5.7.17 - 27. Essen-Überruhr Sommernachtslauf

Teilnehmerrekord: Fast 500 Teilnehmer

Doppelsieg über 10 km für den Veranstalter

Neuer 5-km-Streckenrekord durch Ahmad Alajafal

von Michael Schardt

Das kann man "großes Glück" nennen, wenn ein kleiner Volkslauf zweimal nacheinander mit einem Teilnehmerrekord aufwarten kann und an der Marke von 500 Startern kratzt. Und Pech muss man es wohl nennen, wenn ein anderer Volkslauf, der genau drei Tage zuvor stattfand, es ebenfalls auf 500 Finisher brachte, dies aber eine Halbierung der Teilnehmerzahl innerhalb nur weniger Jahre bedeutet. Die Rede ist einerseits vom Sommernachtslauf in Essen-Überruhr, der in der Vergangenheit meist keine 300 Teilnehmer hatte, aber 2016 diese Marke erstmals überschritt und heuer sich sogar in Richtung 500 bewegte; und andererseits vom Citylauf in Münster, der 2011 fast 1200 Teilnehmer zählte
Mit einer schönen, waldreich-grünen Laufstrecke überrascht mitten im Revier der Sommernachtslauf von Essen-Überruhr
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Wer vielleicht regelmäßig die LaufReport-Kolumne Durchgesickert liest, der erfährt, wie sich die Laufszene ständig verändert und neu erfindet. Woran es aber liegt, dass sich Laufveranstaltungen so ganz unterschiedlich entwickeln können, lässt sich kaum genau bestimmen.

Auch der Orgachef des Sommernachtslaufs im Essener Stadtteil Überruhr, Tim Husel vom Turn- und Leichtathletikverein Germania Überruhr, hat, bezogen auf sein Event, keine plausible Erklärung. Wir halten unseren Lauf ja ganz bewusst klein, sagt er, auf Volkslaufniveau eben. Wir machen keine Extrawerbung oder andere öffentlichkeitswirksamen Sachen. Vielleicht, so Husel, liegt es daran, dass so viele Laufveranstaltungen in Essen und Umgebung in den letzten Jahren verschwunden sind, aufgeben mussten. Das könnte dem Sommernachtslauf mehr Zuspruch gegeben haben. Sicher sei er sich aber nicht.

 

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Aus eins mach zwei

Ein anderer Grund könnte die Streckenänderung sein, lässt sich aus seinen Ausführungen und aus denen anderer Läufer schließen. Denn lange hatte man den Lauf in der Stadt auf Straßen ausgetragen auf einem ziemlich hügeligen Terrain. Dann habe man sich entschlossen, die Strecke an die Ruhr und ihre grünen Auen zu verlegen, zunächst aber lediglich als reine Pendelstrecke, wo die Läufer die gleiche Strecke zurückzulaufen hatten, wie sie hingekommen waren. Erst vor zwei Jahren wurde dann ein sehr schöner, 5 km langer Rundkurs angeboten, der vage die Form einer "8" hat und nur noch teilweise Berührungspunkte der Läufer bietet.

Wie auch immer: Die Beteiligung in 2017 ging so sprunghaft in die Höhe, dass sich das Orgateam kurzfristig (wenige Minuten vor dem Lauf) dazu entschloss, den gemeinsam vorgesehenen Start der 5- und 10km-Läufer zu trennen, um Gedränge auf der schmalen Laufpiste zu vermeiden. Die Zehner sollten - wie vorgesehen - um 19 Uhr starten, die Fünfer eine Viertelstunde später. Tatsächlich aber war auch bei den Schülern eine höhere Teilnehmerzahl zu bemerken gewesen, weshalb sich die einzelnen Starts geringfügig um eine Viertelstunde nach hinten verschoben haben. Eine clevere Entscheidung, wie der reibungslose Ablauf der Veranstaltung zeigen sollte.

Die Vereinsfarben des Veranstalters TLV Germania Überruhr sind die gleichen wie die der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft. Besonders bei den Schülerläufen dominiert der gelb-grüne Look Die vier Schülerläufe spielen beim Sommernachtslauf eine wichtige Rolle. Hier bringt Tim Grommisch die Kinder auf die 1000-Meter-Strecke. Er wird später selbst über 5 km starten und den zweiten Platz erringen

Starker Nachwuchs

Sechs Läufe hat man in Überruhr im Angebot, vier davon sind für den Nachwuchs vorgesehen. Die Nachwuchsarbeit spielt bei der Germania eine zentrale Rolle, entsprechend wichtig sind die Schülerläufe auch bei der Veranstaltung. Schließlich stellen die jungen Läufer der Altersklasse U16 und jünger fast die Hälfte aller Teilnehmer. Los geht es mit dem Bambinilauf um 18 Uhr; in kurzer Taktung folgen dann der Schülerlauf über ein Kilometer sodann zwei Schülerläufe über zwei Kilometer, einmal für U14-Mädchen und Jungen, sodann für die U16-Kategorie.

Anders als bei vergleichbaren Wettbewerben bekommen sogar die Bambini eine Zeitmessung. Ob es dann tatsächlich vier Kinder (zwei Jungs und zwei Mädchen) geschafft haben, die 500 Meter lange Strecke in je genau einer Minute hinter sich zu bringen, wie es die Ergebnisliste ausweist, ist sicher keine ernstzunehmende Angabe, spielt aber auch keine Rolle, der Spaß ist für die Jüngsten viel wichtiger.

 

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Julia Mingers und Leon Eisinger, beide vom LT Stoppenberg, gewinnen den 1000-m-Lauf Über 2 km (U12) gibt es wieder einen Doppelsieg für den LT Stoppenberg durch Julia Pedd und Noel Schlegel Im Schülerleistungslauf (U16) über 2km gewinnen Anika Schepers und Leonard Komp

Ehrgeiziger wird da schon bei den älteren Schülern um Platz und Zeit gekämpft, wie Tim Grommisch bestätigen kann. Denn ihm ist die Aufgabe gegeben, die einzelnen Felder der Schülerläufe auf die Strecke zu bringen, ohne sich überholen zu lassen. Damit dies gelingt, muss sich der 18-Jährige, der später selbst im Fünf-Kilometer-Lauf starten wird, ein ums andere Mal ganz schön sputen.

Beim Lauf über 1000m hatte ein schnelles Mädchen die Nase vorn. Das war Julia Mingers, die als einzige von 42 Startern in 3:56min unter vier Minuten blieb. Der flotteste Junge war Leon Eisinger in 4:01min. Beide laufen für die sehr erfolgreiche Jugendabteilung des LT Stoppenberg, die von sechs Schülertiteln allein fünf gewann. Über 2000 Meter (U14) sahnte der Verein auch beide Titel ab. Die 10-jährige Julia Pedd siegte in 8:28min ebenso wie der gleichaltrige Noel Schlegel in 7:37min.

Bei den älteren Jahrgängen (U16) kamen über 2km bei den Mädchen Ankia Scheppers vom LT Stoppenberg in 7:41min zu Meisterehren vor Vereinskameradin Franka Nakotte in 7:50min sowie bei den Jungs Leonhard Komp vom MTG Horst Essen in 7:24min vor Tom Armbruster von Tusem Essen in 7:28min.

Übergetreten: Noch kann der 5-km-Lauf nicht angeschossen werden. Der Kampfrichter achtet genau darauf, dass keiner die Startlinie berührt

5km: Ahmad Alajafal und Julia Magdalena Kotte

Die Laufstrecke des Jedermannlaufs ist vermessen und fünf Kilometer lang. Die Hauptläufer absolvieren die Runde zweimal. Der Kurs ist weitgehend flach, schnell und verläuft zu einem großen Teil auf dem Ruhrradweg. Nur einige hundert Meter führt der Weg auf einer Straße, die einseitig für den Verkehr gesperrt ist. Die Strecke bietet viel Grün, viel Wald und auch ein paar hundert Meter Wasser, nämlich wenn sie direkt am Fluss entlang führt. Auf dem Stück, das abschließend in Richtung Ziel führt, handelt es sich um eine Pendelstrecke, wo sich die Teilnehmer begegnen. Da die 10-km-Läufer fünfzehn Minuten vor dem Fünfer starten, laufen die Spitzenläufer in der zweiten Runde auf das Feld der langsamen Jedermänner auf und müssen sich den Weg freischaffen. Für den Spitzenläufer und die Spitzenläuferin indes übernehmen das Führungsfahrräder. Die Witterungsbedingungen waren nicht ganz leicht, denn es war etwas drückend bei Temperaturen von gut 25 Grad. Einige Läufer bekundeten auf der Strecke, froh zu sein, sich doch für den kurzen der beiden Erwachsenenläufe entschieden zu haben.

5km Sieger und neuer Streckenrekordhalter Ahmad Alajafal im Ziel - Foto Wolfgang Steeg 5km Siegerin Julia Magdalena Kotte mit der Zweiten Laura Brinkmann im Schlepptau

Im Lauf der Männer bestimmte ein Trio das Geschehen an der Spitze: der vereinslose Ahmad Alajafal (M30), Bernhard Deiß (MHK) vom Recklinghäuser LC und der A-Jugendliche Till Grommisch, Sohn der Essener Lauflegende Werner Grommisch, der 1987 den noch heute bestehenden Streckenrekord des Essener Marathons "Rund um den Baldeneysee" in 2:14h aufstellte. Das Rennen in Überruhr entschied sich erst im Spurt, als Alajafal in 16:08min den etwas besseren Spurt gegenüber Grommisch in 16:10min hinlegen konnte. Beide blieben unter dem alten Streckenrekord aus 2016, was aber nicht zu hoch bewertet werden sollte, da erst seit letztem Jahr auf dieser Strecke gelaufen und seitdem eine neue Bestenlistenversion geführt wird. Dritter wurde mit knappem Rückstand Deiß in 16:21min. Kein weiterer Läufer konnte unter siebzehn Minuten finishen.

Über 10 km gewinnt Lokalmatador Sebastian Brinkmann Björn Tertüne (links) wird 2. vor Markus Beßling Rang 4 für Dennis Hirsch (re.) vor Markus Ernst

Auch bei den Frauen gab es ein enges Rennen. Da machten Julia Magdalena Kotte (W20) vom Recklinghäuser LC und Laura Brinkmann (WJU20) vom LTV Germania Überruhr vorne lange gemeinsame Sache und lagen noch bis nach Kilometer vier zusammen an der Spitze. Erst dann konnte Kotte ihre größeren Reserven ausspielen und sich leicht absetzen. Sie gewann in 21:25min vor Brinkmann in 21:34min und Wiebke Diesner (W45) vom TVE Burgaltendorf in 21:54min. Insgesamt hatten 132 Läuferinnen und Läufer den Jedermannslauf gefinisht, etwas weniger als beim Hauptlauf (147 Teilnehmer).

10 km: Sebastian Brinkmann und Katrin Wand

Sebastian Brinkmann vom Veranstalterverein TLV Germania setzte sich gleich nach dem Start des 10-km-Laufs in Führung und legte einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg hin. Der 34-jährige Lokalmatador benötigte 34:50min und verwies Altmeister Björn Tertüne vom Ayyo Team Essen in 35:46min auf den zweiten Rang. Auch beim Duisburg Marathon drei Wochen zuvor konnte Tertüne den zweiten Rang belegen. Dritter wurde Markus Beßling (M20) vom TLV in 36:35min vor den beiden vereinslosen Dennis Hirsch (M35, 37:07min) und Markus Ernst (M45, 38:10min). Auffällig ist, dass zwischen den ersten fünf Läufern je recht genau eine Minute lag, was für einen übersichtlichen Einlauf sorgte.

Ungefährdeter Sieg im Hauptlauf für Katrin Wand Ein bisschen Kopfsteinpflaster auf Höhe einer Ruhrbrücke gibt es auch. Ina Tillmann stört das nicht, sie wird 10km 2. - Foto Wolfgang Steeg Rang 3 für Maximiliane Busch

Bei den Frauen scheint die Ergebnisliste zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieses Beitrags (6.7. Donnerstagnachmittag) noch ein Fehler zu beherbergen. Dort wird eine Läuferin als Siegerin ausgewiesen, die eigentlich nicht gewonnen haben kann, die im Zehnerfeld nicht gesichtet wurde und auch nicht zu dokumentieren ist. Das ist mit Startnummer 4 Ann-Katrin Voit (W30, ohne Verein, 39:49min). Tatsächlich aber lief wohl Katrin Wand vom TLV (W35) als erste ein. Ihre Zeit: 41:47min. Demnach käme Ina Tillmann (W50) von der BSG Sparkasse Essen in 47:56min auf den zweiten Platz und Maximiliane Busch (W20, ohne Verein) in 48:52min auf Rang drei. Denkbar ist, dass die vermeintliche Siegerin Voit im 5-km-Lauf gestartet ist und versehentlich bei den Zehnern gewertet wurde. (Eine Anfrage wurde an den Veranstalter gerichtet, erreichte den Laufreporter aber nicht vor Onlinestellung des Berichts.)

Orgachef Tim Husel freute sich über einen neuen Teilnehmerrekord Obwohl im Sträflingsdesign unterwegs, waren diese beiden Läuferinnen keinesfalls laufend auf der Flucht, wie sie glaubhaft versicherten ...
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Fazit

Der Sommernachtslauf ist eine kleine, feine Laufveranstaltung mit familiärem Charakter. Nach Einschätzung des Sportfotografen Wolfgang Steeg, der in der Gegend beheimatet ist, sei sie für das Image des Stadtteils enorm wichtig. Erfreulich ist, dass sich so viele Zuschauer an Start und Ziel blicken ließen, obwohl die Laufstrecke einige hundert Meter vom Zentrum des Laufs an der Bezirkssportanlage entfernt und durch eine Bundesstraße getrennt liegt. Besonders groß war das Publikumsaufkommen während der Schülerläufe. Nach den Zieleinläufen begeben sich die Teilnehmer wieder den Hügel hinauf zur Bezirkssportanlage, wo anfangs die Startunterlagen abzuholen waren, nun aber der lukullisch-gemütliche Teil und die Siegerehrung abgehalten wird.

Dann gibt es für die Sieger große Pokale und die Platzierten je ein Freilos aus der Tombola-Dose. Obwohl an einem Mittwochabend durchgeführt und am nächsten Morgen die Arbeit ruft, blieben zahlreiche Läufer und ihre Angehörigen noch lange vor Ort, bei Grillwürstchen und Bier, wie man es im Ruhrgebiet gerne hat. Es herrschte aber auch ein zu schönes Mittsommernachtslaufwetter ...

Bericht und Fotos von Michael Schardt
Weitere Fotos Wolfgang Steeg www.catfun-foto.de

Ergebnisse www.tlv-germania.de

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