2.7.17 - 11. Barbarossalauf Erlenbach

Über 650 Teilnehmer und ein neuer Streckenrekord

Viel Beifall für "Erlenbacher Urgestein" Hilbert Müller

von Reinhold Daab

Vor fünf Jahren war ich bislang das einzige Mal als Berichterstatter für LaufReport beim Barbarossalauf in Erlenbach. Damals durfte ich miterleben, wie Elena Sokolova in 36:40 min. einen neuen Streckenrekord über 10 km aufgestellt hat. Auch alle weiteren Rekorde über 2,5 km und 5 km liegen ebenfalls länger zurück und wurden auf der alten Strecke gelaufen, die im Jahre 2013 geändert wurde.

Erlenbach ist die größte Stadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg. Um einen Zusammenhang mit dem Namensgeber der Veranstaltung zu finden, muss man ziemlich weit zurückblicken. Der Sage nach verlieh Kaiser Friedrich Barbarossa aus Dankbarkeit dem Ort Erlenbach um das Jahr 1183 die "Marktgerechtigkeit".

Angeboten werden beim Barbarossalauf kostenlose Kinderläufe für "Zwerge" und Schüler sowie drei Hauptläufe über 2.500 m, 5.000 m und 10.000 m Eine schöne Idee des Veranstalters, beim Zwergenlauf über ca. 200 m begleiten als Clowns verkleidete Läuferinnen die Kinder
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Der erste Lauf wurde am 2.7.2006 durchgeführt und was lag damals näher, als der Veranstaltung den einprägsamen Namen "Barbarossalauf" zu geben, womit er es weit über die unterfränkischen Grenzen hinaus zu großer Bekanntheit geschafft hat. Wie beliebt der Lauf in der Region ist, zeigt die Tatsache, dass im Jahre 2012 die größte Teilnehmerzahl mit 1.206 Läuferinnen und Läufern erzielt wurde.

Davon war man am Sonntagnachmittag zwar weit entfernt, aber mit über 810 Teilnehmern, den Zwergenlauf mit eingerechnet, konnte Orga-Chef Hans Joachim Alexander durchaus zufrieden sein. (2012 kamen 1.048, 2017 waren es 695). Auch die äußeren Bedingungen mit 20 Grad und bedecktem Himmel trugen ihren Teil zum Gelingen der Veranstaltung bei. Ein kurzer Regenschauer während der Schülerläufe war zu verschmerzen und schnell wieder vorbei.

 

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Der St.-Maurice-Platz unmittelbar neben dem Start- und Zielbereich hatte sich in ein kleines Festgelände mit Startnummernausgabe, Verkaufs- und Essensständen verwandelt. Überhaupt muss man der Organisation für eine perfekte Veranstaltung ein großes Lob zollen, alles klappte reibungslos. Zu den Besonderheiten des Barbarossalaufs gehörte auch, dass die Teilnahme für die Allerkleinsten und Schüler dank der Sponsoren kostenlos war, was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist.

Start zum Schülerlauf 1 mit 91 Kindern der Jahrgänge 2008-2011 Ein kurzer Regenschauer stört die 58 Teilnehmer beim Schülerlauf 2 der Jahrgänge 2004 bis 2007 kaum

Für den Zwergenlauf (Jg. 2011 und jünger) hatte sich der Veranstalter etwas sehr Schönes einfallen lassen. Drei als Clowns verkleidete Läuferinnen und ein Läufer begleiteten die "Zwerge" auf ihrer 200 m langen Runde um den St.-Maurice-Platz und im Ziel gab es neben einer Medaille auch noch eine Kugel Eis. Die schmeckte dann natürlich besonders gut und sogar ich bekam eine ab.

Schülerlauf 1 (Jg. 2008-2011, 91 TN) 1.000 m

Leider kam es beim Start des ersten Schülerlaufs mitten im Feld zu einem Massensturz, der für die Kinder glimpflich verlief und zum Glück zu keinen Verletzungen führte. Alle konnten sich schnell wieder aufrappeln und weiterlaufen. Stürze sind bei Schülerläufen inzwischen fast schon Normalität, weil einige wohl übermotiviert und zu ungestüm zu Werke gehen. Oskar Deppisch vom TV Schweinheim zeigte sich davon unbeeindruckt und gewann den 1 km langen Schülerlauf in 3:43 min. (1. MU10). Das schnellste Mädchen, Zoe Heinzl (Dr. Ernst-Hellmut-Vits-Grundschule) war nach 4:12 min. (1. WU10) im Ziel.

Oskar Deppisch (1. MU10) und ... ... Zoe Heinzl (1. WU10) gewinnen den Schülerlauf 1 Rico Seidel gewinnt den Schülerlauf 2 (1. MU14) Bei den Mädchen siegt Aleyna Emmerich (1. WU14) vor ihrer Vereinskameradin Hayli Klein (2. WU14)

Schülerlauf 2 (Jg. 2004-2007, 58 TN) 1.000 m

Der Start zum zweiten Schülerlauf verlief problemlos, die Kinder waren älter und das Teilnehmerfeld kleiner. Auch die Warnung, vorsichtig in die erste, scharfe Kurve zu gehen, weil diese durch den Regenschauer etwas glatt war, zeigte Wirkung. Mit deutlichem Vorsprung holte sich Rico Seidel vom SV Gelnhausen in 3:16 min. den Sieg (1. MU14) . Bei den Mädchen kam es zu einem Sprintduell, das Aleyna Emmerich in 3:41 min. (1. WU14, TV Schweinheim) mit einer Sekunde Vorsprung vor ihrer Vereinskameradin Hayli Klein (2. WU14) für sich entscheiden konnte.

Hauptlauf 2.500 m, 81 TN

Vor dem ersten Hauptlauf des Tages auf einer Originalrunde durch die Innenstadt und am Main entlang, bei dem vom Jahrgang 1959 bis 2007 alles vertreten war, sorgte die Band " Kirkside Pipes & Drums" mit Dudelsackmusik für die Unterhaltung der vielen Zuschauer. Das Ehepaar Breunig gehörte zu den Älteren und hatte sich einiges für diesen Tag vorgenommen, wobei es Marlene mit drei Starts über alle drei Hauptläufe auf die Spitze trieb, Herbert hingegen beließ es bei nur zwei Starts über 2.500 m und 5.000 m.

Start zum Hauptlauf über 2.500 m mit dem späteren Sieger Finn Schneider( 761) in Front. Überall dort, wo sich eine Gelegenheit bietet, ist Elena Sigl (772) aus Ober-Ramstadt zur Stelle und gewinnt auch hier den 2.500 m Lauf

Einer der Jüngsten, gleichzeitig aber auch der Längste im Teilnehmerfeld, setzte sich sofort nach dem Start an die Spitze. Finn Schneider von der Emder LG lief ein einsames Rennen und verpasste eine Zeit unter 9 Minuten nur um wenige Sekunden. In 9:03 min. holte er sich den klaren Sieg (1. MU16) vor Franz-Xaver Brunner (9:38 min., 2. MU16, TV Schweinheim) und Lennart Zengel (9:48 min., 1. MU14, TV Großwallstadt). Herbert Breunig wurde Vierter (9:55 min., 1. Männer 2, LAZ Obernburg-Miltenberg), Ehefrau Marlene war in 13:44 min. als 2. Frau im Ziel.

Weite Anreisen sind für Elena Sigl aus Ober-Ramstadt kein Thema. Egal wo ein Schülerlauf stattfindet, Elena ist am Start und meistens sehr erfolgreich. So auch am Sonntag, als Gesamt-Fünfte in 9:56 min. gewann die erst 12-Jährige den Hauptlauf über 2.500 m (1. WU14) und distanzierte die Konkurrenz deutlich um fast eine Minute. Ruth Brenner (10:50 min., 1. WU16, Familie Brenner) wurde Zweite, Rang drei ging an Anna Maria Manilova (10:54 min., 2. WU16, DJK Aschaffenburg).

Die 5.000 m Teilnehmern warten auf ihren Start. Organisations-Chef Hans Joachim Alexander prüft die Uhr, fungiert als Streckensprecher und hat für alles eine Lösung. Im Ergebnis ist das eine perfekt organisierte Veranstaltung Lauflegenden unter sich, über 5.000 m gewinnt Siegfried Traxler (Nr. 1160) die M70. Hilbert Müller (Nr. 1153, 1. M80), ältester Teilnehmer am Barbarossa Lauf und gerne als unterfränkisches Urgestein bezeichnet, bekommt schon vor dem Start viel Beifall für seine Teilnahme

Hauptlauf 5.000 m, 209 TN

Mit 209 Finishern hatte dieser Lauf bei den Teilnehmerzahlen ganz knapp die Nase vorn. Unter ihnen war auch wieder das "Erlenbacher Urgestein" Hilbert Müller. "Der Hilbert hat uns allen das Laufen beigebracht", mit dieser Ansage von Orga-Chef Alexander erntete der 82-jährige Läufer aus dem Stadtteil Mechenhardt völlig zu Recht viel Beifall.

Vor dem Start traf ich auch Edgar Morschhäuser, der mir den 39-jährigen syrischen Flüchtling Sibaz Ibrahim vorstellte, dessen Betreuung er übernommen hat. Ibrahim hat in Syrien bereits (militärisch geprägten) Fünfkampf betrieben, zu dem neben Schwimmen u.a. auch ein 8 km langer Geländelauf gehörten. In Deutschland konzentriert er sich ganz aufs Laufen. Aber weder er noch alle anderen Läufer hatten gegen einen Athleten von der LAC Quelle Fürth auch nur den Hauch einer Chance. Der Mittelstreckler Marvin Thomas, ausgestattet mit Bestzeiten über 3.000 m von 8:50 min. und 5.000 m von 16:16 min., dominierte den 5.000 m Lauf nach Belieben. So war es auch kein Wunder, dass er bei seinem Sieg (1. MU23) mit 15:38 min. einen neuen Streckenrekord aufstellte und den Rekord von Axel Dietrich, gelaufen auf der alten Strecke, um 8 Sekunden unterbot.

Gegen ihn ist kein Kraut gewachsen, Marvin Thomas gewinnt den 5.000 m Lauf überlegen in neuer Streckenrekordzeit von 15:38 min (1. MU23) Tobias Erbacher muss sich erst auf der Zielgeraden geschlagen geben und wird Dritter über 5.000 m (1. M23) hinter... ... dem Syrer Sibaz Ibrahim (1. M35), der früher Fünfkampf betrieben hat

Zwei Runden lang lieferten sich Tobias Erbacher (16:59 min., 1. M23, TRIA TV Bad Mergentheim) und Sibaz Ibrahim ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei, das Ibrahim am Ende knapp für sich entscheiden konnte (16:54 min., 1. M35). Herbert Breunig gewann die M55 (20:49 min.,) und Ehefrau Marlene war in 27:29 min. in der W55 erfolgreich. Dass er immer noch Kämpfen kann, bewies Hilbert Müller, er erreichte als insgesamt ältester Teilnehmer beim Barbarossalauf nach 32:21 min. das Ziel (1. M80) und ließ noch einige Teilnehmer hinter sich.

Ganz ähnlich war der Rennausgang bei den Frauen. Mit über einer Minute Vorsprung holte sich Petra El Alami von der LG BSN den in 21:13 min. den Sieg (1. W40). Zwei Läuferinnen überquerten in 22:21 min. zeitgleich die Ziellinie, Kim Völker (1. WU18, LAZ Obernburg-Miltenberg) mit einem Wimpernschlag Vorsprung vor Simona Seitz (2. W40). Als älteste Teilnehmerin war Ingrid Laubender vom TV Sulzbach nach 41:50 min. (1. W75) im Ziel.

Petra El Alami gewinnt den 5.000 m Lauf bei den Frauen (1. W40) WU18-Siegerin Kim Völker wird Zweite über 5.000 m Nadine Preuss (Nr. 1192, 3. W40) liegt vor Simona Seitz (2. W40), die noch zur Zweiten aufschließen kann und zeitgleich mit ihr ins Ziel läuft

Hauptlauf 10.000 m, 194 TN

Zum Abschluss des Barbarossalaufs stand um 17:30 Uhr der Hauptlauf über 5 Runden auf dem Programm. Im Laufe der Woche hatte der Veranstalter erfreut verkündet, dass mit dem Somalier Cabdigani Ismaacil Aadan, Halbmarathon-Sieger beim iWelt Marathon in Würzburg, ein Hochkaräter für den 10.000 m Lauf gemeldet hatte. Da Vorjahressieger Christian Weis verletzungsbedingt nicht teilnehmen konnte und zusammen mit seinem Betreuer Wolfgang Münzel zum Zuschauen verdammt war, kam Aadan natürlich die uneingeschränkte Favoritenrolle zu. Es stellte sich nur die Frage, ob der Streckenrekord von 32:27 min. von Andreas Heilmann aus 2008 in Gefahr war. Nach neun Jahren wäre es an der Zeit gewesen.

Abschluss und Höhepunkt des Tages ist der 10.000 m Lauf. Diesen gewinnt Cabdigani Ismaacil Aadan (1. M23), der vor drei Jahren aus Somalia geflüchtet ist, überlegen. Er verpasst aber den Streckenrekord M40-Sieger Tobias Balthesen wird Zweiter über 10.000 m Im Zielsprint ringt Michael Lehmen (Nr. 1537, 2. M40) Timo Tiburski (2. M23) nieder und wird Dritter über 10.000 m

Aadan wurde seiner Favoritenrolle gerecht und holte sich einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Aber es reichte nicht ganz für einen neuen Rekord. Mit 32:55 min. (1. M23) stand aber endlich mal wieder eine 32er Zeit in den Ergebnislisten. Der 23-jährige Somalier ist seit etwa drei Jahren in Deutschland und hat inzwischen eine Ausbildung beim Laufsponsor "artplants" in Höchberg begonnen, für den er auch startete. Nur Tobias Balthesen konnte den Rückstand auf den Sieger einigermaßen im Rahmen halten und belegte in 34:23 min. den zweiten Platz (1. M40, TSG 78 Heidelberg). Hinter ihm klaffte bereits eine große Lücke von 2 ½ Minuten zum Dritten, Michael Lehmen (36:52 min., 2. M40, TSG Mainaschaff). Die AK-Siege in der M50 und M60 gingen mit Elmar Zöller (38:14 min.) und Karl Josef Brand (43:30 min.) an den ELT Großheubach.

Lachend läuft Mona Winter zum Sieg über 10.000 m (1. W23) Die Freude steht ihr ins Gesicht geschrieben, Verena Ibel wird Zweite über 10.000 m (2. W23) Bei ihrem ersten 10.000 m Wettkampf seit langer Zeit läuft Stefanie Hock auf Platz 4 und gewinnt die W50

Äußerst spannend verlief das Frauenrennen, denn die drei schnellsten Läuferinnen hatten stets Sichtkontakt zueinander und lagen in Schlagweite. Am Ende konnte sich Mona Winter von Spiridon Frankfurt in 41:54 min. (1. W23) durchsetzen, die das Rennen auch von Beginn an bestimmt hatte. Zunächst machten die Vereinskameradinnen Verena Ibel und Johanna Meyer noch gemeinsame Sache, aber in der letzten Runde konnte Meyer das Tempo nicht mehr mitgehen. Freudestrahlend lief Verena Ibel in 42:20 min. auf den zweiten Platz (2. W23, RV Viktoria Wombach), W30-Siegerin Johanna Meyer blieb der dritte Podest Platz vorbehalten (42:58 min.). Nachdem sie sich in den letzten Monaten bei 5km-Läufen, u.a. als W50-Siegerin beim Darmstädter Stadtlauf, wieder die nötige Grundschnelligkeit zugelegt hat, wurde Stefanie Hock in 43:24 min. Vierte (1. W50, ASC Darmstadt). Ach ja, da war ja auch noch Marlene Breunig, die ihren dritten Start an diesem Tag in 57:08 min. als 3. W55 erfolgreich absolvierte, eine bemerkenswerte Leistung.

Aleksej Helm, einer der jüngsten Teilnehmer am 10.000 m Lauf, fliegt förmlich ins Ziel und gewinnt die MU14 Ein Gruß am Main von M50-Sieger Elmar Zöller, er wird Achter über 10.000 m Die Zwillingsschwestern Monja (links) und Svenja Zöller laufen zeitgleich Hand-in-Hand ins Ziel (1. + 2. WU20)
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Damit ging ein sehr unterhaltsamer und spannender Wettkampftag beim Barbarossa Lauf in Erlenbach zu Ende, den Teilnehmer und Zuschauer nach der Siegerehrung gemeinsam auf dem St.-Maurice-Platz ausklingen ließen.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab
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