1.- 2.7.17 - 12. 24h-Lauf Weltmeisterschaft in Belfast (Nordirland)

Frauen holen in Nordirland WM-Bronze

Antje Krause und Florian Reus mit sechsten Plätzen beste Deutsche

von Heiko Krause

Eine Mannschafts-Bronzemedaille, drei Top-Ten-Platzierungen, zwei Seniorenweltmeistertitel und eine weitere Masters-Medaille waren die Ausbeute des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) bei der 12. Weltmeisterschaft im 24-Stundenllauf, die die Internationale Ultramarathon-Vereinigung IAU in diesem Jahr in der nordirischen Hauptstadt Belfast ausrichtete. Und die erfolgreiche Bilanz war diesmal in erster Linie den Frauen zu verdanken.

Fast 300 Läuferinnen und Läufer aus etwa 40 Ländern waren nach Belfast gekommen, um die Weltbesten zu ermitteln. Untergebracht waren alle Athleten und Betreuer im Wohnheim des Stranmillis University College, eine einfache Unterkunft mit dem großen Vorteil von Einzelzimmern, die genug Ruhe zur Erholung boten. Einzig bei der Essensausgabe kam es aufgrund des großen Andrangs zu langen Schlangen, sodass am Wettkampftag durchaus noch 45 Minuten Wartezeit beim Frühstück eingeplant werden mussten. Reibungslos funktionierte aber der Transport zur Wettkampfstrecke im Victoria Park nahe des Flughafens und der Werft, auf der die "unsinkbare" Titanic einst vom Stapel lief.

Auch eine große deutsche Fraktion war unter den fast 40 teilnehmenden Nationen bei den 24h-Lauf Weltmeisterschaft in Belfast am Start. Zwei davon Julia Fatton (links) und Antje Krause
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Eindrucksvoll war bereits am Vortag die Eröffnungsfeier mit dem Einmarsch der Nationen in alphabetischer Reihenfolge. Eine eindeutige politische Botschaft für den Frieden, der im zu Großbritannien gehörenden Nordirland ja noch nicht so lange selbstverständlich ist, war, dass nicht die britische Mannschaft als Gastgeber zuletzt einlief, sondern dahinter noch das Nachbarland Irland. Die politischen Repräsentanten nahmen das Thema in ihren Grußworten danach ebenfalls auf, unter großem Applaus der internationalen Gäste aus aller Welt, ein starkes Zeichen.

Der Wettkampf fand auf einer durchgehend flachen gut 1,6 Kilometer langten Runde statt. Ohne enge Kurven und mit festem Belag waren ideal für gute Leistungen. Allerdings machte das Wetter den Athleten nach dem Start am Samstag um Punkt 12 Uhr zunächst mit abwechselnd Regen, Wind und Schwüle etwas zu schaffen. Ab dem Abend waren die Bedingungen allerdings dann außer einigen Windböen ideal. Auch in der Nacht war es nicht übermäßig kalt, zudem dauerte die Dunkelheit mitten im Jahr im Norden Europas ehedem nicht allzu lange.

Auch Gehen gehört zu einem 24-Stundenlauf An der Versorgungslinie: Anne Marie Geisler Andersen aus Dänemark und Pablo Barnes aus Argentinien standen für ein internationales Feld

Ein absolutes Ärgernis war dagegen die Zeitnahme. Eine Anzeige mit Zwischenergebnissen gab es nicht, lediglich ein Monitor zeigte beim jeweiligen Durchlauf das aktuelle Ergebnis der einzelnen Läuferinnen und Läufer. Nachts fiel dann auch noch für Stunden die Übertragung auf die Computer aus, sodass es gar keine Informationen mehr gab. Als in den Morgenstunden der Bildschirm wieder etwas anzeigte, führte das zu kompletter Verwirrung statt Aufklärung. Praktisch alle Ergebnisse waren falsch, die Kilometerangaben zu hoch. Es war wohl einmalig, dass sich Sportler darüber beschweren, zu viele Runden angezeigt zu bekommen.

Erst nach 18 Stunden bekamen die Betreuer eine ausgedruckte Liste und auch danach nur noch eine pro Stunde. Ein wirklicher Überblick war so natürlich nicht möglich, dem Informationsbedürfnis der Schützlinge konnte unmöglich Rechnung getragen werden. So etwas darf in Zeiten von Live-Ergebnissen im Internet bei vielen Volksläufen bei einer Weltmeisterschaft natürlich überhaupt nicht passieren.

Christian Fatton aus der Schweiz und die Polin Milena Gabska-Grzegorczyk
Menal Sukhija (rechts) und Aparna Choudhary aus Indien liefen eine Zeit gemeinsam

Zum Sportlichen: Sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen wurde zu Beginn ein hohes Tempo angeschlagen. Titelverteidigerin Katalin Nagy (USA) setzte sich schnell an die Spitze, bei den Herren führte der Tscheche Radek Brunner, einer der Mitfavoriten, der letztlich aber kleine Rolle mehr spielen sollte. Alle Deutschen, auch Titelverteidiger Florian Reus (LG Würzburg) ließen es noch etwas langsamer angehen. Nicht umsonst sind die 24-Stundenläufer aus der Bundesrepublik dafür bekannt, eher auf der zweiten Hälfte das Feld aufzurollen, wenn andere ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen müssen.

Für die Mannschaftsmedaille flogen die Weltmeisterin der W45 Antje Krause und hinter ihr Julia Fatton bis zur letzten Sekunde förmlich durchs Feld Weltmeister wird Yoshihiko Ishikawa aus Japan Weltmeisterin und Weltrekordlerin Patrycja Bereznowska aus Polen

In der Nacht setzte sich die Polin Patrycja Bereznowska an die Spitze, die im Frühjahr mit mehr als 256 Kilometern erst einen neuen Weltrekord aufgestellte hatte. Unglaublich gleichmäßig gestaltete sie ihr Rennen und lief zu einem am Ende ungefährdeten Sieg. Dabei steigerte sie ihre eigene Weltbestleistung sogar noch auf 258,339 Kilometer. Überhaupt ist in den vergangenen Jahren vor allem in der Weltspitze der Frauen eine Riesenleistungssteigerung zu beobachten. Reichten bei der Weltmeisterschaft 2010 im französischen Brive für Bronze noch gut 230 Kilometer, bedeutete eine ähnliche Leistung in Belfast nur noch Rang 14.

Sigrid Hoffmann sicherte das Damenteam ab und wurde Weltmeisterin der W50 Beim "Boxenstopp" von Florian Reus läuft Vizeweltmeister Johan Steene vorbei

Deutlich darüber blieben diesmal gleich zwei deutsche Damen. Antje Krause (Ultra Sport Club Marburg) und Julia Fatton (TV Rheinau) gelangen mit 237,841 und 236,183 Kilometern neue persönliche Bestleistungen, die Rang zwei und drei der ewigen deutschen Bestenliste bedeuten. Sie belegten damit mit Rang sechs und acht hervorragende Top-Ten-Platzierungen. Krause, die bei der gleichzeitig ausgetragenen Senioren-WM Gold gewann, verbesserte den nationalen Altersklassenrekord der W45 um zehn Kilometer, Fatton, in derselben Klasse laufend, blieb ebenfalls deutlich über der alten Bestmarke.

Die beiden deutschen hatten sich einen harten Kampf geliefert mit wechselnden Führungen, und ihre Topp-Leistungen waren Grundlage dafür, dass das deutsche Frauenteam am Ende sogar noch eine Bronzemedaille feiern konnte. Beim ersten mitgeteilten Zwischenergebnis lagen die Deutschen noch auf Platz vier mit nahezu uneinholbaren 26 Kilometer Rückstand auf die Schwedinnen.

Zweitbester Deutscher war Günter Marhold Stefan Thoms wurde drittbester Deutscher, neben ihm Itarma Augusto Goes aus Brasilien

Aber die wesentlich höher eingeschätzten Skandinavierinnen um Europameisterin Maria Jansson, nur mit drei Frauen angetreten, bekamen massive Probleme. Viele "Boxenstopps" und Gehpausen waren die Folge. Die DLV-Damen kamen immer näher und spätestens zwei Stunden vor Schluss war klar, es lohnte sich zu kämpfen. Neben Krause und Fatton, die in der letzten Stunden wohl die schnellsten Frauen waren und ein ums andere Mal förmlich durch die Verpflegungszone flogen, war es Sigrid Hoffmann (LG Westerwald) die am meisten Kilometer sammelte und sich letztlich riesig freute, ihren Anteil an der Medaille zu haben. Sie wurde mit ihrer Leistung von 215,598 Kilometern Weltmeisterin der W50.

Der Jubel war groß über die noch nie von einer deutschen Damenmannschaft erreichte Kilometerleistung von 689,622 Kilometern, vor allem weil die letzte Ultramarathon-Teammedaille der Damen bei den Weltmeisterschaften 2007 im 100-Kilometerlauf gewonnen wurde.

Noora Honkala lief als 9. mit 234,584 Kilometern finnischen Rekord Virginia Ines Olivieri aus Italien mit 24h-Lauf untypischen langen Schritt Antonia Orlic aus Kroatien mit landestypischen Kopttuch auf Platz 14

Bereznowskas Landsfrau Aleksandra Nivinska belohnte sich im Einzel für eine ganz starke zweite Hälfte und 251,078 Kilometer mit der Silbermedaille. Katalin Nagy behauptete noch die Bronzemedaille ganz knapp gegen ihre Landsfrau Gina Slaby mit 248,970 zu 248,276 Kilometern. Das amerikanische Team, das Gold vor Polen gewann, komplettierte Pam Smith (243,611) auf dem fünften Platz. Als weitere Deutsche folgten im gut 130 Teilnehmerinnen starken Frauenfeld auf den Plätzen 31, 33 und 114 Sandra Sons (LG Wuppertal) mit persönlicher Bestleitung von 213,401 Kilometern, Heike Bergmann (LG Nord Berlin/ 211,349km), die deutschen Altersklassenrekord W55 lief und die Silbermedaille der W50 gewann (international zählt der Geburtstag als Stichtag der Altersklasse, in Deutschland der Jahrgang), und Anke Libuda (Triathlon Witten/122,248km).

Beliebt, Laufen mit Nationalfahne: Ondrej Velicka aus Tschechien feierte am Schluss die 24 Stunden und sich selbst Marco Zaragoza aus Mexiko (links) und der Spanier Iva Penallia auf ihren letzten Runden

Für Florian Reus lief es diesmal nicht so gut, wie bei den Titelkämpfen vor zwei Jahren in Turin, als er der gesamten Weltelite das Nachsehen gab. Er bekam nachts Probleme, musste das Tempo zeitweise etwas reduzieren. Aber der erfahrene Läufer kämpfte und belohnte sich letztlich mit der immer noch sehr guten Leistung von 257,010 Kilometern und dem sechsten Platz. Seine Teamgefährten Günter Marhold (TSV Wolfratshausen/ 239,762km) und Stefan Thoms (LG Nord Berlin/ 234,584km) komplettierten die Mannschaft auf den Plätzen 30 und 34.

Thoms, der sich den M50-Weltrekord von mehr als 266 Kilometern vorgenommen hatte, blieb dabei weit unter seinen Erwartungen. Das deutsche Männerteam belegte damit Rang sechs. Hilmar Langpeter (TV Rot Am See/225,622km) und Oliver Leu (LG Bremen Nord/183,665km) kamen in dem knapp 170 Teilnehmer starken Männerfeld auf die Ränge 47 und 105.

Sigrid Hoffmann (von links), Antje Krause und Julia Fatton erliefen die Bronzemedaille für das deutsche Team Siegerehrung der Frauen mit dem deutschen Team erstmals seit vielen Jahren auf dem Podium

An der Spitze hatte nach einiger Zeit der Ungar Tamás Rudolf die Spitze übernommen, die er bis eine Stunde vor Schluss behauptete. Aber dann ging es für ihn auch nicht mehr weiter und er rettete sich schließlich auf Platz acht. Jetzt war der Weg frei für Yoshihiko Ishikawa aus Japan, der mit 267,566 nur gut einem Kilometer vor dem immer stärker aufkommenden Schweden Johan Steene (266,515km) und dem Polen Sebastian Bialobrzeski (265,535km) Weltmeister wurde. Auf den Plätzen vier und fünf folgten Nobuyuki Takahashi aus Japan mit 264,506 Kilometern und der Franzose Stephane Ruel mit 258,425 Kilometern. Die Mannschaftswertung gewann Japan vor Polen und den USA.

Sharon Law (links) und Susan McCartney demonstrierten auch auf der Strecke, dass es zwischen Großbritannien und Irland in Nordirland wesentlich entspannter ist, als noch vor Jahren Die ersten drei Männer von links 3. Sebastian Bialobrzeski aus Polen, 1. Yoshihiko Ishikawa aus Japan und 2. Johan Steene asu Schweden Die ersten drei Frauen von links 3. Katalin Nagy aus den USA, 1. Patrycja Bereznowska und 2. Aleksandra Nivinska (beide aus Polen)
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Bei der Abschlusszeremonie wurde die IAU-Fahne feierlich an das österreichische Irdning übergeben. Dort sollen im Jahr 2019 die nächsten Weltmeisterschaften im 24-Stundenlauf stattfinden.

Bericht und Fotos von Heiko Krause

Ergebnisse www.iau-ultramarathon.org - Info www.belfast24.com

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