29.6.19 - 29. Sandhauser Dünenlauf und 15. Brunnenlauf

Laufend schwitzen oder schwitzend laufen

von Anette Judith Scholl 

Am späten Nachmittag des letzten Samstags im Juni auf der Autofahrt nach Sandhausen "pendelte" die Außentemperaturanzeige zwischen 35° und 36° - aber auf ein Grad mehr oder weniger kam es nun nicht an; es war sowieso zu heiß zum Laufen. Zumindest empfanden das viele so, die sich zum Sandhauser Dünen- oder Brunnenlauf angemeldet hatten, denn trotz 385 gelisteten Teilnehmern liefen am Ende hundert weniger über die Zielmatte.

Der beeindruckende Platz in der Ortsmitte von Sandhausen wurde nach der französischen Partnerstadt Lège-Cap-Ferret in der Atlantikbucht von Arcachon benannt.

Beim jährlich ausgerichteten "Brunnenfest" auf dem Lège-Cap-Ferret-Platz ist der Dünenlauf seit 1991 ein Hauptbestandteil.Das an die Grundschule angrenzende Areal zwischen dem historischen Volksschulgebäude und Heimatmuseum bietet den idealen Mittelpunkt für Start- und Zielbereich des Dünenlaufs sowie Bewirtung und anschließende Siegerehrung.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info GELITA Trail Marathon Heidelberg HIER

Start- und Zielbereich des Dünenlauf und Brunnenlauf, der beeindruckende Lège-Cap-Ferret-Platz in der Ortsmitte von Sandhausen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Gerade an heißen Tagen kann auch für Freunde des 10km-Laufs die halbierte Streckenlänge eine attraktive, weil erträgliche Alternative sein, und in Sandhausen zogen 138 Läufer*innen den Brunnenlauf über 5km vor. Dieser war 2005 als Ergänzung zum 10km Dünenlauf auf Initiative von Vinod Aggarwal, Abteilungsleiter und Ansprechpartner des Lauftreffs TG Sandhausen, eingerichtet worden. Wie sich schnell zeigte, war das eine gute Idee. Nachdem früher eher die Hälfte der Gesamtteilnehmer den 5-er gelaufen war, glichen sich die Finisherzahlen der 5km und 10km Strecke in den letzten vier Jahren fast an.

5km Brunnenlauf

Start des Brunnenlaufs war um 18 Uhr, das Thermometer zeigte noch immer 33,9° im Schatten, nur dass es davon zunächst nicht viel gab.

Der Start auf der Hauptstraße lag in der prallen Sonne, und so war es für einige nicht nachvollziehbar, wieso der Moderator bereits 10 Minuten vor dem Start die überschaubare Anzahl an Startern aufforderte, sich hinter dem Startband aufzustellen. Nachdem der Startschuss wirklich pünktlich erfolgt war, ging es zunächst bei voller Sonneneinstrahlung ca. eineinhalb Kilometer weit durch den Ort, wo einzelne Anwohner an der Strecke eine Gartendusche aufgestellt hatten und einen Tisch mit Wasserbechern. Die weitere Strecke verlief auf vorwiegend mit feinem Schotter belegten Waldwegen, und aufgrund der Trockenheit der vergangenen Tage wurde jede Menge Staub aufgewirbelt. Obwohl laut Ausschreibung nur beim 10km Lauf eine Verpflegungsstelle vorgesehen war, hatten die Sandhäuser erfreulicherweise auch beim Brunnenlauf eine Wasserstelle eingerichtet. Bei km 3 konnte man den Sand in der Kehle mit Wasser runterspülen.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Generali München Marathon HIER

Übrigens: Weit gefehlt, wer hier neu war und sich zum Brunnenlauf angemeldet hatte, um so der Sanddüne des Dünenlaufs zu entgehen. Die Sanddüne war ebenso Bestandteil der 5km-Strecke, da die ersten und letzten zwei Kilometer der Streckenführungen identisch waren.

Daniel Jungblut gewinnt den 5 km Lauf Ronny Göhringer wird 2. Christian Justus (TG Sandhausen) gewinnt als 3. die U18. Hinter ihm siegt Dennis Egel vom Laufteam Sparkasse Heidelberg in der U16

Bei den Männern machte Daniel Jungblut in 19:19 Min. das Rennen. Der 35-jährige Lehrer nimmt öfter an Laufwettbewerben im Rhein-Neckar-Raum teil. Momentan vereinslos und seit längerem in Nussloch lebend, spielt er mit dem Gedanken, sich der SG Nussloch anzuschließen, er möchte nicht mehr viel Zeit für die Fahrt zum Training aufbringen. Der zweite Mann, Ronny Göhringer, lief nach 20:06 Min. über die Zielmatte. Sein Name findet sich fast jedes Wochenende in mindestens einer Ergebnisliste, und zwar weit oben. 50 Sekunden nach ihm kam der 16-jährige Christian Justus ins Ziel, der damit mit Abstand schnellster Läufer der TG Sandhausen war.

Die 5km Siegerinnen überquerten innerhalb dreißig Sekunden die Zielmatte. Gabriella Rozor hatte erst gut 500 Meter vor dem Ziel bei den Frauen die Führung übernommen und wurde in 24:58 Min. erste Frau. Caroline Glup vom Laufteam Sparkasse hatte 100m vor der Ziellinie die spätere Dritte Anette-Judith Scholl (TSV 05 Rot) abgefangen, mit 25:25 bzw. 25:28 Min. trugen sie sich in die Ergebnisliste ein.

Anette-Judith Scholl vom TSV 05 Rot siegt als 3. Frau im 5 km Lauf in der W50. W20-Läuferin Caroline Glup vom Laufteam Sparkasse Heidelberg hinter ihr wird 2. 5 km Siegerin Gabriella Rozor mit ihrem Trainer Alex Schmitt und der Bronzefigur Schindelmacher am Lège-Cap-Ferret-Platz

Die 5km-Siegerin war mit Trainer Alex Schmitt vom Hitness Center Heidelberg gekommen. "Bei den 5km Läufen kann Gabriella ihre Ausdauer und die körperliche Anstrengung bei hoher Pulsfrequenz trainieren. Das braucht sie für ihren eigentlichen Sport." Das Laufen ist lediglich sportliche Ergänzung, denn Gabriella Rozor ist erfolgreiche Thaiboxerin. Neben dem süddeutschen Meistertitel im Muay Thai wurde sie vor kurzem Deutsche Meisterin in der B-Klasse bis 63 Kilo und wird im Juli nach Bangkok fliegen, um an den Weltmeisterschaften im Muay Thai teilzunehmen. Offenbar verwendet Gabriella ihre Energie aber nicht nur auf sportliche Aktivitäten, denn die 23-Jährige hat bereits ihren Bachelor Abschluss in Psychologie in der Tasche und befindet sich im Masterstudium an der Universität Mannheim.

10km Dünenlauf

Der Start zum Dünenlauf erfolgte 18.10 Uhr, die Bedingungen hatten sich nicht geändert. Die gut 150 Starter rannten der Sonne entgegen und nach 1,5km in den Hardtwald, der weitgehend Schatten, aber keine Kühlung bot. Die wie erwähnt teils identische Streckenführung wurde durch eine ausgedehntere Strecke im Wald mit zusätzlicher Überquerung einer Autobahnbrücke erweitert, und auch die namensgebende Sanddüne des Dünenlaufs wollen wir nicht vergessen. Die Partnerstadt Lège-Cap-Ferret an der französischen Atlantikküste wird ebenfalls mit Sand, Dünen und Kiefernwäldern am wilden Atlantikstrand beschrieben, und so weckt das Wort "Sanddüne" zunächst einmal positive Assoziationen, auch wenn der Atlantik in Sandhausen definitiv fehlt.

Zwischen Kilometer 7 und 8 fehlte dann auch vielen Läufer*innen der erhoffte Genuss beim Durchlaufen oder Überqueren der Sanddüne, denn der Sand war trocken, staubig und fast schon tief, der Streckenabschnitt in läuferischer Hinsicht also unangenehm und kräftezehrend.

Joshua Sickinger von der LG Region Karlsruhe locker auf der 10 km langen Dünenlaufstrecke unterwegs ... ... und entspannt im Ziel Die drei schnellsten Männer des 29. Sandhauser Dünenlauf im Ziel: v.l.n.r. Ruben Kelle (3.) von der TSG Rohrbach, der Sieger Joshua Sickinger und Christopher Gassert vom Dentallabor Röcker (2.)

"Staub?" - nein, er konnte sich nicht an Staub erinnern und auch die Hitze machte ihm nichts aus. "Ich bin vor kurzem erst aus Florida zurückgekommen, daher bin ich ganz andere Temperaturen gewöhnt", so Joshua Sickinger, der auf der 10km Strecke schon recht bald ein einsames Rennen gelaufen war, denn mit fast dreieinhalb Minuten Vorsprung siegte er in 34:32 Minuten. Joshua Sickinger (LG Region Karlsruhe) hatte nach seinem Bachelor Abschluss in BWL Industrie an der Dualen Hochschule Mannheim über einen Trainer die Empfehlung bekommen, sich für das Masterstudium um ein Sportstipendium in den USA zu bemühen. So erhielt er die Möglichkeit, an der Saint Leo University, Florida, seinen MBA zu absolvieren, inklusive sportlicher Förderung. Nach dem intensiven Training und Wettkämpfen im Segment "Track and Field", also Crosslauf, war der Sandhäuser Dünenlauf für Joshua Sickinger wohl eher ein milder Trainingslauf.

Sabrina Kiefer (HG Oftersheim/Schwetzingen) gewinnt den 10 km Lauf bei den Frauen vor ... ... Lisa Engelhardt und ... ... Sonja Hoffmann (beide Laufteam Sparkasse Heidelberg)

Ganz locker kam Christopher Gassert vom Dentallabor Röcker in 37:52 Min. ins Ziel, und mit viel Power rannte Ruben Kelle vom TSG Rohrbach in 38:19 Min. als Dritter über die Zielmatte. Bis zum Eintreffen der weiblichen 10km Siegerinnen dauerte es noch etwas. Die erste Frau war Sabrina Kiefer in 46:40 Min., sie startete für die kurpfälzische Handball-Spielgemeinschaft Oftersheim-Schwetzingen. Das Handball Spielen hat sie vor über einem Jahr aufgegeben, dafür nimmt sie gelegentlich an Volksläufen teil, wobei der Schwetzinger Spargellauf und der Heini-Langlotz-Lauf zu ihren bevorzugten Laufevents gehören. Die Zweite und Dritte des 10km Dünenlaufs waren Starterinnen des Laufteams Sparkasse Heidelberg: Lisa Engelhardt (52:01 Min.) hatte den Hitzelauf 20 Sekunden vor ihrer Teamkollegin Sonja Hoffmann (52:21 Min.) hinter sich gebracht. Im Vergleich zum letzten Jahr hatten Lisa die Temperaturen 3 Minuten gekostet, aber das dürfte ein "Standardwert" gewesen sein, der für fast jeden galt. Sonja war zum ersten Mal hier gelaufen. "Ein harter Lauf. Sehr anstrengend in der Hitze, und der Staub legte sich auf die Atemwege, das war schwierig!"

Temporärer Hitzetod der Technik

Was die Sportler erst nach und nach inne wurden: Die rot-schwarze Box des Zeitnahmesystems hielt der Hitze nicht stand und versagte bei laufender Veranstaltung ihren Dienst. Praktisch das komplette Läuferfeld des 10km Laufs wurde nicht mittels Transponder erfasst, sondern musste auf Zuruf und mit handschriftlicher Dokumentation festgehalten und später in die digitale Ergebnisliste nachgetragen werden. Ein Technik-Ausfall in diesem Ausmaß gehört wohl zu den Alpträumen eines jeden Veranstalters. Das Sandhäuser Orgateam agierte panikfrei und schrieb die Ergebnisse unaufgeregt mit. Dass bei der Siegerehrung des Dünenlaufs keine Altersklassenwertung erfolgen konnte, war genauso bedauerlich wie verständlich. Die Ergebnisse im Internet waren in der Nacht weitgehend nachvollziehbar und am Folgetag komplettiert, vorerst unter dem Titel "Provisorische Ergebnisliste".

Der Weg zu den Duschen und Umkleiden mit Blick ins kühle Nass Mit Kuchen oder Deftigem wurde Leckeres als Verpflegung angeboten
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

2020 geht's weiter

Der Dünenlauf findet immer im Juni oder Juli eines Jahres statt, und gewöhnlich sind dies die heißesten Tage im Jahr. Insofern müsste die TG 1889 Sandhausen e.V. Kummer bzw. Veranstaltungen bei Hitze gewöhnt sein. Dennoch hatten sich die Finisherzahlen in den vergangenen Jahren immer um die 450 bewegt, gar nicht davon zu reden, dass in den Jahren 2013 bis 2016 über 550 Läufer*innen in den Zielkanal liefen, 2014 waren es sogar 666 gewesen. Insofern sind die 286 Einträge in der 2019-er Ergebnisliste wirklich Pech für die Sandhäuser Veranstalter.

Halten wir fest, dass alle Beteiligten der TG Sandhausen ihr Bestes gaben, um die Veranstaltung trotz widriger Umstände gut über die Bühne zu bringen, dass der Dünenlauf seinem Namen gerecht wird und der Brunnenlauf eigentlich Brunnen-inklusive-Dünenlauf heißen müsste. Wir drücken die Daumen für den 30. Dünenlauf im kommenden Jahr, und wünschen dem Team und den Helfern um Vinod Aggarwal mäßige Temperaturen und viele Starter beim Jubiläumslauf. Grund zum Feiern gibt es 2020 in Sandhausen allemal, da zeitgleich auch das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen Sandhausen und Lège-Cap-Ferret auf dem Programm steht.

Bericht von Anette Judith Scholl
Fotos von Anette Judith Scholl & Kurt Brauch

Weitere Informationen www.duenenlauf-sandhausen.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung