosengartens mit dem ersten steilen Anstieg über Geröll zum Cigoladepass ein Ende gesetzt. Es sollte die erste von 4 Passüberquerungen sein. Die nun herab scheinende Sonne vom fast wolkenlosen Himmel bereitete auf dieser Höhe kaum Probleme, im Gegenteil: sie wärmte bei einer erfrischenden Brise.

Kaum war der erste Pass überquert, ging es steil über ein weiteres Geröllfeld bergab. Achtsamkeit war gefragt, wobei sich nicht alle Athleten daranhielten und sich der eine oder andere empfindliche Abschürfungen holte. Unten angekommen, folgte als Belohnung ein Lauf auf schmalen Gebirgspfaden, die erneut das Weltnaturerbe von seiner schönsten Seite präsentierten.

Grasleitenpass
Beliebt auch bei Wanderern

Knapp nach der Vojalethütte wartete die 2 Kilometer Aufstieg zum Grasleitenpass, mit 2.601m der höchste Punkt des Rennens.

Nicht nur das Ziel der Athleten, sondern auch zahlreicher Wanderer, die das stabile Sommerwetter für eine ausgedehnte Wanderung nützten. Diese zeigten Respekt und Hilfsbereitschaft, feuerten die Läufer an und gaben ihnen auch mehrheitlich den Vorrang.

Während für die 37km Läufer die Anstiegsstrapazen nun vorbei waren und sie ihren Abstieg in Richtung Tiers antraten, stand für die 45 Kilometer Teilnehmer auch schon die nächste Herausforderung an: der Milognonpass. Doch davor erhielten sie noch eine musikalische Darbietung von drei Alphornbläsern in mitten der Steinwelt.

Steil
Kräftezehrender Anstieg Moligniopass

Knapp zwei Kilometer ging es durch Geröll Serpentine über Serpentine hinauf in Richtung Himmel. Eine harte Probe nicht nur für Körper, sondern vor allem für den Geist. Belohnt wurde diese Anstrengung erneut mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Südtiroler Bergwelt - dieses Mal in Richtung Westen - auf das Schlerngebiet und die Seiseralm.

Nach dem Abstieg - teilweise über mit Seilen gesicherten Trails - wartete die Tierser Alpl Hütte - eine der insgesamt sieben perfekt organisierten Verpflegungsstationen entlang der Strecke. Fröhliche, motivierte freiwillige Helfer servierten flüssige und feste Stärkung und gaben zudem jeden einzelnen Athleten aufmunternde Worte mit auf die Reise. Service rund um.

Führende
Balance gefragt

Hochkarätiges Sicherheitsservice bot vor allem das Team der Tierser Bergrettung. Gut alle 2 Kilometer positionierten sich die Bergretter und versorgten umgehend größere und kleinere Verletzungen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause auf der Tierser Alpe musste noch der Anstieg hinauf auf den Schlern bewältigt werden.

Oben angekommen, führte der Weg leicht abfallend zum Schlernhaus, wo schlussendlich die wohl größte Anstrengung des Tages wartete: ein 800m Abstieg auf rund vier Kilometern, gepflastert mit Steinen und Brücken mit spitzen Balken, die nicht nur die Oberschenkelmuskulatur weinen ließen.

Gesichert
Bergrettung

Am Fuße des Tals angekommen, führte der sanfte Waldweg ein letztes Mal bergan, hinauf zur Tschafonhütte. Dort angekommen, hörte man bereits die Musik und Anfeuerungsrufe des Sprechers. Doch noch galt es weitere knapp 500 Höhenmeter und über sechs Kilometer ins Tal zurückzulegen. Doch die Gewissheit es gleich geschafft zu haben, setzte neue Kräfte frei. Durch den Wald wand sich der steinige Weg über Serpentinen hinunter. Nach angenehmen Temperaturen am Berg, fiel nun doch die Nachmittagshitze ins Gewicht. Über den Kreuzweg, wo man nochmals seine letzten Sünden abzubüßen schien, zeigte sich endlich die Tierser Kirche und somit das Ziel nach dieser langen Himmels-Laufreise.

Dort wartete auf jeden Applaus, eine Medaille aus Holz, umfangreiche Verpflegung und fürsorglich Pflege. Waren einmal die ersten Schmerzen vergessen, kam erneut Energie hoch, um bis in den Abend mit den Tiersern zu feiern. Bei regionalen Köstlichkeiten und uriger Musik wurde gelacht und gejubelt - und selbst ein Gewitter schaffte es nicht die Feierlaune zu trüben. Organisatoren und Teilnehmer, alle waren sie stolz eine fast perfekte Premiere hingelegt zu haben und schmiedeten bereits Pläne und Ideen für 2018.

Steinerer Garten von Laudin
Auf zum Schlern

In Feierlaune waren auch die Tagessieger. Bei den Herren triumphierte der Schweizer Adrian Brennwald mit einer Zeit von 5:00:31 vor dem US-Amerikaner David Glennon (5:06:11) und dem Lokalmatador Alexander Rabensteiner (5:14:04).

Die Damenwertung holte sich die Münchnerin Eva Sperger in 6:00:28 vor der Österreicherin Martina Trimmel (6:07:24) und der Südtirolerin Regina Spiess (6:31:48). Den 37KM Bewerb gewann der Südtiroler Stefan Keim in 3:52:53, bei den Damen siegte die Deutsche Waltraud Berger in 4:41:59.

Up into the sky Alexander Rabensteiner
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Fazit: eine großartige, bis ins kleinste Detail organisierte Bergmarathon-Veranstaltung, die jeden einzelnen alles abverlangt, aber am Ende des Tages keine Wünsche offenlässt.

Bericht von Edith Zuschmann runningzuschi.com
Fotos Credit: Horst und Wolfgang von Bohlen, Edith Zuschmann

Ergebnisse www.skymarathontiers.it

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