29./30.7.17 - 29. Int. Schlickeralmlauf in Telfes/Stubaital

Rechtzeitig zum Stubaier Laufevent kehrt der Sommer zurück

Kenianischer Dreifacherfolg bei den Männern

Deutsche Michelle Maier triumphiert bei den Frauen

von Axel Künkeler

Michelle Maier und Geoffrey Ndungu heißen die Sieger des 29. Schlickeralmlaufes in Telfes. Während die 26-jährige Deutsche in der Zeit von 1:07:58 Stunden erstmals gewann, war es für den 33-jährigen Kenianer vom Team Run2gether bereits der insgesamt dritte Erfolg. Er gewann diesmal in 58:45 Minuten vor seinem acht Jahre jüngeren Landsmann Karinga Maina (1:00:07 h). Dritter wurde mit M35-Sieger Isaac Kosgei (1:00:51), der beim Schlickeralmlauf regelmäßig auf dem Siegerpodest steht, ein weiterer Kenianer.

Der Schlickeralmlauf führt abwechslungsreich über Felder, Wiesen und Steige hoch ins imposante Reich der Kalkkögel bis hinauf zum Kreuzjoch auf 2.000 Metern Höhe
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Das Podest bei den Frauen wurde komplettiert von der Kenianerin Puritiy Gitonga (1:11:15h) sowie der Schweizerin Nadja Kessler (1:15:52h) als Siegerin der W35. Insgesamt waren 169 Läufer und Läuferinnen am Start, von denen 131 die lange Strecke von 11,5 Kilometern und 1.100 Höhenmetern hoch zum Kreuzjoch in Angriff nahmen. Für die restlichen 38 Läufer lag das Ziel bereits nach 7,5 KM und 650 HM auf der namensgebenden Schlickeralm.

Schlickeralmlauf: schon am Start im Ortszentrum von Telfes brachten sich die Favoriten in Position Und los geht's vom Ortszentrum Telfes hoch zu den Kalkögeln um die Schlickeralm

Eine enge Kiste war die Entscheidung um Platz vier bei den Männern. Ganze drei Sekunden hinter dem für LG Regensburg startenden Filimon Abraham (1:02:18h) aus Eritrea belegte der 26-jährige Deutsche Toni Lautenbacher in 1:02:21 h den hervorragenden Rang fünf. Dabei hatte es zwischenzeitlich so ausgesehen, als könne Lautenbacher sich direkt hinter dem Podest behaupten. Abraham war mit den drei Kenianern deren hohes Anfangstempo mitgegangen. Auf den ersten drei, vier Kilometern hatten sie ein Führungsquartett gebildet. Doch mit jedem Kilometer konnte sich Ndungu von seinen Verfolgern absetzen, der Abstand zu seinen Landsleuten Maina und Kosgei wuchs. Und für Abraham war der Kampf um das Podest spätestens an der Schlickeralm bei KM 7 gelaufen.

Die Tafeln zeigen den Weg: von Telfes (r) über die Schlickeralm (l) zum Kreuzjoch Das afrikanische Quartett liegt im steilen Waldanstieg alleine in Führung

Heftiges Seitenstechen plagte den Mann aus Eritrea, der hier sogar kurz vor der Aufgabe des Rennens stand. Lautenbacher konnte an dem Schwarzafrikaner vorbei ziehen und sich auf den vierten Platz vorschieben. Doch nach einer knappen Minute hatte Filimon Abraham seine Probleme überwunden, machte sich auf die Verfolgung von Lautenbacher. Im Schluss-Anstieg zum Kreuzjoch schaffte er es mit der "zweiten Luft" tatsächlich, den Deutschen zu überholen.

Der Deutsche Toni Lautenbacher läuft als bester Europäer hinter den vier Afrikanern auf Rang 5 der 101 Männer Ihm folgt der Österreicher Florian Zeisler auf Platz 6

Wie schon im Vorjahr wurde Toni Lautenbacher Gesamt-5., war damit aber "sehr zufrieden", obwohl seine Zeit 2016 um zwei, drei Minuten besser war. "Keine Ahnung wieso, aber alle Zeiten an der Spitze waren letztes Jahr besser", meinte er im Ziel. Lautenbacher (LC Tölzer Land), der im Vorjahr beim Tegelberglauf die Deutsche Berglauf-Meisterschaften gewann, ist Mitglied der deutschen Nationalmannschaft der Skitourengeher. Insofern sind die Bergläufe für ihn vor allem "Vorbereitung auf den Winter".

Einem ungefährdeten Sieg läuft Geoffrey Ndungu entgegen. Der Kenianer vom Team run2gether gewinnt bereits zum dritten Mal Der Kenianer Antony Karinga Maina vom Team run2gether läuft auf Rang 2 Das kenianische Podest komplettiert Isaac Kosgei als Gesamt-Dritter und Sieger M35 Der für die LG Telis Finanz Regensburg startende Filimon Abraham aus Eritrea war an der Schlickeralm kurz vor der Aufgabe, behauptet am Ende aber den vierten Platz

Für Frauen-Siegerin Michelle Maier (PTSV Rosenheim) sind Bergläufe dagegen "eine echte Leidenschaft". Auch sie wurde 2016 Deutsche Meisterin am Tegelberg, gewann zudem den "Lauf der Fünf Viertausender" über 31 km/2.200 Höhenmeter in Sierre-Zinal im Wallis und wurde Zweite beim Jungfrau-Marathon. Beide Läufe stehen im 2. Halbjahr 2017 erneut in ihrem Lauf-Kalender, wobei sie den Sieg im Wallis und das Podest im Berner Oberland verteidigen möchte.

Im Tiroler Stubaital war Maier nach 2012, als das Ziel noch am Sennjoch lag, das zweite Mal am Start. "Es ist eine total schöne Strecke", war sie vom Schlickeralmlauf echt begeistert. Dabei sah es zunächst nicht nach dem Sieg der Deutschen aus. Die ebenfalls für das österreichisch-kenianische Team run2gether startende Puritiy Gitonga lag zu Beginn in Führung, von Michelle Maier war noch wenig zu sehen. "Ich laufe immer ganz hinten los, werde dann aber immer schneller", kommentierte sie ihren für manche überraschenden, aber am Ende mit mehr als drei Minuten Vorsprung sehr deutlichen Erfolg. In den schmalen Trail-Passagen sei es "halt nur etwas blöd gewesen, zum Überholen."

 

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Die schnellste Frau beim WiesenRun vom Vortag Katarina Lovrantova aus der Slowakei erreicht das Ziel beim Schlickeralmlauf als 5. Frau Den 2. Platz bei den Frauen holt sich Purity Kajuju Gitonga aus Kenia für run2gether Die Deutsche Michelle Maier stürmt dem Sieg bei den Frauen entgegen

Zum glänzenden Abschneiden deutscher Bergläufer gehörten weitere TopTen-Platzierungen sowohl bei den Frauen wie auch im Klassement der Männer. Auf Platz sechs der 30 Frauen kam W40-Siegerin Sonja Huber (TG Viktoria Augsburg) in 1:25:10 h, während Sabine Fleig vom NSV Wernigerode in 1:31:44 h als Zehnte die W55 gewann. Drei Deutsche unter den ersten Zehn, das gilt auch bei den insgesamt 101 Männern. Zum Fünften Toni Lautenbacher gesellten sich noch Jens Ziganke (9./1:07:39h) vom SV Reichenau sowie Matthias Göbel vom NSV Wernigerode, der in 1:08:44 h Gesamt-10. wurde. Mit seinen Schwiegereltern Sabine und Hans-Eugen Fleig nutzte er den Urlaub am Achensee bzw. in Leutasch, um nach 2013 zum zweiten Mal am Schlickeralmlauf teilzunehmen.

Die Augsburgerin Sonja Huber finisht als sechste der 30 Frauen Matthias Göbel aus Wernigerode erreicht eine TopTen-Platzierung

Ansonsten ist Göbel erfolgreich bei Läufen im Osten Deutschlands unterwegs. Den Halbmarathon beim Harzgebirgslauf 2016 hat er ebenso gewonnen, wie zwei Jahre zuvor den dortigen 11-km-Lauf, beim Ilsenburger Brockenlauf erreichte er Platz zwei und beim Halbmarathon am Rennsteig 2017 Rang fünf. Aber im April ist der 27-jährige Harzer Vater geworden, da haben sich "die Prioritäten geändert". Trotzdem will er im Oktober wieder den Halbmarathon im Rahmen des Harzgebirgslaufes in Angriff nehmen und vielleicht gelingt ihm ja erneut der Sieg.

Die Österreicherin Susanne Mair aus Lienz, Vierte bei den Frauen, im ersten Anstieg aus Telfes raus Noch etwas bedeckt hält sich die Schweizerin Nadja Kessler (rotes Trikot), die auf Rang 3 vorlaufen wird

Das gesamte Lauf-Wochenende, mit Telfer Wiesen Run, Kinderläufen und Benefizlauf bereits am Samstag, bescherte den Teilnehmern beste Wetterbedingungen. Einige wenige Wolken, viel Sonne und angenehme Temperaturen um die zwanzig Grad. Dabei hatte es wenige Tage zuvor noch deutlich schlechter ausgesehen. Wolken verhangene Berggipfel, (Schnee-)Regen und Temperaturen in der Schlick nur knapp über Null Grad. Doch Petrus hatte ein Einsehen, der Sommer meldete sich rechtzeitig zurück im Tiroler Stubaital.

Andi Stern (2. v. l.) lässt es sich nicht nehmen, für den guten Zweck mitzulaufen In voller Ausrüstung liefen einige Feuerwehrleute und Sanitäter den Benefizlauf mit

Nur die ohnehin recht anspruchsvolle Laufstrecke war mit den immer noch feuchten Böden und Wiesen, teils nassen Wurzeln und Steinen eine große technische Herausforderung für Läufer und Laufschuhe. Punkt 10 Uhr am Sonntag ging es bei angenehmen Temperaturen von knapp zwanzig Grad im Ortszentrum von Telfes los, nach der kurzen Einlaufrunde folgte schon auf dem ersten Kilometer ein knackiger Anstieg durch die Telfser Wiesen. Kilometer zwei verlief danach zwar etwas moderater, teils sogar leicht abschüssig. Dann aber beginnt der erste ganz heftige Anstieg durchs Plövener Loch Richtung Schlickeralm. Zunächst ein paar hundert Meter auf einer breiten Forststraße, doch dann im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein: ein wunderschöner Trail, der jedoch neben der Kondition vor allem Koordination und Konzentration erfordert.

Großer Andrang herrschte bei den Siegerehrungen am Telfser Pavillon Direkt neben dem Zielareal des Schlickeralmlaufs an der Bergstation der Kreuzjoch-Bahn waren viele Gäste beim musikalischen Frühschoppen

Zwischen Kilometer fünf und sechs können die Läufer und Läuferinnen nochmals Kräfte sammeln auf dem flachen Abschnitt rund um den Panorama- und Speichersee unterhalb der Schlickeralm, zu der es über den leicht ansteigenden Erlebnisweg weitergeht. Für die kurze Strecke ist somit schon das Ziel erreicht. Als schnellste der 30 Männer kommen die beiden Stubaitaler Georg Hofer (WSV Neustift/45:45 min.) und Michael Schöpf (SV Schlickeralm; 48:25) an. Bei den acht Frauen gibt es einen deutschen Doppelerfolg: Anja Carlsohn (49:27min.) gewinnt vor Juliane Bähring (53:54).

Älteste und regelmäßige Teilnehmerin beim Schlickeralmlauf ist die 73-jährige Irina Spira vom LSV Kitzbühel Die beiden besten Deutschen glücklich im Ziel: Michelle Maier und Toni Lautenbacher Als Cheforganisator hat Andi Stern noch die Energie selbst mitzulaufen: er wird 33. von 101 Männern und 4. M50

Vier Kilometer und weitere 450 Höhenmeter liegen jetzt noch vor den Teilnehmern des Hauptlaufes. Der führt durch das Ski- und Wandergebiet der Schlickeralm hoch zum 2.136 Meter hohen Gipfelplateau des Kreuzjoch. Bis 2012 lag das Ziel nebenan auf dem Sennjoch, doch mit der Generalprobe zur Berglauf-Senioren-WM 2014 wurde der Zieleinlauf verlegt. Am Kreuzjoch, gleichzeitig Bergstation der Schlickeralm-Bahn, ist die Infrastruktur einfach besser.

Los ging es am Samstag mit den Kinderläufen Es folgte der Zipfer Benefizlauf

Am Samstag wurde das Schlickeralmlauf-Wochenende traditionellerweise mit den ASVÖ-Kinderläufen und dem Zipfer-Benefizlauf eröffnet. Fast 90 Nachwuchsläufer in den sieben Altersklassen bewältigten Strecken zwischen 300 und 2.400 Meter. Beim anschließenden Zipfer-Benefizlauf, an dem Jedermann mitmachen konnte, waren fast doppelt so viele Läufer am Start und haben ein Spendengeld von 918,- Euro für den Sozialsprengel Stubai und den Vinzenzverein Telfes gesammelt.

Mit Streckenrekord zum Sieg beim WiesenRun: Martin Ahlburg aus Deutschland. Am nächsten Tag startet er auch beim Schlickeralmlauf auf der Langstrecke und wird 14. Lokalmatador Christian Stern wurde finishte den WiesenRun als Zweiter Dritter beim Telfser WiesenRun wurde Marco Kreißer

Das Laufprogramm am Samstag endete am frühen Abend mit dem Telfer Wiesen Run, der zum dritten Mal ausgetragen wurde. Insgesamt 85 Läufer und Läuferinnen gingen auf die abwechslungsreiche Strecke durch die Telfer Wiesen. Auf acht Kilometern sind einige kurze, knackige Anstiege von insgesamt 140 Höhenmetern zu bewältigen. Sowohl bei den Frauen wie bei den Männern gab es neue Bestzeiten. Katarina Lovrantova aus der Slowakei gewann in neuer Bestzeit von 34:23 Minuten vor Saskia Le Vries aus den USA (35:26 min.) und Anja Denifl (37:27 min.) aus Österreich. Bei den Männern lief Martin Ahlburg aus Deutschland in 29:33 Minuten als Erster durchs Ziel, gefolgt von Christian Stern vom SV Schlickeralm Stubai (30:23 min.) und Marco Kraißer (30:36 min.).

Die Slowakin Katarina Lovrantova war schnellste Frau beim WiesenRun. Auch sie startete am nächsten Tag beim Schlickeralmlauf auf der Langstrecke Zweite Frau beim WiesenRun wurde die US-Amerikanerin Saskia Le Vries Die erst 16-jährige Anja Denifl vom SV Telfes kam als dritte Frau ins Ziel

Organisiert wird der Schlickeralmlauf seit seinen Anfängen 1990/91 vom SV Telfes. Ernst Künz fungierte viele Jahre als Orga-Chef, bevor er vor wenigen Jahren das Amt an Andreas ("Andi") Stern übertrug. Stern ist ein echter "Multi-Tasking-Man", der organisiert, der beim Benefizlauf am Samstag ebenso mitläuft wie beim Schlickeralmlauf am Sonntag, um wenige Minuten nach dem Zieleinlauf beim Abbau der Werbebanner selbst mit anzupacken. Im Hauptberuf ist Andi Stern Pächter des Alpengasthofes Schlickeralm, einer touristischen Institution für das ganze Stubaital. Doch die inzwischen 63 Jahre währende Pächterzeit der Familie Stern auf der Schlickeralm scheint zum Bedauern vieler Einheimischer, Touristiker und Gäste heuer im Oktober zu enden. "Überhöhte Pachtforderungen" der Verpächter-Gemeinschaft, der Agrargemeinschaft Schlickeralm, nennt Andi Stern als Grund dafür, dass sich die Familie aus dem Pachtverhältnis "definitiv" zurückziehen werde, "auch wenn es das ganze Stubai noch nicht glauben kann."

Kuhglocken-Applaus gab es auch noch für den Schlussläufer Franz Gitzel. Der 74-jährige vom SV Sterzing kommt nach 2:17 Stunden ins Ziel Die "Zielgerade" führt über die Rampe des Skiliftes am Kreuzjoch auf 2.136 Meter
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Natürlich war dies Thema einiger Gespräche am Rande des 29. Schlickeralmlaufes. Ob der traditionelle Berglauf direkt oder indirekt davon betroffen sein wird, fragten sich manche. Doch Andi Stern winkte ab: "Den Schlickeralmlauf organisiert immer noch der SV Telfes und nicht der Gasthof." Damit bestätigte er nicht nur die Hoffnung der Berglaufszene, sondern auch der Verantwortlichen beim Tourismusverband Stubai, dass es weitergeht. Schließlich ist der Schlickeralmlauf sowohl ein beliebter Berglauf wie auch Werbeträger für das gesamte Stubaital. Das 30. Jubiläum der beliebten Laufveranstaltung in den Tiroler Bergen wird also Ende Juli 2018 definitiv stattfinden. Und die weitere Zukunft des Schlickeralmlaufes scheint ebenfalls gesichert, sehr zur Freude der zahlreichen Berglauf-Fans.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

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Ergebnisse www.stubai.at/almlauf/schlickeralmlauf
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